Kalte Rache, heiße Küsse? - Dani Collins - E-Book

Kalte Rache, heiße Küsse? E-Book

Dani Collins

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Beschreibung

Seit über zehn Jahren jagt Gisella einem verschollenen Schmuckstück hinterher. Jetzt hat sie es endlich in einer alten Villa in New York aufgespürt - und verliert es Minuten später ausgerechnet an Kaine Michaels. Der Erzfeind ihrer Familie ersteigert bei einer Auktion das ganze Anwesen samt Inhalt! Bei dem triumphierenden Blick des gut aussehenden Milliardärs überläuft Gisella ein Schauer. Sie ahnt, dass Kaine einen eiskalten Racheplan verfolgt, in dem sie, sein Sex-Appeal und der Schmuck die Hauptrollen spielen …

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Seitenzahl: 208

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IMPRESSUM

JULIA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2019 by Dani Collins Originaltitel: „A Virgin to Redeem the Billionaire“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London in der Reihe: MODERN ROMANCE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIABand 222019 - 2019 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Petra Pfänder

Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 10/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733712549

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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PROLOG

„Meine Damen und Herren, wir haben ein überraschendes Angebot von Mr. Kaine Michaels für das gesamte Anwesen erhalten. Die Familie hat die gebotene Summe für die Garrison-Villa mitsamt dem kompletten Inventar akzeptiert. Daher wird es keine Versteigerung einzelner Gegenstände mehr geben. Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, aber es werden keine weiteren Gebote angenommen.“

„Was? Das darf nicht wahr sein.“ Gisella Drummonds Worte gingen in dem ärgerlichen Stimmengewirr unter, das im Saal aufstieg.

Instinktiv schaute sie zu dem hochgewachsenen Fremden hinüber, der vor wenigen Augenblicken in den Saal gekommen war. Schon beim Eintreten hatte er ihren Blick auf sich gezogen, als er ohne zu zögern zu dem Auktionator auf das kleine Podium neben dem Kamin gestiegen war.

In dieser Umgebung wirkte er auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper, fast wie ein Rebell. Seine Ausstrahlung war sündhaft sexy in schwarzen Jeans und einer Wildlederjacke, die er über einem Hemd ohne Krawatte trug.

Die Garrison-Villa in Manhattan war ganz im klassischen französischen Renaissancestil gehalten, mit antikem Mobiliar auf verblassten Seidenteppichen und schweren Kristallleuchtern.

Marmorsäulen trugen die hohen Decken, dichte Seidenvorhänge verbargen den Ausblick auf den Central Park. Der Fremde wirkte zu rau für diesen makellosen und kultivierten Ort. Hatte er die Villa wirklich gekauft, mit allem, was dazugehörte?

Neben ihr verfluchte Mr. Walters leise den Käufer. Mr. Walters war ein langjähriger Geschäftsfreund ihres Onkels und hatte seine Absicht geäußert, die Villa zu kaufen.

Gisella dagegen war nur wegen eines Ohrrings gekommen. Doch die überraschende Wendung der Auktion entsetzte sie deshalb nicht weniger. Vielleicht sogar noch mehr. „Kennen Sie den Mann?“

„Kaine Michaels.“ Mr. Walters Tonfall triefte vor Verachtung. „Ihm gehört Riesgo Ventures. Eine Hightech-Firma außerhalb von San Francisco. Ich weiß nicht, was er hier in New York will, aber wenn er glaubt, er macht sich mit so einer Geste Freunde in unserer Stadt …“

Gerne hätte Gisella noch mehr erfahren, aber durch die Menschentrauben sah sie, dass Kaine Michaels im Begriff stand, zu gehen. Hastig verabschiedete sie sich von Mr. Walters und drängte sich so höflich wie möglich durch die anderen Gäste Richtung Tür.

Einen Augenblick lang fürchtete sie, sie hätte ihn verpasst. Suchend glitt ihr Blick durch das Foyer zur Eingangstür. Dann entdeckte sie ihn. Mit seinen langen Beinen stieg er die breite Treppe zur Galerie hinauf. Neben ihm versuchte ein Angestellter des Auktionshauses mit ihm Schritt zu halten.

