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Ab ins Kanu, rauf aufs Wasser Als Freizeitsport ist Kanufahren leicht zu erlernen und so vielfältig, dass jeder die für ihn passende Art zu paddeln findet: alleine, zu zweit oder in der Gruppe, als sportlicher Ausgleich zum Job oder als entspannter Wochenendausflug. Ist die Begeisterung für den Sport erst einmal geweckt, bekommen Kanuten schnell Lust auf mehr: Kanuwandern, Abenteuer-Urlaub oder Expeditionsreise und Wettkämpfe locken dann aufs Wasser. Langweilig wird es dabei nicht. Mit Kajak oder Kanadier können Sie ruhige Binnengewässer, idyllische Flusslandschaften, rauschende Wildbäche und Meeresküsten entdecken und dabei die Natur genießen. Kanufahren für Einsteiger und Fortgeschrittene Der ehemalige Olympiateilnehmer Jürgen Gerlach sorgt mit seinem Buch Kanufahren. Perfekt paddeln mit Kajak und Kanadier für Orientierung und vermittelt das nötige Wissen: • Fahrtechnik und Einsteigerinfos zu Kanu, Kajak und Kanadier • Bootstypen und Bootstransport, Doppel- und Stechpaddel • Ausrüstung, Zubehör, Bekleidung • Knoten und Reparaturen • Kanuwandern und Wettkampf Dieses Lehrbuch richtet sich in erster Linie an Anfänger. Sie erhalten alle wichtigen Informationen, damit Ihnen der Einstieg in den Kanusport problemlos gelingt. Fortgeschrittene bekommen wichtige Anregungen und Tipps, um noch tiefer in die Materie einsteigen zu können. Mit Fotos werden Fahrtechniken und Manöver Schritt für Schritt erklärt. Wo ein Foto nicht ausreicht, helfen einfache, aber aussagekräftige Illustrationen weiter. Damit wissen Sie alles, was Sie brauchen, um loszupaddeln. Kanufahren ist der ideale Freizeitsport: Rauf aufs Wasser, das Paddel fest in der Hand – aktive Erholung pur!
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2018
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1VORWORT
2RUND UMS KANU
Einsteiger-Info Kanu, Kajak und Kanadier
Der Kanadier
Der Kajak
Bootstypen
Der Stoff, aus dem die Boote sind
Fahrverhalten
Innenleben
Doppel- und Stechpaddel
Holzpaddel
Kunststoffpaddel
Schränkung, Drehung, Teilbarkeit
Doppelpaddel-Blattformen
Stechpaddel-Blattformen
Paddelschäfte
Stechpaddel-Griffe
Ausrüstung und Zubehör
Spritzdecke und Persenning
Schwimmweste
Lenzgefäß
Wurfsack
Kenter- und Treidelleine
Auftriebskörper
Kniepolster
Kleidersäcke
Foto- und Handytaschen
Flicken und Reparieren
Bekleidung
Was braucht der Einsteiger?
Anschaffungskosten
Zehn goldene Einsteigertipps
Theorie ist praktisch
Ist Kanufahren gefährlich?
Kanufahren in Verein, Schule oder Kanuschule
Bootstransport per Auto
Bootswagen
Knoten
3GRUNDLAGEN FÜR EINSTEIGER
Technik des Kanufahrens
Zentrieren
Stabilisieren
Rotieren
Dirigieren
Fixieren
Manövrieren
Orientieren
Vom Einsteiger zum Könner
4KAJAK FÜR EINSTEIGER
Einbooten
Tragen des Kajaks
Ein- und Aussteigen mit Paddelbrücke
Sitzposition
Paddeltechnik
Griffweite
Ankanten, Wegkanten, Auslage
Bogenschlag vorwärts
Bogenschlag rückwärts
Paddelstütze
Grundschlag vorwärts
Grundschlag rückwärts
Ziehschlag Mitte
Duffekschlag
Steuerschlag
Schlagkombinationen
Paddelschläge im Zweierkajak
Kehrwasserfahren
Im Einerkajak
Im Zweierkajak (K2)
Seilfähre (Traversieren)
Kentern
Kentern ohne Spritzdecke
Kentern mit Spritzdecke
Wiedereinstieg, Kenterrolle
5KANADIER FÜR EINSTEIGER
Einbooten
Abladen des Kanadiers
Tragen des Kanadiers
