Kiss me, Baby! - Ulrike Zeitlinger - E-Book

Kiss me, Baby! E-Book

Ulrike Zeitlinger

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Beschreibung

Küssen macht glücklich – und gesünder! Was macht einen perfekten Kuss aus? Warum küsst der Mensch überhaupt? Und warum können wir einfach nicht genug davon bekommen? Ulrike Zeitlinger nimmt uns mit auf eine eindrucksvolle Entdeckungsreise rund um eines der faszinierendsten und oft zärtlichsten Rituale der Welt: den Kuss. Von antiken Liebesbeweisen bis zu Hollywoods berühmtesten Filmküssen, von galanten Handküssen bis zum Lippenkontakt im Tierreich: Es wird geküsst, was das Zeug hält! Humorvoll und detailreich erfahren wir, warum Küssen nicht nur Herzklopfen, sondern auch Glückshormone auslöst, wie unterschiedlich sich Menschen auf der ganzen Welt küssen und warum ein Kuss manchmal mehr sagt als tausend Worte. Ein Streifzug durch die Welt des Kusses: - Spannende Spurensuche: Woher kommt der Kuss? - Die Gefühlsachterbahn der Kussgeschichte - Küsse, die nicht (nur) aus Liebe ausgetauscht werden - Was beim Küssen im Gehirn passiert – und warum es uns so guttut - Die schönsten, kuriosesten und romantischsten Kussmomente der Kunst- und Filmwelt

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Text bei Büchern mit inhaltsrelevanten Abbildungen und Alternativtexten

Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Widmung

Zitat

Vorwort Kiss me, Baby!

Zitat

Wo kommt der Kuss her?

Wie ist der Kuss entstanden?

1. Wir küssen, weil wir uns gut riechen können

2. Wir küssen, seit wir auf zwei Beinen laufen

3. Füttere mich, dann küsse ich dich

4. Küss mich, ich will ein Kind von dir

5. Ich sehe dich, also küsse ich dich

6. Erst putze ich dich, dann küsse ich dich

… und was sagt Freud dazu?

Wann wir den erotischen Kuss entdeckten: Eine Reise in die Vergangenheit

Mit Zunge, Nase und Zähnen: So küsst die Welt

Küsse im Tierreich: Romantische Fische und hemmungslose Bonobos

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Die Geschichte des Kusses

Der Kuss in der Antike: Zwischen Ritual und Leidenschaft

Der Kuss im alten Rom: Jetzt wird es richtig heiß!

Der Kuss im Mittelalter: Gottes Werk und Teufels Beitrag

Der Kuss in der Renaissance: Es darf wieder geknutscht werden

Küsse im Barock und Protestantismus: Sinnlichkeit und Gefahr für die Moral

Der Kuss in der Aufklärung: Logik statt Liebesküsse

Der Kuss in der Romantik: Zwischen Traum und Wirklichkeit

Der Kuss im Realismus: Es ist, wie es ist

Der Kuss im 20. und 21. Jahrhundert: Zensur, Tabu und Provokation

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Wenn wir nicht aus Liebe küssen

Küsse für Verstorbene: Respekt und Liebe begleiten die letzte Reise

Der religiöse Kuss: Zwischen Ehrfurcht, Glauben und Verrat

Der Fußkuss: Veraltete Tradition und moderner Fetisch

Der Handkuss: Vom adligen Ritual zur (fast) vergessenen Geste

Der politische Kuss und küssende Politiker

Der royale Hochzeitskuss: Öffentliche Liebesbekundung für das Volk

Siegerküsse im Sport: Medaillen, Pokale und ein Skandal

Küsse unter dem Mistelzweig: Magische Pflanze, uralte Legende und soziales Ritual

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Der Kuss in der Kunst

Der Kuss in der klassischen Kunst

Begegnung an der Goldenen Pforte (1305) von Giotto di Bondone: Der Kuss als Gnade und göttliche Fügung

Le Baiser (1859) von Francesco Hayez: Kuss mit geheimer politischer Botschaft

Der Kuss (1889) von Auguste Rodin: Skandalöse Erotik und verhängnisvolle Küsse

Dans le lit, le baiser (1892) von Henri de Toulouse-Lautrec: Intime Küsse ohne Weichzeichner

Der Kuss der Sphinx (1895) von Franz von Stuck: Gefahr, Erlösung und die dunkle Seite der Begierde

Vampyr (1893–95) von Edvard Munch: Die Angst des Mannes vor der sexuellen Macht der Frauen

Der Kuss (1898) von Peter Behrens: Neue Sachlichkeit und stille Poesie des Jugendstils

