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Natasha Kimberlys Videos in ihrem #nobeautychannel bei YouTube haben mehr als 1 Million Klicks, bei Instagram folgen ihr 400 000 Menschen – sie ist also eine Influencerin. Und doch ist sie anders. Im Gegensatz zu ihren stets topgestylten Kolleginnen dreht sich bei ihr nicht alles um Haare, Make-up und Klamotten, sondern um den Mut, man selbst zu sein. Mit diesem Buch setzt sie ein Statement gegen Fakes und dafür, sich nicht zu verstellen, um künstlichen Idealen gerecht zu werden. Erfrischend positiv gibt sie dabei nicht nur jede Menge freche Tipps, sondern auch zahlreiche Einblicke in ihr eigenes Leben. Ein Buch für alle jungen Menschen, die nicht perfekt, sondern authentisch sein wollen.
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Seitenzahl: 242
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Natasha Kimberly
Natasha Kimberly
Wie du in einer Welt voller Fake und Filter du selbst bleibst
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
Originalausgabe
1. Auflage 2020
© 2020 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Redaktion: Dr. Sybille Beck
Umschlaggestaltung und Layout: Manuela Amode
Umschlagabbildung: © Burak Cayci; shutterstock.com/Miloje
Satz: Röser MEDIA, Karlsruhe
Druck: CPI books GmbH, Leck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-7423-1116-0
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0762-7
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0763-4
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
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Vorwort
#ich
Meine Kindheit
Meine Schulzeit
Meine Nebenjobs
Mein Weg zum Fernsehen
#nobeautychannel
Ich schaue ein Schminktutorial
#bockwurst
Positive vs. perfekte Inhalte
Die (für mich) schlimmsten Insta-Fails
1. Gestellte Liebesfotos
2. Gestellte Momentaufnahmen
3. Frühstück-im-Bett-Fotos
4. Zu krass bearbeitete Fotos
5. Die Hand
#notperfect
Was an mir nicht perfekt ist
#dasproblem
#unfollow
Liebe dich selbst, aber mach ’nen Filter drüber
Folge nur dem guten Gefühl
#confidence
Meine Familie
Tipp 1: Aufräumen (nicht dein Zimmer, sondern dein Umfeld)
Umgib dich mit Menschen, die dir guttun
Tipp 2: Finde eine Arbeit, die dich glücklich macht
Tipp 3: Sei frei und selbstständig
Tipp 4: Sei gesund
#freunde
Fake Friends
#selflove
»Fake it till you make it«
Führe eine »Erfolgsliste«
Cheer you up!
Gib auch mal Kontra
Vergleiche dich nicht immer mit anderen
Achte auf die schönen Dinge im Leben
Distanziere dich von Negativität
Sei positiv
Was du nicht ändern kannst, nimm hin
Me First – du hast Priorität
#hatersgonnahate
Lektion 1: Identifiziere diese Klabusterbären
Lektion 2: So schützt du dich vor Hass und Mobbing
Lektion 3: Be Love
#konter
Wenn jemand schlecht über dein Aussehen spricht
Wenn jemand deine Art beleidigt
Dumme Anmachsprüche und wie du die Dünnpfiffgurgler schnell wieder loswirst
#badvibes
#frauen
Was wir Frauen wirklich meinen
Warum ich gerne eine Frau bin
Multitasking
Stärke und Schwäche
Optik
Menstruation
Emotionsquotient
#frauenhassenfrauen
Sechs Gründe, wieso Bratzen Frauen hassen
#girlboss
Was zur Hölle ist ein Girl Boss denn überhaupt?
Gewohnheiten eines Girl Bosses
Kümmere dich um dich selbst
Struktur
Kommuniziere deutlich und klar
Bewegung (ja, ich weiß, ich kotze auch)
Leg den digitalen Scheiß mal weg
Bilde dich weiter
Sei kein Egoschwein
Sei mit Menschen zusammen, die das gleiche Ziel verfolgen wie du
Aufräumen, und zwar deine Bude, du Messi
Akzeptiere Fehler
#reallife
#foodlove #bodyshaming
Ich liebe Essen
Body Shaming
Ich und Sport
Vitamine für ein gutes Körpergefühl
#liebe
#quotes
Sprüche, die ich gegen Hater verwendet habe
Sprüche für Singles
So wirst du einen Mann schnell los
Sprüche bei Liebeskummer
Über uns Frauen
Figur und Essen
#reisen
Holland
Thailand
Malediven
Italien: Tropea – Rom – Venedig
Griechenland
Mexiko
Dominikanische Republik
Frankreich – Korsika
Niederländische Antillen – Curaçao
USA: Miami – Bahamas
#famous
#fazit
Wie fange ich das hier denn jetzt an? Ich sitze im Zug, während ich immer wieder zu mir selbst sage: »Alte, du hast Journalismus studiert, du bist klug, wortgewandt und eloquent, auch wenn die meisten von dir denken, du kannst nur primitive Witze auf YouTube reißen.«
Nehmt dies, ihr Penner!
