Katzenkirmes - Bianka Tewes - E-Book

Katzenkirmes E-Book

Bianka Tewes

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Beschreibung

Nach "Miezen-Minna - Ein Tagebuch aus der Weltherrschaft der Katzen" folgt nun eine weitere rasante Achterbahnfahrt durch den Alltag des anarchischen Drei-Katzen-Haushalts von Bianka Tewes. Dieses Mal müssen Lilly, Fritz und Flori nicht nur ihr Personal disziplinieren, sondern auch noch gewaltige Umwälzungen wie Umschulung, Hausrenovierung und neue Nachbarn seelisch verarbeiten ...

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Seitenzahl: 170

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhalt

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Katzenbuch!

Quagg!

Gemüse ist bäh

Mit einem blutigen Bein im Knast

Das Personal hat ein Buch geschrieben: Floris Meinung

Sag nein zu Kräutertee!

Nein, Marvin, es gibt keinen Weihnachtsmann.

Kratzpappen-Voodoo

Flori muss abnehmen

Fit for Fun mit Katzen

Modetechnisch up to date

Fragwürdige Essgewohnheiten

Level rot

Das Pückler-Prinzip in der Katzenfutterdose

Resturlaub, die schlimmste Zeit des Jahres

Wenn Eltern alt und kindisch werden

Magic Staudensellerie

Brüderlich auf Fischfang

Das Archimedische Prinzip in der Strapstasche

Brokkoliauflauf, behütet

BildscharbHaKatzHaBeschV

Rettet das Klima

Das Antonym

Xanthippe backt Apfelstruwen

Hotel Mama

Disziplin, das A und O bei der Katzenernährung

Neue Fenster

Exotische Tiere liegen im Trend

Geschlechtstrieb bei 30 Grad

Diepdidiepdidiepdidiep

Nudelsalat, schnell und einfach

Verkehrsberuhigte Zone

Joghurtbäume im Paralleluniversum

Trapp trapp, ein Ungeheuer

Nudelsalat, noch schneller und noch einfacher

Schland wird Waldmeister

Sommerurlaub, Teil 1

Sommerurlaub, Teil 2

Tortellini-Yoga

Schmuser hat eine Botschaft

Der böse Mann hat wieder zugeschlagen

Happy Birthday Flugkuh

Unheimliche Dinge geschehen

Riesenspaß mit Gurkentruppe

Regelverstoß an Base 5

Entspannt mit Wurst im Hier und Jetzt

Bei Wolldecken hört die Männerfreundschaft auf

Katzenspielzeug, Körbchen, Kunst

Völkerschlacht, Motte, Metamorphose

Survival in der Rumpelkammer

Überfall der Killerzwerge

Fritz the Blitz

Der Held und die Prinzessinnen

Wehret der Fortpflanzung

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Katzenbuch!

Ein Katzenbuch kann man sich aus vielerlei Gründen kaufen. Wenn man zum Beispiel selbst Katzen hat, dann kann ein Katzenbuch die Selbsthilfegruppe ersetzen. Gemütlich kann man sich daheim in den Sessel setzen, ein wenig Trost und Zuversicht aus der Lektüre schöpfen und sich so den unbequemen Stuhlkreis ersparen, der für gewöhnlich mit dem Austausch unter Leidensgenossen einher geht. Vorausgesetzt, man hat daheim mehr Sessel als Katzen.

Vielleicht sind Sie aber auch ein Soziologe oder Psychologe oder gar Enthüllungsjournalist bei einem investigativen Nachrichtenmagazin und haben das Katzenbuch zwecks Quellenstudium für Ihre Recherchen zum Thema: „Die symbiotische Intensivierung der Mensch-Katze-Beziehung während der zweiten Dekade des einundzwanzigsten Jahrhunderts in der westlichen Zivilisation“ gekauft. In diesem Falle hoffe ich, dass Sie über eine robuste psychische Konstitution und ein stabiles soziales Umfeld verfügen. Ich würde es mir nie verzeihen, träfe ich Sie mit wirrem Haar und irrem Blick in der Eckkneipe, vor vierzehn leeren Schnapsgläsern und meinem Katzenbuch sitzend und ausrufend: „Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist!“

Es ist auch nicht so schlimm. Ich merke gerade, dass schon bei der Lektüre des Vorwortes der Eindruck entstehen könnte, das Leben mit Katzen sei schlimm. Diesen Eindruck möchte ich vor allem dann vermeiden, wenn Sie dieses Buch gekauft haben, weil Sie sich mit dem Gedanken tragen, Ihr Leben zukünftig mit Katzen teilen zu wollen.

