Kleine Vorgeschichte des Flensburger Katharinen Hospizes am Park - Peter Lorenzen - E-Book

Kleine Vorgeschichte des Flensburger Katharinen Hospizes am Park E-Book

Peter Lorenzen

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Beschreibung

Das Flensburger Katharinen Hospiz am Park ist ein überregional bekanntes Krankenhaus mit heute 6 und in Kürze 12 Palliativ-Betten. Es wird als ökumenisches Zentrum für Hospizarbeit und Palliativmedizin von den beiden Flensburger Krankenhäusern Ev. Lutherische Diakonissenanstalt und St. Franziskus-Hospital getragen. 49 hauptamtliche und 110 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich hier mittlerweile professionell und liebevoll um Sterbende und ihre Angehörigen. Diese Entwicklung hatten sich die Gründer der Hospizgruppe vor 30 Jahren nicht erträumt. Wohl aber hatten sie eine Vision für Flensburgs Hospizarbeit. Wie diese Vision aussah und wie sich die Anfänge der Flensburger Hospizarbeit im Krankenhausalltag gestalteten, davon erzählt dieses Buch. Ort der Handlung ist die Innere Station IV der DIAKO, eines Flensburger Akademischen Lehrkrankenhauses im Sommer 1989. 11 Pflegekräfte und Ärzte bilden eine Arbeitsgruppe, um die in ihren Augen unhaltbare Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden auf Station zu verbessern. Ihre Ideen, Protokolle, Vorträge sowie ein Förderantrag an die Deutsche Krebshilfe zum Bau einer Palliativstation an der DIAKO sind das Mosaik der Kleinen Vorgeschichte des Katharinen Hospizes am Park. Drei Jahrzehnte später werden die Ereignisse angesichts der heutigen Entwicklung des Katharinen Hospiz, die im Epilog näher beschrieben ist, als umwälzende Zäsur der traditionellen Sterbebegleitung deutlich.

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Unter der Mitarbeit von Marion Lausen, Mille Lucassen, Inken Loeck, Renate Müller, Markus Muth, Jan Ostermann, Maren Scholtyßek, Ute Seiler, Thomas Thomsen und Katrin Wegge

INHALT

Vorwort

Einleitung

Protokolle der Arbeitstreffen

von Mitte 1989 bis Anfang 1990

Treffen am 31.08.1989

Treffen am 21.09.1989

Treffen am 26.10.1989

Treffen am 16.11.1989

Treffen am 07.12.1989

Treffen am 11.01.1990

Treffen am 01.02.1990

Treffen am 20.02.1990

Referate der Arbeitsgruppe

Praktische Gesichtspunkte bei der Zubereitung von Cytostatica (Sr. Kathrin Wegge und Sr. Maren Scholtyßek)

Dyspnoe bei fortgeschrittenem Tumorleiden anhand eines Fallbeispiels (Sr. Maren)

Schmerztherapie: Die orale Morphinbehandlung bei terminal Tumorkranken (Peter Lorenzen)

Übelkeit und Erbrechen (Jan Ostermann)

Palliative Bestrahlungstherapie (Thomas Thomsen)

Arbeitsbeanspruchung und Arbeitszufriedenheit im Rahmen der Reorganisation eines Informations- und Kommunikationssystems (Eva Hartmann)

Obstipation bei Tumorkranken (Sr. Renate Müller und Markus Muth)

Zusammenfassung des 3. Halbjahresprojekts der Hospizgruppe Inn. IV (Sr. Ute und Sr. Inken)

Überlegungen zur Einrichtung eines Hospizes an der Ev.- Luth. Diakonissenanstalt Flensburg (zusammengestellt von Peter Lorenzen)

Kopien des Schriftverkehrs in der Antragsphase einer Palliativstation

Vortrag: Palliative Behandlung von Tumorpatienten auf Station Innere IV

von Peter Lorenzen, Maren Scholtyßek und Marion Lausen

Warum finden wir palliative Krebsbehandlung wichtig?

Unsere Tumorpatienten

Situation auf Station Anfang 1988

Projektarbeit und Einzelvorhaben

Gruppenarbeit und Stationsteam

Sind unsere Tumorpatienten heute besser versorgt?

