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Dieser etwas andere Reisebericht handelt von einer Frau mit deutlichem »Übergepäck«, die sich aufmacht, um den Jakobsweg zu rocken. Für sie eine relativ unspektakuläre Entscheidung. Jedoch merkt sie schnell, dass ihr Umfeld das wohl nicht so sieht und so kämpft sie nicht nur mit den Kilometern, sondern auch - und vor allem - mit den Vorurteilen bezüglich ihrer Kilos. Dieses Buch soll einfach mal offen davon berichten, wie es ist, als kurvenreicher Mensch durchs Leben zu gehen, hier noch insbesondere auf einem Sport-Trip. Es soll zeigen, dass es keine Grenzen gibt. Wenn, dann herrschen diese nur im Kopf. Und es soll alle mutig machen, ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Ob klein, groß, dick, dünn, allein, zu zweit, mit Hund, oder Rad schlagend. Ganz egal. Hauptsache mit hocherhobenem Kopf!!!
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Seitenzahl: 551
Veröffentlichungsjahr: 2021
Über dieses Buch
Lust auf bewegte Bilder und was Neues?
Dann findest du hier den Buchtrailer. Film ab!
Über die Autorin
JANA JUNG studierte Jazzgesang in Freiburg, Musik- und bewegungsorientierte Soziale Arbeit in Regensburg und wurde zur Debütautorin in Hamburg, wo die gebürtige Hamburger Deern z. Zt. auch lebt. Weil sie gern Dinge ausprobiert, die in keine Schubladen passen, entstand beim Weitwandern durch Frankreich und Spanien dieses Buch. Ansonsten ist sie auch gern auf dem Fahrrad mit dem Zelt unterwegs (z.B. von Hamburg nach Frankreich). Anekdoten dazu finden sich u.a. auch in ihrem Reiseblog. www.keep-on-going.de
Jana Jung
KEEP ON GOING
Ein Jakobsweg-Underdog packt aus
Aus dem Vorsichtigen übersetzt ins Humorvolle
und Mutbringende
Achtung: Könnte ansteckend sein und auf neue
wahnwitzige Ideen bringen
Impressum
© 2021 Jana Jung
Lektorat: Carina E. Lämmer aka Hunnybal
Coverdesign: Nils Sluiter
Fotografien von: Mayan Miriam Cohen, Danny Merz, privat
Satz & Layout: Nils Sluiter, Raphael Rathgeber, Jana Jung
Illustration: Raphael Rathgeber
ISBN Softcover: 978-3-347-47862-6
ISBN E-Book: 978-3-347-47864-0
Druck und Distribution im Auftrag der Autorin: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Die Namen einzelner Personen wurden zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert. Keine Person und kein Ereignis in diesem Buch sind erfunden. Die Kilometrierung der Wanderwege verändert sich ständig, mitunter auch durch die gewollten und ungewollten Umwege der Protagonistin, sodass es sich bei diesen Angaben um Näherungswerte handelt.
In diesem Buch verwende ich entweder das weibliche oder das männliche Geschlecht, obwohl beide Geschlechter bei allen Nennungen gleichbedeutend gemeint sind.
Für meine Mama.
»Ich glaube an dich!«, dieser Satz verändert alles.
Er hat dieses Buch geschaffen.
DANKE!
Inhalt
Part 1 – Ungewohnt
Jeder Anfang bringt Veränderung und hält viele neue Herausforderungen bereit
Part 2 – Von Stolperstein zu Meilenstein
Ein Schritt nach vorn und zwei zurück -
und das Ganze nochmal von Anfang
Part 3 – Zum Schluss mit Genuss
Jedes Ende ist ein Besonderes und meistens ganz anders als erwartet
Wörterverzeichnis
Prolog
Epilog
Danksagung
Zwölf Tipps & Tricks für Curvys auf Tour
Wörterverzeichnis
Eine große Challenge an diesem Buch war es, angemessene und irgendwie ansprechende Wörter zu finden, um das Thema Gewicht auf den Tisch zu packen. Ich habe selbst welche kreiert, die ich für richtig halte, um mich persönlich in dieser Situation zu beschreiben. Immer mit dem Anspruch, einen respekt-, liebe-, aber auch humorvollen Umgang mit dem Thema anzuregen, ohne dabei unter die eng geschnallte Gürtellinie zu geraten.
Underdog – Außenseiter*in, bislang Unbekannte*r, der*die aus dem Schatten ins Licht tritt, Unterschätzte*r
Übergepäck – das Gewicht, das direkt am Körper mitgetragen wird
Full-Size-Pilgerin– Pilgerin in voller Größe und Pracht
Moppelchen – liebevoller Fantasie-Name für einen kurvenreichen Menschen; ein*e nahbare*r Underdog-Held*in, den*die man schnell ins Herz schließt
Kurven-Genosse *Genossin– andere Menschen, die ähnlich viel Gewicht am Körper tragen
Nichtbepackte/Leichtbepackte – Menschen, die kaum Körpergewicht mittragen
Godzilla – großes, schwere Schritte produzierendes Fantasiewesen
kurvenreich/curvy – ausgehend von einem Reichtum, anstatt von einem Defizit
Wander Woman – Hommage an die fantastische Wonder Woman, die erste Superheldin, die im Jahr 1941 von William Moulton Marston als weibliches Pendant zu Superman erschaffen wurde
Das kommt mir spanisch vor
Ja, das stimmt! Ein paar Wörter habe ich in der landestypischen Sprache des spanischen Teil vom Camino Francés gelassen.
(el) Camino– Jakobsweg oder auch der Weg
albergue– (Pilger-)Herberge, typische Unterkunft auf dem Jakobsweg
hospitalera/hospitalero– werden in Spanien Personen genannt, die eine (Pilger-)Herberge betreuen oder Pilger bei sich aufnehmen. Im Falle der spanischen Jakobswege basiert das in den meisten Fällen auf einem unentgeltlichen Mitwirken des Betriebes, der Pflege und dem Erhalt der Herbergen. Nach Möglichkeit sollen sie selber bereits nach Santiago de Compostela gepilgert sein und die Pilger über den Wegverlauf, die Infrastruktur und die zu erwartenden Schwierigkeiten informieren.
café con leche– Milchkaffee, Cappuccino, Latte Macchiato im weitesten Sinne
casa rural– Privathaus, Landhaus, das Zimmer an Touristen und Pilger vermietet
Cruz de Ferro– bildet mit 1500 m den höchsten Punkt des Camino Francés. Viele Pilger legen hier einen Stein ab, den sie von zu Hause mitgebracht haben, um etwas Altes hinter sich zu lassen oder jemandem zu gedenken.
bocadillo – belegtes Brötchen, Sandwich
peregrinos – Pilger
meseta – das Hochland, die Hochebene, das Plateau
señoras/señores – Frauen/Männer
dios – Gott
Und englisch
rest days– Ruhetage und Erholungstage, in denen tendenziell nicht gelaufen wird
back on track – zurück auf den (richtigen) Weg
PROLOG
17. TAG
(Nirgendwo im Irgendwo)
»Hello?! It's time to get up! Hello?! Do you hear me?«
Langsam dringen diese Worte in mein vernebeltes, erledigtes Hirn. Ich soll also aufstehen, sagt diese Stimme. Und vor allem, es sei Zeit, JETZT aufzustehen …
Wieso nur werde ich durch diese Stimme geweckt? Und nicht durch meinen nervig piepsenden Handy-Klingelton? Irgendetwas muss passiert sein…
Mit einem Ruck schnelle ich hoch und versuche zu erfassen, was hier los ist.
Das Erste, was ich wahrnehme, sind die ruhigen, freundlichen Augen der hospitalera, der Herbergsmutter, bei der ich gestern eingecheckt habe. Das Nächste ist diese ungewohnte Stille um mich herum. Alle Betten sind leer und niemand wuselt mehr durch das voll belegte Mehrbettzimmer. Was ist passiert? Wo sind denn all meine Zimmer-Insassen von gestern hin? Es ist doch noch mitten in der Nacht, ansonsten hätte mich doch mein Handy geweckt.
»What's the time?«, entringt es mir nun endlich (danke für diese logische Schlussfolgerung. Danke, wirklich!).
»It's already seven o' clock«, antwortet die nette hospitalera, die ich aufgrund ihrer tarnfarbenen Ranger-Klamotten seit gestern in »Miss Profi Trekking« getauft habe.
»Oh shit!«, entfährt es mir, und »I am so sorry« folgt direkt hinterher. Miss Profi Trekking ist eher ein wenig belustigt als verärgert. Vielleicht, weil ich gestern beim Einchecken schon auffiel. Nicht nur, dass ich als Letzte eingecheckt habe (und das auch noch viel zu spät, wie sie mir direkt verkündete), ich hatte beim Eintreten auch noch eine knallrote Birne und diese nette Dame dazu gebracht, beim Tragen meines »way to heavy« Rucksacks zu fluchen. Ja, und jetzt biete ich ihr zu allem Übel auch noch diesen erbärmlichen Anblick einer völlig verpennten Pilgerin. In Windeseile wickle ich mich aus meinem Baumwollschlafsack, schieße an ihr vorbei ins Bad und stehe tatsächlich dreißig Minuten später fertig angezogen und mit aufgeschnalltem Rucksack in der Eingangshalle. Wenn ich schon vor Miss Profi Trekking untergehe, dann doch bitte mit wehenden Fahnen.