Wirklich, nein, es ist nicht schlimm. Katzen sind etwas Wundervolles. Man hat unglaublich viel Freude an ihnen. Sie sind eine Bereicherung. Keine tyrannischen kleinen Monster, die kurz nach ihrem Einzug den kompletten Haushalt samt Ihnen als Haushaltsvorstand dominieren, Polster zerkratzen, zerbrechliche Dinge herunter werfen, Essen vom Teller klauen, Schränke ausräumen, alles vollhaaren, auf den Teppich kotzen, schnarchen und furzen und grundsätzlich am Wochenende krank werden.

Jedenfalls nicht nur. Katzen schlafen auch viel. Und dann sind sie wirklich ganz entzückend.

Quagg! | 17.11.2013

In Zeiten von Stress und Hektik sind Katzen gefragte Haustiere, die mit ihrem freundlichen Wesen, ihrem sanften Schnurren und ihrer gelassenen Ausstrahlung diese unvergleichliche Atmosphäre der Ruhe und des Friedens in unserem allzu fordernden Alltag zu schaffen imstande sind. Jeden Tag aufs Neue preise ich mich glücklich, diese drei Felsen in der Brandung im chaotischen Meer meines Lebens bei mir zu haben.

Mittwochmorgen. Die Frühstücksteller sind gefüllt. Flori ist wie immer als erster fertig und wirft sehnsüchtige Blicke auf die noch fast vollen Teller seiner Mitkatzen. Lilly schiebt wie üblich jeden Happen Futter erst einmal umher, beschnüffelt ihn von allen Seiten und mümmelt ihn schließlich langsam auf. Flori fängt an, hin und her zu rutschen und kleine Seufzer auszustoßen.

Jeden Tag muss er zweimal diese grausame Qual durchleiden, die heute noch durch den Umstand verschlimmert wird, dass Fritz und Lilly offenbar eine Wette abgeschlossen haben, wer seinen Teller am langsamsten leer essen kann. Unglücklich schielt Flori von Teller zu Teller und beschließt endlich, Lilly beim Vertilgen ihrer Portion behilflich zu sein, womit sie ja offensichtlich vollkommen überfordert ist. Die ritterliche Tat wird ihm nicht gedankt, sondern mit Geschrei und einer Ohrfeige honoriert. Geknickt wendet Flori sich ab und versucht es bei Fritz. Fritz schmeckt es heute nicht so recht, aber das ist noch lange kein Grund, Flori das Essen zu überlassen. Fritz macht kein Geschrei, sondern haut Flori gleich was an die Backen. Flori sitzt eine Weile trostlos da und gibt gepeinigte Laute von sich, die aber auch niemanden dazu animieren, sein Essen mit ihm zu teilen. Obwohl doch gerade St. Martin war! Was für eine Welt.

Schließlich zieht Flori Lillys Teller mit der Pfote zu sich heran. Gemeinerweise wird ihm die Beute jedoch vom Personal abgenommen und wieder vor Lillys Füße geschoben, worauf Flori den gleichen Trick nochmal bei Fritz versucht. Mit demselben Ergebnis. Alle haben sich gegen ihn verschworen! Das ist voll gemein. Fritz muss sich seine Portion richtig rein würgen, dabei sieht Flori ganz genau, dass ihm schon richtig übel ist. Egoist!

