Kalli - Christina Notheisen - E-Book

Kalli E-Book

Christina Notheisen

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Beschreibung

Kalli, ein kleiner Junge, besitzt grossen Reichtum und diesen will er an andere Menschen weitergeben. Kalli hat aber auch einen Feind, der für die Welt nur Böses möchte und diesen Feind muss Kalli bezwingen um seinen Reichtum auf der Welt zu verbreiten.

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Christina Notheisen

Kalli

Wie man reich wird

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kalli

Impressum neobooks

Kalli

 Kalli rennt ! Er rennt um sein Leben. Durch dunkle, verwinkelte Gassen, die ihm Angst einflössen. Dunkelheit verbreitet ein ungutes Gefühl.

Kein Lichtstrahl ist zu sehen. Trotz der enormen Anstrengung schafft es Kalli noch einmal seine Geschwindigkeit zu erhöhen. Das Herz des Jungen rast und seine Beine drohen den Dienst zu versagen. Sie sind schwer, als ob sie mit Blei gefüllt wären. Aber Kalli darf unter keinen Umständen das Tempo verringern, oder gar stehen bleiben, egal wie sehr ihn seine Glieder schmerzen. Er treibt sich selbst an:

„Renn immer weiter. Gib nicht auf !“ Mit der letzten Luft, die in seiner Lunge ist singt er laut Lieder, die ihm seine Mutter immer vorgesungen hat, als er noch ein Kleinkind war. Unter Schmerz presst er aus seiner Kehle:

„Guten Abend, gute Nacht. Mit Rosen bedacht mit Sternlein bedeckt, schlupf unter die Deck. Hmhmhm....“ Kalli hat den Text vergessen. Trotzdem summt er ohne Unterbrechung weiter. Wirre Gedanken machen sich in seinem Gehirn breit, undefinierbares Zeug. Was würde er darum geben, jetzt unter der besungenen Decke zu liegen !

Der Junge hat den Sinn für Raum und Zeit verloren, er weiß nicht wie lange er schon durch diese verlassene Stadt rennt, deren Name er noch nicht einmal kennt.

Der Geruch von Moder und Tod macht sich breit.

Dann kriecht ein Gefühl der Lähmung seinen kleinen Körper hinauf. Damit ist sein Schicksal besiegelt. Er gibt sich geschlagen. Erschöpft bricht er zusammen.

Doch Kalli weiß, egal was nun auch kommen mag, der Tod ist nicht das Ende.

Im Gegenteil: Der Tod ist der Anfang. Er ist ohne Furcht und ihm wird warm.

Er schafft es noch einmal seinen Kopf anzuheben. Wenn er schon verloren hat,

so will er wenigstens seinem Verfolger in die Augen sehen. Und dann sieht er sie:

Eine hässliche Gestalt. Der dünne Körper eingehüllt ein einen schwarzen Mantel.

Die langen Haare sind zu einem Zopf gebunden. Beine, wie Streichhölzer, die in schweren Stiefeln stecken. Es ist der Bruchteil einer Sekunde, in der Kalli einen Blick auf die Gestalt erhaschen kann. Doch dieser Anblick brennt sich in sein Gehirn. Das hier ist eine Kreatur ! Eine menschliche Gestalt, aber ohne Gesicht und ohne Seele. Diese Kreatur verkörpert das Böse.

Kalli schließt die Augen. Er wird sich seinem Schicksal hingeben.

„Soll sie mich doch holen. Ich habe keine Kraft mehr um weiterzulaufen“,

denkt der Junge. Die Wärme in seinem Körper wird intensiver und Kalli sieht einen hellen Lichtstrahl, der ihn magisch anzieht. Ein Licht, heller als die Sonne und so voller Geborgenheit. Jetzt hat Kalli keine Angst mehr.

Die Kreatur streckt ihre Arme aus, Fingern so dürr wie Spinnenbeine greifen nach dem Jungen. Dieser bäumt sich ein letztes Mal auf und schreit, so laut er nur kann: „Neiiiiiiin !!!“

Kalli steht senkrecht in seinem Bett. Der Mund offen, noch immer ist das Echo seines Schreies zu hören.

Da war er wieder, dieser Alptraum.

Seine Knie zittern und das Herz schlägt schnell und unregelmäßig. Er hat Mühe sich zurechtzufinden. Vorsichtig versucht er sich zu setzen, doch das Wackeln der Matratze trägt nicht zu seiner Beruhigung bei. Seine Finger tasten vorsichtig nach der Nachttischlampe. Klick. Dann sieht er die vertraute Umgebung, sein Kinderzimmer. Geborgenheit. Erleichterung macht sich breit.

Die schwarze Kreatur wird blasser.

