Kinder Wunder Welt - Christa Eva Pauls - E-Book

Kinder Wunder Welt E-Book

Christa Eva Pauls

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Beschreibung

Die Innenwelt der Kinder lässt staunen und wundern. Die Autorin berichtet von ihren berührenden Begegnungen mit Kindern und ihren Familien. Sie lädt ein, sich Kindern mit offenem Herz und Geist zuzuwenden, um jenen Resonanzraum zu schaffen, in dem sich die kindliche Seele offenbart. Der erwachsene Mensch wird dabei auch etwas über sich selbst erfahren, denn das ICH braucht das DU, um sich zu erkennen.

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Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Vorwort

Einführung

Das Wasser und der Ball in der Hecke

Die Maus im Puppenhaus

Der Drachentöter

Das Meerschweinchen und der Schmetterling

Das Liebespaar

Das kleine große JA

Der Junge und das Feuer

Die Kämpfer

Die Verbündete

Im Schatten

Die Reise

Nachwort

Literatur

Das Buch widme ich meinem Enkel Jonas

Vorwort

Ich durfte in den vergangenen vier Jahrzehnten als Kindertherapeutin und Familienberaterin Kindern und ihren Familien begegnen und dabei ganz besondere Erfahrungen machen.

Wie viel wir Erwachsenen von der Erlebnis- und Wahrnehmungswelt unserer Kinder erfahren können, wenn wir ihnen in einer Haltung des "Ich weiß es noch nicht" und der Bereitschaft zu staunen gegenüber treten, darüber soll dieses Buch berichten. Vorweg aber die Botschaft einer zierlichen weißen Taube, die mich vor drei Jahren in meinem Ferienhaus besuchte.

Dieses Täubchen ließ sich eines Morgens auf dem Geländer meiner Veranda nieder. Sie sah erschöpft aus und weckte mein Mitgefühl. Vermutlich hatte sie sich verflogen und ich bot ihr die Körner meines Müslis und Wasser an. Gestärkt würde sie weiterfliegen. Diese Erfahrungen hatte ich in der Vergangenheit mit Brieftauben, die sich verflogen hatten, gemacht. Doch nichts dergleichen geschah: Sie verbrachte den ganzen Tag bei mir und flog erst spät in den Abendhimmel davon. Erleichtert, dass sie ihr Zuhause wieder finden würde, konnte ich mich meinem Schlaf hingeben. Wie erstaunt war ich, als sie mich am nächsten Morgen wieder besuchte und bis zum Abend blieb. Sie suchte offensichtlich meine Gesellschaft, ließ sich aus der Hand füttern, setzte sich auf die Armlehne meines Sessels. Manchmal fühlte ich mich von ihr beobachtet, dann wiederum schloss sie die Augen und machte ein Nickerchen.

Sie kam auch die folgenden Tage jeden Morgen und blieb stets bis die Dunkelheit einsetzte. Dieses Täubchen berührte mich: Woher kam sie? Warum kehrte sie jeden Morgen zurück, um abends wieder davon zu fliegen?

Meine Freundin, die mich im Ferienhaus besuchte, wurde Zeugin dieser außergewöhnlichen Begegnung. An meinem Abreisetag beschäftigte mich die große Sorge, was aus ihr werden würde. Ich hatte sie vielleicht angefüttert und musste sie nun sich selbst überlassen. Ich entschied mich meiner Intuition zu folgen und mit dem Täubchen zu sprechen. Ich erklärte ihr, dass ich abreisen werde und mich nicht mehr um sie kümmern könnte. Ich bat sie inständig, zu ihrem Zuhause davon zu fliegen. Sie schaute mich an, als höre sie zu (?), legte ihr Köpfchen zur Seite, schaute mich erneut an, schlug einmal mit den Flügeln und flog davon.

Im Auto auf der Heimfahrt waren mein Geist und Herz mit diesem sonderbaren Geschöpf beschäftigt. Galt nicht der Vogel den Menschen seither als Symbol der Seele, als ihr Botschafter? Was wenn dieser Vogel ein Seelenbotschafter war? Er hatte tief in mir etwas angerührt.

Als wenige Wochen später mein Enkel geboren wurde und seine Eltern ihn Jonas tauften, war ich fasziniert, denn der Name ist hebräischen Ursprungs und bedeutet "Taube". Ob das ein Zufall war oder Synchronizität, wie sie C.G. Jung beschreibt, ist letztlich nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist die innige tiefe Verbundenheit und Vertrautheit mit meinem Enkel, sind die Momente, in denen ich intuitiv fühle, wie unsere Seelen verwandt sind als würden sie sich schon immer kennen.

Und oft war es diese Intuition und es waren das offene Herz und der offene Geist (jener "Anfängergeist" des ZEN), die mir in den vielen Berufsjahren als Therapeutin tiefe Einblicke in das Erleben, die Innenwelt von Kindern, und ihren Familien ermöglichten.

Die LeserInnen sind eingeladen, mir in diese "Wunder · Welt" der kindlichen Seele mit ihren Symbolen und Bildern zu folgen.