Das Personal sieht leider nicht, dass Fritz schon richtig übel ist. Das Personal sieht nur, dass endlich jeder seinen Teller leer gegessen hat und es nun mit seiner täglichen Routine fortfahren kann: Katzenklos sauber machen, sich selbst sauber machen, die Kaffeemaschine einschalten und die Zeitung rein holen. Vorher noch schnell ins Schlafzimmer, um das Fenster zu öffnen und die Bettwäsche zu lüften. Müde schlurft das Personal in seinen gestrickten Schlappen über den Flauschteppich im Schlafzimmer.

Quagg.

Oh nein.

Das Personal bleibt wie erstarrt stehen. Nein, denkt es. Nein, das werden sie nicht getan haben. Sie werden sich nicht schon wieder ausgerechnet auf den Schlafzimmerteppich übergeben haben. Und du stehst nicht mit deinen winterlichen Strickschlappen mitten drin.

Es dauert noch eine geraume Weile, bis das Personal seinen Frühstücksteller leer essen kann. Vorerst müssen ein Teppich und ein Strickschlappen gesäubert werden, während Fels in der Brandung Nr. 1 verzweifelt versucht, die Verunreinigung auf seine Art zu beseitigen, Fels Nr. 2 sich lautstark darüber aufregt, dass Fels Nr. 1 das Essen weggenommen wird, und Fels Nr. 3 mit betretener Miene am Bein der Putzfrau klebt und Trost in seinem Unwohlsein erheischt.

An manchen Tagen ist das Personal richtig froh, wenn es endlich in den hektischen Alltag der aushäusigen Berufswelt flüchten kann.

Gemüse ist bäh | 24.11.2013

Demokratie hat auch ihre Tücken. Die Meinungsfreiheit, auf den ersten Blick eine sehr löbliche Erfindung, birgt allerhand Gefahren. Mein kleiner Ersatz-Neffe (ich habe keine Geschwister, bin aber trotzdem stolze Tante) beispielsweise hat sich mit noch nicht mal zwei Jahren bereits seine erste eigene Meinung gebildet, und zwar über Gemüse. Gemüse ist bäh, da können die Erwachsenen unter noch so enthusiastischem „Hmmmmm leeeecker Möhrchen!“ den Löffel schwenken. Fleisch ist lecker. Möhrchen geht gar nicht. Und ob Möhrchen, Spinat und Brokkoli gesund sind, das ist dem jungen Herrn in seinem jugendlichen Leichtsinn herzlich egal. Es ist einfach nicht lecker. Punkt.

Ähnlich uneinsichtig sind meine Katzen, was gesunde Ernährung angeht. Auch wenn sie sehr gerne Möhrchen essen. Was jedoch die in Ernährungsthreads führender Katzenforen angepriesenen Futtersorten angeht, da verhalten sie sich genau so widerspenstig wie ein Zweijähriger beim Spinateinlöffeln: Hochwertiges Futter ist bäh und geht gar nicht. Hochwertiges Futter ist quasi Gemüse. Zwar stürzt man sich erst mal auf den gefüllten Teller, nach kurzem Reinschaufeln hält man jedoch angewidert inne und wendet sich mit gerümpfter Nase zum Personal um: Iiieeeh, was ist das denn?

Das, so sagt das Personal daraufhin mit ungewohnter Strenge, ist gesund und wird gegessen. Discounter-Futter gibt es morgen wieder. Heute wird hochwertig und mit allen für die gesunde Katzenentwicklung notwendigen Nährstoffen getafelt.

Nährstoffe. Bäh. Mit deutlich verminderter Inhaliergeschwindigkeit wird weiter gegessen, wobei die Blicke unruhig zum Nachbarteller wandern. Muss der eigentlich auch Gemüse essen? Oder kriegt der vielleicht leckere Bröckchen in Sauce mit lauter köstlichen Geschmacksverstärkern?