Okay ... warte. Gang zurück. Das hier wird kein pseudo-deeper Scheiß, der euer Leben verändern wird. Wer das erwartet, sollte genau jetzt dieses Buch schließen, verbrennen und in dem Feuer ein Steak braten. Ich wäre cool damit, allein schon deshalb, weil du das Buch eh schon gekauft hast! Höhö.
Was das hier ist, bewertest du am besten für dich selbst. Was es dir bringt, ist individuell. Mir bringt es hoffentlich Reichtum, Fans und einen Friedensnobelpreis. Ironie off.
Aber ja, ich freue mich auf den Moment, in dem ich selbstgefällig sagen kann: »Schlagen Sie das doch bitte einfach in meinem Werk Keep it real nach.«
Warum ich das hier mache, ist einfach. Ich leide an einem nicht zu befriedigenden Geltungsdrang. Aufmerksamkeit ist geil. Alles, was ich brauche, ist Bestätigung von Fremden, und ich habe keinen Bock und bin zu faul für einen richtigen Job.
Ich hoffe, ich konnte damit kompakt alle Klischees eines sogenannten INFLUENCERS, der ich aus Versehen geworden bin, bedienen. You’re welcome.
Tatsächlich verhält es sich aber etwas anders. Ich bin reingerutscht in diese Rolle, sie wurde mir aufgedrückt, ich bin unabsichtlich dazu geworden.
Wie das alles passiert ist, sollst du auf den folgenden Seiten erfahren. Ich möchte dir erzählen, warum es manchmal gar nicht so einfach ist, in dieser komischen Welt namens Social Media zu überleben.
Ich mach den Spaß jetzt schon eine Weile und freu mich riesig, meine Eindrücke mit dir zu teilen. Ach, und ganz nebenbei erfährst du noch ein bisschen was über mich, wieso ich bin, wie ich bin, und wie du selbst vielleicht zum coolsten Mo therf***er in deiner Hood wirst. Denn das ist doch alles, was du willst ... ich weiß es.
Nee, Spaß! Jetzt mal im Ernst: Ich freu mich, dass du jetzt anfängst zu lesen.
Wunder dich nicht, ich mach das hier in meinem Style. Die Kapitel sollen kurz sein. Wie meine Videos. Das Internet hat uns dazu erzogen, die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege zu haben. Also keine. Deswegen halte ich es knackig. Und das sage ich nicht, weil mir am Ende die Ideen ausgingen. Oder vielleicht doch? You will never know …
Ich habe mich oft gefragt: Wieso bin ich auf dieser Welt? Was ist meine Aufgabe, meine Bestimmung? Ich weiß, das klingt total groß, aber ich denke, jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wieso er hier ist und was er mit seinem Leben anfangen will. Ich glaube daran, dass der Zweck, wieso wir hier sind, Hand in Hand mit unserer Leidenschaft geht.
Essen ist zum Beispiel eine meiner Leidenschaften. Ja, ich frage mich auch jeden Tag, wieso ich kein Restauranttester geworden bin. Aber zum Glück konnte ich auf der bis jetzt noch recht kurzen Reise meines Lebens noch andere Leidenschaften entwickeln. Ganz grob gesagt möchte ich Stärke, Liebe und Freude weitergeben. Ich möchte Dinge bewegen, und zwar im Menschen selbst.
Es ist eine Reise, und ich nehme dich gern mit. Und keine Angst, ich habe Snacks dabei.
Also. Let’s go.
»Geil, jetzt fängt die Alte direkt an, über sich selbst zu reden.«
Aber das wird keine Lobeshymne auf mein Selbst, sondern ich will dir einfach erzählen, wer ich bin. Wenn du mich aus dem Internet kennst, hast du bereits ein Bild von mir. So funktioniert der Scheiß. Ich schmeiß was in den bunten Social-Media-Pott, und du formst dir daraus meinen Charakter zusammen. Ich habe euch gefragt, wie ihr mein Wesen beschreiben würdet. Die breite Masse verpasst mir folgende Adjektive:
»VERFRESSEN« »ANSTRENGEND« »LUSTIG« »DIE DISS-QUEEN«
Alles Stempel, die mir unfreiwillig aufgedrückt wurden. Natürlich habe ich Einfluss darauf, indem ich entscheide, was und vor allem wie ich mich im Social-Media-Bereich präsentiere. Aber bin ich das wirklich? Oder ist das nur mein Onlineavatar? SURPRISE!