Der Kuss (1908/09) von Gustav Klimt: Blühende Erotik und die sinnliche Seite des Jugendstils

Der Geburtstag (1915) von Marc Chagall: Der romantische Kuss der Schwerelosigkeit

Die Liebenden II (1928) von René Magritte: Der Kuss als Rätsel ohne Antwort

Der Kuss in der Popkultur

Kiss II (1962) von Roy Lichtenstein: Der Kuss als Konsumironie in der Pop-Art

Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben (1990) von Dmitri Wrubel: Berühmter Bruderkuss

Kissing Coppers (2004) von Banksy: Küssen als Widerstand gegen gesellschaftliche Normen

Mural (2016) von Robert »Scott« Marsh: Der narzisstische Kuss als bildhafte Satire

Der Kuss in der Fotografie

V-J Day in Times Square (1945) von Alfred Eisenstaedt: Der Kuss in der journalistischen Fotoreportage

Le Baiser de l’Hôtel de Ville (1950) von Robert Doisneau: Ein inszenierter Kuss als Sinnbild der Liebe

John Lennon and Yoko Ono (1980) von Annie Leibovitz: Der tragischste Kuss des Rock ’n’ Rolls

Zu guter Letzt: Wieso werden wir eigentlich von der Muse geküsst?

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Bildteil

Zitat

Der Kuss aus medizinischer Sicht

Was macht die Mundflora beim Kuss?

Wenn Küssen krank macht

Wann Küsse den Tod bringen können

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Was der Kuss mit dem Gehirn macht

Im Rausch der Hormone

Küsse, Dates und Gene

Der Kuss und die Psychologie

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Zum Knutschen geschaffen?

Warum unsere Lippen so anziehend sind

Läuse und Käfer für rote Lippenfarbe

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Gibt es den perfekten Kuss?

Erotische Statistik: Wer küsst am besten?

»Oh, là, là« oder »Och nö«: Die häufigsten Kusstypen

Ein paar Zutaten für perfekte Küsse

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Kamera ab – und küssen!

Skandalös und gefeiert: Die ersten Kinoküsse

Leinwandküsse in New Hollywood

Herz und Schmerz: Gleichgeschlechtliche Kinoküsse

Finaler Lippenkontakt: Der tödliche Kinokuss

Magie des Verbotenen: Der Vampirkuss

Küsse im Streaming-TV: Queer und realistisch

Meine liebsten Filmküsse

Herz und Schmerz: Romantische Filmküsse

Feuchte Leidenschaft: Kinoküsse im Regen

Wenn Filmküsse Grenzen überschreiten

Kuss und knackig: Sag’s mir in fünf Sätzen

Zitat

Der Kuss in der Zukunft

Von A bis Z: Der Kuss zum Schluss

A wie Augen zu

B wie Baci

C wie Cimetière du Père-Lachaise

D wie Datumsgrenze

E wie E. T.

F wie Formel 1

G wie Gänseliesel

H wie Heuschnupfen

I wie Ikone

J wie Jungfrau

K wie Knutschfleck

L wie Like a Virgin

M wie Mexikanische Kussgasse

N wie Nymphen und Nixen

O wie Osculum infame

P wie Pferdekuss

Q wie Quer geneigt

R wie Rekorde

S wie Stache Rash

T wie Todeskuss

U wie Unbekannte küssen

V wie Venedig

W wie Wein

X wie XOXO

Y wie You know how to kiss a girl?

Z wie Zungenpiercing

Sealed with a kiss …

Bildnachweis

Quellennachweis

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Literaturverzeichnis

Für Gregor.Deine Küsse rauben mir den Atem!

I can’t write without a reader.

It’s precisely like a kiss –

you can’t do it alone.

John Cheever, US-Schriftsteller

Vorwort Kiss me, Baby!

Warum der Kuss eine Liebeserklärung verdient

Ein Kuss – was ist ein Kuss? Lippen, die sich berühren, Hunderte Nervenenden, die vibrieren, Tausende Synapsen, die feuern, und Millionen Bakterien, die ausgetauscht werden. Während sich unser Herzschlag erhöht und der Puls steigt, wird ein hochprozentiger Hormoncocktail durch unseren Körper gepumpt, allen voran das Liebeshormon Oxytocin. Dazu kommt Dopamin, das uns Wohligkeit und Glücksgefühle beschert, während Endorphine eine Portion Euphorie zum Mix beisteuern. Aber ist das alles? Eine chemische Reaktion – ist das der Kuss?