Eine Art Reise nach Jerusalem setzt ein, es wird vorsichtig in den Nachbarnapf geschnüffelt und ein Probehäppchen genommen. Äh, pfui Deibel, auch Gemüse! Gerade wird Lillys Napf hoch genommen und unter lautem „Lilly feeiiin Lilly leeecker“ der flüchtenden Diva hinterher getragen. Hoffnungsvoll setzen sich die Kater in Bewegung und folgen der Verheißung. Bestimmt kriegt die diese tollen Hühnerhäppchen in cremiger Sauce mit Thymian und Bratkartoffeln aus dem Drogeriemarkt!

Nach acht Runden um den Couchtisch ist Lilly endlich stehen geblieben und lässt ein wenig Nähe zu. Der Futterteller wird nieder gesetzt, die Diva rümpft die Nase und die Kater machen Gesichter, als hätte man ihnen die Nikolaustüten weggenommen: Was für eine schlechte Welt, in der es „leeecker“ verheißt und dann Nährstoffe regnet!

Unglücklich toffelt man zurück an die eigenen Teller, während Lilly beleidigt ein paar Happen mümmelt. Die schlechte Stimmung hält den ganzen Abend an. Fritz straft Wolldecke und Personalbeine mit Verachtung (eine sexuelle Fehlprägung fixiert ihn für gewöhnlich allabendlich auf diese Fetische), Lilly hält auf dem Balkon nach Mäusen in Sahnesauce Ausschau und Flori demonstriert, dass man auch von gesunden Nährstoffen ganz schlimm und ausdauernd pupsen kann.

Katzen sind weitaus nachtragender als Kleinkinder.

Mit einem blutigen Bein im Knast | 01.12.2013

Mangelnde Konfliktfähigkeit ist nicht immer eine Tugend. Zaghafte Naturen beschwören mit ihrem passiven Verhalten im Gegenteil häufig erst Probleme herauf! So kam mir heute Morgen unter der Dusche der Gedanke, dass man als Bediensteter ängstlicher Katzennaturen eigentlich immer mit einem Bein im Knast steht.

An meinem linken Bein prangte nämlich ein dicker blutiger Kratzer, und ich konnte mir zunächst nicht erklären, wie der dorthin gekommen war. Schließlich fiel es mir wieder ein: Gestern Abend hatte Flori am Schlafzimmerfenster Wache geschoben, während Fritz auf der Wolldecke – ähm … beschäftigt war. Ziemlich beschäftigt. So wie jeden Abend, kaum dass ich mich müde auf dem Sofa ausgestreckt habe.

In meinem Schlafzimmer steht ein ramponiertes altes Bügelbrett am Fenster, das nie weggeräumt wird, weil Flori dort abends immer sitzt und nach möglichen Gefahren Ausschau hält. Auf der Fensterbank ist es immer so kalt, finde ich, vor allem im Winter, deswegen darf das Bügelbrett stehen bleiben, damit Flori beim Wacheschieben keinen kalten Popo kriegt. In Gefahrensituationen allerdings hat das Bügelbrett auch seine Nachteile, es fällt nämlich schon mal mit Gepolter um, wenn zum Beispiel der Nachbarkater unten vorbei spaziert und Flori ganz schnell runter springen und in die Küche rennen muss, um ihm vom Küchenfenster aus noch ein paar Beleidigungen hinterher zu rufen.

So wie gestern Abend. Der Nachbarkater war auf Provokationskurs, das Bügelbrett kam zu Fall und Fritz aus dem Rhythmus. Während Flori unter Alarmgeheul in die Küche stürmte, sprang Fritz panisch von der Wolldecke und muss dabei die tiefe blutige Kerbe an meinem Schienbein hinterlassen haben.

Wenn ich mal einen gemütlichen Sitzplatz erobern kann, sitze ich dort gerne mit einem Krimi. Und aus meiner intensiven Lektüre kriminalistischer Literatur weiß ich, dass Kommissare immer erst einmal den Falschen verdächtigen, wenn jemand durch Fremdeinwirkung ums Leben kam. Wenn der ums Leben gekommene vor seinem unfreiwilligen Dahinscheiden schnell noch den Täter gekratzt hat, macht man sich mit zerkratzten Schienbeinen ganz schön schnell verdächtig! Verdächtige mit zerkratzten Schienbeinen behaupten nämlich immer, das sei eine Katze gewesen, was der Kommissar natürlich nicht glaubt, und schon sitzt man im Knast.