Voraussetzungen für eine bessere Palliativtherapie

Zusammenfassung und Ausblick

Interviews mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe

nach 25 Jahren

Interview mit Sr. Marion Bornholdt am 27.10.2014

Interview mit Sr. Inken Loeck 13.05.2014

Interview mit Sr. Mille Lucassen am 30.04.2014

Interview mit Sr. Renate Müller am 26.01.2015

Interview mit Markus Muth am 09.07.2013

Interview mit Jan Ostermann am 28.03.2014

Interview mit Sr. Maren Scholtyßek am 12.12.2013

Interview mit Sr. Ute Seiler am 13.08.2014

Interview mit Dr. Thomas Thomsen am 27.12.2013

Interview mit Sr. Kathrin Wegge am 25.09.2014

Interviews mit Peter Kiyek, Prof. Jürgen Knolle und Sr. Wiebke Thomsen nach 25 Jahren

Epilog: Interview mit Sr. Claudia Toporski (Jan. 2019)

Literatur

Vorwort

von Prof. Abderrahman Machraoui

Ehemaliger Chefarzt der Medizinischen Klinik des Diakonissenkrankenhauses Flensburg (von 1999 bis 2013)

“Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben”

CICELY SAUNDERS (1918 - 2005)

Cicely Mary Strode Saunders war eine englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin und gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin. Als sie Ende der 1940er Jahre im St. Lukes Hospital in London arbeitete, lernte sie einen Patienten kennen, der aufgrund einer fortgeschrittenen Krebserkrankung unter starken Schmerzen litt. In seinen letzten Wochen wurde er von Saunders begleitet. Er vermachte ihr sein Vermögen, verbunden mit dem Wunsch, ein Sterbeheim zu eröffnen. Da Saunders klar war, dass sie für dieses Ziel weitere Qualifikationen benötigte, beschloss sie, Ärztin zu werden. Ihre medizinische Ausbildung beendete sie 1957. Es dauerte aber noch 10 Jahre, bis 1967 das St. Christopher’s Hospice in Sydenham im Südosten Londons eröffnet werden konnte, das sie dann von 1967 bis 1985 leitete.

In Deutschland war es u. a. Christoph Student, der viel zur Entwicklung der Hospizbewegung beigetragen hat. Das erste moderne stationäre Hospiz in Deutschland wurde 1986 in Aachen gegründet (Haus Hörn).

Bei einem Hospiz handelt es sich also um eine Institution, die ein Konzept der Sterbe- und Trauerbegleitung verfolgt. Hospize wollen (nach Christoph Student, 2004) fünf Qualitätskriterien verwirklichen:

Der Kranke und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes.

Die Unterstützung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team.

Freiwillige Begleitpersonen werden einbezogen.

Der Ansatz ist Palliative Care (Sorge um Schmerzfreiheit und Lebensqualität) statt Medical Cure (auf Heilung gerichtete Behandlung), kurz heißt das: Lebensqualität statt Lebensquantität.

Die Angehörigen erfahren Trauerbegleitung.

Voraussetzung für die Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist, dass der Patient an einer unheilbaren, in absehbarer Zeit zum Tode führenden Krankheit leidet, bei der eine Heilung ausgeschlossen ist. Dabei kann es sich um eine fortgeschrittene Krebserkrankung, Aids im letzten Stadium der Krankheit, Erkrankungen des Nervensystems mit fortschreitenden Lähmungen (zum Beispiel Amyotrophe Lateralsklerose), oder fortgeschrittene chronische Nieren-, Herz-, Verdauungstrakt- oder Lungenkrankheiten handeln. Eine Erkrankung gilt als nicht heilbar, wenn nach dem allgemein anerkannten Stand der Medizin Behandlungsmaßnahmen nicht zur Beseitigung dieser Erkrankung führen können. Sie ist fortschreitend, wenn ihrem Verlauf trotz medizinischer Maßnahmen nach dem allgemein anerkannten Stand der Medizin nicht nachhaltig entgegengewirkt werden kann.

Während die Finanzierung der Hospizeinrichtungen bis 2008 überwiegend auf Spenden angewiesen war, wurden ab 2009 die Krankenkassen in die Finanzierung eingebunden. Im Dezember 2015 wurde dann das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) erlassen. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Krankenversicherung nun 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten stationärer Hospize trägt. Dadurch verringert sich der Kostenanteil, den das jeweilige Hospiz selbst tragen muss, auf fünf Prozent. Dieser Anteil wird weiterhin überwiegend durch Spenden eingeworben, aber auch durch ehrenamtliche Arbeit aufgefangen.