Eilig hastete Gisella durch die Halle und folgt den beiden die Treppe hinauf. In diesem Moment blieben die Männer vor einer offenen Doppeltür stehen. Der Angestellte sprach mit den beiden Sicherheitsmännern, die die Tür bewachten. „Das ist Mr. Michaels. Er hat gerade das Anwesen mit dem gesamten Inventar erworben. Er kann sich frei im Haus bewegen und alles nehmen, was er möchte.“

„Nur ein einziges Stück“, sagte Kaine Michaels und deutete auf eine Zeile in der Inventarliste in der Hand des Angestellten. „Der Rest kann ins Lager gebracht werden.“

„Mr. Michaels“, rief Gisella und lief auf ihn zu. Auch sie brauchte nur ein einziges Stück. Und das musste sie finden, bevor alles abtransportiert wurde.

Kaine Michaels warf ihr einen Blick zu, dann wandte er sich an einen der Wachmänner. „Gehen Sie nach unten und sorgen Sie dafür, dass alle Auktionsgäste gehen.“

Der Wachmann sah Gisella an, als wollte er bei ihr anfangen.

Sie hob eine Hand. „Ich brauche nur eine Minute.“

Mit einer Kopfbewegung schickte Kaine den Wachmann fort, dann blickte er den Angestellten des Auktionshauses an. Dieser nickte und verschwand eilig durch die Tür. Gisella erhaschte einen Blick auf den Raum, der wohl einmal das Wohnzimmer gewesen war. Jetzt standen überall Gemälde und Skulpturen mit nummerierten Etiketten, genau wie einige Möbel und andere Gegenstände.

Der Ohrring befand sich wahrscheinlich irgendwo dazwischen, also praktisch in Reichweite. Vor Aufregung flatterten Schmetterlinge in Gisellas Bauch auf.

„Die Minute ist fast vorbei“, sagte Kaine.

Sie hob den Blick zu seinem Gesicht. Ihre Stimme versagte, als sie ihn so nah vor sich sah.

Sein Haar war kurz und dicht, die Brauen kräftig über goldbraunen Augen. Obwohl seine olivfarbene Haut glatt rasiert war, konnte Gisella einen leichten Bartschatten an seinem Kinn erkennen.

Normalerweise ließen Männer sie kalt. Egal, wie gut sie aussahen. Aber bei seinem Anblick spürte Gisella ein seltsames Kribbeln im Magen.

Sie streckte die Hand aus. „Gisella Drummond.“

Seine entspannte Haltung veränderte sich, und er richtete sich auf. Mit einem Mal wirkte sein Körper angespannt.

Als sich ihre Blicke trafen, war ihr, als wäre sie gegen eine unsichtbare elektrische Wand gelaufen. Sie schnappte nach Luft.

Er schnaubte, als könnte er ihre Unverfrorenheit nicht fassen, und ließ seinen Blick geringschätzig von den hochhackigen Sandalen bis zu ihrem engen Top wandern – was höchst befremdlich für Gisella war.

Normalerweise kam sie bei Männern sehr gut an. Sie war groß und von Natur aus mit einer schlanken Figur und einer zeitlosen Schönheit gesegnet.

Sie selbst empfand ihre Schönheit nicht nur als Stärke, sondern auch als Hindernis, darum nutzte sie sie nicht oft zu ihrem Vorteil. Doch dies war eine Ausnahme. Sie stand kurz davor, etwas zu verlieren, worauf sie jahrelang gewartet hatte.

Sie versuchte, seine plötzliche Kälte mit einem warmen Lächeln zu schmelzen, doch es fühlte sich gezwungen an.

„Ich weiß genau, wer Sie sind, Miss Barsi.“ Er sah auf ihre ausgestreckte Hand hinunter, ohne ihr seine zu reichen.

