Karrierebooster Zeitarbeit - Timm Eifler - E-Book

Karrierebooster Zeitarbeit E-Book

Timm Eifler

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Beschreibung

Sie sind auf Jobsuche oder möchten sich beruflich verändern? Dann sollten Sie darüber nachdenken, sich von einem Zeitarbeitsunternehmen unterstützen zu lassen. Auch und gerade, wenn Sie damit noch keine Berührungspunkte hatten, möchte ich mit meinem Buch erläutern, wie Zeitarbeitsunternehmen funktionieren und auf welche Dinge man bei der Auswahl eines Zeitarbeitsunternehmens achten sollte. Dabei gehe ich auch auf Vorurteile ein und zeige auf, warum es keinen Grund gibt, nicht mit einem Personaldienstleistungsunternehmen zusammen zu arbeiten. Meine Erläuterungen und Hinweise, wie man gute Zeitarbeitsanbieter erkennt, können dabei auch einen Mehrwert für Unternehmen bieten, die Zeitarbeit nutzen wollen. Auch Berufseinsteiger, die in internen Teams von Zeitarbeitsunternehmen arbeiten möchten, erhalten ein vielfältiges Angebot von Insights aus dem Umfeld der Zeitarbeitsbranche. Ich gehe dabei auf die Rahmenbedingungen ein, erläuter aber auch, wie die Personaldienstleistung im Alltag gelebt wird und welche Motivationen die Stakeholder motivieren. Am Ende des Buches werden sie feststellen, dass es gute Gründe dafür gibt, mit einem Zeitarbeitsunternehmen zusammenzuarbeiten. Wenn man weiß, worauf man bei der Auswahl eines Dienstleisters achten sollte.

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Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Die Flexibilisierung der Arbeitswelt

2.1 Zeitarbeit im sich wandelnden Arbeitsmarkt

2.2 Zeitarbeit hilft Unternehmen und Bewerbern

2.3 Zeitarbeit – New Work oder alter Hut?

2.4 Zeitarbeit und die Arbeit im Ferienclub

3 Zeitarbeit Basics

3.1 Zeitarbeit – muss das sein?

3.2 Nutzung muss Mehrwert bringen

3.3 Personaldienstleistungen erweitern den Horizont

3.4 Zeitarbeit – Grundlagen

3.4.1 Zeitarbeit Wording

3.4.2 Arbeitgeberfunktion

3.4.3 Personalmanagement

3.4.4 Rekrutierung

3.5 Zeitarbeitnehmer

3.5.1 Unterschiedliche Arbeitsorte

3.5.2 Was bedeutet Arbeitsteilung?

3.5.3 Lohnunterschiede

3.5.4 Tarifliche Einbindung

3.5.5 Fazit zum Zeitarbeitnehmer

4 Zeitarbeitsunternehmen

4.1 Rechte und Pflichten des Zeitarbeitsunternehmens

4.2 Bestimmung des Arbeitsortes

4.3 Stundenlohn und Arbeitsstunden

4.4 Arbeitszeitkonto

4.5 Weisungsbefugnis

4.6 Arbeits- und Gesundheitsschutz

5 Kundenunternehmen – Entleiher

5.1 Abdeckung von Bedarfsspitzen war der Beginn

5.2 Mehr als Lückenfüller – Personaldienstleister

5.3 Rechte und Pflichten des Entleihers

5.3.1 Zeitarbeitsunternehmen als Arbeitgeber

5.3.2 Der Arbeitnehmerüberlassungsvertrag

5.3.3 Arbeits- und Gesundheitsschutz

5.3.4 Das Weisungsrecht des Entleihers

6 Zeitarbeitsunternehmen bewerten

6.1 Historie und Inhaberschaft

6.2 Optik und Außenauftritt

6.3 Anfahrt und Erreichbarkeit

6.4 AÜG-Erlaubnis

6.5 Mitgliedschaft in einem Arbeitgeberverband

6.5.1 Gesamtverband der Personaldienstleister

6.5.2 Mitgliedschaft zwingend notwendig?

6.6 Zertifizierungen und Qualitätsmanagement

6.6.1 DIN ISO 9001

6.6.2 SCC und SCP

6.6.3 CSR – Corporate Social Responsibility

6.6.4 Kommerzielle Arbeitgebersiegel und Auszeichnungen

6.7 Die Stellenanzeigen

6.7.1 Stellenanzeigen und Jobangebote im Wandel der Zeit

6.7.2 Formale Gestaltung der Jobangebote

6.7.3 Formulierung

6.7.4 Was kann ich aus einer Stellenanzeige lesen?

6.7.5 Keywords in Stellenanzeigen

6.7.6 Versteckte Botschaften in Stellenanzeigen?

6.7.7 Verbreitung der Stellenanzeigen

6.8 Benefits

6.9 Jobportal auf der Homepage

6.10 Bewertungsportale und Social Media

6.10.1 Bewertungsportale

6.10.2 Social-Media-Kanäle

6.10.2.1 Erscheinungsbild und Reichweite

6.10.2.2 Anzahl der Posts und Inhalte

6.10.2.3 Reaktion und Interaktion

6.10.2.4 Fazit zu den Social-Media-Kanälen

6.11 Fachliche Spezialisierung

6.11.1 Spezialisten

6.11.2 Generalisten

6.11.3 Ergebnis zur Spezialisierung

7 Zeitarbeitsbeschäftigung bewerten

7.1 Offene Kommunikation und Transparenz

7.2 Abwicklung der Formalien

7.2.1 Lohnabrechnung

7.2.2 Vertragsstrafen

7.3 Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung (PSA)

