Katzenprobleme - Denise Seidl - E-Book

Katzenprobleme E-Book

Denise Seidl

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Beschreibung

Tapete in Fetzen, tote Mäuse auf der Fußmatte, Angriffe aus dem Hinterhalt: Was für die Katze normal ist, finden Menschen nicht immer lustig. Katzenexpertin Denise Seidl erklärt, welches Verhalten zum "Katze-sein" dazugehört und wann Auffälligkeiten und Angewohnheiten wie Angst, Aggression, Markieren und Unsauberkeit zum Problem werden. Ihr praktischer Ratgeber sorgt für ein besseres Verständnis, hilft Warnsignale frühzeitig zu erkennen und bietet einfache, bewährte Werkzeuge, um unerwünschtes Verhalten der Katze wirksam zu vermeiden.

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EPUB

Seitenzahl: 140

Veröffentlichungsjahr: 2018

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ZUM GELEIT

Die Hauskatze hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Ägypten begann. Bis etwa 1600 v.Chr. war das Vorkommen auf Ägypten beschränkt. Über Kreta kam sie nach Süditalien und damit in das Römische Reich. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches gelangte sie 400 n.Chr. bis nach England. Um 1000 n.Chr. war die Katze in ganz Europa verbreitet. Infolge der Christianisierung und der damit verbundenen Ketzer- und Hexenprozesse sank ihr hohes Ansehen drastisch: Sie wurde als Attribut des Teufels gesehen. Erst in neuerer Zeit ist sie wieder zum beliebten, geschätzten Heimtier geworden. Derzeit beträgt das Verhältnis von Hunden zu Katzen etwa eins zu drei.

Die Lebensbedingungen der Katzen sind sehr unterschiedlich: Da ist die „Bauernkatze“ mit nahezu uneingeschränktem Freiraum, in dem das gesamte natürliche Verhaltensrepertoire ausgelebt werden kann, und im extremen Gegensatz dazu die „Stadtkatze“, die zeitlebens in einer mehr oder weniger großen Wohnung ihr Leben verbringt, möglicherweise allein, ohne Artgenossen. In diesem Zusammenhang soll eine Beobachtung von Konrad Lorenz festgehalten werden: Er sah einen Star, bei dem die gesamte Bewegungsfolge des Fangens, Totschlagens und Schluckens kleiner Insekten ablief, obwohl gar keine Insekten vorhanden waren. Der Star hatte sein Beutefangverhalten längere Zeit nicht ausüben können, das jetzt im Leerlauf ablief, d. h. ohne erkennbare äußere Ursache. Lorenz schloss aus dieser und anderen Beobachtungen, dass sich die Triebenergie aufstaut, wenn ein Trieb oder eine Instinkthandlung längere Zeit nicht ausgelöst wird, und sich dann durch eine Leerlaufhandlung entlädt.

Diese Situation trifft auch auf die Stadtkatze zu: Sie kann nur einen kleinen Teil ihres Verhaltens ausleben, und daher ist es nicht verwunderlich, wenn bei solchen Katzen Leerlaufhandlungen auftreten oder Triebhandlungen an Ersatzobjekten ausgeführt werden. So erklärt sich, dass manche Katzen ein flatterndes Hosenbein oder einen Fuß als Ersatzobjekt für ein Beutetier nützen. Durch die reizarme Umgebung der Stadtkatze und die nicht ausgelebten Instinkthandlungen können sich Verhaltensstörungen entwickeln.

In dem vorliegenden Buch wird von der Autorin Denise Seidl mit großer Fachkenntnis das Normalverhalten der Katze unter besonderer Berücksichtigung des Signalverhaltens dargestellt. Gerade die Kenntnis des Ausdrucksverhaltens der Katze ist notwendig, um eine gute Katze-Mensch-Beziehung zu ermöglichen. In verständlicher Weise wird erklärt, wodurch Verhaltensstörungen zustande kommen können bzw. ausgelöst werden. Bei diesen Erklärungen geht die Autorin vom Normalverhalten aus und setzt die gegebenen Lebensbedingungen der Katze dazu in Beziehung. Aus dem Vergleich der idealen Lebensbedingungen mit den tatsächlich vorhandenen ergeben sich die Ursachen für das Auftreten der Verhaltensstörung und die Lösungsansätze zu deren Behebung. Es werden die häufigsten Verhaltensstörungen wie beispielsweise Stubenunreinheit und Aggressivität eingehend beschrieben und unter Bezug auf das Normalverhalten mögliche verhaltenstherapeutische Gegenmaßnahmen klar dargestellt. Die Autorin zeigt auch auf, dass man das bestehende Problem in vielen Fällen mit einfachen Mitteln beheben kann: Oft genügt eine Verbesserung des Umfeldes der Katze, die in räumlichen Veränderungen und in Beschäftigung mit dem Tier bestehen kann, kurzum in einer Verbesserung der Lebensqualität der Katze.