Um 7.31 Uhr hat der Camino mich also wieder. Jedoch nicht wie an den vorherigen Tagen voller Glück und Vorfreude, nein, heute voller Ärger und Groll. Zuallererst auf mich selbst. An zweiter Stelle auf mein Handy, das mitten in der Nacht wegen Akkuschwäche ausgegangen war. An dritter Stelle gleich nochmal auf mich selbst. An vierter Stelle auf meine Röllchen, die mir diesen Weg noch schwerer machen. Und an fünfter Stelle auf den Camino an sich (der Arme, was kann der denn jetzt dafür?). Missmutig stapfe ich den Schotterweg entlang und schieße die kleinen Steinchen vor mir her. Ich steigere mich so dermaßen in diese ganzen negativen Gedanken hinein, dass ich irgendwann beginne, laut zu fluchen: »Dieser sch… Weg! Wie konnte ich nur auf diese lächerliche Idee kommen, dass ICH den schaffen soll? Das ist doch der reinste Witz! Nein, noch viel schlimmer. ICH bin der reinste Witz! Ja, ich bin eine richtige Witzfigur! Aus mir wird NIEMALS eine richtige Pilgerin. Schon zweimal verschlafen, während alle Anderen immer ohne jegliche Probleme spätestens um 6.00 Uhr aufbrechen – teilweise sogar schon um 4.00 Uhr morgens. Ich werde das hier niemals schaffen! Ich bin ja allein zu blöd mir den Wecker richtig zu stellen. Und dann denke ich noch mit meinen 1.000 Kilos extra am Körper, dass ich diese Tortur hier durchstehe. Ja, klar!«
Nie hätte ich gedacht, dass das Ganze hier so eine sportliche Herausforderung werden würde. Ich wusste natürlich, dass ich sehr viel laufen würde und darauf hatte ich mich auch sehr gefreut. Aber ich hatte nicht ansatzweise diese Strapazen erahnt: diese Wahnsinnshitze, die Berge, die mir die krassesten Knieschmerzen meines Lebens bescheren würden und den damit verbunden Kampf ums nackte Überleben. Vielmehr hatte ich mir in meiner sehr optimistischen Art wunderbare Bilder ausgemalt: die stetige Bewegung in toller Natur, die mir Ruhe und Besonnenheit gäbe, um mir Gedanken um mein Innen- und Außenleben machen zu können. Ommmmm… Ja, so schön und besinnlich träumte ich von dieser »Auszeit«.
Hätte ich auch nur ansatzweise damit gerechnet, an welchem Tiefpunkt ich mich an diesem Tag befinden würde, wäre ich wahrscheinlich damals an meinem ersten Wandertag niemals so fröhlich pfeifend und nichtsahnend losgelaufen. Aber jetzt, in diesem schrecklich ernüchternden Moment, bin ich mir zu 101 % sicher, dass ich diesen Weg nie schaffen werde. Stattdessen ist mir nur eines klar… Dass ich schleunigst in einen Bus in Richtung Santiago de Compostela steigen muss, damit ich dann noch mit Ach und Krach zum Meer pilgern kann. Zumindest hoffe ich darauf, dass mir die Liebe zum Meer und das Kap Finisterre (»das Ende der Welt«) vielleicht noch irgendwie Kraft geben werden für meine letzten Kilometer und damit auch die letzten Schritte als Pilgerin. Denn das mit dem Pilgern, so viel ist sicher, das hat sich mit diesem Tag nun auch erledigt. Keine zehn Pferde werden mich noch einmal zurück auf diesen ach so heiligen und sagenumwobenen Camino bringen – auch keine zwanzig! Das wäre ja schlichtweg so wie nach 22 Jahren Abstinenz wieder freiwillig an den Bundesjugendspielen teilzunehmen. Nein, keine Chance! Dafür habe ich jetzt schon länger als zwei Wochen viel zu viel gekämpft und stehe an diesem Tag nun wirklich am Ende meiner Kräfte.
Wie bin ich nur auf diese Idee gekommen? Wie hat diese ganze To(rt)ur hier in der mörderischen Hitze überhaupt begonnen? Missmutig schmeiße ich mich ins Gras, krame den warmen Naturjoghurt und die harten Nektarinen aus meinem Rucksack und versuche mich bei diesem verkorksten Frühstück an meinen ersten Tag dieser Reise zu erinnern…
UNGEWOHNT
Part 1
Die endlose Anreise
15. Juli 2015 ( Hamburg - Bordeaux, 1507 km )
Eine nicht enden wollende Anreise liegt noch vor mir. Seit sieben Uhr morgens bin ich nun schon unterwegs. Und das, obwohl ich erst um vier Uhr morgens ins Bett gegangen bin. Bis in die frühen Morgenstunden habe ich versucht, alle Sachen irgendwie in meinen Rucksack zu bekommen.
Völlig zerschlagen und groggy schleiche ich durch die Bahnhöfe und dann endlich auch durch die riesengroße Flughafenhalle in München. Unvorstellbar, dass ich in circa 24 Stunden körperliche Höchstleistung bringen soll. Ich laufe schon in meiner Wanderkluft umher, damit auch jeder sieht, was ich vorhabe. Dass ich diese Kluft erst kurz vor der Reise in unterschiedlichen Läden zusammengesammelt und mithilfe von Freunden besorgt habe, erwähne ich hier mal nicht. Um das Ganze zu verstärken, esse ich Energieriegel für Sportler – völlig bescheuert, aber ich fühle mich gut damit, also einfach weitermachen! Keiner der hier Anwesenden ahnt, was ich plane. Hier kommt die Full-Size-Pilgerin – der vermeintliche Jakobsweg-Underdog unter all den bestens trainierten und ausgerüsteten Pilgern. Aber zieht euch warm an, Underdogs greifen meistens aus dem Hinterhalt an. Vor allen Dingen dann, wenn keiner mit ihnen rechnet. Bei einem erneuten herzhaften Biss in meinen Erdnuss-Eiweiß-Riegel träume ich davon, wie fit und sportlich ich bald sein werde.
In einer Wolke aus Schlafentzug und völliger Übermotivation steige ich ins Flugzeug und behaupte innerlich, hier definitiv diejenige zu sein, der die aufregendste Reise bevorsteht. Die Anderen machen bestimmt nur »Touri-Luschen-Urlaub« und ich bin die einzige »Hardcore-Trekkerin« hier, denke ich. Bevor es allerdings mit Hardcore losgeht, freue ich mich still und heimlich, heute noch einmal in einem Drei-Sterne-Luxusbett zu nächtigen. Hardcore kommt dann danach.
Schon beim Einsteigen ins Flugzeug falle ich auf. Mein Handy bimmelt, während ich meinen Platz suche. Eine Freundin ist dran, mit der ich unbedingt nochmal reden möchte, bevor es losgeht. Ich freue mich und setze mich erst mal irgendwo hin, damit die anderen Passagiere durchkommen. Dieses Irgendwo befindet sich dummerweise in der ersten Klasse, worauf eine
Stewardess mich freundlich aber bestimmt hinweist und dafür das Ticket sehen möchte. Peinlich!
In diesem Billigflieger ist die erste Klasse irgendwie anders gekennzeichnet – genau genommen eigentlich gar nicht. Die breiteren gemütlichen Ledersessel haben aber scheinbar dennoch eine magische Anziehungskraft – zumindest auf mich.
Mit einem Ohr nach wie vor am Handy versuche ich der Stewardess auf Englisch zu vermitteln, dass ich jetzt meinen richtigen Platz suchen werde. Auf Deutsch wende ich mich dann wieder an meine Freundin, die immer noch an meinem Ohr klebt und mir Storys erzählt, die nicht enden wollen. Irgendwann nutze ich eine der seltenen Atempausen und versuche ihr deutlich zu machen, dass ich nun wirklich auflegen muss.
Ich steuere also nach diesem etwas holprigen Start meinen richtigen Platz an und lande auch hier wieder einen Volltreffer: Wer darf sich in einer Dreierreihe ZWISCHEN zwei Männer, einer davon auch noch gut aussehend, setzen? Genau, hundert Punkte: Die angehende Full-Size-Pilgerin!
Das Erlebnis, als Curvy-Passagierin irgendwo auf einen Platz zu deuten und sich da dann noch hineinquetschen zu müssen, ist auf meiner Beliebtheitsskala auch ganz weit oben. Aber egal, ich sitze und der Flieger hebt ab. Da müssen die Jungs und ich jetzt eben durch.
Während des Fluges tauche ich ab in Tagträumereien und schwelge in größter Vorfreude auf meine bevorstehende Reise. Ich würde mir am liebsten ein Plakat umhängen, auf dem steht: »Ja, ich werde den Jakobsweg laufen! Ja, ich! Ganz allein. Und ja, den GANZEN Camino Francés!«
Nach meinen wilden Gedankengängen beruhigt sich mein Kopf allmählich wieder und ich versuche mich daran zu erinnern, wie es überhaupt zu dieser Abenteuerreise gekommen ist.