Einführung

C.G.Jung hatte im vergangenen Jahrhundert in den Spontanzeichnungen seiner Patienten ein hilfreiches therapeutisches Medium erkannt und eingesetzt. In ihren Bildern drückten sich jene unbewussten Themen und inneren Konflikte der Patienten aus, die sich ihrem Bewusstsein entzogen und ihr psychisches Leiden verursacht hatten.

Im Prozess des Malens, in dem anschließenden Betrachten des Bildes und im therapeutischen Gespräch konnten die verdrängten, unbewussten Inhalte ihren Weg in das Bewusstsein der Patienten finden und ihren Beitrag zur Gesundung leisten.

Das Bild einer jungen Frau, die seit Jahren an einer Essstörung litt, entstand am Beginn ihrer Therapie.

Es zeigt, wie sehr sie sich in sich selbst wie in einen Kokon zurückgezogen hatte. Der Prozess des Malens und das vor Augen Halten ihrer Haltung erweckten in ihr den Impuls, sich von dem zwanghaften Essverhalten befreien zu wollen und wieder in Kontakt zu ihren Gefühlen und Empfindungen zu treten.

Jahre später entstand das symbolische Bild, dem sie die Überschrift "Lebensfreude" gab.

Sie berichtete, dass sie das Leben als einen schöpferischen Prozess sehen und fühlen konnte, mit dem sie untrennbar verbunden war und an dem sie aktiv teilnahm.

Wie fruchtbar die therapeutische Arbeit mit Erwachsenen und ihren Spontanzeichnungen sein kann, erläutert Jolande Jacobi - Schülerin von C.G.Jung - in ihrem Buch: "Vom Bilderreich der Seele" anhand vieler Bildbeispiele aus ihrer Praxis.

Anders als Erwachsene nutzen Kinde,r insbesondere jüngere Kinde,r das Zeichnen oder Malen als ganz natürliches Ausdrucksmittel. Einem inneren Entwicklungsschema gemäß beginnen sie zuerst mit Kritzeleien, gefolgt von Kreisen und ersten Menschendarstellungen in den "Kopffüßlern". Parallel zu ihrer kognitiven Entwicklung werden die Darstellungen immer differenzierter und auch für Außenstehende als solche erkennbar.

Kinder malen das, was sie fühlen, erleben und beschäftigt, und können auf diese Weise ihrer Umwelt Wertvolles mitteilen.

In seinem Buch "Heilen durch Malen" stellt der Analytiker Gregg Furth die Zeichnung eines fünfjährigen unheilbar kranken Jungen vor, in der - für den Autor sichtbar - der Junge die krankhaften Vorgänge in seinem Körper gemalt hatte.

Gregg Furth verweist auf die Arbeit der Psychologin Susan Bach, die bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts feststellte, dass Kinder ein "Bewusstsein" über Prozesse in ihrem Körper haben können und dieses "Wissen" in ihren Zeichnungen zum Ausdruck kommen kann. Susan Bach nutzte die Informationen in den Spontanzeichnungen der Kinder für diagnostische Zwecke.

Das natürliche Bedürfnis von Kindern zu malen, hat mir in meiner therapeutischen Arbeit sehr geholfen, mit den Kindern in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Nahezu alle Kinder, die ich kennen lernte, waren sofort bereit mir ein Bild zu malen und mir dazu etwas zu erzählen. So erhielt ich wertvolle

Hinweise auf das, was die Kinder beschäftigte und belastete, was ihre Perspektive auf sich und ihre Umwelt war.

Wie weitreichend das "Wissen" der Kinder in ihrer Bildersprache war, hat mich immer wieder zutiefst beeindruckt.

In dem spontan gemalten Bild der achtjährigen Merle1 sind bedeutsame Symbole zu finden: Der Schwan, der Frosch, Sonne, Mond, Himmel, Regen und ein See. Der Schwan trägt ein Schwanenkind in sich. Während der Frosch in der Überlieferung für Fruchtbarkeit steht, wird dem Schwan der Gesang des Todes zugeschrieben. Frosch und Schwan tragen die gelbe Farbe der Sonne als väterlichem und des Mondes als mütterlichem Symbol. Auch zwei Tropfen, die dem Schwan entweichen, sind in gelb gemalt und lassen an Tränen erinnern. Regen ergießt sich aus dem Himmel über das ganze Bild in den See, der Symbol für das Unbewusste sein kann. In den Symbolen und der Dramaturgie des Bildes fand sich wieder, was Merle beschäftigte: Sie hatte sich so sehr eine Schwester gewünscht, aber ihre Mutter hatte gerade ihr Ungeborenes verloren.

1 alle Namen im gesamten Text wurden geändert und biografische Begebenheiten so adaptiert, dass die Anonymität gewahrt und der Kontext erhalten blieb

Das Wasser und der Ball in der Hecke

Oft war es die Zeichnung des Kindes, die uns half den Schlüssel zur Lösung seines Problems zu finden. So war es auch bei dem siebenjährigen Ralf.

Er besuchte die 1. Klasse der Grundschule und galt als nicht mehr beschulbar: Er verweigerte die Mitarbeit im Unterricht, konnte kaum ruhig sitzen, führte laute Selbstgespräche während der Stillarbeit im Unterricht und flüchtete unter seinen Tisch, wenn Lehrkräfte oder Mitschüler ihm zu nahe kamen. Schule und Elternhaus wussten nicht mehr weiter.