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Denn nichts ist wichtiger als die Gesundheit Ihres Kindes!
Starke Bauchschmerzen, hohes Fieber, ein Ausschlag oder Pusteln - nichts verunsichert Eltern so sehr wie ein krankes Kind und unklare Symptome. Mit diesem Nachschlagewerk erhalten Sie einen umfassenden Überblick über die häufigsten und wichtigsten Erkrankungen in Baby- und Kinderzeit. Der erfahrene Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Romanus Röhnelt begleitet Sie in diesem Buch ebenso fundiert wie einfühlsam, denn als vierfacher Vater kennt er Ihre Sorgen. Die zahlreichen Fotos ermöglichen es Ihnen neben der ausführlichen Symptombeschreibung schnell herauszufinden, was Ihrem Kind fehlt. Erfahren Sie, welche Erkrankungen Sie ganz einfach zuhause behandeln können, und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten.
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Seitenzahl: 900
Veröffentlichungsjahr: 2017
Kindergesundheit
Wie Sie Krankheiten erkennen – Was Sie selbst tun können
Romanus Röhnelt
1. Auflage
Sein heißt: Werden
Leben heißt: Lernen
Aus dem Musical »MOZART« (Michael Kuntze, Text & Sylvester Levay, Musik)
seit über zwanzig Jahren bin ich als Kinder- und Jugendarzt tätig: Es ist schön und spannend zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln und wie sie immer mehr zu kleinen Persönlichkeiten heranwachsen. Der jahrelange intensive Kontakt mit Ratsuchenden, insbesondere jungen Familien, aber auch anderen Betreuern, hat mich dazu ermutigt, dieses für medizinische Laien verständliche und reich bebilderte Handbuch zu verfassen.
Es wendet sich an alle, die für Säuglinge und (Klein-)Kinder Verantwortung tragen. Die Geburt und die Neugeborenenzeit werfen ganz andere Fragen auf als die Betreuung eines Säuglings, eines Kleinkindes, eines Kindergarten- oder Schulkindes. Dieser Ratgeber »wächst« daher im ersten Teil mit dem Alter des Kindes mit.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Sie unterscheiden sich in vielem sehr von uns »Großen« und teilen sich ganz anders mit. Deshalb werden Sie hier die Hilfen finden, die ich tagtäglich in meiner kinderärztlichen Praxis gebe. Ich lege großen Wert auf die vielen kleinen Probleme des Alltags; ausführliche Angaben z. B. zu Leukämie, Herzfehlern oder spezifischen Stoffwechselkrankheiten werden Sie dagegen nicht finden. Ihr Kinder- und Jugendarzt wird Sie nötigenfalls persönlich beraten.
Bei der Darstellung der verschiedenen Krankheiten lege ich großen Wert auf Bilder, von denen viele im normalen Praxisalltag entstanden sind. Solche Aufnahmen verwende ich seit Jahren zur Erklärung für junge Eltern, deren positives Echo den entscheidenden Anstoß zu diesem Buch gab. Einen großen Raum nehmen die Infektionskrankheiten bei Kindern ein. Durch die Hinweise zu Ansteckungsfähigkeit und Wiederzulassung zu einer Gemeinschaftseinrichtung kann dieses Buch auch für Kindertagesstätten oder Schulen eine nützliche Hilfe sein. Diese Krankheiten finden Sie im zweiten, systematischen Teil des Ratgebers. Alle im Buch verwendeten geschlechtsspezifischen Formulieren gelten immer sowohl für das männliche wie auch das weibliche Geschlecht.
Ich hoffe, dass Ihnen mein Buch ein wertvoller Begleiter über viele Jahre wird, in der Familie, aber vielleicht auch bei Ihrer Arbeit als Hebamme, Erzieherin oder Tagesmutter.
Dr. med. Romanus Röhnelt
Warendorf, im Frühjahr 2017
Wir führen durch das Buch.
(Bild: Dominik Ketz, Bad Neuenahr)
Liebe Leserin, lieber Leser,
Teil I Das erste Lebensjahr
1 Ein guter Start
1.1 Wo entbinden?
1.2 Ihr Baby ist da!
1.2.1 APGAR
1.2.2 Atmung
1.2.3 Nabelschnur-pH-Wert
1.2.4 Blauverfärbung des Neugeborenen
1.2.5 Zittrigkeit
1.2.6 Vitamin-K-Prophylaxe
1.2.7 Hörtest (OAE)
1.2.8 Sättigungtest (Pulsoxymetrie)
1.2.9 Stuhlgang beim Neugeborenen
1.3 Gelbsucht
1.4 Gewichtsabnahme
1.5 Erweitertes Neugeborenenscreening
1.6 Hautveränderungen des Neugeborenen
1.6.1 Neugeborenen-Ausschlag
1.6.2 Storchenbiss
1.6.3 Milien
1.6.4 Hornperlen im Mund
1.6.5 Trockene Haut
1.7 Weitere äußere Auffälligkeiten
1.7.1 Verwachsene Zehen (Syndaktylie)
1.7.2 Sichelfuß
1.7.3 Klumpfuß
1.7.4 Hautanhängsel
1.7.5 Schiefes Schreigesicht
1.7.6 Zusätzliche Brustwarzen
1.7.7 Rötlicher Urin
1.7.8 Rotes Auge
2 Die erste Lebenswoche
2.1 Lernen Sie Ihr Baby kennen
2.2 Die Ernährung Ihres Babys
2.2.1 Muttermilch
2.2.2 Flaschenfütterung
2.3 Zwiemilchernährung
2.4 Ihr Baby verändert sich
2.4.1 Der Nabel
2.4.2 Nabelgranulom
2.4.3 Weibliches Genital
2.4.4 Männliches Genital
2.4.5 Augen
2.5 Vorsorgeuntersuchung mit 3–10 Tagen: »U2«
2.5.1 Untersuchung des Herzens
2.5.2 Vitamin D und Fluorid
3 Zu früh geboren
3.1 Von der Klinik nach Hause
3.2 Gesundheitliche Risiken von Frühgeborenen
3.2.1 Lunge
3.2.2 Herzfehler
3.2.3 Eisenmangel
3.2.4 Infektanfälligkeit
3.2.5 Hirnblutung
3.2.6 Spastik
3.2.7 Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)
3.2.8 Netzhautkrankheit von Frühgeborenen
3.2.9 Impfungen des Frühgeborenen
3.3 So ernähren Sie Ihr Frühgeborenes nach der Entlassung
3.3.1 Muttermilchfütterung
3.3.2 Industriemilchfütterung
3.3.3 Spezifische Schluckprobleme
4 Die ersten Wochen daheim
4.1 Vieles wird anders
4.2 So finden Sie den richtigen Kinder- und Jugendarzt
4.2.1 Was bedeutet »Diagnose«?
4.3 Wenn Ihr Baby krank ist
4.3.1 Die Hausapotheke
4.3.2 Bei Fieber
4.3.3 Bei Durchfall/Erbrechen
4.3.4 Bei Erkältungen
4.3.5 Bei Unfällen und Bewusstseinsstörungen
4.4 Baden oder Waschen?
4.5 Ist mein Baby warm genug angezogen?
4.6 Speien
4.7 Schreiattacken: get rhythm!
4.7.1 Was passiert bei »Koliken«?
4.7.2 »Dreimonatskoliken« oder normale Anpassungsschwierigkeiten?
4.7.3 Wie reagieren Sie am besten auf das Schreien?
4.8 Blähungen
4.8.1 Was hilft bei Blähungen und Schmerzen?
4.9 Stuhlgang
4.9.1 Invagination
4.10 Entzündungen im Windelbereich
4.10.1 Windeldermatitis
4.10.2 Windelsoor
4.10.3 Ätzdermatitis
4.10.4 Intertriginöses Ekzem
4.10.5 Windelflechte
4.10.6 »Popo-Scharlach« (Erysipel des Anus)