Ich bin verfressen ... und wie! Ernsthaft, ich esse, während ich das hier schreibe. Ich verstehe, wieso man mich als anstrengend beschreibt, aber ich muss euch enttäuschen. Das bin ich nicht. Wäre ich immer so aufgekratzt wie in meinen Videos, wäre ich eine Riesenbelastung für mich und meine Umwelt. Aber sei sicher, ich habe sie, die Balance zwischen aufgedreht und tiefenentspannt.
Geboren am 15.09.1991 (save the date and kauf mir Geschenke) in Mönchengladbach, erblickte ich rot wie ein Affenarsch das Licht der Welt. So weit, so gut.
Groß geworden bin ich in einem kleinen, beschaulichen, nach Kuhmist riechenden Dörfli. Süchteln! Da gibt’s übrigens auch eine Irrenanstalt ... Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein Vollmilchschoko-Kind mit aschblonden Haaren (ja, sie sind echt von Natur aus so hell), wurde ich in eine Welt gesetzt, in der es nicht sooo viele andere Schoko-Kinder gab. Ich habe früh gelernt, dass ich besonders aussehe oder eben ANDERS als die anderen. Ich glaube, deswegen war ich ein eher schüchternes Kind. Ich fühlte mich wohler bei Erwachsenen oder tatsächlich ganz alleine. Ach ja, dazu kam auch noch, dass ich, bis ich 12 war, auf einem Auge schielte. Sprüche wie: »Warum guckst du mich nicht an?« oder: »Deine Haare stehen so komisch ab!« oder: »Wieso bist du so braun?« gehörten schon zu meinem Alltag. Ich wusste, dass ich nicht aussah wie jeder, und ich wusste nicht, mit wem ich mich identifizieren sollte. Im Laufe meiner Pubertät wurde dieses Thema immer wichtiger für mich.
Zu wem gehöre ich? Ich bin ein mixed child. Ein Kind, das zwei unterschiedliche Ethnien in sich trägt. Das ist was Wundervolles, wie ich finde. Aber in meiner Entwicklung kam es immer wieder zu kleinen Identitätskrisen. Ganz platt gesagt: Wenn ich zu Menschen sage, ich sei auch weiß, sagen sie immer: DU BIST NICHT WEISS. Wenn ich zu Schwarzen sage: ICH BIN SCHWARZ, sagen sie mir, das sei ich nicht und ich könne nicht verstehen, was es hieße, wirklich schwarz zu sein.
Ich verstehe die Komplexität dieses Themas und kann hier nur über meine eigenen Emotionen schreiben. Und genau diese waren oft verwirrt, weil ich mich gerne mit weißen und schwarzen Menschen identifizieren wollte, beide Gruppen mir aber immer signalisierten, ich passe irgendwie nicht ganz rein. Ich fing an, mir die Haare chemisch zu glätten und dunkel zu färben. Mama war entsetzt, alle anderen fanden mich plötzlich nicht mehr so außergewöhnlich. Es sind sogar mehrfach Leute auf mich zugekommen und haben gefragt (haltet euch fest): »Bist du auf der Sonnenbank eingeschlafen?!« Sie erkannten nicht mehr, dass ich halb schwarz war. Und das war gar nicht cool, denn meine schwarze Seite sollte auf keinen Fall verleugnet werden. Trotzdem habe ich mich in den ersten Jahren meines Teenagerdaseins lieber angepasst.
Ich ging zur Schule und war auch, bis ich aufs Gymnasium kam, überdurchschnittlich gut. Aber dann ... kam es auf mich zu, das Unheil. Namens MATHEMATIK. Können wir kurz darüber reden, was MATHEMATIK für ein Arschloch ist? Für mich ist Mathematik eine DRAMA QUEEN. Es kann nicht wahr sein, dass jemand ernsthaft so viele Probleme hat, die es zu lösen gibt. Leute, ich habe aufgehört, Mathe zu verstehen, als das Alphabet beschlossen hat mitzumischen.
C I A O.