Das Buch ist ein wesentlicher tierschutzrelevanter Beitrag, das Verständnis des Katzenverhaltens und damit auch die Lebenssituation der Katze zu verbessern.

Ao. Univ. Prof. Dr. med. vet. Hermann Bubna-Littitz,

Obmann des Vereins „Tiere als Therapie“,

Veterinärmedizinische Universität Wien

© privat

TYPISCH KATZE — Verhalten verstehen

© Kurt Kracher/Kosmos

VON MENSCHEN UND KATZEN

Ein Leben ohne Katze ist für viele nicht vorstellbar. Trotz ihres Hanges zur Unabhängigkeit und der Leidenschaft zur Jagd hat sie Einzug in unsere Wohnungen gehalten und den Hund aus der Position als Heimtier Nummer Eins verdrängt.

Die Geschichte der Katze im Zusammenleben mit dem Menschen könnte einem Hollywood-Drehbuch entstammen: ein faszinierender Aufstieg der Hauptdarstellerin mit dramatischem Höhepunkt und schlussendlichem Happy End. Anfänglich im alten Ägypten als Jägerin von Schädlingen geschätzt und göttergleich verehrt, wurde sie im Mittelalter als Verbündete des Bösen angesehen, gefolgt von Ablehnung und Verfolgung.

Ihre Beliebtheit erlangte die Katze erst wieder im 17. und 18. Jahrhundert zurück, als sich Ratten, die als Überträger der Pest galten, rasant vermehrten und die Unterstützung einer exzellenten Jägerin gefragt war. Kaum eine Tierart kann eine ungewöhnlichere Geschichte im Zusammenleben mit dem Menschen aufweisen.

WIR WOLLEN EINE KATZE!

Heutzutage steht die Katze ganz oben auf der Liste der beliebtesten Heimtiere. Die schnurrenden Wesen auf sanften Pfoten sind zum Familienmitglied geworden. Sie bereichern unser Leben, reduzieren Stress und lassen uns die Alltagssorgen vergessen. Wer sich ernsthaft mit dem Gedanken trägt, eine Katze in sein Leben zu holen, muss sich einige Fragen zum Thema Tierhaltung stellen. Klettern, Erkunden, Beobachten, Verstecken und Jagen zählen zu den grundlegenden Bedürfnissen von Katzen, denen bei der Wohnraumgestaltung mittels Aussichtsplätzen bzw. Versteckmöglichkeiten Rechnung getragen werden muss.

Der tägliche Zeitaufwand als auch die Betreuung des Vierbeiners während einer Reise sollte ebenso geregelt sein, wie alle durch die Katzenhaltung entstehenden Kosten bedacht werden müssen. Auf zukünftige Tierhalter warten nicht nur viele schöne Momente des Zusammenlebens mit dem vierbeinigen Familienmitglied, sondern auch einige Herausforderungen, die mit Einfühlungsvermögen gemeistert werden müssen. „Prüfe, wer sich ewig bindet!“ heißt es, denn jeder zukünftige Katzenhalter sollte bereit sein, für das nächste Jahrzehnt und ein paar Jahre mehr die Verantwortung für das vierbeinige Familienmitglied zu übernehmen. Damit dies eine Entscheidung mit einer glücklichen Zukunft wird, sollte sich jeder über seine Erwartungen an das Tier bewusst sein und bereit sein, der Katze ein ihren Bedürfnissen entsprechendes Leben zu bieten. Geduld, Einfühlungsvermögen und Wissen um tierische Bedürfnisse tragen dazu bei, eventuelle Schwierigkeiten zu meistern und lassen eine harmonische Partnerschaft zwischen Mensch und Katze entstehen. Jede Katze, ob jung oder alt, Rassekatze oder aus dem Tierheim, kann die Traumkatze sein. Sie hat zu Recht Ihren Respekt und Ihre Zuwendung verdient!

