Klassische Musik erleben - Gottfried Hemetsberger - E-Book

Klassische Musik erleben E-Book

Gottfried Hemetsberger

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Beschreibung

Das Buch wendet sich an Musikliebhaber, welche die klassische Musik als inneres Erlebnis begreifen und sich vertiefend mit den spezifischen Fragestellungen auseinandersetzen möchten. Der Autor verarbeitet für fachlich Interessierte theoretische Grundlagen und persönliche Erfahrungen als Pädagoge und Interpret. Dabei werden einerseits Themen wie Hörgewohnheiten und Möglichkeiten einer intuitiven Musikerlebniswirkung beleuchtet, Aufgaben und Grenzen der Interpretation beschrieben sowie andererseits die Entwicklung der klassischen Instrumentalmusik umrissen, wobei anhand von Beispielen verschiedene Werkgattungen behandelt werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Durch alle Tönetönet Im bunten ErdentraumEin leiser Ton, gezogenFür den, der heimlich lauschet.

Friedrich Schlegel (1772–1829)

Gottfried Hemetsberger

Klassische Musik erleben

Handbuch für Konzertfreunde

© 2021 Gottfried Hemetsberger

Verlag & Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

978-3-347-38239-8 (Paperback)

978-3-347-38240-4 (Hardcover)

978-3-347-38241-1 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliogrfische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Klassische Instrumentalmusik

3 Das Konzertleben einst und jetzt

4 Hörtypologie

5 Musik als Sprache

6 Entwicklung des Instrumentalspiels: Ludwig van Beethoven – Carl Czerny – Franz Liszt

7 Forderungen an den Künstler und seine Interpretationen

8 Interpretieren: Ludwig van Beethoven, Klaviersonate As-Dur, op. 110

9 Die Sinfonie: Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 3 in d-Moll

10 Schritte zur inneren Bereicherung, Musik und Spiritualität

11 Kammermusik: Franz Schubert, Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen

12 Fragen der Musikästhetik

13 Intellektuell versus emotional: Johann Sebastian Bach, Kunst der Fuge

14 Ausblick

Glossar

Ausgewählte Literatur zum Thema

Ausgewählte Werke der Instrumentalmusik von Johann Sebastian Bach bis

Arnold Schönberg

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit finden Sie in dieser Publikation ausschließlich die männliche Form für Personenbezeichnungen. Natürlich gilt diese immer gleichwertig für Männer und Frauen. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

1 Einführung

Wir leben heute an einer Zeitenwende von noch nicht absehbarer Bedeutung. Äußere Umstände beschleunigen dabei Prozesse, welche ohne diese in ganz anderen Dimensionen verlaufen wären. Das Jahr 2021 bringt dabei für die Kunstszene und in besonderer Weise für die Musik, was die Vermittlung anlangt, einen rasanten Zuwachs der digitalen Übertragungsmöglichkeiten, wie etwa durch Spotify, YouTube oder auch in Podcasts, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. So sind heute auch Livestream-Produktionen von Konzerten und Opernaufführungen für viele Klassikliebhaber einerseits eine neue Erfahrung, andererseits eine Chance, Aufführungen live und meist auch per Videoübertragung beizuwohnen. Vieles ist dabei noch kostenfrei, was sich jedoch wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen ändern wird oder teils schon geändert hat. Diese Entwicklung wird von Interpreten mit gutem Grund auch mit einer gewissen Sorge beobachtet. So stellt sich die Frage, ob sich wie in anderen Lebensbereichen, wie etwa beim Online-Einkauf oder beim vermehrt praktizierten Homeoffice, allmählich auch die Musikvermittlung immer mehr in Richtung des digitalen Bereichs verschieben wird. Zum einen bringt dies zwar Vorteile, wie etwa die große Auswahl an Möglichkeiten und den jedenfalls günstigeren Preis oder eine sogar kostenlose Bereitstellung. Für die Interpreten ist dies zum anderen, für Orchester wie auch Solisten, was die finanzielle Vergütung betrifft, allerdings heute noch mehr als eine offene Frage. Das essentiellere Problem ist aber ein künstlerisches, wenn man davon ausgeht, dass ein Live-Erlebnis mehr beinhaltet als die Summe der akustischen und optischen Sinneseindrücke, wenn wir also von der Aura eines Kunstwerkes und der Aura einer Aufführung ausgehen, die in ihrer Wirkung weit darüber hinausgehen sollte. Dies ist auch die generelle Fragestellung nach der Aura der Kunst in der Zeit ihrer technischen Reproduzierbarkeit und Vermittlung.

