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Wie Unternehmer ihre freie Zeit nutzen, beeinflusst maßgeblich ihren Erfolg. Dabei geht es nicht darum, noch härter zu arbeiten oder mehr Zeit für die Arbeit zu finden, sondern, sich Zeit für Aktivitäten freizuhalten, die Energie und Erfüllung bringen. Dies ist der Kern der Botschaft, die Dan Martell zu einem der weltweit beliebtesten Coaches in der IT-Branche gemacht hat. In seinem ersten Buch Kauf deine Zeit zurück zeigt er Unternehmern, wie sie ihr Geschäft schnell vergrößern können, ohne dabei auszubrennen. Geld gegen Zeit einzutauschen – das heißt buchstäblich freien Platz im Kalender zurückzukaufen – wird ihnen mehr finanziellen Erfolg bescheren, als die freien Stunden mit zusätzlichen Arbeitsaufgaben zu füllen. Dan Martell ist selbst seit über zwei Jahrzehnten als erfolgreicher Unternehmer und Gründer tätig. In seinem Buch verrät er, wie es möglich ist, weniger zu arbeiten und mehr freie Zeit zu haben, während man ein Imperium aufbaut. Er erläutert die praktischen Schritte, mit denen Unternehmer sofort anfangen können, ihre Zeit zurückzukaufen, und erklärt, welche Betriebsabläufe und Einstellungspraktiken ein schnelles und robustes Wachstum gewährleisten. Ebenfalls zeigt er, wie die neu gewonnene Zeit sinnvoll investiert werden kann – sowohl im Office als auch zu Hause –, damit das Business wächst und man zugleich sein bestes Leben führen kann.
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Seitenzahl: 363
Veröffentlichungsjahr: 2025
Wie du ein erfolgreiches Unternehmen aufbaust und gleichzeitig ein entspanntes Privatleben genießt
DAN MARTELL
Namen und charakteristische Eigenschaften wurden geändert, um die Privatsphäre der erwähnten Personen zu schützen.
1. Auflage 2025
© 2025 by Yes Publishing – Pascale Breitenstein & Oliver Kuhn GbR
Türkenstraße 89, 80799 München
Alle Rechte vorbehalten.
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2023 bei Portfolio, einem Imprint der Penguin Publishing Group, einer Abteilung von Penguin Random House LLC, unter dem Titel Buy Back Your Time. Get Unstuck, Reclaim Your Freedom, and Build Your Empire. © 2023 by Rowcor Technologies, Inc. All rights reserved.
Übersetzung: Petra Pyka
Redaktion: Rainer Weber
Umschlaggestaltung: Marija Džafo
Layout und Satz: Daniel Förster
Illustrationen: Rich Gould
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-96905-376-8
ISBN E-Book 978-3-96905-377-5
Für Renée, Max und Noah. Ihr seid mein Ein und Alles.
EinleitungWie mir mein Unternehmen das Leben gerettet hat (und es anschließend beinahe ruinierte)
Erstes KapitelWie ich mir mein Leben zurückkaufe
Zweites KapitelDie DRIP-Matrix
Drittes KapitelDie fünf Zeitkiller
Viertes KapitelDie einzigen drei maßgeblichen Tauschgeschäfte
Fünftes KapitelDie Replacement-Leiter
Sechstes KapitelKlonen Sie sich
Siebtes KapitelWie man ein Playbook erstellt
Achtes KapitelIhre perfekte Woche
Neuntes KapitelDie einzigen vier Hacks, die Sie fürs Zeitmanagement brauchen
Zehntes Kapitel»Einstellung auf Probe« mit Methode
Elftes KapitelTransformationale Führung
Zwölftes KapitelEin »F-Wort«, das Ihr Unternehmen retten kann
Dreizehntes KapitelTräume groß. Erreiche Größeres
Vierzehntes KapitelDie Jahresplanung
FazitDas zurückgekaufte Leben
die sieben säulen des lebens
danksagung
anmerkungen
über den autor
Mein Blick klebte an der Waffe in meiner Reisetasche.
Ich musste sie nur auf die Polizisten richten – dann würden diese meinem Elend ein schnelles Ende bereiten.
Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Im Rückspiegel sah ich, wie zwei bewaffnete Polizeibeamte auf meinen Wagen zurannten. Mit ihnen hatte ich mir gerade eine dramatische Verfolgungsjagd geliefert, bis ich in die Seitenwand eines Hauses gekracht war. Nun saß ich in der Falle. Und sie hatten allen Grund, sofort das Feuer zu eröffnen. Das Spiel war aus.
In mir erstarb jede Hoffnung. Vor meinem inneren Auge liefen Bilder der wilden Eskapaden meines Lebens ab – Ladendiebstähle in der Grundschulzeit, wiederholte Aufenthalte in betreuten Wohngruppen, als ich auf die Mittelschule ging. Dann der Rauswurf aus der Highschool.
Als meine Mutter bei uns zu Hause Drogen, Geld und gestohlene Waffen entdeckte, wusste sie sich nicht mehr zu helfen und rief die Polizei. Doch mein Bruder Pierre warnte mich. Statt abzuwarten, bis sie mich verhafteten, nahm ich die 63 Dollar, die er mir geben konnte, und rannte davon. Ich versteckte mich in Jagdhütten und übernachtete bei Freunden auf dem Sofa. Nachdem ich wochenlang verzweifelt versucht hatte, der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein, beschloss ich, meiner kleinen kanadischen Heimatstadt Moncton in New Brunswick den Rücken zu kehren. Ich wollte nach Montreal, wo mein Onkel lebte.
In einem gestohlenen Auto verließ ich Moncton. Aber ich kam nicht weit. Schon nach wenigen Kilometern geriet ich zufällig in eine Polizeikontrolle. Ich flunkerte den Beamten etwas von einem vergessenen Führerschein vor. Sobald sie mir den Rücken zuwendeten, um meine Angaben in ihrem Computer zu überprüfen, gab ich Vollgas und raste davon.
Die nächsten paar Minuten glichen einer Verfolgungsszene aus einem Movie: Ich trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, drückte auf die Hupe und wechselte immer wieder die Spur, wenn sich eine Lücke bot – bis ich schließlich mit der Hauswand kollidierte.
Da griff ich nach meiner Waffe.
Doch als ich sie aus der Tasche ziehen wollte, verhakte sie sich. Ich zerrte noch immer hektisch daran herum, als mich die Polizisten auch schon in Gewahrsam nahmen und in ihren Streifenwagen verfrachteten.
Ein halbes Jahr später war ich wegen der Schwere meiner Vergehen zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden. Im Vollzug versuchte ich, für mich zu bleiben und keinen Ärger zu machen, doch alte Gewohnheiten sind schwer totzukriegen. Prompt landete ich wegen einer Schlägerei in Einzelhaft. Nach beinahe 72 Stunden, die ich isoliert in Unterwäsche verbracht hatte, kam der Justizbeamte Brian in meine Zelle.