Eine Pilgerreise… mit deutlichem Übergepäck an Bord. »Muss das sein?«, schienen ein paar ungläubige Augen im Vorfeld zu fragen. »Warum denn nicht?!« Mein Lebensmotto, das mir eigentlich in allen Lebenslagen half, reichte den meisten nicht ganz als Erklärung. Aber ja, ich musste auch zugeben, dass es bereits im Vorfeld eine Anstifterin, oder soll ich sagen Brandstifterin, gab, die mir ordentlich Brennspiritus in meine eh schon lodernde Abenteuerlust goss: Cheryl Strayed, die Autorin des wahnsinnig guten Buches »Der große Trip – Wild«. Eine Frau, die keine Vorkenntnisse beim Wandern hatte, kämpfte sich drei Monate allein in der Wildnis durch und erlebte damit eine »innere und äußere Reise« – das beeindruckte mich sehr. Sie beschrieb dieses Abenteuer so ehrlich und detailliert, dass ich auch so eines erleben wollte. Die Idee einer Pilgerreise war geboren. Übermotiviert bis in die letzte Haarspitze biss ich mich an dieser Idee fest. Amerika und der Pacific Crest Trail waren mir allerdings ein bisschen zu weit. Außerdem musste ich ehrlicherweise zugeben, ein kleiner Schisser zu sein (ganz allein in der Wildnis campen? Hilfe!). Ich brauchte also ein anderes Ziel.
Kurz danach hielt ich wie durch Zufall oder auch göttliche Fügung Hape Kerkelings geniales Buch »Ich bin dann mal weg« in den Händen. Die Geschichte einer »untrainierten … Couch-Potato«, wie er darin so schön beschreibt, die sich einfach aufmachte und so viel wagte, spendete dann die berühmte Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
Also entschied ich mich – Hape und seinen bildhaften Schilderungen sei Dank – für eine mir machbar erscheinende Pilgerreise: den Camino Francés, den bekanntesten aller Jakobswege. Mit vielen Menschen und vielen Unterkünften. »Danke dem Herrn«, müssen auch meine Eltern und engen Freunde gedacht haben.
Und nun? Nun sitze ich tatsächlich im Flugzeug, unterwegs in das sagenumwobene Saint-Jean-Pied-de-Port, in dem alles losgehen soll. Es ist so schön, dass ich es selbst kaum glauben kann. Und da fällt mir einer der besten Ratschläge ein, den mir meine Freundin vorhin am Telefon noch mit auf den Weg gegeben hat. Ich wollte ihre genaue Adresse wissen, doch sie meinte nur: »Scheiß auf Postkarten schreiben, Jana! Denk jetzt mal nur an dich. Das ist deine Reise.« Und recht hat sie!
Ich bin mal wieder in meinen alten Mustern unterwegs und denke zuerst an die Anderen und zuletzt an mich. Also zuallerletzt – irgendwann…! Und genau das ist eines der Dinge, denen ich dringend auf den Grund gehen will. Diese Reise ist der Anfang von etwas Neuem. Das hier tue ich wirklich nur für mich und für sonst niemanden. Ich bin seit langem mal wieder alleine unterwegs und möchte endlich wieder durch diese dicke Schicht, durch meinen Schutzpanzer, vorstoßen und mein zartes ICH sehen.
Ich erinnere mich auch an die wohlwollenden Worte meiner Tante zum Abschied: »Du bist so mutig! Viele haben Träume und Wünsche, aber du, du machst es einfach!« Danke, liebe Tante! Die Worte gingen mir durch und durch und motivieren mich auch jetzt ungemein. Und recht hat auch sie! Ja, ich traue mich jetzt einfach – egal was da kommt. Und mit der bevorstehenden Landung erlaube ich mir, auf die Suche nach meinem wahren Kern zu gehen. Die einzigartige, tolle Jana – innen & außen! Also: »Buen Camino! Vamos!« – Einen guten Weg! Los geht's! Auf zu MEINER Reise! Zu mir, zu mir, zu mir. ICH, ICH, ICH – auf zu meinem gesunden Ego-Trip!
Die Ankunft – Bordeaux
15. Juli 2015 abends ( 0,6 km; zum Hotel )
Mamma Mia, bin ich fertig von der gestrigen Reise! Das war echt ein Marathon! Selbst für mich als relativ reiseerfahrene Person war das ein langer Trip. Ich hatte das Gefühl, an einem Tag die Welt umrundet zu haben. Und ein bisschen so war es ja auch. Um 7.00 Uhr morgens im hohen Norden (Hamburg) gestartet und um 22.30 Uhr abends in Bordeaux im Hotel gelandet – und das alles mit nur vier Stunden Schlaf auf dem Konto.
Ich habe bei dieser Anreise an einem Tag fast alle Fortbewegungsmittel benutzt, die es so gibt – einzig Schiff und Hubschrauber haben gefehlt und alles, was vier Beine hat, wie Pferde und Kamele.
Als ich endlich am gare, dem Bahnhof, Saint-Jean in Bordeaux angekommen bin, zitterten mir die Hände und ich wusste, ich brauchte dringend etwas Richtiges zu essen. Das Erste, was ich entdeckte, war ein McDonald's. Und so ging ich nach etwa dreijähriger Abstinenz von Fast-Food-Ketten in Frankreich, dem Land der Gourmets, in einen Mäcces. Eigentlich dürfte ich diese Zeilen gar nicht schreiben und sollte sie verheimlichen, aber ich will ja ehrlich sein. Und die Story war im Nachhinein auch einfach so lustig, dass ich euch nun von meiner ersten Blamage gleich zu Beginn meiner Reise berichte:
Ich hatte zunächst bei meiner Ankunft am Bahnhof versucht, mein Ticket für den nächsten Tag zu lösen, obwohl mein Magen bis zum Horizont knurrte. Die beiden jungen und sehr netten Bahn-Mitarbeiter sagten mir, dass der Ticketschalter woanders sei und sie mir lediglich Informationen geben könnten. Die Tickets könnte ich auch erst am nächsten Morgen lösen, da der Schalter bereits geschlossen hatte. Trotzdem waren sie sehr interessiert an mir und wollten wissen, was ich denn in Saint-Jean-Pied-de-Port vorhätte. Mit stolzer Brust erzählte ich vom Jakobsweg und sie waren total begeistert und wollten wissen, wie viele Kilometer das denn seien. Bereits ein paar Zentimeter größer geworden, erzählte ich von meinen circa 775 bevorstehenden Kilometern zu Fuß. Die Begeisterung, den Unglauben und die Faszination in ihren Blicken werde ich so schnell nicht vergessen und so wünschten sie mir viel Glück auf dieser unglaublichen Reise.
Kurz danach steuerte ich dann endlich das »goldene M« an und holte mir ein Big Mac Menü. Nach dem ganzen »Indoor-Gereise« freute ich mich über frische Luft und setzte mich nach draußen auf die Terrasse. Ich riss förmlich die Packungen auf und aß meinen Burger und die Pommes nicht, sondern muss in diesem Fall sagen: Ich »inhalierte« sie. Aber egal, ich fühlte mich wie vom Aussterben bedroht und es galt nun, meine Spezies zu erhalten. Es war mir sogar so egal, dass ich total vergaß, mich unwohl zu fühlen, obwohl ich doch in meinen Augen das typische Moppelchen-Bild bot: »Ernährt sich von Fast Food und mäht es in sich rein – klar, wo da die vielen Kilos herkommen«. Solche und ähnliche Gedanken mache ich mir oft, wenn mich doch mal das Fast-Food-Fieber packt. Denn eigentlich ernähre ich mich weitestgehend gesund, wenngleich es äußerlich gesehen anders aussieht. Ich liebe tatsächlich Salate, Suppen, frisches Obst und Gemüse. Es gab schon viele Verwunderungen darüber, warum ich diese zusätzlichen Kilos mit mir rumschleppe, obwohl ich mich bis auf ein paar Ausfälle gut ernähre und zusätzlich für meinen unbändigen Bewegungsdrang bekannt bin. Ich bin auch noch nicht ganz dahinter gekommen, aber darum soll es jetzt auch eigentlich gar nicht gehen.
Also zurück zur Geschichte:
Mit zitternden Händen, weil schon im Unterzucker, futterte ich genüsslich mein Burger Menü, als ich in der Ferne den netten Mitarbeiter von der Bahn entdeckte. Er schien Feierabend zu haben und schlenderte über den Platz, auf dem auch die Terrasse war. Oje, wie peinlich! Den konnte ich hier natürlich gar nicht gebrauchen in meiner Fast Food-Futter-Attacke. Doch da war es schon passiert: Wir hatten Blickkontakt. Jedoch reagierten wir beide nicht richtig. Vielleicht war es ihm irgendwie auch unangenehm? Ich dagegen war in einer Art Schockstarre. Hatte ich doch noch die bewundernden Blicke und Worte im Ohr und Gedächtnis. Denn er sagte in unserem Gespräch so etwas wie: »Ja, so weit zu laufen ist wirklich good for the health!« – gut für die Gesundheit! Und ich: »Ja, ja, genau!« Und weil ich so ein »Health-Junkie« bin, so ein absoluter Gesundheitsfanatiker, lande ich gleich in der nächsten Fast-Food-Kette. So viel zu meinem Pilger-Dasein! Als letzte Henkersmahlzeit hatte ich keine bessere Idee als diese hier. War mir das peinlich. Ich versuchte, mich wegzudrehen. Es war nur schwer, weil mein Rucksack und meine Stöcke und ich mittendrin natürlich doch sehr auffielen. Ich schnappte meinen angebissenen Burger, schulterte den Rucksack, klemmte mir die Stöcke unter die Arme und verließ fluchtartig die Terrasse.
