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Sich angstfreier bewegen - trotz der Achtbeiner! Angst vor Spinnen ist sehr weit verbreitet - eine der häufigsten Ängste überhaupt. Die meisten Menschen können damit gut leben, weil sie Spinnen ausweichen können oder meistens jemanden in der Nähe haben, der die ungeliebten Tiere im Falle eines Falles für sie entfernen kann. Wenn aber eine Angst zu einem starken Vermeidungsverhalten führt, zum Beispiel schon das Foto einer Spinne nicht mehr angeschaut werden kann, spricht man von einer Phobie. Phobien bleiben bestehen, solange man ausweicht, und sie verringern sich beziehungsweise verschwinden, sobald man sich damit gezielt auseinandersetzt. Der Ratgeber wendet sich an Menschen, die unter ihrer Spinnenangst leiden und dadurch in ihrem Alltag sehr eingeschränkt sind. Er liefert Informationen zu Angst und Ekel, nimmt die Spinnen unter die Lupe, räumt mit geläufigen Mythen auf und bietet konkrete Strategien zur Selbsthilfe an.
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2020
Ursula Galli
Gianandrea Pallich
Leandra Pörtner
Keine Angst vor Spinnen
Der Ratgeber für Menschen mit Spinnenphobie
Keine Angst vor Spinnen
Ursula Galli, Gianandrea Pallich, Leandra Pörtner
Dr. Ursula Galli
Zentrum am Gubel
Praxis für Psychotherapie und Psychosomatik
Gubelstrasse 54, 8050 Zürich
Schweiz
E-Mail: [email protected]
Dr. Gianandrea Pallich
Zentrum am Gubel
Praxis für Psychotherapie und Psychosomatik
Gubelstrasse 54, 8050 Zürich
Schweiz
E-Mail: [email protected]
Leandra Pörtner
Walter Zoo
Neuchlen 200
9200 Gossau
Schweiz
E-Mail: [email protected]
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www.hogrefe.ch
Lektorat: Dr. Susanne Lauri
Bearbeitung: Lydia Zeller, Zürich
Herstellung: Daniel Berger
Umschlagabbildung: Markus Engeler / EyeEm by GettyImages
Umschlaggestaltung: Claude Borer, Riehen
Illustrationen (Innenteil): Manuel Pörtner, Otelfingen, und Hans Winkler, Cammin
Fotos (Innenteil): Getty Images
Layout: punktgenau GmbH, Bühl
Format: EPUB
1. Auflage 2020
© 2020 Hogrefe Verlag, Bern
(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96024-1)
(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76024-7)
ISBN 978-3-456-86024-4
http://doi.org/10.1024/86024-000
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Danksagung
Einleitung
1 Was ist Angst?
1.1 Angst – ganz natürlich
1.2 Wie funktioniert Angst?
1.3 Ab wann ist Angst krankhaft?
1.4 Wann und warum soll ich mich meinen Ängsten und Phobien stellen?
2 Was ist eine spezifische Phobie?
2.1 Arachnophobie
2.2 Ekel
3 Warum entstehen Phobien und weshalb sind sie so schwer loszuwerden?
4 Was hilft gegen Spinnenphobie?
4.1 Selbsthilfe
4.2 Die Angstkurve
4.3 Behandlungsmöglichkeiten: Einzelpsychotherapie und Gruppentherapie
5 Spinnen
5.1 Wozu brauchen wir Spinnen?
5.2 Einheimische Spinnen
5.3 Typisch Spinne!
5.4 Faszinierendes aus der Spinnenwelt
6 Mythen und häufig gestellte Fragen von Betroffenen
6.1 Spinnen legen Eier unter die Haut von Menschen
6.2 Ein Mensch isst im Schlaf im Jahr durchschnittlich 7 bis 8 Spinnen
6.3 Spinnen trinken in der Nacht Speichel von unseren Lippen
6.4 Spinnen übernachten in unseren Ohren
6.5 Spinnen überleben das Einsaugen in einen Staubsauger und krabbeln nachts wieder heraus
6.6 Spinnen springen uns von der Decke oder seitlich von Wänden an
6.7 Spinnen können uns Netze anwerfen
6.8 Spinnen lauern uns auf oder warten auf uns im Keller, um dann auf uns zuzurennen
6.9 Wenn ich eine Spinne in der Natur frei lasse, findet sie den Weg in meine Wohnung zurück
6.10 Spinnen können aus dem Wasserabfluss z. B. in der Badewanne hochkriechen, deswegen findet man sie ab und zu dort
6.11 Es gibt sehr viele giftige Spinnen auf der Welt
6.12 Die Angst vor Spinnen ist angeboren und man kann nichts dagegen machen
6.13 Spinnen machen Netze in unseren Haaren
7 Information für Angehörige
8 Konkrete Strategien zur Selbsthilfe
8.1 Bevor es losgeht – gute Vorbereitung ist alles
8.2 Entspannung – wie Sie ruhig werden und Ruhe bewahren können
8.3 Ihr persönliches Mutprogramm: Erstellen Sie eine Liste der Dinge, die Sie erreichen möchten, von ziemlich einfachen bis zu sehr schwierigen