7.4 Einsatzbetreuung

7.5 Einsatzvorbereitung

7.6 Arbeits- und Gesundheitsschutz

8 Zeitarbeit als Karrierebooster

8.1 Mehr als Zeitarbeit – Personaldienstleistungen

8.2 Ist Zeitarbeit für alle Qualifikationen geeignet?

8.3 Benefits der Zeitarbeit – Ihr Karrierebooster

8.3.1 Schneller in den Job

8.3.2 Berufserfahrung sammeln

8.3.3 Zeiträume sinnvoll nutzen

8.3.4 Sprungbrett in die Festanstellung

8.4 Zeitarbeit – Ihr Jobcoach

8.4.1 Analyse des Status quo

8.4.2 Einordnung der Qualifikation

8.4.3 Identifikation von Zielunternehmen

8.4.4 Definition der Karrierestrategie

8.4.4.1 Personalberater als Karrierecoach

8.4.4.2 Eigene Karriereziele kommunizieren

8.4.5 Analyse des Stellenangebots

8.4.6 Auswahl des Vertragsverhältnisses

8.5 Das Unternehmensnetzwerk

8.6 Qualifikation und Weiterbildung

8.7 Das Vertrauensverhältnis zum HR-Consultant

9 Zukunft der Zeitarbeit

9.1 Personalberatung – Mensch oder Maschine?

9.2 Onlinemarktplätze – Zeitarbeit auf Plattformen?

9.2.1 Siegeszug der Plattformen

9.2.2 Plattformen in der Personaldienstleistung

9.3 Zeitarbeitsverhältnis deregulieren?

9.4 Chancen für Quereinsteiger

9.5 Zeitarbeit vs. Jobboards?

9.6 Macht KI das alles überflüssig?

10 Resümee

1 Vorwort

Sie sind auf Jobsuche, aber unsicher, ob und – wenn ja – welche Unterstützung Sie von Personalberatungen oder Personaldienstleistern erhalten können?

Die Begriffe Zeitarbeit oder Arbeitnehmerüberlassung haben Sie zwar schon einmal gehört, können sich aber konkret nicht vorstellen, was diese Unternehmen eigentlich machen und wie das Ihre Karriere voranbringen könnte?

Dann kann dieses Buch ein Ratgeber sein, um kompakt die wichtigsten Informationen und Anregungen zur Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern zu erhalten und Ihnen gleichzeitig einen Überblick über diesen spannenden Wirtschaftszweig zu bieten.

Ohne juristische Ausführungen möchte ich aus Sicht eines Praktikers aufzeigen, wie die Branche und die Personaldienstleistung funktionieren. Welche Motivationen treiben Unternehmen, Jobsuchende und Zeitarbeitsunternehmen an? Wie hat sich die Branche in den letzten Jahren entwickelt, und wie ist sie mit den begleitenden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft?

Ziel ist es, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und Jobsuchenden zu ermöglichen, objektiv und wertfrei zu entscheiden, ob die Zusammenarbeit mit einem Personaldienstleistungsunternehmen für sie persönlich infrage kommt und einen Mehrwert für die Karriereplanung bieten kann.

Gleichzeitig gebe ich Einblicke und Hinweise, die helfen können, ein für das eigene berufliche Vorankommen förderliches Personaldienstleistungsunternehmen zu finden.

Diese Erkenntnisse können zudem für Unternehmen von Interesse sein, die mit Personaldienstleistungen einen Teil ihrer Rekrutierungsstrategie bewältigen und verstehen möchten, wie diese Dienstleistungen funktionieren und was Bewerber motiviert, mit professioneller Unterstützung die eigene Karriereplanung anzugehen.

Denn der Wandel der Arbeitswelt, der seit der Corona-Pandemie noch einmal deutlich an Fahrt gewonnen hat, wird sich nicht aufhalten lassen. Flexible Arbeitsformen, die vor Jahren noch unvorstellbar waren, sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig gibt es einen Bedarf, die vorhandenen Flexibilisierungswünsche der Wirtschaft rechtssicher und nachhaltig umzusetzen. Hierfür braucht es Unternehmen, die genau diese Schnittstellenfunktion ausüben.

Dabei ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, die Interessen aller an diesen Konstruktionen beteiligten Menschen und Unternehmen gleichermaßen zu beachten. Vorbei sind die Zeiten, in denen Arbeitgeber einseitig diktieren konnten, wie Arbeitsverhältnisse ausgestaltet wurden.

Im Gegenteil: Der Fachkräftemangel hat dazu geführt, dass ein Gleichgewicht am Arbeitsmarkt entstanden ist. In Deutschland gibt es schon lange keine Dumpinglöhne oder wirklich schlechte Arbeitsbedingungen mehr.

Und das ist auch gut so. Denn die Flexibilisierung von etwas so Grundlegendem wie der eigenen Erwerbstätigkeit darf sich nicht nur an unternehmerischen Belangen orientieren.

Es muss einen Gleichklang geben, der es Unternehmen wie Beschäftigten ermöglicht, die individuellen Wünsche und Ziele bestmöglich zu verwirklichen. Die Flexibilisierung der Arbeit betrifft nicht nur die Ausgestaltung wie den Ort oder die Zeit der Leistungserbringung. Wie nicht zuletzt das Homeoffice sehr plastisch dokumentiert, ändern sich ganze Lebensmodelle und die Art und Weise, wie wir zukünftig Arbeit und Privatleben miteinander verknüpfen und wo wir unsere Arbeitsleistungen erbringen.