Davon ganz abgesehen ist es ein Phänomen, dass allein die Datenmenge des vermittelten Objekts durch Aufnahme und Speicherung aus praktischen Gründen im Lauf der Jahre immer mehr reduziert wurde: von der analogen Schallplatte zur CD, von der CD zu den Möglichkeiten wie Spotify oder YouTube, welche in akustisch reduzierter Form natürlich beispielsweise auch am Mobiltelefon verfügbar sind. Eine Entwicklung, die in ihrem künstlerischen Reduktionismus möglicherweise noch nicht am Ende angelangt ist und schon bei der Digitalisierung von Musik begann. Bei einer analogen Aufnahme, etwa für eine klassische Schallplatte, wurden die gesamten Schallereignisse direkt in elektrische Spannung verwandelt und dann auf dem Tonband proportional die magnetische Beschichtung verändert. Beim digitalen Verfahren wird das Signal in binäre Informationen, also Nullen und Einsen, umgewandelt. Der Computer misst dabei die elektrische Spannung jeweils nur in sehr kurzen Zeitabständen und quantifiziert sie in Zahlenwerte. Diese Reduzierung und Transformation der Informationen führt auch zum real hörbaren Unterschied, etwa zwischen einer Schallplattenaufnahme und der zu vergleichenden CD-Aufnahme, die auf einer ursprünglich identen Einspielung beruht. Mit einfachen Worten wurde dieser Unterschied und nunmehrige Verlust an Information etwa in Umrissen mit der unterschiedlichen Klangwärme der Wiedergaben umschrieben, wobei allerdings die immer modernere Technologie dieses Defizit zu minimieren versucht.

Wenn man sich die Frage stellt, ob man nun ein Werk auf seiner Stereoanlage, per Internet-Stream anhören möchte oder aber wegen dieses Werks einen Konzertsaal besuchen sollte, so können sehr viele Gründe für die jeweilige Entscheidung ausschlaggebend sein. Einerseits praktische Überlegungen wie Verfügbarkeit oder Zeitaufwand eines Konzertbesuchs, andererseits auch sehr persönliche Vorlieben und Gewohnheiten. Abgesehen von diesen von außermusikalischen Motiven geprägten Entscheidungen erhebt sich die Frage, ob es auch musikimmanente Beweggründe geben kann und weiters auch Gründe, die dem Typus eines Hörers entgegenkommen. Die traditionelle Konzertsituation beinhaltet, was ein künstlerisches Erleben anlangt, einerseits verschiedene Vorteile, andererseits auch Faktoren, die sich je nach Hörgewohnheit negativ auswirken könnten. Demgegenüber kann die Situation, in den privaten Räumen absolut ungestört eine CD oder ein Konzert live mitzuverfolgen, diesbezüglich einen Gewinn darstellen; allerdings in dem Bewusstsein, dass die technische Reproduktion jedenfalls ein Defizit an Vermittlung darstellen wird.

