Kalavrita 1943 - Michael Mitrovic - E-Book

Kalavrita 1943 E-Book

Michael Mitrovic

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Beschreibung

Während des Zweiten Weltkrieges haben die Soldaten der Deutschen Wehrmacht in Griechenland über einhundert Orte zerstört. Dabei haben sie zehntausende Griechinnen und Griechen erschossen, häufig als sogenannte Sühnemaßnahme. Eines der furchtbarsten Verbrechen wurde in Kalavrita auf der Peloponnes im Dezember 1943 begangen. Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven anschaulich geschildert. Die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht in Kalavrita sind nur ein Verbrechen von vielen in diesem Krieg verübten. Die Zahl der Opfer des faschistischen Regimes der NSDAP und der Verbündeten ist endlos, die Gräueltaten an Grausamkeit wohl kaum zu überbieten. Und dennoch wollen viele, diese faktisch belegten Taten desavouieren. Autokratische Regierungen, rechtspopulistische, rechtsextreme Bewegungen und Parteien erfahren eine weltweite Renaissance. Auch in Deutschland wird dabei die Geschichte nach Belieben verfälscht. Desinformation und Lüge, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit gehören zum Tagesgeschäft, der Faschismus ist wieder auf dem Vormarsch. Gerade in solchen Zeiten, die in weiten Zügen an die Weimarer Republik erinnern, ist das Aufrechterhalten der Erinnerungskultur neben allen globalen Herausforderungen eines der wichtigsten Themen, denn wohin die Geschichte führen kann, ist eindrucksvoll durch die Vergangenheit belegt. Dieses Buch zeigt am Fallbeispiel der in Kalavrita 1943 begangenen Kriegsverbrechen einen halb dokumentarischen, aber auch subjektiv erzählten, auf Fakten basierenden Verlauf der Ereignisse nach.

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2025

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„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben,

ist barbarisch.“

Theodor Adorno

„Kulturkritik und Gesellschaft“ 1949/1951

„Noch aus der Distanz eines halben

Jahrhunderts sah er sich nicht imstande,

es in Sätze zu fassen, die wirklich

etwas bedeuten.“

Daniel Kehlmann

„Lichtspiel“ 2023

„…Hitler und die Nazis sind nur ein

Vogelschiss in unserer über

1000jährigen Geschichte.“

Alexander Gauland

2.6. 2018

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Kleine Wanderung in Kalavrita (Ouvertüre)

2 In griechischer Gefangenschaft (deutsche Sichtweise)

3 Von Kalavrita nach Feneos (Zwischenspiel)

4 Erschießung der Gefangenen (griechische Sicht)

5 Kalavrita im Hochsommer (Zwischenspiel)

6 Eine Überlebende in Kalavrita

7 Zigeunerliebe (Exkurs)

8 Rückkehr der Andarten nach Kalavrita (aus Sicht der Kommunisten)

9 Mit der Zahnradbahn von Diakofto nach Kalavrita (Exkursion)

10 Das Gefecht bei Lalas

11 Die Fahrt von Patras über Kalavrita nach Kokkoni (Abgesang)

12 Blutiger Geburtstag

Nachwort

Zeitlicher Verlauf

VORWORT

Im Oktober 1944 verließen die letzten Einheiten der deutschen Wehrmacht das seit Frühjahr 1941 besetzte Griechenland. Das griechische Volk hatte sich niemals mit der Besatzung sowohl der italienischen als auch der deutschen Armee abgefunden, wenn auch die eigenen Truppen kapituliert hatten. Im ganzen Land bildeten sich Widerstandsgruppen bis zur Formierung der „regulären“ Untergrundarmee ELAS. Deren Aktivitäten fügten den Deutschen empfindliche Verluste zu, was diese wiederum zu ungeheuren, durch nichts zu rechtfertigende Sühnemaßnahmen veranlasste. Hunderte Dörfer wurden niedergebrannt, Geiseln erschossen, Vieh beschlagnahmt. Es handelt sich zweifellos um kapitale Kriegsverbrechen und fundamentale Menschenrechtsverletzungen, die die deutsche Öffentlichkeit sowie die jeweiligen Regierungen der Nachkriegszeit bis heute nicht annähernd aufgearbeitet haben.