Hierzu möchte ich einen Teil des notwendigen Fachwissens für den Bereich der Personaldienstleistungen darstellen und Ihnen vermitteln.

Gleichermaßen können in der Personaldienstleistungsbranche tätige Kollegen meine Ausführungen nutzen, um die eigenen Prozesse zu überprüfen. Gerade Neueinsteiger in die Branche mögen den ein- oder anderen Hinweis erhalten, wie eine qualitätsorientierte Personaldienstleistung aussehen kann. Wer sich im Rahmen der Zeitarbeit selbstständig macht, tut ohnehin gut daran, die verfügbaren Quellen zu nutzen und so einen eigenen Stil für eine erfolgreiche Personaldienstleistung zu entwickeln.

Profitieren Sie von meiner langjährigen Tätigkeit in Unternehmen der Personaldienstleistungsbranche und in unterschiedlichen Gremien der einschlägigen Arbeitgeberverbände.

Ich habe mein erstes Unternehmen noch während des Studiums gegründet – in einer Zeit, als es den Begriff „Startup-Unternehmen“ noch gar nicht gab.

Über den Start mit der Vermittlung von jungen Menschen in Studentenjobs bis hin zu mehreren Personaldienstleistungsunternehmen habe ich die Branche und ihre Facetten kennengelernt und schätzen gelernt.

Mein Interesse war es dabei stets, mit und für Menschen tätig zu sein. Die Verbesserung der Arbeitssituation unserer Klienten und gleichzeitig die Unterstützung der Kundenunternehmen in Personalfragen sind auch heute mein Antrieb und motivieren mich nach über zwanzig Jahren noch täglich.

Ohne erhobenen Zeigefinger stelle ich Ihnen meine Erfahrungen und Erkenntnisse zur Verfügung. Sie erhalten damit einen Einblick in die Branche, der Ihnen einen Mehrwert bieten wird.

Unabhängig davon, ob Sie auf Jobsuche sind oder mit Zeitarbeitsunternehmen zusammenarbeiten möchten.

Dabei wird es sicher auch Dinge geben, die aus heutiger Sicht altbacken erscheinen mögen. Zudem werden Sie sich wahrscheinlich eingestehen müssen, dass viele der Vorurteile, die gegenüber der Zeitarbeitsbranche immer noch geäußert werden, haltlos sind.

Ich möchte Sie trotzdem einladen, sich darauf einzulassen.

Denn auch wenn sich die Technik im Rahmen der Digitalisierung stetig und immer schneller weiterentwickelt, bleibt der Mensch der wesentliche Faktor in der Personalbeschaffung. Er wird bei jeder Art von digitalem Beschaffungsprozess am Ende die Entscheidung treffen.

Zumindest noch.

2 Die Flexibilisierung der Arbeitswelt

Zum Einstieg und um sich dem Thema Arbeitnehmerüberlassung zu nähern, möchte ich zunächst einige Thesen zum Thema Zeitarbeit skizzieren. Dabei wird es auch um leider immer wieder gängige Vorurteile gehen müssen. Ich werde aber belegen, dass diese überwiegend der Vergangenheit angehören und vor allem den Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes sowie den sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr gerecht werden.

An dieser Stelle, wie auch im gesamten Buch, plädiere ich für einen objektiven Blick auf die Zeitarbeit und möchte vermitteln, dass die Zeitarbeit für alle Beteiligten eigentlich nur Vorteile mit sich bringt. Zumindest, wenn sie sich an den hier aufgezeigten Standards messen lässt.

Doch auch das wird noch darzustellen sein: Arbeitgeber haben heute gar keine andere Chance mehr, als eine hochwertige Dienstleistung anzubieten. Denn nur dann erhalten sie überhaupt eine Chance darauf, anspruchsvolle Arbeitskräfte zu rekrutieren. Dazu aber später mehr.

2.1 Zeitarbeit im sich wandelnden Arbeitsmarkt

Die Zeitarbeitsbranche war und ist immer – natürlich nicht ausschließlich – eng mit dem Begriff der Flexibilität am Arbeitsmarkt verbunden.

Das ist generell auch kein Problem, denn Flexibilität ist es, was viele Unternehmen in den immer komplexer werdenden globalen Lieferketten benötigen. Gleichzeitig ist die Zeitarbeit ein rechtssicherer Weg, um diese Flexibilität auf der Grundlage fester Arbeitsverträge und eines tariflichen Rahmens zur Verfügung zu stellen.

Leider war es in der Vergangenheit jedoch so, dass dieser Wille nach einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes häufig negativ betrachtet wurde. Wenn man es überspitzt formuliert, war der Arbeitsmarkt über Jahrzehnte eingemauert. Denn das Idealbild einer Beschäftigung war ein unbefristetes, mehr oder weniger lebenslanges Arbeitsverhältnis bei ein und demselben Unternehmen.

Alles, was davon abwich, war entweder schlecht oder wurde nur in engen Grenzen zugelassen, aber selten gerne gesehen. Ein Beleg dafür ist die Fokussierung auf den Begriff des „Normalarbeitsverhältnisses“ im arbeitsrechtlichen Schrifttum.

Immer wieder wurde der Zeitarbeit unterstellt, gar kein echtes Arbeitsverhältnis anzubieten. Stattdessen wurden Schubladen wie „Sklaventreiber“ oder Ähnliches benutzt, was teilweise heute noch zu hören ist.

