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Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! »Hast du wirklich drei Katzen daheim, Heike?« Dr. Heike Kreisler nickte mit einem Lächeln, zückte ihr Smartphone und zeigte der kleinen Patientin ein paar Bilder ihrer Stubentiger. Emma Salzmann war fünf Jahre alt und lag bereits seit drei Wochen in der Behnisch-Klinik. Ihr war ein Tumor aus dem rechten Knie entfernt worden. Das Gewebe war zwar gutartig gewesen, doch durch einige Komplikationen war der stationäre Aufenthalt der kleinen Patientin in die Länge gezogen worden. Emma war ein schüchternes Kind, liebte aber Tiere. Dr. Kreisler, die junge, unkonventionelle Kinderpsychologin, erlaubte es ihren Patienten, sie zu duzen. Sie hatte schon oft erlebt, dass dies die Hemmschwelle senkte und die Kleinen so schneller und leichter Vertrauen fassten. Bei Emma hatte es etwas länger gedauert. Doch als sie nun die drei Katzen der jungen Ärztin bewunderte, war das Eis endgültig gebrochen. »Kannst du sie nicht mal mitbringen? Ich würde sie so gerne streicheln«, bat das Mädchen begeistert. »Das geht leider net, im Spital sind Haustiere net erlaubt«, mischte sich nun Lernschwester Nela ein, die eben das Krankenzimmer betreten hatte. Die hübsche, junge Frau mit dem weizenblonden Haar und den himmelblauen Augen kam wunderbar mit den kleinen Patienten zurecht. Das lag zum einen an ihrer bodenständigen, natürlichen Art und zum anderen an der Tatsache, dass sie selbst fünf Geschwister hatte. »Schade«
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2026
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»Hast du wirklich drei Katzen daheim, Heike?«
Dr. Heike Kreisler nickte mit einem Lächeln, zückte ihr Smartphone und zeigte der kleinen Patientin ein paar Bilder ihrer Stubentiger. Emma Salzmann war fünf Jahre alt und lag bereits seit drei Wochen in der Behnisch-Klinik. Ihr war ein Tumor aus dem rechten Knie entfernt worden. Das Gewebe war zwar gutartig gewesen, doch durch einige Komplikationen war der stationäre Aufenthalt der kleinen Patientin in die Länge gezogen worden. Emma war ein schüchternes Kind, liebte aber Tiere.
Dr. Kreisler, die junge, unkonventionelle Kinderpsychologin, erlaubte es ihren Patienten, sie zu duzen. Sie hatte schon oft erlebt, dass dies die Hemmschwelle senkte und die Kleinen so schneller und leichter Vertrauen fassten. Bei Emma hatte es etwas länger gedauert. Doch als sie nun die drei Katzen der jungen Ärztin bewunderte, war das Eis endgültig gebrochen.
»Kannst du sie nicht mal mitbringen? Ich würde sie so gerne streicheln«, bat das Mädchen begeistert.
»Das geht leider net, im Spital sind Haustiere net erlaubt«, mischte sich nun Lernschwester Nela ein, die eben das Krankenzimmer betreten hatte. Die hübsche, junge Frau mit dem weizenblonden Haar und den himmelblauen Augen kam wunderbar mit den kleinen Patienten zurecht. Das lag zum einen an ihrer bodenständigen, natürlichen Art und zum anderen an der Tatsache, dass sie selbst fünf Geschwister hatte.
»Schade«, seufzte Emma und nahm die Medikamente, die Nela ihr gab. »Ich hätte auch gerne eine Katze.«
»Dann fragst halt deine Mama, wenn sie dich nachher besucht. Sie wird gewiss einverstanden sein. So ein Katzerl macht nicht viel Arbeit.«
»Ja, ich frag sie«, entschied die Kleine daraufhin.
»Bei Emma wird die Medikation ab morgen herunter gefahren«, ließ Dr. Kreisler Nela wissen, nachdem sie das Krankenzimmer gemeinsam verlassen hatten. »Die Chefin will Ende der Woche prüfen, ob eine baldige Entlassung möglich ist.«
Die Lernschwester machte sich eine kurze Notiz, wobei sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.