Um uns eingangs nun dem klassischen Konzerterlebnis zuzuwenden, so bringt es allein, was die Einstellung des Hörers zum Ereignis anlangt, ein Plus an Motivation. Einerseits, was die innerliche Vorbereitung und Spannung durch die Erwartungshaltung betrifft; andererseits bezüglich eines konkreten Vorsatzes, diese zwei Stunden eines Konzerts ausschließlich dem musikalischen Ereignis widmen zu wollen. Im Zentrum der positiven Faktoren steht jedoch der Umstand, dass wir in der Lage sind, dabei ein ganzheitliches Erlebnis wahrnehmen zu können. Dies in der Überzeugung, dass die spontane Aussage einer Live-Aufführung zwar einerseits vielleicht ein gewisses Defizit an Perfektion aufweist, andererseits aber eine jegliche Aspekte beinhaltende künstlerische Botschaft quasi ungefiltert den Hörer erreichen wird. Im Gegensatz dazu stehen Studioaufnahmen, bei denen ein Aufnahmeleiter, was Klangbalance, dynamische Gestaltung sowie Perfektion betrifft, in die ursprüngliche Spielweise und auch im Hinblick auf den Spielfluss, etwa durch Austausch eines Aufnahme -Takes, eingreifen kann, was auch in der Regel geschieht. Dies vor allem, um Defizite des Interpreten zu verdecken und wohl primär aus Sicht der Aufnahmeleitung sowie der jeweiligen an einer Vermarktung interessierten Firma. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Hörer oft bei der CD-Aufnahme eines Interpreten überrascht ist, wenn er denselben vorher im Konzert gehört hat. Ein im Konzert erlebter Mangel an Spontanität, Kreativität, Klangempfinden, ein zu harter Anschlag eines Pianisten beispielsweise oder Defizite, was die persönliche Ausstrahlung betrifft, kommen auf der CD viel weniger zum Tragen. Zum einen, weil klangliche Mängel verbessert wurden; zum anderen, weil Spontanität, künstlerische Aussage und Ausdruck, die jeweilige Gesamtpersönlichkeit mit ihrer spezifischen Aura beim Anhören einer Aufnahme viel weniger realisiert werden können und somit auch weniger ins Gewicht fallen. Hier bieten einerseits das Konzert und die Aufnahme dem Hörer somit je nach Perspektive unterschiedliche Vor- oder Nachteile. Wenn ein Konzert andererseits im Hörfunk live übertragen wird oder falls wir eine CD, resultierend aus einem tatsächlichen Live-Mitschnitt, hören, verringert sich naturgemäß dieser Unterschied um einiges. Wobei einem aber bewusst sein sollte, dass sogenannte Live-Produktionen, die dann in den Rundfunkanstalten oft etwas zeitversetzt gesendet werden, in der Regel schon als Probeversion aufgenommen wurden, um auf diesem Weg etwaige mangelhafte Teile der Aufführung austauschen zu können. So berichtete mir ein befreundeter Aufnahmeleiter einer großen Rundfunkanstalt vor Jahren, dass beispielsweise nicht nur eine einzelne Live-Produktion eines damals führenden europäischen Pianisten so praktiziert wurde, dass jener Pianist zuerst die sogenannte Live-Aufnahme noch bezüglich der auszutauschenden Teile abhören wollte. Eine solche Art der Live-Perfektion ist heute weit verbreitet und natürlich alles andere als ehrlich, steigert aber die Erwartungshaltung des Publikums und wird für junge Interpreten zum oft nur schwer zu erreichenden Maßstab, was Perfektion anlangt. Diese muss zwar dann in aller Regel doch erreicht werden, allerdings leider auf Kosten der nunmehr auch bewusst untergeordneten Gestaltung und Spontanität. Die Nachteile des Konzerterlebnisses können für den ungeübten Hörer vor allem in der Gefahr der dauernden Ablenkung durch störende Umstände liegen. Sei es die Unruhe im Publikum, sei es aber auch, dass man sich selbst nur mangelhaft auf das wesentliche akustische Geschehen fokussieren kann. Wenn etwa in Pausengesprächen das Publikum sich primär darüber unterhält, warum der Dirigent, statt wie üblich zu stehen, gesessen ist oder warum diese junge Pianistin immer im Minikleid auftreten muss, dann weiß man, dass die eigentliche Botschaft der Aufführung die Hörer nicht erreicht hat. All diese Ablenkungen gäbe es vor der eigenen Stereoanlage in der privaten Umgebung nicht, wenn nicht auch dort in unserer allzu schnelllebigen Zeit heute kaum jemand mehr imstande wäre, sich einer Sinfonie, die man nun eigentlich hören möchte, in jener Ausschließlichkeit zu widmen, die das Werk verlangt. Naturgemäß gibt es auch klassische Musik, etwa in Form der Serenaden, die vom Komponisten nicht in einer Absicht geschrieben wurden, welche eine solche Ausschließlichkeit des Hörens verlangt oder erwartet. Dies ist aber die Ausnahme von der Regel. Im Regelfall will uns das klassische Instrumentalwerk in eine nicht mehr in Begriffen zu erfassende Wirklichkeit entführen, welche umso mehr unser Inneres ansprechen könnte und dies gleichermaßen von uns fordert.