Ich war das Kind, das glücklich darüber war, dass es mit seinem Taschenrechner »ESEL« schreiben konnte. Ich war das Kind, zu dem der Lehrer sagte: »Natasha, wieso zeigst du auf? Musst du schon wieder auf die Toilette oder weißt du echt die Lösung?« Surprise. Ich wusste sie nie, die Lösung. Aber ich wusste, wie ich diese unfassbare Grauenhaftigkeit mal x hoch leck mich am Arsch überstehen konnte: Nix Toilette. Ich stolzierte in die Schulcafeteria und holte mir mein geliebtes Tunfischbaguette. Essen macht einfach alles wieder gut.
Na ja, außer deiner Note in Mathe. 5.
Damit stand für mich also schon mal fest: Für eine Karriere als Naturwissenschaftler reicht‘s nicht. Und wenn wir ganz ehrlich sind, reicht es noch nicht mal für die Kasse im Supermarkt oder für eine Kellnerin. Ich glaub ja, im Zwischenmenschlichen wäre ich echt gut, aber sobald eine Truppe mit 12 Leuten am Tisch sitzen und sagen würde: »Wir bezahlen getrennt«, würde ich heulend den Laden verlassen.
Darum musste ich auch irgendwie schauen, wie ich mir ein paar Euro während meiner Schulzeit dazuverdienen konnte. Alle meine Freunde waren natürlich Kellner und megahappy damit, naaa toll. So wie sich mein Leben jetzt entwickelt hat, ist es noch lustiger, wo ich letztendlich gelandet bin. IN EINEM FITNESSSTUDIO.
Ich weiß, das muss man erst mal sacken lassen. Ich, die sporthassende Bewegungslegasthenikerin, stand also hinter dem Tresen eines kleinen Fitnessstudios. Ich musste diese widerwärtigen Shakes mixen, Proteinriegel verkaufen und mich ganz nebenbei von so Testoprolos angraben lassen. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.
Brenzlig wurde mein Job, als mich so ein Hampelmann so dumm angemacht hat, dass ich gefragt habe, ob von den Anabolika, die er sich spritzt, eigentlich neben seinem Penis auch sein Hirn kleiner wird. Ich bin vielleicht nicht sportlich, aber zuschlagen kann ich ... mit Worten. Das ist wohl nur nicht immer so gut im Kundenservice, habe ich gelernt. Der Kunde ist König, heißt es ja so schön. Hey, aber sorry, wenn der Kunde ein aufmüpfiger Intelligenzverweigerer ist, reicht‘s mir. Dieser Kunde ist kackig, nicht König.
Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass ich diesen Job nicht sonderlich lang gemacht hab, ne? Mein Taschengeld hat‘s für einen Moment aufgebessert, und ich musste auch gar nicht rechnen. Yeahhh.
Am Ende meiner Schullaufbahn brach mir aber genau dieses RECHNEN das Genick. Ich ging nach der 12. Klasse vom Gymnasium ab, weil ich sonst sitzen geblieben wäre. Mir diese Blöße zu geben war keine Option, also bastelte ich innerhalb von ein paar Stunden einen neuen Schlachtplan für mein Leben, von dem ich meine ziemlich stinkige Mutter überzeugen musste.
Kennt ihr das? Wenn Mamas sauer werden ... ins Zimmer kommen, rumschreien, die Tür knallen und wiederkommen, wenn ihnen noch was einfällt, um dich fertigzumachen? Ich glaube, meine Mama hat diese, ich nenn es mal liebevoll »Sportart« erfunden. Eieiei, war sie böse auf mich, als ich ihr mitteilte, dass ich sitzen bleibe, aber nicht vorhabe, das Jahr zu wiederholen.
Ich bin die Art Mensch, ich komme gern mit Lösungen, außer halt in Mathe. Der Wunsch, beim TV zu arbeiten, war schon immer da. Ich weiß nicht genau, wo die Liebe zum TV herkommt, aber solang ich denken kann, fühlte ich mich zu Berufen hingezogen, die in den Entertainment/Infotainment-Bereich fallen.
Ich war wirklich schon immer schüchtern, aber ich habe es mir nie nehmen lassen, auf einer Bühne zu stehen.
Meine erste Rolle spielte ich im Urlaub mit meinen Großeltern. Ich war der Star eines im Hotel aufgeführten Theaterstücks. Cinderella. Okay, ich war nicht ganz der Star und vielleicht auch nur das kleine Vöglein, das Cinderella beim Anziehen half, aber ich habe es wirklich mit Überzeugung und Inbrunst gespielt.
Es folgten Auftritte, bei denen ich wie bei der Mini Playback Show zu Songs wie »Weil ich ein Mädchen bin« performte. »Keine Widerrede, Mann, weil ich ja sowieso gewinn, weil ich ein Mädchen bin, weil ich ein Mädchen bin.«
Und noch so ein paar megadumme Sachen habe ich gemacht, als ich jung war, die doch irgendwie zu meinem jetzigen Lebensmodell passen. Ich habe es geliebt, Fotos zu machen. Nicht von anderen, sondern von mir selbst. (Ich muss so über mich selbst lachen gerade, ich war alles, was ich heute an Menschen verabscheue.)