4.10.7 Pemphigus
4.11 Vorsorgeuntersuchung mit 4–6 Wochen: »U3« (Paed.Check 0.1)
4.11.1 Hüftgelenksdysplasie
4.11.2 Untersuchung der Nieren
4.11.3 Stuhlfarbe
4.11.4 Schiefer Hinterkopf
4.11.5 Atlasblockierung, Asymmetrien, »KISS«
4.11.6 Tränen-Nasen-Gang-Verengung
4.11.7 Röcheln beim Säugling
4.11.8 Mundsoor
4.11.9 Häufige Hautveränderungen
4.11.10 Veränderungen der Brust
4.11.11 Weibliches Genital: Schamlippenverklebung
4.11.12 Männliches Genital: Vorhautverengung und Hoden
5 Ihr Baby wird größer
5.1 Vorsorgeuntersuchung mit 3–4 Monaten: »U4« (Paed.Check 0.3)
5.2 Das große Thema Impfen
5.2.1 Die Impfempfehlungen der STIKO
5.2.2 Gruppe der Tot-Impfstoffe
5.2.3 Gruppe der Lebendimpfstoffe
5.2.4 Weitere sinnvolle Impfungen
5.2.5 So läuft das Impfen in der Praxis
5.2.6 Begleiterscheinungen beim Impfen
5.2.7 Häufige Fragen zum Impfen
5.2.8 Hühnereiweißallergie und Impfung
5.3 Ernährung im 1. Lebensjahr
5.3.1 Beikost und Stuhlgang
5.3.2 Was muss ich bei der Beikost beachten?
5.3.3 Was kann ich meinem Baby wann geben?
5.3.4 Ernährung bei Milcheiweißallergie
5.3.5 Verschlucken
6 Vorsorgeuntersuchung mit 6 Monaten: »U5« (Paed.Check 0.6)
6.1 Untersuchung der Hoden
6.1.1 Gleithoden
6.1.2 Pendelhoden
6.1.3 Verborgener Hoden
7 Hilfe – die Zähne kommen!
7.1 Was passiert beim Zahnen?
7.1.1 Wie kann ich meinem Baby helfen?
7.2 Zahnen und Erkältungen
7.3 Gibt es »Zahnungsstuhl«?
7.4 Zähneputzen – müssen das auch schon kleine Kinder?
7.4.1 Wann und mit welcher Zahnpasta sollten wir unserem Kind die Zähne putzen?
7.4.2 Vier gute Regeln für das Zähneputzen
7.5 Die heißgeliebte Nuckelflasche
7.6 Offener Biss
7.7 Zahnstein
7.8 Zähneknirschen
7.9 Zum Zahnarzt – ab wann?
8 Vorsorgeuntersuchung mit 10–12 Monaten: »U6« (Paed.Check 1.0)
Teil II Das Kleinkindalter
9 Die Ernährung nach dem 1. Geburtstag
9.1 Die normale Gewichtsentwicklung bei Kindern
9.2 Bewegung – der perfekte Partner der gesunden Ernährung
9.3 Probleme mit der Ernährung
9.3.1 Mein Kind isst kein Gemüse und kein Obst
9.3.2 Häufiges Trinken und Wasserlassen
9.3.3 Häufiger und/oder dünner Stuhl
9.3.4 Mangelerscheinungen
9.4 Nahrungsmittelallergien
9.4.1 Das Lebensmittel-Tagebuch
9.4.2 Wie sieht die Therapie bei einer Nahrungsmittelallergie aus?
9.5 Pseudoallergie gegen Nahrungsmittel
9.6 Kohlenhydrat-Unverträglichkeiten
9.6.1 Milchzuckerunverträglichkeit
9.6.2 Fruchtzuckerunverträglichkeit des Darms
9.6.3 Sorbitunverträglichkeit
9.7 Zöliakie
9.7.1 Wie sieht die Therapie aus?
9.8 Übergewicht
9.8.1 Wie ist Übergewicht definiert?
9.8.2 Was ist die Ursache von Übergewicht?
9.8.3 Was können Sie gegen Übergewicht tun?
9.8.4 Was kann die Gesellschaft tun?
9.9 Untergewicht
9.10 Nur Eltern – oder auch (noch) Paar?
10 Rasante Entwicklung
10.1 Was ist normal?
10.1.1 »Normalverteilung« und »Grenzsteine« in der Entwicklung
10.1.2 Vielfältigkeit bereichert unser Leben
10.2 Sehen
10.2.1 Entwicklung der Sehfähigkeit
10.2.2 Welche Seheigenschaften sollten untersucht werden?
10.2.3 Subjektive Sehstörung
10.3 Hören
10.3.1 Situationsverständnis ≠ Sprachverständnis
10.4 Sprechen
10.4.1 Sprachentwicklung
10.5 Bewegen
10.5.1 Robben, Krabbeln, Laufen
10.5.2 Greifen mit Pinzetten und drei Spitzen …
10.5.3 Spielen
10.6 Emotionen
10.7 Selbststimulation
10.7.1 Selbststimulation im Genitalbereich
10.8 Soziale Entwicklung
10.8.1 Ich, du und wir
10.8.2 Du bekommst ein Geschwisterchen
10.8.3 Wann in die KiTa oder in den Kindergarten?
10.9 Blasenkontrolle
10.10 Kontrolle über den Stuhlgang
10.10.1 Verstopfung
10.11 Nachtschweiß
11 Die Vorsorgeuntersuchungen bis zum 5. Geburtstag
11.1 Vorsorgeuntersuchung mit 2 Jahren: »U7« (Paed.Check 2.0)
11.2 Vorsorgeuntersuchung mit 3 Jahren: »U7a« (Paed.Check 3.0)
11.3 Vorsorgeuntersuchung mit 4 Jahren: »U8« (Paed.Check 4.0)
11.4 Vorsorgeuntersuchung mit 5 Jahren: »U9« (Paed.Check 5.0)
Teil III Typische Erkrankungen ab der Kindergartenzeit
12 Infektionen der oberen Luftwege
12.1 Häufige Hauterscheinungen bei Erkältungen
12.1.1 Unspezifischer Ausschlag
12.1.2 Nesselsucht
12.2 Husten
12.2.1 Reizhusten
12.2.2 Produktiver Husten
12.2.3 Spastische Bronchitis
12.2.4 Bellender Husten
12.2.5 Mischformen des Hustens
12.2.6 Was hilft bei Husten?
12.2.7 Chronischer Husten
12.3 HNO-Erkrankungen: »Mit Pauken und Trompeten«
12.3.1 Ohren
12.3.2 Nase
12.3.3 Hals
12.4 Typischer Verlauf einer grippalen Infektion
12.5 Krankes Kind und Berufstätigkeit
12.5.1 Gesetzlich Krankenversicherte (§ 45 SGB V)
12.5.2 Private Krankenversicherungen (BGB § 616)
13 Fieber und Schmerzen
13.1 Wann sollte ein fieberndes Kind zum Kinderarzt?
13.2 Was tun bei Fieber?
13.2.1 Wadenwickel
13.3 Verlauf des Fiebers
13.3.1 Blaue Fieberphase
13.3.2 Rote Fieberphase
13.4 Medikamente gegen Fieber und Schmerzen
13.4.1 Paracetamol
13.4.2 Ibuprofen
13.4.3 Metamizol
13.5 Fieberkrampf
13.6 Schmerzen
14 Bauchschmerzen
14.1 Akute Bauchschmerzen
14.1.1 Bauchschmerzen beim Sauberwerden
14.1.2 Grippaler Infekt
14.1.3 Durchfall
14.1.4 Verstopfung
14.1.5 Blähungen
14.1.6 Blinddarmentzündung
14.1.7 Hodentorsion
14.1.8 Leistenbruch
14.1.9 Bauchmuskelkater
14.2 Immer wiederkehrende Bauchschmerzen
14.2.1 »Flagge hissen«
14.2.2 Nahrungsmittelunverträglichkeiten
14.2.3 Abklärung von Krankheiten mit dauerhaft wiederkehrenden Bauchschmerzen
14.3 So beugen Sie Bauchschmerzen wirksam vor
15 Infektionen des Magen-Darm-Trakts
15.1 Magen-Darm-Grippe
15.1.1 Ursachen und Erreger von Magen-Darm-Infektionen
15.1.2 Was kann der Kinderarzt gegen eine Magen-Darm-Grippe tun?
15.1.3 Hygiene
15.2 Meldepflichtige Magen-Darm-Infektionen
15.2.1 Salmonellen
15.2.2 Coli-Bakterien
15.2.3 Yersinien
15.2.4 Campylobacter
15.2.5 Shigellen
15.2.6 Noroviren
16 Erkrankungen am Auge
16.1 Bindehautentzündung
16.1.1 Welche Ursachen kann eine Bindehautentzündung haben?
16.1.2 Wie sieht die Therapie aus?
16.1.3 Allergische Bindehautentzündung
16.2 Wundrose der Augenhöhle
16.3 Mückenstich am Auge
16.4 Gerstenkorn
16.5 Hagelkorn
16.6 Tränendrüsenentzündung
16.7 Weiße Augen auf Fotos (Retinoblastom)
17 Blase und Geschlechtsorgane
17.1 Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich
17.1.1 Harnwegsinfekt
17.1.2 Haut- bzw. Schleimhautreizung
17.2 Weibliche Geschlechtsorgane
17.2.1 Vaginaler Fluor bei Mädchen (bis ca. 8 Jahre)
17.2.2 Juckreiz am Scheidenvorhof
17.2.3 Lichen sclerosus
17.3 Männliche Geschlechtsorgane
17.3.1 Reizung der Harnleiter-Öffnung
17.3.2 Phimose
17.3.3 Entzündung des Penis (Balanoposthitis)
17.3.4 Penisverletzungen
17.3.5 Hodentorsion
18 Orthopädische Probleme
18.1 Akute Hüft-Schmerzen und stark humpelnder Gang
18.1.1 Hüftschnupfen
18.1.2 Akute Gehunfähigkeit mit Fieber
18.2 Wachstumsschmerzen
18.3 Chassaignac (ausgerenktes Speichenköpfchen)
18.4 Rückenschmerzen bei Kindern
18.5 Skoliose
18.6 Fehlstellungen der Beine und Füße
18.6.1 Plattfuß
18.6.2 Spitzfuß
18.6.3 Hohlfuß
18.6.4 Spreizfuß
18.6.5 Knick-Senkfuß
18.6.6 O-Beine und X-Beine
18.6.7 Einwärtsgang
19 Nervenkrankheiten
19.1 Neurologische Störungen
19.1.1 Kopfschmerzen
19.1.2 Schlaganfall bei Kindern
19.1.3 Krampfanfälle/Epilepsie
19.1.4 Hirnhautentzündung
19.2 Psychische Auffälligkeiten und Krankheiten
19.2.1 Hyperventilation
19.2.2 Autismus/Asperger
19.2.3 Einkoten
19.2.4 Tic-Störungen
19.2.5 Marotten
19.2.6 Zwangsstörungen
19.2.7 Schlafstörung bzw. nicht erholsamer Schlaf
19.2.8 Depressionen bei Kindern
Teil IV Schulkindalter
20 Unser Kind kommt in die Schule
20.1 Ist mein Kind schulreif?
20.2 Aller Anfang ist schwer
20.3 Die Schulkind-U
20.3.1 Vorsorgeuntersuchung mit 7–8 Jahren: »U10« (Paed. Check 7.0)
20.3.2 Vorsorgeuntersuchung mit 9–10 Jahren: »U11« (Paed. Check 9.0)
20.3.3 Wie geht es weiter?
20.4 Medizinisch relevante Schulschwierigkeiten
20.4.1 ADHS/ADS
20.4.2 Linkshänder
20.4.3 Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
20.4.4 Tiefbegabung – Hochbegabung
21 Wie groß wird mein Kind?
21.1 Größenentwicklung bei Kindern
21.1.1 Ausgangsgröße der Eltern
21.1.2 Handwurzelvermessung
21.1.3 Pubertäts-Eintritt der Eltern
21.1.4 Pubertätsstadien
21.1.5 Labordiagnostik
21.2 Was tun bei Klein- oder Hochwuchs?
21.2.1 Hochwuchs
21.2.2 Kleinwuchs
Teil V Allergien & Asthma bronchiale
22 Allergien
22.1 Heuschnupfen
22.1.1 Hyposensibilisierung
22.2 Insektengiftallergien
22.2.1 Örtliche Reaktionen
22.2.2 Ganzkörperreaktion
22.2.3 Stich in den Hals
22.3 »Tierhaar«-Allergie
22.4 Hausstaubmilben
22.5 Medikamentenallergien
22.6 Pilz-Allergien
23 Asthma bronchiale
23.1 Was passiert bei Asthma?
23.2 Wodurch wird ein Asthmaanfall ausgelöst?
23.2.1 Heuschnupfen
23.2.2 Hausstaubmilben
23.2.3 Tierhaare
23.2.4 Reizgase
23.2.5 Nahrungsmittel
23.2.6 Stress
23.2.7 Trockene Luft
23.2.8 Erkältungen
23.2.9 Medikamentenbedingtes Asthma
23.2.10 Das Fass-Modell
23.3 Wie wird Asthma diagnostiziert?
23.4 Wie kann die Asthma-Therapie aussehen?
23.4.1 Akuttherapie
23.4.2 Dauertherapie
23.4.3 Schulung
Teil VI Typische Infektionskrankheiten
24 Die klassischen Kinderkrankheiten
24.1 Wie werden Krankheiten übertragen?
24.2 Masern
24.2.1 Krankheitsbild
24.2.2 Erreger
24.2.3 Diagnose
24.2.4 Therapie
