Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Alberta ist eine der populärsten Reiseregionen in Kanada. Die Prärieprovinz im Westen beheimatet Dutzende Destinationen von Weltrang: die spektakulären Nationalparks Banff und Jasper in den Rocky Mountains, die atemberaubende Panoramastraße Icefields Parkway, das weltgrößte Rodeo Calgary Stampede oder Wood Buffalo, den größten Nationalpark in Kanada. Einzigartig ist auch der Menschenschlag: Outdoor-Enthusiasten, Ski-Bums, Cowboys, Rancher, Ölarbeiter und Einwanderer mit allerlei kulturellen Hintergründen prägen die Provinz. Doch wo anfangen, wenn man nicht den großen Besucherströmen folgen will. In diesem Buch stellt Ihnen der Autor 50 Orte, Wanderwege und Routen vor, die es vielleicht noch nicht auf Ihren Reiseplan geschafft haben, die es aber genauso wert sind, entdeckt zu werden wie die Blockbuster aus dem Instagram-Feed. Als langjähriger Bewohner Albertas führt er Sie zu Zielen, die Einheimische gerne besuchen, die aber nicht in jedem Reiseführer ausführlich behandelt werden, zu Orten, an denen Alberta echt und ursprünglich ist.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Jörg Michel
ALBERTA
Kanada
IMPRESSUM
ALBERTA – Kanada
50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade
Jörg Michel
© 2. Auflage 2026 360° medien
Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann
[email protected] I 360grad-medien.de
Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.
Redaktion und Lektorat: Christine Walter
Satz und Layout: 360° medien
Gedruckt und gebunden:
LUC GmbH I Hansaring 118 I 48268 Greven I luc-medienhaus.de
Bildnachweis: siehe Seite 288
Sicherheitshinweis: siehe Seite 288
ISBN: 978-3-96855-738-0
Hergestellt in Deutschland
www.360grad-medien.de
Jörg Michel
ALBERTA
Kanada
willkommen in Alberta! Ich freue mich, dass Sie sich für eine Reise in diese wunderbare Provinz interessieren oder sogar schon eine Tour planen. Ich habe über zehn Jahre lang in Alberta gelebt und kann Ihnen nur gratulieren! Alberta ist atemberaubend. Alberta ist vielfältig. Alberta hat Charakter. Alberta ist anders als die meisten Regionen in Kanada. Alberta ist etwas ganz Besonderes.
Nach meiner Auswanderung nach Kanada 2010 habe ich in den Rocky Mountains gewohnt, erst in Banff dann in Jasper, später in Calgary. Ich habe diese Zeit als großes Privileg empfunden. Die atemberaubenden Landschaften Albertas lagen quasi vor meiner Haustür und ich durfte sie ausführlich erleben: zu Fuß, auf dem Rad, auf Skiern, auf Schneeschuhen. Wann immer möglich kehre ich zurück – heute als Besucher wie Sie.
Besonders angetan haben es mir Regionen, die nicht an den üblichen Rennstrecken liegen. Natürlich sind der Peyto Lake und der Moraine Lake wunderschön, natürlich schlendere ich ab und zu auch gerne über die Banff Avenue und eine Fahrt auf dem Icefields Parkway ist immer ein grandioses Erlebnis. Aber Alberta ist mehr als das, mehr als die immer gleichen Fotomotive auf Instagram.
Vor allem gilt das für die Rocky Mountains. Schon wenige Schritte jenseits des Trans-Canada Highway oder Icefields Parkway liegen Seen, Wasserfälle, Hochgebirgslandschaften oder Gletscher, die kaum einer kennt. Es sind fabelhafte Orte, an denen Sie keine überquellenden Parkplätze oder überfüllten Aussichtspunkte vorfinden oder überteuerte Attraktionen ohne Seele oder Authentizität.
Faszinierend sind auch die weiten Flächen Albertas im Norden, Süden und Osten, die bis heute wenig besucht werden. Dort zeigt sich Kanada von seiner vielfältigsten Seite: mit idyllischen Flusstälern, rauen Prärien, tiefen Canyons, einsamen Wäldern, riesigen Seenplatten oder Kulturdenkmälern der First Nations. Wenn Sie Abgeschiedenheit und Entspannung suchen, sind Sie dort richtig.
Ebenfalls lohnenswert sind die Metropolen Albertas. Auf den ersten Blick gleichen Calgary und Edmonton vielen nordamerikanischen Großstädten: mit Wolkenkratzern, Fast-Food-Cafés und Straßen wie auf einem Schachbrett. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, um mit beiden Städten warm zu werden. Doch unter der Oberfläche schlummern Schätze, die vielleicht auch Sie überraschen werden.
In diesem Band möchte ich Ihnen einige dieser Schätze vorstellen. Ich möchte Sie auf Stadtspaziergänge einladen, die nicht schon zigfach begangen wurden. Ich möchte Sie auf Wanderwegen begleiten, die vielleicht etwas überwuchert sind, aber gerade deswegen oft unentdeckt bleiben. Ich möchte Ihnen Ecken Albertas ans Herz legen, wo der kanadische Traum von Naturverbundenheit, Weite, Vielfalt und Einsamkeit noch real ist.