Kennt ihr noch Flickr? Das war früher so was wie Instagram. Man lud dort seine Fotos hoch und bekam Kommentare. Ich hatte auch dort eine ordentliche Reichweite.
Gespickt war mein Profil mit komischen »Von oben«-Selfies und professionellen Fotos. Ich war nämlich auf so einer Schäbbokartei angemeldet, wo Hobbyfotografen mit Hobbymodels zusammenkamen, um umsonst gemeinsam Fotos zu machen.
Sorry, du Model. Rückblickend würde ich mir gerne eine reinhauen. Manche Bilder sind echt fresh geworden, aber unter den netten Hobbyfotografen waren halt auch mal komische Hobbycreeps: »Zieh doch mal dein Oberteil aus, das sieht cooler aus.« Als ich solch eine Erfahrung machte, war‘s dann vorbei mit dem »Modeln«. Denn darauf hatte ich gar keinen Bock.
Wie auch immer. Das alles waren aber definitiv Hinweise darauf, wo meine Zukunft hingehen könnte. Schüchtern, aber extrovertiert, aber schüchtern. Komischer Mix.
Während meiner Schulzeit fand ich den Job des Moderators immer am allercoolsten. Und darauf habe ich mich dann auch besonnen, als es hieß: WAS WILLST DU JETZT MIT DEINEM LEBEN MACHEN?
Also fand ich einen Praktikumsplatz bei einem kleinen TV-Sender, der dazu führen sollte, dass ich meinen Fachhochschulabschluss bekommen konnte, um anschließend zu studieren. Ohne noch mal zur Schule zu gehen, wollte ich weitermachen. Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern ihrem Kind diese Chance verwehrt hätten, eben weil das System anders funktioniert, weil wir zu oft auf Pfaden gehen, die schon vor uns jemand gegangen ist, und wir uns so sicher fühlen.
Aber meine Mum hat mir die Chance eingeräumt, das zu tun, was ich möchte. Und ich wäre jetzt nicht an diesem Punkt in meinem Leben, wenn dieser Moment anders gelaufen wäre. Das einjährige Praktikum beim Mönchengladbacher Stadtfernsehen hat alle Grundsteine für meine Karriere gelegt. Ich habe gelernt, zu schneiden, zu texten, zu drehen. Ich stand das erste Mal vor einer Kamera. Ich habe dort über mich gelernt, dass ich genau das tun will: Inhalte produzieren.
Zu Beginn habe ich dort noch ganz entspannt die Wettertexte geschrieben. Aber ich wollte mehr, und so bekam ich immer größere Verantwortung vom Sender. Meine ersten eigenen Beiträge entstanden, und ich hätte nicht stolzer sein können. Ich weiß noch genau, wie beflügelt ich mich gefühlt habe, wenn ich mit meiner Kamera rausgeschickt wurde, um selbst zu drehen und Interviews einzuholen.
Relativ schnell durfte ich auch meine eigenen Formate entwickeln. Das erste war ein Clubcheck. Ich bin durchs Nachtleben geflattert und hab die Mönchengladbacher Nachtszene unter die Lupe genommen. Ob es toll war, von Besoffenen während einer Anmoderation angepöbelt zu werden? Ob es toll war, Angst davor zu haben, dass dein Interviewpartner dir gleich auf den Schoß kotzt? Ich denke nicht. Aber erfüllend war es, denn es war mein erstes eigenes Baby. Ich hatte echt Blut geleckt. Vor allem habe ich meinen Kram auch selbst geschnitten, was mir fast noch mehr Spaß gemacht hat, als ihn zu drehen. Neben dem Video, das dann tatsächlich verwendet wurde, habe ich regelmäßig meine Outtakes gesammelt, um sie auf meinen privaten Facebook-Account hochzuladen, denn irgendwie waren die Patzer immer noch viel witziger als meine Berichte. Und meinen Freunden gefiel es total. Ich glaube heute, dass auch das eine Ankündigung war, wo mein Leben dann hingehen sollte ... Videos mit Witz.
Im Anschluss an diese unglaublich lehrreiche Zeit wollte ich meine Skills vertiefen, indem ich Journalismus und Unternehmenskommunikation studierte. Zeitgleich habe ich angefangen, bei anderen TV-Sendern und Produktionsfirmen zu arbeiten. Alles immer noch mit glatten Haaren, wohlgemerkt. Mittlerweile war ich aber zu meiner Naturfarbe Blond zurückgekehrt.