Ich betrachtete den Kratzer und hoffte, dass niemand, dem gegenüber ich in den letzten Tagen unfreundliche Gedanken gehegt hatte, in der Zwischenzeit durch Fremdeinwirkung ums Leben gekommen war und vorher noch den Täter gekratzt hatte. Man hegt ja schnell mal unfreundliche Gedanken seinen Mitmenschen gegenüber. Weil sie blöd geparkt haben zum Beispiel oder in der Fußgängerzone Fahrrad fahren oder an der Supermarktkasse neunundneunzig Cent klein haben. Hat man seinen unfreundlichen Gedanken dann vor Zeugen Ausdruck verliehen und auch noch zerkratzte Schienbeine, kann man ganz schön in die Bredouille kommen, falls der Mitmensch zum Fall für den Kommissar wird.

Zutiefst nachdenklich geworden, entstieg ich der Dusche und gelobte, die besinnliche Vorweihnachtszeit zum Anlass zu nehmen, meinen Mitmenschen mehr Geduld und Nachsicht entgegen zu bringen. Das schien mir eine bessere Strategie zur Vermeidung krimineller Verwicklungen zu sein als darauf zu hoffen, dass meine kleinen Lieblinge irgendwann mal davon absehen könnten, meine Beine zu zerkratzen.

Das Personal hat ein Buch geschrieben: Floris Meinung | 08.12.2013

So, jetzt bin ich sauer. Dass das Personal zu unseren Catwalks „Regale“ sagt und die mit Büchern vollstellt, das ist ja schon blöd. Nachts schmeißen wir die immer runter, wenn wir da rum klettern, und dann regt das Personal sich voll auf und fuchtelt mit den Armen und will, dass wir sofort vom Regal kommen und die BÜCHER gefälligst in Ruhe lassen. Was ist denn bitte schön so toll an denen? Die haben kein Fell, riechen staubig und schmecken nach gar nichts. Die stehen einfach nur rum und nehmen Platz weg und beeinflussen das Personal total negativ. Dann sitzt das wieder stundenlang mit so einem Buch in meinem Sessel und starrt es an und merkt gar nicht, dass ich schon wieder Hunger habe.

Damit es das mal merkt, beiße ich schon mal eins von den Bändchen ab, die da manchmal raus baumeln, und esse das auf. Dann dreht das Personal voll am Rad. Ich soll nicht immer die Bändchen essen, nachher kriege ich einen Darmverschluss, und außerdem sind die Bücher aus der Leihbücherei, da beißt man keine Bändchen ab usw., bla bla bla.

Wieso bringt die überhaupt Bücher aus der Leihbücherei mit? Wir haben doch selbst genug davon! Und in allen sind nur weiße Blätter mit kleinen schwarzen Zeichen drin. Was bitte ist daran nun so spannend, dass man nicht mal mitkriegt, wenn ein Kater Hunger hat? Und dann sind die auch noch viereckig. Nicht mal unters Sofa rollen kann man die!

Bücher sind voll überflüssig, jawohl. Und wenn ich eins noch weniger verstehe als die Leihbücherei, dann, warum um alles in der Welt noch mehr Bücher geschrieben werden müssen! Noch mehr viereckige Staubfänger mit schwarzen Zeichen! Und wieso ausgerechnet unser Personal so ein doofes Buch schreiben muss! Seit Wochen hören wir nur noch: „Die Mama muss Korrektur lesen“, „Die Mama muss den Vertrag nochmal durchgehen“, „Die Mama muss ein Cover gestalten.“ Die Mama muss ein Brathuhn für Flori kaufen, das wär doch mal eine Aussage! Aber nein! Das Buch, das Buch, das Buch, immer nur das doofe Buch. Das Buch ist noch in Bearbeitung, hoffentlich ist das Buch in Ordnung, das Buch ist schon online erhältlich. Ich weiß ja nicht, was online ist, aber meinetwegen kann es da ruhig bleiben, das olle Buch!