»Hab’ ich was Lustiges gesagt?«, wunderte Heike Kreisler sich.
»Nein, gewiss net. Es ist nur, na ja, Sie sagen immer Chefin zu Frau Dr. Norden. Das ist doch ziemlich … salopp.«
Die Medizinerin deutete lachend auf ihre brandroten Haare, die meist zu zwei Pipi-Langstrumpf-Zöpfen geflochten waren und auf das aparte Piercing an der rechten Augenbraue und meinte dabei gut gelaunt: »Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, Nela, ich bin salopp. Det ist meine Berliner Schnauze; anjeboren.«
»Verstehe. Oder auch nicht …«
Sie lachten beide, dann betraten sie zusammen das nächste Krankenzimmer. Als sie ihre Runde über die Pädiatrie der Münchner Behnisch-Klinik fast beendet hatten, näherte sich ihnen ein hoch gewachsener junger Mann mit Sporttasche über der Schulter. Dr. Kreisler bemerkte, wie Nela errötete und spöttelte: »Wenn das nicht einer unserer Klinikclowns ist. Ich wette, er freut sich nicht nur auf die kleinen Patienten. Nachtigall, ick hör’ dir trapsen …«
»Hallo, Frau Dr. Kreisler«, sagte Alexander Buchner freundlich, dann umfing er Nela mit einem warmen Blick und nickte ihr lächelnd zu.
»Emma wünscht sich eine Katze«, ließ Heike Kreisler ihn wissen, während die Lernschwester rasch im nächsten Krankenzimmer verschwand.
»Danke für den Tipp, ich bin ein großer Ballonkünstler.«
»Tiere aus Luftballons, Mensch, wie lange ist es her, dass ich das selbst im Zirkus gesehen habe. An Ihnen ist ein richtiger Clown verlorengegangen.«
Der gutaussehende junge Architekt räusperte sich und machte ein strenges Gesicht. »Ich bin ein richtiger Freizeitclown, meine Liebe. Unterschätzen Sie das nur nicht.«
»Keine Sorge!« Sie lachte. »Ich glaube, mir geht eine Schwester ab. Wo könnte sie denn stecken?«
»Sie ist schon ins Zimmer gegangen.« Er lächelte schmal. »Grüßen Sie Nela von mir.«
»Mach’ ich glatt. Bis dann.«
Wenig später hatte Nela Pause. Bevor sie ins Schwesternzimmer ging, richtete Dr. Kreisler ihr noch den Gruß aus, den Alexander Buchner ihr aufgetragen hatte. Und weil die junge Schwester nicht reagierte, versicherte die Ärztin ihr: »Keine Sorge, dieser Herr Buchner ist kein Unhold, der Lernschwestern nachstellt. Er ist sehr nett und von guter Herkunft.«
»Ich weiß.«
»Das klingt so gequält.«
Nela hob die Schultern, ihre himmelblauen Augen wurden eine Spur dunkler, als sie zugab: »Ich finde ihn wirklich sehr sympathisch. Und dass er sich ehrenamtlich bei den Clowns mit Herz engagiert, ist toll. Ein Mann, der einen guten Draht zu Kindern hat, wird mal … Na ja …«
»Ein guter Ehemann?«
»Das habe ich gemeint. Allerdings nicht für mich.«
»Und warum nicht? Ich möchte nicht neugierig erscheinen, aber es ist nicht zu übersehen, dass du ihm gefällst.«
»Ja, für einen Flirt vielleicht.«
»Warum bist du so negativ, Nela? Das kenne ich nicht von dir.«
»Frau Dr. Kreisler, Sie werden mein Verhalten sicher verstehen, wenn ich Ihnen sage, dass mein Vater Briefträger ist und die Mama ab und zu Putzen geht, wenn es net langt am Monatsende. Ich komm’ aus Haidhausen, hab fünf Geschwister und bin gewiss keine passende Partie für den jüngsten Spross der Buchner-Dynastie.«
»Dynastie? Sorry, so firm bin ich in München noch nicht. Ich wusste nur, dass er Architekt ist.«