Bitte verstehen Sie mich dabei nicht falsch: Auch viele der gängigen Touristenattraktionen wie die Calgary Stampede, die Gondel auf den Sulphur Mountain in Banff oder die Bootsfahrt auf dem Maligne Lake haben ihren Wert, besonders, wenn Sie zum ersten Mal nach Alberta reisen. Womöglich haben Sie über diese Attraktionen auch schon anderweitig gelesen, in Reiseführern, im Internet oder in Reise-Apps.
Dieses Buch ist ausdrücklich als Ergänzung gedacht. Es soll Ihnen frische Ideen und Anstöße liefern und einen Mehrwert bieten, indem es Sie zu Zielen führt, die nicht schon tausendfach beschrieben wurden – die eine oder andere persönliche Bemerkung inklusive. In jedem Fall beneide ich Sie um Ihre Reise und wünsche Ihnen viel Abenteuerlust auf Ihrer Entdeckungstour durch Alberta!
Jörg Michel
WILLKOMMEN IN ALBERTA!
TOP TEN DER SEHENSWÜRDIGKEITEN
KURIOSES & BESONDERHEITEN
CALGARY UND UMGEBUNG
1.Kensington: Wo Calgary bunt, unterhaltend und lebenswert ist
2.Passendes Outfit zur Stampede: Original Cowboyhüte und Boots made in Calgary
3.Musikmeile zwischen East Village und Inglewood: Wo Rock und Blues zu Hause sind
4.Esker Foundation: Labor für die Kunst
5.Calgary Central Library: Der Star im East Village
6.Okotoks: Geheimnisvolle Felsbrocken am Rande der Stadt
7.Bow Valley Trail: Die idyllische Landstraße nach Banff
DER SÜDEN
8.Atlas Coal Mine: Ins letzte Kohlebergwerk im Drumheller Valley
9.Dinosaur Provincial Park: Dino-Knochen im Sand
10.Writing-On-Stone Provincial Park: Heilige Stätten der Blackfoot
11.Special Areas: Roadtrip durch das vergessene Alberta
12.Acadia Valley: Zu den Wolkenkratzern der Prärie
13.Cypress Hills Interprovincial Park: Wo Sitting Bull einst Zuflucht fand
14.Vulcan: Beam me up, Scotty!
DIE GEBIRGSAUSLÄUFER
15.Cowboy Trail: Wo sich Prärie und Rocky Mountains treffen
16.Rocky Mountain House: Das historische Fort am David Thompson Highway
17.Gull und Sylvan Lake: Kilometerlange Sandstrände für Sonnenanbeter
18.Kananaskis Country: Wo die Einheimischen die Rocky Mountains erkunden
19.Spray Valley Provincial Park: Wo die Elche durchs Gebüsch streifen
20.Bragg Creek: Beim Tanzfestival der Tsuutʼina
21.Turner Valley: Wo der Ölboom einst begann
22.Waterton Lakes National Park: Wanderung und Bootstour am 49. Breitengrad
23.Waterton Lakes National Park: Ökologische Tour durch den Brandwald
BANFF UND SÜDLICHE ROCKIES
24.Tunnel Mountain: Picknicken wie die Einheimischen auf dem Hausberg von Banff
25.Brewster Creek: Die Wildnis von Banff auf dem Rücken der Pferde entdecken
26.Shadow Lake: Zu den Blockhütten der legendären Brewster-Familie von Banff
27.Bow Valley Parkway: Eine gemütliche Autofahrt von Banff nach Lake Louise
28.Lake Louise: Auf dem Great Divide Radweg zum historischen Torbogen des Parks
29.Skoki Valley: Wo der Prinz und die Prinzessin in der Wildnis übernachteten
30.Tal der zehn Gipfel: Ein Blick hinter die spektakuläre Kulisse des Moraine Lake
31.Helen Lake: Vom Icefields Parkway ganz schnell über die Baumgrenze wandern
JASPER UND NÖRDLICHE ROCKIES
32.Sternenlichtreservat Jasper: Blick in den Himmel – wo die Nacht noch Nacht ist
33.Lake Annette, Lake Edith und Pyramid Lake: Strandvergnügen in Jasper
34.Wilcox Pass: Den Athabasca Glacier einmal anders erleben
35.Big Bend: Tour am Athabasca River zu den drei höchsten Gipfeln von Alberta
36.Tonquin Valley: Wo Jaspers letzte Bergkaribus grasen
37.Hidden Cove: Paddeltour für Anfänger auf dem Maligne Lake
38.Brûlé Lake Sand Dunes: Haushohe Sanddünen vor den Toren von Hinton
EDMONTON UND UMGEBUNG
39.Old Strathcona: An der 82nd Avenue schlägt das Herz der Stadt
40.North Saskatchewan River: Spaziergang durch Kanadas größten Stadtpark
41.Royal Alberta Museum: Geschichte und Natur im Haus der Superlative
42.Ukrainian Cultural Heritage Village: Zwiebeltürmchen vor der Stadt
43.Elk Island National Park: Rendezvous mit Wapiti, Bison & Co.