Diese Vorwürfe zeugen indes von völligem Unverständnis des deutschen Arbeitsrechts und der Wirklichkeit am Arbeitsmarkt. Denn in jedem Arbeitsverhältnis gibt es einen Arbeitgeber, der seinen Betrieb am Laufen halten will und eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt. Andererseits gibt es Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsleistung für eine Entlohnung einsetzen.

Dabei ist es bei Weitem nicht so, dass jeder Arbeitnehmer immer automatisch tatsächlich im Betrieb des jeweiligen Arbeitgebers tätig sein muss. Der Umstand, dass man ortsunabhängig oder an wechselnden Einsatzorten tätig wird, ist jedenfalls kein Indiz dafür, nicht im Rahmen eines „Normalarbeitsverhältnisses“ tätig zu sein.

Denn das ist die Zeitarbeit: ein normales Arbeitsverhältnis wie jedes andere, unabhängig davon, wo jemand seine Arbeitsleistung erbringt.

Weiterhin sind der Arbeitsmarkt und die Gesellschaft seit einiger Zeit in einem starken Wandel begriffen.

Zunächst die Globalisierung und mittlerweile immer stärker auch die Digitalisierung haben ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommen die demografische Entwicklung, die Coronapandemie und ein sich daraus ergebender Fachkräftemangel. Das alles hat dazu geführt, dass sich Wertungen und Meinungen recht deutlich gewandelt haben.

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass einmal die arbeitsuchenden Talente den Ton angeben und sich Unternehmen quasi bei diesen bewerben müssen und nicht mehr umgekehrt? Oder dass eine Homeofficepflicht diskutiert wird und Telearbeit, Workation, Sabbatical oder eben das Homeoffice zur normalen Arbeitswirklichkeit gehören?

Sicher muss sich vieles in diesen neu aufgeworfenen Problemstellungen noch finden und weiterentwickeln. Denn es braucht Zeit, damit sich die Gesellschaft, Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit diesen Veränderungen auseinandersetzen und sich anpassen können.

So kommen naturgemäß das Arbeitsrecht, aber auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz den neuen Entwicklungen erst mit einiger Verspätung hinterher.

Wie gesetzliche Regelungen dann tatsächlich im europarechtlichen Kontext ausgeprägt werden, wird sich zeigen. Das liegt auch daran, dass sich die Geschwindigkeit und generelle Dynamik der Veränderungsprozesse – nicht zuletzt durch die Digitalisierung – so stark erhöht hat, wie man es aus der Vergangenheit einfach nicht kannte. Die neuen Sprachmodelle oder die Nutzung von „KI“ in den produktiven Arbeitsprozessen geben jedenfalls einen Vorgeschmack darauf, wie stark wesentliche Gruppen von Arbeitnehmern zukünftig Veränderungsprozessen ausgesetzt sein werden.

Dabei ist eines schon jetzt klar: Der Arbeitsmarkt und damit die Lebenswirklichkeit vieler Menschen hat sich immer stärker in Richtung einer neuen Flexibilität gewandelt.

Das Spannende daran ist, dass diese Entwicklung überwiegend gar nicht mehr negativ gesehen wird.

Natürlich bedeutet Flexibilität unter Umständen einen gewissen Kontrollverlust. Aber vor allem die jüngeren Generationen gehen diesen „Tausch“ weg von der Sicherheit eines lebenslangen Arbeitsverhältnisses hin zu mehr Eigenverantwortung ganz bewusst ein.

Warum? Weil sie es zum einen können. Technik und Demografie haben Hierarchien verschoben und Dinge möglich gemacht, die früher unmöglich waren.

Aber auch, weil sich der Blick auf die Arbeit insgesamt verändert hat. Wie nachhaltig das sein wird, werden wir in Zukunft sehen. Wer aber am Arbeitsmarkt bessere Chancen hat, ist jedenfalls eher bereit, das Risiko eines Berufswechsels einzugehen oder sich auf kürzere Beschäftigungen einzulassen.

Was bedeutet das für die Zeitarbeit? Nun, still und leise gibt es eines der Hauptargumente, welches von Gegnern der Zeitarbeit ins Feld geführt wurde, plötzlich gar nicht mehr.

Die Flexibilität von Arbeitsverhältnissen ist mittlerweile in der Arbeitswirklichkeit angekommen, und das wird überwiegend als positive Entwicklung angesehen.

Flexibilität ist oder wird das neue „Normal“ am Arbeitsmarkt. Das liegt vor allem daran, dass die Vorstellungen der Arbeitssuchenden oder der Beschäftigten eine größere Rolle spielen oder einfach mehr beachtet werden. Dem wird dann durch eine größere Bandbreite an Vertragsgestaltungen Rechnung getragen werden müssen – und zwar immer mehr wertfrei, sondern im Sinne der Beschäftigten.

Denn warum soll die eine Art der Beschäftigung generell schlechter sein oder anders bewertet werden als eine andere? Das Leben ist facettenreich, und genauso vielschichtig sind die Beschäftigungsmotivationen und Jobwünsche der einzelnen Menschen.

Wichtig ist, dass die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden und jeweils auf eine faire, transparente und qualitative Art und Weise am Arbeitsmarkt umgesetzt werden können – ob nun in Vollzeit, Teilzeit, in Zeitarbeit oder Festanstellung. Genauso wie sich die Anzahl der möglichen Arbeitsorte erhöht hat, gibt es heute eine Vielzahl von Vertragsverhältnissen und Vertragsgestaltungen, die helfen, genau diese individuellen Wünsche und Lebensumstände abzubilden.

Daher muss man der Zeitarbeit nicht mehr vorwerfen, Unternehmen oder Arbeitenden die gewünschte Flexibilität zur Verfügung zu stellen.