Gisellas Lächeln erlosch. Sie ließ ihre Hand sinken. „Ich wollte nicht verheimlichen, wer ich bin. Ich heiße Drummond, nicht Barsi. Ich trage den Namen meines Vaters.“

Ihre Familienverhältnisse waren kompliziert. Auch wenn sie den Namen ihres Vaters trug, war sie im Herzen eine Barsi, selbst wenn sie nicht blutsverwandt mit ihnen war. Die Barsis waren hier in New York eine sehr angesehene Familie. Es war eine Ehre, zu ihnen zu gehören.

Doch das beeindruckte ihn offenbar nicht. Falls überhaupt, entlockten ihre Worte ihm ein verächtliches Zucken eines Mundwinkels.

„Sir?“ In diesem Moment kam der Angestellte des Auktionshauses wieder durch die Tür. „Sind Sie sicher, dass das alles ist, was Sie im Augenblick haben möchten?“ Er hielt eine Samtschachtel in der Hand.

„Ja.“

Der Angestellte reichte ihm die kleine Schachtel. „Ich gehe schon einmal nach unten und bereite die Formalitäten vor, sodass Sie direkt unterzeichnen können. Nehmen Sie Gebote auf Gegenstände aus dem Haus an, Möbel, Gemälde …?“

„Ja, auf alles, abgesehen von diesem Stück.“ Er deutete auf die Box. „Können Sie das für mich regeln?“

„Selbstverständlich, Sir.“ Der Angestellte nickte, dann ließ er sie wieder allein.

Kaine ließ sie stehen und ging durch die Doppeltüren in das Wohnzimmer. Gisella folgte ihm durch den Raum in eines der benachbarten Schlafzimmer. Seine Lippen verzogen sich abfällig, als er das Himmelbett und die verschnörkelten Schlafzimmermöbel betrachtete.

Sie wünschte sich, sie hätte früh genug Feierabend machen können, um an der geführten Haustour vor der Auktion teilzunehmen. Die Villa war einzigartig und sowohl als Wohnhaus, als auch als Immobilie von unschätzbarem Wert. Gisellas Eltern waren vermögend, aber keiner in ihrer Familie hätte ein Haus wie dieses kaufen können.

Vor allem, wenn es ihnen nicht einmal gefiel, so wie es bei Kaine offensichtlich der Fall war.

Moment mal! Er hatte doch wohl nicht ein ganzes Haus gekauft, nur um eine einzige Sache zu bekommen?

Ohne die Schachtel zu öffnen, steckte Kaine sie in die Jackentasche.

Gisellas Magen krampfte sich zusammen. „Was ist da drin?“

Panik stieg in ihrem Inneren auf. Eilig ging sie zu einem Frisiertisch, auf dem einige Schmuckschachteln standen, alle mit Etiketten versehen. Sie öffnete eine nach der anderen und suchte nach dem einen Ohrring, den sie bisher nur in dem Auktionskatalog gesehen hatte. Sie fand mehrere Paare, aber keinen einzelnen.

Er war nicht hier. Mit zitternden Fingern öffnete sie alle Schachteln ein zweites Mal. Ihr war, als würde sie den Verlust körperlich spüren. Ihr wurde eiskalt, während gleichzeitig das Adrenalin durch ihre Adern schoss. Wie konnte sie nach all der Zeit so nah ans Ziel kommen und dann doch verlieren?

„Was haben Sie in der Schachtel?“ Sie wandte sich zu Kaine.

Er lächelte sie fröhlich an. Ich weiß genau, wer Sie sind, Miss Barsi.

Vollkommen aus der Fassung gebracht, starrte sie ihn an. Ein wilder Verdacht stieg in ihr auf. Bevor ihr klar wurde, wie lächerlich die Idee war, platzte sie heraus: „Sie haben doch wohl nicht ein komplettes Haus gekauft, um an einen Ohrring zu kommen!“

„Das war die sicherste Methode, zu bekommen, was ich will, bevor mir jemand zuvorkommt.“

Der Schock raubte ihr dem Atem. Er hatte das Haus wirklich nur für den Ohrring gekauft. Es waren noch andere hinter dem Ohrring ihrer Großmutter her? Und wohl nicht nur einer, wenn er so aggressiv vorgegangen war. Das ergab keinen Sinn. Es ging schließlich nur um einen einzelnen Ohrring.