44.Pembina River Provincial Park: Flussabwärts mit dem Schlauchboot
DER NORDEN
45.Fort Dunvegan: Historische Missionsstation am Ufer des Peace River
46.Lesser Slave Lake Provincial Park: Paradies für Vogelliebhaber
47.La Crete: Im Herzland der Mennoniten
48.Buttertown: Geisterstadt in der ältesten Siedlung von Alberta
49.Wood Buffalo National Park: Zu den wilden Büffeln am Peace Point
50.Abstecher in die Northwest Territories: Unterwegs auf der Wasserfall-Route
REGISTER
BILDNACHWEIS
Die Hoodoos in Drumheller gehören zu den markantesten Wahrzeichen von Alberta.
Alberta kann man nur schwer in eine Schublade stecken! Einerseits: endlose Prärien, Cowboystiefel, Ölbohrtürme und Pick-up-Trucks. Andererseits: schneebedeckte Berge, türkisgrüne Gletscherseen, Grizzlybären und bunte Städte wie Calgary oder Edmonton. Zwischen wilder Natur, zwischen Tradition und Aufbruch – Alberta ist wie Kanada im Kleinformat. Ein Ort voller Gegensätze, Geschichten und Eigenheiten.
Wanderpause am Galatea Lake im Kananaskis Country
Bevor die heutige Provinz Alberta zum wirtschaftlichen Powerhouse Kanadas aufstieg, war das Gebiet zwischen Rocky Mountains und Prärien über Jahrtausende die Heimat indigener Völker. Die Blackfoot, Cree, Dene, Nakota, Sioux und Métis lebten und jagten dort lange, bevor europäische Siedler auftauchten. Riesige Bisonherden prägten das Leben – als Nahrungsquelle und als zentrales Element der Kultur.
Als im 18. und 19. Jahrhundert Pelzhändler, Missionare und Siedler in die Region kamen, wurden die First Nations verdrängt und die Bisonherden ausgelöscht. Stattdessen spielten die Landwirtschaft, die Eisenbahn und schließlich das Öl eine immer größere Rolle. Die Ölindustrie brachte Wohlstand, Jobs, Wachstum – aber auch viele Umweltprobleme und politische Kontroversen.
Rund fünf Millionen Menschen leben heute in Alberta – und irgendwie spürt man bei vielen den Stolz auf „ihre“ Provinz, die erst 1905 als Abspaltung von den Northwest Territories gegründet wurde. Die Bewohner gelten als freundlich, aber direkt, manchmal stur. Alberta ist ein wenig der „Wilde Westen“ Kanadas geblieben: Man schätzt Eigenverantwortung, mag klare Worte und steht gerne für sich selbst ein.
Dazu kommt eine große kulturelle Vielfalt. Neben den Nachfahren europäischer Siedler sind besonders in jüngeren Jahren viele Menschen aus Asien, Afrika und anderen Teilen Kanadas hergezogen – angelockt von Jobs, der großartigen Natur oder einfach der Ruhe. In Calgary und Edmonton merkt man das besonders: Dort trifft die traditionelle Präriekultur auf Großstadtflair und ein buntes Nebeneinander.
Der Wolkenkratzer „The Bow“ in Calgary
Dabei ist Alberta im innerkanadischen Vergleich erschwinglich geblieben. Während in Vancouver oder Toronto die Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten scheinbar keine Grenzen kennen, bietet Alberta Lebensqualität und vernünftige Preise. Calgary landet regelmäßig auf der Liste der zehn lebenswertesten Städte der Welt. Auch deswegen machen in guten Jahren rund 200.000 Menschen Alberta zu ihrer neuen Heimat – es ist das schnellste Bevölkerungswachstum aller kanadischen Provinzen.
Trotz der vielen Zuzügler ist die Provinz dabei konservativ, wirtschaftsliberal und rohstofforientiert geblieben. Viele Menschen sehen in der Ölindustrie nicht nur einen Arbeitgeber, sondern, ähnlich wie im US-Bundesstaat Texas, einen Teil ihrer Identität. Gleichzeitig nimmt die Kritik an der Abhängigkeit vom Öl zu – wegen des Klimawandels, fallender Ölpreise und dem Druck, auch grüne Technologien zu fördern.
Was alle Bewohner eint, ist ihre Begeisterung für die atemberaubende Natur. Die Provinz beheimatet fünf Nationalparks und 76 Provinzparks. Im Westen ragen die Rocky Mountains mit ihren schneebedeckten Gipfeln empor – inklusive weltberühmter Reiseziele wie Banff, Jasper und Lake Louise. Einheimische und Besucher treffen sich dort beim Wandern, Klettern, Paddeln, Snowboarden oder einfach nur zum Staunen.
Weiter nördlich und östlich dominieren boreale Wälder, Seen und Prärien. Hier geht’s wilder zu – weniger Touristen, mehr Einsamkeit. Aber auch mehr Wildtiere: Elche, Bären, Wölfe, Luchse, Biber und Präriehunde gehören in Alberta zum Alltag. Wer Glück hat, begegnet ihnen in freier Wildbahn. Doch Vorsicht! Genügend Abstand halten und Respekt vor der Natur gehören in Alberta zum guten Ton!
Blockhütte am verschneiten Lake Louise
Prägend für den robusten Charakter seiner Bewohner ist auch das extreme Wetter. Im Winter kann es in Alberta locker minus 30 Grad oder kälter werden – und das überall in der Provinz. Im Sommer dagegen gibt’s häufig 30 Grad plus. Das Wetter ist oft launisch und ändert sich schnell. Wer sich auf Vorhersagen verlässt, sollte sich bewusst sein, dass sich diese schon fünf Minuten später ins Gegenteil verkehren können.