Mitte der achtziger Jahre sah sich das ärztliche und pflegerische Personal des Diakonissenkrankenhauses in Flensburg mit Versorgungsmängeln bei unheilbaren Krebspatienten konfrontiert. Das Stationsteam war zeitlich und fachlich überfordert. Wie Saunders erkannte Dr. Peter Lorenzen, der für die nephrologischen und hämato-onkologischen Patienten zuständig war, die Notwendigkeit der Qualifizierung des Personals und der Gründung einer geeigneten Abteilung für diese Patientengruppe im Flensburger Einzugsgebiet. Die Idee eines Hospizes wurde geboren, in einer Zeit, wo in ganz Deutschland nur einzelne Einrichtungen dieser Art entstanden waren.

Mit festem Willen, Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Überzeugungsarbeit sollte die Flensburger Hospizidee Lorenzens umgesetzt werden. Eine Hospizgruppe aus Pflegekräften und Ärzten wurde gebildet. Methodisch durchlief dieses Team einen langwierigen Organisationsprozess, intensive Qualifizierungslehrgänge, Erkundungsreisen im Inland- und Ausland und zähe Behördengänge. Noch bevor Qualitätssicherungsgesetze für Krankenhäuser erlassen wurden, arbeitete die Hospizgruppe nach Regeln des modernen Managements und entwickelte Standards für Versorgungsmaßnahmen. Dadurch konnten Herausforderungen der neuen palliativen Betreuungsstruktur gemeistert werden. Sitzungs- und Vortragsprotokolle, Dokumente über den Schriftverkehr mit der Krankenhausleitung, Landesbehörden und der Stiftung Krebshilfe und Interviews mit den Hospizakteuren geben dabei ein lebendiges Bild über die Entwicklung und ein Urteil über die Bedeutung der Einrichtung “Katharinen Hospiz am Park”.

Erfreulich ist es zu erleben, dass es inzwischen in Deutschland mehr als 234 stationäre Hospize und 304 Palliativstationen in Krankenhäusern sowie über 1500 ambulante Hospizdienste gibt, wo Menschen mit unheilbaren Erkrankungen mit Rücksicht auf ihre Würde und mit Achtung betreut und behandelt werden.

Dieses Buch ist eine Dokumentation der Entwicklungsgeschichte, der Betreuungs- und Behandlungsmaßnahmen und des Stellenwertes des Hospizes in der Landschaft der Gesundheitsleistungen im Einzugsgebiet Flensburgs. Dieses Werk, als Zeuge einer Idee und ihrer Umsetzung, verdient seinen historischen Platz, im Archiv des Flensburger Klinikverbunds.

Bochum, am 27. November 2017

Abderrahman Machraoui

Einleitung

Der Umgang mit Sterben und Tod wandelt sich mit jeder Generation. Als ich elf Jahre alt war, starb mein Großvater, ein Pellwormer Landwirt, und wurde zu Hause aufgebahrt, damit Familie und Nachbarn Abschied nehmen konnten. Während der kurzen Zeit seiner Pflegebedürftigkeit hatte er auf seinem Altenteil bleiben können. Der Abschied von ihm war meine erste dramatische Begegnung mit dem Tod. Aber sie war auch friedvoll, geordnet und von tiefem Sinn für mich.

Die lange Leidenszeit meiner Mutter, einer Kinderärztin, in ihrem Krankenbett werde ich nicht vergessen, denn wir vier Geschwister, damals zwischen sechs und achtzehn Jahren alt, haben sie geliebt und hätten sie noch lange gebraucht.

Schon vorher, in der Quarta der Oberschule, hatte ich mich entschieden, Arzt zu werden. Das Krebsleiden unserer Mutter sensibilisierte mich jedoch für mein späteres Interesse an der Hospizentwicklung.

Jeder von uns hat eigene Erfahrungen, die ihm Leiden und Sterblichkeit vor Augen führen und macht sich Gedanken darüber, wie er für sich, seine Angehörigen oder Freunde am besten damit umgehen möchte. Darum gibt es gewiss Leser, die an der Vorgeschichte des Flensburger Katharinen Hospizes interessiert sind, und von dieser wollen wir aus unserer Sicht erzählen. Es geht um die Zeit vom Juni 1988, dem Beginn der ersten Arbeitsgruppe, bis zum Mai 1990, als der Förderantrag für die Palliativstation genehmigt wurde.

Pastor Feilcke, der in der Gründerzeit unseres Hospizes Rektor der DIAKO war, hat mich später gefragt, ob ich die Entstehung des Flensburger Hospizes aufschreiben könnte. Er selbst hatte schon früh unsere Aktivitäten und den Hospizgedanken unterstützt.