„Ich weiß nicht, was man Ihnen erzählt hat, aber so wertvoll ist er nicht. Er ist ganz bestimmt kein Haus wert. Erst recht nicht dieses Haus. Warum haben Sie nicht einfach auf ihn geboten?“

„Ich verfolge mit dem Hauskauf noch einen anderen Zweck. Und ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Sind Sie hier fertig?“ Er wedelte mit der Hand, um sie zum Gehen aufzufordern.

„Nein.“ Sie war es gewohnt, eine Situation unter Kontrolle zu haben, aber in diesem Augenblick fühlte sie sich vollkommen hilflos.

Seit mehr als zehn Jahren jagte sie dem Ohrring nach. Sie war sich so sicher gewesen, dass sie ihn eines Tages nach Hause holen würde. Jetzt krampfte sich ihr Magen vor Enttäuschung zusammen.

Nein. Sie richtete sich auf und versuchte, die Fassung zu wahren. „Ich möchte Ihnen ein Angebot dafür machen.“

Kaine wirkte gleichzeitig wachsam und sehr zufrieden. Er legte den Kopf leicht zur Seite und musterte ungeniert ihr Gesicht mit den ausgeprägten Wangenknochen und den vollen Lippen. Fast, als wollte er es sich einprägen.

„Warum wollen Sie den Ohrring so dringend haben?“, fragte er. „Wenn er nicht besonders wertvoll ist?“

Unter seinem Blick machte ihr Herz einen Sprung. Sie fuhr nervös mit der Zungenspitze über ihre Lippen. Ihr ganzer Körper schien zu glühen. Es kam ihr vor, als knisterte die Luft zwischen ihnen.

„Der Ohrring besitzt einen sentimentalen Wert für meine Großmutter.“ Und ihre Großmutter wurde schwächer. Gisella wollte das Schmuckstück in ihre schmale faltige Hand legen, bevor es ihr noch schlechter ging.

„Ihre Großmutter bedeutet Ihnen viel.“ Mit seinen durchdringenden goldenen Augen schien er in ihre Seele zu schauen.

„Das tut sie.“ Eine leise Hoffnung stieg bei seinen Worten in ihr auf. „Sie ist ein ganz besonderer Mensch.“

„Dann bin ich sicher, Sie kommen auf sie heraus.“

Gisella war zu klug, um auf die Schmeichelei hereinzufallen. Trotzdem stieg ihr bei seiner rauchigen Stimme die Röte in die Wangen.

Auch wenn sie es nicht erklären konnte, spürte sie mit jeder Faser die Chemie zwischen ihnen. Er gab sich nicht einmal die geringste Mühe, mit ihr zu flirten. Warum reagierte sie so auf ihn? Sie war sich nicht einmal sicher, ob er ihr sympathisch war. Er wirkte ziemlich arrogant und rücksichtslos.

Aber faszinierend.

Obwohl sie viele reiche und mächtige Männer kannte, strahlte keiner dieses tiefe Selbstvertrauen aus. Keiner wirkte so unerreichbar.

Hätte sie schon einmal einen Liebhaber gehabt, hätte sie ihre sinnliche Seite vielleicht schon vor langer Zeit entdeckt. Doch sie hatte einen albernen Pakt mit ihrer Cousine geschlossen. Sie beide wollten warten. Warten auf dieses nicht greifbare Gefühl, von dem Rozalia steif und fest behauptete, es würde existieren – Liebe.

Eigentlich hatte Gisella ihr Keuschheitsgelübde damals nicht ernst genommen und einfach nachgegeben, als Rozi darauf bestanden hatte. Damals waren sie dreizehn gewesen, und der Gedanke an Sex war ihr absurd vorgekommen. Doch dann war es dabei geblieben. Bis jetzt hatte sie noch keinen Mann getroffen, der sie in Versuchung geführt hätte, ihren Schwur zu brechen.