Wie an vielen Orten nehmen auch in Alberta die Extremwetter-Ereignisse zu: Stürme, Dürren – vor allem Waldbrände. Rauchschwaden und schlechte Luftqualität gehören in den Sommermonaten mittlerweile leider zum Alltag. Dabei haben die Brände auch Touristenziele nicht verschont. Im Sommer 2024 löschte ein Feuersturm ein Drittel des Nationalparkdorfes Jasper aus – der Wiederaufbau wird Jahrzehnte dauern.
Ein indigener Häuptling auf der Stampede-Parade in Calgary
Für viele Besucher ist Alberta dennoch ein Traumziel geblieben. Und ja: Die bekannten Instagram-Spots der Rockies sind wirklich so schön, wie sie im Newsfeed aussehen. Gletscherseen wie der Moraine Lake oder der Peyto Lake ziehen Millionen Menschen an. Die Rocky Mountains sind ein Magnet für Outdoor-Fans – und manchmal mindestens genauso voll wie die europäischen Skiorte in den Schulferien.
Aber Alberta ist fast doppelt so groß wie Deutschland und hat viel Platz. Wer jenseits der üblichen Routen reist, findet einsame Seen, authentische Ranches und versteckte Pfade. In Edmonton locken Festivals, Kunst und eine aufstrebende Food-Szene. Calgary punktet mit der Nähe zur Natur und urbaner Coolness. Wer keine Menschen sehen will, der fährt in den Norden – wo die Straßen leer und die Nächte still sind.
Alberta ist widersprüchlich, manchmal widerborstig, oftmals rau – aber immer interessant. Zwischen Ölfeldern und Gletschern, zwischen Abschottung und Gastfreundschaft, zwischen Cowboykultur und Klimadebatte zeigt Alberta, was es heißt, im 21. Jahrhundert neu über die Gegenwart nachzudenken. Alberta ist abwechslungsreich und hält für jeden etwas Bewundernswertes bereit. Willkommen!
der Sehenswürdigkeiten in Alberta
1Rocky Mountains: Keine Frage, die meisten Reisenden kommen wegen der Rocky Mountains nach Alberta. Wer könnte es ihnen verdenken. Tatsächlich liegen die spektakulärsten Teile der nordamerikanischen Bergkette in Alberta, mit atemberaubenden Gipfeln, kristallklaren Gletscherseen, Wasserfällen und unberührten Wäldern. Ob Wandern auf gut markierten Wegen, Klettern, Skifahren oder Paddeln: Die zum Weltnaturerbe der UNESCO gehörenden Nationalparks Banff und Jasper sind von Weltrang und haben wirklich alles zu bieten. Weniger bekannt aber mindestens genauso atemberaubend sind die Rocky Mountains im Kananaskis Country nahe Calgary und im Waterton Lakes National Park im Süden der Provinz. Das liegt nicht zuletzt auch an den vielen Wildtieren, die einem dort jederzeit über den Weg laufen können: Bären, Hirsche, Bergziegen, Dickhornschafe und viele mehr. Für Naturliebhaber, Abenteurer, Wanderer und Ruhe-Suchende sind die Rockies gleichermaßen ein Muss.
travelalberta.com/places-to-go/albertas-regions/canadian-rockies
2Badlands: Die Badlands liegen im Südosten von Alberta und werden nur von vergleichsweise wenigen Touristen besucht. Dabei gehören sie zu den markantesten Reisezielen der Provinz. Sie faszinieren mit ihrer einzigartigen, fast außerirdisch wirkenden Landschaft aus bizarren Sandsteinformationen und tiefen Canyons. Das dünn besiedelte Gebiet ist ein Paradies für Geologie- und Dinosaurierfans, denn Forscher haben dort viele bedeutende Fossilien entdeckt. Besonders anschaulich wird das im Royal Tyrrell Museum in Drumheller, das eine Weltklasse-Ausstellung über das Zeitalter der Dinosaurier zeigt. Abenteuer können Schluchten erkunden oder Hoodoos bewundern, natürliche Felsformationen, die wie Türme oder Säulen aussehen. Die Bewohner der Badlands sind geprägt von der rauen Natur und dem harten Leben dort. Es ist ein besonderer Menschenschlag und es lohnt sich, mit den Locals ins Gespräch zu kommen.