Maler, Musiker und Dichter sämtlicher Epochen würden vehement widersprechen. Sie alle haben versucht, den Kuss einzufangen. Genau wie Wissenschaftler jedweder Disziplin ihn entschlüsseln wollten. Aber weder Künstler noch Psychologen, Neurowissenschaftler, Historiker, Soziologen, Mikrobiologen oder Mediziner konnten das Rätsel um die Faszination des Kusses endgültig lösen.

Denn der Kuss hat etwas Magisches, eine geheime Zutat, die keine Wissenschaft der Welt erklären kann. Er kann ein Anfang sein oder ein Abschied für immer. Er kann versprechen, verführen oder verraten. Der Kuss weiß, wann er leidenschaftlich und wann er flüchtig sein soll, wann er belohnt, bestraft, besiegelt. Er kann unsere Knie weich machen und uns Schmetterlinge in den Bauch zaubern – oder uns völlig kaltlassen. Er berührt uns im Herzen, er macht uns sehnsuchtsvoll nach mehr. Er kann stürmisch sein und uns fast von den Füßen fegen oder unser Herz in wohlig weiche Watte packen. Kein Kuss gleicht jemals dem anderen – und so ist er auch für jede und jeden von uns immer wieder neu und aufregend. Allein deswegen hat er eine Liebeserklärung verdient!

Meine eigene Kusshistorie begann einigermaßen unrühmlich: Wir schreiben die späten 80er. Auf Partys hörten wir Nena, Mike Oldfield und Alphaville, schmusten beim »Schieber« (auch Engtanz genannt) zu Whams Careless Whisper und zu Hello von Lionel Ritchie. Das beliebteste Partyspiel war Flaschendrehen, und wenn zwei sich dabei küssen mussten, fand das unter dem Gekicher und Gejohle der Anwesenden statt. Aber dieses Herumbusseln, das war mir selbst als Teenie bewusst, konnte ja nun nicht das richtige, wahre Küssen sein! So wie Patrick Swayze als Johnny in Dirty Dancing Jennifer Grey alias Baby küsst. Oder Tom Cruise als Pilot in Top Gun seine Ausbilderin Kelly McGillis. Eben wie im Kino stellte ich mir das richtige Küssen vor: romantisch und leidenschaftlich, dass es bis in die Zehenspitzen kribbelt! Das fanden auch meine besten Freundinnen, und so gingen wir quasi wöchentlich ins Kino, nur um sicherzugehen, dass wir das mit dem Küssen wirklich verstanden hatten.

Im Sommer verknallte ich mich in Holger. Er wohnte drei Häuser weiter in unserer Reihenhaussiedlung, war ein Jahr älter als ich, hatte lange Haare und ein ziemlich cooles Moped, auf dem er mich über die Feldwege rund um unsere Kleinstadt fuhr. An einem Samstagnachmittag lagen wir auf einer Wiese, die Sonne wärmte unsere Haut, und aus dem Kassettenrekorder ließ Pat Benatar passend wissen: »Love is a battlefield.« Mir war klar: Das ist er! Der Augenblick für den perfekten ersten Kuss. Etwas ungelenk, aber entschlossen bewegten wir unsere Gesichter aufeinander zu. Leider mit etwas zu viel Elan, sodass unsere Zähne so heftig aneinanderschlugen, dass sich eine Ecke von Holgers rechtem Schneidezahn verabschiedete. Erst waren wir erschrocken, dann peinlich berührt, schließlich fanden wir das alles rasend komisch. Und was soll ich sagen: Am Ende des Nachmittages hatten wir die Sache mit dem unfallfreien Küssen voll im Griff.

Holger war der erste von (zugegebenermaßen) vielen Jungs, die ich in meinem Leben geküsst habe. Mit manchen knutschte ich nur einen Abend, mit einigen einen ganzen langen Sommer und mit einer Handvoll über Jahre. Ein paar Mädchen waren natürlich auch dabei. Als junge Studentinnen waren wir wild entschlossen zu experimentieren und knutschten auch ausgesprochen gerne miteinander. Als wir dann auch noch feststellten, dass es die Jungs um uns herum atemlos machte, wenn meine Freundinnen und ich uns »mit Zunge« küssten, machte es uns noch mehr Spaß als ohnehin schon. Am liebsten knutschte ich mit meiner Freundin Christine, deren Küsse immer ein bisschen nach den Lavendelbonbons schmeckten, die sie beinahe ununterbrochen lutschte …

Küssen ist für mich eine der tollsten Sachen der Welt. Mal leidenschaftlich, mal romantisch, mal verspielt, mal einfach nur so. Einerseits ist so ein Kuss keine große Sache. Andererseits ist intensives Küssen unfassbar intim. Es ist immer nah, direkt, es durchbricht unseren persönlichen Raum, es macht uns wehrlos. Und es findet ausschließlich zu zweit statt. Selbst beim Sex können diverse Personen simultan an- und miteinander aktiv sein. Beim Zungenkuss ist das – zumindest meiner Erfahrung nach – anatomisch herausfordernd bis unmöglich. Wir erforschen beim Kuss nicht nur die Lippen und die Zunge des anderen, wir spüren auch seinen Atem – und damit das Leben. Es ist nicht umsonst ein beliebtes Filmmotiv, wenn gemeingefährliche Kreaturen ihren Opfern mit dem »Todeskuss« das Leben oder die Seele aussaugen.