Aber jetzt stand sie hier, und ein seltsames Gefühl erfüllte ihren ganzen Körper, während sie diesem Mann in die Augen starrte. Verlangen.

„Wie viel wollen Sie dafür?“, fragte sie. Sie musste sich anstrengen, nicht den Faden zu verlieren.

„Er steht nicht zum Verkauf.“

Bei seinem entschlossenen, selbstzufriedenen Tonfall verzog sie das Gesicht.

„So ein schönes Gesicht sollte nicht durch so ein ärgerliches Stirnrunzeln getrübt werden.“ Er trat näher und strich mit einem Finger über ihre Wange. „Hinterher bleibt Ihr Gesicht so stehen.“

Sie versuchte auszublenden, wie seine leichte Berührung ihren Atem schneller gehen ließ. Entschlossen presste sie die Lippen zusammen. Sie war ein Einzelkind und gewohnt, zu bekommen, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. „Wie kann ich Sie überreden, Ihre Meinung zu ändern?“

„Das können Sie nicht.“ Er grinste. „Aber die Vorstellung, wie sie es versuchen, ist verlockend.“

Ihre Augen wurden schmal. „Ich zahle nicht mit meinem Körper, um zu bekommen, was ich will“, informierte sie ihn kalt. „Wenn ich einen Mann küsse, dann weil ich es will.“ So. Sie hatte ihm den Fehdehandschuh vor die Füße geworfen. Aber das war die Wahrheit. Wenn ihr ein Mann nicht gefiel, dann sagt sie es ihm.

Wenn sie einen Mann dagegen anziehend fand … Nun, er war der erste. Sie fragte sich, ob er auch in anderer Hinsicht ihr Erster werden würde.

„Ist das so?“, murmelte er. Das Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden. Er schien über ihre Worte nachzudenken, während er die Hand langsam über ihren Hals gleiten ließ, wo ihr Puls flatterte, wie die Flügel eines Vögelchens.

Was tat sie hier? Das war verrückt! Er war ein Fremder. Aus dem Nachbarraum hörte sie Stimmen.

Aber sie wollte, dass er sie küsste. Und das hatte nichts mit dem Ohrring zu tun. Kaine war ganz anders als alle Männer, denen sie bisher begegnet war. Wenn sie ging und nicht wenigstens wusste, wie seine Lippen sich auf ihren anfühlten, würde sie ihn nie aus dem Kopf bekommen.

Sie schaute in seine goldenen Augen und forderte ihn wortlos heraus.

Er legte seine Hand um ihr Kinn und beugte den Kopf.

Dann küsste er sie, als hätte er nie etwas anderes getan. Und er wusste, wie man küsste.

Danach hatte sie ihr Leben lang gesucht. Nach einem Mann, der ebenso stark war wie sie. Sogar noch stärker. Nach einem Mann, der einfach seinen Mund auf ihren legte und sie so hungrig und leidenschaftlich küsste. Nach einem Mann, in dessen starken Armen sie sich sicher fühlen konnte.

Ihr war, als würde sie unter seiner Berührung in Flammen aufgehen, als er mit einer Hand in ihre Haare griff und den anderen Arm um ihren Rücken legte. Wie Quecksilber schmiegte ihr Körper sich an seinen, ihre Kurven passten perfekt zu seinen harten Muskeln.

Noch nie war sie so geküsst worden. Wild und besitzergreifend. Gleichzeitig drängend und genüsslich. Glühende Hitze erfüllte ihren Körper und verbrannte jede Erinnerung an andere Männer.

Ein Stöhnen entfuhr ihr. Kein Kuss, den sie vorher bekommen hatte, zählte noch. Nie wieder konnte sie sich mit weniger zufriedengeben. Doch er löste sich bereits von ihr.