Der Fritz hat gesagt, das mit dem Bücherschreiben hat das Personal schon wieder aus dem schwarzen Kasten, in dem dieses komische Katzenforum ist. Das kann die auch stundenlang anstarren, und das beeinflusst die noch viel negativer, weil da immer so ein Mist drin steht wie, hochwertiges Nassfutter ist gut und Trockenfutter ist zu trocken oder dass man Katzen Fummelbretter bauen soll. Das nervt! Und jetzt ist das auch noch schuld, dass ich hier verhungere, weil das Personal sein eigenes Buch geschrieben hat.

Zur Strafe habe ich am Freitag das Nikolaus-Geschenk geklaut und halb aufgegessen. Und wenn ich mal rauskriege, wie man in dieses komische Katzenforum rein kommt, in dem diese ganzen Miesepeter wohnen, die dem Personal immer Flöhe ins Hirn setzen, dann klettern wir da rein, und die Lilly verkloppt die alle! Das haben die dann davon!

Sag nein zu Kräutertee! | 15.12.2013

Das Thema, über das ich heute reflektieren möchte, lautet passend zur Jahreszeit: Der Kräutertee und seine wohltuende Wirkung auf Mensch und Tier. Es gibt Kräutertees für alles und gegen alles. Beruhigungstee für Reklamationsabteilungsangestellte und hysterische Hobby-Autoren, Leberund Gallentee für Steinreiche, Erkältungstee für Verschnupfte, ja sogar Glücks- und Energietee! Es ist eigentlich unerklärlich, wieso so viele Menschen immer noch krank, unglücklich oder schlapp sind, obwohl es doch in den Drogeriemärkten von Heiltees nur so wimmelt.

Ich jedenfalls habe mir im Drogeriemarkt einen Stärkungstee mit Lapacho, Minze und Echinacea gekauft und trinke den jetzt immer auf der Arbeit. Sehr zum Missfallen der Auszubildenden, die den aromatischen Duft des Gebräus bemängelt und die Ansicht vertritt, der Nutzen stehe in keinerlei Verhältnis zu der damit einher gehenden Geruchsbelästigung. Also habe ich meine Teebeutel mit nach Hause genommen, wo es keine quengelnden Auszubildenden gibt.

Stattdessen gibt es jodelnde Diven und schlaflose Nächte. Seit einiger Zeit wird mein Nachtschlaf empfindlich durch wohl modulierte Gesangsübungen gestört, welche Lilly auf ihren nächtlichen Wanderungen durch die Wohnräume zum Besten gibt. Zwei Uhr morgens: „Mau? Maumau? Mjaumjaumjaumaumau! Mauiodelmau!“ „LILLY!!!!“ „Mau?“ „Halt die Klappe!“

Kurzes Schweigen. Das Personal dreht sich um und atmet auf. Dann: „Mau?“ „Lilly …?!“ „Mjau mjau mjau miodelmau mjaumau! Maaaaaaooooooouuuu! Miodelmau miodelmau! Mjau mjau!“ Unruhe breitet sich aus, Kater plumpsen von Sofa und Sessel, Pfoten trappeln. Lilly, lauter werdend: „Mjau miodelmau! MAAAOOOUUU!!!!“

Die Unruhe steigt, nun plumpst auch das Personal aus dem Bett, macht das Licht an und stolpert besorgt ins Wohnzimmer. Brennt es in der Wohnung, ist jemand verletzt, hat Lilly Schmerzen? Diese grauenhaften Tonfolgen in zunehmender Lautstärke sollen gewiss etwas Alarmierendes signalisieren. Fritz lugt verängstigt unter dem Sofa hervor, Flori hockt verschlafen vorm Sessel, und Lilly dreht aufgeregte Runden und schrillt wie eine Luftschutzsirene. Bei meinem Anblick bleibt sie abrupt stehen, sagt erstaunt „Mau?“ und trollt sich auf ihr Schlafkissen, wo sie sich zusammen rollt und friedlich entschlummert, während das Personal überall Licht anmacht, um zu gucken, ob es brennt. Vorsichtshalber schlurft das Personal dann noch auf den Balkon, um zu gucken, ob es vielleicht draußen irgendwo brennt. Die Diva schrillt doch nicht grundlos wie eine Luftschutzsirene.