Ich habe zum Beispiel in einer Nachrichtenredaktion gearbeitet. Was für mich rückblickend echt nicht so das Wahre war. Beim TV ist es nicht immer so schillernd und lustig, wie man es sich vorstellt. Man kommt in Berührung mit sehr viel Stress, Zeitdruck und generell komischen Gefühlen. Zumindest war meine Erfahrung so.
Ich hatte megatolle Kollegen, musste mich aber auch mit Chefs mit cholerischen Anfällen auseinandersetzen und ging meist mit negativen Gefühlen nach Hause. Während meiner Zeit bei den Nachrichten habe ich mich mehrfach gefragt, ob es das ist, was ich will.
Sie trainieren ihre Redakteure zu Sensationsgeiern, die sich an Leid und schlechten Ereignissen ergötzen, um ja als Erste die schlimmste Nachricht des Tages rauszuhauen.
Man stumpft ab, und die News werden nur noch zum Instrument. Oft kam ich nach Hause und hab geweint. Ich bin sausensibel, solltest du wissen. Einmal hat mein Chef mich vorm ganzen Büro gefragt: »Bist du dumm? Wieso bist du überhaupt hier?« Einfach nur weil ihm nicht gefallen hatte, wie ich meinen Bericht getextet habe. Solch ein Ton war zumindest unter diesem CvD (Chef vom Dienst) Programm. Ich war Praktikantin, und das hat mich echt hart getroffen. Ich erinnere mich genau daran, wie ich heulend, mit zitternder Stimme in der Vertonungskabine stand. Echt nicht cool. Das Geilste war, am Ende des Tages sagte der gleiche CvD zu meinem zuvor getadelten Filmchen: »Dein Beitrag war richtig gut.« Wow. Wo bin ich hier? »Natürlich ist mein Beitrag gut, und du bist ein Arschloch!«, hätte ich am liebsten gesagt.
Ich habe mich dort den ganzen Tag damit beschäftigt, was Schlechtes in der Welt passiert, nur ein Bruchteil der Berichte war positiv, und das hat mich fertiggemacht. Als sie mich nach meinem Studium übernehmen wollten, habe ich abgelehnt. Ich wollte zwar immer noch beim Fernsehen arbeiten, aber ich wollte Geschichten erzählen, die inspirieren, froh machen oder unterhalten.
Ein bisschen Abstand dazu bekam ich in meinem zweiten Nebenjob. Ich war Kabelträger bei den Öffentlich-Rechtlichen. Zu schade war ich mir für nichts, wenn es mich denn noch tiefer in die TV-Welt eintauchen ließ. An meinem ersten Tag kam ich dort an und sah den Studioassistenten, der mit Headset und Stoppuhr ganz cool die Livesendungen regelte, und sagte zu meiner damaligen Chefin: »Wenn ich groß bin, will ich das werden.« Es hat nur ein paar Monate gedauert, da hatte ich den Job. Ich koordinierte kleine Livesendungen, Liveschaltungen, sagte die Zeiten an, schmiss, wenn es sein musste, mit den Moderatoren die Sendungen um, und koordinierte die Kommunikation zwischen Regie und Studio.
Klingt viel aufwendiger, als es eigentlich war. Ich fand’s einfach mega, die ganze Zeit zu schreien: »NOCH 10 SEKUNDEN BIS ZUR SENDUNG, NOCH 5 ... und ACHTUNG!«
Ganz kleiner Sidekick: Genau in diesem Job lernte ich meinen Freund kennen. Er kam als Kabelhilfe, und ich habe ihn angelernt. Hihi.
In dieser ganzen Studien- und Arbeitszeit wurde übrigens mein YouTube-Kanal geboren. So ganz nebenbei. Er hieß am Anfang noch »ExpressHerself«. Nee, hat keine deepe Bedeutung, ich fand damals den Song »Express Yourself« von N.W.A total geil, und »Expressyourself« war leider schon vergeben. Kreativ sein kann ich.
Warum das Ganze? Schon seit ich denken kann, hieß es in meinem Freundeskreis: »Tashi, du musst die Geschichte erzählen.« Ich liebe es, Erlebtes zu reflektieren und überspitzt wiederzugeben. Ich steh auf Überinterpretation und ich liebe Spannungsbögen. Ich schien also ein Talent dafür zu haben, Storys, die ich mit meinen Freunden erlebt habe, besonders witzig rüberzubringen. Es besteht zwar eine kleine Chance, dass sie mich nur ausgelacht haben, aber ich glaube ja an das Gute im Menschen. Alles hat quasi danach geschrien, YouTube zu machen. Denn offensichtlich hatte ich auch etwas zu sagen.