8.4 Jetzt geht es darum, sich der Angst zu stellen
8.5 Häufige Hürden
8.6 Wann sollten Sie sich professionelle Hilfe holen?
Arbeitsblätter
Meine starken Momente – Hürden überspringen
Meine Veränderungswünsche – neue Freiräume
Meine Angst und ich
Entspannung
Hilfreiche Selbstgespräche
Innerer Film nach meinem Drehbuch
Mein innerer Coach
Mutprogramm – neue Erfahrungen planen
Fünf motivierende Gedanken, wenn die Angst kommt
Fragebogen zur Angst vor Spinnen (FAS)
Literatur
Literaturempfehlungen
Die Autor*innen
Abbildungsverzeichnis
Sachwortverzeichnis
An erster Stelle möchten wir Frau Dr. Susanne Lauri danken, die uns die Anregung zu diesem Buch gab. Ihre Ermutigung, unsere Erfahrungen mit den Spinnenseminaren in Form eines Ratgebers einem breiteren Interessentenkreis näherzubringen, hat den Anstoß für dieses Projekt gegeben.
Sehr herzlich bedanken möchten wir uns auch bei Frau Prof. Dr. Ulrike Ehlert, Leiterin des Ambulatoriums für kognitive Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin der Universität Zürich. Sie ließ uns größte Freiheit bei der Entwicklung und Umsetzung dieses neuen Gruppentherapieprogramms. So konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und wissenschaftliche Erkenntnis mit klinischer Praxis erfolgreich verbinden.
Des Weiteren gilt unser Dank dem Walter Zoo für die Möglichkeit, den Kurs „Spinnenphobie bewältigen!“ zu entwickeln und über die Jahre hinweg zu leiten. Ohne die Erfahrungen aus dem Kurs wäre es nicht möglich gewesen, das vorliegende Buch zu schreiben. Herzlichen Dank auch an Jana Spranger für die Unterstützung in der Entwicklung und die mehrfache Leitung des Kurses.
Rainer Foelix (Biologie der Spinnen, 2015), internationaler Spinnenexperte, danken wir für all seine wertvollen Inputs und Anmerkungen. Zudem möchten wir uns bei Manuel Pörtner für die gelungenen wissenschaftlichen Illustrationen der Spinnen und bei Livia Enzler, Simon Wachter, Tania Kyburz und Elia Heule für das Gegenlesen des Manuskripts bedanken.
Ein besonderer Dank geht auch an die vielen mutigen TeilnehmerInnen unserer Spinnenseminare, die uns gezeigt haben, dass sich ein gemeinsamer Weg durch die Angst wirklich lohnt und das (Er-)Leben ver|10|ändern kann. Gemeinsam mit ihnen konnten wir unser Therapiekonzept stetig weiterentwickeln und verbessern. An dieser Stelle auch ein großer Dank an unsere achtbeinigen Protagonistinnen Sissi, Franz, Petunia und die vielen anderen, deren Namen wir uns leider nicht gemerkt haben, da sie jeweils in der individuellen Annäherung getauft wurden und dann wieder in der Natur freigelassen wurden.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden in diesem Buch nicht durchgehend weibliche und männliche Formen parallel, sondern neutrale Formen oder das generische Maskulinum verwendet. Dennoch schließen alle enthaltenen Personenbezeichnungen das jeweils andere Geschlecht mit ein.
Spezifische Phobien sind sehr häufig, sie beginnen meist in der frühen Kindheit, und einmal vorhanden, verschwinden sie in der Regel nicht von alleine sondern bestehen über Jahrzehnte oder sogar ein Leben lang. Dennoch suchen nur wenige Betroffene professionelle Hilfe. Gründe dafür können sein, dass die Vermeidung so erfolgreich ist, dass der Leidensdruck im Alltag niedrig gehalten werden kann. Viele Betroffene schämen sich aber schlicht und einfach und glauben gar nicht mehr daran, dass sich an ihrer Angst etwas ändern könnte. Zudem wird Spinnenphobie häufig von Außenstehenden gar nicht ernst genommen, sondern belächelt, „Stell dich doch nicht so an“, oder das Ausmaß der Angst nicht geglaubt. Insbesondere von Spinnenphobie betroffene Männer schämen sich teilweise extrem und bauen im Laufe der Zeit komplizierte und anstrengende Vermeidungs- und Vertuschungsstrategien auf, um ja nicht in ihrer Panik gesehen zu werden.