Checkliste

SIND SIE KATZENFIT?

Finden Sie heraus, ob Sie für das Leben mit Katze bereit sind. Können Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten, wird sich Ihre Katze glücklich schätzen, mit Ihnen ihr Revier zu teilen. Haben Sie doch einige Nein-Antworten, bedenken Sie bitte, welche Auswirkungen jedes „Nein“ im Zusammenleben mit einem Tier mit sich bringen kann.

■ Lebensplanung: Sind Sie bereit, sich längere Zeit an ein Haustier zu binden? Katzen werden im Durchschnitt zwischen zehn und 16 Jahre alt.

■ Einstimmiger Familienbeschluss: Sind alle, die mit dem Tier im selben Haushalt leben werden, mit dem neuen Familienmitglied einverstanden und bereit, Aufgaben zu übernehmen? Auch tierische Mitbewohner müssen sich an den Neuzuwachs gewöhnen. Wenn Kinder bei der Betreuung des Tieres helfen, liegt die Pflegeverantwortung immer bei den Eltern.

■ Information: Verfügen Sie über das nötige Wissen über artgerechte Tierhaltung und -ernährung? Hier ist Ihre Bereitschaft zu lernen oder die Hilfe von Experten in Anspruch zu nehmen, gefragt.

■ Allergie auf Tierhaare: Ein diesbezüglicher Test kann dies rechtzeitig abklären.

■ Zeit: Lässt Ihr Beruf und Tagesablauf Zeit für die Betreuung eines Tieres? Tiere brauchen Zuwendung und Beschäftigung. Auch Ihre Katze will nach Ihrem anstrengenden Arbeitstag noch spielen. Vierbeiner müssen ebenso erzogen werden, und dies benötigt Zeit. Bei der Haltung mehrerer Tiere gilt es auch, den mehrfachen Aufwand betreffend Pflege und individueller Beschäftigung zu bedenken.

■ Urlaub oder Krankheit: Kann jemand aus der Familie oder dem Bekanntenkreis das Tier betreuen, wenn Sie krank oder in Urlaub sind? Es kann notwendig sein, professionelle Tiersitter in Anspruch zu nehmen.

■ Lebensumfeld: Sind Sie bereit, Ihre Wohnung katzengerecht zu gestalten, unter anderem Fenster und Balkon mit einem Sicherheitsnetz bzw. Katzengitter und/oder Kippfensterschutz auszustatten?

■ Toleranz: Werden Sie die Schattenseiten der Tierhaltung wie Tierhaare und Schmutz, zerkratzte Möbel in Kauf nehmen? Sind Verhaltensprobleme entstanden, ist sowohl Ihr Verständnis als auch Ihre Mitarbeit gefragt.

■ Finanzen: Haben Sie die Ausgaben für Nahrung und Einstreu, Tierarzthonorare, Versicherungsschutz, Spielzeug und Zubehör bedacht?

■ Recht: Ist die Haltung von Katzen in Ihrer Wohnung vom Vermieter gestattet?

■ Tierhaltung: Ist der Lebensraum des neuen Familienmitglieds nur auf die Wohnung beschränkt, ist es zu empfehlen, zwei Katzen aufzunehmen, wenn nicht schon ein Artgenosse da ist.

KLASSE MIT RASSE ODER ADEL VON DER WIESE?

Das ist oft die Frage, wenn die Entscheidung für eine Katze gefallen ist. Für Katzenliebhaber sind sie alle anziehend und charmant, ungeachtet der Herkunft. Während Rassekatzen je nach Standard ein entsprechendes Aussehen und bestimmte Wesenszüge zugeschrieben werden, gleicht die allseits beliebte Hauskatze hingegen einem Überraschungspaket. Der Vater ist meist unbekannt und es ist schwer vorherzusagen, welches genetische Erbe sie von den Elterntieren als Startkapital ins Leben erhalten hat. Aber diese Ungewissheit macht gerade den Reiz für viele Katzenliebhaber aus.