Zu Beginn drehte ich Videos wie »Was die Schminke bei Frauen bedeutet« oder »Wann Frauen wie Schlampen wirken«. Es hat sich sogar ein Beitrag zum Thema »Wie mache ich Afrolocken?« auf meinen Kanal verirrt. WOW.
Der Groschen für die Hauptidee fiel nur wenig später. Denn in dieser »Typisch Mädchen«-Rolle fühlte ich mich nicht wohl. Mich nervte, dass es fast nur Frauen im deutschen Onlineraum gab, die genau das repräsentierten, was ich nicht sein wollte.
Also musste ich wohl selber ran.
Denn es gibt schon genug Mädels, die sich anmalen
Ich verstehe total, dass es Beautychannels gibt. Ich selbst hab natürlich auch schon etliche Schmink- oder Haartutorials geguckt. Ich erinnere mich an eine Session, in der ich versuchen wollte, mir Smokey Eyes zu schminken. Ich möchte dir an dieser Stelle meinen Leidensweg in kurzen Etappen beschreiben.
Stufe 1: Ich sehe den Look und denke mir, so schwer kann das ja nicht sein.
Stufe 2: Ich freue mich, dass ich bald superhot aussehen werde, weil Madame XY es mir zeigt.
Stufe 3: Ich stelle fest, dass mir zwei Drittel der Utensilien fehlen, die die Beautyfee benutzt.
Stufe 4: Ich denke, ich krieg das auch mit meiner versifften Billo-Palette aus dem Drogeriemarkt hin. Und mein Finger reicht bestimmt als Pinsel. Ich denke außerdem: »Mann, so viele Pinsel hatte ich nicht mal im Kunstunterricht.«
Stufe 5: Ich kriege es nicht hin.
Stufe 6: Aggression kocht auf, weil ich nicht geil aussehe, sondern als hätte jemand mein Gesicht über einen dreckigen Bordstein geschleift.
Stufe 7: Ich schminke mich ab.
Stufe 8: Ich schminke mich wie gewohnt, einfach nur mit Wimperntusche.
Stufe 9: Ich beschließe, nie wieder einem Schminkvideo zu folgen.
Stufe 10: Ich guck mir noch mehr Schminkvideos an und versuche es irgendwann wieder.1
EIN TEUFELSKREIS.
Ganz ehrlich, ich habe noch nie eine Frau gesehen, die mit einem Bomben-Make-up reinkam und dann meinte: »Das habe ich auf YouTube gelernt.« Und falls das doch irgendeine kann, hasse ich sie!
Also suchte ich nach einem Twist, der mir gefiel. In einem Pool, der vor Schminkgirlies überläuft, wollte eben genau das nicht sein. Und so entstand mein geliebter »Nobeautychannel«.
Das lässt sich natürlich total auf meine private Situation übertragen. Mit dem Erwachsenwerden wurde mir klar: Ich muss zu keiner Gruppe gehören, ich muss nicht sein wie …, sondern ich sollte einfach ich selbst sein. Besonders und eigen.
In dieser Zeit lernte ich auch meinen Freund kennen, mit dem ich bis jetzt vier Jahre meines Lebens teile. (WAT? DU HAST ’NEN FREUND?)
Allein seinetwegen trage ich wieder meine Naturlocken. Er hat mir beigebracht, mich schön zu finden, wie ich bin, und allein dafür ist er schon der beste Mensch, der mir je begegnet ist.
So, das reicht schon mit dem Liebesgeflüster, denn wenn ich ehrlich bin, geht dich das gar nix an. Es gehört mir, und genau deswegen halte ich sehr viel von meinem Liebesleben privat, ihr neugierigen Monster.
Also, zurück zu meinem Channel. Das, was ich erreichen wollte und auch immer noch will, ist, das Bewusstsein der Leute zu stärken, diese Social-Media-Welt mit einem Augenzwinkern zu sehen. Dass man nicht jemanden imitieren muss, um cool zu sein, sondern einfach seine eigene Schönheit entfalten soll. Während ich also diesen Channel betreute, schloss ich mein Studium ab und ging arbeiten. Ich bewarb ich mich bei einer Produktionsfirma und wurde Realisatorin für ein Kochwettbewerbsformat. Ich war also so was wie ein Regisseur, führte aber dazu auch alle Interviews am Set. Und das ausgerechnet für Das perfekte Dinner. OMG, geht’s noch cooler? Ich denke nicht. Es vereint einfach meine unendliche Liebe zum Essen und die zum TV. Besser hätte ich es echt nicht treffen können. Das Format ist meist positiv, ich habe die tollsten Menschen als Kollegen, und es macht einfach riesigen Spaß.