canadasbadlands.com
3Icefields Parkway: Es ist der ultimative Roadtrip. Der Icefields Parkway, auch Highway 93 genannt, gehört zu den spektakulärsten Panoramastraßen der Welt. Die 232 Kilometer lange Strecke verbindet das Bergdorf Lake Louise mit dem Jasper National Park und bietet Auto-, Wohnmobil-, Fahrrad- und Motorradfahrern atemberaubende Ausblicke auf über hundert Gipfel, zahlreiche Gletscher und viele türkisfarbene Seen wie den Peyto oder Bow Lake. Etwa auf halber Strecke liegt das Columbia Icefield; mit 325 Quadratkilometern ist es eines der größten Eisfelder südlich des Polarkreises. Allein sechs große Gletscher befinden sich dort, mächtige Flüsse wie der Saskatchewan oder Athabasca River entspringen aus seinem Eis. Unterwegs kann man allerorten anhalten, um zu Wandern oder Naturschönheiten wie Wasserfälle zu beobachten. Der Parkway wird von der Nationalparkbehörde verwaltet und ist im Sommer und Winter befahrbar. parks.canada.ca/pn-np/ab/banff/visit/les10-top10/glaciers-icefields
4Edmonton: Die Hauptstadt der Provinz Alberta wird häufig unterschätzt, dabei ist Edmonton eine lebendige und attraktive Großstadt mit spannender Kultur, Geschichte und Natur. Sie liegt idyllisch am North Saskatchewan River und bietet ein weit verzweigtes Netz an Parkanlagen – eines der größten urbanen Naherholungsgebiete in Nordamerika. Edmonton ist bekannt für seine vielen Festivals, darunter das Fringe Festival, eines der größten der Welt. Im historischen Stadtviertel Old Strathcona haben sich viele populäre Restaurants, Kneipen, Galerien und Märkte angesiedelt. Auch Eishockey-Fans kommen auf ihre Kosten. Die Edmonton Oilers gehören zu den Topteams in der nordamerikanischen Profiliga NHL, nicht zuletzt dank des deutschen Superstars Leon Draisaitl, der dort seit 2014 spielt. Edmonton vereint Großstadtflair mit natürlicher Schönheit – ideal für Kulturinteressierte und Entdecker. exploreedmonton.com
5Indigene Powwows: Einen Powwow zu besuchen ist eine gute Gelegenheit, die lebendige Kultur, Musik und Spiritualität der indigenen Völker Albertas hautnah zu erleben. Powwows sind traditionelle Zusammenkünfte verschiedener Stämme, bei denen Tänze, Trommeln, Gesänge und kunstvolle Kleider und Schmuckstücke im Mittelpunkt stehen. Dabei kann man nicht nur farbenfrohe Tanzauftritte, sondern auch den tiefen Respekt der First Nations für die Natur, ihre Traditionen und Vorfahren erleben. In den Sommermonaten finden in Alberta Dutzende Powwows statt – etwa bei den Blackfoot, Cree, Dene, Stoney Nakoda oder Siksika First Nations. Touristen sind meist ausdrücklich willkommen. Oft wird auch indigene Kunst angeboten und traditionell gekocht, zum Beispiel frittiertes Stockbrot. Ein Powwow liefert emotionale Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst. Es ist mehr als ein nur Event – es ist ein spirituelles Erlebnis. calendar.powwows.com/events/categories/pow-wows/pow-wows-in-alberta
6Lärchenwälder: Wer im Herbst nach Alberta kommt, sollte einen Blick auf die Lärchenwälder in den Höhenlagen der Berge werfen: Die Nadeln der Alpine Larches färben sich dann leuchtend goldgelb, bevor sie – anders als bei anderen Nadelbäumen – im Spätherbst abgeworfen werden. Die seltene Farbexplosion dauert meist nur wenige Wochen im September und hat sich zu einem lokalen Tourismusereignis entwickelt. Populäre Orte, an denen man den Lärchen nahe kommen kann, sind beispielsweise das Larch Valley bei Lake Louise, die Pocaterra Ridge im Kananaskis Country oder der Arethusa Cirque im Peter Lougheed Provincial Park. Die goldenen Lärchenhaine zwischen den schroffen und felsigen Bergspitzen bieten schöne Fotomotive und stille Naturmomente. Die Lärchen-Saison ist zwar nur kurz, gehört aber zu den schönsten Zeiten, um Alberta zu besuchen. travelalberta.com/articles/the-ultimate-guide-to-experiencing-larch-season-in-alberta-this-fall
7Calgary: Die größte Stadt Albertas ist zugleich die dynamische. Eingebettet zwischen Prärie und den Rocky Mountains, bietet sie Kultur aber auch Naturerlebnisse direkt vor der Haustür. Calgary ist bekannt für seine freundlichen Menschen, sauberen Straßen und die hohe Lebensqualität, die dazu führt, dass der Bauboom scheinbar keine Grenzen kennt. Die Stadt pulsiert vor Energie – sei es durch das berühmte Calgary Stampede Rodeo, die lebendige Kunstszene oder die vielfältige Gastronomie. Besucher können in den historischen Stadtteilen Kensington oder Inglewood bummeln, den Calgary Tower besuchen oder auf dem Bow River mit einem Schlauchboot floaten. Auch Wintersportfans kommen in der Olympiastadt des Jahres 1988 auf ihre Kosten: Kleinere Skigebiete mit Liften und Rodelbahnen liegen direkt in der Stadt. Ob Natur, Kultur oder Abenteuer – Calgary ist der ideale Einstieg für Besucher, die den Westen Kanadas bereisen wollen. visitcalgary.com