»Komm mal mit«, sagte er und führte mich zu einem Nebenzimmer. Er ließ mich eintreten und schloss hinter uns ab. Ich schaute mich um und bemerkte, dass ich mich in einem der wenigen Bereiche der Haftanstalt befand, in dem es keine Kameras gab.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Doch Brian musterte mich nur durchdringend. Dann stellte er mir eine ebenso einfache wie tiefgründige Frage:
»Dan, warum bist du hier?«
»Na ja, beim Frühstück bin ich mit Kirk aneinandergeraten und dann …«
Er schnitt mir das Wort ab. »Nein. Ich meine, warum bist du im Gefängnis?«
Da kam ich ins Stottern und gab ein paar lahme Antworten wie: »Ich habe ein Auto gestohlen. Ich bin vor der Polizei geflohen …«
Wieder unterbrach mich Brian. »Das meine ich nicht, Dan. Ich arbeite seit fast zehn Jahren hier, und ich habe schon viele junge Straftäter gesehen. Wirklich eine Menge. Mir ist aufgefallen, dass du dich bemühst, es besser zu machen und dich von Ärger fernzuhalten. Du bist anders. Du hast hier eigentlich nichts verloren.«
Als mir Brian erklärte, er glaube, ich sei »zu etwas anderem bestimmt«, liefen mir heiße Tränen übers Gesicht. Bis zu jenem Tag hatte ich immer nur gehört, was ich doch für ein unverbesserlicher Troublemaker sei. Doch aus irgendeinem Grund sah Brian Potenzial in mir. Und seine Worte machten mir Hoffnung auf ein besseres Leben.
Im Rückblick ist mir klar, dass ich schon während meiner problematischen Jugendjahre immer Potenzial gehabt hatte: Ich war kreativ, risikofreudig und kommunikativ und konnte selbst dann noch einen kühlen Kopf bewahren, wenn um mich herum das größte Chaos ausbrach. Im Grunde hatte ich alle Fähigkeiten, die ein Unternehmer braucht – sie waren nur nicht in die richtigen Bahnen gelenkt worden.
Meine nächste Station sollte meinem Leben eine neue Richtung geben. Gar nicht lange nach meinem Gespräch mit Brian kam ich nach Portage, einer Einrichtung zur Rehabilitierung jugendlicher Delinquenten. Dort arbeitete ich weiter an mir. Ich lernte und erledigte brav alle Aufgaben, die mir übertragen wurden. Dabei freundete ich mich mit Rick an, einem Handwerker, der für mich wie ein großer Bruder war. Eines Tages half ich Rick gerade dabei, eine verlassene Hütte auszuräumen, als ich neben einem alten Computer ein Buch über die Programmiersprache Java liegen sah. Ich schlug es auf und war fassungslos: Ich hatte immer gedacht, Programmieren wäre zu hoch für mich – unverständliche Zeilen komplexer mathematischer Gleichungen. Aber was ich da vor mir sah, war absolut verständliches Englisch. Und ich war auf Anhieb fasziniert davon.
Also schaltete ich den Rechner ein und tippte ein paar Befehle. Dabei hielt ich mich an die einfache Liste mit Anweisungen aus dem ersten Kapitel des Handbuchs. Minuten später lief das Programm. Auf dem Monitor erschienen die Worte:
»Hallo Welt!«
So fing alles an. Bei mir machte es klick. Ich hatte es geschafft, einen Satz von Befehlen zu erstellen, der es mir erlaubte, ebenso verlässliche wie vorhersagbare Ergebnisse zu erzielen. Und das jedes Mal wieder.
Die Berechenbarkeit der Software bildete einen Gegenpol zu dem unberechenbaren Chaos, in dem ich meine gesamte Kindheit verbracht hatte. Von diesem Tag an wurde das Programmieren zu meiner neuen Sucht.
Bald war ich förmlich besessen von Software- und Systementwicklung. Bis heute begeistert es mich immer wieder, Kunden beizubringen, Systeme für ihre Unternehmen zu entwickeln und ihnen zu helfen, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Damals empfand ich einen geradezu naiven Stolz auf mich selbst – mir war nicht klar, dass »Hallo Welt!« die erste Lektion in jedem Programmierhandbuch für Anfänger ist. Mit gänzlich ungerechtfertigtem Selbstbewusstsein stürzte ich mich kopfüber in das neue »Internet«. Ich setzte dieselben Kompetenzen ein, die mich meine ganze Jugend hindurch immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hatten, und nahm damit energisch meine Karriere als Unternehmer in Angriff.
Tatsächlich war meine chaotische Kindheit die ideale Vorbereitung auf meine Selbstständigkeit – das Unbekannte konnte mir keine Angst einjagen. 1998 gründete ich mit nur 18 Jahren mein erstes legales Unternehmen, die auf die Vermietung von Urlaubsdomizilen spezialisierte Website »MaritimeVacation«. Mit 21 gründete ich mein zweites Unternehmen: NB Host, eine Hostinggesellschaft für Web-Anwendungen.
Die Selbstständigkeit hat mir ein neues Leben eröffnet und mir Orientierung gegeben. Ein Problem gab es dabei allerdings noch: Ich war der typische Macher. Ich lebte nach der Devise »hart arbeiten, viel Geld verdienen und keinen Ärger kriegen«. Tag um Tag. So lange, bis meine ersten beiden Firmen krachend scheiterten. Ich hatte weder gelernt, wie man richtig mit anderen zusammenarbeitet, noch, welchen Wert meine Zeit hatte. Doch der Unternehmergeist lag mir im Blut, das wusste ich. Also nahm ich einen neuen Anlauf und gründete 2004 mein drittes Unternehmen, eine Softwarefirma namens Spheric Technologies. Zumindest beruflich zahlte sich meine harte Arbeit aus. Ich arbeitete 15 bis 18 Stunden täglich, erzielte 150 Prozent Wachstum pro Jahr – und fuhr gleichzeitig mein Privatleben vor die Wand.
Vier Monate vor meiner Hochzeit kam ich spätabends nach Hause – an einem vermeintlich ganz normalen Tag, an dem ich seit Tagesanbruch gearbeitet hatte. Dort erwartete mich vollkommen aufgelöst meine Verlobte.
»Ich kann so nicht mehr weitermachen«, sagte sie und ließ ihren Verlobungsring auf die Küchenplatte fallen.
Offensichtlich war meine einstmals Zukünftige der Ansicht, wenn ich mein Leben mit ihr verbringen wollte, müsste ich ihr auch tatsächlich Zeit widmen.
Was mir zunächst nicht klar war: Meine beiden gescheiterten Unternehmen und meine gescheiterte Beziehung hatten eine Gemeinsamkeit – mich. Kern des Problems war meine obsessive Workaholic-Mentalität, die mich für alles andere blind machte. Damals wurde mir bewusst, dass ich einen besseren Weg finden musste, meine Firmen und mein Leben in den Griff zu kriegen.
Dabei war der Keim für die Lösung meiner Probleme längst gelegt. Ich wusste es nur noch nicht.
Bereits ein paar Jahre bevor mich meine Verlobte verließ, hatte ich damit angefangen, Wirtschaftsbücher zu lesen. Ich war auf eine Hörbuchversion von Love Is the Killer App von Tim Sanders gestoßen. Nachdem ich dieses Buch durchgelesen – oder vielmehr durchgehört – hatte, dachte ich: Wow. Jetzt habe ich mir für 20 Dollar und ein paar Stunden Zeit 20 Jahre Lebenserfahrung heruntergeladen. Wie viele solche Bücher kann ich mir wohl noch besorgen?