24.2.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.2.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.2.7 Impfung gegen Masern
24.3 Mumps
24.3.1 Krankheitsbild
24.3.2 Erreger
24.3.3 Diagnose
24.3.4 Therapie
24.3.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.3.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.3.7 Impfung gegen Mumps
24.4 Röteln
24.4.1 Krankheitsbild
24.4.2 Erreger
24.4.3 Diagnose
24.4.4 Therapie
24.4.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.4.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.4.7 Impfung gegen Röteln
24.5 Ringelröteln
24.5.1 Krankheitsbild
24.5.2 Erreger
24.5.3 Diagnose
24.5.4 Therapie
24.5.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.5.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.5.7 Impfung gegen Ringelröteln
24.6 Windpocken
24.6.1 Krankheitsbild
24.6.2 Erreger
24.6.3 Diagnose
24.6.4 Therapie
24.6.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.6.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.6.7 Impfung gegen Windpocken
24.7 Dreitagefieber
24.7.1 Krankheitsbild
24.7.2 Erreger
24.7.3 Diagnose
24.7.4 Therapie
24.7.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
24.7.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
24.7.7 Impfung gegen Dreitagefieber
25 Weitere Infektionskrankheiten
25.1 Hand-Fuß-Mund-Krankheit
25.1.1 Krankheitsbild
25.1.2 Erreger
25.1.3 Diagnose
25.1.4 Therapie
25.1.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.1.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.1.7 Impfung gegen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit
25.2 Herpes und Mundfäule
25.2.1 Krankheitsbild
25.2.2 Erreger
25.2.3 Diagnose
25.2.4 Therapie
25.2.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.2.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.2.7 Impfung
25.2.8 Herpes – eine Begriffsverwirrung?
25.2.9 Vorsicht, Hirnentzündung!
25.3 Scharlach
25.3.1 Krankheitsbild
25.3.2 Erreger
25.3.3 Diagnose
25.3.4 Therapie
25.3.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.3.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.3.7 Impfung gegen Scharlach
25.3.8 Komplikation: Post-Streptokokken-Krankheiten
25.4 Keuchhusten
25.4.1 Krankheitsbild
25.4.2 Erreger
25.4.3 Diagnose
25.4.4 Therapie
25.4.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.4.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.4.7 Impfung gegen Keuchhusten
25.5 Pfeiffer’sches Drüsenfieber
25.5.1 Krankheitsbild
25.5.2 Erreger
25.5.3 Diagnose
25.5.4 Therapie
25.5.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.5.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.5.7 Impfung gegen das Pfeiffer’sche Drüsenfieber
25.6 Röschenflechte
25.6.1 Krankheitsbild
25.6.2 Erreger
25.6.3 Diagnose
25.6.4 Therapie
25.6.5 Wie lange ist mein Kind infektiös?
25.6.6 Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen
25.6.7 Impfung gegen Röschenflechte
Teil VII Lauter kleine Tierchen: Läuse, Flöhe, Zecken …
26 Was kribbelt und krabbelt denn da?
26.1 Läuse
26.1.1 Wie leben Läuse?
26.1.2 Was tun gegen Läuse?
26.1.3 Warum haben wir schon wieder Läuse?
26.2 Flöhe
26.2.1 Was tun gegen Flöhe?
26.3 Zecken
26.3.1 So entfernen Sie eine Zecke
26.3.2 Zecken können Krankheiten übertragen
26.4 Mücken
26.5 Madenwürmer
26.5.1 Therapie
26.6 Krätze
26.6.1 Woher kommen die Krätzmilben?
26.6.2 Darf mein Kind in die KiTa bzw. Schule gehen?
Teil VIII Hautkrankheiten
27 Neurodermitis
27.1 Woran erkenne ich eine Neurodermitis?
27.2 Was tun bei Neurodermitis?
27.2.1 Cremen Sie im Seitenvergleich
27.2.2 Cremen Sie nach Bedarf
27.2.3 Führen Sie ein Hauttagebuch
27.2.4 Juckreiz ist so schlimm wie Schmerz
27.3 Welche Ursachen gibt es für Neurodermitis?
27.3.1 Genetische Vorbelastung
27.3.2 Störung der Barrierefunktion der Haut
27.3.3 Sonstige Auslöser
27.4 Therapie bei Neurodermitis
27.4.1 Basistherapie
27.4.2 Entzündungshemmung
27.4.3 Juckreiz-Minderung
27.4.4 Antiseptische Therapie
27.4.5 Schulung
27.4.6 Stationäre Therapie
28 Weitere Hautkrankheiten
28.1 Hornkappen
28.2 Hautpilz (Fuß- und Nagelpilz)
28.2.1 Fußpilz
28.2.2 Hautpilz
28.2.3 Nagelpilz
28.3 Hautirritation durch Speichel
28.3.1 Mundwinkelrhagaden
28.3.2 Leckekzeme
28.4 Eiterflechte
28.5 Wundrose
28.5.1 Wundrose an den Extremitäten
28.5.2 Erysipel des Anus
28.5.3 Phlegmone
28.6 Follikulitis
28.7 Hitzepickel
28.8 Kontaktdermatitis
28.9 Kontaktallergien
28.9.1 Kontaktallergie gegen Paraphenylendiamin (PPD)
28.9.2 Nickel-Kontaktallergie
28.10 Streu- oder Dellwarzen
28.10.1 Therapie
28.11 Dornwarzen
28.11.1 Therapie
28.12 Abszess
28.12.1 Therapie
28.13 Kleine Hautblutungen
28.13.1 Petechien durch Pressen
28.13.2 Schoenlein-Henoch
28.13.3 Immun-thrombozytopenische Purpura (ITP)
28.13.4 Leukämie
28.14 Nägel
28.14.1 Veränderungen an den Nägeln
28.14.2 Nagelbettentzündung
28.14.3 Nägelkauen und Daumenlutschen
28.15 Haare
28.15.1 Haarausfall
Teil IX Unterwegs, aktiv und auf Reisen
29 Unterwegs und draußen
29.1 Kindersitze für das Auto
29.1.1 Wie finde ich den richtigen Kindersitz?
29.2 Kindersitze für das Fahrrad
29.2.1 Kinderhelme für das Fahrrad
29.3 Fahrradanhänger und Transporträder
29.4 Sonnenschutz
29.4.1 Wie schütze ich mein Kind vor zu viel Sonne?
29.4.2 Photoallergische Reaktionen (Sonnenallergie)
29.4.3 Sonnenbrand
30 Bewegung und Sport
30.1 Sport macht Spaß
30.1.1 Muskelkater
30.1.2 Sehnenschmerzen
30.1.3 »Kicker-Krätze«
30.1.4 Bänderdehnung
30.1.5 Abgerutschter Hüftkopf
30.1.6 Sportmedizinische Untersuchung
31 Mit Kindern auf Reisen
31.1 Die Reiseapotheke
31.1.1 Dauermedikation
31.2 Reisekrankheiten
31.2.1 Reiseübelkeit
31.2.2 Reisediarrhö (Durchfall)
31.2.3 Hepatitis A
31.2.4 Malaria
31.2.5 Quallen
31.2.6 Zika-Virus
31.3 Flugreisen mit Kindern
31.3.1 Sitzplatz buchen
31.3.2 Druckausgleich
31.3.3 Essen und Wickeln
31.3.4 Kleidung
32 Unfälle – was ist zu tun?
32.1 Gehirnerschütterung
32.1.1 Warnzeichen
32.1.2 Erste Hilfe bei einer Gehirnerschütterung
32.1.3 Beobachtung daheim
32.1.4 Glasgow Coma Scale (GCS)
32.2 Knochenbruch
32.2.1 Offener Bruch
32.2.2 Was macht der Arzt?
32.3 Prellungen
32.4 Platzwunden
32.5 Schürfwunden
32.6 Nasenbluten
32.7 Bissverletzungen
32.8 Stromschlag
32.9 Vergiftungen
32.10 Verbrennungen und Verbrühungen
32.10.1 Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!
32.11 Verätzung
32.12 Kreislaufkollaps
32.12.1 Trinken
32.12.2 Frühstücken
32.12.3 Lageänderungen: langsam!
32.13 Stabile Seitenlage
32.14 Wiederbelebung
Teil X Hilfe in allen Lebenslagen
33 Wo bekomme ich Hilfe?
33.1 Wie merke ich, dass ich Hilfe brauche?
33.2 Erziehungs- und Familienprobleme
33.2.1 Erziehungsberatungsstellen
33.2.2 Offene Angebote
33.2.3 Schwangerschaftsberatung
33.2.4 Hebammen
33.2.5 Allgemeiner Sozialdienst
33.2.6 Jugendamt
33.3 Familiäre Unterstützung
33.4 Hilfe für Ausländer
33.5 Entwicklungsbesonderheiten
33.6 Entwicklungsverzögerung
33.6.1 Logopädie
33.6.2 Physiotherapie
33.6.3 Ergotherapie
33.7 Entwicklungsstörungen und Behinderungen
33.7.1 Gesundheitsamt
33.7.2 Sozialamt
33.7.3 Sozialpädiatrisches Zentrum
33.8 Medizinische Unterstützung und Pflege
33.9 Soziale Unterstützung
33.10 Eltern-Kind-Kur
33.11 Rehabilitation für Kinder
33.12 Behandlung im Krankenhaus
33.13 Patientenberatung
33.14 Misshandlung und Missbrauch
33.15 Krankheit und Tod in der Familie
33.16 Telefonseelsorge
33.17 Notfallseelsorge
33.18 Weitere Hilfen
34 Service
34.1 Notfallkarte
34.2 Danke
35 Wann zum Arzt?
35.1 Zum Ihrem Kinder- und Jugendarzt sollten Sie grundsätzlich gehen, wenn
36 Notfälle in alphabetischer Reihenfolge
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Bild: Dominik Ketz, Bad Neuenahr |
1 Ein guter Start
2 Die erste Lebenswoche
3 Zu früh geboren
4 Die ersten Wochen daheim
5 Ihr Baby wird größer
6 Vorsorgeuntersuchung mit 6 Monaten: »U5« (Paed.Check 0.6)
7 Hilfe – die Zähne kommen!
8 Vorsorgeuntersuchung mit 10–12 Monaten: »U6« (Paed.Check 1.0)
Von einem hilflosen Säugling entwickelt sich Ihr Baby zu einem aktiven Kleinkind, das seine Umgebung erkundet. Ihr Kinderarzt wird Sie in dieser spannenden Zeit begleiten und Ihnen hilfreich zur Seite stehen.
Die Geburt eines Babys ist ein einschneidendes Erlebnis für alle Eltern: Endlich ist es da! Sie sind glücklich, aber auch ein bisschen unsicher, ob es diesem kleinen Menschen wirklich gut geht und wie Sie Ihren neuen Alltag meistern werden.
Sie erwarten ein Baby und können es gar nicht abwarten, Ihren Sprössling in den Armen zu halten? Und trotzdem sind Sie ein bisschen verunsichert und fragen sich, ob die Geburt gut verlaufen wird und ob es Ihrem Baby gut gehen wird. Diese Sorgen sind ganz normal und damit sind Sie nicht alleine. Wenn die Schwangerschaft normal verlaufen ist und nicht schon im Vorfeld Komplikationen bekannt sind, wird die Geburt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch gut verlaufen und Sie werden schon bald Ihr gesundes Baby glücklich in die Arme schließen können.
Eine Geburt ist keine Krankheit. Daher benötigen Sie während der Geburt lediglich die Begleitung und Anleitung einer erfahrenen Hebamme.
Durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt werden sogenannte »Risikoschwangerschaften« früh erkannt. Wir verstehen darunter Schwangerschaften, die durch besondere Umstände kompliziert sind, z. B. ein Schwangerschaftsdiabetes, ein auffälliges Wachstum des Kindes, eine sich abzeichnende Frühgeburt. Ein solches Risiko bedeutet nicht unweigerlich eine tatsächliche Erkrankung oder Gefährdung des Neugeborenen. Mama und Baby sollten aber besonders gut überwacht werden.
Seit solchen Schwangeren empfohlen wird, in einem Krankenhaus mit Maximalversorgung entbunden zu werden, sind echte Notfälle bei Schwangeren ohne Risikofaktoren sehr selten geworden: So muss bei diesen Geburten nur etwa bei 1:4 000 mit einem Notfall gerechnet werden. Krankenhäuser mit Regelversorgung, aber auch Hebammen, die eine Hausgeburt leiten, sind in der Versorgung eines »deprimierten«, also in Atmung und Kreislauf schlappen Neugeborenen geschult: Auch hier findet also bei Bedarf eine qualifizierte Versorgung statt.
Die Krankenhäuser vor Ort haben den Vorteil eines (meist) alten und erfahrenen Teams sowie der heimatnahen Lage. Aber auch Geburtshäuser oder eine Hausgeburt können gute Alternativen sein. Hinweise einer Hebamme zur Auswahl des Geburtsortes findenen Sie im Abschnitt ▶ »Wo bekomme ich mein Baby?«.
Berücksichtigen Sie diese Informationen und nehmen Sie das Angebot von Kennenlern-Abenden der Geburtskliniken an, um sich ein Bild zu machen. Treffen Sie dann Ihre Entscheidung: Sie sollen sich bei der Geburt wohl und gut aufgehoben fühlen.
Wenn Ihr Baby endlich da ist, wird Ihnen das Neugeborene normalerweise gleich auf die Brust gelegt. So spüren sich Mama und Baby zum ersten Mal über die Haut, was für beide ein tolles Erlebnis ist. Das Baby beginnt sich zu bewegen (was am Ende der Schwangerschaft im Mutterleib wegen des beengten Platzes nicht mehr so gut klappte), vollführt fast Krabbelbewegungen, in deren Verlauf es nicht selten die Brust erreicht und instinktiv zu saugen beginnt. Diesen ersten Kontakt von Mutter und Kind nennt man »Bonding« und er scheint eine große Bedeutung für die Entwicklung einer innigen Beziehung zwischen beiden zu besitzen. Der Geburtshelfer lässt dabei die Nabelschnur auspulsieren und entbindet dann nach einiger Zeit die Mutter von ihrem Kind. Anschließend wird auf die »Nachgeburt« gewartet, also das Ausstoßen des Mutterkuchens (Plazenta). Diese überprüft der Geburtshelfer auf Vollständigkeit, da verbliebene Reste in der Gebärmutter sich infizieren und zu Fieber der Mutter im Wochenbett (»Kindbettfieber«) führen können.
Direkt nach der Geburt untersucht der Geburtshelfer das Neugeborene. Nach der 1., der 5. und der 10. Lebensminute hält er seine medizinische Einschätzung des Neugeborenen in Punktwerten von 0–2 fest (siehe Tabelle). Dieses Schema zu Beurteilung eines Neugeborenen hat Virginia Apgar schon 1952 vorgeschlagen.
APGAR-Schema
Apgar-Wert
0
1
2
Hautfarbe (Aussehen)
überall blau oder weiß
blaue Hände/Füße
rosig
Herzaktion (Puls)
keine
unter 100
über 100
Mimik (Grimassieren*)
keine
Grimassieren
Schreien
Aktivität
schlaff
träge Beugung
aktive Bewegungen
Atmung (Respiratio)
keine
langsam unregelmäßig
gut
* Unter »Grimassieren« wurde früher die Reaktion des Neugeborenen auf das Absaugen von Mund und Nasenbereich verstanden: Das Baby zeigte seine Missempfindung durch Anspannung der Gesichtsmuskulatur. Da ein unauffälliges Neugeborenes heute nicht mehr abgesaugt werden soll, beobachtet der Geburtshelfer die Mimik des Neugeborenen bei der Erstversorgung.
Für jede der 5 Beobachtungen in der 1. Spalte können bis zu 2 Punkte vergeben werden, maximal 10 Punkte sind also insgesamt möglich. 9–10 Punkte sind optimal, 7–8 Punkte sind lebensfrisch, bei weniger als 7 Punkten sprechen wir von einem »deprimierten« Säugling. Über die Buchstaben des Nachnamens von Frau Dr. Apgar kann man sich die beobachteten Parameter gut merken.
Die erste Untersuchung des Neugeborenen, die Bestimmung des APGAR, des nachfolgend besprochenen Nabelschnur-pH-Wertes, der Körpermaße und die Gabe von Vitamin K stellen die Inhalte der 1. Vorsorgeuntersuchung (U1) dar.
Das Wichtigste nach der Geburt ist das Einsetzen der Spontanatmung, die sich meist mit dem ersten Schrei bemerkbar macht, auf den Sie als werdende Eltern so sehnsüchtig gewartet haben. Bislang war Ihr Baby »original verpackt« in der Fruchtblase perfekt aufgehoben und wurde über die Nabelschnur nicht nur mit Nährstoffen, sondern auch mit Sauerstoff versorgt. Sobald das Baby geboren ist und kein Wasser mehr das Gesicht bedeckt (z. B. auch nach dem Auftauchen bei einer Wassergeburt), beginnt es mit der eigenständigen Atmung. Es kann sein, dass Ihr Baby noch nicht ausreichend tief Luft holen kann. Dieses Problem ist vergleichbar mit einem Luftballon, der beim ersten Mal noch sehr schwer aufzublasen ist, weil er noch nicht gedehnt wurde. Dann hilft eventuell der Geburtshelfer mit 2–3 sogenannten Bläh-Atemzügen: Er setzt dem Neugeborenen eine Beatmungsmaske auf und drückt Luft in die Lungen, um sie dort für 4–5 Sekunden zu halten. Sie sollten deshalb nicht erschrecken, so ein Bläh-Atemzug ist keine Reanimation, sondern nur eine kleine »Starthilfe« für Ihr Baby.
Die Atmung bleibt auch in den ersten Tagen noch ganz unruhig: Statt langsam und geschmeidig auf Änderungen der Blutgase (Sauerstoff und Kohlendioxid) zu reagieren, ist die Atemregulation bei Neugeborenen häufig noch unreif: Ihr Baby beginnt vielleicht hin und wieder plötzlich ohne vorausgehende Belastung zu hecheln, um nach kurzer Zeit für 10–12 Sekunden eine Atempause einzulegen. Die Änderungen im Atemrhythmus und der Atemhäufigkeit sind »holperig«. Man kann diese noch unreife »Feinabstimmung« mit den Bewegungen der Arme und Beine des Babys vergleichen, die ähnlich ruckartig, manchmal geradezu einschießend anmuten. Dies ist vollkommen normal, solange die Atempausen 15 Sekunden nicht überschreiten. Diese 15 Sekunden fühlen sich für junge Eltern aber wie 2 Minuten an. Wenn sie beunruhigt sind, messen sie bitte die Zeit mit einer Uhr. Wenn Ihr Baby durch Atempausen allerdings blau im Gesicht wird (bitte Licht anschalten!), rufen Sie den Notarzt (Tel. 112) und beginnen Sie mit ▶ Atemspenden.
Im Schlaf hat Ihr Baby meist eine ruhige Atmung, die Sie weniger sehen können als vielmehr mit der Hand auf dem Bauch des Babys fühlen werden. Gesunde, schlafende Säuglinge sind nämlich »Bauchatmer« und atmen mit dem Zwerchfell. Bei Ihrem zugedeckten Baby können Sie daher meist keine Atembewegungen beobachten. Wird ein größeres Kind dagegen zum tiefen Luftholen aufgefordert, atmet es zusätzlich mit der ganzen Brustkorb-Muskulatur, was zu einem eindrucksvollen Heben und Senken der Schultern führt.
Falls Sie etwas an der Atmung Ihres Babys beunruhigend finden, z. B. eine erschwerte stöhnende Ausatmung, Husten immer bei Nahrungsaufnahme, ein ständiges stöhnendes Geräusch bei der Einatmung, sprechen Sie bitte Ihren Kinderarzt darauf an.
Bei jedem Neugeborenen wird der pH-Wert aus der Nabelschnur-Arterie bestimmt. Je länger ein Kind während der Geburt ohne Sauerstoff auskommen muss, um so »saurer« ist sein Blut und desto niedriger ist der pH-Wert. Werte von 7,1 oder höher sind normal. Werte unter 7,0 können gefährlich sein und können darauf hinweisen, dass die Sauerstoffversorgung unter der Geburt zu lange nicht ausreichend war. Dann wird der Kinderarzt die Hirnreifung durch Tests und Ultraschalluntersuchung besonders beobachten.
Die Haut Ihres Neugeborenen ist von Käseschmiere bedeckt. Direkt nach der Geburt wird die Haut darunter blau erscheinen, besonders an den Körperspitzen, also an Nase, Mund, Händen und ▶ Füßen.
Zyanose (Blausucht) kurz nach der Geburt ist ganz normal.
Manchmal sind Babys nach der Geburt auch überall blau (Zyanose). Der Geburtshelfer vergibt dann 0 Apgar-Punkte für das Aussehen. Besorgniserregend ist dies nicht, wenn er mit der Atmung und dem Puls des Babys sonst zufrieden ist.
Die Händchen und Füße können noch ein paar Tage blau bleiben, dies ist normal. Eine bleibende Blauverfärbung der Haut am Rumpf sollten Sie mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt besprechen.
Woher kommt die Blaufärbung?
In den roten Blutkörperchen wird der Sauerstoff transportiert. Er wird dazu an ein Eiweißkörperchen gebunden, das Hämoglobin (Hb) heißt. Da Neugeborene einen sehr hohen Hb-Wert von etwa 18 g/dl haben, können sie es sich »leisten«, viele rote Blutkörperchen ohne Sauerstoff zu lassen, ohne dass die Sauerstoffversorgung des Körpers gefährdet wäre. Blau wird die Haut, wenn nur mehr als 5 g/dl des Hämoglobins nicht mit Sauerstoff gesättigt sind. Es hat dann immer noch einen »funktionellen« Hb-Wert von 13 und wird somit ausreichend mit Sauerstoff versorgt, trotz der Blaufärbung. Übrigens: Einen solch hohen Hb-Wert von 13 g/dl haben die meisten Mütter am Ende der Schwangerschaft nicht.
Während der Schwangerschaft haben Sie über die Nabelschnur einen Großteil der Regulierung von Stoffen Ihres Babys übernommen. Sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, muss Ihr Neugeborenes vieles erstmals allein bewältigen. Die Aufrechterhaltung eines guten Kalzium-Wertes im Blut gehört ebenso dazu (die Nebenschilddrüse muss erwachen) wie die Regulierung des Zuckerstoffwechsels. Und das dauert abhängig von Schwangerschaftsdauer und mütterlicher Situation etwa einige Stunden für den Zucker und 2–3 Tage für das Kalzium.