Wenn wir küssen, lassen wir den anderen eben ganz nah an uns heran und machen uns verletzlich. Vielleicht ist es gerade deshalb so aufregend.

Den letzten Mann, den ich zum ersten Mal geküsst habe, traf ich vor vielen Jahren: Ich war bereits erwachsen und hätte nie damit gerechnet, jemanden zu treffen, der mir mit seinem ersten Kuss klarmachen würde, dass wir den Rest unseres Lebens zusammen verbringen werden. Auch in Zukunft werde ich mit keinem anderen Mann mehr knutschen als mit meinem geliebten Gatten. Er hat den Dreh einfach raus.

Der Kuss hat eine aufregende Geschichte, spannende medizinische, neurologische und psychologische Aspekte. Und er wirft Fragen auf: Ist die Fähigkeit zu küssen angeboren – oder macht erst Übung den Meister? Warum ist der Kuss ein so beliebtes Motiv in der Kunst? Fühlen Männer und Frauen einen Kuss unterschiedlich? Warum ist der Handkuss ausgestorben und der Wangenkuss nicht? Wieso küssen wir uns an Weihnachten unter einem Mistelzweig, aber sonst nur selten in der Öffentlichkeit? Können Tiere küssen? Wie geht Küssen vor der Kamera? Warum ist Küssen in manchen Teilen der Welt verpönt? Und kann es wirklich sein, dass wir in Zukunft eher Roboter küssen als echte Menschen?

Viele Fragen, die ich in Kiss me, Baby! so gut es geht beantworten möchte. Dafür habe ich mich durch Studien geackert, mit Experten und Wissenschaftlern in Deutschland, Europa und den USA gesprochen und Berge von Artikeln und Büchern gelesen. Ich kann Ihnen versprechen, dass die Geschichte des Kusses ausgesprochen spannend und unterhaltsam ist! In diesem Sinne: Genießen Sie das Lesen – und das Küssen.

XOXO

Ihre Ulrike Zeitlinger

PS: Das Zeichen »XOXO« kommt aus dem amerikanischen Englisch und bedeutet Hugs and Kisses (»Umarmungen und Küsse«). Die beiden X symbolisieren die Küsse und die beiden O die Umarmungen. Warum ausgerechnet diese Buchstaben? Das erfahren Sie im Kapitel »Von A bis Z: Der Kuss zum Schluss« am Ende dieses Buches.

Der erste Kuss ist das Streifen der Lippen der Rose

mit den zarten Fingern der Brise, in der man die

Rose einen langen Seufzer der Erleichterung

und ein sanftes Stöhnen von sich geben hört.

Khalil Gibran

Wo kommt der Kuss her?

Eine abwechslungsreiche Spurensuche

Warum küssen wir uns? Wenn es um die ersten Küsse der Menschheit geht, ist es den Philematologen – also Kussforschern (griechisch phílēma für »Kuss«) – bis heute nicht gelungen, den ultimativen Grund dafür herauszufinden, weshalb wir überhaupt mit dem Küssen angefangen haben. Was hat unsere Vorfahren in grauer Vorzeit dazu bewogen, ihre Lippen aufeinanderzupressen? Und weshalb tun wir das als einzige Spezies auf diesem Planeten auch mit eindeutig erotischen Absichten?

Der Kuss, also ein mit dem Mund ausgeführter, ritueller Körperkontakt mit einem (!) anderen Menschen, ist uns als Verhaltensweise nicht angeboren, sondern hat sich im Laufe der Jahrtausende entwickelt. Und das keineswegs flächendeckend. Küssen ist längst nicht überall auf der Welt so selbstverständlich verbreitet wie in unserer westlichen Hemisphäre. In vielen Kulturen ist der Kuss völlig unbekannt oder spielt im sozialen und/oder romantisch-erotischen Miteinander schlicht keine Rolle. Er ist schließlich auch nicht überlebensnotwendig.