Beide Seiten, sowohl die griechische als auch die deutsche, sind nicht gewillt, das Thema zur ganz großen Sache zu machen. Zwar erinnert die griechische Außenpolitik immer wieder dezent, aber deutlich vernehmbar an Reparationsforderungen sowie an die Rück- und Zinszahlung für einen im Krieg erpressten Zwangskredit. Dann aber sind gerade die Deutschen die treuesten Urlauber im Lande, da stören solche alten Rechnungen, zumal kaum noch jemand von den Zeitzeugen lebt.

Als ich zum ersten Mal griechischen Boden betrat, wir schrieben das Jahr 1973, war es sehr schwer, sich einigermaßen objektiv über die Geschichte Griechenlands im 20. Jahrhundert zu informieren. Ehrlich gesagt, hatte ich das auch gar nicht im Sinn. Zum einen lief gerade die letzte Phase der Militärjunta. Ich trieb mich an der Universität in Athen oder in verbotenen Kneipen herum, in denen die Musik von Theodorakis gespielt wurde. Dann aber wieder war ich durch meine serbische Abstammung vor allem auf die Nazigräuel in Jugoslawien gestoßen. Meine Verwandten hatten mir oft erzählt, dass, wie es hieß, einhundert Einheimische erschossen wurden für einen von den Partisanen getöteten deutschen Soldaten. Die furchtbaren Massaker von Kragujevac und Kraljevo, wo 5000 Geiseln erschossen worden waren und ganze Schulklassen mit ihren Lehrern zur Schlachtbank geführt wurden, stand uns allen vor Augen.

Erst viele Jahre später, nach dem Studium der Sprachen und der Geschichte des Balkans, machte ich mich auf die Suche nach der Wahrheit. Gerade weil ich kein gewöhnlicher Tourist in Griechenland (und in Serbien) war, sondern mit meinen deutsch-griechischen Freunden ihr Leben dort im Alltag teilte, wollte ich tiefer eindringen in das Geflecht von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Vielleicht hatte ich mich in all den Jahren auch unbewusst ferngehalten vom Wissen um die schrecklichen Gräueltaten der Deutschen in meiner Wahlheimat Griechenland. Vielleicht wollte ich mir ein geistiges Refugium erhalten, um wenigstens im Nachfolgeland der klassischen Antike meine Seele zur Ruhe kommen zu lassen. Mein Mutterland hatte sich durch die Shoa für immer die Hände mit Blut besudelt. Mein Vaterland hatte im 2. Weltkrieg vor allem wegen der starken Tätigkeit von Titos Widerstandskämpfern einen ungeheuren Blutzoll entrichten müssen – auch in einem parallel geführten Bruderkrieg, der Royalisten gegen die Kommunisten.

Erst sehr spät, nach 30jährigem regelmäßigen Aufenthalt in meinem Domizil in der Bucht von Korinth, im Alter von fast 50 Jahren, kamen die Ereignisse der unheilvollen Kriegsjahre auch zu mir. Auf meinen Fahrradtouren mit meinem Mountainbike durchquerte ich die gesamte Nordpeloponnes. Wiederholt wurde ich auf die Schönheit der Wanderung von Diakofto nach Kalavrita, direkt an der berühmten Zahnradbahn, hingewiesen. Niemand von meinen griechischen Freunden hatte mich in diesem Zusammenhang je darauf hingewiesen, die Gedenkstätte, das Museum oder die stehengebliebene Uhr am Kirchturm zu besuchen. Das ist natürlich in Ordnung. Niemand möchte seine Freunde mit der Nase auf die peinlichsten Orte seiner Heimat stupsen. Auch für Weimar gilt sicher: erst kommt der Ruhm für die deutsche Dichtergarde der Klassik, danach das Gedenken an Buchenwald. Ein „Katastrophentourismus“ würde der Sache mehr schaden, als dass sie zur allgemeinen Aufklärung und Bildung beitrüge.