Ich verschlang einen Klassiker nach dem anderen, darunter Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie, Denke nach und werde reich von Napoleon Hill und Die 7 Wege zur Effektivität von Stephen Covey. Mithilfe dieser Bücher gelang es mir, mein Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Doch das reichte noch nicht. Ich musste mein ganzes Leben umkrempeln. Ich brauchte Systeme, die mich nicht nur als Unternehmer zu Höchstleistungen anspornen würden, sondern mir auch helfen würden, ein guter Mensch zu werden. Dass ich meine Verlobte verlor, war für mich der Weckruf, den ich brauchte, um ernsthaft nach einer echten, ganzheitlichen Lebenslösung zu suchen. Ich las, forschte und experimentierte weiter. Hier und da stieß ich auf Geheimtipps, wie ich mir mein Leben zurückholen, meine Leidenschaft leben und ein Unternehmen führen konnte, ohne mich davon auffressen zu lassen. Ich begann, Grundsätze, Taktiken, Werkzeuge und Systeme aus Büchern, von Mentoren und aus Fernsehsendungen zu übernehmen – eben aus jeder Quelle, die ich auftreiben konnte. Und ich gelangte zu ersten Ergebnissen.
Ich lernte nach und nach, das zu tun, was mir Freude machte (Unternehmen zu führen), und dabei der Mensch zu sein, der ich sein wollte (nämlich Freund, Vater und Ehemann). Ich lernte, dass meine Tätigkeit als Unternehmer untrennbar mit mir als Mensch verbunden war, denn ich bin nun einmal Unternehmer. 2008 verkaufte ich Spheric und verdiente daran meine erste Million. Das veränderte grundlegend, was ich für möglich hielt. 2009 zog ich dann nach San Francisco, um mit Flowtown mein nächstes Projekt in Angriff zu nehmen. Ich baute Teams und Infrastruktur auf, um Freiräume für meine Zeit und Kraft zu schaffen, damit ich diese reinvestieren konnte. Seltsamerweise war es diesmal so, dass ich umso mehr Zeit hatte, je größer mein Unternehmen wurde. Ich hatte eine Möglichkeit gefunden, gleichzeitig mein Unternehmen auszubauen und mehr Zeit zu gewinnen. Doch dann entdeckte ich etwas noch Grundlegenderes.
Richtig Spaß machte mir erst, mitzuerleben, wie andere Unternehmer diese Wahrheiten für sich entdeckten.
Eines meiner zentralen Prinzipien lautet: lernen, machen, lehren. Man kann nichts lernen, ohne es umzusetzen, und sobald man etwas Sinnvolles gelernt hat, sollte man es weitergeben. Aus persönlicher Erfahrung und von fantastischen Mentoren und Coaches, die mich unterstützt haben, weiß ich heute: Man kann ein Unternehmen nur auf einem einzigen Weg über eine gewisse Größe hinausbringen, nämlich wenn man sich seine eigene Zeit zurückkauft und sie wieder in die Dinge investiert, die wirklich zählen.
2006 fing ich an, einen Blog zu schreiben, um verschiedene der Wachstumstaktiken weiterzugeben, die ich mir angeeignet hatte. Damals verstand ich mich noch nicht so gut darauf, mir meine Zeit zurückzukaufen, wollte aber einen kleinen Vorschuss leisten mit dem wenigen, was ich bereits darüber gelernt hatte, wie man Unternehmen aufbaut. Bald gingen erste Kommentare zu meinen Beiträgen ein. 2008 hielt ich dann meine ersten Vorträge auf Tagungen. Diese richteten sich zunächst in bescheidenem Rahmen an andere Softwareschmieden. Anfangs sprach ich meist über die richtigen Taktiken im Geschäftsleben – zum Beispiel über Wachstumsstrategien fürs Marketing, die ich im Herzen des Silicon Valley erlernt hatte –, doch eigentlich wollte ich schon immer Unternehmen und Gründern helfen, zu leben. Aus all meinen Blogs und Tagungen lernte ich, dass ich nicht der einzige Unternehmer war, der mit der Workaholic-Mentalität zu kämpfen hatte. Das bestärkte mich in meinem Engagement, etwas für andere zu tun.
2012 wurde Flowtown von einem anderen Unternehmen übernommen. Da gründete ich unverzüglich Clarity, einen Marktplatz, auf dem wir Start-up-Gründer mit den Antworten zusammenbrachten, die sie für ihre jungen Unternehmen brauchten – von Start-up-Beratung über rechtliche Fragen bis hin zu Marketingstrategien. Wieder wusste ich aus Erfahrung, dass ich all meinen Erfolg den Büchern verdankte, die ich gelesen hatte, und den Ratschlägen, die mir andere erteilt hatten. Clarity bot mir die ideale Möglichkeit, Gründern bei ihrer Suche nach Antworten weiterzuhelfen: Bei Clarity zahlen Jungunternehmer eine Gebühr und erhalten dafür Ratschläge von alten Hasen. Ich wusste, dass man als Gründer verschiedene echte, tiefgehende Fragen hat – und wer darauf die richtigen Antworten bekam, konnte in seinem Unternehmen wahre Wunder vollbringen. Als Clarity 2014 einen Käufer fand, machte ich mich auf die Suche nach meiner nächsten Herausforderung.
2015 gründete ich die SaaS* Academy, einen YouTube-Kanal für Gründer von Softwareunternehmen, auf dem ich nicht nur Geschäftstaktiken weitergab, sondern auch persönlichere Strategien – etwa dazu, dass Kraftmanagement vor Zeitmanagement gehen sollte, wie wichtig ein Business-Playbook für ein Unternehmen ist (also einheitliche Arbeitsmethoden) und letztlich, wie man sich seine Zeit zurückkauft. Das Feedback war überwältigend: »Kam mir vor wie eine Therapie im Schnellverfahren.« Oder: »Das beste bahnbrechende Video, das ich je gesehen habe.« Offenbar war ich da über eine beinahe universelle Wahrheit gestolpert: Wir Unternehmer kämpfen alle darum, Wege zu finden, mit unserer Zeit und unserem beruflichen Engagement zurande zu kommen.
Geborene Unternehmer müssen eine Möglichkeit finden, sich voll einzubringen – und zwar in ihre Unternehmen und in ihr Leben.
Wer schon eine ganze Weile der Workaholic-Mentalität verfallen ist, der hatte vermutlich bereits erste Erfolge. Harte Arbeit, auch wenn sie auf Kosten zwischenmenschlicher Beziehungen geht, zahlt sich aus – jedenfalls in gewissem Umfang.
Doch früher oder später gerät der Erfolg ins Stocken. Wir alle sind nur Menschen, und unsere Zeit ist begrenzt. Wir haben ein Unternehmen, Familie und Freunde, und alle stellen Ansprüche an uns.