Aufgrund des meist recht knappen Zuckergehalts im Blut des Neugeborenen (45 mg% oder mg/100 ml) und evtl. auch niedrigen Kalzium-Gehalts sind viele Babys am 1. und 2. Lebenstag häufig auffällig zittrig. Dauert dies länger als 2 Tage an oder hatten Sie einen Schwangerschafts-Diabetes, wenden Sie sich bitte möglichst bald an Ihren Kinder- und Jugendarzt.
Bei den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3 bekommt Ihr Baby »Vitamin K« als Tropfen in den Mund. Die Leber benötigt dieses Vitamin zur Herstellung wichtiger Gerinnungsfaktoren, die bei Verletzungen der Blutgefäße dafür sorgen, dass die defekten Stellen möglichst schnell wieder abgedichtet werden können. Während der Schwangerschaft ist die Versorgung über den Mutterkuchen mit diesem Vitamin nur gering, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes bei der Geburt ist daher nur etwa halb so stark wie bei Erwachsenen. Falls Ihr Baby die gelblichen Vitamin-K-Tropfen wieder ausspuckt, sollten sie nachgegeben werden.
Vitamin K – wichtig für die Blutgerinnung
Ein Vitamin-K-Mangel kann zur Hirnblutung führen. Daher sollte jedes Neugeborene einen sicheren Schutz vor dieser Blutung erhalten, indem es Vitamin K bekommt. Bei Frühgeborenen wird das »Vitamin K« meist gespritzt, sodass eine Wiederholung der Gabe nicht notwendig ist. Obwohl es viele andere Konzepte zur Vitamin-K-Gabe für Neugeborene gibt: In Deutschland bleiben wir aus gutem Grund bei dem Konzept: 2 mg Vitamin K jeweils zur U1, U2 und zur U3.
Seit 2008 soll jedes Neugeborene in Deutschland nach der Geburt auf seine Hörfähigkeit getestet werden. Etwa 2 von 1000 Babys haben eine angeborene Schwerhörigkeit oder sind taub. Dieser erste Hörtest ist unabhängig von der Mitarbeit des Kindes.
Es leuchtet ein, dass Ohrenschmalz oder Fruchtwasser im Gehörgang oder Schleim im Mittelohr die Untersuchung stören. Nicht jeder auffällige Test stellt also gleich eine Krankheit dar: Von 30 auffälligen Säuglingen im Neugeborenen-Hörscreening ist tatsächlich nur eines am Ohr erkrankt. Dennoch sollte die Untersuchung bei einem HNO-Arzt innerhalb von 1–2 Wochen wiederholt werden, wenn der Test fehlschlägt.
Wichtig
Ein Baby, das tatsächlich schwerhörig ist, sollte spätestens bis zum 6. Lebensmonat mit Hörgeräten versorgt sein.
Seit 2017 führen die Entbindungskliniken einen einfachen, aber wichtigen Test beim Neugeborenen nach der 5. Lebensstunde durch: An den Füßen wird die Sauerstoffsättigung mit Licht gemessen. Sie beträgt mindestens 96%. Werte darunter können darauf hindeuten, dass ein Herzfehler bei ihrem Baby vorliegt. Zeigt die Kontrolluntersuchung zwei Stunden später immer noch eine Sättigung unter 96%, wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens vorgenommen.
Der erste Stuhl wird als Kindspech oder Mekonium bezeichnet, bis er nach 2 Tagen durch normalen Stuhl abgelöst wird. Während normaler Stuhl zur Hälfte aus Ballaststoffen und zur anderen Hälfte aus mehr oder weniger toten Bakterienresten besteht, ist das Mekonium im Wesentlichen »Zellschrott« (abgestoßene Schleimhautzellen des Darms), das durch die sehr klebrige Erbsubstanz der zerfallenen Zellkerne pechartig klebrig wirkt. Insbesondere Frühgeborene können es schwer haben, diese klebrige Masse herauszudrücken.
Kindspech oder Mekonium
Hat ein Kind bereits vor der Geburt Mekonium in das Fruchtwasser abgesetzt, besteht evtl. die Gefahr, dass diese klebrige Masse in die Atemwege gelangt (Mekonium-Aspiration). Dies passiert aber ausgesprochen selten. Selbst das sogenannte »grüne Fruchtwasser« ist nach heutigem Kenntnisstand nicht automatisch ein Hinweis für Stress unter der Geburt. Entscheidend ist die Einschätzung des Geburtshelfers.
Die Gelbsucht (Ikterus) betrifft mehr oder weniger jedes Neugeborene, ist also eine ganz normale Erscheinung.
Die Gelbsucht wird hervorgerufen durch Abbauprodukte der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die bei den Neugeborenen viel kurzlebiger (80 Tage) sind als bei Erwachsenen (120 Tage). Der Farbstoff muss von der Leber über die Galle in den Darm abgegeben werden. Während der Schwangerschaft haben Sie diese Aufgabe für Ihr Baby übernommen, sodass diese Funktion nach dem Durchtrennen der Nabelschnur erst »aufwachen« muss, um die Stoffwechselleistungen selbst zu übernehmen.
Gelbsucht beim Neugeborenen
In den meisten Entbindungskliniken wird dieser »Gelbsuchtswert« (Bilirubin) unblutig durch einen Fotoblitz ermittelt. Er ähnelt einem Ohrthermometer, wobei eine Sonde auf die Haut des Babys aufgesetzt wird. Das Fachpersonal überwacht den Wert der »Gelbsucht« und achtet darauf, dass der Wert
nicht zu früh ansteigt,
nicht zu hoch ist oder
zu lange erhöht bleibt.
Es geht also um den normalen »Rahmen«, in dem sich die Gelbsucht abspielt. Erst wenn dieser Wert »aus dem Rahmen fällt«, wird der Farbstoff per Blutentnahme gemessen.
An eine behandlungsbedürftige Gelbsucht sollte man denken, wenn
die Haut des Babys sehr gelb erscheint (für Eltern schwierig zu erkennen)
das Baby müde ist und viel schläft
das Baby schlecht trinkt
das Baby nicht gut an Gewicht zunimmt.
das Baby zu wenig Urin lässt.
Besteht der Verdacht auf einen zu hohen Bilirubin-Wert (Hyperbilirubinämie), sollten Sie bald Ihren Kinder- und Jugendarzt zu Rate ziehen. Frühgeborene und Termingeborene haben dabei unterschiedliche Grenzwerte für eine notwendige Therapie. Dies kann noch während der Zeit in der Geburtsklinik notwendig werden, aber auch, wenn Sie bereits mit Ihrem Baby daheim sind. Die regelmäßige Beobachtung durch die Hebamme in den ersten 2 Wochen und die Durchführung der U2 am 7.–10. Lebenstag sind dabei entscheidend. Danach ist eine behandlungsbedürftige Gelbsucht ausgesprochen selten.
Es kann sein, dass Ihr Baby dann zur Therapie unter eine blaue Photolampe gelegt wird. Dazu liegt es in einem Inkubator, bekleidet nur mit einer Windel und einer Augenbinde, die die Augen vor dem UV-Licht schützt. Das UV-Licht spaltet den gelben Farbstoff in der Haut, sodass er nicht mehr nur über die Leber, sondern auch über die Nieren ausgeschieden werden kann. Der »Bili-Wert« (Bilirubin) kann ab Beginn der Phototherapie leider nicht mehr durch den Photoblitz, sondern nur noch durch eine Blutabnahme bestimmt werden.
Gestillte Babys sind länger gelb
Gestillte Säuglinge können aufgrund der Sexualhormone in der Muttermilch länger gelb sein als Flaschenkinder. Dies ist ohne Nachteile für das Baby. Ist das Neugeborene wegen der Gelbsucht aber sehr schlapp und nimmt nicht an Gewicht zu, kann Ihnen der Kinderarzt empfehlen, für 3 Tage die Muttermilch abzupumpen und dem Kind stattdessen eine (HA-)Nahrung per Flasche anzubieten. Dies senkt den Bilirubin-Spiegel so ausreichend, dass das Neugeborene wieder mit Kraft und Ausdauer an die Brust geht und eine normale Gewichtsentwicklung zeigt. Entwickelt sich Ihr Baby trotz Gelbsucht gut, ist dies nicht erforderlich.
Natürlich soll Ihr Baby an Gewicht zunehmen (gedeihen). Es benötigt aber einen Teil der zugeführten Milch zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und zum Schwitzen. Je kleiner die Neugeborenen sind, umso mehr Wärme strahlen sie an die Umgebung ab. Deshalb sollten Sie Ihr Baby vor Zugluft schützen und ihm draußen eine Kopfbedeckung aufsetzen.
Weil Ihre Milch erst am 2. oder 3. Tag einschießt, bekommt Ihr Neugeborenes am 1. Lebenstag keine nennenswerte Menge Milch zu trinken. Erst ab dem 2. Lebenstag kann es mit der Vormilch schon etwas Milch erhalten. Dadurch nimmt Ihr Baby zunächst ab. Dies ist bis etwa 10 % des Geburtsgewichts völlig normal. Gegen Ende der 1. Lebenswoche sollte Ihr Neugeborenes aber zunehmen und das Geburtsgewicht zum 10.–14. Tag wieder erreicht haben. Ist das nicht der Fall, sprechen Sie Ihren Kinder- und Jugendarzt darauf an.
In der 48. bis 72. Lebensstunde wird in den meisten Ländern der Erde eine Untersuchung auf mögliche angeborene Stoffwechselstörungen oder hormonelle Störungen durchgeführt. Andere Begriffe dafür sind »Fersenbluttest«, »Guthrie-Test«, »Stoffwechseltest«. Die Blutprobe sollte nicht vor der 36. und nicht nach der 72. Lebensstunde entnommen werden. Versäumte Proben sollten unverzüglich nachgeholt werden.
Auch ein vollkommen gesundes Neugeborenes kann eine Stoffwechselkrankheit in sich tragen, die bei Geburt noch nicht sichtbar ist. Ein gutes Beispiel ist die PKU (Phenylketonurie): Kinder mit dieser Erkrankung haben eine Störung im Stoffwechsel der Eiweiße, sodass es zu einer Anhäufung der Aminosäure Phenylalanin (Phe) im Blut kommt. In erhöhter Konzentration ist das Phenylalanin für das Gehirn giftig. Während der Schwangerschaft übernimmt die Mutter die Entgiftung des kindlichen Organismus von diesem Stoff. Wird die Erkrankung durch den Test schnell erkannt, erhält das Neugeborene eine bestimmte Diät und entwickelt sich vollkommen gesund (!) weiter.
Menschen, die diese Erkrankung haben und vor 1968 geboren wurden, also bevor dieser Test zur Anwendung kam, wurden erst auffällig, als das Gehirn bereits unheilbar geschädigt worden war: Diese Menschen sind heute Schwerstpflegefälle.