Auch haben sich meine griechischen Gesprächspartner immer äußerst wortkarg und zurückhaltend geäußert, wenn die Rede auf den Krieg und den Bürgerkrieg kam. Weder brüsteten sich die einen, noch die anderen, ihre jeweiligen „Heldentaten“ kund zu tun. So ist das wohl immer: Menschen, die jahrelang in kriegerische Handlungen verstrickt sind, seien es reguläre Soldaten oder Aufständische, reden nach Ende der Feindseligkeiten fast nie davon. Und wenn doch, dann sind es meist allgemeine Floskeln, so gut wie nie persönliche Erlebnisse. So hatte ich es ja auch bei meinem Vater erlebt, den die Deutschen nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee 1941 als Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit nach Deutschland brachten.

Touristen wollen in aller Regel von all diesen Gräueltaten nichts wissen. Das ist einerseits gar nicht einmal schlecht. Manche sehen sich sogar als Friedensboten, die obendrein durch ihr gutes Geld dem „armen Griechenland“ helfen wollen und nur gute Absichten zeigen, indem sie nicht selten Freundschaft mit Einheimischen schließen. Auf der anderen Seite kann ein einigermaßen an Politik und Geschichte interessierter Mensch unmöglich niemals etwas bemerkt haben, was das Gleichgewicht zweier Staaten oder Kulturen belastet. Die Frage ist dann nur, inwieweit er sich darüber informieren möchte und kann. Die Kenntnis der Landessprache mag dabei eine Rolle spielen. Mittlerweile kann man sich jedoch längst, anders als in den 70er Jahren, leicht auf Englisch oder Deutsch über alle Aspekte der zeitgenössischen griechischen Geschichte informieren.

Bei mir war jedenfalls irgendwann der Punkt überschritten, an dem es kein Zurück mehr gab. So, wie ich früher überall die Spuren der Antike bewunderte, besichtigte und mit der Gegenwart ins Verhältnis setzte, so begegneten mir nun auf Schritt und Tritt die Spuren furchtbarer Verbrechen der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg.

Plötzlich bekamen Ortsnamen und Regionen, die ich oft mit meinem Fahrrad durchquert hatte, einen völlig neuen Beiklang, einen Geschmack nach Qualm und Zerstörung, von Leiden und Tod.

Gespräche mit Einheimischen, Nachkommen oder Zugezogenen, kamen meistens nur mühsam in Gang. Nur wenn ich meine serbische Abstammung zu erkennen gab, taute mein Gegenüber überhaupt etwas auf. Selbst Bekannte erzählten erst nach Jahren, dass ein Onkel damals, im Dezember ´43, als Kind alles mit ansehen musste. Über das Grauen zu sprechen bedeutet selbst zu leiden, Anteil zu nehmen. Das tut immer wieder aufs Neue weh!

Vielleicht tut es den Griechen aber gerade deswegen so weh, weil die Deutschen, die in der Nachkriegszeit, wenn auch nicht nach Kalavrita, so zahlreich als Touristen an die wunderschönen griechischen Strände kamen, aber niemals ein Wort darüber verloren, was ihre Vorfahren den Menschen dort angetan haben. Noch schlimmer: keine deutsche Nachkriegsregierung hat sich je bemüht, die Ereignisse wirklich aufzuarbeiten und eine echte Versöhnung anzustreben. Fast 57 (siebenundfünfzig) Jahre nach dem Massaker, im Jahr 2000, besuchte zum ersten Mal ein deutscher Spitzenpolitiker, Bundespräsident Rau, den Ort. Außer artigen Entschuldigungen und milden Gaben fiel nichts dabei ab.

Sicher kann die deutsche Regierung nicht alle im Krieg begangenen Verbrechen angemessen kompensieren. Dazu waren es einfach zu viele! Das griechische Volk hingegen fühlt eine große Ungerechtigkeit und auch Hilflosigkeit gegenüber dem „großen“ Deutschland. So, wie die deutschen Touristen schon seit Jahrzehnten aufgenommen und bewirtet werden, sieht man: alles ist vergeben! Jedoch vergessen werden darf es niemals!