Im Gegenteil: Wir sind Experten in der Gestaltung von Arbeitsverhältnissen, ob nun vorübergehend oder langfristig. Unser Ziel ist es, den Menschen Arbeitsplätze zu beschaffen, die sich mit deren Lebensplanungen decken. Die Flexibilität ist dabei nur ein Faktor. Denn nach wie vor ist die Zeitarbeit eine wichtige Möglichkeit, überhaupt erst den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu schaffen oder sich in einen bestimmten Bereich einzuarbeiten.

Für uns kommt erst der Mensch mit seinen Wünschen und dann die Flexibilität. Wenn beides zusammenpasst, ist das gut; wenn nicht, finden wir einen anderen Job!

Insofern hat die Zeitarbeit eine historische Chance, nämlich die alten Vorurteile abzulegen und gemeinsam mit anderen Beteiligten am Arbeitsmarkt diesen weiterzuentwickeln und so einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung der deutschen Wirtschaft zu leisten.

Dazu zählt, dass alle Stakeholder über ein gemeinsames Qualitätsverständnis verfügen und sich darüber einig sind, dass eine für alle Seiten gewinnbringende Zeitarbeit nur funktionieren kann, wenn jeder die Wünsche und Vorstellungen des anderen akzeptiert. Dazu sollte man die notwendigen Maßstäbe kennen, wozu ich mit diesem Buch einen Beitrag leisten möchte.

2.2 Zeitarbeit hilft Unternehmen und Bewerbern

Zugegeben, die Fürsprecher für die Zeitarbeit sind zahlreicher geworden. Das freut die Zeitarbeitsbranche, aber sollte auch Anlass für Unternehmen wie die Politik sein, sich noch stärker zur Branche und den erreichten Standards zu bekennen. Denn seit Jahren erbringt die Zeitarbeits- oder Personaldienstleistungsbranche einen wichtigen Beitrag zur Leistungsfähigkeit des Arbeitsmarktes.

Warum wird dann nicht viel deutlicher positiv Stellung bezogen? Warum wird nicht noch häufiger anerkannt, dass tariflich geordnete Arbeitsverhältnisse im Rahmen der Zeitarbeit ein hervorragender Weg sind, um der Wirtschaft die benötigte Flexibilität zu geben und gleichzeitig Menschen in Arbeit zu bringen?

Sehr häufig ist die Meinungsbildung leider begleitet von Unwissenheit oder dem Unwillen, sich richtig zu informieren. Anders ist es nicht zu erklären, dass immer wieder die verschiedenen Arten des drittbezogenen Personaleinsatzes über einen Kamm geschoren werden.

Sicher, die Politik läuft oft nach eigenen Spielregeln, und natürlich gibt es Gründe und Zusammenhänge, die bestimmte Meinungen politisch einfach unvereinbar machen.

Und trotzdem tut man damit vor allem den vielen Unternehmerinnen und Unternehmern in der Zeitarbeitsbranche unrecht, die sich täglich für ihre Mitarbeiter und Kundenunternehmen engagieren. Gerade in Zeiten, in denen Bewerber fast uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt haben und sich in gewissen Bereichen die Jobs aussuchen können, muss die Zeitarbeit aus der Schusslinie genommen werden.

Denn wie schon die Kampagne des Arbeitgeberverbandes iGZ, der inzwischen im GVP (Gesamtverband der Personaldienstleister) aufgegangen ist, „Zeitarbeit – eine gute Wahl“ plakativ zeigte, hat jeder Bewerber letztendlich die Wahl, wo und wie er arbeiten möchte.

Unser Angebot hilft vielen, ist aber nicht für jeden etwas. Doch gerade hier hat sich die Branche gewandelt. Längst gehören neben der reinen Zeitarbeit oder Personalvermittlung das Coaching, Bewerbertrainings sowie die Unternehmensberatung in Sachen Rekrutierung und Personalgewinnung zum Portfolio gut aufgestellter Unternehmen. Zudem ist die Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit deutlich intensiver geworden, und man hat erkannt, dass man nur gemeinsam die Herausforderungen des modernen Arbeitsmarktes partnerschaftlich angehen kann.

Nicht zuletzt die Coronakrise hat zudem das Thema Flexibilität am Arbeitsmarkt in ein neues Licht gerückt. Vor gar nicht allzu langer Zeit war das Wort Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsmarkt pauschal negativ belegt. Die Coronakrise hat nun aber beschleunigt und sichtbar gemacht, was schon lange passierte: Nämlich, dass sich zum einen der Arbeitsmarkt selbst wandelt, indem die Lebenszeitbeschäftigung immer seltener vorkommt oder Erwerbsbiografien vielfältiger werden.

Gleichzeitig gehen die Ansprüche der jüngeren Generationen einen anderen Weg als noch die der Eltern- oder Großelterngenerationen. Dabei ist die sogenannte Work-Life-Balance nur ein Aspekt. Denn die Digitalisierung führt immer mehr dazu, dass Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitsleben verschwimmen.

Für viele ist diese Trennung auch gar nicht mehr zwingend notwendig oder erstrebenswert. In jedem Fall zeigt der Trend zum mobilen Arbeiten, dass künftig vor allem hybride Arbeitsmodelle gefragt sein werden. Menschen werden räumlich beweglicher, viele Dienstleistungen oder digitale Arbeiten lassen sich dezentral erledigen.