Ein- und Aussteigen mit Paddelbrücke
Der Trimm
Sitzpositionen
Paddeltechnik
Griffweite
Übergreifen
Seitenwechsel
Steuerschlag
Grundschlag vorwärts
Grundschlag rückwärts
J-Schlag
Indianerschlag
Bogenschlag vorwärts
Bogenschlag rückwärts
Paddelstütze
Hebelschlag
Ziehschlag Mitte
Ziehschlag vorn
Schlagkombinationen
Paddelschläge im Zweierkanadier
Kehrwasserfahren
Im Einerkanadier
Im Zweierkanadier
Seilfähre (Traversieren)
Kentern
6KANUWANDERN
Unterwegs auf Zahmwasser
Stehende Gewässer
Fließende Gewässer
Unterwegs entlang der Küste
Unterwegs auf Wildwasser
Goldene Regeln zum grünen Paddeln
Vor der Tour
Während der Tour
Nach der Tour
Körperliche Vorbereitung
Hindernisse, Tipps und Tricks beim Kanuwandern
Treideln
Wellen
Wehre, Schleusen, Boots- und Floßgassen
Fahrregeln auf Großgewässern
Buhnen und Kribben, Brücken, Bagger und Fähren
Kennzeichnungspflicht
Mehrtägige Kanuwanderungen
Campingausrüstung
Kochutensilien
Lebensmittel
Bordapotheke
Hygieneartikel
Wenn trotz allem etwas schief geht
Unterkühlung
Kälteschockreaktionen
Unterkühlungsprobleme
Behandlung
Unterwegs mit Kindern
Der erste Ausflug im Kanu
Die richtige Ausrüstung
Learning by doing
Sicherheit – immer mit an Bord
Ehrgeiz passt nicht ins Kanu
Kinder sind gerne unter Kindern
Kanuspiele für Kinder
Mit Flussführern planen
Die schönsten Kanu-Reviere
Die Donau
Die bayerischen Seen
Der Bodensee
Der Rhein
Der Main
Der Spreewald
Die Mecklenburger Seen
Die Lahn
Die Weser
Die Altmühl
7KANU-INFOS
DKV Kanu-Stationen
Kanu-Fachberater
Eine Fahrt im Kanu bedeutet intensiven Kontakt mit der Natur. Kaum eine andere Natursportart vermittelt so schnell und beeindruckend ein Gefühl dafür, wie eng und reglementiert es in unserer Alltagswelt zugeht, wie hektisch es in unseren Städten ist. Die Welt des Kanuwanderns erschließt sich Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gleichermaßen. Beim Kanufahren sitzen (manchmal) alle in einem Boot. Man kann ganz allein losfahren, oder mit Freunden, der Familie, Vereinskameraden. Man kann es zu allen Jahreszeiten tun, wenn entsprechende Erfahrung und Ausrüstung vorhanden sind. Kanuwandern macht Spaß und ist gesund. Richtig erlernt und geplant ist es eine entspannte Möglichkeit, im Einklang mit der Natur unsere Abenteuerlust und den Wunsch nach neuen Eindrücken zu befriedigen.
Differenziert und nuancenreich wie kaum eine andere Sportart bietet die große Palette des Kanusports einen außergewöhnlichen Freizeitwert und überaus reizvolle Angebote im Bereich des Breiten- und Leistungssports. Wasserwandern im Kanu kann auf ganz vielfältige und immer wieder neue Art betrieben werden: Tages-, Wochenend- und mehrwöchige Ferienfahrten beinhalten das gemütliche Binsenbummeln auf kleinen und großen Seen. Spezielle Ausdauer ist erforderlich bei der Bewältigung langer Strecken auf Bächen, Flüssen und Strömen. Die gelegentlich spritzige, manchmal anspruchsvolle Fahrt auf verwinkelten, kleinen Flüssen, die nur nach ergiebigen Regenfällen ausreichend Wasser führen, erfordert viel Übung und Erfahrung. Die schnelle Fahrt auf ursprünglichen Wildbächen setzt das Erlernen der spezifischen Wildwassertechnik voraus. Die Ausfahrt an der Küste, auf Salzwasser und im Mündungsbereich großer Ströme stellt wiederum ganz besondere Ansprüche an ein Können, das in speziellen Kursen vermittelt wird.