Wenn der Kuss jedoch (wie hierzulande) eine wichtige Rolle in zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art einnimmt, ist er viel mehr als nur eine Berührung mit den Lippen. Er ist eine Sprache voller Nuancen und Bedeutungen. Mit unserem Kuss signalisieren wir unserem Umfeld, in welcher Beziehung wir uns mit dem Geküssten befinden. Denn nicht jeder Kuss ist in seiner Intention gleich.

In der westlichen Hemisphäre kennen und praktizieren wir zumeist folgende Küsse: den familiären Kuss, den wir Kindern, Eltern und Verwandten geben, um ihnen Liebe und Nähe zu versichern; den freundschaftlichen Kuss, der lieben Menschen sagt: »Ich bin für dich da. Du liegst mir am Herzen«; und die beiden vielleicht wichtigsten Küsse unter Liebenden: den romantischen Kuss und den erotischen Kuss.

Der romantische Kuss ist meist sanft und gefühlvoll und vermittelt Liebe, Zuneigung, Bindung und emotionale Nähe, so wie es beispielsweise ein zärtlicher Gutenachtkuss unter Partnern tut. Beim erotischen Kuss führt die sexuelle Anziehung Regie: Er ist leidenschaftlich, hitzig und erregend – ein intensiver Zungenkuss, der oft das Vorspiel für mehr ist.

So weit, so großartig. Dennoch bleibt die Frage, weshalb wir überhaupt anfingen, so zu küssen. Sind unsere Urmütter der Grund – oder die Tatsache, dass wir plötzlich die Farbe Rot sehen konnten? Vielleicht spielt auch die gegenseitige Fellpflege eine Rolle dabei oder die Tatsache, dass wir irgendwann auf zwei Beinen gehen konnten. Die Antwort darauf und was uns aktuelle Studien, prähistorische Artefakte und Texte in Keilschrift darüber verraten, klären wir in diesem Kapitel. Außerdem sehen wir uns an, wie in unterschiedlichen Kulturen geküsst wird. »Mund auf Mund« ist, wie erwähnt, nicht weltweit üblich.

Wie ist der Kuss entstanden?

Bei einem intensiven Kuss tauschen wir Millionen von Bakterien und andere Mikroorganismen miteinander aus. Das klingt für uns heutzutage ausgesprochen unhygienisch (auch wenn es das genau genommen nicht ist, aber dazu später mehr) und kann das Einfallstor für so manche Krankheit sein. Deswegen darf man hier schon einmal fragen: Liebe Evolution, was hast du dir eigentlich dabei gedacht, als du uns das Küssen gelehrt hast? Nachdem die Evolution ihre Geheimnisse nur zögerlich preisgibt, suchen Forschende unterschiedlichster Disziplinen – von Anthropologie bis Zoologie – seit vielen Jahrzehnten nach Antworten. Entsprechend gibt es diverse Theorien dazu, wie die ganze Sache mit dem Kuss losging. Manche davon sind schon in den 1970er-Jahren entstanden, andere sind erst 2024 neu dazugekommen.

Der Kuss, so uralt er auch sein mag, beschäftigt die Wissenschaft noch aktuell. Schauen wir uns die sechs verbreitetsten Thesen über seine Entstehung einmal an.

1. Wir küssen, weil wir uns gut riechen können

Eine der meistverbreiteten Ansichten in der Forschung ist, dass sich das Küssen aus dem gegenseitigen Beschnüffeln entwickelt hat. Das Riechen als Erkennungszeichen haben wir von unseren frühesten Vorfahren übernommen. Vermutlich sind dabei die Nasen aneinandergerieben oder ist an der Wange und am Gesicht des Gegenübers gerochen worden – ein Verhalten, das Völker wie die Maori oder Inuit auch heute noch (statt eines in unserem Kulturkreis üblichen Begrüßungskusses) auf ähnliche Weise praktizieren.

Unser Geruchsgedächtnis (im Fachjargon »olfaktorisches Gedächtnis« genannt) ist unserem visuellen Erinnern haushoch überlegen. Wir erkennen Gerüche auch nach Jahrzehnten wieder. Mehr noch: Wir können sie zeitlich zuordnen, und sie kreieren in uns ein komplettes emotionales Bild der damaligen Situation. Es riecht im Flur nach Pfannkuchen? Unser olfaktorisches Gedächtnis weiß sofort: »Oh, wie damals bei Oma! Weißt du noch? Wir durften immer so viel Apfelmus und Zucker auf die Pfannkuchen draufpacken, wie wir wollten.« Oder wir erschnuppern ein bestimmtes Parfum und wissen: »Mmmhh, das hatte die Mutter meines ersten Freundes doch auch! Habe ich ihr sogar einmal zum Geburtstag geschenkt.« Wir erinnern uns auch sofort, wenn es irgendwo riecht wie in unserem ersten Klassenzimmer oder wie in dem Bus, in dem wir immer zum Handballtraining gefahren worden sind.