Oftmals werden wir auf der Suche nach der passenden vierbeinigen Kameradin von Wunschbildern oder Erinnerungen aus der Vergangenheit geleitet. Die geliebte Katze, die uns in der Kindheit oder viele Jahre im Leben begleitete, wird zur Verkörperung der idealen Gefährtin und ist ausschlaggebend bei der Auswahl des neuen Tieres. Auch ist das Angebot an Katzenrassen vielfältig und macht dem zukünftigen Tierhalter seine Entscheidung nicht gerade einfach: die ausgeglichene Britisch Kurzhaar oder die friedfertige Perserkatze, eine lebhafte Bengal oder gesprächige Siamkatze oder doch eine Europäisch Kurzhaar? Manchmal sind Katzen das Ebenbild ihrer Bezugsmenschen, manchmal ziehen sich Gegensätze an. Und es kann sein, dass eine aktive, selbstbewusste Katze eine introvertierte Persönlichkeit aus der Reserve lockt und umgekehrt.

© Kurt Kracher/Kosmos

Keine Katze ist wie die andere! Jede ist Individualistin in höchstem Maße und einzigartig für ihren Menschen.

KÄTZCHEN ODER GEREIFTER CHARAKTER?

Jungtiere passen sich ihrer neuen Umgebung spielerisch an und leben sich so schnell in der neuen Familie ein. Sie sind neugierig, verspielt und dadurch besonders lernfähig. Durch ihr possierliches Aussehen, die noch tollpatschigen Bewegungen und ihre Unternehmungslust ziehen Sie jeden Betrachter in ihren Bann. Sind Sie berufstätig, dann sollten Sie daran denken, gleich zwei Kätzchen zu nehmen, damit diese einander tagsüber Gesellschaft leisten können. Die Eingewöhnungsphase gestaltet sich somit einfacher. Aber auch bei zwei Katzen ist die Einhaltung der täglichen Spiel- und Schmusezeiten durch den Menschen unerlässlich.

Katzenkinder sind anfangs ein 24-Stunden-Job: Sie müssen öfters gefüttert werden, sind manchmal noch nicht stubenrein und stellen mit ihrer unbändigen Unternehmungslust allerhand Dummheiten an.

Ausgewachsene Tiere benötigen bisweilen länger, um sich in ihrem neuen Zuhause einzugewöhnen. Vor allem Katzen aus dem Tierheim sind häufig durch die Hände mehrerer Besitzer gegangen und haben möglicherweise schlechte Erfahrungen gemacht, die teilweise noch nicht verarbeitet sein können. Gelegentlich sind diese Tiere nicht an Artgenossen, Hunde oder Kinder gewöhnt. In diesen Fällen ist Geduld, Einfühlungsvermögen oder fachgerechte Unterstützung vonnöten, damit sich das neue Familienmitglied bestmöglich einleben kann.

Ältere Katzen gelten als zurückhaltender, eigensinniger und ruhebedürftiger. Sie schätzen ein geruhsames Umfeld, beständige Betreuung und viel Zuneigung. Ältere Menschen und Katzensenioren geben daher ein gutes Team ab und verbringen ihre Tage in beschaulicher Zweisamkeit.

JEDE KATZE IST EINZIGARTIG!

Bedenken Sie, dass die Charaktereigenschaften, die den verschiedenen Katzenrassen zugeordnet werden, nur eine grobe Beschreibung sind. Jede Katze ist ein einzigartiges Individuum, das seine Persönlichkeit und somit auch seine Wesenszüge ständig weiterentwickelt. Die Individualität einer Katze wird also nicht nur durch Rasse oder Herkunft beeinflusst, sondern auch von vielen Faktoren wie Erfahrungen, Lernprozessen, Vorlieben und umweltbedingten Einflüssen – und das ein ganzes Katzenleben lang. Besonders Ihre Persönlichkeit und Ihre Lebensart haben einen bedeutenden Einfluss auf die Verhaltensweisen Ihrer Katze und machen sie zu einer ebenbürtigen Gefährtin.

© Kurt Kracher/Kosmos

Katzen führen uns die Bedeutsamkeit eines Moments vor Augen. Sie lehren uns, innezuhalten und die Verbundenheit zwischen Mensch und Tier zu erleben.