Es war zu früh. Sie unterdrückte einen protestierenden Laut. Sein Atem ging genauso keuchend wie ihrer. Eine Sekunde lang weigerte sie sich, die Augen zu öffnen. Er durfte nicht sehen, wie tief sein Kuss sie berührt hatte.

Doch das wusste er.

„Ich schließe die Tür ab und nehme alles, was du mir anbietest“, flüsterte er heiser in ihr Ohr. Sein Atem liebkoste ihre Wange. „Aber den Ohrring bekommst du nicht.“

„Was?“ Sie öffnete blinzelnd die Augen. Erst jetzt nahm sie wieder die Welt um sich herum wahr. Die bunte Deckenbemalung, die vergoldeten Lampen. Der Schein der Lichter fing sich in seinem Haar und verwandelte ihn in einen Erzengel.

„Aber das war ein guter Versuch.“

Sie zwang sich, einen Schritt zurückzutreten. Sofort fehlte ihr seine Wärme. Auf seinen Lippen lag ein Hauch ihres Lippenstiftes. Sie wollte die Farbe mit dem Daumen abwischen. Wollte ihn wieder berühren. Die Türen abschließen, hierbleiben und alles entdecken, was er ihr zeigen konnte.

Jahrelang hatte sie sich gefragt, wie es sich anfühlen würde, mit dem Mann zusammen zu sein, der ihr Gegenstück war. Von echter, animalischer Leidenschaft überwältigt zu werden.

Nun hatte sich herausgestellt, dass es furchteinflößend war. Berauschend gefährlich und doch trügerisch verführerisch.

„Das war kein …“ Sie brach ab.

Was war ein härterer Schlag für ihren Stolz? Dass er dachte, sie hätte ihn manipulieren wollen? Oder zuzugeben, dass ihre Leidenschaft echt gewesen war? Dabei hatte ihr Kuss ihn offensichtlich nicht im Geringsten berührt.

„Da kommt wieder das Stirnrunzeln. Ich hätte nicht gedacht, dass du es so schwer nimmst.“ Seine Mundwinkel zuckten in einem gnadenlosen Lächeln. „Aber das macht es umso befriedigender.“

Sie brauchte einen Augenblick, um seine zweideutigen Worte zu begreifen. „Willst du mir sagen, dass das hier eine Art Rachefeldzug gegen mich ist?“

„Nicht gegen dich. Ich tue das …“, seine Stimme wurde hart wie Stein, „… um die Aufmerksamkeit deines Cousins zu bekommen.“

Bei seinem eiskalten Tonfall stieg eine dunkle Vorahnung in ihr auf. Sie erschauerte.

„Leite die Nachricht weiter. Ich erwarte einen Anruf.“

1. KAPITEL

Eine Woche später.

„Hast du meine SMS nicht gelesen? Ich hatte dich gebeten, Café Latte mitzubringen.“ Gisella schmollte enttäuscht, als ihre Cousine Rozalia mit leeren Händen die Werkstatt des familieneigenen Juweliergeschäfts betrat. Barsi on Fifth.

„Ich habe nicht auf mein Handy geschaut.“ Rozi legte ihren Regenmantel ab und wollte ihn an die Garderobe hängen, verfehlte aber den Haken. Der Mantel fiel schwer und nass auf den Boden, doch sie bemerkte es gar nicht. „Ich habe wichtige Neuigkeiten.“

Gisella biss sich auf die Zunge, um ihre Cousine nicht zu tadeln. Ihre Mütter waren Halbschwestern mit einem Altersunterschied von zehn Jahren. Trotz des ungleichen Alters waren die beiden Frauen fast gleichzeitig schwanger geworden. Rozalia war nur wenige Monate nach Gisella zur Welt gekommen, aber in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen.

Gisellas Mutter war eine beruflich sehr erfolgreiche Akademikerin, die ihr Kind erst spät bekommen hatte. Niemals hätte sie geduldet, dass eine Jacke zu Boden fiel und liegen blieb. Wie oft hatte sie Gisella erklärt, dass alles an seinen Platz gehörte? Vor allem, weil Gisellas Kleidung meist von den teuersten Marken stammte oder sogar maßgeschneidert war.