Tja, das konnte ja heiter werden mit meiner Pilgerreise, wenn ich schon in den ersten Minuten seit meiner Ankunft in solch peinliche Storys hineinschlitterte. Was mich dann wohl morgen erwarten würde, fragte ich mich, als ich endlich in das sichere Hotel eincheckte und erst einmal in Deckung ging.
Die Anreise – Saint-Jean-Pied-de-Port
(oder: auf zur feuchtfröhlichen Klassenfahrt)
16. Juli 2015 ( 240 km, mit Zug&Bus )
Das war eine Nacht, schön und verrückt zugleich. Nachdem ich abends nach meiner Flucht aus dem McDonald's endlich im Hotelzimmer angekommen war, konnte ich mich nur noch aufs Bett schmeißen, so fertig war ich. Aber gleichzeitig auch glücklich, denn das Hotelzimmer war ein absoluter Glücksgriff! Ein wunderschönes, riesiges Zimmer, nur für mich alleine, und die Dusche ein Palast! Das ganze Zimmer war mit Holz verkleidet, weil das Hotel so ein »Nature-Concept« hatte. Gefiel mir gut, dieses Nature-Concept. Hätte nur noch gefehlt, dass Vögel im Hintergrund zwitschern und das Meer plätschert, wenn man auf die Toilette geht. Mit letzter Kraft schleppte ich mich unter die Dusche und spülte alle Anstrengungen der Reise weg. Halb humpelnd und wankend schleppte ich mich dann wieder zum Bett und wusste: Jetzt darf ich endlich schlafen! Mein Geist sah das aber anders. Körperlich am Ende, war er nun hellwach. Was war denn jetzt wieder los? Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass es so stickig war im Zimmer.
Ich versuchte das Fenster aufzukriegen, was leider nicht klappte, denn es gab eine Sicherung. Zu gerne hätte ich mit offenem Fenster geschlafen, aber irgendwie war das nicht möglich in diesem Hotel. Wie im ICE konnte man hier die Temperatur nur über die Klimaanlage regeln, aber nicht mit der guten alten Frischluft. Und dann geisterten mir die typischen »ich-kann-nicht-schlafen-also-denke-ich-mir-irgendwelche-sinnlosen-Fragen-aus«-Gedanken durch den Kopf. Hatte ich den Wecker gestellt? Wo war mein Stirnband, das ich immer als Schlafmaske benutzte (obwohl es dank der dunklen Gardinen stockfinster war)? Würde ich morgen noch einen Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port bekommen? Und wann würden denn jetzt endlich diese sinnlosen Gedanken aufhören und ich einschlafen?
Irgendwann muss ich in diesem Drunter und Drüber doch noch eingeschlafen sein, denn mein Wecker zeigt am nächsten Morgen 11 Uhr an. Herrlich!
Ich checke tiefenentspannt um 12 Uhr aus, parke mein Gepäck im luggage room und schlendere zur Bahn, um mir ein Zugticket zu kaufen. Dort erfahre ich dann, dass die nächste Verbindung nach Saint-Jean-Pied-de-Port heute um 15.00 Uhr fährt und so vertreibe ich mir in einem Café gegenüber meine Zeit. Grinsend und voller Genuss beobachte ich dort das bunte Treiben und bestelle mir einen Cappuccino nach dem anderen.
Um 14.30 Uhr schlendere ich gemütlich zum Bahnhof hinüber und merke sofort, dass ich im Süden bin, denn es läuft hier bahntechnisch alles anders als in Good Old Germany. Zunächst einmal weiß hier bis kurz vor dem Eintreffen des Zuges niemand, auf welchem Gleis er denn wohl landen wird. Alleine das herauszubekommen, hat mich schon meinen gesamten französischen Wortschatz gekostet. Auf winzig kleinen Monitoren, etwa in der Größe der allerersten Fernseher, wird das Gleis dann irgendwann angezeigt – wann das ist, weiß keiner, nicht einmal das Bahnpersonal. Bei meiner Zugverbindung blinkt das Wort retard auf. Verspätung, na toll! Frei nach meinen alten Großstadt-Stress-Mustern kommt diese Information nicht gerade positiv bei mir an. Es ist mein erster offizieller Urlaubstag, ich habe frei und keinerlei Zeitdruck. Sollte es mir da nicht einfach egal sein? Aber ich bin doch ein bisschen aufgeregt und unsicher, hier in diesem fremden Land mit den anderen Bahnregeln und mache mir fast in die Hose wegen des LETZTEN Anschlusses in Bayonne nach Saint-Jean-Pied-de-Port für den heutigen Tag.
Aufgeregt laufe ich deswegen zur Information und frage, wie ich meinen Anschluss kriegen soll. Die Mitarbeiterin zuckt nur mit den Schultern. Irgendwie werde das schon klappen, lautet ihr Kommentar dazu. Tief einatmen, tief ausatmen! Und da regt sich auch schon wieder meine immerwährende Optimisten-Stimme, die mir zusätzlich versichert, dass das alles schon irgendwie funktionieren wird. Und während ich in meiner kurzen Steh-Meditation wieder zu meiner Tiefenentspannung zurückfinde, verschwindet das Wörtchen retard vom Bildschirm und die Traube von Menschen, die sich um das Jahrhundert-Überbleibsel geschart hat, kommt in Bewegung. Ich renne einfach mit – weiß allerdings gar nicht so genau, wohin eigentlich. Von einem Schaffner erfahre ich dann im Vorbeilaufen das richtige Gleis. Ich muss die Treppe runter und zwei Gleise weiter hinten wieder hoch. Mit bereits hochrotem Gesicht renne ich um mein Leben – so gut das eben geht mit Rucksack und meinem zusätzlichen Übergepäck. (Eine Sache, die ich total feiern werde, wenn ich ein paar Kilos abwerfe: Den Bussen und Bahnen hinterherlaufen, ohne danach ein Hechel-Konzert geben zu müssen.) Aber ich erreiche den Zug, denn ich bin ja sporty – im Geiste zumindest schon total! Puh, was für eine Aufregung!
Wie durch Zauberhand erreichen wir dann trotz der vierzig Minuten Verspätung sogar noch den Anschlusszug in Bayonne – eine kleine Bimmelbahn, die wie eine Miniatur-Version der Vorherigen aussieht. Was ich da erlebe, lässt mich noch heute schmunzeln…
Eine offensichtliche Pilgerin steht völlig aufgelöst vor der Tür des Zuges und fragt, ob sie in dem Zug noch ein Ticket lösen kann. Sie hat nämlich keins und muss unbedingt diesen Zug erwischen. Der Zugschaffner wedelt aufgeregt mit der Hand und gibt ihr damit zu verstehen, dass sie schnell einsteigen soll, weil er nicht noch mehr Verspätung haben will. Erleichtert steigt die Frau ein und wartet anfangs noch darauf, dass der Schaffner zu ihr kommt, damit sie das Ticket lösen kann. Er klettert zwar an jeder Station an ihr vorbei – und es gibt sehr viele Stationen – aber kassiert sie nicht ab. Es scheint ihm total egal zu sein, dass die Frau dort ohne Ticket sitzt. Hauptsache, sein Zug hat keine Verspätung. In Deutschland habe ich so etwas noch nie erlebt. Und so fahre auch ich mit meinem 43€-Ticket bis zur letzten Station, ohne kontrolliert zu werden und beneide die Frau ein wenig um ihr »Schnäppchen«.
In Cambo-les-Bains müssen alle Leute aus dem Mini-Zug aussteigen und warten nun für das finale Saint-Jean-Pied-de-Port an einer Bushaltestelle. Jetzt wird heimlich gegafft und abgecheckt, mit wem man es zukünftig zu tun haben wird. Anhand der Kleidung und dem Equipment ist jetzt nämlich unumgänglich klar, dass hier nun wirklich nur noch Pilger stehen.
Oh, là, là, na das kann ja was werden, denke ich, denn ich staune auch, wer und was hier so alles dabei ist. Zum Beispiel eine Vierer-Truppe, die sich lautstark und bereits mit deutlicher Rotwein-Fahne darüber unterhält, ja fast schon prahlt, was sie alles schon bewandert hat. Sowieso hat diese letzte Busfahrt ein wenig etwas von einer aufgeregten, teilweise sogar schon angesäuselten Klassenfahrt auf ihrer ersten Tour weit weg von Mama und Papa – nur dass es sich hierbei eigentlich um Erwachsene handelt – Unbelieveable!
Bloß raus aus diesem Bus und auf zu meinem eigenen Trip!
Am Ziel angekommen, spuckt der Bus alle Pilger auf die Straße und gemeinsam begeben sie sich im Entenmarsch und wild schnatternd zum Ortskern. Ich bin kurz unsicher, weil ich den Weg eigentlich gar nicht kenne und überlege, ob ich die Busfahrerin fragen soll. Nicht, dass die ganzen Pilger ein völlig anderes Ziel haben. Ich traue mich aber nicht, weil sie die ganze Zeit schon einen sehr spöttischen und belustigten Ton angeschlagen hat. Wer weiß, wie viele durchgeknallte Pilger die pro Tag fahren muss? Die Arme! Ein Klassenfahrt-Transport pro Tag würde mir auch reichen.