Wenn Sie merken, dass Ihnen vor der Arbeit graut, weil Sie wissen, dass Sie einen ganzen Stapel E-Mails beantworten und ein paar neue Feuer löschen müssen und dass ein Dutzend Kunden und Mitarbeiter nur darauf warten, Ihnen neue Arbeit aufzuhalsen, und dass Ihnen davor graut, nach Hause zu kommen, weil sie erschöpft und gestresst sind und ihre Gedanken noch bei all dem sind, was auf Ihrem Schreibtisch liegen geblieben ist, dann ist dieses Buch genau das Richtige für Sie. Es ist für jeden gedacht, der sich seine Zeit zurückkaufen möchte, um häufiger die Dinge zu tun, die ihm Spaß machen, der aber gleichzeitig sein Unternehmen weiter ausbauen möchte. Als Vollblutunternehmer wären Sie andernfalls gar nicht mehr Sie selbst. Doch wenn Ihr Unternehmen Sie persönlich, Ihre Familie oder Ihre Beziehungen zerstört, weil Ihnen Ihre Aufgaben alle Zeit und Kraft rauben, dann kann das nicht so weitergehen. Sie müssen etwas ändern. Und ich kann Ihnen helfen, eine bessere Lösung zu finden.
Dieses Buch erzählt, wie es mir gelungen ist, anders an die Dinge heranzugehen – und wie Sie das ebenfalls schaffen können.
Stephen Covey hat einmal gesagt: »Der Schlüssel liegt darin, Zeit nicht zu verbrauchen, sondern zu investieren.«1 In diesem Buch können Sie genau nachlesen, wie das geht. Sie finden darin einen systematischen Ansatz mit Taktiken und Strategien, in die zwei Firmenpleiten, eine gelöste Verlobung, die Lektüre von mehr als 1200 Wirtschaftsbüchern und Ratgebern, die Leitung der größten SaaS-Schulungs- und Mentorengruppe der Welt und zahlreiche Vorträge darüber eingeflossen sind, wie man sich seine Zeit zurückkaufen kann.
Ich wende nicht nur selbst alles an, was ich in diesem Buch weitergebe, sondern das tun auch Tausende andere Gründer und Unternehmer, die inzwischen gelernt haben, wie man sich seine Zeit und Kraft zurückkauft und wieder neu – und richtig – einsetzt. Dadurch haben sie mehr Energie, freuen sich auf die Zukunft und können ihr Leben als Unternehmer wieder genießen. Bei der Arbeit sind sie bessere Chefs, was sich auf die Stimmung ihrer Mitarbeiter auswirkt, und zu Hause bessere Freunde, Eltern und Partner. Ach ja, und ihre Unternehmen wachsen dabei exponentiell.
Die meisten Unternehmer glauben, ein florierendes Unternehmen entstehe durch harte Arbeit. Mag sein, doch ein erfolgreiches Imperium können Sie nur aufbauen, wenn Sie – als Chefin oder Chef – lernen, sich Ihre Zeit zurückzukaufen. Legen Sie Ihrem Leben keine Zügel an. Haben Sie wieder mehr Spaß an der Arbeit und erobern Sie sich die Freiheit zurück, die Ihnen Ihr Unternehmen bieten kann.
Glauben Sie mir – ich weiß heute, dass es nicht nur möglich ist, auch als Unternehmer Freizeit zu haben und Kraft in Beziehungen zu investieren, sondern dass das alles miteinander zusammenhängt. Als glücklicherer Mensch bin ich ein besserer Unternehmer, und ein besserer Unternehmer ist auch ein besserer Vater und ein besserer Ehemann.
Ich habe schon Hunderten anderer Gründer beigebracht, wie sie ihre Zeit besser verwenden können – indem sie eben diese zurückkaufen und in die Dinge stecken, auf die es wirklich ankommt. Sie wissen jetzt: Je mehr Zeit sie in ihrem Unternehmen den Dingen widmen, die sie am besten können, desto mehr Kraft haben sie und desto mehr Geld verdienen sie. Und damit können sie sich noch mehr Zeit zurückkaufen. Dieser Ansatz widerspricht absolut allem, was ich getan habe, als ich meine ersten Unternehmen gründete. Je größer diese wurden, desto mehr litt ich darunter, um am Ende nicht nur meine Firma zu verlieren, sondern auch Menschen, die mir nahestanden.
Ich habe die Lösung gefunden, nach der ich gesucht habe. Und ich würde sie Ihnen gern verraten.
Hier ein kurzer Überblick über den Aufbau dieses Buches:
Als Erstes bringe ich Ihnen das Rückkaufprinzip bei, die Rückkaufschleife und die DRIP-Matrix. Dieses neue Denkmodell wird es Ihnen ermöglichen, zu überdenken, wie Sie Ihre Zeit als Unternehmer künftig verwenden. Sie werden lernen, wie Sie rasch erkennen können, was Ihnen Zeit raubt und warum. Indem ich Ihnen einen Spiegel vorhalte, mache ich Ihnen klar, wie verrückt es ist, wie die meisten Unternehmer – Sie selbst womöglich eingeschlossen – ihre Unternehmen führen. Sie werden die psychologischen Grenzen erkennen, die Sie Ihrem Erfolg setzen, angefangen bei Ihren persönlichen Zeitkillern.
Mithilfe der »Replacement-Leiter« (fünftes Kapitel) lernen Sie, wie Sie Ihre Aufgaben und Ihre Zeit durch gezieltes Hochskalieren immer weiter aufwerten können. Im siebten Kapitel schließlich geht es darum, wie Sie replizierbare Playbooks erstellen, die Sie an Ihr Team weitergeben können, um Ihr Unternehmen voll im Griff zu behalten, ohne selbst viel mitzumischen.
In diesem Buch beleuchten wir von allen Seiten, wie Sie lernen können, Ihr eigenes »unendliches Spiel« zu spielen. Und wir gehen näher auf die einzigen drei Tauschgeschäfte ein, die Sie mit Ihrer Zeit machen dürfen.
Nebenbei erhalten Sie immer wieder schnelle Tipps und Tricks. So erfahren Sie beispielsweise gleich, dass es sich jeder Unternehmer leisten kann, bestimmte Aufgaben unverzüglich zu delegieren (indem er seinen »Rückkaufsatz« heranzieht – siehe erstes Kapitel). Außerdem zeige ich Ihnen, wie Sie Ihre ganz persönliche perfekte Arbeitswoche so gestalten (achtes Kapitel), wie es Ihren Energiereserven entspricht. Wir gehen auf einfache Methoden ein – wie die Definition von »erledigt« und die 1 : 3 : 1-Regel (beide aus dem neunten Kapitel) –, die Ihnen helfen werden, Engpässe in Ihrer Organisation zu überwinden, die Ihre Produktivität einschränken. (Mein großer Favorit ist dabei die Camcorder-Methode aus dem siebten Kapitel. Sie vermittelt Ihnen, wie Sie ohne viel zusätzlichen Aufwand anderen etwas beibringen können. Blättern Sie ruhig vor, um sich schon mal einen Vorgeschmack darauf zu verschaffen.)
Zum Ende hin bringe ich Sie dann wieder zum Träumen (durch einen Prozess namens 10X-Vision, den ich Ihnen im dreizehnten Kapitel vorstelle). Außerdem verrate ich Ihnen, wie Sie Ihre Jahresplanung im Voraus so erstellen können (vierzehntes Kapitel), dass sich Ihr ehrgeiziger Traum auch realisieren lässt. Ich gebe Ihnen dabei immer wieder Hausaufgaben auf, die Sie erledigen können. Das gesammelte Material finden Sie bequem zugänglich auf BuyBackYourTime.com/Resources.