Diesen Job mache ich heute noch, aber mittlerweile auf freiberuflicher Basis.
Es gibt so ein paar Fragen, die kommen immer wieder:
Was war das Außergewöhnlichste, was du jemals dort probiert hast?
Also, das war definitiv Zwerchfell vom Rind. Klingt total ekelhaft, ich weiß. ABER, es hat einfach wie megageiles Steak geschmeckt, ich schwör’s dir. Ich glaube, ich würde es mir jetzt nicht unbedingt kaufen, aber es mal probiert zu haben war schon eine Erfahrung.
Was war deine außergewöhnlichste Begegnung?
Ich lerne bei diesem Beruf so viele Menschen kennen, aber wer mir am meisten im Kopf bleiben wird, ist ein Kandidat, der ein riesiger Fan der Serie Hannibal war. Du weißt schon, Hannibal Lecter ist der, der Bock hatte, Menschen zu mampfen. Der Kandi (wie wir intern liebevoll die Kandidaten nennen) kochte uns eine katalanische Spezialität, den Blutpudding. Er präsentierte ganz fröhlich und euphorisch eine fette Schüssel mit frischem Blut. Es war wirklich seltsam, aber spannend, aber seltsam. Als er mir im Interview dann noch sagte, er fände es cool, wenn Straftäter zur Verspeisung freigegeben werden würden, wusste ich auch nicht genau, was ich denken sollte.
Also, ich will grundsätzlich auch immer alles essen. Aber Menschen? Ööhhh, neeee. Aber danke für diese Erfahrung.
Parallel habe ich ja mein Baby »Nobeautychannel« großgezogen. Dafür habe ich regelmäßig nach Drehschluss (circa 0 bis 3 Uhr nachts) meine Videos im Hotelzimmer gedreht, geschnitten und hochgeladen. Ich bin diverse Male morgens auf meinem PC aufgewacht, aber das Feuer war entfacht, als ich merkte, dass Menschen wirklich was damit anfangen können.
Meinen ersten »viralen Hit« hatte ich mit dem Video »Figurtrends«, in dem ich darüber gesprochen habe, wie gerne ich esse und dass ich nichts davon halte, dass bestimmte Figuren als besonders »toll« dargestellt werden.
Das Gefühl zu sehen, wie das erste Mal ein Video wirklich durch die Decke geht, war krass für mich. Ich erinnere mich, wie ich alle 15 Minuten die Kommentare aktualisiert habe, um nachzulesen, welches Feedback es gibt.
In wenigen Tagen hatte das Video auf Facebook Millionen Klicks und somit auch Millionen Menschen erreicht. Ich habe unzählige Nachrichten, vor allem von Frauen, erhalten, die sich dafür bedanken wollten, dass endlich mal jemand für »normale« Ideale einsteht. Das hat mich echt glücklich gemacht und mich dazu beflügelt weiterzumachen.
Heute kann ich stolz sagen, ich gebe Menschen ein gutes Gefühl ... Okay, nicht allen, weil ich vielen auch auf die Nerven gehe, aber dazu kommen wir später.
Im Laufe meiner Social-Media-Karriere entwickelte ich noch eine wichtige Figur für mich. Das »FILTERGESICHT«, ich nenne sie liebevoll Mrs. Bigmouth. Eigentlich bin ich es, einfach nur mit einem Filter, der den Mund stark vergrößert und die Stimme pitcht. Aber eigentlich ist es meine zweite Persönlichkeit, mein Alter Ego, und sie ist noch frecher, lauter und hemmungsloser als ich. Sie sollte alles aussprechen, was sich die »normale« Natasha nicht traut.
Auch damit landete ich einige virale Hits. So wuchs mein Publikum dank meiner frechen Schnauze und meiner Parodien auf die Onlinewelt immer weiter.
Es ist immer noch total unwirklich für mich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hinter den Zahlen, die da jeden Tag wachsen, echte Menschen stecken. Aber ich bin unendlich dankbar dafür.
Es ist immer so lange surreal, bis ich Begegnungen mit meinen Zuschauern im echten Leben habe, und das passiert mir mittlerweile fast immer, wenn ich das Haus verlasse. Das ist übrigens eine Sache, auf die ich nie scharf war: FAME, wie der superhippe Teenager sagen würde.