Also reihe ich mich einfach als Letzte in die Entenmarsch-Schlange ein und ergebe mich meinem Schicksal. Liebe Pilger da vorne, ich folge euch nun überall hin und hoffe, dass ihr das richtige Ziel habt, gebe ich noch kurz ein Stoßgebet ab. Aber tatsächlich, die Enten-Mami (oder war es ein Papi?) hat ihren Dienst gut gemacht, denn ich werde vor das Pilgerinformationszentrum gespült. Hier fällt mir auch wieder ein, dass ich genau hierher wollte, um mir meinen Pilgerausweis zu besorgen. »Danke Mama«, quake ich. Da das zögernde Entlein allerdings auch das Letzte ist, muss es sich jetzt ganz hinten in der endlosen Schlange anstellen. Nun heißt es erneut, die Nerven zu bewahren, denn wieder gibt es um mich herum lautstarke Gespräche über wilde Pilger-Geschichten. Der Stolz vieler Erzähllustiger darüber, dass sie den Jakobsweg schon einmal gelaufen sind, ist unüberhörbar und man kann ihm kaum ausweichen. Und er dringt an die gespitzten Ohren der mindestens genauso zahlreichen, ängstlichen Neulinge. Zu keiner von beiden Gruppen möchte ich wirklich gehören (zu Ersterer kann ich ja auch gar nicht gehören, aber ich glaube, ich wäre auch trotzdem nicht so prahlerisch) und so aktiviere ich scheinbar automatisch meine Scheuklappen. Ich möchte versuchen zu ignorieren, was um mich herum los ist. Wie oft ich diese Scheuklappen den ganzen Weg entlang immer wieder aktivieren werde, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Aber ich werde es noch merken. Tatsächlich kann ich hier von einem mir bis dato völlig fremden Phänomen reden, hatte ich bisher doch immer dazu geneigt, meinem fremden Umfeld absolut offen zu begegnen. Innerhalb von fünf bis zehn Minuten schien ich bereits »die Freunde meines Lebens« kennengelernt zu haben. Meistens waren sie nicht von Dauer. Diese Tatsache war immer wieder eine Enttäuschung für mich, hielt mich aber bisher nicht davon ab, immer wieder in diese Falle zu tappen.
Nun hier, an dieser überladenen Pilgerstätte, wo die schnellen leichten Bekanntschaften auf dem Tablett serviert werden, hier in diesem »Mekka der Bekanntschaften«, da schalte ich auf einmal völlig überraschend in den Lonely-Ranger-Modus (sinngemäß: »Einsamer-Wolf-Modus«). Das Beste, was mir hier auf meiner Reise passieren konnte… aber das werde ich erst nach einer gewissen Zeit merken. Hier vor dem Pilgerbüro wundere ich mich einfach nur darüber und kann nicht anders, als alles an mir vorbeiziehen zu lassen. Als ich auf einmal die ersten Tropfen auf meinem Gesicht spüre, ist die Metapher dann perfekt: Alles perlt hier an mir ab wie der beginnende Regen an meinem helllila Ganzkörperponcho.
Die erste (schlaflose) Nacht auf dem Camino
17. Juli 2015 ( 1,6 km; vom Bus zur albergue )
Was für eine Nacht! Wenn man das, was die letzten Stunden des dunklen Tagesabschnitts hergaben, auch tatsächlich so nennen darf. Laut gängiger Definition bedeutet Nacht ja ganz abgesehen von der Dunkelheit, dass man irgendwann mal die Augen zu macht und einschläft … Letzteres muss bei mir auf jeden Fall sehr spät in der Nacht passiert sein!
Es war auch einfach alles zu abenteuerlich an diesem ersten Tag auf dem Jakobsweg. Erst dieser Bus, der die Jakobsweg-Pilger teils laut grölend, teils besoffen, teils beides (schon am ersten Tag und zur Mittagszeit…) in Saint-Jean-Pied-de-Port ausgespuckt hatte. Dann pilgerten alle im Entenmarsch zum Pilgerbüro und ließen sich dort den Pilgerpass, Infos, die Jakobsmuschel und auch ein bisschen Anerkennung geben – und ich mittendrin!
Dort erlebte ich auch das erste Mal das gegenseitige Messen: »Und, das wievielte Mal bist du hier? Wie viele Kilometer läufst du morgen? Wie viel Zeit hast du? Welche heftige Funktionskleidung trägst du? Und wie ist deine Ausrüstung? Und bla, bla, bla, …« Ich klinkte mich, wie bereits beschrieben, zum Glück aus.
Auf jeden Fall war nach dieser ereignisreichen Ankunft erst mal nicht an Schlaf zu denken. Noch dazu kam, dass mein Bett-Partner, also der Mensch über mir im Hochbett, nicht nur mitten in der Nacht ins Bett ging, nein, er brachte das Bett so dermaßen zum Schwanken, dass ich dachte, ich werde seekrank. Irgendwann schlief Monsieur dann ein! Danke dem Herrn!
Doch damit war es dann bei mir vorbei mit dem Schlafen. Es war auch einfach sehr gewöhnungsbedürftig, mit so vielen unbekannten Leuten auf so engem Raum zu schlafen. Viele davon hätte ich wohl nicht mal zum Kaffee eingeladen und jetzt gleich so etwas Privates teilen …Oh, lá, lá!
Außerdem hatte ich am frühen Abend noch ein sehr erschreckendes Erlebnis:
Kurz nach meiner Ankunft in dieser ersten Pilgerherberge, wollte ich nichts Dringenderes als unter die Dusche zu gehen. Und dort traf mich dann der Schlag! Das war die kleinste Dusche, die ich je gesehen hatte. Man musste sich wirklich etwas einfallen lassen, um nicht alle vier Wände der »Abstellkammer« permanent zu berühren. Und selbst das Wort Abstellkammer ist noch wohlwollend, vor allem in Hinblick auf die teils schwarzen Wände vor lauter Schimmel.
Nachdem ich es irgendwie geschafft hatte, mich halbwegs zu duschen (Strike!), versuchte ich mich in dem Vorraum, der mindestens genauso klein war wie die Dusche, irgendwie anzuziehen. Noch nicht mal ganz fertig damit, war ich schon fast wieder komplett durchgeschwitzt und hätte die Prozedur mit dem schwierigen Duschen eigentlich gleich von vorne beginnen können. Dieses »Wechselspiel des immerwährenden Duschens und Anziehens«, hätte ich somit den ganzen Abend betreiben können. Natürlich wollte ich das aber unter allen Umständen vermeiden. Und so langsam musste ich jetzt auch raus aus diesen winzigen Räumen, denn es meldeten sich die ersten klaustrophobischen Züge bei mir. Ich war jetzt kurz davor, hier an einem ernsthaften Erstickungsanfall zu krepieren, ohne einen einzigen Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen zu sein. Es war wirklich hart an der Grenze, und diese beiden Erlebnisse brachten mich nun mitten in der Nacht zum Grübeln: Hatte ich doch die falsche Entscheidung mit dem Jakobsweg getroffen? Wenn alle Unterkünfte und vor allem die Duschen so sein würden, hatte ich ein echtes Problem!
Irgendwann zwischen Rückblenden der Horror-Dusche, Bettschaukeln und schwerwiegenden Entscheidungsgrübeleien muss ich aber doch eingeschlafen sein, denn am nächsten Morgen werde ich durch lauthals diskutierende Stimmen wach. Ich blicke mich um und entdecke, dass so gut wie alle Pilger bereits weg sind. Ich habe wohl verschlafen. Ein Blick auf meine Uhr verrät mir: Es ist erst acht Uhr morgens und damit als bekennende Nachteule eigentlich noch keine Uhrzeit für mich…
Willkommen in meinem Abenteuer-Urlaub! Willkommen auf dem Jakobsweg!
Auf der Suche
1. Lauf-Tag - 8. Juli 2015 ( Saint-Jean – Orisson, 7,7 km; nur bergauf! )
Nach meiner unfreiwillig durchzechten Nacht versuche ich nun so schnell wie möglich, meine Sachen zusammenzupacken. Schließlich will ich nicht die Letzte sein.
Als ich meine mit Klebeband zusammengeklebten Stöcke auseinanderschneide, kommt ein durchtrainierter und in feinste Hightech-Outdoorklamotten gekleideter Mann auf mich zu und fragt: »Are you gonna walk?« – Wirst du laufen?
Und ich antworte: »Äh, ja klar! Wie denn sonst? Anders komme ich ja nicht über den Berg.«
Er war der Ansicht, dass kein Pilger so spät (immerhin war es schon acht Uhr!) noch losgehen würde, aber da hat er nicht mit mir gerechnet. Ich suche, nachdem ich aufgesattelt habe, erst einmal eine Boulangerie – eine Bäckerei. So ohne Frühstück und Kaffee wird hier heute gar nichts laufen – nicht mal das übermotivierte Moppelchen!
Tja, und so befinde ich mich um circa 8.47 Uhr das erste Mal auf dem Jakobsweg – wobei ich ihn zunächst gar nicht finden kann… Völlig überladen (in doppelter Hinsicht) und wieder bereits durchgeschwitzt (und das ganz ohne Horror-Dusche), erkundige ich mich bei meinem Zimmernachbarn von gestern, wo »das Ding« denn nun ist und wie ich »es« denn erkennen würde? In Bezug auf Orientierung und Wege finden bin ich nicht gerade sehr talentiert. Und in diesem Fall geht es auch noch um diesen Besonderen. Den Blick, den er mir dabei zuwirft, kann ich ihm nicht mal verdenken. Ich muss einen Anblick liefern, der noch nicht ganz so »Pro-Jakobsweg« ausstrahlt. So fühle ich mich auf jeden Fall.