Die Menschen haben aufgrund persönlicher Fähigkeiten und individueller Lebenssituationen in bestimmten Phasen andere Ansprüche an einen Job. Solche Phasen lassen sich nicht pauschalisieren und verlangen nach angepassten Lösungen und nicht nach übermäßig starren Beschäftigungsmodellen.

Diese Fragen werden die Arbeitswelt noch stärker wandeln, als es bisher schon geschehen ist. Insofern sollten die übermäßige Regulierung und überzogen negativen Betrachtungen der Personaldienstleistung, die aus einer völlig anderen Zeit stammen, endlich aufgegeben werden.

Nur mit einem flexiblen Arbeitsmarkt, der auf den Errungenschaften des Arbeits- und Tarifrechts aufbaut, kann diesen Entwicklungen hinreichend begegnet werden. Dann muss man den Akteuren aber auch objektiv und auf Augenhöhe begegnen und nicht die gesamte Zeitarbeitsbranche immer wieder für eigene Interessenpolitik instrumentalisieren.

Das Ziel ist die Sicherung der Zukunftsfähigkeit und Leistungsfähigkeit des Arbeitsmarktes, nicht ein Erstarren im Regelungsdickicht des letzten Jahrhunderts.

2.3 Zeitarbeit – New Work oder alter Hut?

Wer schon länger in der Zeitarbeitsbranche, generell dem HR-Bereich oder der Personalbeschaffung tätig ist, konnte sich in den letzten Jahren immer wieder verwundert die Augen reiben.

Vor Jahren noch unvorstellbare Dinge wurden plötzlich en vogue, und es schien, als erwache der deutsche Arbeitsmarkt aus seinem Dornröschenschlaf.

Die Coronapandemie hat dazu geführt, dass flexible Arbeitszeiten, neue Formen der Mitarbeiterführung, die Digitalisierung und das Homeoffice salonfähig geworden sind. Der einzelne Mitarbeitende sollte plötzlich im Mittelpunkt stehen und seine Arbeitsleistung eigenverantwortlich und nahezu unbeachtet von Raum und Zeit erbringen dürfen.

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, waren viele Mittel recht. Es wurden schnell Maßnahmen getroffen, und die Erstellung des rechtlichen Gerüsts oftmals vertagt. Wer zuvor nur im Büro gearbeitet hatte, durfte sich im Homeoffice ausprobieren, und es war auf einmal gar nicht entscheidend, ob das alles im Rahmen der arbeitsrechtlichen Grundlagen passierte. Pausen- und Arbeitszeiten, sonst der heilige Gral im Arbeitsrecht, sollten nicht mehr so wichtig sein.

Es schien also, dass im Zeichen der Krise unser Arbeitsmarkt seine Bewährungsprobe bestanden hat.

Auch in Deutschland hat man erkannt, dass sich die Zeiten geändert haben. „New Work, Flexibilisierung und Globalisierung“ – wir kommen. Wenn auch initiiert durch den Druck der Coronapandemie.

So weit, so gut: Die Krise wurde in jedem Fall gut gemeistert, und der ganz große Knall am Arbeitsmarkt ist ausgeblieben. Aber war es vielleicht doch nur ein Pandemie-Flexibilisierungs-Strohfeuer für den Arbeitsmarkt?

So scheint es leider. Denn statt einer tatsächlich nachhaltigen, grundlegenden Veränderung treten vermehrt wieder alte Denkmuster zutage, wenn es um die Grundlagen des Arbeitsmarktes geht.

Homeoffice soll doch nicht mehr so verpflichtend sein, und Flexibilität – insbesondere Formen des drittbezogenen Personaleinsatzes – sollten vielleicht doch besser so behandelt werden wie in den letzten Jahrzehnten. Längst rufen große Konzerne ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro zurück.

Und natürlich gibt es jetzt großartige neue Office-Konzepte. Die sollen aber vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büros halten. Der Wettkampf zwischen Office und Homeoffice beginnt also erst richtig. Von einer neuen, vielmals gepriesenen hybriden Arbeitskultur ist flächendeckend bisher jedenfalls wenig zu sehen. Ein Kräftemessen mit ungewissem Ausgang.

Mit dem Ende der Coronapandemie und im Angesicht neuer globaler Krisen scheint also auch die Aufbruchstimmung am Arbeitsmarkt verschwunden zu sein. Man darf gespannt sein, wie das weitergeht.

Denn so entstehen durch die Politik oft unbemerkt von der Öffentlichkeit Regelungen und Zielsetzungen, die eine ganz andere Sprache sprechen, als den deutschen Arbeitsmarkt fit für die Zukunft zu machen. Dabei geht es eher um alte Feindbilder und das Festhalten am Status quo.

Als Zeitarbeitsunternehmen hatte man sich jedenfalls darüber gefreut, endlich als normale Branche anerkannt zu werden. Richtigerweise wurden die Regelungen der Kurzarbeit in der Krise auch unserer Branche zugestanden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sowie die verantwortlichen Behörden standen mit den Belegschaften zusammen, um die Auswirkungen der Krise gemeinsam zu meistern.

Doch kaum kam das Ende der Pandemie, war es mit dieser Harmonie wieder vorbei. Bei der Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen wurde die Zeitarbeitsbranche immer wieder bewusst ausgeklammert. Ein Bekenntnis sieht anders aus.

Und auch an anderer Stelle wird eine deutliche Sprache gesprochen. So werden im Rahmen der Umgestaltung der geringfügig Beschäftigten auch Regelungen für die Zeitarbeit eingebaut, die in dieser Allgemeingültigkeit eine unnötige Härte für die Branche darstellen.