Dabei kann das Leben mit einer Spinnenphobie außerordentlich beeinträchtigend sein, denn Spinnen kommen in den verschiedensten Lebensräumen sowohl innerhalb als auch außerhalb von Gebäuden vor. Von Spinnenphobie Betroffene fühlen sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr wohl, können beispielsweise in ihrem Schlafzimmer nicht mehr übernachten, eine attraktive Arbeitsstelle nicht annehmen, Freunde nicht mehr besuchen und vieles mehr – nur weil an einem dieser Orte eine Spinne gesichtet wurde oder sogar nur die Möglichkeit besteht, dass man dort von einer Spinne überrascht werden kann. Die ständige Alarmbereitschaft ist äußerst belastend und kann weitere psychische Störungen begünstigen.
|12|Spinnen gehören zu den Tieren, über die viele Menschen überhaupt nichts wissen (wollen) und die sehr fremdartig, unberechenbar und unkontrollierbar erscheinen. Vor allem das ungewöhnliche Bewegungsmuster der Spinnen scheint abstoßend und beängstigend zu wirken. Im Gegensatz zu Hunden können Spinnen nicht für einen Spaziergang (und zur besseren Kontrolle) an die Leine gelegt werden, es gibt keine Spinnenschulen in denen Spinnen lernen können, wie sie in unsere Gesellschaft passen und man kann ihnen nicht wie Wellensittichen Lieder beibringen. Doch Spinnen verhalten sich vorhersagbar und das Wissen über ihr Verhalten macht sie für uns berechenbar. Je mehr wir über sie wissen desto mehr können sie ihren Schrecken verlieren. Je besser wir unsere Angst verstehen, desto weniger wird sie uns lähmen.
Dieser Ratgeber ist für all jene gedacht, die sich durch ihre Spinnenangst beeinträchtigt fühlen und endlich etwas dagegen unternehmen wollen, um sich wieder freier zu fühlen und freier bewegen zu können. Wir möchten Sie mitnehmen auf eine Erkundungsreise zu ihrer Angst und zu den mit uns lebenden Spinnen.
Angst ist eine natürliche und überlebenswichtige Reaktion unseres Organismus. Es handelt sich um ein normales Gefühl, das sich, wie auch Freude, Wut, Traurigkeit oder Ekel, im Alltag immer wieder als sehr nützlich erweist. Ja, Sie haben richtig gehört: Obwohl sie meistens als unangenehm empfunden wird, ist Angst bei gefährlichen, unklaren oder nicht kontrollierbaren Situationen entscheidend. Denn ohne Angst könnte man bestimmte Situationen, wie zum Beispiel die Begegnung mit einem Bären im Wald, oder heute eher mit einem Kriminellen in der Stadt, nicht einschätzen und würde sich womöglich in Todesgefahr bringen. Angst ist also nicht nur eine natürliche Reaktion, sondern auch ein Gefühl, das biologisch zum Menschen gehört und ein lebensnotwendiges Alarmsignal ist. Es bereitet unseren Körper auf schnelles Handeln vor (Abb. 1). Wichtig zu wissen ist auch, dass Angst für den menschlichen Körper nicht gefährlich ist. Unser Körper ist dafür gemacht, auch sehr starke Angstzustände zu erleben und auszuhalten.
|14|Abbildung 1
Angst kann sich von Mensch zu Mensch und von Situation zu Situation sehr unterschiedlich äußern. In den meisten Fällen beginnt der Körper im Moment, in dem ein Alarmsignal, wie eine Explosion oder im Fall von |15|Spinnenphobie eine Spinne, wahrgenommen wird, sich vorzubereiten. Diese Vorbereitung zeigt sich typischerweise an körperlichen Reaktionen wie Pulsbeschleunigung, Herzrasen und/oder Schwitzen. Zusätzlich und parallel dazu kommt es zu Gedanken wie „Schnell weg hier“. In einer solchen Situation fühlt man sich verzweifelt oder hilflos und entscheidet sich, nach sehr alten und tief verwurzelten Mustern, die uns noch aus der Steinzeit geblieben sind, entweder zu fliehen oder zu kämpfen. Dieses Verhalten hat sich über Jahrtausende so erhalten und macht in Situationen einer realen Gefahr auch Sinn. Das Problem für Menschen mit einer Spinnenphobie ist, dass sie manchmal nicht mehr klar unterscheiden können, was eine reale Gefahr für sie ist und was nicht. Die Angst kommt dann einfach und bestimmt Denken und Handeln (Abb. 2).
Zusätzlich besitzen Menschen eine Art Frühwarnsystem für Gefahren. Kommen Situationen auf uns zu oder nähern wir uns Orten, an denen früher einmal Angst erlebt wurde, kommt es zu typischen Reaktionen. Ein Spinnenphobiker wird z. B. schon auf dem Weg in den Keller, noch bevor eine Spinne überhaupt entdeckt wurde, reagieren
mit extrem fokussierter Wahrnehmung (jeder dunkle Fleck wird registriert und überprüft)
mit extremer Wachsamkeit (Hypervigilanz, alle Sinne sind geschärft, die Spinne wird schon fast auf der Haut gespürt)
mit „Kopfkino“ (Angstgedanken, Bilder von grässlichen Spinnen tauchen im Kopf auf)
mit hoher körperlicher Anspannung (der ganze Körper ist gestresst).
|16|Abbildung 2
Auch das sind ganz natürliche und essenzielle Reaktionen und Mechanismen, die der Mensch im Laufe der Evolution entwickelt hat. Als unsere Vorfahren sich zur Nahrungssuche in gefährliche Wälder begaben und das Risiko eingingen, Bären und weiteren gefährlichen Tieren zu begegnen, waren solche Reaktionen durchaus sinnvoll. Es war absolut wichtig, eine fokussierte Wahrnehmung