Stolzer und glücklicher Besitzer eines Kanus kann jeder werden. Auf den im Frühjahr und Herbst allerorten durchgeführten Kanu-Flohmärkten bei Vereinen und in Fachgeschäften können Sie als Kanu-Einsteiger eine preiswerte Grundausrüstung erstehen. Mit überschaubarem finanziellen Aufwand erschließen Sie sich eine breite Palette von außergewöhnlichen Erlebnissen, die in dieser Form nur der Kanusport bieten kann. In den letzten Jahren hat die Zahl der Neu-Kanuten ständig zugenommen. Je stärker allerdings die Zahl der in Verein und Verband organisierten Kanuten und der (noch) nicht organisierten Kanuwanderfahrer, Wochenend- und Ferienpaddler zunimmt, desto wichtiger wird es, dass diese mit den sportbezogenen Grundregeln und Basisinformationen vertraut gemacht werden. Hier bieten Vereine, Verbände, Kanuschulen und andere Freizeitorganisationen vielfältige Einsteigerkurse an. Lassen Sie sich am Anfang eine systematische Einführung ruhig etwas Zeit und Geld kosten. Es wird sich schnell auszahlen. Das Wissen um die Möglichkeiten, aber auch um die mit diesem außergewöhnlich schönen Sport verbundenen Risiken bewahrt Sie vor unliebsamen Überraschungen beim Kauf eines Kanus und der ersten Ausfahrt im eigenen Boot. Gut vorbereitet werden Sie der »Droge« Kanufahren gerne verfallen und über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, das Wandern auf dem Wasser mit seinen immer wieder neuen, nachhaltigen Eindrücken genießen.
Jürgen Gerlach
»Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Kanu, Kajak und Kanadier?« werde ich fast immer gefragt, wenn Einsteiger sich für das Kanuwandern interessieren. Hier eine kurz gefasste Antwort:
Kanu: Bezeichnet die Mutter der Familie. Kanadier und Kajak sind beide Kanus und werden in Blickrichtung vorwärts bewegt.
Kajak: Sie sitzen »drin« im Boot und bewegen es nach Eskimoart mit einem Doppelpaddel vorwärts.
Kanadier: Sie sitzen oder knien im Boot und bewegen es nach Indianerart mit einem Stechpaddel vorwärts.
Nach dieser Terminologie ist das Wort »Kanu« der Oberbegriff für »Kajak« und »Kanadier«. Im Umgangssprachlichen werden jedoch gelegentlich Kanu und Kanadier sinngleich gebraucht. Oft ist dem Laien auch nicht klar, wie Kanufahren und Rudern auseinandergehalten werden. »Im Kanu fährt man in Blickrichtung – beim Rudern gegen die Blickrichtung«, heißt die Definition in manchen Veröffentlichungen. Kanuten bezeichnen die Ruderer dann und wann freundschaftlich als »Rückwärtspaddler«. Wissen Sie jetzt, warum?
Für alle, die nach der langen Woche vor dem Computer endlich entspannen, den Horizont erweitern und etwas anderes sehen wollen: Im Kanadier geht das relativ schnell und unproblematisch. Ein paar Trainingsstunden, und schon ist »Winnetou« unterwegs. Immer mehr Naturfreunde entdecken den Reiz des Kanusports speziell im Kanadier. Ein Vorteil des Kanadiers liegt in seiner relativ einfach zu erlernenden Handhabung: hineinsetzen, sich wohl fühlen und lospaddeln.
Der Kanadier wurde von den Ureinwohnern Nordamerikas für die Jagd und für den Transport schwerer Lasten auf Flüssen und Seen entwickelt. Er ist ein meist oben offenes Boot, das für das heutige Kanuwandern eine ganze Reihe von Vorteilen bietet: Große Ladekapazität verbindet sich mit kippstabilem Fahrverhalten. Er kann leicht beladen werden und ist ideal als Familienboot – Kind, Hund und sogar die große Kühltasche haben ausreichend Platz. Er ist im Vergleich zum Kajak allerdings ein wenig schwerer, langsamer und unhandlicher beim Transport. Außerdem ist er für Wildwasser, Fahrten an der Küste und anderen windanfälligen Gewässern weniger geeignet. Diese Einsatzbereiche bleiben überwiegend den Kajaks vorbehalten. Kanadier sind durch ihre höhere Bauweise windempfindlicher und auch nicht mit einer Steuervorrichtung ausgerüstet. Deshalb sind sie trotz des großen Stauraums für längere Fahrten auf dem Meer und auf Großgewässern ungeeignet.