Für das gegenseitige Erkennen ist hilfreich, dass jeder von uns seinen individuellen Körpergeruch hat. Bereits Neugeborene haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn, der ihnen hilft, sich zu orientieren und sich mit vertrauten Personen wie Mutter oder Vater zu verbinden. Babys erkennen den Geruch ihrer Mutter beim Stillen, denn der Brustwarzenhof ist von den sogenannten Montgomery-Drüsen umgeben, die einen individuellen Mamaduft abgeben. Daher lassen sich Säuglinge – auch wenn sie nicht gestillt werden – leichter beruhigen, wenn sie die Haut der Mutter spüren und riechen können. Später können Kinder das, was sie einmal gerochen haben, aus ihrem Gedächtnis abrufen und in Worte kleiden. Kita-Kinder identifizieren daher Jacken oft nicht anhand ihres Aussehens, sondern anhand ihres Geruchs (»Gehört dem Tommy!«). Auch als Erwachsene bevorzugen wir (wenngleich oft unbewusst) den Geruch unseres Partners und unserer Kinder gegenüber dem Geruch fremder Menschen.

Als sich unsere sprachlichen Fähigkeiten mit den Jahrhunderten immer weiterentwickelt haben, ist das gegenseitige Beschnuppern zur Identifikation oder Begrüßung vermutlich unwichtiger geworden. Die intime Geste, sich mit dem Gesicht nahe zu kommen, ist als Ausdruck des gegenseitigen Vertrauens und der Freude des Wiedersehens bestehen geblieben – in manchen Kulturen, wie zum Beispiel bei den Inuit und in polynesischen und afrikanischen Regionen, bis heute. In anderen Gebieten, vor allem in der westlichen Hemisphäre, hat sich das Beschnuppern nach und nach weiter zum Lippenkuss entwickelt, der sich im Laufe der Zeit zum sexuell-erotischen oder romantischen Kuss gewandelt hat, wie wir ihn heute kennen.

2. Wir küssen, seit wir auf zwei Beinen laufen

Eine ebenfalls weitverbreitete Theorie über den Ursprung des Küssens hat der britische Zoologe Desmond Morris 1967 in seinem Bestseller Der nackte Affe veröffentlicht. Darin führt er menschliches Verhalten auf seine evolutionären Wurzeln zurück und erklärt unsere grundlegendsten Instinkte und Triebkräfte.

Wenn es um das Sexualverhalten des nackten Affen (aka Mensch) geht, ähneln wir einerseits unseren nächsten Verwandten, den Primaten. Andererseits hat die Evolution bald auch für einige maßgebliche Unterschiede gesorgt: Menschen haben öfter und vor allem extrem gerne Sex, und nicht nur wie ihre tierischen Verwandten, um Nachwuchs zu zeugen. Sie werben länger umeinander als Primaten und bilden öfter monogame Beziehungen.

Als Instrument für diese Paarbindung dient die sexuelle Erregung. Laut Morris erfolgte sie in ihren Ursprüngen dadurch, dass die Urfrau dem Urmann ihren prallen Po und ihre anziehend roten Schamlippen präsentierte. Der Mann dagegen musste nicht sehr viel mehr tun, als Begeisterung zu grunzen und zuzugreifen.

Als der Mensch mit den Jahrtausenden sein Fell verlor und begann, auf zwei Beinen zu laufen, wurde der Hintern unbedeutender, die vordere Körperseite dagegen für die gegenseitige Erregung immer wichtiger. Die weiblichen Brüste wurden im Laufe der Evolution immer größer und praller; unsere Ohrläppchen wurden größer und empfindsamer; und – wichtig für den Kuss – unsere hochsensiblen (und ebenfalls anziehend roten) Lippen stülpten sich nach außen. Erotische Begegnungen erfolgten nun nicht nur visuell, sondern auch sensorisch anders: Haut an Haut, Brust an Brust, Mund an Mund. Die Entwicklung des Küssens war unvermeidlich.