Aber alles egal! Ich bin hier und habe Bomben-Laune! Und alles andere kann ich dank meiner großen Vorfreude und überschäumender Motivation ausblenden. Dass ich circa sechs Kilometer später japsend unter einem Baum liegen und denken werde, ich müsse sterben, davon weiß ich ja in diesem Moment noch nichts. Davon werde ich nun von Anfang an und en détail berichten:
Nachdem ich den Jakobsweg mithilfe meines kritischen Zimmernachbarn nun endlich gefunden habe, laufe ich also los und fühle mich SUPER! Ich pfeife vor mich hin und bin total geflasht von der Natur. Die anderen Pilger, die ich treffe, begrüße ich überschwänglich und denke mir noch so: »Komisch, was dieser durchtrainierte Pilger in meiner Unterkunft hatte… Es läuft doch super! Und das Wetter ist auch spitze! Klarer, blauer Himmel. Alles gut, mein lieber sporty Pilger-Kollege, dein Zweifeln war ein Irrtum!« Irgendwann geht die Strecke fast nur noch bergauf. Außerdem fängt es auf einmal an zu regnen. Aber all das bringt mich nicht aus dem Konzept. Vielmehr denke ich mir: »Super! Ich wollte eh gerade Pause machen und suche mir jetzt einfach ein Bäumchen, an dem ich mich unterstellen und vielleicht ja sogar auch ein wenig setzen kann.« Kurz danach sitze ich beglückt unter einem Baum mit Blick auf eine süße Esel-Familie, verrichte stolz mein erstes Pinkel-Geschäft mit meinem helllila Ganzkörper-Poncho (super Sichtschutz das Ganze!) und denke mir völlig entzückt: »Mensch, das mit dem Pilgern läuft doch!«
Ich laufe weiter und bald kommt die Sonne wieder raus. So langsam merke ich, wie mir die Hitze zu schaffen macht. Es muss so irgendwas zwischen 12 Uhr und 13 Uhr sein und da knallt die Sonne hier in Frankreich gnadenlos. Ich laufe an einem Haus vorbei, das kalte Getränke und Eis verkauft. Ich überlege: »Ja, das wäre nett, aber da kommt später sicher noch was und ein bisschen halte ich auch noch durch.«
Tja, leider kommt dann nichts mehr… Und so wird mein Wasservorrat immer knapper und die Sonne immer erbarmungsloser. Ich japse wie ein Hund mit Bronchitis und bin einfach nur froh, dass ich alleine laufe, weil mir diese Laute fast vor mir selber peinlich sind. Ich schleppe mich von Schattenfleck zu Schattenfleck und mache unter einem weiteren Baum Rast. Dort esse ich meine letzten Müsli-Power-Sportler-Riegel. Nicht aufgrund von Hunger, sondern einfach aus der Hoffnung heraus, dass sie mir Kraft geben für die letzten Kilometer. Weit kann es eigentlich nicht mehr sein, aber ich sehe kein Land in Sicht …nur Sonne!!! Überall diese gnadenlose Sonne!
Ein sehr erfahren und sehr ausgeruht wirkendes Pilger-Pärchen kommt an meinem Rastplatz vorbei. Die Frau guckt relativ besorgt. So wie ich mich da auf den Boden geknallt habe, überlegt sie vielleicht kurz, ob ich bereits zusammengeklappt bin. Dann setzt sie der eh schon blamablen Szene noch das Krönchen auf, indem sie sagt: »We saw you along the trail, while climbing the hill. We thought, wow, this girl has so much stuff with her!« – Wir haben dich auf der Strecke gesehen, als du den Berg hinaufgeklettert bist. Wir haben gedacht, wow, dieses Mädchen hat so viele Sachen dabei.
Da ich diesen Spruch nun schon öfter gehört habe, greife ich zu einer absoluten Notlüge. Ich erfinde ein Zwei-Personen-Zelt in meinem ausgebeulten Rucksack und mache einen auf: »Ja, ich will so viel wie möglich draußen schlafen.« Ganz so erfunden ist dieser Gedanke auch nicht, denn dieser Wunsch ist wirklich wahr und ich trage dafür tatsächlich eine Isomatte und einen zweiten dicken Schlafsack für kalte Outdoor-Nächte mit mir herum. Nur das Zelt, das gibt es nicht. Immerhin habe ich es so geschafft, das Pilger-Pärchen abzuwimmeln und sie sogar ein wenig zu beeindrucken. Ist mir auch inzwischen alles egal, denn ich will hier einfach nur in Ruhe sterben!
Eigentlich sollte laut meinem Pilgerführer hier auf dem Weg auch eine Wasserstelle sein, aber von der ist weit und breit nichts zu sehen. Vielleicht ist diese aufgrund von Austrocknung einfach nicht mehr vorhanden (so wie ich hier – bald…). Hinterher wird mir klar, dass ich dank meines neuen Käppis, das mir über den Augen hängt, knallhart daran vorbeigelaufen bin.
Ich rappel mich von meinem Rastplatz hoch und gehe weiter der Sonne entgegen. Ja, ich nehme den Kampf an. Diese Strecke hat nun eine Steigung von circa 50 - 60 Prozent bei gefühlten 40 Grad. Vielleicht ist es heute auch tatsächlich so heiß? Ich weiß es nicht. Eigentlich weiß ich sowieso gar nichts. Ich laufe immer ungefähr zehn Schritte und stütze mich dann auf meine Stöcke, um in Ruhe vor mich hin zu japsen. So erklimme ich im Schritttempo den Berg in absoluter Überzeugung, dass das mein Ende ist. Ich werde völlig dehydriert hier in dieser Steppe liegen bleiben. Irgendeiner dieser überfitten Pilger wird mich finden und sagen: »Das war leider nichts. Gehe über Start und fange nochmal von vorne an.«
Heute Morgen habe ich mich noch so gut gefühlt und gedacht: Es läuft doch super! Und jetzt stehe ich hier mit hochroter Birne, fantasierend und japsend mit ersten Nahtod-Erscheinungen. Ich versuche, nach vorn zu blicken und mich von Schattenfleckchen zu Schattenfleckchen zu hangeln. Keine leichte Aufgabe bei so viel Sonne und so wenig Schatten. Immer wieder schaue ich in meinen Pilgerführer und denke, diese verdammte Herberge muss doch jetzt mal kommen! Zwei andere Pilger überholen mich. Der eine von den beiden hat seine Wasserflasche hinten am Rucksack befestigt. Sabbernd laufe ich ihnen hinterher wie in der Wüste einer Fata Morgana, bringe es aber nicht über mich, nach ein bisschen Wasser zu fragen. Irgendwann verliere ich sie und mir kommt stattdessen eine Japanerin entgegen.
Ich frage sie, wie weit es noch bis zur albergueOrisson ist und sie antwortet: »Es ist nicht mehr weit. Vielleicht noch so ein bis zwei Kilometer.« Meine entrüstete Antwort »Was, so weit noch?« kann sie nicht verstehen. Gegen Ende meiner Pilgerreise werden ein bis zwei Kilometer auch absoluter Pipifax sein, aber hier und jetzt an meinem ersten Lauftag frage ich mich ernsthaft, ob ich dieses Ziel heute noch lebendig erreichen werde. Die Japanerin ruft mir aufmunternd »Buen Camino« zu und reckt dabei die Faust in die Luft. Diese zwei Worte, ihre ernstgemeinte Anfeuerung und die Aussicht auf einen Schluck Wasser beflügeln meine letzten Reserven. Ich schaffe das, ich komme da jetzt an, denke ich und wechsle kurzzeitig vom Schritttempo ins Traben. Da kommt die ersehnte Kurve. Und ein Blick ins… Nichts! Alle kurzzeitig gewonnene Kraft scheint genau dahin verschwunden zu sein. Ins Nichts.
Da taucht auf einem Wassertank in riesengroßen Lettern ein Graffiti auf: Keep on going! – Mach einfach weiter! Okay, dann mache ich das jetzt. Und auf einmal bin ich einfach da! Dank dieser aufgesprühten Worte habe ich es tatsächlich geschafft. Von da ab ist Keep on going mein Mantra, das mich den ganzen Jakobsweg über begleiten wird. Ich laufe in die albergue hinein, steuere den Tresen an und sage mit letzter Kraft: »Dos botellas de agua por favor« (zwei Flaschen Wasser bitte) und »ja, sehr kalt und ja, wirklich zwei!«
Ich gehe auf die atemberaubende Terrasse, setze mich an einen freien Tisch und halte mir mit einer Hand eine eiskalte Flasche in den Nacken, während ich die andere auf Ex herunterkippe. Das ist das Beste, was ich seit Langem zu mir genommen habe. Ganz langsam komme ich wieder zu mir und nehme meine Umgebung wahr. Es scheinen ein paar nette Pilger hier zu sein. Ein erster Eindruck, der sich bei unserem gemeinsamen Abendessen absolut bestätigt. Bei vino, agua und einem vorzüglichem 3-Gänge-Menü haben wir einen der besten und lustigsten Abende auf dem Camino. Ich lande an einem sehr internationalen Tisch, sitze zwischen einem Italiener und einer Spanierin und versuche mit wildesten Sprachgebärden für die deutschen Pilger zu übersetzen. Ich werde in Zukunft auf dem Camino auch nicht mehr den Luxus einer Vollpension haben und so macht mich ein solch geselliges Abendessen einfach glücklich. Als wir uns dann noch in dieser vertrauten kleinen Runde gegenseitig die Strapazen dieser ersten (eigentlich kurzen) Etappe beichten, ist die gemeinsame Verbindung sofort da. Wir lachen Tränen und der Abend ist ein wunderbar sanfter Einstieg, der mich mit einem breiten Lächeln in mein Daunenkissen sinken und endlich friedlich einschlafen lässt.