Wenn Sie mit Kind und Kegel auf Binnenseen oder größeren Flüssen fahren wollen, sollten Sie sich für den großvolumigen Kanadier entscheiden. Bei Urlaubs- oder Wochenendfahrten bietet er jede Menge Stauraum für das Gepäck und mehr als ausreichenden Bewegungsspielraum für die Kinder. Große Lagestabilität und damit Kentersicherheit sind sozusagen »eingebaut«. Eine Persenning, die in Verbindung mit Spritzdecken die Insassen und die Ausrüstung von eindringendem Regen sowie Spritzwasser durch Wind und Wellen schützt, ist als Zubehör sinnvoll.
An dieser Stelle soll in erster Linie von Allround-Kanadiern die Rede sein; Boote mit neutralen Fahreigenschaften und Platz für ein, zwei oder drei Personen plus Zuladung, sprich Gepäck. Als Einsteiger informieren Sie sich zunächst im Shop des Kanu-Fachberaters, bei Freunden oder im Verein. Die erste Frage gilt der Größe und Zuladung des Bootes. Wie viele Personen sollen hineinpassen und wie viel Gepäck wird zugeladen?
Kanadier, die als Einer gefahren werden, sind etwa 420–470 cm lang.
Kanadier, die in der »Standardbesetzung« mit zwei Personen gefahren werden, sind zwischen 450 und 510 cm lang.
Länger als ca. 510 cm sind die »Elefanten« für drei und mehr Erwachsene plus Gepäck.
Eine noch »tragbare« Zuladung ist bei etwa 15 cm Freibord (das ist der Abstand zwischen der Wasseroberfläche und der niedrigsten Stelle der Seitenwand) erreicht. Ohne Gepäck sollte das Freibord etwa 30 cm betragen. Allerdings gilt auch: Je höher die Seitenwand, umso höher ist die Anfälligkeit für Seitenwind, das ist einer der größten Nachteile des Kanadiers im Vergleich zum Kajak.
Wenn diese Fragen geklärt sind, geht es um den Einsatzbereich: Kanadier für lange Strecken auf großen Gewässern sind lang und schlank, entsprechend der Grundregel »Länge läuft«. Um dem Seitenwind weniger Angriffsfläche zu bieten, ist das verbleibende Freibord relativ niedrig. Kanadier mit Rundoder V-Spant sind allerdings relativ kippelig. Man trifft diese Boote z. B. auf großen Seen und sehr langsam fließenden Gewässern. Sie bieten bedingt durch ihre Spantform zwar eine geringe Anfangs-, dann aber eine relativ hohe Endstabilität. Sie können das erspüren, wenn Sie in einem leeren Boot hin- und herschaukeln. Diese Boote liegen »auf der Seite« recht stabil.
Breitere Kanadier mit flachem Boden sind als Tourenboote besonders gutmütig. Sie eignen sich vor allem für größere und mittelgroße Flüsse. Die geringe Geschwindigkeit wird durch eine bessere Drehfähigkeit aufgewogen.
Auf schnell fließenden und kleineren Gewässern bis hin zum leichten Wildwasser wird die Wendigkeit des Bootes wichtiger als die Schnelligkeit; das Wildwasser ist selbst schnell genug. Die dafür vorgesehenen Boote haben mehr »Sprung«, d. h. eine aufgebogene Kiellinie. Das macht das Boot langsamer, dafür kommt man in Kurven besser zurecht.
Mit Kajaks können Sie so ziemlich alles machen: quer über den Atlantik paddeln, 30 Meter hohe Wasserfälle hinunter hüpfen, Expeditionsfahrten in die abgelegensten Winkel unseres blauen Planeten unternehmen. Kajaks sind unglaublich vielseitige Wasserfahrzeuge, wahrscheinlich die universellsten überhaupt. Ich will in diesem Buch allerdings nur von einem Einsatzbereich reden, dem Kanuwandern im Kajak. Drei Typen von Tourenkajaks reichen aus, der Vielzahl der Einsatzmöglichkeiten gerecht zu werden:
Touren auf Großgewässern verlangen nach schnelllaufenden, langen Kajaks, die schmal sind und dem Wind relativ wenig Angriffsfläche bieten. Sie erreichen bei gutem Geradeauslauf zufriedenstellende Geschwindigkeiten. Dafür lässt die Wendigkeit zu wünschen übrig.
Wer Touren überwiegend auf kleineren Wanderflüssen plant, wird sich nach einem Tourenkajak mit ausgewogenen Fahreigenschaften umschauen und sich für ein etwas kürzeres und daher nicht ganz so schnelles Boot entscheiden. Sein flacher Boden (V/U-Spant) sorgt für ein gutmütiges Fahrverhalten. Hier sitzen Kanu-Einsteiger genau richtig.