*
Weil ich gelernt habe, mir meine Zeit zurückzukaufen, nahm mein Leben eine unglaubliche Wendung. In dieser Woche werde ich sechs Stunden darauf verwenden, mein zig Millionen schweres Unternehmen weiter auszubauen. Außerdem trainiere ich für einen Ironman, setze mich ehrenamtlich für die Stadtjugend ein, schreibe an meinem nächsten Buch, halte nach meinem nächsten Investitionsobjekt Ausschau und widme meine Aufmerksamkeit und meine Ressourcen den gefährdeten Unternehmern, die mir so viel Kraft geben und so viel Freude machen. Das Allerbeste daran: Ich habe auch noch Zeit für meine Kinder übrig, und dafür, mittags mit meiner Frau und abends mit der ganzen Familie zu essen – und das jeden Tag.
Nichts davon habe ich dadurch erreicht, dass ich mehr gearbeitet habe. Ich verdanke es vielmehr der Tatsache, dass ich gelernt habe, nachzudenken und in meinem Unternehmen anders zu agieren, sodass es mir jede Sekunde, die ich hineinstecke, ermöglicht, ungleich mehr Kraft herauszuziehen.
Nichts davon ist auf meinem Mist gewachsen – es gab andere, die mich dazu angeleitet, Bücher geschrieben, Tagungen veranstaltet und an Telefonkonferenzen teilgenommen haben. Von ihnen habe ich viel gelernt, und all diese gewonnenen Erkenntnisse möchte ich nun in 14 Kapiteln an Sie weitergeben.
Am Ende geht es dabei übrigens gar nicht nur um Sie. Es geht um die Zukunft Ihres Unternehmens, Ihrer Beschäftigten und Ihres Umfelds. Erleiden Sie einen Burn-out, hat das für alle schlimme Folgen.
Gestalten Sie Ihr Unternehmen so, dass es Ihnen niemals zur Last wird.
* SaaS ist in der Branche ein Akronym für »Software as a Service«.
Bei Zielen geht es um die Ergebnisse, die man erreichen will, bei Systemen dagegen um die Abläufe, die zu diesen Ergebnissen führen.2
James Clear
Als sich Stuart an mich wendete, kämpfte er den Kampf seines Lebens.
»Ich kann kaum noch aus dem Haus, kriege nicht mehr richtig Luft und habe regelmäßig Panikattacken. Mein Leben ist ein Albtraum«, erzählte er mir.
Ein paar Monate zuvor hatte Stuart noch federführend an einer ganz neuen Architektur des Backend-Codes mitgewirkt, der den Apps seiner Firma zugrunde lag. Er arbeitete 14 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, um das Projekt durchzuziehen. An Weihnachten war es geschafft. Daher nahm sich Stuart ein paar Tage frei, um mit seiner Frau und deren Schwester nach Disneyland zu fahren. Sie waren kaum zehn Minuten im Park, als ihm schwindlig wurde. In seiner Brust wurde es eng. Er bekam keine Luft. Er setzte sich auf eine Bank und versuchte, seine Begleiterinnen zu beruhigen. »Es geht gleich wieder. Geht schon mal weiter. Ich komme gleich nach.«
Doch es ging nicht gleich wieder. Stuarts Herz jagte so schnell wie seine Gedanken. Kriege ich einen Herzinfarkt – und das ausgerechnet am glücklichsten Ort der Erde?, fragte er sich bang. Schließlich raffte er sich auf und schloss sich den anderen an.
Doch nach der Rückkehr musste er den Tatsachen ins Auge sehen: Seine Symptome kamen wieder. Ärztliche Untersuchungen ergaben, dass sein Herz in Ordnung war. Sein eigentliches Problem war Angst. Stuart konnte das gar nicht begreifen. Er hatte doch bisher nie Panikattacken gehabt.
Bald darauf hatte er zwei Attacken pro Woche. Im März 2020 – nur drei Monate nach seinem schlimmen Erlebnis in Disneyland – lag Stuart fast nur noch im Bett, gelähmt von der Kampf-oder-Flucht-Reaktion seines Körpers. Physisch war er in so schlechter Verfassung, dass er noch nicht einmal an Videokonferenzen teilnehmen konnte (wie sie durch COVID-19 inzwischen üblich waren). Stuart tat, was er konnte. Er las Ratgeber, versuchte es mit Meditation und zwang sich sogar zum Sport, was ihn in seinem Zustand enorm anstrengte. Doch nichts half.
Vor dem Ausflug nach Disneyland war Stuart ein engagierter Jungunternehmer gewesen: 34 Jahre alt, hoch qualifiziert – ein hart arbeitender Geschäftsmann. Auf dem College hatte er Finanzwesen studiert, später an der Wall Street gearbeitet und 2015 sein zweites Unternehmen gegründet (das ein Paket von Anwendungen entwickelte, die Kleinunternehmen bei der Steigerung ihres Online-Absatzes unterstützen). Vier Jahre später hatte er zehn Mitarbeiter, ein Dutzend Apps und über 640 000 aktive tägliche Nutzer.
Er war nahezu auf ganzer Linie erfolgreich.
Wie so viele gute Unternehmer interessierte sich Stuart in seiner Firma für jedes Detail. Die meisten Aufgaben übernahm er selbst, denn »dann weiß ich, dass es auch richtig gemacht wird«. Außerdem verfügte er über die erforderlichen Fachkenntnisse. Auf dem College hatte er auch Buchhaltungskurse belegt, deshalb kannte er sich in der Materie aus. Er konnte auch programmieren, weshalb er die Arbeit der Softwareentwickler akribisch kontrollierte. Er buchte sogar seine Geschäftsreisen selbst und setzte alle Meetings selbst an.
Stuart hatte Schritt für Schritt ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Sein Intellekt und seine vorausgegangenen Erfahrungen schufen die Voraussetzungen für eine Firma, die genug Geld abwarf, um seine Familie zu versorgen, Arbeitsplätze zu schaffen und auf dem Markt Wert entstehen zu lassen. Trotz langer Arbeitstage und vieler Opfer war ihm das alles lohnenswert erschienen. Bis zu jenem Vorfall.
Mit 34 geriet sein Leben plötzlich ins Stocken. Sein Körper hatte ihm signalisiert: »Es reicht!« Nun schien das Wachstum seines Unternehmens in Gefahr. Alles, wofür er so hart gearbeitet hatte, hing offenbar von einem Gründer ab, der in der Auflösung begriffen war und kaum noch aus dem Bett kam.
Es war mir vergönnt, schon mit Hunderten faszinierenden Menschen zu arbeiten – meist Unternehmer, denen ihre Firmen sehr am Herzen lagen. Manchmal helfe ich ihnen dabei, ihr Verkaufspersonal zu skalieren, oder ich coache sie, damit sie die besten Bewerber finden oder ihre Marketingbudgets sinnvoller verwenden. Noch häufiger kommt es aber vor – und das macht mir besonderen Spaß –, dass ich Unternehmern helfe, herauszufinden, was sie all ihre Zeit und Kraft kostet. Sind wir diesen Faktoren gemeinsam auf die Spur gekommen, kann ich sie dabei unterstützen, sich zurückzuholen, was ihnen guttut und ihnen Gewinn bringt.
Doch als sich Stuart – der Gründer mehrerer Softwarefirmen – 2020 an mich wandte, interessierte er sich nicht für eine Wachstumsstrategie oder einen Marketingplan. Er wollte auch nicht wissen, wie er Zeit, Geld und Kraft sparen konnte.
Er suchte einen Weg, sein Leben zu retten.