Rozalias Mutter dagegen hatte jung geheiratet und für ihren Ehemann und ihre vier Kinder gelebt. Materielle Werte bedeuteten ihr nichts. Es kam ihr auf die Menschen an. Das war auch der Grund, warum Gisella ihre Cousine immer beneidet und sich gewünscht hatte, sie wären keine Cousinen, sondern Zwillingsschwestern.

„Eine gewisse Person“, begann Rozalia übertrieben dramatisch, „wollte Rabatt auf einen maßgefertigten Verlobungsring bekommen.“

„Interessant“, sagte Gisella nur.

Sie kannte Rozi zu gut, um sie zu drängen, schneller zum Punkt zu kommen. Schließlich stammte sie aus einer Familie voller Künstler und Schauspieler, und es war nicht zu übersehen, dass sie am liebsten eine Broadway-Show aus der Geschichte machen wollte.

„Wer kann das gewesen sein?“, fragte Gisella.

„Ein Beauftragter. Von einem Auktionshaus.“ Rozi legte einen Zeigerfinger ans Kinn und schaute gespielt nachdenklich zur Decke hinauf. „Von einem Auktionshaus, das vielleicht, oder vielleicht auch nicht, letzte Woche die Versteigerung der Garrison-Villa organisiert hat.“

Gisellas Herz setzte einen Schlag aus. Nur mit größter Mühe schaffte sie es, sich nichts anmerken zu lassen. Ihr wurde gleichzeitig heiß und kalt vor Peinlichkeit und Verlangen. Wut und Scham.

Sie kam sich so dumm vor, dass sie sich von Kaine hatte küssen lassen. Hätte sie bloß vorher gewusst, dass er einen Groll gegen ihre Familie hegte. Dann wäre das nicht passiert.

Wie er mit ihr gespielt hatte. Wie er sie geküsst hatte.

Ich tue das, um die Aufmerksamkeit deines Cousins zu bekommen.

Durch seine kalte, gleichgültige Art, spürte sie die Verletzung umso tiefer.

Gisella wandte sich wieder dem Platinamulett auf der Werkbank zu, an dem sie gerade arbeitete. „Wir wissen, wer die Auktion als Sieger verlassen hat.“

Und wer als Verlierer.

Sie hatte verloren. Selbst ihre Würde hatte sie in jenem Raum zurückgelassen, als sie so sich beeilt hatte, von ihm wegzukommen.

„Ach, vergiss Kaine Michaels. Es geht um jemanden aus Ungarn.“

Gisella sah ihre Cousine überrascht an. „Um wen?“

„Laut dem Beauftragten vom Auktionshaus hat ein Mann aus Ungarn im Auftrag von Viktor Rohan angerufen. Angeblich ist er höchst interessiert daran, einen Ohrring zu kaufen, der zu einem zweiten Ohrring passt, der seiner Mutter gehört.“

„Oh mein Gott, Rozi!“

„Ich weiß.“

Vor mehr als sechzig Jahren waren die beiden Ohrringe auf unterschiedlichen Kontinenten verkauft worden. Es hatte Jahre harter Arbeit gekostet, auch nur den einen der beiden Ohrringe hier in Amerika zu finden. Schon vor langer Zeit hatten sie aufgegeben, den anderen zu finden, nachdem sie bei ihrer Suche immer nur in Sackgassen gelandet war.

„Und das ist noch nicht alles. Er ist dein Cousin.“

„Viktor Rohan? Ich habe noch nie von ihm gehört.“ Gisella setzte ihre Schutzbrille ab und legte sie zur Seite. „Wie kann er mit uns verwandt sein?“

„Scheinbar ist er ein Cousin zweiten Grades. Dein Großvater und seine Großmutter waren Bruder und Schwester.“

„Das heißt, er ist ein Nachkomme von Istvans Schwester?“

Rozi nickte.