Vielleicht habe ich doch alles richtig gemacht mit dieser Reise? Denn genau dafür bin ich hier! Andere Menschen und Kulturen kennenlernen, sich austauschen und eine große vereinende Gemeinschaft spüren: Wir sind alle Pilger auf der Suche nach dem richtigen Weg – unabhängig von Größe, Alter, Kondition, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache und unserem Leben zu Hause. Das zählt hier nicht. Genau von so einer Welt träume ich – immer und überall sind wir doch alle gleich: Menschen!
Von den 18,9 Kilometern bergauf und der fast noch beschwerlicheren Strecke bergab, die mich am nächsten Tag erwarten wird, ahne ich an diesem Abend absolut nichts. Schließlich bin ich ja durch und durch positiv denkend, also befasse ich mich immer erst am aktuellen Tag mit meinen bevorstehenden Etappen. Vielleicht ist es naiv, vielleicht aber auch die Chance, um diesen Weg hier überhaupt zu schaffen – step by step und in kleinen Häppchen.
Egal wie – ab jetzt mache ich einfach Keep on going! Ich habe ich es bis hierhin geschafft – und das lebendig, also schaffe ich es auch weiterhin …hoffentlich!
Mein erster (1400-er) Berg
2. (Lauf-)Tag - 19. Juli 2015 ( Orisson - Roncevalles, 18,9 km )
So, ich bin schon wieder fix und foxi! Kaum zu glauben, dass das mein zweiter Tag sein soll. Wie soll ich das bloß weitere 48 Tage durchstehen? Komme mir jetzt schon wie die »Oma des Jakobsweges« vor. Wo fange ich an, wo höre ich auf? So viele Erlebnisse. Die Fülle an Gefühlen, Aufs und Abs und Ereignissen scheint sich in ein paar Sätzen kaum beschreiben zu lassen. Darum versuche ich mich in einer stichwortartigen Kurzfassung:
Loslaufen – Rucksack verfluchen – nach kurzer Zeit japsen und schwitzen – Anstieg verfluchen – sehr viele an mir vorbeiziehen lassen – mal wieder innerlich zusammen zählen, was ich abwerfen kann (Gepäck) – Stoßgebete nach oben abgeben, dass ich bald zusätzlich an MIR etwas abwerfen kann (Gewicht) – zweifeln, ob ich überhaupt zwei Kilometer schaffe – der ernsthafte Gedanke, gewalttätig zu werden, wenn mich noch einer fragen sollte, ob alles okay ist – kurze Unterbrechung der Zusammenfassung:
Bilde ich mir das ein, oder denken die an mir Vorbeiziehenden, dass ich kurz vor dem Zusammenbrechen bin? Fast jeder Zweite fragt mich »Are you okay?« und ich denke mir: »Ja, so okay wie man halt sein kann, wenn man das erste Mal in seinem Leben einen 1400-er besteigt.« Und hat das einzig mit dem Anblick meines Rucksacks zu tun (sehr groß und prall gefüllt)? Oder doch mit mir und meiner Statur (nicht groß und trotzdem prall gefüllt)? Oder im Zweifelsfall sogar mit beidem?
Ich weiß es nicht, aber es ärgert und nervt mich unglaublich! Ja, wenn der Rucksack so riesig ist, dann sollen sie mir doch etwas abnehmen. Und wenn es meine Statur ist, dann sollen sie das mal meine Sorge sein lassen. Ich bin fitter als manch anderer hier, in jedem Fall fitter als ich aussehe! Das soll mir mal einer nachmachen mit einem circa 12 kg schweren Rucksack auf dem Rücken und zusätzlichen, leider hier nicht en detail erwähnbaren, Kilos auf den Rippen. Ich sehe ja, wie sich die unbepackten Pilger schon abkämpfen mit ihren »Pipi-Rucksäcken«. Aber ich bin immer noch im Rennen! Und jedes Mal zu fragen, ob ich okay sei, hilft mir nicht im Geringsten. Im Gegenteil, es macht mich so wütend, dass ich ihnen mal wieder beweisen will, wie gut ich doch klarkomme: Ich versuche, so wenig wie möglich zu schnaufen und kaum Pausen zu machen. Das Ergebnis: Nicht nur der Sonnenbrand meines Lebens und immer wiederkehrende Hyperventilation mit der Tendenz zum Übergeben, sondern auch ein vor Knieschmerzen jammernder Einmarsch (so gut man im Humpeln eben einmarschieren kann) in Roncesvalles.
Aber wie beim Wandern Schritt für Schritt und stichwortartig zurück zur Kurzfassung:
Phänomenale Natur-Flashs begleiten meinen Weg – Fühle mich zwischen all den saftigen grünen Hügeln, dem Moos, dem Nebel und den Wasserfällen wie Frodo in »Herr der Ringe« – versuche fieberhaft die Anfangsmelodie von »Herr der Ringe« anzustimmen (Enya) – weiche aufgrund mangelnder Erinnerung auf Titanic aus (Warum gerade Titanic? Muss ich mir Sorgen machen, dass ich heute noch untergehe?) – wechsle lieber zu anderen Songs, die mir gerade einfallen – stelle dabei fest, dass in fast jedem Song passenderweise die Rede vom einem mountain ist, den es zu climben gilt – gröle schlussendlich zusammen mit zwei Japanern lauthals die Rocky-Anfangsmelodie »Eye of the Tiger« (abgefahrenste Szene ever!) – Mein absolutes Highlight: sehe zum ersten Mal in meinem Leben freie und wilde Pferde mit Glocken um den Hals – immer wiederkehrende Schnappatmung, abwechselnd wegen der Anstrengung und der atemberaubenden, fast schon verwunschen wirkenden Natur, die mich hier umgibt – Und letzten Endes die Feststellung, dass jeder Aufstieg nicht im geringsten so schlimm ist wie der Abstieg!
Kurz vor Ende meiner Etappe kreisen dann noch vier große Adler über mir. Das ist für mich die pure Faszination, denn der Adler ist mein Krafttier. Ich kann den Blick nicht abwenden und deute das als gutes Omen für meine Reise. Hinterher, als sich meine überhitzte Birne und mein Körper wieder ein wenig akklimatisiert haben, frage ich mich jedoch, ob die bei meinem hochroten (auch durch den Sonnenbrand) Anblick gedacht haben: »Mmh, das ist aber ein leckeres großes Stück Fleisch. So ein dicker Brocken. Der wird gleich umfallen und aufgeben und dann machen wir vier uns über den her.« Ich werde es leider nicht mehr erfahren, was die guten Adler an diesem Nachmittag gedacht haben. Was ich aber weiß ist, dass ich noch nie zuvor vier große Adler so dicht über mir gesehen habe – ein wirkliches Natur-Spektakel!
Über meinem Aufstieg kreist ein ähnlich spektakuläres, jedoch für mich durchaus fragwürdiges Phänomen: das Messen! Wer ist der fitteste Pilger, wer der schnellste oder der erfahrenste? Was das mit dem religiösen Pilgern zu tun hat, will weder in meinen hochroten, noch in den wieder entspannten Kopf. Was hat das mit Werten wie Nächstenliebe und Fürsorge, den Kranken, Schwachen, ja meinetwegen auch den Beleibteren unter uns gegenüber zu tun? Vor allem, wenn es nur darum geht, der Erste in der albergue zu sein und somit den »Schwächeren« das Bett wegzuschnappen? Müsste es nicht vielleicht sogar andersherum ablaufen? Die als erste ankommen, kriegen die Betten oben auf dem Hochbett (also die nicht so beliebten) und die zuletzt einlaufen kriegen die unteren und besseren Betten. Denn die ersten sind ja die fitteren Pilger und die zuletzt einlaufen sind die Gebrechlicheren und dementsprechend total kaputt, wenn sie endlich da sind. Ich werde mal recherchieren, welcher Jakobsweg-Kommission ich diesen Vorschlag unterbreiten kann. Ich finde die Idee jedenfalls genial!
Das wirklich absolute Highlight an diesem so ereignisreichen zweiten Wandertag wartet beim Einlaufen in die heutige Herberge auf mich. Denn da steht er, der deutsche Pilger, den ich an meinem ersten Lauftag nach dem Weg fragen musste – die Sache mit meinen Navigationsproblemen wisst ihr bestimmt noch. Aufgestützt auf seinen Wanderstock, mit geschocktem und schmerzverzerrtem Gesicht, sieht er mich ungläubig an. Gestern schien sein Blick noch zu sagen: »Ich gebe dir maximal 3 km und dann wirst du elendig krepieren, Schätzchen.« Heute stehen die Karten wohl etwas anders.