DER KLEINE UNTERSCHIED

Katzen sollen kapriziös sein und Kater umgänglicher. Auf dem Geschlecht beruhende Verallgemeinerungen sollten Sie bei der Auswahl Ihres Tieres nicht berücksichtigen. Jedes Tier ist eine eigenständige Persönlichkeit, dessen Verhalten zu einem bedeutenden Anteil von der Umwelt geprägt wird. Zuneigung, Pflege, Beschäftigung spielen dabei eine große Rolle. In der Paarungszeit werden nicht kastrierte Tiere jedoch oft zur Belastungsprobe für die Mensch-Tier-Beziehung. Während paarungswillige Weibchen mit durchdringenden Schreien nach einem Kater rufen, markieren liebestolle Männchen ihr Revier auf der Suche nach Weibchen. Sofern es sich nicht um eine Zuchtkatze handelt, ist eine Kastration ratsam. Die Tiere leben entspannter, da der Fortpflanzungsstress entfällt. Zudem wird unerwünschter Katzennachwuchs vermieden.

ALS GEFÄHRTIN FÜR TIERISCHE FREUNDE

Vielleicht haben Sie bereits einen samtpfotigen Hausgenossen und möchten Ihrem Vierbeiner einen guten Kameraden an die Seite stellen. Charaktereigenschaften, Erfahrungswerte und das Bedürfnis nach Geselligkeit als auch das Lebensumfeld bestimmen, ob die Vierbeiner sich zukünftig verstehen werden.

Patentrezepte gibt es keine, dass das traute Heim nicht zur tierischen Kampfzone erklärt wird. Jedes Tier ist einzigartig und es kann durchaus sein, dass trotz aller berücksichtigten Aspekte ein Vierbeiner den ihm zugedachten Kameraden im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen mag. Doch mit Einfühlungsvermögen und Geduld werden Grundsteine für tierische Freundschaften gelegt. Siehe auch das Kapitel „Beziehungskisten“.

Kätzchen zu Kätzchen Für Katzenkinder ist ein gleichaltriger Spielgefährte ein Traum: gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, Herumbalgen, Nachlaufen und gemeinsames Dösen auf der Fensterbank. Ein paar Monate ältere, halbwüchsige Kameraden werden oftmals zum Vorbild der Kleinen, denn von ihnen kann man viele Dinge abschauen.

Kätzchen zu Katze Soll eine ausgewachsene Katze Gesellschaft erhalten, wird ein Kätzchen meistens problemloser akzeptiert, da der ältere Artgenosse sich nicht sogleich in der Rangposition bedroht fühlt. Nach anfänglichem Misstrauen oder Erstaunen über den frechen Winzling übernehmen Katzen, aber auch Kater oftmals Babysitter-Pflichten. Doch die Jungtiere werden auch zurechtgewiesen, wenn sie es zu wild treiben. Zählt der Stubentiger bereits zu den Senioren, dann hält sich die Freude am jugendlichen Familienzuwachs oftmals in Grenzen. Denn ältere Katzen haben ein erhöhtes Ruhebedürfnis und sind häufig mit besonders aktiven Tieren überfordert.

© Kurt Kracher/Kosmos

Respekt und Toleranz sind bedeutend für das Gelingen von Beziehungen. Baghira und Simba verbindet eine echte Katzenkameradschaft.

Erwachsene Tiere Bei der Zusammenführung älterer Katzen ist nicht nur das Bedürfnis nach Nähe und Distanz ausschlaggebend, sondern auch die Bereitschaft zur Toleranz. Ist eines der Tiere in der Jugendzeit nicht ausreichend sozialisiert worden, können heftige Auseinandersetzungen entstehen. Auch an Artgenossen gewöhnte Tiere können beim Einzug einer Katze oder eines Katers anfangs recht verstimmt reagieren. Oftmals wird der bzw. die Neue gleich in die Schranken verwiesen und es dauert einige Zeit, bis sich die Wogen glätten.

Gemischte und gleichgeschlechtliche Gruppen können gleichermaßen gut funktionieren, wobei Katzenhalter berichten, dass oftmals von weiblichen Tieren anfangs mehr Widerstand gegen einen Neuankömmling gezeigt wird.