8Kananaskis Trail: Viele Besucher lassen ihn auf dem Weg in den Banff National Park links liegen, doch das ist schade. Der Kananaskis Trail, oder Highway 40, bietet Bergfans den Zugang zu einem wahren Naturparadies und gilt noch immer als Geheimtipp für alle, die die kanadischen Rockies abseits der Touristenmassen erleben möchten. Der geteerte und gut ausgebaute Highway zweigt vom Trans-Canada Highway ab und erschließt über 104 Kilometer die wilden Berglandschaften und schönsten Campingplätze des Kananaskis Country, einem beliebten Naherholungsgebiet der Einheimischen. Entlang dem Highway beginnen allerorten spektakuläre Wandertouren, die ins tiefe Hinterland oder auch alpine Hochland führen, etwa der Weg zu den Galatea Lakes oder zum Rawson Lake. Der spektakuläre Highwood Pass liegt auf 2206 Metern, damit ist der Kananaskis Trail ist die höchste geteerte Passstraße Kanadas. explorekananaskis.com
9Rodeo: Cowboys und Cowgirls gehören zu Alberta wie das Salz in die Suppe. Die Provinz gilt als Zentrum des wilden Westens in Kanada und ein echtes Rodeo gehört da natürlich dazu. Weltweit bekannt ist die Calgary Stampede, die jeden Sommer im Juli über eine Million Besucher anzieht und sich zu einem riesigen (aber leider auch überteuerten) Volksfest samt Partymeile entwickelt hat. Authentischer sind die vielen kleineren Rodeos auf dem Land, etwa in Ponoka, Strathmore oder High River. Sie bieten Nervenkitzel in familiärer Atmosphäre – bei Wettbewerben wie dem ikonischen Bullriding, beim Barrel Racing oder Steer Wrestling. Bands mit Western-Musik und ein typisches Grill-Barbecue gehören meistens mit dazu. Ein Rodeo ist mehr als nur eine Sportveranstaltung. Es ist ein kulturelles Ereignis, bei dem die Menschen ihre Geschichte, ihren Stolz und das Gemeinschaftsgefühl feiern. rodeocanada.com
10Bow River: Der Bow River entspringt am Bow-Gletscher im Banff National Park und fließt 587 Kilometer durch die wilden Berg- und Prärielandschaften der Provinz bis Calgary. Entlang seines Verlaufs bietet der Fluss allerlei Freizeitmöglichkeiten: Kanufahren, Angeln, Wandern, Radfahren und noch viel mehr. In Calgary verläuft der Bow River mitten durch die Stadt und verleiht der Innenstadt mit Parks wie dem Prince’s Island Park eine grüne, entspannte Atmosphäre.
travelalberta.com/listings/bow-river-1998
IN ALBERTA
Alberta ist eine Provinz der Superlative. Vieles dort ist größer, höher oder spektakulärer als sonstwo in Kanada. Ein paar Beispiele:
Kanadas sonnigste Großstadt: Dank Calgary kann Alberta einen ganz besonderen Wetter-Rekord vorweisen: Sonnenschein satt. Mit über 2300 Sonnenstunden im Jahr ist Calgary nämlich Kanadas sonnigste Großstadt. Zum Vergleich: Freiburg im Breisgau, die sonnigste Stadt Deutschlands, kommt nur auf etwa 1800 Sonnenstunden – Calgary hängt die deutsche Unistadt also locker ab. Dabei liegt Calgary am Rande der Rocky Mountains, die man gewöhnlich eher mit Schneestürmen in Verbindung bringt. Doch in Calgary hilft das Wetterphänomen Chinook: Die warmen, trockenen Winde bringen im Winter plötzlich Temperaturanstiege und blauen Himmel. Dazu kommt die südliche Lage. Das ist perfekt für alle, die Schnee und Sonne gleichzeitig mögen. Wer genug von den grauen Tagen hat, findet in Calgary das kanadische Gegenstück zu Freiburg – sonnenschützende Cowboyhüte inklusive.
Kanadas größte Ölvorräte: Alberta sieht sich gerne als das ökonomische Zugpferd Kanadas – nicht ganz zu Unrecht. Die Provinz sitzt auf den mit Abstand größten Ölvorräten des Landes. Dazu kommt ein Netz aus Pipelines und mehr Raffinerien, als ein durchschnittlicher Kanadier zählen möchte. Besonders die großen Ölsandfelder rund um die Stadt Fort McMurray machen Alberta wirtschaftlich schwergewichtig. Laut Experten lagern etwa 97 Prozent der kanadischen Ölreserven dort. Das sind rund 165 Milliarden Barrel – also genug, um ein paar Jahrhunderte zu tanken. In Calgary tummeln sich die Konzernzentralen der Energieunternehmen, Edmonton glänzt mit verarbeitender Industrie – und wenn der Ölpreis hoch ist, mangelt es nicht an Jobs. Allerdings gibt es auch Kritik – besonders wegen der zum Teil erheblichen ökologischen Schäden der Ölsandförderung. Deshalb versucht die Branche, auf neue Technologien zu setzen, um umweltfreundlicher zu werden. Bislang mit mäßigem Erfolg …
Kanadas größter Biberdamm: Mitten im abgelegenen Wood Buffalo National Park im Norden Albertas (siehe Tipp 49) haben ein paar äußerst fleißige Nager ein echtes Meisterwerk geschaffen: den größten Biberdamm der Welt! Der Komplex aus Holz, Steinen und Schlamm ist über 850 Meter lang – also fast ein Kilometer Biber-Architektur vom Feinsten. Entdeckt wurde das Bauwunder im Jahre 2007 per Satellitenbild, denn der Damm liegt so weit draußen in der Wildnis, dass sich gewöhnlich nicht mal Wanderer dorthin verirren. Forscher schätzen, dass mehrere Biberfamilien über Jahrzehnte geduldig daran gebaut haben – quasi ein Mehrgenerationenprojekt. Das Teil ist so groß, dass man es sogar aus dem All sehen kann! Der Damm hält das Wasser zurück, schützt vor natürlichen Feinden und ist das perfekte Biber-Resort. Wer braucht schon Architekten, wenn man fleißige Nager hat?