Die Umstände, die den Anstoß zu unserer Initiative gaben, wurden im Jahr 1987 deutlich, als im Behandlungsteam der Inneren IV Spannungen auftraten. Das ging mich direkt an, weil ich als Oberarzt der Medizinischen Klinik für die Nephrologische Abteilung mit der Station Innere IV zuständig war, die schwerpunktmäßig mit Nierenkranken, aber auch allgemein-internistisch belegt wurde, und für die Dialysestation. Die Dialyse war im Aufbau begriffen, die Zahl der Patienten wuchs rasch. Wenn diese oft polymorbiden Menschen ins Krankenhaus mussten, dann auf die Innere IV. Auch wurden hier Krebspatienten behandelt, die eine Chemotherapie erhielten und in Studien geführt wurden.

Die telemetrische Überwachung von Herzpatienten war ebenfalls bei uns installiert. Und schließlich wurden suizidale Menschen hierher gelegt, weil unsere Station bodennah lag, und demzufolge beim Fenstersprung die geringste Verletzungsgefahr bestand. Dass eine derart geballte Patientenkonstellation für die Station unzumutbar war, ist uns und den Verantwortlichen erst später klar geworden.

Am stärksten machten uns jedoch die Schwerkranken und Sterbenden zu schaffen. Wir empfanden, dass wir ihnen in der Pflege sowie der medizinischen und der menschlichen Versorgung nicht gerecht wurden. Wir litten darunter und nahmen die Probleme mit nach Hause. Zur Lösung der Spannungen führten wir während des Sommers 1987 mit allen Stations-Mitarbeitern sogenannte „Mittwochsgespräche“ durch, die aber keine wesentliche Verbesserung brachten. Um trotzdem voranzukommen, machten sich einzelne von uns auf den Weg, ihre Fachkenntnisse zu verbessern. Schwester Maren entschied sich zur Teilnahme am Frankfurter Krebskongress im März 1988. Mit Schwester Mille besuchte ich die onkologische Praxis von Prof. Kleeberg in Hamburg-Altona, um bezüglich der Krebsversorgung dazuzulernen.

Als im Frühjahr 1988 drei bewährte Schwestern die Station verlassen hatten und die Unzufriedenheit anhielt, entschlossen wir uns zur Gründung der Arbeitsgruppe zur Betreuung Schwerkranker und Sterbender der Station Innere IV, die sich von Juni bis November alle zwei Wochen abends nach dem Dienst zu Gesprächen traf.

Da gegen Ende weitere Fragen offen blieben, schlossen wir im Februar 1989 die Hospizgruppe Innere IV 1989 an, die bis in den August 1989 hinein tagte. Und als dann immer noch Probleme ungelöst waren, machten wir mit der Hospizgruppe Innere IV 1989/90 weiter, die bis zum Februar 1990 bestand.

Wie diese Entwicklung zeigt, sind die anfänglichen Ziele nicht im ersten Anlauf erreicht worden. Erst die zweimalige Verlängerung der Gruppenarbeit hat eine in sich schlüssige Grundlage für die verbesserte Versorgung unserer Schwerkranken, Sterbenden und Krebspatienten legen können. So entstand aus zögernden Anfängen ein ausgewogenes Gesamtprojekt, das nachträglich die Überschrift „Hospizgruppe Innere IV“ rechtfertigt.

Die elf Teilnehmer des Projekts waren sieben Krankenschwestern, ein Krankenpfleger und drei Ärzte. Sie gehörten zum Team der Station, waren für die Probleme sensibel und wollten an einer Lösung beteiligt sein. Ihre Namen: Marion Lausen, Mille Lucassen, Inken Loeck, Peter Lorenzen, Renate Müller, Markus Muth, Jan Ostermann, Maren Scholtyßek, Ute Seiler, Thomas Thomsen und Kathrin Wegge. Vier von ihnen nahmen an drei, weitere vier an zwei, und drei an einer der Arbeitsgruppen teil.

Die Regeln der Zusammenarbeit mussten sich erst einspielen. Zu Beginn legten wir die Zielsetzung, die jeweils auf sechs Monate festgelegte Arbeitsdauer sowie die Häufigkeit der Treffen fest. Jeder sollte über ein Thema referieren, das ihn besonders interessierte. Alles wurde protokolliert, die Protokolle mussten gebilligt werden.