Die Bremer Kulturanthropologin und Sexualwissenschaftlerin Dr. Ingelore Ebberfeld entwickelte diese These von Morris in eine leicht andere Richtung weiter und kombinierte sie mit der oben beschriebenen Geruchstheorie. Sie geht davon aus, dass das Aneinanderriechen (und -lecken) zum gegenseitigen Erkennen und zur sexuellen Kontaktaufnahme diente. Dieses Beschnüffeln soll sich aber dramatisch verändert haben, als der Mensch begann, auf zwei Beinen zu laufen. Nämlich weg vom Hinterteil (wie es bei vielen Tieren heute noch der Fall ist) in Richtung Mund. Das Schnüffeln hat sich also von unten nach oben verlagert, da es schlicht praktischer war, im Gesicht anstatt am Po des Gegenübers zu schnuppern. Daraus habe sich über die Jahrtausende der sexuelle Kuss entwickelt.

3. Füttere mich, dann küsse ich dich

Die gängigste Theorie, die wir vermutlich alle kennen, besagt, dass sich der Kuss aus dem Füttern von Babys und Kleinkindern entwickelt hat. Also, wer hat’s erfunden? Die Urmütter! Sie pflegten Nahrung für ihre Babys vorzukauen (der Fachausdruck dafür ist »Premastikation«). Die Lippen der Mutter pressten sich dann auf die Lippen des Kleinkindes, während sie ihm mit der Zunge die vorgekaute Nahrung in den Mund schob.

Das klingt für unsere modernen Ohren eher unappetitlich, war aber in den Zeiten vor Thermomix und Hipp-Gläschen ungemein praktisch. Der Vorgang wird daher auch Kussfütterung oder Food Kissing genannt. Es ist eine Praktik, die wir in manchen Ländern in Afrika, Südamerika und Asien immer noch finden. Die Tsimane im brasilianischen Amazonas beispielsweise kauen die Nahrung für ihre Babys vor, so wie etwa 80 Prozent der Mütter in Nigeria. Auch rund ein Viertel der Säuglinge in Gabun werden auf diese Weise gefüttert.

Auch jede siebte Mutter in den USA kaut ihrem Säugling die Beikost vor. 2012 führte das zu einem veritablen Skandal, als Hollywood-Schauspielerin Alicia Silverstone ein Video veröffentlichte, in dem sie ihren Sohn Bear (damals zehn Monate alt) Mund zu Mund füttert. »Ich kann verstehen, dass sich manche Leute damit unwohl fühlen«, sagte die Schauspielerin im Interview mit Entertainment Tonight. »Aber Mouth Feeding wird seit Tausenden von Jahren praktiziert. Es ist etwas völlig Natürliches.«

In Kombination mit dem Stillen, also dem Saugen an Mutters Brust, lernen Babys unmittelbar nach der Geburt, dass Wohlgefühl und Überleben untrennbar mit dem Mund verbunden sind. Genau genommen ist das Saugen ein angeborener Instinkt. Wie wir heute auf Ultraschallbildern sehen können, lutschen Babys bereits im Mutterleib an ihrem Daumen. Laut der Food-Kissing-Theorie hat sich im Laufe der Evolution das Pressen von Lippen gegen Lippen als eine Möglichkeit entwickelt, Kinder zu trösten und mit der Zeit auch Liebe und Zuneigung im Allgemeinen auszudrücken. Die menschliche Spezies habe diese Küsse dann nach und nach weiterentwickelt zu den leidenschaftlichen Varianten, die wir heute kennen.

4. Küss mich, ich will ein Kind von dir

Eine weitere These, die nicht unumstritten, aber dennoch nachvollziehbar ist, lautet folgendermaßen: Küssen hat sich als eine Art psychologisches Tool entwickelt, das Frauen dabei hilft, potenziell geeignete Väter zu erkennen und an sich zu binden.

Die amerikanische Anthropologin Helen Fisher ist überzeugt davon, dass das Küssen gleich drei Grundbedürfnisse für das menschliche Fortbestehen bedient: sexuelles Begehren, romantische Liebe und Sicherheit. Alle drei sind unmittelbar mit dem Instinkt zur Fortpflanzung verbunden. Lust sorgt dafür, dass wir einen Partner finden. Liebe führt dazu, dass wir uns an einen Partner binden. Sicherheit ermöglicht, dass wir lange genug zusammenbleiben, um ein Kind zu bekommen. Küsse sorgen für so viel Intimität und Nähe, dass sie die drei Faktoren miteinander verknüpfen.

Gordon Gallup, Professor für Psychologie an der Universität von Albany in New York, der mehrere Studien zum Küssen durchgeführt hat, hat Fishers These indirekt belegt. Er behauptet, dass Küssen evolutionär gesehen ein Weg sei, unbewusste Informationen über die genetische Kompatibilität eines potenziellen Partners zu erhalten, seine Gesundheit und den hormonellen Status zu prüfen. Gallups Hypothese steht im Einklang mit Fishers Annahme, dass sich das Küssen als Balzstrategie entwickelt hat, die uns hilft, geeignete Partner einzuschätzen.