Eine Studie der University of California, Berkeley ergab, dass Unternehmer nach eigenen Angaben mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit ein Leben lang unter Depressionen, ADHS, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch und bipolaren Störungen leiden.3
Wir Gründer gehen meist in bester Absicht an den Aufbau eines Unternehmens heran – wir wollen Lösungen bieten, den Markt revolutionieren oder mehr Zeit für Familie und Freunde haben. Wenn wir doch so viele Pläne für eine bessere Zukunft haben, warum kämpfen dann ausgerechnet wir mit einer Litanei physischer und psychischer Gesundheitsprobleme?
Die Antwort?
Ohne es zu merken, sitzen wir folgendem Trugschluss auf: Je mehr ich arbeite, desto produktiver ist mein Unternehmen. Auf den ersten Blick erscheint das plausibel. Wer hart arbeitet, bleibt an der Spitze. Dieser Gedanke führt uns in die Irre – aus diesem Grund lassen wir uns täuschen. Doch mit der Zeit kann eine so rigorose Arbeitsmoral Unternehmer zu der irrigen Ansicht verleiten, dass mehr Input automatisch mehr Output bedeutet.
Dabei kann ständige Betriebsamkeit gar nicht die Geheimzutat für unternehmerischen Erfolg sein, denn betriebsam ist auch ein Hamster in seinem Rad. Und ein buddelnder Hund ebenso. Ich kenne mehr als einen Unternehmer, der ständig herumrennt und unwichtige Kleinigkeiten erledigt, sich von Teammitgliedern unterbrechen lässt, E-Mails beantwortet – und dadurch den ganzen Tag beschäftigt ist, aber unter dem Strich nicht viel schafft.
Selbst effiziente Betriebsamkeit ist nicht die Antwort. Die meisten Unternehmer arbeiten äußerst effizient. Sie arbeiten eine Aufgabe nach der anderen ab, und das schneller als jeder andere. Sie führen Telefongespräche, versenden E-Mails, bringen Geschäfte zum Abschluss – kurz, sie sind echte Macher. Doch wer sich mit effizienter Betriebsamkeit den falschen Aufgaben widmet, der ist auf dem besten Weg, so zu enden wie Stuart.
Als ich Stuart kennenlernte, hatte er sich eingeredet, dass es zu viel Zeit, Kraft und Geld kostete, Mitarbeiter einzustellen und zu schulen. Er fand es einfacher, gleich alles selbst zu machen, und sah darin die effizienteste Methode, dafür zu sorgen, dass alles richtig gemacht wurde. Also machte er gleich alles selbst. Wieso auch nicht?
Stuart übernahm nicht nur Buchhaltung und Rechnungswesen, er leitete auch die technische Entwicklung, war oberster Projektmanager und Auftragsabwickler, Chef der Kundenbetreuung und außerdem noch sein eigener Personal Assistant.
Er hatte fraglos höchste Ansprüche an sich und eine irrsinnige Arbeitsmoral – eigentlich bewundernswert. Doch in einem durchschnittlichen Monat arbeitete er 70 Stunden die Woche, und wenn es darauf ankam, auch mal 100. Deshalb ereilte ihn auch ein paar Meter vor dem Dornröschenschloss die erste Panikattacke.
Und nun wusste er nicht, wie er wieder Herr seiner Zeit werden und diese den Dingen widmen konnte, die wirklich wichtig waren.
Hier das nur wenigen bekannte Geheimnis, wie Sie Ihr Unternehmen auf die nächste Stufe heben können: Widmen Sie Ihre Zeit nur solchen Aufgaben, (a) die Sie besonders gut erledigen können, (b) die Ihnen wirklich Spaß machen und (c) die die größte Wertschöpfung (gewöhnlich in Form von Umsatz) für Ihr Unternehmen bewirken. Vermutlich erfüllen zwei oder drei Aufgaben diese Kriterien. Jede andere Aufgabe, mit der Sie sich befassen, bremst Ihr Wachstum und saugt Ihnen die Lebensgeister aus. Deshalb sollten Sie sie aus Ihrem Terminkalender streichen.
Ganz recht – 95 Prozent Ihrer derzeitigen Arbeit sollten andere erledigen, damit Sie sich wieder ganz auf die Dinge konzentrieren können, auf die es wirklich ankommt.
Allan Dib, Autor von Der Marketingplan auf einer Seite, hat es so ausgedrückt:
Man kann immer mehr Geld bekommen, aber niemals mehr Zeit. Also muss man dafür sorgen, dass die Dinge, mit denen man seine Zeit verbringt, eine möglichst große Wirkung haben.4
Wenn Sie gerade alle Hände voll damit zu tun haben, E-Mails zu beantworten, Anrufe zu erledigen und kleine Feuer zu löschen, können Sie darüber vermutlich nur müde lachen. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Denken Sie mal kurz nicht darüber nach, ob das, was ich Ihnen erzähle, möglich ist. Überlegen Sie sich stattdessen, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie nur das täten, was Sie wirklich besser können als alle anderen – das, was Ihnen tatsächlich Freude bereitet und den Wert Ihres Unternehmens enorm steigert.
Vermutlich würden Sie erleichtert aufatmen. Sie könnten wieder klar denken und wären aller Wahrscheinlichkeit nach auch besser in Ihrer Rolle als Ehepartner, Elternteil und Freund. Ihre Mitarbeiter wären zufriedener, weil Sie ausgeruht zur Arbeit kämen und das Unternehmen auf größere, bessere und wirklich inspirierende Ziele ausrichten und ihnen allen erlauben würden, ihre eigenen beruflichen Fähigkeiten zu demonstrieren. Ein Beispiel dafür ist mein Freund Keith aus der Immobilienbranche.
Keith führte sein Maklerbüro mit großem Erfolg – keiner in seiner Gegend konnte so gut Häuser kaufen und verkaufen wie er. Sein Problem? Er verbrachte rund 20 Stunden die Woche am Telefon, auch zu Hause. Er löste dieses Problem schließlich, indem er auf Provisionsbasis (wie in diesem Kontext üblich) jemanden einstellte, der ihm diese Anrufe abnahm. Keiths Unternehmen wuchs, seine Frau war glücklicher und seine Hilfskraft freute sich über ihre Provision. Inzwischen nimmt Keith nur noch 10 bis 15 Prozent der wichtigsten Gespräche an. Die gewonnene Zeit widmet er wertsteigernden Tätigkeiten in seinem Unternehmen und seiner Familie.
Dann ist da noch mein Freund Martin – ein hervorragender Unternehmensberater, der sich von anderen Unternehmen anheuern lässt, um unter anderem deren gesamten Vertriebs- und Verkaufsprozess und ihre Marketingstrategien zu optimieren. Sein Problem? Er hatte jede Woche zehn Livecalls auf dem Programm stehen, jeweils einen vormittags und einen nachmittags, um Kunden dabei zu helfen, ihre wenig effektive Facebook-Werbung umzugestalten und zu optimieren. Das ging ihm nach einer gewissen Zeit entsetzlich auf die Nerven. »Ich beantworte jedes Mal dieselben Fragen – immer wieder.« Er fühlte sich ausgelaugt. Noch schlimmer war aber, dass es ihn von anderen Bereichen seines Unternehmens ablenkte. Doch Martin ist ein kreatives Genie – er tat sich letztlich mit jemandem zusammen, der diese Aufgabe kostenlos übernahm, als Gratisservice, um auf diese Weise mit potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen. Dadurch hat Martin gleich mehrere Stunden pro Woche gewonnen, die er künftig wichtigeren Komponenten seines Unternehmens widmen kann.