Auf schneller fließenden und etwas engeren Gewässern wird die Wendigkeit ein wichtiges Kriterium. Ebenso wie die Kanadier haben auch wendige Kajaks mehr »Sprung«, d. h. eine aufgebogene Kiellinie. Dadurch wird das Boot insgesamt etwas langsamer, dafür läuft es aber mit weniger Aufwand leichter um die Kurven.
Was für den Kajak-Einer gilt, trifft auch für den Zweier zu. Allerdings ist zu bedenken, dass bei sehr langen Gepäcktouren zwei Einer mehr Stauraum bieten als ein Zweier.
TIPP
Wollen Sie vor allem sportlich unterwegs sein, empfehle ich den Einerkajak. In ihren unterschiedlichen Ausführungen und Spantformen eignen sich diese Boote für nahezu jedes Gewässer, also für das Binsenbummeln wie zur extremen Wildwasserfahrt. Einerkajaks gewähren ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Individualität. Das richtige Boot für Alleinreisende, Einsiedler und Eremiten!
Zweierkajaks bewähren sich auf der Langstrecke, in der Regel also auf größeren Gewässern. Auch sind sie aufgrund ihrer konstruktiven Merkmale gut für Fahrten auf Küstengewässern geeignet. Dann müssen sie allerdings, ebenso wie Einerkajaks, auf jeden Fall mit einer Steuervorrichtung ausgerüstet sein. Sie sind dann, auch bei widrigen Winden, besonders richtungsstabil. Ebenso bieten sie durch ihre Bauweise gegenüber dem Einerkajak ein Stück zusätzliche Bewegungsfreiheit. Dies ist ein Vorteil, den ich vor allem bei längeren Fahrten mit teilweise expeditionsähnlichem Charakter genießen konnte. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass ein erfahrener Steuermann hinten sitzend einem vor ihm sitzenden Einsteiger Sicherheit vermitteln sowie korrigierend und helfend eingreifen kann.
Der Kajak wurde von den Küstenvölkern Amerikas für die Jagd unter den extremen Bedingungen der Arktis entwickelt. Er weist daher ein geschlossenes Deck mit Sitzluke auf, die durch eine Spritzdecke wasserdicht verschlossen werden kann. Mit einem Einerkajak sind Sie auf dem Wasser schneller als im Einerkanadier. Dafür ist er ein wenig kippeliger und etwas diffiziler zu steuern. Er ist meist leichter als ein Kanadier und dementsprechend besser zu verladen.
Auf großen, offenen Wasserflächen hat er schließlich wegen seiner geringen Windanfälligkeit gegenüber dem Kanadier erhebliche Vorteile.
Kajaks werden mit unterschiedlich großen Sitzluken gebaut. Große Sitzluken sind vor allem bei entsprechender Körpergröße (und -volumen) vorteilhaft, ebenso wenn viel Gepäck unterzubringen ist. Alle Sitzluken mit entsprechendem Süllrand können mit Spritzdecken nahezu wasserdicht verschlossen werden. Dies ist kein Luxus. Bei nasskaltem Wetter bedeutet eine dichte Spritzdecke ein großes Stück Behaglichkeit.
Damit sind an dieser Stelle nicht die teils verwegenen Gestalten gemeint, die mit dem Stech- oder Doppelpaddel hantieren. Vielmehr sollen Sie sich hier mit dem Gedanken vertraut machen, dass es mit der Unterscheidung zwischen Kajak und Kanadier noch lange nicht getan ist. Da ist für den Bereich des Kanuwanderns eine Vielzahl von Bootstypen auf dem Markt, die allesamt für sich beanspruchen, das »Besondere« zu bieten.
Die idealen Kajaks und Kanadier für das Kanuwandern sind nicht besonders leicht, nicht besonders schnell, auch nicht besonders drehfreudig. Sie können also alles, aber nichts besonders gut. Gerade diese Nicht-Spezialisierung macht sie zu perfekten Allroundern. Allerdings finden wir in dieser Gruppe der Alleskönner wiederum einen Dschungel unterschiedlichster Angebote: Alles hängt davon ab, wo und wie Sie unterwegs sein wollen. Ist es
ein ruhiges Fließgewässer,
leichtes Wildwasser,
ein kleiner oder großer Binnensee,
ein Strom,
ein Tages- oder Wochenendtrip,
eine längere Gepäckfahrt?
