Kalsarikänni - Miska Rantanen - E-Book

Kalsarikänni E-Book

Miska Rantanen

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Beschreibung

Die Dänen lieben Hygge, kuscheln sich gerne gemütlich ein und trinken literweise heiße Schokolade. Da das ziemlich auf die Hüften geht, haben die Schweden das etwas moderatere Lagom erfunden. Ein bisschen Schoki, aber nicht zu viel davon. So richtig viel Spaß macht Mäßigung dann aber doch nicht, weswegen die Finnen nun mit Kalsarikänni durchstarten, was so viel bedeutet wie: sich allein zu Hause in Unterwäsche betrinken. Bei diesem sensationellen Wohlfühltrend aus dem coolen Norden geht es darum, sich all die hoffnungslos verplanten Abende zurückzuerobern, die man sonst mit Besuchen im Fitnessstudio, miesen Dates, langweiligen Familienfeiern oder gar im Büro gefüllt hat. Canceln Sie das alles. Gehen Sie heim, ziehen Sie sich den unbequemen Anzug aus und kippen Sie in Ruhe einen: Entspannter werden Sie nie sein. Der finnische Kalsarikänni-Experte Miska Rantanen zeigt Ihnen, wie es geht!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Das Buch

Vergesst Hygge und Lagom, das ist was für Weicheier.

Der coolste aller skandinavischen Trends ist Kalsarikänni. Das heißt wörtlich übersetzt: sich allein zu Hause in Unterwäsche betrinken. Also geht heim, macht euch nackich und gönnt euch ein schönes kühles Bier. Zum Teufel mit den ganzen Verpflichtungen, Terminen, Verabredungen, dem Stress im Job und in der Freizeit. Entspannt allein trinken ist das neue Wohlfühlding – die unkomplizierteste Party der Welt!

Der Autor

Miska Rantanen (geboren 1967) ist ein finnischer Journalist, er hat bereits sechs Sachbücher veröffentlicht. Seine Artikel sind in der finnischen Zeitung Helsingin Sanomat erschienen, seine bevorzugten Themenbereiche sind Kultur, Politik und digitale Medien.

Miska Rantanen

Kalsarikänni

Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken

Aus dem Finnischen übersetzt von Tanja KüddelsmannIllustriert von Mari Huhtanen

Die finnische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel »Kalsarikänni. Suomalainen opas hyvään elämään« bei Kustantamo S & S, Helsinki. Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Januar 2019

Copyright © 2019 by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Copyright © Miska Rantanen, 2018

Published by agreement with Helsinki Literary Agency (Helsinki, Finland).

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München,

in Anlehnung an die Gestaltung der finnischen Originalausgabe

(Cover, Design und Illustrationen: © Mari Huhtanen, Kilda, 2018)

Foto 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11 © Sameli Rantanen, alle anderen © Pexels

Illustrationen 1–3 und 4–5 © thisisfinland.fi | Ministry of Foreign Affairs of Finland

Lektorat: Doreen Fröhlich

DF · Herstellung: kw

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-23313-6V001

www.goldmann-verlag.deBesuchen Sie den Goldmann Verlag im Netz:

Für Stella, Jallu und Santtu

Inhalt

Prolog

1. Einführung: Das finnische Zen

2. Warum Kalsarikänni?

3. Kalsarikänni und seine Elemente

4. Kalsarikänni und die sozialen Medien

5. Die Wurzeln des Kalsarikänni

6. Musik und Kalsarikänni – eine glückliche Verbindung

7. Kalsarikänni in der Populärkultur

8. Kalsarikänni und das bewegte Bild

9. Es ist offiziell

10. Selbstmitleid und Kalsarikänni

11. Lethargie im Hotel – Chancen und Gefahren

12. Wie kriege ich das Bier kalt?

13. Tütenbier – die Sommerversion des Kalsarikänni

14. Kalsarikänni in Bewegung

15. Kochen um Mitternacht

16. Drei Abende

17. Wenn Kalsarikänni dir entgleitet

18. The Next Level

Danksagung

Prolog

Kommt dir das bekannt vor?

Es ist der Abend eines langen Tages. Wieder mal hat eine Konferenz die andere gejagt. Die meisten Kunden sind dir reichlich auf die Nerven gegangen, aber du hast dir nichts anmerken lassen – eine oscarreife Meisterleistung! Dein Gehirn läuft auf Hochtouren, denn dieser Tag hielt jede Menge Überraschungen bereit, auf die du schnell reagieren musstest.

Als du nach Hause kommst, stellst du erleichtert fest, dass alles, was zu erledigen war, erst einmal abgehakt ist. Du kannst zufrieden sein. Noch wäre Zeit, mit den Kunden auszugehen und bis spät in die Nacht zu netzwerken. Ein paar Drinks könntest du tatsächlich gebrauchen, aber du beschließt, dein heimisches Nest heute nicht mehr zu verlassen.

Denn du bist vorbereitet. Heute Morgen hast du vorsorglich den Kühlschrank mit dem vorzüglichen Craft Beer aus dem Supermarkt um die Ecke gefüllt. Außerdem hast du bei der Gelegenheit noch einen Piccolo Sekt und eine kleine Flasche Schnaps kühlgestellt und eine Auswahl an süßem und salzigem Knabberzeug bereitgelegt.