Vielleicht war das aber auch nur ein Probealarm. Ratlos begibt sich das Personal wieder ins Bett, wo es noch eine Weile argwöhnisch in die Luft schnüffelt, bis es irgendwann erschöpft einschläft.

Einige schlaflose Nächte später: Das Personal liegt auf dem Sofa und sieht fern, als es plötzlich aus der Küche Alarm gibt: „Mjau mjau mjau miodelmau! MAAAAAAOOOOUUUUU!!!“ Das Personal fährt hoch, Kater und Wolldecke fliegen beiseite, Feuer, Notstand, Luftschutzübung??! – nee.

Teebeutel.

Ertappt steht die Diva in der Küche, zu ihren Füßen liegt ein bereits arg ramponierter Lapacho-Minze-Echinacea-Teebeutel, den sie schnell noch unter dem Holzofen zu verstecken versucht. Ähm, nein, ich bin nicht drogensüchtig, ich doch nicht! Meine super Laune kommt von ganz alleine, ich würde NIIIIEEE was schnüffeln! Ich singe, weil ich fröhlich bin! Und fröhlich bin ich eben nachts, na und?

Sch…-Tee. Ich hol mir lieber doch ‘ne Kiste Bier.

Nein, Marvin, es gibt keinen Weihnachtsmann. | 22.12.2013

Alle Jahre wieder stehen Eltern in aller Welt vor dem gleichen Problem: Es kommt der Tag, an dem der behütete Sprössling heulend aus dem Kindergarten heimkehrt und den ratlosen Eltern die Scherben seiner unschuldigen Kinderwelt vor die Pantoffeln kübelt. Der Marvin hat gesagt, den Weihnachtsmann gibt es gar nicht!

Was tun? Den Marvin einen Lügner schelten und beim nächsten Elternabend einen Eklat mit den aufklärerisch gesonnenen Marvin-Erzeugern riskieren? Den eigenen Spross liebevoll, aber bestimmt mit der rauen Wirklichkeit und dem Zusammenhang zwischen Weihnachtsmann und Karies erzeugenden Brausen konfrontieren? Und damit das Vertrauen in die elterliche Glaubwürdigkeit so kurz vor Weihnachten nachhaltig erschüttern?

Liebe Eltern unaufgeklärter Weihnachtsmann-gläubiger Kinder: Rettung naht! Ab sofort können Sie sich elegant aus der Affäre ziehen, indem Sie Ihrem schluchzenden Nachkömmling erklären, ja, der Marvin hat schon recht, irgendwie, denn den Weihnachtsmann gibt es nicht. Nicht mehr jedenfalls. Gestern gab es ihn noch. Aber heute ist er weg. Ein böser Kater hat ihn gefressen. Der böse Kater wohnt bei einer dummen Frau, die das Unglück nicht verhindert hat, und darum kriegst du jetzt auch keinen ferngesteuerten Hubschrauber zu Weihnachten, sondern nur die selbst gestrickten Socken von Oma Hilde.

Freitagabend. Der Weihnachtsmann ist müde vom Geschenke verteilen und hält Ausschau nach einem guten Versteck für sich und seine sechs Rentiere. Da fällt sein Blick auf eine kleine Dachwohnung, in der eine dumme Frau, ein böser Kater und zwei weitere Katzen hausen. Mensch, denkt sich der Weihnachtsmann, da sieht’s ja aus wie bei Hempels unterm Sofa, überall Teebeutel, Plüschmäuse und Kratzpappen. In dem Vorweihnachts-Chaos fallen sechs Rentiere und ein dicker Mann, der weder zum Friseur geht noch seine Klamotten wechselt, bestimmt gar nicht auf.