Somit gälte es die Chance, in der gewählten Umgebung ein Meisterwerk hören zu dürfen, das uns auf unser Innerstes zurückführen kann, zu nutzen; sich somit in einen Zustand einzulassen, der jegliche Willensimpulse und Gedanken verschwinden lässt und somit unser inneres Ohr erst öffnet. Dies ist eine Haltung der Hingabe, nicht unähnlich einem meditativen Zustand, der geübt werden will. Wenn wir dann einmal jenes Gefühl der musikalischen Versenkung erlebt haben, so wie es auch der Komponist im Akt des Schreibens notwendigerweise hatte und ebenfalls der Interpret haben sollte, dann werden wir diesen Zustand immer wieder suchen und nicht mehr bereit sein, eine solche Fülle von künstlerischer Aussage auf einen Hintergrund und also quasi – horribile dictu – eine Unterhaltung zu reduzieren. Sofern wir von der Aura einer Live-Aufführung sprechen, meinen wir ein Erlebnis, das ganzheitlicher Natur ist und nicht nur die Summe vieler messbarer Einzelphänomene. Der sich philosophisch mit diesem Thema auseinandersetzende Walter Benjamin1 bezieht sich in seinen Überlegungen gleichermaßen auf die Aura der Natur wie auch der Kunst. Er beschreibt die Einmaligkeit und Echtheit eines Erlebnisses, das durch die Reproduktion Verluste erleidet. So bleibt auch bei einer höchst vollendeten Reproduktion das Defizit von Hier und Jetzt, jener Einmaligkeit des Augenblicks, des Ortes sowie in gleicher Weise der Einmaligkeit der Interaktion zwischen Künstler und Publikum. Auch deshalb kann sich diese Schrift gleichsam als Apologie der traditionellen Konzertsituation gegenüber betrachten. Jeder Interpret wird bestätigen, dass er ein und dasselbe Werk niemals im nächsten Konzert gleich spielen wird. Er will es nicht und er kann es nicht, was ich aus eigener Erfahrung auch nur unterstreichen möchte. Viele große Dirigenten haben beschrieben, dass sie im Wiederholungsfall zum Beispiel niemals exakt dieselben Tempi gewählt haben. Warum ist das so? Der Akt des nachschöpfenden Künstlers beinhaltet einerseits neben dem studierten Rahmen niemals eine emotional idente Zugangsweise, andererseits ist diese ohnehin auch abhängig von der Reaktion und Spannung des Publikums. Ein Konzert stellt somit auch eine Interaktion zwischen Künstler und Publikum dar. In der Popszene sind solche Phänomene sehr augenscheinlich. Im Klassikbereich spielt sich der Prozess als Regelkreis im feinstofflichen Bereich ab, wodurch manche Aufführungen für den Künstler selbst einmal besser oder dann wieder weniger gut gelingen, unabhängig von der handwerklichen Perfektion, die auch von der Tagesdisposition geprägt ist. Gerade aber diese Perfektion, welche durch Studioproduktionen und oftmalige Wiederholung der eingespielten Teile dem Publikum vorgegaukelt wird, hat auch für die Konzertsituation Folgen. Nicht selten geht das Publikum mit dieser von einer CD-Einspielung einseitig geprägten Erwartungshaltung, was die Perfektion anlangt, ins Konzert.