Aus darwinistischer Sicht ist die sexuelle Selektion der Schlüssel zur Weitergabe der Gene. Da Frauen ein deutlich schmaleres Zeitfenster für die Fortpflanzung haben als Männer, ist die richtige Wahl des Vaters ihrer Kinder für sie deutlich entscheidender als umgekehrt. Gut denkbar also, dass die Evolution den Kuss als Prüfsiegel entstehen ließ.

5. Ich sehe dich, also küsse ich dich

Weniger bekannt, aber spannend ist die Theorie, dass die Sitte des Küssens parallel zur Entwicklung des Sehsinns unserer Vorvorvorfahren entstand, genauer gesagt der Fähigkeit, Farben zu erkennen. Das klingt erst einmal weit hergeholt. Aber stellen wir uns kurz vor, wie wir Menschen vor Millionen Jahren, zum Beginn unserer Spezies, gelebt haben.

Die Nahrungssuche war ein harter und gefährlicher Job, das Feuer war noch längst nicht domestiziert, und das Jagen von Tieren lag in weiter Ferne. Beeren, Pflanzen, Pilze, Früchte und Nüsse standen daher auf unserer täglichen Menükarte. In diesem Zusammenhang entwickelten einige unserer Vorfahren eine überlegene Fähigkeit: Sie konnten rötliche Farben erkennen. Das verschaffte ihnen den Vorteil, mehr und vor allem reife Früchte zu finden. Das wiederum half ihnen, länger zu überleben als andere Artgenossen – lange genug, um ihre Farberkennungsgene an ihre Nachkommen weiterzugeben. Über viele Generationen hinweg wurde das Signal »Rot bedeutet Belohnung!« fest in den Gehirnen unserer Vorfahren verankert. Selbst heute steigert der Blick auf Rot noch unsere Herzfrequenz und beschleunigt den Puls.

Doch wie führte das nun zum Kuss? Unsere männlichen Vorfahren begannen vermutlich, überall in ihrem Umfeld aktiv nach der Farbe Rot zu suchen, und fanden sie auch in den Lippen der weiblichen Gegenüber. Die Farbe war so eng verbunden mit dem Belohnungsinstinkt, dass es schließlich zum Kuss kam – der sich wohl genauso gut anfühlte wie der Genuss einer reifen roten Beere!

6. Erst putze ich dich, dann küsse ich dich

Ebenfalls einleuchtend ist die letzte (und jüngste) Theorie über den Ursprung des Kusses, die übrigens eher zufällig entstanden ist. Der Evolutionsbiologe Adriano Lameira untersuchte an der britischen Universität Warwick Menschenaffen und ihr Verhalten. Dabei fiel ihm auf, dass sie beim gegenseitigen Lausen zwar zunächst das Fell des anderen mit den Fingern kämmen, am Ende aber den Mund nutzen, um Parasiten und Schmutz zu entfernen. Ein Vorschieben der Lippen und ein leichtes Saugen bei Berührungen … Das kam Lameira irgendwie bekannt vor. »Ganz plötzlich wurde mir klar, dass ich gerade Auge in Auge mit der wahrscheinlich ältesten Form des Küssens war«, sagte er in der Zeitschrift Evolutionary Anthropology.

Lameira beschloss, den Zusammenhang zwischen Fellpflege und Küssen genauer unter die Lupe zu nehmen. Hat der Mensch aus diesem letzten oralen Arbeitsschritt einer Putzaktion das Küssen entwickelt? Lameira ist überzeugt davon. Denn dieser Schritt beinhaltet das entscheidende Merkmal eines Kusses: vorgeschobene Lippen und Saugbewegungen.

Lameira vermutet, dass sich das Küssen aber erst entwickelt hat, nachdem unsere Vorfahren vor rund sieben Millionen Jahren die Bäume verließen und auf dem Boden landeten. Denn dort unten gab es eine größere Dichte an Parasiten, die eine ausführlichere Fellpflege erforderten. Als die Menschen mit der Zeit ihre dichte Körperbehaarung verloren, starb das gegenseitige Lausen irgendwann aus. Nur noch die finale kussähnliche Phase des Pflegerituals blieb als Form der sozialen Bindungspflege übrig. Daraus entwickelte sich das Küssen.

… und was sagt Freud dazu?

Es ist wenig überraschend, dass auch der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, eine Theorie zum Küssen entwickelt hat. Diese hat selbstverständlich mit seinem Spezialgebiet Sexualität zu tun.