Die neuen digitalen Dokumentationspflichten für Arbeitszeiten sind sicher der richtige Weg für die Zukunft. Der aktuelle Schnellschuss ohne angemessene Einbeziehung der Wirtschaft und Branchenvertreter geht aber über das Ziel hinaus. Das vor allem, weil die Zeitarbeitsbranche schon heute eine der Branchen mit den umfassendsten Dokumentationspflichten ist.

So scheinen wir wieder einmal mit anderen Branchen in einen Topf geworfen zu werden, ohne dass unsere Errungenschaften der letzten Jahre im Rahmen der Tarifbindung und Lohnsteigerungen angemessen berücksichtigt werden.

Das ist schade, ist doch gerade die Zeitarbeitsbranche bestens dafür gerüstet, die Transformation des Arbeitsmarktes rechtssicher zu gestalten.

Die Neugestaltung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bleibt angesichts der Demografie und des Fachkräftemangels jedenfalls zu wichtig, um sie als alten Hut leichtfertig an den Nagel zu hängen.

2.4 Zeitarbeit und die Arbeit im Ferienclub

Und auch bei einem der liebsten Themen der Deutschen, dem Urlaub, kommt man um das Thema Flexibilisierung der Arbeit nicht herum. Allerdings wird hier wiederum mit zweierlei Maß gemessen, und Dinge, die der Zeitarbeit vorgehalten werden, sind in anderem Umfeld längst akzeptiert. Überall rund um das Mittelmeer gibt es Ferienclubs verschiedener Anbieter. Nun fragt man sich: Wie kommt hier die Zeitarbeit ins Spiel?

Die Ferienclubs sind personalseitig häufig so aufgebaut, dass es eine Stammbelegschaft gibt, die vor allem in den Ferienzeiten mit jungen Aushilfskräften ergänzt wird. Eine Führungskraft erhält also ungelernte Kräfte an die Hand, die das Arbeitspensum dann gemeinsam stemmen. In den Clubanlagen sind das oft junge Leute, die noch am Anfang ihres Berufslebens stehen.

Nach dem Schulabschluss, vor oder zwischen dem Studium verbringen sie einige Monate in einer solchen Anlage. Dabei ist bemerkenswert, dass die jungen Menschen meist nicht nur einen Job innehaben, sondern eine ganze Reihe von Tätigkeiten ausführen. Sie sind Animateure, Theaterschauspieler, Köche, Kinderbetreuer oder Tennislehrer – meist alles in einer Person und mehr oder weniger rund um die Uhr.

Da kommt leicht Erstaunen auf, und man fragt sich, ob das nicht zu viel ist. Warum machen die jungen Leute das? Ist das zulässig?

Nun, zunächst muss man erkennen, dass die jungen Animateure das vor allem machen, weil es für sie zweckmäßig ist. Meist müssen sie Zeiten überbrücken, weil das Studium oder eine Ausbildung später anfängt, sie noch nicht wissen, was sie genau machen wollen, oder sie einfach Geld verdienen möchten.

Am wichtigsten dürfte aber sein, dass sie in kurzer Zeit sehr viel Berufsund Lebenserfahrung sammeln können. Natürlich darf man ebenfalls nicht unterschätzen, dass Jobs in großartigen Urlaubsrevieren und mit gutem Wetter auch ihren Reiz haben.

Jedenfalls ist befristete Tätigkeit für die betreffenden jungen Menschen in ihrer Lebenssituation genau richtig, obwohl man zunächst daran denken könnte, dass die Arbeitsbedingungen zumindest vom „Normalen“ abweichen – mal unabhängig davon, dass es das „normale“ Arbeitsverhältnis eigentlich gar nicht mehr gibt.

Es gibt also Lebenssituationen, in denen Menschen Jobs antreten, einfach weil sie sich für ihre Umstände als perfekte Ergänzung darstellen oder weil sie sie einfach machen wollen. Das ist weder verwerflich noch anzuprangern, sondern vielmehr Ausdruck einer freien Berufswahl.

Jeder, der in einem Club Urlaub gemacht hat, wird das voraussichtlich jedenfalls nicht infrage stellen und es wunderbar finden, dass junge Menschen auf so angenehme Weise Geld verdienen können.

Sicher hat der Job am Strand einen Sonderstatus. Gleichzeitig kann er aber als Beleg dafür herhalten, dass es gerade in den sich wandelnden Arbeitswelten unterschiedliche persönliche Anforderungen an die Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen gibt. Junge Menschen – und nicht nur sie – suchen nicht mehr primär nach der Lebensanstellung, sondern brauchen Arbeitsverhältnisse, die sich den Lebenssituationen und dem Ausbildungsweg anpassen.

Warum nun der Bogen zur Zeitarbeit? Nun, all das zuvor Gesagte ist mit der Zeitarbeit seit Jahren möglich und ein wesentlicher Teil unserer Arbeit. Wir bieten Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten, die genau diese Bedürfnisse erfüllen: Berufserfahrung sammeln, neue Arbeitsfelder und Menschen kennenlernen – alles möglich. Und doch werden die Beschäftigungsformen unterschiedlich bewertet. Urlaub mit Zeitarbeit vergleichen? Unmöglich!

Aber warum betrachtet man die Sache nicht objektiv und genauso, wie es der Arbeitswirklichkeit entspricht?

Nicht alle Arbeitsverhältnisse sind gleich und müssen es auch gar nicht sein. Denn naturgemäß sind auch nicht alle Lebensumstände gleich. Von daher sollte man erkennen und anerkennen, dass die Zeitarbeit ihre Aufgabe für viele Menschen und den Arbeitsmarkt erfüllt und hilft, Arbeits-und Lebensverhältnisse so zu gestalten, wie es für die Arbeitnehmenden angezeigt scheint.