In diesem Sinne habe ich versucht, das Massaker in Kalavrita im Dezember 1943 anhand von nacherzählenden und dokumentarischen Berichten darzustellen. Die Gefangennahme und Erschießung der deutschen Kompanie, die letztlich zur Katastrophe als „Sühnemaßnahme“ führten, wird aus deutscher wie griechischer Sicht geschildert. Danach lasse ich eine Überlebende zu Wort kommen. Daran schließt sich die Rückkehr der Aufständischen an, die es natürlich nicht auf ein Gefecht mit den Deutschen haben ankommen lassen. Die groß angelegte Säuberungsaktion der Wehrmacht gegen die Partisanen auf der Nordpeloponnes wird im Gefecht von Lalas dargestellt. Den Abschluss bildet die Geburt eines Mädchens mitten im Chaos am Tag der Zerstörung des Ortes. Sie stellt sozusagen das Sinnbild der Erneuerung, den Phönix aus der Asche dar. Es ist eine winzige Hoffnung, dass selbst in düstersten Zeiten ein kleines Licht leuchtet, ein neuer Mensch tritt in die Welt. Aber mit welch furchtbarer Hypothek…

Zwischen diese ernsten Texte sind kleine Skizzen und Erlebnisse gestellt, die während meiner frühen Aufenthalte in Kalavrita entstanden. Sie zeigen die anfänglich „naive“ Begeisterung für Landschaft und Kultur. Schon bald aber mischen sich Bedenken mit ein, bis schließlich eine detaillierte Schilderung der Vorgeschichte und des Massakers selbst die Hauptsache meiner Notizen ausmacht.

Es versteht sich, dass bei dem gewählten Verfahren viele Einzelheiten mehrfach erwähnt oder geschildert werden, sei es aus verschiedenen Blickwinkeln oder um Sachverhalte in ihrer organischen Entwicklung darzustellen. So wächst im Laufe der Lektüre das Bewusstsein für den gesamten, schrecklichen Ablauf der Katastrophe.

Es wurde darauf verzichtet, zu Beginn einen einführenden analytischen Text zu präsentieren, um das Thema zu umreißen und die historischen Tatbestände einzuordnen. Wer das unbedingt braucht, sollte mit dem sechsten und letzten Einschub „Abgesang“ – „Die Fahrt von Patras nach Kokkoni“ beginnen und den zeitlichen Verlauf dazu verfolgen.

Verbrechen an der Menschheit verjähren niemals!

Egal, wo sie begangen wurden!

Egal, von wem sie begangen wurden!

Sie werden niemals vergessen werden!

Auch wenn manche deutsche Politiker meinen, die Nazizeit – und damit auch die von den Nazis zu verantwortenden Kriegsverbrechen – seien nur „ein Vogelschiss in unserer über 1000jährigen Geschichte“. Noch nach tausend Generationen wird man nachlesen können, was damals im Dezember 1943 deutsche Soldaten unschuldigen griechischen Menschen angetan haben.

Und für alle Ewigkeit gilt: Schuld kann nur vergeben werden, wenn beide Seiten aktiv daran arbeiten!

1 KLEINE WANDERUNG IN KALAVRITA

(Ouvertüre)

Verschiedene Freunde hatten mir bereits erzählt, dass man an der Zahnradbahn entlang von Diakofto nach Kalavrita wandern könne. Sie schwärmten von der Schönheit der Strecke, die einen Teil des Europäischen Wanderwegs E4 darstellt. Das konnte ich mit meinem Mountainbike natürlich nicht erleben. Zwar verläuft der obere Teil der Straße von Kalavrita bis etwa Ano Zahlorou dicht neben der Bahnstrecke. Aber fahren auf Asphalt mit etwa 15km/h (bergab 25-30) ist eben doch etwas Anderes als meditatives Wandern. Übrigens hört man beim Fahrradfahren kaum Naturgeräusche, sondern den Fahrtwind und die übrigen Verkehrsteilnehmer.

Selbstverständlich hatte ich vor, einmal die gesamte Tour zu gehen. Um mir darauf Appetit zu machen, beschloss ich, mein Rad in Kalavrita zu deponieren und ein, zwei Stunden bergab zu wandern. Ehrlich gesagt, konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie man am/auf dem Bahngleis vorankommen sollte. Es war also ein Experiment!