Wie wird das Stoffwechselscreening durchgeführt?
Nach der 36. bis spätestens zur 72. Lebensstunde werden wenige Tropfen Blut aus der Ferse oder einer Vene Ihres Babys auf Filter-Papier getropft und von der Geburtsklinik, der Hebamme oder dem Kinderarzt an ein Labor geschickt. Das Ergebnis erhalten diese etwa nach 5 Tagen.
Inzwischen werden durch das Stoffwechselscreening etwa 40 Krankheiten früh genug erfasst, sodass eine rechtzeitige Behandlung eingeleitet werden kann und sich die meisten Kinder normal (!) entwickeln können.
Allerdings werden in diesem Screening-Test nur Krankheiten erfasst, die auch behandelbar sind. Auch viele weitere Krankheiten wären früh erkennbar, die eventuell später im Leben eines Kindes ausbrechen können. Wenn diese aber (noch) nicht heilbar sind, werden sie in diesem Test absichtlich nicht erfasst. Eine Ausnahme wird seit 2016 mit der Früherkennung der Mukoviszidose ( ▶ cystische Fibrose) gemacht. Diese Krankheit ist zwar nicht heilbar, durch die Früherkennung können die Kinder aber wesentlich besser betreut werden und erreichen gesünder das Erwachsenenalter.
Wo bekomme ich mein Baby?
Klinik, Geburtshaus, Hausgeburt oder ambulante Geburt – Möglichkeiten gibt es viele, aber welche ist die richtige? Bei der Entscheidung für den Geburtsort sind vor allem Ihre Wünsche, aber auch Vorerkrankungen und der Schwangerschaftsverlauf wichtig.
Johanna Franke arbeitet seit 2011 Jahren als Hebamme in Warendorf. Hier gibt sie einige hilfreiche Tipps zur Wahl des Geburtsortes.
Ist die Entbindung in einer Klinik sicherer als eine Hausgeburt?
Leider kann die Klinikentbindung nicht als eine pauschal sicherere Alternative zur Hausgeburt angesehen werden. Dies liegt insbesondere im Personalschlüssel der Kreißsäle begründet. Die Kolleginnen in Kreißsälen sind häufig mit mehreren Geburtsbegleitungen betraut. Hinzu kommt, dass im Krankenhaus parallel noch einiges mehr zu tun ist, dazu zählen CTG-Kontrollen, ambulante Fälle, aber auch ein hoher Verwaltungsaufwand.
Im außerklinischen Rahmen dagegen liegt eine 1:1-Betreuung vor, d. h., eine und zum Ende der Geburt sogar häufig zwei Hebammen überwachen ausschließlich eine Gebärende, ohne störendes Telefon in der Tasche oder einen Monitor über dem Gebärbett, der die CTGs der anderen Gebärenden anzeigt. Dadurch fallen eventuelle Komplikationen früher auf und es kommt extrem selten zu echten Notfällen, denn die Frau wird vorher an eine Klinik übergeben. Aber natürlich ist die außerklinische Geburt nicht für jede Frau eine Option.
Was spricht gegen eine Hausgeburt?
Es gibt viele verschiedene Gründe, warum eine Geburt im Krankenhaus stattfinden sollte, z. B. bei bestimmten Vorerkrankungen der Mutter, einem insulinpflichtigen Diabetes, wenn ein Kaiserschnitt gemacht werden muss oder die Mutter bereits einen Kaiserschnitt hatte, bei einer Mehrlingsschwangerschaft, wenn das Kind in Beckenendlage liegt oder wenn bereits in der Schwangerschaft klar wird, dass das Kind nach der Geburt möglichst schnell von einem Kinderarzt untersucht werden sollte.
Haben Sie sich für eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus entschieden, ist eine Verlegung ins Krankenhaus bei Bedarf aber grundsätzlich möglich und wird auch durchgeführt.
Wie beurteilen Sie die Angst vor einem Notfall?
Wie gesagt: Eine Frau mit einem Risiko sollte nicht zu Hause oder im Geburtshaus gebären. Wenn es nach einer normalverlaufenen Schwangerschaft während der Geburt zu Hause oder im Geburtshaus zu Schwierigkeiten kommt, werden diese bemerkt und weitere Schritte eingeleitet. Sollte ein Neugeborenes oder die werdende Mutter bei einer außerklinischen Geburt eine notfallmäßige Hilfe bedürfen, so sind die Hebammen darin geschult und haben bei ihrem Notfallequipment auch eine Maske zur Atemspende und eine Sauerstoff-Flasche dabei sowie Notfallmedikamente, um eine Versorgung bis zum Eintreffen des Notarztes zu gewährleisten.
Was unterscheidet eine Hausgeburt von einer Geburtshausgeburt?
Bei einer Hausgeburt ruft die Frau dann ihre Hebamme, wenn sie das Gefühl hat, die Geburt werde beginnen. Die Hebamme kommt dann direkt nach Hause. Wenn die Untersuchung zeigt, dass es mit der Geburt noch dauert und es der Schwangeren und ihrem Kind gut geht, fährt die Hebammen erst mal wieder und man verabredet sich erneut. Genauso ist es bei einer Geburt im Geburtshaus, nur das sich hier die Familie selbst auf den Weg macht.
Was ist eine ambulante Geburt?
Die Geburt findet in einem Krankenhaus statt. Bei Wohlbefinden von Mutter und Kind können beide nach vier Stunden die Klinik verlassen. Dies geht nur nach vorheriger Absprache mit der betreuenden Hebamme, denn diese geht dann in Rufbereitschaft.
Bei der Beleggeburt hat die Schwangere die Möglichkeit, mit ihrer bereits vertrauten Hebamme zur Geburt in ein Krankenhaus zu gehen. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Hebamme ab, mit welchem Krankenhaus sie einen Belegvertrag hat.
Wann sollte ich mir eine Hebamme suchen?
Hebamme und Familie sollten sich frühzeitig kennenlernen. Aktuell herrscht ein Hebammenmangel, was dazu führt, dass sich Frauen mit Entbindungstermin in den Sommermonaten und auch zu Weihnachten bei positivem Schwangerschaftstest schnell um eine Hebamme bemühen sollten. So kann die Familie bereits durch die Schwangerschaft begleitet werden und sich ein natürliches Vertrauensverhältnis aufbauen. Mit Sicherheit ist die frühzeitige Kontaktaufnahme auch vom Wohnort abhängig, aber zumindest eine kurze Rücksprache mit der Hebamme, ob eine Betreuung möglich ist, sollte bis zur 12. SSW erfolgen. Die Hebamme kann durch die möglichst frühe Betreuung auch Ausschlussfaktoren für eine außerklinische Geburt erkennen und dies mit dem Paar besprechen. Leider gibt es wegen der massiv gestiegenen Haftpflichtprämien in Verbindung mit einer unangemessenen Vergütung nur noch wenige Hebammen, die außerklinische Geburtshilfe anbieten. Da kann es passieren, dass sich bei einem Kontakt erst in der 20. SSW keine Kollegin mehr findet, die noch Kapazitäten frei hat.
Natürlich ist Ihr Baby das schönste Kind der Welt und wird für Sie immer wunderhübsch sein. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Schönheitsmakel, die viele Kinder nach der Geburt aufweisen – und die meist bald wieder verschwinden und nicht besorgniserregend sind.
Viele Kinder werden mit Pickelchen geboren oder entwickeln diese in der 1. Lebenswoche. Auf der Abbildung 1 sehen Sie ein Neugeborenes mit der typischen Blauverfärbung der Haut und mit diesen Pickeln. Sie werden »Erythema toxicum neonatorum« genannt und sind nach 10 Tagen wieder verschwunden, stellen also keinen Grund zur Sorge dar.
Neugeborenen-Ausschlag
Die Verteilung dieser »Pickelchen« kann durchaus verschieden sein, manche Babys zeigen sie nur am Kopf oder im Genitalbereich, andere überall. Gelegentlich können sie auch blasig erscheinen: Ein Ausstrich aus dem Inhalt dieser Pickelchen zeigt überwiegend einen bestimmten Zelltyp (eosinophile Leukozyten), womit die Diagnose im Zweifelsfall bewiesen wäre.
Einige Kinder kommen mit kleinen roten Flecken zur Welt, die ebenfalls nicht ungewöhnlich sind. Der Volksmund führte für diese roten Flecken im Nacken den Begriff »Storchenbiss« ein, da bekanntlich der Klapperstorch die Kinder bringen soll und sie dabei mit seinem Schnabel am Nacken trägt.
»Storchenbiss«
Diese Blutschwämmchen können aber auch an anderen Stellen auftreten, etwa am Ohr, an der Nase, der Stirn, dem Oberlid, irgendwo am Körper oder im Genitalbereich. Auch gibt es verschiedene Formen: solche, die regelrecht aus der Haut herauswachsen, andere, die glatt oder nur leicht erhaben sind, oder welche, die wie kleine Mückenstiche aussehen.
Der abgebildete Storchenbiss (Abb. 2) ist harmlos. Die meisten Storchenbisse bilden sich bis zur Einschulung von alleine wieder zurück. Alles Weitere zum Verlauf und zur Frage, ob eine Therapie nötig ist, können Sie im Kapitel ▶ »Blutschwämmchen« nachlesen.
Die meist an der Nase auftretenden, weißlichen kleinen Erhebungen stellen eine Ansammlung von Hautfetten da und haben keine Krankheitsbedeutung. Es sind kleine Hautzysten, die von Talgdrüsen ausgehen. Meist verschwinden sie ohne weitere Maßnahmen bis zum Ende des 1. Lebensmonats.
Milien
Viele Babys weisen im Mund, meist genau in der Mittellinie des Gaumens, kleine weiße Stellen auf (Abb. 1). Diese stellen keine Pilzinfektion im Mund dar, sondern sind Hornperlen oder auch »Epstein-Epithelperlen«. Sie verschwinden meist bis zur 4. Lebenswoche. Wenn diese Hornperlen auf der Zahnleiste zu sehen sind (Abb. 2), wird häufig fälschlich an einen frühen Zahndurchbruch gedacht.
Hornperlen am Gaumen
Hornperle an der Zahnleiste
Die Haut Ihres Neugeborenen ist wie ein Schwamm: Der hohe Wassergehalt wird im Mutterleib durch die Käseschmiere geschützt. Wird nach der Geburt die Käseschmiere entfernt, trocknet die Haut und sieht aus, als würde sie sich nach einem Sonnenbrand schälen (Abb. 3). Das ist normal und nicht behandlungsbedürftig. Die Haut am Rücken erholt sich meist schneller, da sich durch die Bewegung Ihres Babys in Rückenlage die Schuppen dort besser lösen.
Trockene Haut
So helfen Sie Ihrem Kind: Die Hautschuppen verliert Ihr Baby von allein. Lediglich in den Beugen am oberen Sprunggelenk kann die Haut so trocken werden, dass sie blutig einreißt. Dann sollten Sie die Haut an diesen Stellen mit Öl (z. B. Maiskeimöl, Olivenöl) 2-mal täglich einreiben.