Wir befinden uns in einer Zeit von immer größerer Vielfalt an Möglichkeiten, freie Zeiten zu gestalten, und immer schneller werdenden Veränderungen, was die Art der Kommunikation wie auch die Mannigfaltigkeit im Bereich des Kulturbetriebs betrifft. Dazu kommt, dass sich auch das generationenspezifische und von sozialen Aspekten geprägte Verhalten noch pointierter definiert. In einer solchen Zeit stellt der potentielle Konzertbesucher der Gegenwart in vielerlei Hinsicht die Frage, ob der Besuch eines klassischen Konzerts für ihn bei der Vielzahl an Möglichkeiten lohnender ist, als sich diese zwei Stunden seiner Lebenszeit einem ganz anderen Inhalt zu widmen. Ziel der folgenden Ausführungen soll es sein, eine solche Entscheidung für die Klassik zu erleichtern, Wege aufzuzeigen, wie der Konzertbesuch eine bleibende Bereicherung werden kann, und zu guter Letzt vor allem aufzuzeigen, dass Klassik sich auf eine direkte Art an den Menschen wendet, ohne dass eine umfassende musikalische Bildung erforderlich wäre, wie gleichermaßen niemand behauptet, man müsse Botaniker sein, um die Schönheit der Natur zu erleben oder durch sie innere Bereicherung zu erfahren. Im Folgenden beschränke ich mich dabei auf die klassische Instrumentalmusik, also die Sinfonie, Sololiteratur und Kammermusik innerhalb des Rahmens von Johann Sebastian Bach bis Arnold Schönberg. Zwischen den verschiedenen Fragestellungen werden zu den Werkgattungen beispielhaft Meisterwerke präsentiert. Die Welt der Oper als Gesamtkunstwerk, bei dem sich viele Ausdrucksformen finden, wie auch der Liedbereich wären eine eigene Thematik.

1 Walter Benjamin (1892–1940) war ein deutscher Philosoph und Kulturkritiker, der in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ die Reproduktion dem originalen Kunstwerk gegenüberstellt, welches sich durch sein Hier und Jetzt, seine Aura, in seiner Einmaligkeit und Echtheit von der Reproduktion abhebt.

2 Klassische Instrumentalmusik

Der Terminus Klassik ist ein sehr häufig verwendeter und auch vielschichtiger Begriff, dennoch ist der Begriff klassische Musik im allgemeinen Sprachgebrauch relativ eindeutig. Er meint die Summe von Stilen der abendländischen Kunstmusik, ist die Abgrenzung von anderen Musikgattungen wie Pop und Beat und beinhaltet gleichzeitig stillschweigend zumindest bis zum Aufkommen der atonalen oder etwas eindeutiger definiert der atonikalen2 Musik den Anspruch des Schönen wie auch der seelischen Bereicherung und Erbauung. Diese Begrifflichkeit ergibt sich auch aus der Tradition des Wortes.

Im Rahmen dieser Schrift gilt das Interesse dem Konzertbetrieb der somit als absolut zu bezeichnenden Musik, da die Oper als Gesamtkunstwerk, bei dem verschiedene Wahrnehmungsebenen angesprochen werden und vor allem das gesprochene Wort eine wesentliche oder auch tragende Rolle übernimmt, einen spezifisch zu hinterfragenden Inhalt darstellt. Die zeitliche Abgrenzung erfolgt zum einen von der sogenannten Alten Musik, somit der Musik des Mittelalters und der Renaissance, da dieser Musikbereich wiederum nach eigenen Gesichtspunkten zu beleuchten wäre. Zum anderen ergibt sich mit dem Aufkommen der Avantgarde im 20. Jahrhundert und deren Selbstverständnis ebenfalls eine prinzipiell neue Situation, die nur mehr bedingt nach den Kriterien der klassischen Musik zu subsumieren ist, zumindest nicht mit derselben Stringenz, wie sich das bei den Stilepochen vom Barock bis zur klassischen Moderne ergibt.