Denn sie sind letztendlich diejenigen, die entscheiden, ob eine Beschäftigungsform die richtige Wahl ist oder nicht. Der Job von Arbeitgebern ist es daher auch, Arbeitsplätze und Arbeitsverhältnisse so zu gestalten, dass sie für die Situation der Arbeitenden annehmbar sind.

Der Fachkräftemangel wird diesen Trend noch weiter beschleunigen, sodass es eine „normale“ Ausgestaltung von Arbeitsplätzen immer weniger geben wird. Hier bietet die Zeitarbeit dann den perfekten arbeitsrechtlichen Rahmen für eine tariflich abgesicherte, flexible Beschäftigung.

Also, vielleicht sollten wir im Urlaub alle mehr an die Zeitarbeit denken – das kann helfen, die richtigen Zusammenhänge neutral und entspannt zu erkennen.

3 Zeitarbeit Basics

Nach dieser hoffentlich kurzweiligen Einleitung in das Thema wenden wir uns nun dem zentralen Rechtsinstrument zu, der Arbeitnehmerüberlassung oder Zeitarbeit.

3.1 Zeitarbeit – muss das sein?

Nicht erst in Zeiten des Fachkräftemangels, sondern generell stellt sich die Frage, ob man eigentlich mit einem Personaldienstleister zusammenarbeiten muss.

Gerade wenn es aufgrund des Fachkräftemangels und der Digitalisierung für nahezu jeden Jobsuchenden sehr einfach sein sollte, einen neuen Job oder den perfekten Jobeinstieg zu finden.

Darauf gibt es eine klare Antwort: „Nein, muss man nicht.“ Zumindest nicht zwingend. Denn natürlich kann man sich selbst um einen neuen Job oder den nächsten Karriereschritt bemühen.

Aber warum geht man eigentlich nicht selbst auf die Suche nach einer neuen Wohnung, sondern greift auf Makler, Immobilienportale oder Empfehlungen zurück? Gebrauchtwagen sucht man seit Jahren nur noch über entsprechende Internetportale. Den Preisvergleich von Produkten des täglichen Lebens nimmt man nicht mehr selbst über Prospekte vor, sondern bekommt die Informationen von spezialisierten Webseiten aufbereitet. Selbst die Partnersuche wird heute von Plattformen oder Agenturen abgewickelt, und wer bucht noch einen Urlaub, ohne sich auf Bewertungsportalen zu informieren?

Kurzum: Dass wir für bestimmte Lebenssituationen einen Dienstleister beauftragen bzw. digitale Dienste in Anspruch nehmen, ist heute selbstverständlich.

Oft nehmen wir diese Entscheidung vielleicht nicht bewusst wahr, gerade weil wir ein digitales Tool oder eine Plattform benutzen. Doch das ändert nichts daran, dass wir Dinge, die wir entweder nicht selbst machen wollen oder die wir uns aus mangelnder Erfahrung nicht zutrauen, delegieren und dann wiederum zurückkaufen.

In der Industrie wird das als Arbeitsteilung bezeichnet. Letztlich hält diese Herangehensweise in den modernen Gesellschaften nun immer stärker auch in das Privatleben Einzug. In den letzten Jahren hat sich die Vermischung von Berufs- und Privatleben intensiviert. Die Organisation des Zusammenspiels von Karriere und Familienplanung wird stetig herausfordernder. Man spricht auch von einer Verdichtung der Aufgaben, die sich nicht zuletzt aus der Digitalisierung ergibt. Denn digitale Tools versprechen oft eine bessere Produktivität, bedeuten aber auch unter Umständen eine gewisse Überforderung, wenn man zu viele Dinge gleichzeitig macht.

Da ist es nur umso verständlicher, dass man versucht ist, sich selbst auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Wenn ich eine externe Dienstleistung einkaufen kann, die mich bei der Erreichung meiner Ziele unterstützt – warum nicht?

3.2 Nutzung muss Mehrwert bringen

In jedem Fall verbinden wir mit der Nutzung von Dienstleistern für die verschiedenen Bereiche eine bestimmte Erwartungshaltung.

Wir erwarten, dass uns durch die Nutzung ein Vorteil entsteht. Dieser Vorteil ergibt sich vor allem aus der Annahme, dass ein auf einen bestimmten Bereich spezialisiertes Unternehmen oder eine entsprechende digitale Lösung Dinge besser und schneller kann, als wenn wir sie selbst erledigen würden. So entsteht dann eine Zeitersparnis und damit persönlich ersparter Aufwand, den man sicher auch monetär bewerten kann. In jedem Fall muss ich mich selbst weniger mit dem Thema Jobsuche auseinandersetzen, einfach weil das im gewissen Rahmen jemand anderes – nämlich der Personaldienstleister – für mich macht.

Insofern sollte die zu Beginn des Kapitels aufgeworfene Frage auch anders beantwortet werden: „Nein, wenn ich es selbst besser und schneller hinbekomme.“ Andernfalls geht die Rechnung wahrscheinlich für mich auf, da ich mir Zeit und idealerweise Geld spare.

Je nach Dienstleistungsbereich können ersparter persönlicher Zeitaufwand und der monetäre Aspekt sehr unterschiedlich ausfallen.

Bei Dingen des täglichen Lebens kann es um Bequemlichkeit oder die Lust am Probieren von neuen Dingen gehen. Nicht immer macht die Nutzung