Mit offener Kinnlade und immer noch völlig verdattert berichtet er von seinem Kampf mit diesem harten Berg und fragt mich, wie ich denn das Ganze (üb)erlebt habe. »Schritt für Schritt und gegen Ende mit vielen Pausen«, antworte ich, jetzt am Ziel angekommen, glückselig. Wie das Schicksal diese Geschichte so schreibt, teilen wir uns in dieser Nacht auch noch eine Schlafkabine. Laut schnarchend und wimmernd schläft mein Zimmergefährte nach zwei Sekunden ein, während die fleißige und inzwischen Blut leckende Full-Size-Pilgerin unter ihm im Bett noch mit Stirnlampe diesen ereignisreichen Tag in ihr Tagebuch schreibt.
Wie ich das erste Mal aus einem Kloster fliege
3. Tag - 20. Juli 2015 ( Roncesvalles - Burguete, 2,6 km; mit den Knieschmerzen meines Lebens! )
Gestern Abend habe ich noch lange über dieses Messen auf dem Jakobsweg nachgedacht und dabei über mein vermeintliches Underdog-Dasein hier. Und das, obwohl ich mich selber gar nicht in eine solche Schublade stecke. Vielmehr bin ich jemand, der Menschen ins Gesicht guckt und in erster Linie darauf achtet, ob Menschen leuchten und strahlen. Und ob ich mich von dieser Energie angezogen fühle. Alles andere ist mir total unwichtig.
Zwei Geschichten sind mir dazu eingefallen:
1. Ich setzte mich gestern nichts ahnend an einen Frühstückstisch mit zwei anderen Pilgern. Das Thema bei Tisch war nicht zu überhören: Wie dick manche Bäuche der Männer seien und dass sie wohl vergessen, dass man das auch mitschleppt. Ich dachte, ich höre nicht richtig und vor allem: »Hallo, hier Artgenossin am Tisch. Achtung, Achtung!« Egal, wie oft ich in solche Unterhaltungen hineinstolpere – es ist und bleibt immer wieder unangenehm. Mir fehlt da leider immer noch ein Patent-Spruch für diese Begebenheiten. Die Männer am Tisch kapierten es jedenfalls irgendwann von alleine und wechselten das Thema. »Ja, sie ist aus Germany«, sagte der eine. Und ich dachte nur: Ja, Germany! Und Small Talk ist nun auch erst mal gelaufen.
2. Gestern setzte sich eine etwas ältere, ebenfalls kurvenreiche Frau zu mir und erklärte mir, dass die morgige Etappe nicht einfach sein wird. Ich hielt das für einen netten Plausch, vielleicht auch so von Full-Size-Pilgerin zu Full-Size-Pilgerin und dachte, wir könnten uns gegenseitig Tipps geben. Irgendwann im Laufe des Gesprächs jedoch wurde mir klar, dass sie mich aushorchen wollte. Ganz nach dem Motto »länger, schneller, weiter, fitter« fing die doch auch echt an, sich zu messen – mit mir. Blicke, die eindeutig vergleichen wollten, wer denn hier mehr Übergepäck rumschleppt und besser damit klarkommt, trafen nicht nur meinen Körper, sondern auch den Rest in mir. Es war merkwürdig und irgendwie auch traurig. Aber es machte mich auch schlagfertiger, denn in mir reifte dabei die Antwort auf die nächste Frage nach meinem Pilger-Befinden frei nach dem Motto: »Alles okay bei dir?« …»Ja, bei mir schon! Und bei dir so?«
Schon bald werde ich merken, dass diese Strategie aufgeht und ich den Ball damit einfach zurückgebe. Und auf die genauso beliebte Frage, ob ich zum ersten Mal laufe, werde ich sagen: »Nein, das ist jetzt mein fünftes Mal.« So langsam bilden sich da also anscheinend Patent-Sprüche. Yippie, juchhe!
Aber nun zurück zu meinem aktuellen Standort, Roncesvalles, und den viel wichtigeren Herausforderungen:
Ich schlafe in der schlimmsten albergue des Camino, wie mir hinterher bewusst wird.
Es handelt sich um ein riesiges Kloster und ihr werdet es nicht glauben, aber die schmeißen mich morgens tatsächlich vor die Tür.
Ich versuche mal von Anfang an von meinem Kloster-Desaster zu berichten:
Ich fragte beim Einchecken EXTRA noch, um wie viel Uhr der Check-out ist und die Antwort lautete 8.00 Uhr.
Trotz meines Stirnbands über den Augen bekomme ich nun schlaftrunken mit, wie morgens um 5.30 Uhr in meiner Legebatterie das Neon-Flutlicht angeschmissen wird und ab da ein wuseliges Treiben beginnt. Mithilfe meiner Ohrstöpsel drehe ich mich nochmal auf die Seite – 5.30 Uhr ist nun wirklich nicht meine Uhrzeit, vor allem nicht nach dem gestrigen Marathon! Nach dieser Tortur soll ich mitten in der Nacht aufbrechen und mit aufgeladenen Akkus weiterlaufen? Ja, klar! Nicht mal im Traum, denke ich und verfalle dann tatsächlich erneut in einen wilden, unruhigen Schlaf.
Um 7.11 Uhr werde ich durch penetrante, unfreundliche »Hola« und anschließende »Time to get up«-Rufe geweckt (»Hallo! Zeit zum Aufstehen«). Eine verärgerte alte Frau starrt mich an und gibt mir zu verstehen, dass ich mich verziehen soll. Ich blicke verpennt auf meinen Wecker: 7.13 Uhr. Zwei Minuten später hätte mich dieser deutlich netter geweckt als diese merkwürdige Frau! Und das trotz dem nervtötenden Alarm-Ton von meinem oldschool Nokia-Handy. Ich stehe also auf, packe meine Sachen zusammen und will jetzt auch nur noch hier raus – obwohl ich nach wie vor nicht verstehe, was das Problem ist. Ich habe noch 45 Minuten Zeit, um auszuchecken und das ist ja wirklich machbar. Immer wieder gucken Leute vom Personal bei mir um die Ecke, sich scheinbar fragend: »Ist die immer noch nicht weg?« Oh mein Gott, ich fühle mich jetzt wirklich wie der Staatsfeind Nr. 1 und werde als absolute Langschläferin abgestempelt (um 7.15 Uhr, ihr seht es wird immer besser!).
Mit dem Gong-Schlag des Klosters stehe ich um Punkt 8.00 Uhr vor der Tür und der Mann am Empfang will mir noch erzählen: »You are very late!« – Du bist sehr spät!
Aber ich antworte zum Glück: »You hear the bell? I am not late. I am right on time!« – Hörst du die Klingel? Ich bin nicht spät dran, ich bin genau richtig in der Zeit!
Und dann dampfe ich ab und kann es echt nicht glauben. Diese albergue, gebettet in ein Riesen-Kloster, ist ja wohl das scheinheiligste, unchristlichste, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe. Hier, auf dem Weg zu mir und auch ein bisschen zurück zu meinem Glauben, verliere ich diesen ausgerechnet in dem größten Kloster, in dem ich bisher übernachtet habe. Schade, aber ich will jetzt auch nur noch weg. Also humpele ich so schnell ich kann und schaffe es immerhin an den Ortsausgang dieses merkwürdigen Dorfes. (Es besteht ja lediglich aus diesem ominösen Kloster.) Ich bestelle mir in einer Bar, mit dem Blick weg vom Kloster (herrlich diese Aussicht!), erst mal einen Café Grande und ein spanisches »Frühstück«, welches aus kleinen eingepackten Küchlein besteht.
Ich versuche mich zu beruhigen und einen klaren Kopf zu fassen, weil ich beim Weghumpeln vom Kloster sehr deutlich gemerkt habe, dass ich heute nicht weit kommen werde. Meine Knie schmerzen bis zum Umfallen und ich komme nur trippelnd im Schneckentempo voran. Ich beschließe trotz der Knieschmerzen meines Lebens unter keinen Umständen in diesem Dorf des Grauens zu bleiben und humpele davon.
Schade, dass es mir nicht wirklich gut geht, denn der Weg ist wunderschön. Sehr verwildert und grün, erinnert er mich zwischenzeitlich an den Regenwald. Oder habe ich schon Halluzinationen wegen der Knieschmerzen?
Ich komme aus dem Wald heraus und es scheint, dass ich es bis ins nächste Dorf geschafft habe, denn aus heiterem Himmel taucht ein Supermarkt auf. Das trifft sich gut, denn schließlich wurde ich ja ohne Frühstück im Bauch rausgeschmissen und diese Mini-Küchlein waren nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich freue mich über Obst und Joghurt und noch mehr darüber, dass sich vor dem Supermarkt große Bänke mit Steintischen befinden. Perfekt zum Pause machen und nach meinen immerhin stolzen 2,3 Kilometern ein wahrer Traum. Zu meiner Überraschung sitzt an einem der Tische ein nettes junges Pärchen, das ich schon im »Regenwald« getroffen habe und mit denen ich dort bereits einen kurzen Plausch hatte. Ich frage, ob ich mich dazusetzen darf.
Ema und Alex, wie sich die beiden vorstellen, sind wirklich total nett und cool und ich merke schnell, dass sie auch nicht die typischen Camino-Pilger sind. Sie sprechen von »Genuss«, »sich Zeit nehmen« und »so weit kommen, wie man halt kommt«. Worte, die ich bisher noch von keinem hier gehört habe, die aber natürlich genau mein Ding sind. Ich fühle mich verstanden in dieser netten gemeinsamen Pause.
Alex zaubert sogar aus den Tiefen seines Rucksacks einen winzigen Espresso-Kocher hervor und wir trinken original neapolitanischen Espresso aus unseren leeren Joghurtbechern – herrlich!