»Die Buchners gehören zur Münchner High Society. Ihre Büros sind in einem Glaspalast am Stachus. Viele große Hotels und andere luxuriöse Großprojekte stammen von ihnen. Achten Sie mal auf die Schilder an den Baustellen.«
»Und du denkst, deshalb kann Alexander kein netter Typ sein?«
»Er ist gewiss sehr nett. Aber ich hab’ meinen Traumjob hier nur deshalb bekommen, weil ich sehr, sehr fleißig gewesen bin. Und ich möchte mich net verzetteln, verstehen Sie?«
Heike seufzte. »Pragmatische Jugend von heute. Na schön, wie du meinst. Trotzdem ein bisschen schade. Vielleicht hat der gute Mann ja keinen Dünkel und wirkliches Interesse an dir. Das kannst du allerdings nur dann herausfinden, wenn du ihn kennenlernst. Denk mal drüber nach, Nela. Das Leben besteht nämlich nicht nur aus Arbeit.«
Die junge Frau lächelte schmal. »Für mich schon. So bin ich erzogen worden.«
»Ich stamme aus Berlin Mitte, mein Bruder Edi ist Schrauber und meine Schwester Margie Kindergärtnerin. Die schönsten Feste fanden früher im Hinterhof oder in unserer Schreberlaube statt. Und Bier mit Bratwurst ziehe ich jederzeit Champagner und Kaviar vor. Damit will ich sagen, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, woher man stammt. Klar hat man Wurzeln, die Familie prägt einen. Aber doch nur eine gewisse Zeit. Was man später aus seinem Leben macht, das ist einem mehr oder weniger selber überlassen.«
»Sie haben etwas aus sich gemacht.«
»Du auch. Aber nicht immer nur hü, auch mal hott, locker bleiben und den alten Herrn oben in den Wolken machen lassen. Da kommen manchmal die erstaunlichsten Dinge zustande, glaub mir. Jo, mein Freund, stammt vom Land, seine Eltern haben einen Bauernhof. Er ist sehr geerdet. Das sind so die Gegensätze, die sich anziehen. Nur mal als kleiner Tipp.« Dr. Kreisler wandte sich ab, als ihr Handy klingelte.
»Danke«, hörte sie Nela noch sagen und lächelte. Als sie sich dann meldete, war am anderen Ende aber nur Schweigen. Die sonst stets gutgelaunte Kinderpsychologin, die ihr Herz auf der Zunge trug, wurde unvermittelt blass und sehr ernst. Das Lächeln war wie weggewischt und in ihre Augen trat ein unsicherer Ausdruck. Es war nicht der erste Anruf dieser Art. Seit Tagen ging das nun so. Und es waren nicht nur die Telefonate, da war noch mehr …
»Finde ick echt witzig, ha, ha«, machte sie ironisch und beendete die Verbindung. Als sie dann aber am Computer arbeitete, entdeckte sie bald die Mails. Es waren zehn und sie hatten alle den gleichen Inhalt: Ein Emoji in Form eines Totenkopfes. Heike Kreisler löschte die Mails, doch damit waren sie nur vom Monitor verschwunden, nicht aber aus ihrem Kopf.
Unvermittelt riss sie eine Stimme aus ihren düsteren Gedanken: »Grüß dich, Schatzerl.«
Die junge Ärztin zuckte erschrocken zusammen, Jo Braun, ihr Freund, musterte sie fragend.
»Ach, du bist’s. Ich wusste nicht, dass es schon so spät ist.«
»Hast noch was zu tun?«
»Nein, nein, ich wollte auch gerade Feierabend machen.« Sie gab sich Mühe, ihre Stimme normal klingen zu lassen, aber so ganz wollte ihr das nicht gelingen. Das unterschwellige Zittern darin nahm Jo sehr wohl war. Der Zweimetermann mit der Statur eines Rugbyspielers und der sanften Seele eines Lamms kannte Heike zu gut, um es nicht zu bemerken.