Die folgende Aufstellung bietet eine Orientierungshilfe. Für welches Boot Sie sich auch entscheiden werden, nach kurzer Zeit werden Sie ein inniges Verhältnis zum Kanu Ihrer Wahl entwickeln.
Vorbei die Zeit, da die nordamerikanischen Indianer ihre Kanadier mit Birkenrinde umhüllten und ein Inuit vier Robbenfelle benötigte, um einen Kajak zu bauen. Das ist nur noch Folklore. Kanus aus Kunststoff beherrschen heute den Markt. Auf einzelnen Ständen dieses bunten Marktes werden außerdem noch edle Kanus aus Holz und weniger edle aus Aluminium angeboten. Alles in allem geht es also für den Besucher auf diesem Markt ziemlich unübersichtlich zu. Grob strukturiert werden derzeit vier Gruppen von Kanus angeboten:
Polyesterharze und Glasfasermatten (GfK) sind hier eine innige Verbindung eingegangen. Diese Boote sind hart, verformen sich auch in der Sonne nicht, sind leicht zu reparieren. Bei exklusiveren Versionen (die dann natürlich um einiges teurer sind) werden statt der Glasfasern Diolen-, Karbon- oder Kevlarfasern zusammen mit Epoxydharzen verarbeitet; und das alles per Hand. Diese Laminate sind deutlich leichter und oft robuster als die GfK-Versionen.
Im Einerkajak flott unterwegs.
Polyethylen (PE) ist der Ausgangsstoff für die relativ schweren Thermoplastboote, die sich immer mehr durchsetzen, insbesondere im Kajak- und Wildwasserbereich. Hier sind Kajaks aus »Hochleistungs-Thermoplast« (HTP) die Marktführer. HTP ist recycelbar und daher relativ unproblematisch für die Umwelt. Im Kanadierbau wird bei der Verwendung von PE gelegentlich noch ein Aluminiumgerüst eingebaut, da einschichtiges PE zwar zäh und schlagfest, aber auch relativ weich ist. PE-Kanadier sind schwerer als Glasfaserharz- oder gar Karbonharz-Kanadier. Sehr robuste Leichtgewichtler werden aus Sandwich-Material gefertigt (also mehrere Lagen aus verschiedenen Werkstoffen übereinander, teilweise bis zu neun Schichten), dessen Deckschichten bisher beiderseits aus einem nicht recycelbaren Vinylharz bestanden. Royalite ist umweltfreundlicher und lässt sich mit Epoxydharz reparieren. Solche Boote sind nahezu unverwüstlich und verfügen über ein »Formgedächtnis«; selbst relativ große Beulen, die bei falscher Lagerung entstehen, verschwinden, wenn man sie erwärmt.
Ein Schneidermeister aus Rosenheim brachte diese Kajaks vor siebzig Jahren zur Serienreife. Faltboote sind fast immer Kajaks und bestehen aus einem Holzoder Alugerüst, das mit beschichtetem Gewebe bespannt wird. Im Bereich des Unterschiffs wird es mit Kunststoff oder Kautschuk verstärkt; das Baumwolldeck wird wasserabweisend imprägniert. Faltboote sind oft mit einer Steueranlage ausgestattet, einige Ausführungen eignen sich sogar für den Aufbau einer Besegelung. Es werden auch Faltkanadier angeboten. Der Riesenvorteil der Faltboote: Man kann sie variabel transportieren. Außerdem überwintern sie zusammengelegt und verpackt in jedem Abstellraum. Die Haut ist recht robust und hält einiges aus. Für das Auf- und Abbauen der Faltboote sind je nach Ausführung und Übung 20–30 Minuten zu rechnen; für den Anfänger dauert es auch schon einmal länger. Faltboote eignen sich vorzugsweise für Touren. Sie sind relativ schnell und laufen gut geradeaus. Deshalb werden sie überwiegend auf großen Strömen, Seen oder sogar bei Küstenfahrten eingesetzt. Ein Nachteil, der allerdings auch für den Großteil der Kunststoffboote zutrifft, soll nicht unerwähnt bleiben: Faltboote in ihrer klassischen Ausführung sind sehr schwer. Das Gewicht wirkt sich auf dem Land merklich, auf dem Wasser allerdings kaum aus. Bootswagen gehören also zur Standardausrüstung der ambitionierten Falt-Kanuten.
Schlauchboote werden aufgeblasen. Mit der richtigen Pumpe ist dies in 10 Minuten