Der Tag war nicht zu heiß und ich brach am frühen Nachmittag auf, und zwar direkt am kleinen Bahnhof. Ein Zug hatte gerade vollbesetzt die Rückfahrt ans Meer angetreten, da konnte also erstmal nichts nachkommen. Und den entgegenkommenden Zug würde ich ja hören und sehen. Von einer offiziellen Würdigung oder Kennzeichnung des „E4“ war keine Spur zu sehen. Neben dem Gleis war eine ausgetretene Spur, auf der ich bequem vorankam.

Damals hatte ich mich noch nicht intensiv mit den Einzelheiten des Nazi-Massakers im Dezember 1943 beschäftigt, ich kannte lediglich die groben Umrisse. Sonst wäre ich kaum ruhigen Gewissens auf diesen Wegen gewandert. Die erste Haltestelle nach etwa einer Stunde war z.B. jene des Ortes Kerpini, der von den Deutschen dem Erdboden gleichgemacht worden war. Ich aber hatte nur Augen für die Naturschönheiten: das sich rechts aufbauende Aroania-Gebirge mit dem Chelmos im Südosten, die sanfteren Hügel zur linken Seite, der zu meiner Linken munter fließende Vouraikos. Als die Bahntrasse den Fluss über eine große Bogenbrücke querte, machte ich Halt. Ich hatte ein wenig Respekt vor der Tatsache, dass ein Zug kommen könnte, während ich mitten auf der Brücke wäre. In Wirklichkeit musste ich aber aus zeitlichen Gründen sowieso umkehren. Ich war 90 Minuten ohne Pausen gewandert. Wenn ich nun eine Rast einlegte, dann wäre ich am späten Nachmittag zurück in Kalavrita. Die Fortsetzung bzw. die komplette Tour (in beiden Richtungen) folgte erst sechs Jahre später…

2 IN GRIECHISCHER GEFANGENSCHAFT

(deutsche Sichtweise)

Der ganze Kladderadatsch begann Anfang September mit der Kapitulation der Italiener. Eigentlich war es ja ganz gut so, denn die Einheimischen haben die Italiener gehasst, wegen 1940 natürlich und es hatte da viele Probleme gegeben. Uns haben sie dagegen geschätzt, wegen unserer Technik und unserer Kultur. Jedenfalls die einfachen, normalen Griechen. Wir schätzen ja die antike griechische Kultur auch hoch ein, haben das alles in der Schule gelernt. Aber nun wurden die kommunistischen Andarten immer frecher. Die piesackten ihre eigenen Leute, stachelten sie gegen uns auf. Die waren gegen alle Besatzungsarmeen, egal ob deutsche oder italienische. Kann man ja irgendwie auch verstehen. Aber die bekamen ihre Befehle aus Moskau und da hört jeder Spaß auf! Ihre Aktivitäten nahmen rapide zu und sie störten vor allem unsere wichtigen Nachschubwege.

Jedenfalls marschierten wir einen Tag nach der Kapitulation der Italiener in den Bergort Kalavrita ein und entwaffneten die dort stationierte italienische Einheit. Danach ging es zurück an die Küste, wo wir wieder ein paar ruhigere Tage verbrachten. Das innere Gebiet der Peloponnes wurde von uns im Prinzip nun nicht mehr kontrolliert und man konnte von Woche zu Woche eine Zunahme der Andartenaktivität beobachten. Wir vermuteten schon lange, dass besonders Kalavrita ein Zentrum dieser Aktivität war, speziell das Kloster Agia Lavra. Effektiv waren allerdings auch die Italiener nicht gewesen.

Mitte Oktober wurde auch prompt ein Großunternehmen befohlen, das Gebiet zwischen der Nordküste und Kalavrita aufzuklären sowie den Feind nach Möglichkeit zu stellen und zu schlagen. Unsere Einheit war für die Erkundung an der Zahnradbahn von Diakofto bis Kalavrita vorgesehen.