Man darf sich das Miteinander nicht nur harmonisch vorstellen. Es kam durchaus zu Meinungsverschiedenheiten, und die Neuauflage einer nachfolgenden Arbeitsgruppe stand wiederholt zur Diskussion.

Die Dokumente der beiden ersten Teilprojekte wurden zeitnah gedruckt und von der DIAKO herausgegeben. Das Manuskript der „Hospizgruppe Innere IV 1989/90“, blieb unbearbeitet, wanderte durch verschiedene Schubladen und machte auch einen Umzug mit. Die Blätter waren aus den Augen verschwunden, aber nicht aus dem Sinn.

Die Unterlagen umfassen zum einen die Protokolle und Referate unserer Sitzungen. Zum anderen die Vorträge dreier Gruppenmitglieder bei der Fortbildung „Onkologie und Krankenpflege“ am 8. November 1989, die wir gemeinsam mit der Leitenden Krankenschwester Wiebke Thomsen organisierten, sowie den Schriftwechsel mit der Deutschen Krebshilfe wegen des Antrags auf Förderung einer Palliativstation. Die Papiere habe ich gesichtet, sortiert und digitalisiert. Sie bilden die Grundlage dieses Büchleins.

Die Protokolle enthalten die drängenden Probleme von Patienten und Station, die uns damals auf der Seele lagen, wie auch die Diskussion der vorgetragenen Referate.

Der Schwerpunkt der Referatsthemen lag bei der supportiven Tumortherapie. Diese unterstützende Behandlungsform von Krebskranken entspricht der Symptomkontrolle im späteren Hospiz.

Hier möchte ich erwähnen, dass es vernetzt mit der Tätigkeit der „Hospizgruppe Innere IV“ verschiedene Überlegungen und Aktivitäten gab, ein Hospiz an der DIAKO einzurichten. Zwei Hospizreisen hatten bereits stattgefunden: die erste im April 1989 nach Oxford, die zweite im Juli nach Westdeutschland; eine dritte nach Süddeutschland war für den Herbst 1989 geplant, eine vierte ergab sich im November des gleichen Jahres. An den Reisen nahmen vier der Teilnehmer der Hospizgruppe Innere IV teil.

Bereits im Juni des Jahres 1989 hatte ich der Krankenhausleitung meine „Überlegungen zur Einrichtung eines Hospizes an der DIAKO“ vorgestellt. Dann im September 1989 im Einvernehmen mit meinem Chef, dem Leiter der Medizinischen Klinik, Herrn Prof. Dr. Jürgen Knolle, und dem Verwaltungsdirektor, Herrn Peter Kiyek, einen „Antrag auf Förderung einer Palliativstation an der DIAKO“ an die Deutsche Krebshilfe gerichtet, dem damals allerdings niemand im Krankenhaus eine echte Erfolgschance gab. Immerhin wurde die Unterbringung einer solchen Station in verschiedenen Bereichen des Krankenhauses und im Haus Pniel angedacht und in Augenschein genommen.

Weil auch heute der Begriff Hospiz oft nicht richtig verstanden wird, soll er noch einmal erklärt werden. In Deutschland haben sich drei Formen etabliert: unter stationärem Hospiz versteht man ein spezielles Pflegeheim für sterbende Menschen, die dort von ihrem Hausarzt behandelt und von einem Pflegeteam betreut werden. Ein ambulantes Hospiz ist eine Einrichtung, die ihre Patienten zu Hause aufsucht.

Eine Palliativstation ist eine Krankenhausstation zur Symptom-Kontrolle, hauptsächlich für unheilbare Krebspatienten, mit eigenem Stationsarzt und deutlich besserem Pflegeschlüssel als im stationären Hospiz. Eine solche Station ist auch die 6-Betteneinheit des Katharinen Hospizes, die von beiden Mutter- Krankenhäusern räumlich in die Mühlenstraße 1 ausgelagert worden ist.

Bei unseren vier Hospizreisen haben wir die Palliativstationen in Bonn (die Jankerklinik; die Palliativstation im Malteserkrankenhaus war im Bau) und Köln (Chirurgische Universitätsklinik), stationäre Hospize in Recklinghausen und Aachen, ein ambulantes Hospiz in München (Christophorus Hospiz) und auch ein Hospiz im englischen Oxford (Sir Michael Sobell House) kennen gelernt, das alle drei Elemente enthielt.

Christopherus Hospiz 1989: Sr. Gerda Pommering, Sr. Marion Lausen, Pater Iblacker, Peter Lorenzen (von re.)