Es gibt eine Fülle von weiteren kleinen Auffälligkeiten, die Sie als Eltern in den ersten Tagen bei Ihrem Neugeborenen bemerken können – und die Sie manchmal vielleicht auch beunruhigen. Eine kleine Auswahl häufig in meiner Praxis besprochener Auffälligkeiten habe ich im Folgenden zusammengestellt.
Eine häufige, aber harmlose Beobachtung bei einem sonst gesunden Kind ist die Verwachsung der 2. und 3. Zehen, meist nur mit einer Hautbrücke vom Grundgelenk ausgehend (Abb. 1). Das ist kein Grund zur Sorge und auch später wird keine Gehbehinderung bestehen.
Verwachsung des 2. und 3. Zehs
Meist hat diese Verwachsung erbliche Ursachen und einer der Eltern oder Großeltern weist auch diese besondere Zehenform auf (Abb. 2).
Mutter und Tocher haben die gleichen Verwachsungen an den Zehen.
Seltener sind andere Zehen betroffen oder die Verwachsungen zeigen sich langstreckiger. Auch diese Abweichung von der üblichen Wuchsform eines Fußes bedeutet keine spätere Gehbehinderung. Eine operative Trennung der Zehen ist daher nicht nötig.
Ebenfalls ungefährlich für die Kinder sind Zehen, die unter oder über dem Nachbarzeh liegen. Wenn Ihr Kind sicher zu laufen beginnt, verschwindet diese Auffälligkeit durch die Spreizung des Vorfußes von selbst.
Vergleichbar einer Sichel oder Sense stehen die Füße bei einem Sichelfuß (Pes adductus) in Längsrichtung zum Zeh hin gebogen (Abb. 3). Häufig erscheint als Zeichen der starken Biegung eine »Kerbe« auf der Fußsohle.
Sichelfuß
Der Kinder- und Jugendarzt versucht, den Vorfuß nach außen zu drücken. Gelingt dies, liegt ein weicher Sichelfuß vor. Die Eltern sollten beim Füttern oder Kuscheln die Vorfußaußenseite streicheln, um damit einen Bewegungsreiz nach vorne außen zu setzen. Ist der Vorfuß nicht nach außen zu korrigieren (fixierter Sichelfuß), wird der Kinderorthopäde bald mit einer Gipsbehandlung starten müssen.
Ein Klumpfuß ist eine komplexe Fehlstellung im knöchernen Skelett des Fußes, der Muskeln und des Bindegewebes, die immer behandelt werden muss. Es handelt sich um eine Kombination aus ▶ Spitzfuß, ▶ Hohlfuß, Sichelfuß (s. o.) und Varusstellung des Rückfußes (Ferse ist nach innen geknickt). Allerdings sind beim Klumpfuß die Komponenten fixiert, lassen sich also durch den Arzt bei der Untersuchung nicht vollständig korrigieren. Die Therapie beginnt in den ersten Lebenstagen mit einer behutsam korrigierenden Stellungsänderung des Fußes, die anschließend jeweils mit einem dünnen Gipsverband gehalten wird. Nach einigen Tagen wird der nächste behutsame Korrekturschritt mit einem weiteren Gipsverband gesichert. Nach etwa 8 Wochen kann durch eine gezielte kleine Operation über eine kaum sichtbare Narbe die Achillessehne verlängert werden. Spezielle Schuhe bewahren die Füße vor einem Rückfall. Das Drehen vom Rücken auf den Bauch, das Robben und Krabbeln erlernen diese Kinder in der gleichen Zeit wie ihre Altersgenossen.
Kleinere Anhängsel treten meist am Ohr auf, eine krankhafte Bedeutung kommt ihnen nicht zu. Auch hier ist meist in der Familie eine Ähnlichkeit bekannt, wie die Bilder von ▶ Mutter und neugeborener ▶ Tochter zeigen. Harmlose Anhängsel können aus kosmetischen Gründen in den ersten Lebenswochen entfernt werden, müssen aber nicht. Das alleinige Vorhandensein solcher Anhängsel bei einem sonst gesunden Kind ist harmlos.
Hautanhängsel beim Neugeborenen …
… und bei seiner Mutter
Babys haben normalerweise ein symmetrisches Gesicht mit unauffälliger Mundpartie. Sobald sie aber schreien, ziehen manche Kinder einen der beiden Mundwinkel nicht wie den anderen nach unten: Diese Babys zeigen ein »schiefes Schreigesicht« (Abb. 3). Der um den Mund liegende Ringmuskel ist regelrecht angelegt, d. h., Mundschluss und Essen sind ohne Probleme möglich. Nur der kleine Muskel, der den Mundwinkel nach unten zieht, ist auf der betroffenen Seite nicht angelegt. Da das Fehlen dieses Muskels keine funktionelle Störung nach sich zieht, ist auch diese Auffälligkeit harmlos und braucht nicht behandelt zu werden. Im Erwachsenenalter später fällt sie nicht auf.
»Schiefes Schreigesicht« mit Fehlen des Mundwinkel-Senkers links
Sehr selten können auch begleitende Fehlbildungen an inneren Organen vorkommen (Cayler-Syndrom). Diese Beobachtung beruht aber in der medizinischen Literatur nur auf kleinen Fallzahlen. Ihr Kinderarzt wird daher nur bei Verdachtsmomenten eine weitergehende Diagnostik vornehmen.
Nicht nur in einem James-Bond-Film, sondern auch im wahren Leben gibt es Menschen mit einer zusätzlichen Brustwarze. Aber keine Angst, die erscheint nie – wie im genannten Film – als eine Warze oder gar als eine dritte Brust, sondern bleibt eine kleine bräunliche Stelle, wie ein Muttermal.
Der abgebildete Junge (Abb. 4) hat beiderseits unterhalb seiner Brustwarzen 2 kleine bräunliche Stellen, die je einer »akzessorischen Brustwarze« entsprechen. Entwicklungsgeschichtlich sind dies Reste der Milchleiste, wie wir sie z. B. bei Hunden sehen. Auch hier besteht kein Grund zur Sorge.
Zusätzliche Brustwarzen unterhalb der normalen Brustwarze
Gelegentlich entdecken Eltern rötliche Urinbeimengungen in der Windel ihres Neugeborenen (Abb. 5). Der Verdacht auf Blut im Urin liegt nahe, ist aber nicht zutreffend: Es handelt sich um rötlich amorphe Uratkristalle (Harnstoff), die sandig wie gemahlene Ziegel sind; daher der Name »Ziegelmehl«. Jenseits der Neugeborenenperiode wird dieses Phänomen in der Regel nicht mehr beobachtet. Ziegelmehl kann 1–2 Tage lang auftreten. Bei länger bestehender Urinverfärbung sprechen Sie Ihren Kinder- und Jugendarzt an.
»Ziegelmehl« in der Windel
Aufgrund des hohen Drucks, dem ein Baby während der Geburt ausgesetzt ist, kann es zum Aufplatzen eines kleinen Blutgefäßes in der Bindehaut kommen (Hyposphagma- oder Konjunktival-Einblutung). Man sieht dann (meist einseitig) einen kleinen hellroten Blutungsherd in der weißen Bindehaut (Abb. 6). Dieser Befund ist harmlos und braucht nicht behandelt zu werden. Auch Wöchnerinnen können diese harmlose Konjunktival-Blutung nach der Geburt aufweisen; sie entsteht durch das heftige Pressen, was ebenfalls zu einem Aufplatzen der Äderchen führen kann.
Rotes Auge
Anfangs erscheint Ihr Baby Ihnen vielleicht ein bisschen fremd und ungewohnt. Das ist aber ganz normal, denn Sie müssen sich erst aneinander gewöhnen. Nehmen Sie sich viel Zeit dafür und denken Sie daran: Für Ihr Baby ist alles neu.
In der ersten Lebenswoche werden Sie Ihr Baby viel beobachten, wie es atmet und sich bewegt, wie sich seine Haut verändert, wie es schaut und auf Geräusche reagiert. Manche Eltern untersuchen ihr Kind regelrecht und manches fällt ihnen auf, was sie gerne mit ihrem Kinder- und Jugendarzt besprechen möchten. Zögern Sie nicht zu fragen – es gibt keine dummen Fragen.
Natürlich sollen Sie Ihr Baby kennenlernen. Es ist zwar Ihr eigenes Kind, aber doch irgendwie noch fremd, viele Regungen können Sie noch gar nicht richtig zuordnen. Bedeutet das Schreien jetzt Hunger oder fühlt sich Ihr Baby nicht wohl? Hat es Schmerzen oder sollte die Windel gewechselt werden? Oder ist es vielleicht einfach nur müde und möchte schlafen?
Diese Phase des »Bekanntwerdens« dauert meist etwa 2–3 Monate. Es ist also völlig normal, wenn Sie anfangs im Umgang mit Ihrem Baby unsicher sind und erst langsam Ihre Sicherheit finden – besser muss man sagen: bis Sie Ihre eigene elterliche Kompetenz entwickeln.
Je unsicherer Sie sich fühlen, umso mehr werden Sie aus der Umgebung vielfältige, leider sich oft widersprechende Empfehlungen zur Pflege und Ernährung Ihres Säuglings bekommen. Versuchen Sie, sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn nur Sie als Eltern tragen die Verantwortung für Ihr Baby.
Am Anfang kann die Ernährung Ihres Babys sehr mühsam sein. Dann denken Sie daran: Ihr Baby hat im Mutterleib keine Milch getrunken. Ähnlich wie ein Patient »durch Infusion« bekam Ihr Baby während der Schwangerschaft alle Nährstoffe kontinuierlich über die Nabelschnur von Ihnen. Nach der Geburt muss der Säugling die Nahrung plötzlich – durch den Saugreflex gesteuert – aus Ihrer Brust oder der Flasche trinken. Das kennt Ihr Baby noch nicht. Sättigungsgefühl, ein voller Magen, der Unterschied zwischen Nuckeln und echtem Trinken – das alles muss Ihr Baby erst lernen. Und dazu muss es lernen, auf die Signale seines Körpers zu hören und seinen Rhythmus zu finden. Gar nicht so einfach für so einen kleinen Menschen.
Geben Sie Ihrem Baby bis zum Ende des 4. Lebensmonats ausschließlich Milch, keinen Tee und kein abgekochtes Wasser. Ihr Baby steuert die Nahrungsaufnahme nämlich über das Trinken. Würden Sie Ihrem Baby 100 ml Tee anbieten, fehlten 100 ml Milch in der Ernährung und damit etwa 66 kcal Energie sowie die entsprechende Menge an Kalzium und anderen wichtigen Komponenten der Milch. Ihr Baby verspürt durch das Teeangebot zwar eine Magendehnung und glaubt, es wäre satt, wird sich aber kurze Zeit später umso heftiger über Hunger beschweren.