Kanadas meiste Tornados: Alberta ist nicht nur für Öl und Rocky Mountains bekannt, sondern auch für seine Tornados. Tatsächlich fegt nirgendwo sonst in Kanada so oft ein Wirbelwind über das Land wie dort. Mit durchschnittlich 15 bis 20 Tornados pro Jahr hält Alberta den landesweiten Rekord. Die meisten davon verursachen nur wenige Schäden, aber hin und wieder taucht auch ein richtig gefährlicher auf. Verantwortlich für die hohe Tornado-Konzentration ist das besondere Klima: Wenn warme, feuchte Luft aus den USA auf die kalte, trockene Luft aus den Rockies trifft, wird’s gerne turbulent – und schon kann sich ein Tornado bilden. Besonders im Sommer wird der Himmel über Alberta dann schnell mal beängstigend dunkel. In ländlichen Regionen haben die Menschen gelernt, mit Tornados zu leben, aber auch rund um Städte wie Edmonton sollte man bei Wetterwarnungen besser das Grillfest absagen und den Himmel im Auge behalten.
Kanadas einzige Provinz ohne Ratten: Alberta hat viele Dinge im Überfluss: Berge, Wälder und Seen zum Beispiel – aber eines gibt es dort nicht: Ratten. Das ist kein biologischer Zufall, sondern Teil eines ziemlich ernsten, aber auch irgendwie legendären Plans. Seit den 1950er-Jahren führt der Staat einen regelrechten Kleinkrieg gegen Ratten – und gewinnt ihn! Die Provinz gilt als offiziell rattenfrei, als einzige in ganz Kanada. Wer in Alberta doch einmal einen der pelzigen Plagegeister sieht, ruft nicht den Kammerjäger, sondern gleich die Kontrolleure des Staates. Die rücken dann mit der gleichen Entschlossenheit aus wie die Feuerwehr. Sogar das Halten von Ratten als Haustier ist in Alberta per Gesetz verboten. Die Tiere haben Hausverbot – für immer. Vermissen tut sie (fast) keiner.
Kanadas meiste Rinder: Wer an Alberta denkt, dem kommen gerne Cowboys und Cowgirls in den Sinn – und das ist kein Zufall. Alberta ist das Rinderland Nummer eins in Kanada. Zwischen viereinhalb und fünf Millionen Rinder leben dort – das sind fast 50 Prozent des gesamten kanadischen Bestands. Damit gibt es in Alberta in etwa genauso viele Rinder wie Menschen – denn die Bevölkerungszahl der Provinz liegt bei etwa fünf Millionen. Vor allem im Süden, rund um die Städte Lethbridge, Red Deer oder Medicine Hat, sieht man oft mehr Kühe als Autos. Die Rinderzucht ist bis heute wirtschaftlich enorm wichtig und tief in der Kultur und im Selbstverständnis Albertas verwurzelt – mit Rodeos, Ranches und natürlich Rindfleisch auf dem Grill. Wer echtes Alberta-Feeling erleben will, besucht am besten einen Reiterhof – oder gönnt sich ein saftiges Steak, direkt aus der Heimat der Cowboys.
Calgary bei Nacht
1.Kensington: Wo Calgary bunt, unterhaltend und lebenswert ist
2.Passendes Outfit zur Stampede: Original Cowboyhüte und Boots made in Calgary
3.Musikmeile zwischen East Village und Inglewood: Wo Rock und Blues zu Hause sind
4.Esker Foundation: Labor für die Kunst
5.Calgary Central Library: Der Star im East Village
6.Okotoks: Geheimnisvolle Felsbrocken am Rande der Stadt
7.Bow Valley Trail: Die idyllische Landstraße nach Banff
Nichts wie raus aus der Stadt … So denken manche Besucher, wenn sie in Calgary ankommen, sei es nach der Einreise oder zum Rückflug. Tatsächlich kann die Millionenmetropole einen kalten Eindruck machen und das ist nicht nur wettermäßig gemeint: der Beton, die monotonen Vorstädte, die seelenlosen Bürotürme, Fußgängerzonen und Einkaufszentren.
Auch ich habe eine Weile gebraucht, mich mit Calgary anzufreunden. Doch das lag an mir. Meist hatte ich mich bei meinen Besuchen intuitiv auf das Stadtzentrum konzentriert: auf das Büroviertel, die Einkaufsmeile Stephen Avenue, den Olympic Plaza oder den Calgary Tower. Alles ganz nett anzusehen, aber nach Geschäftsschluss doch ziemlich tot, oder?
Irgendwann hat mich ein Freund nach Kensington mitgenommen, einen Vorort im Norden jenseits des Bow River. Da habe ich für mich kapiert: Das wahre Leben in Calgary findet nicht in der Downtown statt, sondern in den angrenzenden Wohnvierteln wie Kensington. Dort ist die Stadt bunt, unterhaltend und lebenswert. Dort lohnt es sich, zu verweilen.
Kensington ist einer der beliebtesten Vororte von Calgary mit hoher Lebensqualität.