Wofür können Keith und Martin die frei gewordene Zeit verwenden? Für die Dinge, auf die es wirklich ankommt – im Unternehmen und im Leben. Indem sie nervige Aufgaben delegieren, setzen sie den einen Aktivposten frei, der tatsächlich unbezahlbar ist: Zeit. Diese Zeit sollte ausschließlich für die allerwichtigsten Aufgaben verwendet werden. In Wirklichkeit war Keith, Martin und Stuart klar, dass sie nur ein paar wenige Aspekte ihres Unternehmens wirklich gut beherrschten. Es kostet Kraft (und letztlich auch Geld), Zeit auf andere Dinge zu verwenden. Deshalb sollten Sie Ihr Geld unbedingt dafür verwenden, sich mehr Zeit zurückzukaufen. Genau darum geht es beim Rückkaufprinzip:
1.Wie der endlichste Aktivposten genutzt werden sollte, den Ihr Unternehmen besitzt: die Zeit seines Gründers.
2.Wie diese Zeit so investiert wird, dass der Gründer dadurch mehrKraft und Geld gewinnt.
Das Rückkaufprinzip bedeutet, dass Sie kontinuierlich alle verfügbaren Ressourcen nutzen sollten, um sich Ihre Zeit zurückzukaufen. Diese gewonnene Zeit sollten Sie dann mit Aktivitäten füllen, aus denen Sie Kraft ziehen und mit denen Sie mehr Geld verdienen. Die Betonung liegt dabei wohlgemerkt nicht bloß darauf, Leute einzustellen, sondern darauf, dabei zielgerichtet vorzugehen. Es geht um Reinvestition. Stuart hatte bereits Mitarbeiter, und trotzdem stand er so unter Stress, dass er dachte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen. Das Problem: Stuart hatte nicht gezielt Leute eingestellt, um sich seine Zeit zurückzukaufen.
Unter diesem Aspekt definiere ich das Konzept offiziell folgendermaßen:
Das Rückkaufprinzip: Stellen Sie keine Leute ein, um Ihr Unternehmen zu vergrößern, sondern, um sich Ihre Zeit zurückzukaufen.
Dieses Konzept ermöglicht Ihnen nicht nur größeren finanziellen Erfolg, als Sie es je für möglich gehalten hätten. Sie sind damit auch in der Lage, Ihr Leben so zu gestalten, wie Ihnen das vorschwebte, als Sie sich selbstständig machten.
Sie werden lernen, wie Sie sich mithilfe dieses Prinzips zusätzliche Zeit aus Ihrem Terminkalender zurückkaufen können, um sich darauf zu fokussieren, womit Sie Ihr Geld verdienen und wofür Sie brennen. Dadurch wird ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt: Ihr Unternehmen erwirtschaftet mehr Gewinn und Sie können sich mehr Zeit zurückkaufen. Das Ergebnis: Sie sind zufriedener, können Ihre Zeit zunehmend sinnvoller verwenden und kaufen sich Ihre Freiheit zurück.
Da Sie dafür bezahlt werden, zu tun, was Ihnen Spaß macht, haben Sie mehr Energie und verdienen mehr Geld. Diese Kraft und diese Finanzmittel können Sie dann in die Bereiche reinvestieren, in denen Sie brillieren. Und Ihr Unternehmen wächst. Wie Sie anhand dieses Buches herausfinden werden, können Sie weiter Leute einstellen, um solche zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen, die zwar erledigt werden müssen, aber nicht unbedingt von Ihnen – administrative Arbeiten, Auslieferungen an Kunden, Nachfassgespräche, ja sogar Verkauf und Vertrieb. Je mehr Arbeit anfällt, desto mehr Umsatz erzielt Ihr Unternehmen – und Sie können sich weiter auf das konzentrieren, was Sie besonders gern tun.
Das Rückkaufprinzip bedeutet, dass ein Unternehmer nur dann E-Mails checken sollte, wenn er das möchte.
Das Rückkaufprinzip bedeutet, dass Sie selbst nur wenige Aufgaben besonders gut erledigen und alle anderen bestenfalls mittelmäßig.
Das Rückkaufprinzip bedeutet: Wenn Sie Ihren Arbeitstag planen, sollten Sie sich der Aufgaben mit dem größten Wertpotenzial annehmen.
Ich kann verstehen, wenn Sie mir nicht glauben wollen. Das tun die wenigsten Unternehmer. Auch Stuart war zunächst skeptisch. Bis er es selbst ausprobiert hat.
Als Stuart das Rückkaufprinzip schließlich für sich entdeckt hatte und sich wieder auf die allerwichtigsten Dinge konzentrierte, veränderte sich sein Leben.
Während er noch die meiste Zeit über ans Bett gefesselt war und Tag für Tag um Atem rang, verschlang der arbeitswütige, auf Problemlösung fokussierte Unternehmensgründer in einer zweiwöchigen Videoorgie alles, was ich ihm an Material anzubieten hatte.* Zum ersten Mal erkannte Stuart, dass es Wahnsinn war, wie er sein Unternehmen führte. Noch wichtiger: Er sah für sich einen besseren Weg in die Zukunft.
Er begann sofort damit, seine Zeit akribisch zu erfassen, und stellte Erstaunliches fest. Er erzählte mir: »Ich habe eigentlich immer sehr darauf geachtet, womit ich meine Zeit verbringe. Aber als ich genau darüber Buch führte, merkte ich erst, was ich alles eigentlich gar nicht machen sollte.«
Neben der schockierenden Anzahl geringwertiger Aufgaben, die ihm seine Zeit stahlen, verbrachte er viele Stunden damit, technische Aufgaben zu analysieren, zu managen und zu erledigen. Als er seinen Rückkaufsatz errechnete (was Sie im nächsten Kapitel noch lernen), war er fassungslos: Die Diskrepanz zwischen dem Wert seiner Arbeitsstunde (100 Dollar) und dem Stundenwert der Aufgaben, denen er seine Zeit widmete (10 Dollar), war gewaltig. Im Grund kostete er sein Unternehmen über den größten Teil seines Arbeitstags 90 Dollar pro Stunde.
Und ruinierte dabei auch noch seine Gesundheit.
Stuart erstellte eine Liste der Aufgaben, die er als Erstes abgeben würde (wie das geht, zeige ich Ihnen im fünften Kapitel anhand der Replacement-Leiter). Im Anschluss filmte er sich einen Monat lang mit einer Videokamera bei allen Aufgaben, die er auf seine beiden neuen Mitarbeiter übertragen wollte (ein Trick, den ich als Camcorder-Methode bezeichne und der im siebten Kapitel noch näher erläutert wird).