Katze und Hund Tierkinder verstehen sich oft auf Anhieb, besonders wenn sie in der Prägephase ausreichend Kontakt mit der jeweils anderen Art hatten. Während Hunde eher neugierig auf Artgenossen, Menschen und andere Tiere zugehen, übt sich die Katze in Zurückhaltung und wehrt aufdringliche Annäherungsversuche ab. Etwaige Missverständnisse oder Auseinandersetzungen ergeben sich aus der unterschiedlichen Körpersprache der beiden Tierarten. Auch nach anfänglichen Sprachschwierigkeiten und unter den richtigen Voraussetzungen kann aus Hund und Katze ein Team werden. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

© Kurt Kracher/Kosmos

Während der Hund sich ein Näherkommen wünscht, bleibt die Katze lieber auf Distanz.

Jäger und Beutetiere Ungewöhnliche Freundschaften von Katzen mit anderen Heimtieren sind nicht ausgeschlossen. Es gilt jedoch: Alles was kleiner ist, fällt ins Beuteschema. Nehmen die kleinen Mitbewohner Reißaus, setzt bei der Katze der Jagdtrieb ein und die wilde Verfolgung kann böse enden. Aus Sicht von Meerschweinchen, Hamstern und anderen kleinen Nagetieren bedeutet dies meist Dauerstress und ein unentspanntes Leben mit ständiger Furcht vor einem Raubtier. Ob Vogelkäfig, Terrarium oder Aquarium: Sie sollten über eine gute Absicherung verfügen.

LEBENSWELTEN

Katzen haben Bedürfnisse, die tief in ihrem Verhalten verankert sind. Jede Katze muss sich ihrer Natur gemäß ausleben können. Verhaltensweisen wie Verstecken und Beobachten, Erkunden, Jagen oder Spielen und Markieren spielen eine bedeutende Rolle für das Wohlbefinden des Tieres. Ein Tag im Leben einer Katze ist geprägt von Ruheperioden und Zeiten mit ausgeprägter Aktivität.

Während eine Katze, die in der Wohnung lebt – nennen wir sie Indoor-Katze – einen Großteil des Tages mit Schlafen, Körperpflege und Fressen verbringt, zeigen Katzen mit Freilauf, also Outdoor-Katzen, eine hohe Aktivität. Sie streifen umher, klettern auf Bäume und erkunden ihr Territorium. Sie sind Gefahren ausgesetzt, die der Wohnungskatze fremd sind: Kämpfe mit Artgenossen und daraus resultierende Verletzungen, Übertragung von Infektionskrankheiten, Parasitenbefall, Kontakt mit giftigen Substanzen oder auch Verkehrsunfälle. Ihre Lebensweise und ihre Ernährungsbedürfnisse unterscheiden sich stark von denen einer in der Wohnung lebenden Katze.

© Kurt Kracher/Kosmos

Die raue Katzenzunge ist bei der Fellpflege Waschlappen, Kamm und Bürste in einem.

DER ALLTAG VON INDOOR- UNDOUTDOOR-KATZEN IM VERGLEICH

INDOOR-KATZE

OUTDOOR-KATZE

TERRITORIUM

je nach Größe der Wohnung; durchschnittlich von 35 bis 120 m²

durchschnittlich 8.000 m² bis 50 ha

FELLPFLEGE

4–5 Std./ 20%

2–3 Std./ 12%

FRESSEN

bis zu 1 Std./ 3%

bis zu 1 Std./ 3%

AKTIVITÄTEN Spielen/Jagen

Spielen: bis zu 1 Std./ 2%

Jagen: 6–8 Std./ 25%

SCHLAFEN/ Dösen/ ausruhen

bis zu 18 Std./ 75%

12–14 Std./ 60%

UMWELT-BEDINGUNGEN

Vorherrschende Umweltbedingungen durch das Leben in einer Wohnung können Langeweile bedeuten: Der Lebensraumqualität und auch der optimalen Beschäftigung muss daher große Beachtung geschenkt werden! Die tägliche empfohlene Spieldauer beträgt insgesamt rund eine Stunde, aufgeteilt in Einheiten von 5–10 Minuten.

Die Umweltbedingungen einer Katze mit Freilauf bedeuten Abwechslung und sind eine stetige Herausforderung für das Tier. Das Lebensumfeld variiert je nach Jahreszeit und vorherrschenden Wetterbedingungen. Aufgrund erhöhter Aktivität im Freien ist eine Nahrung mit hohem Energiegehalt erforderlich.

BESTES LEBENSUMFELD