Das Wort klassisch wird auch als Stilbezeichnung verwendet, wenn von der Zeitspanne der Klassik mit ihrem Höhepunkt und Zielpunkt der Wiener Klassik mit Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven gesprochen wird.

Ursprünglich leitet sich das Wort vom lateinischen classicus ab, was gleichbedeutend mit zur ersten Klasse gehörig war, und im Gegensatz zu proletarius, der untersten Klasse, stand. In verschiedenen westlichen Kunstgattungen sind somit mit diesem Begriff auch jeweils bestimmte Zeiträume, wie etwa in der bildenden Kunst des klassischen Griechenland die Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts vor Christus, gemeint.

Klassisch gilt ebenso als Inbegriff der Vollendung, des Vorbilds und des höchsten Ranges. Auf Musik bezogen im umgangssprachlichen Gebrauch zu finden etwa in Titeln wie Album klassischer Stücke oder Ähnliches. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ebenso Kunstmusik der Vergangenheit oder generell Kunstmusik gemeint. Die hier erörterte europäische Kunstmusik unterscheidet sich dabei von außereuropäischer wie orientalischer oder chinesischer Musik sehr wesentlich sowohl teils aufgrund des Notensystems wie auch der spezifischen Musiktheorie, die ihrerseits in den verschiedenen Epochen der abendländischen Musik eine kontinuierliche Entwicklung erfuhr, beginnend mit der Renaissance über die Barockmusik bis zur Wiener Klassik, Romantik und Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. In der Musik ab etwa 1900 finden sich dann sehr zeitnahe verschiedene Stilrichtungen wie Impressionismus, Expressionismus, Klassizismus, Zwölftonmusik, etwas später die serielle Musik. Der Begriff der klassischen Musik ist in der Gegenwartsmusik auch deshalb nur mehr bedingt berechtigt, weil Musikformen wie Aleatorik3, elektronische Musik und experimentelle Musik sich vom ursprünglichen Begriff, Anspruch und Inhalt einer klassischen Musik teilweise auch ganz bewusst entfernt haben.

Mit dem Beginn der geschichtlichen Periode der Neuzeit hatte der Humanismus auch das kulturelle Geschehen geprägt. Die Musik des Mittelalters entwickelte sich bis zu vierstimmigen Sätzen weiter. Das vokale Madrigal entstand und damit wurde die Musik auch weltlicher, dies vor allem mit dem bekanntesten Hausmusikinstrument der damaligen Zeit, der Laute.

Die Zeit um 1600 kann als Neuzeit der Musikgeschichte und als Zeitenwende von der Renaissance zum Barock angegeben werden, wobei sich vorher Gotik und Renaissance diametral gegenübergestanden haben, wachsen jetzt die Charakteristika des Barock allmählich aus der Renaissance heraus. Die Barockzeit vom Frühbarock eines Claudio Monteverdi bis zu den Höchstleistungen Johann Sebastian Bachs im Spätbarock nimmt ebenfalls einen kontinuierlichen Verlauf. Somit ist es nicht einfach, generelle Charakteristika herauszuarbeiten, weil vieles nur von bestimmten Werken abzuleiten ist. Barocke Züge wären in diesem Sinne die Tendenz zum Großen und Monumentalen, die Steigerung der Gefühlsebene durch die Affektenlehre, die Verbindung des Jenseitigen mit dem Diesseitigen sowie die Entstehung der Dur-Moll-Tonalität und die damit verbundene Ablösung der alten Kirchentonarten. Zur gleichen Zeit setzt sich die neue Stimmung der sogenannten gleichschwebenden Temperatur durch (Andreas Werckmeister, 1691), die nun alle Tonarten auch auf dem Tasteninstrument gleichzeitig und gleichermaßen zur Verfügung stellt.

Geistesgeschichtlich ist die Zeit geprägt von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die in der Renaissance ihren Ausgang genommen haben. So werden nun etwa auch die Errungenschaften von Johannes Kepler (15711630) bahnbrechend. In seinem Hauptwerk Harmonices mundi (Harmonik der Welt,