Stuart lernte, was er delegieren und was er selbst erledigen musste, wem er die Aufgaben übertragen konnte und wie das alles gesteuert werden musste. Er begriff: Sein Ziel war nicht, seine Firma produktivitätsorientiert zu managen, sondern so, dass er mit seiner Energie und seinen Emotionen gut haushalten und seinen Produktionsquadranten (zweites Kapitel) maximieren konnte, um seiner Organisation gute Ergebnisse zu bescheren und dabei die Begeisterung für seine Arbeit zu bewahren. Innerhalb von zwei Monaten hatte sich Stuart über 30 Stunden pro Woche freigeschaufelt. Statt elf arbeitete er nur mehr sechs Stunden pro Tag und konnte ein engagierter Vater und ein besserer Ehemann sein. Er fand sogar Zeit, um wieder seinen Hobbys nachzugehen, und machte seinen blauen Gürtel im Jiu-Jitsu.
Am Ende verdreifachte sich der Umsatz seines Unternehmens, er verdiente doppelt so viel und seine Panikattacken waren wie weggeblasen – und das alles in nicht einmal einem Jahr.
»Ich bedauere nur eines – dass ich nicht eher auf dich gestoßen bin«, erklärte mir Stuart.
Stuarts Geschichte vermittelt perfekt, was damit gemeint ist, sich die eigene Zeit zurückzukaufen: Unternehmer sollten ihre Ressourcen nutzen, um sich mehr Zeit zu erkaufen. Diese gewonnene Zeit sollte ganz und gar auf solche Aufgaben verwendet werden, die sie besonders gut beherrschen, die ihnen Spaß machen und die besonders viel Wertschöpfung herbeiführen. Wenn Stuart heute darüber nachdenkt, einen neuen Mitarbeiter einzustellen, richtet er sich dabei nach dem Rückkaufprinzip:
Stellen Sie keine Leute ein, um Ihr Unternehmen zu vergrößern, sondern, um sich Ihre Zeit zurückzukaufen.
Zugegeben, Stuarts Geschichte ist ein Extremfall. Doch der Weg, der ihn bis zum Zusammenbruch geführt hatte, ist einer, auf dem die meisten Unternehmer viel zu oft unterwegs sind.
Unternehmenschefs, die immer noch glauben, dass sie die gesamte Last alleine schultern müssten – vor allem die geringwertigen Aufgaben, die ihnen so lästig sind –, kommen früher oder später an denselben Punkt wie Stuart. Sie machen weiter, bis irgendetwas zusammenbricht – ihre Gesundheit, ihre Moral, ihre Familie oder schlicht ihr Alltag. Während ich an diesem Buch arbeitete, wandten sich drei meiner Coaching-Klienten an mich, weil sie stressbedingt unter Gürtelrose oder klinisch noch unauffälligen Nebennierenproblemen litten.
Manche Gründer, die in diese Tretmühle geraten, gehen gegen den Alltagsstress mit selbst verordneten Mitteln vor – manche davon scheinbar harmlos, andere eindeutig suchterzeugend. Als Unternehmer wissen Sie sicher, wovon ich spreche – vielleicht essen Sie zu viel, zocken bis in die frühen Morgenstunden oder lassen sich vom Fernseher zudröhnen. Sind Sie schon länger dabei und leiden seit Jahrzehnten unter Stress, versuchen Sie womöglich inzwischen mit gefährlicheren Methoden, den Kopf freizukriegen von den täglichen Belastungen, die Ihnen keine Ruhe lassen.*
Unternehmer, die nicht lernen, wie sie sich Ihre Zeit zurückerobern und ihre Kräfte neu fokussieren können, fühlen sich immer unfreier, wenn ihr Unternehmen wächst, bis sie irgendwann das erreichen, was ich als ihre Schmerzgrenze bezeichne.
Die Schmerzgrenze ist der Punkt, ab dem Wachstum unmöglich wird. Für Stuart war das der Urlaub in Disneyland. Davor war er noch ein gewissenhafter Unternehmer mit einem durchgetakteten Arbeitstag. Nach dem Urlaub ließ ihn sein Körper im Stich.
Er erreichte seine Schmerzgrenze auf physischer Ebene.
Die meisten Unternehmer erreichen ihre Schmerzgrenze, wenn sie ungefähr zwölf direkt unterstellte Mitarbeiter und einen Umsatz von etwas über einer Million Dollar verantworten. Bis zu diesem Punkt wurde ihr Unternehmen von ihrer hohen Arbeitsmoral getragen. Doch selbst wenn sie schon Mitarbeiter beschäftigen, kriegen sie trotzdem noch den gesamten Stress ab. »Ohne mich geht hier gar nichts« – so denken sie.
Diese fleißgeprägte »Niemand kann das so gut wie ich«-Mentalität funktioniert. Zumindest eine Zeitlang. Bis zu einem gewissen Punkt können Sie damit für Wachstum sorgen. Doch die E-Mails, die To-do-Listen, die Bagatellaufgaben, die Sie so ungern erledigen, rauben Ihnen irgendwann Ihre letzte Kraft. Dann laufen Sie vor eine Wand des Schmerzes. Sie merken: Je mehr Wachstum Sie verzeichnen, desto schwerer wird es. Ihr Terminkalender quillt über, und die Last der Verantwortung wird immer größer. Sie denken nur noch an die Arbeit, und bald graut Ihnen davor.
Nach meinen Erfahrungen aus dem Coaching und der Unterweisung Tausender von Unternehmern aus verschiedenen Organisationen (und mit meiner eigenen Schmerzgrenze) kann ich Ihnen so viel sagen: Kein Unternehmen kann in den Schmerz hinein Wachstum erzielen.
Ein Unternehmer wird sein Unternehmen eher ruinieren, als zuzulassen, dass der Schmerz noch größer wird. Das passiert womöglich unbewusst und schleichend – in gerade so hohen Dosen, dass der mit dem Wachstum verbundene Schmerz wieder auf ein erträgliches Maß reduziert wird.
Wenn Sie Ihre persönliche Schmerzgrenze erreichen – wenn also der Schmerz zu groß wird, weil sie täglich an Aufgaben und Projekten arbeiten, die Sie eigentlich nur noch hassen –, dann verändern Sie entweder etwas (indem Sie sich neue Überzeugungen, Systeme und Taktiken aneignen), oder das Wachstum kommt zum Erliegen. Das kann entweder durch einen Notfall herbeigeführt werden (wie bei Stuart) oder, die wahrscheinlichere Variante, durch einen unbewussten Wachstumsstopp, indem Sie eine der drei folgenden Maßnahmen ergreifen:
1 | SIE VERKAUFEN
Wird der Schmerz für einen Unternehmer zu groß, will er oft nur noch aussteigen – um jeden Preis. Dann trifft er die Entscheidung, sein Unternehmen zu veräußern.
2020 meldete sich beispielsweise ein Unternehmerpaar bei mir, deren Unternehmen so groß geworden war, dass es 6 Millionen Dollar im Jahr umsetzte. Das Geschäft lief ausgesprochen gut, doch die beiden hatten nie gelernt, nach dem Rückkaufprinzip zu arbeiten. Nach zehn Jahren hatten sie gesundheitliche Probleme, kaum noch Freunde und aus ihrer Ehe war eine Wohngemeinschaft geworden. Die beiden hatten genug davon und baten mich um Hilfe beim Verkauf ihres Unternehmens. Ich erklärte ihnen, wie sie es anstellen könnten, sich ihre Zeit zurückzukaufen und sich ihr Leben zurückzuholen. Doch ich kam zu spät. Sie hatten ihre Leidenschaft bereits verloren – für ihr Unternehmen ebenso wie füreinander.