Istvan hatte um die Hand ihrer Großmutter Eszti angehalten, als sie zusammen die Universität besucht hatten. Zur Verlobung schenkte er ihr ein Paar Ohrringe. Sie hatte ihn heiraten und die Ohrringe für den Rest ihres Lebens behalten wollen. Aber stattdessen brachen in Ungarn Studentenunruhen aus. Auf Istvans Drängen verkaufte Eszti einen der Ohrringe in Ungarn, um nach Amerika zu kommen – unverheiratet und schwanger.

Bevor ihr Liebhaber wie versprochen folgen konnte, starb er und ließ sie allein in einem fremden Land.

Mittellos und verzweifelt, mit Gisellas Mutter als Säugling auf dem Arm, hatte Eszti den Goldschmied Benedek Barsi geheiratet, einen freundlichen, älteren Mann.

Benedek verkaufte den zweiten Ohrring. Von dem Erlös eröffnete er das Juweliergeschäft, in dem Gisella und Rozi jetzt arbeiteten. Eszti war die Großmutter von beiden Mädchen, aber Gisella besaß keinen Tropfen Barsi-DNA. Stattdessen war sie mit Istvan blutsverwandt – was auch der Grund war, aus dem Viktor Rohan ihr Cousin sein konnte.

„Warst du nie neugierig auf die ungarische Seite deiner Familie?“, fragte Rozi jetzt.

„Großvater hat uns immer wie sein eigenes Fleisch und Blut behandelt. Ich war nie so neugierig, dass ich ihn deswegen verletzt hätte. Und es hätte ihn bestimmt verletzt, wenn ich ihm Fragen nach Großmutters erster Liebe gestellt hätte.“

Gisella zuckte mit den Schultern. „Und jetzt? Bist du jetzt nicht neugierig?“

„Wenn er den zweiten Ohrring besitzt, bin ich natürlich neugierig!“

Sie lachten. Rozi klatschte in die Hände und hüpfte herum. „Denk nur, was das für Großmama bedeuten würde, Gizi.“

„Eins nach dem anderen“, warnte Gisella vorsichtig.

Seit Jahren träumten sie beide davon, ihrer Großmutter die Ohrringe zurückzugeben, aber Kaine Michaels hatte ihre Träume platzen lassen. Oh, sie wollte nie wieder an ihn denken!

„Lebt Viktor denn in Ungarn? Was ist er für ein Mensch?“

„Ein reicher Mensch! Er hat Häuser in ganz Europa, aber soweit ich weiß, ist Budapest seine Heimat. Dort wohnt auch seine Mutter. Ich habe ihre Mailadresse. Ich denke, du solltest vielleicht versuchen, dich mit ihr zu treffen. Falls sie dazu bereit ist.“

„Das mache ich. Und was ist mit dir? Hast du Zeit, ein paar Tage Urlaub zu nehmen? Wir könnten zusammen nach Ungarn fliegen.“ Zum ersten Mal seit einer Woche war ihr, als würde die Sonne aufgehen. Endlich konnte sie sich wieder auf etwas freuen.

„Ich könnte schon, aber …“ Rozi brach ab.

„Wenn es um Geld geht, rede nicht mal davon. Du weißt, ich zahle für uns beide.“

„Ich kann für mich selbst zahlen.“ Rozi wirkte gekränkt. „Ich mache mir nur Sorgen um den Ohrring, den Kaine Michaels gekauft hat. Ich denke, Viktor wird ihm ein Angebot machen. Erzähl mir noch mal, was Kaine Michaels über Benny gesagt hat.“

„Ich weiß nicht, ob er wirklich von Benny geredet hat. Er hat ja nur Cousin gesagt“, murmelte Gisella.

Von der ganzen Verwandtschaft stand Rozi ihr am nächsten. Während Gisellas Mutter gearbeitet hatte, kümmerte Rozis Mutter sich um sie, als wäre Gisella ihre eigene Tochter. Sie schob die beiden Mädchen in einem Zwillingswagen, flocht ihre Haare zu derselben Zopffrisur, zog ihnen die gleiche Kleidung an und brachte sie in dieselbe Kindergartengruppe.