Jo arbeitete bei der Caritas mit Schwerstbehinderten und hatte gelernt, auf die leisen Zwischentöne zu achten. Er war ein sehr sensibler Mann und bei seinen Schützlingen überaus beliebt.
Als er dann auf dem Heimweg fragte: »War wieder was?«, hätte Heike allerdings lieber geschwiegen. »Komm, Schatzerl, ich seh’ doch, dass du dich quälst. Magst es mir nicht sagen?«
»Wieder so ein komischer Anruf. Schweigen. Und die gleiche dämliche Mail mit dem Totenkopf.«
»Das solltest du nicht auf sich beruhen lassen.«
»Es nervt, aber es ist kein Fall für die Polizei.«
»Es könnte einer werden.« Jo wirkte nun sehr besorgt. »Stalker hören meist nicht auf, bis sie kriegen, was sie wollen. Und in deinem Fall wissen wir ja net mal, was dahintersteckt.«
»Schon, trotzdem will ich erst mal abwarten. Weißt du, es gibt immer wieder Menschen, die kommen mit dem Verlust eines Angehörigen nicht zurecht und geben dem Arzt die Schuld.«
»Meinst, es ist sowas?«
»Ich habe leider keinen Schimmer.«
»Dann solltest …«
»Nein, Jo, bitte nicht. Ich möchte nicht mehr darüber reden. Bestimmt hört das Ganze bald wieder auf.«
Damit sollte Heike Kreisler allerdings nicht Recht behalten …
*
Lernschwester Nela hatte schon früher Feierabend. Wie jeden Tag nahm sie die Tram, die nicht nur vor der Behnisch-Klinik hielt, sondern auch direkt vor dem Mietshaus, in dem sie mit ihrer Familie wohnte. Ihr älterer Bruder Max hatte sie damit aufgezogen, dass sie nur aus diesem Grund den Job angenommen hatte. Max war ein Spaßvogel, von Beruf Fernfahrer und selten daheim. Die Mutter beschwerte sich manchmal, dass die große Runde am Esstisch meistens nicht vollzählig war. Hetti Schmidt war die Seele der Familie, die alle zusammen hielt. Max war zwar verlobt und wollte bald heiraten, doch so recht trennen konnte er sich von der Altbauwohnung in Haidhausen und ihren Bewohnern nicht. Zu viele Erinnerungen verband die acht Menschen, die sehr harmonisch miteinander umgingen. Hetti und ihr Mann Franz waren immer für ihre Kinder da, hatten von kleinauf an allem Anteil genommen, was ihre Sprösslinge betraf.
Hetti stammte aus Haidhausen, ihr Mann kam vom Land, aus einem kleinen Dorf bei Rosenheim. Sie waren einfache, herzliche Menschen. Nela war klar, dass sie ihren Traumjob nicht so zielstrebig hätte ergattern können ohne die Unterstützung ihrer Eltern. Und sie nahmen auch heute noch jeden Tag Anteil an allem, was ihre Tochter zu berichten hatte.
Als Nela an diesem trüben Novemberabend heimkam, saß ihre jüngste Schwester Sissi noch über ihren Hausaufgaben. Die Kleine ging in die zwei Klasse und tat sich mit dem Rechnen etwas schwer. Schreiben und Malen lagen ihr gut. Auch sie hatte das weizenblonde Haar der Mutter geerbt, dazu die Locken vom Vater und seine warmen, rehbraunen Augen. Franz Schmidt nannte seine Jüngste »Prinzessin«. Die Eheleute hatten nicht mehr mit Nachwuchs gerechnet, doch ihr Nesthäkchen war ihnen sehr ans Herz gewachsen. Sissi war ein fantasievolles, stilles Mädchen, das gerne träumte und sich stundenlang mit seinen Puppen beschäftigen konnte.