Sind Sie besorgt, da Ihr Baby breits nach 2 Stunden schon wieder Hunger hat – und das jeden Tag, kann es daran liegen, dass die getrunkene Einzelportion zu gering war (z. B. weil Ihr Kind ein «Genießer« ist, der nach kurzer Zeit einschläft bzw. nicht immer beide Seiten trinkt), oder die Nahrung ist nicht sättigend genug (z. B. Umstellung von Pre- auf 1er-Milch bzw. von 1er-Milch auf zusätzliche Beikost). Die häufigste Ursache ist allerdings ein schöner Grund: Die Kinder schlafen nachts bereits so lange durch, dass sie zwei oder drei Mahlzeiten »verschlafen«. Die dadurch fehlende Kalorienmenge muss natürlich von woanders hergeholt werden, daher melden sie sich tagsüber entsprechend häufiger. Für die ruhige Nacht dürfen Sie gerne die häufigeren Fütterungen tagsüber in Kauf nehmen.
Die beste Ernährung für Neugeborene ist Muttermilch. Die Muttermilch ist unerreicht in der Qualität, dem Bedürfnis des Babys bestens angepasst, preiswert, hat immer die richtige Temperatur, ist hygienisch und: immer verfügbar- solange die Mama da ist. Studien belegen, dass Stillen vor dem plötzlichen Kindstod schützen kann, dass es die Entwicklung des Gehirns und der neuromotorischen Reife unterstützt und vor Infektionen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts schützt.
Die Milch, die am 2.–3. Lebenstag Ihres Kindes in der Brust gebildet wird, nennt man Kolostrum. Sie besitzt zwar weniger Kalorien, dafür aber deutlich mehr Eiweiß. Die Milch vom 6.–10. Lebenstag heißt Übergangsmilch, bis sie etwa ab dem Ende der 2. Lebenswoche der reifen Frauenmilch entspricht. Die Zusammensetzung der reifen Frauenmilch im Vergleich zur Kuhmilch zeigt die folgende ▶ Tabelle.
Vorteile des Stillens für die Mutter
Das Stillen ist nicht nur das Beste für Ihr Baby, sondern hat auch für Sie viele Vorteile:
Die Rückbildung der Gebärmutter verläuft schneller. Das Saugen an der Brust führt zur Ausschüttung eines Hormons aus der Hirnanhangdrüse, das »Oxytocin« genannt wird. Vielleicht kennen Sie dieses Hormon aus dem »Wehentropf«, wenn der Gynäkologe z. B. bei Überschreitung des Geburtstermins die Geburt »einleiten« muss: Denn Oxytocin führt zu einer starken Kontraktion der Gebärmutter. Durch das Anlegen des Babys wird ein zügiges und komplettes Ausstoßen des Mutterkuchens erreicht (Nachgeburt).
Würde nach einer Geburt die Gebärmutter (Fruchthöhle) eine längere Zeit in ursprünglicher Größe bestehen bleiben, könnten Sie Blut verlieren und wären der Gefahr einer Infektion der Fruchthöhle (Kindbettfieber) ausgesetzt. Je schneller die Rückbildung der Gebärmutter verläuft (bedingt durch die Oxytocin-Wirkung beim regelmäßigen Stillen), umso geringer sind sowohl der Blutverlust als auch die Gefahr einer aufsteigenden Infektion.
Laborergebnisse geben Hinweise darauf, dass Oxytocin das Brustkrebsrisiko vermindern kann.
Schließlich gilt Oxytocin als »Kuschelhormon«: die Ausschüttung beim Stillen soll Ihre emotionale Bindung zu Ihrem Baby verstärken.
Als Erstgebärende haben Sie noch nie gestillt. Ihre Brust kennt den Vorgang noch nicht und »weiß« gar nicht, wie viel Milch sie geben soll, ob da nur ein Baby trinken möchte oder sogar Zwillinge. Werden Sie nicht ungeduldig und lassen Sie sich nicht frustrieren. Stillen lernen braucht seine Zeit – für Mama und Baby. Dann aber ist es für viele Frauen eine innige Zeit gemeinsam mit ihrem Kind, die beide sehr genießen.
Manche Kinder saugen so heftig an der Brust, dass es Schmerzen bereitet. Versuchen Sie dann zusammen mit Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin, verschiedene Stillpositionen auszuprobieren, z. B. Stillen im Liegen, in der Wiegehaltung, mit Rückengriff. Ihr Baby sollte dabei seinen Kopf weder drehen, überstrecken, beugen oder neigen müssen. Es sollte möglichst viel von der Brustwarze und dem Warzenvorhof in den Mund bekommen können. Probieren Sie aus, welche Position für Sie und Ihr Kind am besten ist – das kann auch je nach Tageszeit und persönlicher Verfassung variieren.
Stillen im Liegen
(Bild: Dominik Ketz, Bad Neuenahr)
Stillen in Wiegehaltung
(Bild: Dominik Ketz, Bad Neuenahr)
Stillen mit Rückengriff
(Bild: Dominik Ketz, Bad Neuenahr)
Manchmal kann durch die Verwendung von Stillhütchen das Stillen für Mutter und Kind vereinfacht werden. Aber bis das Stillen in Gang gekommen ist, sollten Sie auf Stillhütchen und Sauger verzichten. Danach kann ein Stillhütchen wieder helfen, die Stillfähigkeit zu erhalten.
Manche Säuglinge können beim Saugen mit den Kiefernleisten eine medizinisch unbedenkliche kleine Blutung an oder hinter der Brustwarze der Mutter auslösen: Wenn Ihr Baby aufstößt, kann auf dem Spucktuch Blut sichtbar sein. Dies stammt dann nicht von Ihrem Baby, sondern aus Ihrer Brust. Dies ist medizinisch ungefährlich, Ihr Kinder- und Jugendarzt kann – falls nötig – mit einem einfachen Test die Herkunft des Blutes feststellen.
Es kann sein, dass Sie von dem Milcheinschuss (etwa am 3. Tag nach der Entbindung) förmlich überfallen werden. Durch die große Hormonumstellung etwa zur selben Zeit können manche Frauen starke Stimmungsschwankungen erleiden. Das wird gern als »Baby Blues« bezeichnet und klingt ein bisschen wie Swing. Aber es kann manche junge Mutter in ernste Not treiben. Wenn Sie das Gefühl bekommen, dass Sie alles nicht mehr schaffen können, dass die Belastung zu groß wird, oder wenn Sie eine tiefe Traurigkeit überfällt, dann sollten Sie unbedingt um Hilfe bitten: Ihren Partner, Ihre Familie, aber auch Profis, wie z. B. Ihre Hebamme, Lebensberatung, Ehe- und Familienberatung, Caritas, Diakonie, Jugendamt, Gesundheitsamt. Kontaktdaten finden Sie im Internet.
Anekdote: Stillen und Abitur
Eine Studie untersuchte, welchen Einfluss das Stillen auf den späteren Schulabschluss hat. Es wurde (statistisch eindeutig) festgestellt, dass gestillte Kinder häufiger Abitur machten. Natürlich wird darin gerne ein Argument für den guten Effekt der Muttermilch gesehen. Aber leider wird hier nicht die Qualität der Muttermilch bewiesen, sondern die Studie zeigt, dass engagierte Mütter oft zielstrebig sind. Sie stillen, auch wenn es zu Beginn weh tut; später lernen sie mit ihrem Kind für die Schule, auch wenn es bei den Hausaufgaben Konflikte gibt. Und nicht zuletzt wird in Elternhäusern mit hohem Bildungsstand generell auch häufiger gestillt.
Ihr Baby hat noch nie große Mengen mit dem Mund getrunken und Sie haben bisher noch nie gestillt, deshalb müssen Sie beide erst zu einem »Dream-Team« zusammenfinden. Einer alleine kann das nicht.
Sie spüren die Milchbildung durch beiderseits pralle Brüste, die nach dem Stillen weich werden. Gerade in den ersten Tagen kann es jedoch sein, dass die Brust nach der Stillmahlzeit nicht weich ist. Vorsicht: Es könnte sich um Milchstau handeln. Sprechen Sie dann zeitnah Ihre Hebamme an.
Folgende Tipps helfen Ihnen beim Stillen:
Legen Sie Ihr Baby unmittelbar nach der Geburt an.
Schauen Sie Ihr Kind beim Stillen an.
Verzichten Sie in den ersten Tagen auf Stillhütchen und Sauger, bis das Stillen in Gang gekommen ist.
Nehmen Sie ruhig eine Stillberatung an. Zögern Sie nicht, sich zu melden, wenn Sie Hilfe benötigen.
Eine angenehme Stimmung und eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützen die Milchbildung. Trinken Sie mehr, als Sie Durst haben, vor allem nachts. Besonders gut sind Wasser oder Tee.
Vermeiden Sie medizinisch nicht notwendiges Zufüttern mindestens bis zum 4. Lebensmonat. Auch Tee ist nicht notwendig.
Legen Sie Ihr Baby bei jeder Stillmahlzeit an beiden Brüsten an.
In den ersten Tagen legen Sie das Baby häufiger an (8–10-mal am Tag).
Lassen Sie den Haushalt und die Gartenarbeit ruhig schleifen. Nehmen Sie dafür Hilfe der Familie in Anspruch.
Verzichten Sie auf das Rauchen.
Wenn Sie Zitrusfrüchte essen, kann Ihr Baby einen wunden Po bekommen – muss aber nicht. Probieren Sie es aus.
Gemüse, das bei Ihnen Blähungen verursacht, z. B. Zwiebeln, Erbsen und Kohl, kann auch zu Blähungen bei Ihrem Baby führen. Probieren Sie auch das einfach mal aus.
Ein schreiender Säugling hat – bis zum Beweis des Gegenteils – Hunger.
Legen Sie sich ins Bett und ruhen Sie sich aus. Und legen Sie Ihr Baby ruhig häufiger an, denn das Saugen hilft oft sehr gut gegen Milchstau. Wie oben beschrieben können Sie verschiedene Stillpositionen ausprobieren. Achten Sie darauf, dass die Position für Sie entspannend und angenehm ist.
Vor dem Stillen können Sie Ihre Brüste behandeln, z. B. mit
feuchter Wärme: entweder mit einem warm-feuchten Waschlappen oder Sie gehen kurz duschen
kalt-warmen Umschlägen unter Anleitung der Hebamme
Quarkumschlägen.
Sie können die Brüste auch ausstreichen. Dazu legen Sie sich Taschentücher oder eine Küchenrolle bereit und geben etwas Öl oder Lotion auf die Finger. Dann massieren Sie die Brust spiralförmig von den Seiten beginnend. Die Spirale wird immer enger, ohne jedoch die Brustwarzen zu berühren. Austretende Milch nehmen Sie dem Papier auf. Fahren Sie so lange fort, bis die Verhärtung nicht mehr tastbar ist bzw. nicht mehr schmerzt.
Achtung, Brustentzündung!
Eine verhärtete Brust, die warm und gerötet ist, könnte auch ein Zeichen für eine Brustentzündung sein. Wenn die verhärteten Brustbereiche warm werden, die Brust äußerlich gerötet erscheint oder Sie Fieber bekommen, sollten Sie binnen 12 Stunden einen Arzt aufsuchen.