Vor einigen Monate fing das an mit den Alpträumen.

Manchmal wird Kalli mehrmals in der Nacht von der Kreatur heimgesucht.

Nur wenige Nächte sind traumlos. Leider.

Der Wecker auf dem Nachttisch tickt laut. Tick-tock-tick-tock. Der Minutenzeiger hat die Form eines Pferdes und bewegt sich bei jeder Minute, die verstreicht.

Kalli findet es am Lustigsten wenn der Zeiger auf der Zwölf steht dann nämlich macht das Pferd einen Kopfstand.

Der Stundenzeiger ist ein rot-weißes Hindernis. Der Junge kennt diese Balken von den Reitturnieren. Doch das Pferd im Wecker schafft es nie, das Hindernis zu überspringen, anders als auf dem Reitplatz.

Das Pferd steht auf der Fünfzehn und das Hindernis kurz hinter der Sieben. Eigentlich könnte er sich unter die Decke kuscheln und noch einmal einschlafen. Seit zwei Tagen sind Weihnachtsferien.

Doch er steht lieber auf und wirft einen Blick in jedes Zimmer. Immer auf der Hut vor der Kreatur. Natürlich weiß er, dass die Kreatur nur in seinen Träumen existiert, aber sicher ist sicher. Glück gehabt: Er ist alleine in der Wohnung.

Kalli zieht die Rollläden nach oben. Draußen ist es noch dunkel, doch im Schein der Straßenlaterne kann er die vielen Schneeflocken sehen, die ununterbrochen zur Erde fallen. Schwerelos, wie Wattebauschs.

Seit Tagen schneit es ohne Unterbrechung.

Bei den ersten Schneeflocken, die zur Erde fielen, waren die Menschen begeistert. Man feierte den Schnee, als ob es Diamanten wären, die da vom Himmel kommen.

Doch bereits nach kurzer Zeit machte sich Unmut breit und man konnte dem Schnee nichts Gutes mehr abgewinnen. Das war jedes Jahr so. Kalli stand an der Hauswand unter dem Dachvorsprung und beobachtet den Nachbarn Herr Faber beim ersten Schneeschippen.

„Hallo Junge, nach so langer Zeit mal wieder Schnee. Da macht das Schippen richtig Spaß.“ Herr Faber winkte übermütig zu Kalli. Ein paar Tage später schaute Kalli wieder beim Schneeschippen zu. Das Gesicht von Herr Faber war mürrisch.

„So langsam tut mir echt der Rücken weh mit dieser Schipperei. Hoffentlich hat das mit dem Schnee bald ein Ende“. Diesmal winkte er nicht zu Kalli rüber. Ja so waren sie die Menschen. Die Begeisterung läßt schnell nach. Vor allem, wenn etwas mit Arbeit verbunden ist.

Die Stadt, in der Kalli lebt, ist grau und anonym.

Trotzdem lebt er gerne hier. Ihm gefällt vor allem die Fußgängerzone, hier gibt es immer etwas zu sehen. Er ist nicht anspruchsvoll. Ihm ist es gleich, ob es schneit oder die Sonne scheint, ob die Häuser bunt sind oder eintönig grau. Er nimmt alles, wie es kommt. Ändern kann er es sowieso nicht. Und wenn er sich über jede Kleinigkeit ärgern würde, würde sich etwas ändern ? Nein.

Der Junge genießt die Stille und Wärme in der Wohnung und beobachtet durch die Scheibe wie der Tag anbricht, völlig ruhig und ohne Hast. Draußen ist es bitterkalt, auf den Autos hat sich eine Eisschicht gebildet.

Einige Zeit später steht er inmitten der belebten Einkaufstrasse.

Dieser Junge ist anders als die Anderen. Der Junge ist etwas ganz Besonderes. Auf den ersten Blick kann man das nicht erkennen. Aber eines ist sicher: Er ist reich....sehr reich sogar, auch wenn er seinen Reichtum nicht zur Schau stellt. Im Gegenteil, Kalli ist ein genügsames Kind, das keinen Wert legt auf teure Kleidung, Handy oder sonstige Gegenstände, die den Geist negativ beeinflussen.

Doch es gibt da jemanden, dem Kallis Reichtum ein Dorn im Auge ist.

Die Kreatur.....

Kalli schaut nach oben zu den leuchtenden Sternen, die lustig im Wind an den Laternen baumeln. Sie strahlen so schön.

Er kann sich für solche Dinge wirklich begeistern, vor allem aber hat er noch einen Blick dafür.

Für Kalli ist die Weihnachtszeit etwas ganz Besonderes.

„Wie schön ist doch die Weihnachtszeit !“ Sagt er laut und er meint es ehrlich. Doch niemand schenkt seinen Worten Beachtung. Er weiss, dass ausser ihm fast niemand von den tanzenden Sternen Notiz nimmt. Die Passanten halten Ausschau nach den funkelnden Auslagen der Geschäfte und das Gefühl von Haben-Wollen nimmt sie als Sklaven. Eine traurige Tatsache. Leider

Wegen der klirrenden Kälte sind viele Gesichter hinter dicken Schals versteckt. Schwer bepackt, mit überdimensional großen Tüten, laufen sie mit schnellen Schritten den Gehsteig entlang. Den Blick stur, geradeaus gerichtet. Nur auf sich selbst und ihr Ziel fixiert. Kein Wunder, morgen ist Heiligabend und da macht sich bei vielen Hektik breit. !

„Schade eigentlich“, denkt Kalli.

Man könnte es sich doch viel leichter machen, gerade in dieser besinnlichen Zeit. Doch die Vorweihnachtszeit hat ihre Besinnlichkeit und den Glanz verloren.

Die Adventszeit wird bestimmt von wahren Einkaufsmarathons um dann am Jahresende festzustellen, dass man mal wieder mehr Geld ausgegeben hat,

als man eigentlich hat. Aber Hauptsache unter dem Baum türmen sich viele Geschenke. Mehr Geschenk als Baum. Traurig.

Dann passiert es: Ein großes Schaufenster zieht Kallis Aufmerksamkeit auf sich, obwohl er gar nicht will. Doch er hat keine Chance und kann nicht widerstehen.

Er muss einfach hinsehen.

Im Schaufenster dreht eine Eisenbahn gemütlich ihre Runden.

Die Lok bläst weiße Rauchkringel aus ihrem Schornstein und zieht scheinbar schwerelos ihre Waggons hinterher. Am Bahnübergang leuchtet eine rote Ampel und die Autos warten vor den Schranken. Entlang der Bahngleise säumen kleine Häuser den Weg. Winzige Figuren stehen in künstlichem Schnee. Auch hier ist Winter und alles wirkt real. Wie im richten Leben eben.

Kalli ist fasziniert von dieser kleinen Welt. Gebannt starrt er darauf.

Hinter der Scheibe ist die Welt noch in Ordnung und der Junge wird traurig.

Doch dann beschleicht ihn eine ungute Vorahnung....

Plötzlich verdunkelt sich der Himmel über der Miniaturstadt.

„Ob das wohl auch zur Dekoration gehört ?“ Überlegt er.

Aber im Grunde weiß er, dass die dunklen Wolken ihren Ursprung woanders haben. Sie sind nämlich ein Schatten. Dann taucht sie auch schon auf: Die Kreatur.

Kalli erstarrt. Er will schreien, doch seine Stimme versagt.

Der Schrei bleibt im Hals stecken. 

Die Kreatur klettert über die Absperrung, mitten in die Miniaturstadt.

Mit ihren schweren Stiefeln trampelt sie über die Häuser und Figuren,

dabei dreht die Eisenbahn unbeeindruckt noch immer ihre Runden...

Die Kreatur legt einen Schalter an der Miniatur-Ampelanlage um und plötzlich leuchtet diese grün. Die Autos bewegen sich auf die Gleise zu, wie von Geisterhand gesteuert. Dann nähert sich die Eisenbahn mit unverminderter Geschwindigkeit. Kalli sieht wie sich der Zug in die Autos bohrt, begleitet von einem lauten Knall.

Es kracht noch ein paar mal und danach ist es still. Unheimlich still.

Ungläubig starrt er in das Schaufenster: Ein Blechknäuel liegt inmitten der zertretenen Häuser. Blut sickert langsam aus den Überresten der Fahrzeuge.

Ein höhnisches Lachen ist zu hören. Kalli steht stumm da, starr vor Schreck.

In nur wenigen Sekunden hat die Kreatur die schöne Welt im Schaufenster zerstört. Die Blutlache um das Blechknäuel wird immer größer.

Die Kreatur steht mit erhobenen Armen mitten in diesem Schlachtfeld.

„Warum hilft denn keiner und legt dieser Kreatur das Handwerk ?“

Kalli stellt diese Frage jedoch nur in seinen Gedanken.

Er spricht die Worte nicht aus.

Nach einiger Zeit kann er seinen Körper aus der Starre befreien.

Er dreht sich um, in der Hoffnung in ungläubige, ängstliche Gesichter zu blicken.

Doch mit Verwunderung stellt er fest, dass niemand von den Geschehnissen im Schaufenster Notiz nimmt.

Kalli wirft seinen Kopf zwischen der Kreatur im Schaufenster und den Passanten auf dem Gehsteig hin und her. Er reibt sich verwundert seine Augen.