Am Tag ist es heiß hergegangen, aber jetzt ist wenigstens das Bier kalt. So schnell wie nur möglich lässt du deine Businesshüllen fallen. Es ist ja kein Geheimnis, dass offizielle und repräsentative Kleidung gleichzeitig auch immer unbequem ist und irgendwo kneift. Der genussvollste Moment des Ausziehens kommt zum Schluss, wenn man langsam die Füße aus den durchgeschwitzten Socken schält. Für dieses Gefühl müsste eigentlich ein eigenes Wort erfunden werden. Du schleuderst die Socken quer durch den Raum – und bist endlich frei von den Fesseln der Zivilisation!

Dann lässt du dich in Unterwäsche auf dem Sofa nieder und stößt einen Seufzer der Erleichterung aus – aber das Beste kommt erst noch: Aus dem Kühlschrank holst du dir eine Flasche Bier, die in der Wärme des Zimmers sofort beschlägt. Wie immer läuft die Zusammenarbeit von Flaschenöffner, Muskelkraft und Kronkorken mühelos: tschsch.

Du nimmst die Fernbedienung in die Hand, überspringst schnell die Nachrichtenkanäle – der Goldpreis, der dich tagsüber so beschäftigt hat, ist jetzt nicht mehr relevant. Erst bei den Reality-TV-Kanälen ist es an der Zeit, innezuhalten und den ersten Schluck Bier zu nehmen. Und den zweiten. Wenn das erste Bier getrunken ist, holst du dir ein zweites und schenkst dir bei der Gelegenheit noch eineinhalb Fingerbreit Whisky ein. Die Chipstüte öffnest du liebevoll wie ein filigranes Schatzkästchen.

Allmählich weicht die Spannung aus deinen Schultern, und die Wärme wandert in die Fingerspitzen. Du lümmelst dich in eine bequemere Sitzposition.

Auf dem einen Sender heißt es, kommenden Herbst sei ein blasses Orange angesagt. Klick. Beim nächsten verpaaren sich junge Leute, die auch noch den letzten Rest ihrer Würde verloren haben, gegen Geld auf einer tropischen Insel. Klick. Auf dem dritten Kanal zeigt eine Wackelkamera, wie man im Do-it-Yourself-Verfahren sein Auto reparieren kann. Die Federungsbauteile gab es günstig im Internet.

Die Autoschrauber haben stramme Deadlines, aber du – du musst nirgendwohin.

Zeit für Kalsarikänni.

1. Einführung: Das finnische Zen

Was ist Kalsarikänni? Welche Philosophie steckt dahinter? Was unterscheidet es von Lagom und Hygge?

Kalsarikänni entspannt und bringt dich runter, in Zeiten, in denen die Welt unübersichtlich geworden ist. Schlagzeilen im Riesenformat wollen uns einreden, das Ende stehe kurz bevor. Es ist schwierig zu unterscheiden: Was sind Fake News, was sind echte Nachrichten – und was ist beides? Klimawandel, internationaler Terrorismus, Autotune-Musik, demokratisch gewählte Präsidenten, Schönheits-OPs alternder Promis – jede Nachricht klingt schlimmer als die vorherige.

Die nordischen Länder hatten schon immer ihre eigenen Rezepte gegen den Weltschmerz. Wenn die Welt da draußen von Stürmen erschüttert wird, weiß der friedliebende Nordländer, dass jeder einzelne Mensch unmöglich alles selbst beeinflussen kann. Aber durch das eigene Handeln und die persönlichen Entscheidungen kann man die Dinge für sich und seine Liebsten leichter oder wenigstens etwas erträglicher machen.

Die Schweden und Norweger bringen diese Philosophie im Begriff Lagom auf den Punkt, der gleichzeitig eine Weisheit und eine Lebensregel ist. Er lässt sich mit Begriffen wie »maßvoll«, »stimmig« oder »im Gleichgewicht« übersetzen. Wenn Dinge lagom sind, dann ist alles genau am richtigen Platz, nicht zu viel und nicht zu wenig. Lagom ist demokratisch, ökologisch und trifft in vielerlei Hinsicht den Kern des nordischen Lebensgefühls.

Und das ist gleichzeitig auch sein Problem. Obwohl Lagom nahezu alle Ziele eines guten Lebens in sich vereint, passt sein puritanischer Ansatz nicht zu unserer aktuellen Realität. Denn der verantwortungsbewusste Mensch von heute ist ein Individualist, der seine Entscheidungen frei treffen, die Herausforderungen des Alltags vergessen und auch mal die Sau rauslassen will. Das Problem von Lagom liegt im Kerngedanken des Gutmenschenethos: Ein Gutmensch kann sich nie gehen lassen, weil er immerzu seine ethischen Entscheidungen hinterfragen muss. Getreu dem Motto: Sicherheit gibt nur das, was vorhersehbar ist. Aber hey, gilt das nicht auch für den Tod?

Dänemark wiederum ist berühmt für Hygge: sich in die Stimmung fallen lassen, entschleunigen und den Moment genießen. Hygge, das ist ein Becher Kakao auf dem Sofa, im warmen Kerzenschein, und draußen vor dem Fenster stiebt friedlich der Schnee. Während Lagom eine geistige Einstellung und Lebensphilosophie ist, kann man Hygge erreichen, indem man sein physisches Umfeld verändert. Und es stimmt ja auch: Man müsste schon komplett gefühlskalt sein, wenn eine Wolldecke, ein Kaminfeuer, ein saftiger Biobrie, ein weicher Rotwein und ein Regal voller ledergebundener Bücher nicht diese segensreiche Passivität verursachen würden, die einen alle Probleme der Welt vergessen lässt.

ENDE DER LESEPROBE