»Nela, kannst mir bei der Rechenaufgabe helfen?«, fragte die Kleine hilfesuchend. »Ich bring’s einfach net raus.«
»Na, lass mich mal schauen.« Sie gab Sissi ein paar versteckte Tipps und strich ihr lächelnd übers Haar, als diese das Ergebnis schließlich doch noch fand. Dann aber stutzte sie. »Du hast Fieber, bist ganz warm. Hast dich erkältet?«
Sissi hob die Schultern. »Ich weiß net …«
»Warte mal.« Nela ging in die Küche, wo ihre Mutter damit beschäftigt war, das Abendessen herzurichten. »Grüß dich, Mama, hast gemerkt, dass die Sissi fiebert?«
Hetti Schmidt nickte. »Wir haben morgen einen Termin beim Dr. Wagner. Hoffentlich ists nix Ernstes.«
»Wie kommst darauf? Kinder fiebern schnell mal.«
»Schon. Aber sie ist net erkältet. Das gefällt mir nicht.«
Franz Schmidt kam nun nach Hause und begrüßte seine Frau mit einem Busserl, dann wollte er von Nela wissen, was es Neues gäbe. »Hast wieder ein Menschenleben gerettet oder zwei?«, scherzte er auf seine übliche lustige Art und zwinkerte seiner Tochter dabei zu.
»Freilich. Nächste Woch’ übernehm’ ich die Klinikleitung«, ging Nela auf seinen Ton ein und reichte ihm ein Bier.
Franz bedankte sich lächelnd. Sein Feierabendbier ließ er sich nicht nehmen, auch wenn er sonst kein großer Trinker war.
»Gibts was zu erzählen?«
Nela setzte sich kurz zu ihrem Vater auf die Eckbank. »Der Alexander Buchner war heut’ wieder auf unserer Station und hat für die kleinen Patienten Tiere aus Luftballons gedreht. Er ist ein netter Mensch, kann toll mit Kindern umgehen.«
»Ein sehr fescher junger Mann«, urteilte Hetti. »Man sieht ihn öfter in der Zeitung. Und es heißt, er soll einer der begehrtesten Junggesellen von München sein.«
Franz schüttelte nachsichtig den Kopf. »Hast wieder ein Klatschblattl gelesen, Hetti?«
»Mei, man muss doch wissen, was so los ist. Mit solchen Leuten hat unsereins eh nie was zu schaffen.«
»Ach, da kommt ja mein Prinzesserl«, freute der Vater sich, als Sissi die Küche betrat. Er nahm die Kleine auf den Schoß und meinte dann besorgt: »Du wirst krank, Spatzerl. Hast Fieber.«
Sissi schmiegte sich an ihren Vater. »Hast schon den Doktor angerufen, Hetti?«
»Freilich. Wir haben morgen einen Termin.«
»Ich deck den Tisch«, beschloss Nela und erhob sich.
Wenig später waren Merle, Fred und Oscar auch zu Hause und man versammelte sich um den großen Tisch in der Essstube.
»Sag einmal, Nela, hast den jungen Buchner wieder gesehen?«, wollte Oscar wissen. »Der hat vielleicht einen Porsche, ein richtiger Bolide. Ich sag’s dir, der macht 250 mindestens.« Der hoch aufgeschossene Mechatroniker lächelte versonnen. »Hab’ heut den Rädertausch und Wintercheck gemacht. Mei, einmal hinter dem Steuer sitzen und so richtig aufdrehen, das wär’s …«
Merle, die in einer Gärtnerei arbeitete, bedachte ihren Bruder mit einem strengen Blick. »Umweltwutzerl, altes.«
»Hö, hö, man wird ja wohl noch träumen dürfen …«
»Aber bitte ohne unnötige Abgase.« Die schmale Blondine mit den verträumten Augen konnte nur den Kopf schütteln. »Ihr Burschen habt auch nur diesen Unfug im Sinn. Bei uns in der Gärtnerei wird jetzt alles auf E-Autos umgestellt.«
»Mei, wie öde.« Oscar gähnte. »Dann doch lieber Porsche.«