„Village in the City“ nennen die Kanadier Kensington – übersetzt „das Dorf in der Stadt“. Statt eintöniger Kettenrestaurants oder unpersönlicher Outlets finden Sie dort Läden mit Herz und Seele: In den Restaurants und Kneipen sitzen meist Einheimische, die Kinos zeigen mehr als nur den üblichen Hollywood-Kram, in den Bäckereien wird noch mit echter Butter gebacken.
Historisches Hausnummernschild
Besonders gilt das für das Kensington Village rund um die Kensington Road und die 10th Street. An Sommerwochenenden kann es dort lebhaft zugehen. Man trifft sich zum After-Work-Drink in den gemütlichen Gartencafés, Weinstuben und Bars, sitzt im Freien mit einem Joint (Cannabis ist legal in Kanada) oder flaniert an der Uferpromenade des Bow River.
Kein Wunder also, dass Kensington zu den gefragtesten Wohnvierteln Calgarys gehört – und das schon länger. Besonders populär sind die Straßenzüge mit den Namen Hillhurst, nördlich der Kensington Road gelegen. Die Wohngebiete dort wurden bereits 1914 gegründet und gehören damit zu den ältesten in Calgary und in ganz Alberta.
Der historische Charakter ist nicht zu übersehen: Zwischen der 10th und der 14th Street sind viele Häuser im viktorianischen Zuckerbäcker-Stil gebaut, die Vorgärten sind gut gepflegt, die Straßen sind von alten Alleebäumen gesäumt. In Hillhurst habe ich immer das Gefühl, irgendwo weit draußen zu sein, dabei liegt die Downtown nur wenige Minuten zu Fuß oder mit dem Bus entfernt.
Auch Fußgänger und Radfahrer haben es gut: Von Kensington aus können Sie stundenlang am neu ausgebauten Riverwalk spazieren, der kilometerlang am Bow River entlangführt. Unterwegs haben Sie einen schönen Blick auf die Skyline von Calgary, ein Fotomotiv jagt das nächste. Ein Hingucker ist auch die futuristische Peace Bridge, die ins East Village führt.
Wie überhaupt das ganze Bow-River-Tal in Calgary in den letzten Jahren enorm gewonnen hat. Der Riverwalk führt Sie zu Parkanlagen am Fluss wie Eau Claire, Prince’s Island oder Sunnyside Bank. Hier fühlt man sich schon fast wie in Banff, dabei ist man noch mitten in der City. Der Beton und die seelenlosen Einkaufszentren jedenfalls sind ganz weit weg …
Blick vom Memorial Drive auf die Downtown
INFO
Lage: Das Kensington Village liegt jenseits des Bow River nördlich der Downtown. Ein guter Ausgangspunkt ist die Kreuzung Memorial Drive/10th Street NW. GPS: 51.051539, -114.086473.
Anfahrt: Vom Calgary Tower in der Downtown sind es gut zwei Kilometer bis nach Kensington. Zu Fuß sind Sie rund 30 Minuten unterwegs. Dazu laufen Sie die Centre Street nach Norden, an der 4th Avenue halten Sie sich links. Folgen Sie der 4th Avenue für neun Blocks, dann überqueren Sie auf der Louise Bridge den Bow River, kurz danach treffen Sie auf den Memorial Drive. Kensington können Sie auch mit dem Bus erreichen (Linie 1, Bowness) oder mit der Stadtbahn bis zum Haltepunkt Sunnyside (rote Linie, Tuscany).
Aktivitäten: Das Plaza Theatre zeigt Filme aus unabhängiger Produktion, das Programm wechselt wöchentlich; 13 CAD für Erwachsene, 10 CAD für Studenten; 1133 Kensington Road NW, Tel. +1 403 283 2222, theplaza.ca
Tee: The Naked Leaf, sensationelle Teeauswahl, 14 eigene Mischungen; täglich von 11 bis 17 Uhr; 1130 Kensington Road NW, Tel. +1 403 283 3555, thenakedleaf.ca
Kaffee: The Roasterie, Calgarys legendärer Coffeeshop aus der Vor-Starbucks-Zeit, Kaffeesorten aus 26 Ländern, Röstmaschine; täglich 7 bis 20 Uhr, sonntags bis 18 Uhr; 314 10th Street NW, Tel. +1 403 270 3304, roasterie.com
Restaurant: Pulcinella, Pizzen und beste italienische Küche, gebacken in einem Ofen, dessen Steine vom Vesuv nach Kanada gebracht wurden; täglich 11:30 bis 21 Uhr; 1147 Kensington Crescent NW, Tel. +1 403 283 1166, pulcinella.ca
BBQ-Restaurant: Hayden Block, geräuchterte Fleischgerichte, Sandwiches, Whiskey; täglich 11 bis 1 Uhr, freitags und samstags bis 2 Uhr; 1136 Kensington Road NW, Tel. +1 403 283 3021, haydenblockyyc.com
Wein: Winebar Kensington, klasse Auswahl an kanadischen und internationalen Weinen, Tapas, Käseplatten, gemütliche Patio; täglich außer Montag 16 bis 22 Uhr, an Wochenenden 14 bis 0 Uhr; 1131 Kensington Road NW, Tel. +1 403 457 1144, winebarkensington.com
Unterkunft:
