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Der Kleine Münsterländer Vorstehhund zeichnet sich als Jagdgebrauchshund durch Intelligenz, Arbeitsfreude, Leichtführigkeit, angeborene Bringfreude sowie einen guten Nasengebrauch aus. Da er zu Hause ein ruhiger, angenehmer Familienhund ist, wird er zunehmend auch bei Nichtjägern beliebt. Viele Ersthundebesitzer sind jedoch mit der angeborenen Jagdleidenschaft überfordert. Neben dem Charakter, dem Aussehen und den Einsatzmöglichkeiten der Rasse im Jagdgebrauch gehen die Autorinnen deshalb auch darauf ein, was bei der Haltung eines Kleinen Münsterländers in Nichtjägerhand beachtet werden sollte. Sie geben wertvolle Tipps zur Erziehung und beschreiben die vielfältigen artgerechten Beschäftigungs- und Auslastungsmöglichkeiten außerhalb des Jagdeinsatzes. Dieses Buch rund um den Kleinen Münsterländer informiert umfangreich über die Rasse und hilft bei der Entscheidung, ob man der richtige Besitzer für diesen liebenswerten, anhänglichen, aber auch lebhaften Begleiter mit Jagdtrieb ist
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Impressum
Copyright © 2011 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek
Gestaltung: Ravenstein + Partner, Verden
Satz: Lisa Schuhbauer, g64 medienwelten GmbH
Lektorat der Originalausgabe: Simone Weil
Coverfoto: Neddens-Tierfoto
Fotos im Innenteil: Mittelbach, Neddens-Tierfoto, Schumann
Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services
Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten.
Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.
eISBN: 978-3-8404-6271-9
INHALT
Vorwort
Die Geschichte des Kleinen Münsterländers
Entwicklung der rassetypischen Eigenschaften
Rettung in letzter Sekunde
Beginn der organisierten Zucht
Aussehen und Charakter
Körperbau und Farben
Auszug aus dem FCI-Rassestandard
Kleiner und Großer Münsterländer
Charakter
Die jagdlichen Eigenschaften
Der Kleine Münsterländer als Familienhund
Kind und Hund
Wasserpassion
Leichtführig – Was bedeutet das?
Die Anschaffung eines Kleinen Münsterländers
Zu wem passt der Kleine Münsterländer?
Wo finde ich meinen Kleinen Münsterländer?
Der Kleine Münsterländer bei der Jagd
Ein Allrounder unter den Jagdhunden
Prüfungen für den Kleinen Münsterländer
Brauchbarkeits-/Jagdeignungsprüfung
Zucht- und Leistungsprüfungen
Der Kleine Münsterländer in Nichtjägerhand
Der Alltag mit dem Kleinen Münsterländer
Der Welpe zieht ein
Wenn der Jagdtrieb erwacht
Der erwachsene Hund
Ein aktiver Senior
Mit dem Kleinen Münsterländer in den Urlaub
Erziehung und Ausbildung
Die richtige Hundeschule
Konsequenz
Impulskontrolle
Vorstehen
Auf dem Weg bleiben
Die Pfeife
Wassergewöhnung
Schleppleinentraining
Der Rückruf
Aufmerksamkeit und richtiges Timing
Erfolgreiche Kommunikation
Den Kontakt zum Hund halten
Sinnvolle Signale
Stimmlage
Motivation
Unvermeidbare Rückschläge
Artgerechte und sinnvolle Beschäftigung
Apportieren – Dummyarbeit
Markierungen
Freiverlorensuche
Einweisen
Nasenarbeit
Futterschleppen
Fährtenarbeit
Mantrailing
Beschäftigung unterwegs
„Such meins“
Apportierspiele
Geländeübungen
Ballspiel
Einfach nur Hund sein
Die Mäusesuche
Longieren
Hundesport
Agility
Obedience
Ausdauersport
Gesundheit und Pflege
Die richtige Pflege
Kastratenfell
Gesundheit
Gesundheitsvorsorge
Verletzungen und Krankheiten frühzeitig erkennen
Tierarztbesuche üben
Ernährung
Anhang
Danksagung
Wichtige Adressen im Internet
Interessante Bücher zum Weiterlesen
Über die Autorinnen
Vorwort
Der wohl bekannteste Kleine Münsterländer ist Aika aus der Fernsehsendung Forsthaus Falkenau. Ruhig und folgsam begleitete sie Förster Rombacher im Revier. Doch auch im wirklichen Leben ist der Kleine Münsterländer ein echter Sympathieträger. Wer ihn das erste Mal sieht, mag ihn meist sofort. Schaut er einen doch ruhig und mit aufmerksamem Blick an, den braunen Kopf leicht schräg gehalten, und freut sich über Streicheleinheiten, ohne aufdringlich zu werden.
Der Kleine Münsterländer ist sowohl bei Jägern als auch bei Familien mit Kindern sehr beliebt. Durch seine mittlere Größe und seinen Charakter ist er im Jagdeinsatz als Allrounder für jedes Jagdrevier geeignet und dazu auch ein idealer Familienhund.
Viele nicht jagdlich aktive Halter von Kleinen Münsterländern haben jedoch Schwierigkeiten mit dem Jagdtrieb. Damit der Traum vom Kleinen Münsterländer als Familienhund nicht irgendwann zum Albtraum wird, ist es nötig, die natürlichen Anlagen des Kleinen Münsterländers zu fördern und zu fordern und ihn auch ohne Jagdeinsatz körperlich und geistig auszulasten.
Mit diesem Buch möchten wir zum besseren Verständnis des Jagdhundes Kleiner Münsterländer beitragen. Wir stellen den vielfältigen Einsatz der Rasse bei der Jagd vor, denn mit diesem Wissen werden die Anforderungen an eine artgerechte Ausbildung und Erziehung auch für den Nichtjäger verständlicher. Darauf aufbauend geben wir rassegerechte Erziehungs- und Beschäftigungstipps, auch und besonders für Nichtjäger.
Treten Sie ein in die Welt des Kleinen Münsterländers.
Gaby Göbel und Petra Klemba
Die Geschichtedes KleinenMünsterländers
Der Kleine Münsterländer kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Dass es die Rasse heute in dieser Form gibt, ist vor allem das Verdienst des Försters Edmund Löns.
Die Geschichte von Mensch und Hund ist seit Jahrtausenden durch die Jagd eng verflochten. Bereits in der Steinzeit begannen Menschen, mit Hunden zu jagen. Da sie nur primitive Waffen wie Messer, Speer und Bogen zur Verfügung hatten, mit denen es schwer war, Wild zu erlegen, nahmen sie Hunde zur Hilfe. Deren Aufgabe war es, das Wild aufzuspüren, dem Menschen zuzutreiben und zu stellen, also an der Flucht zu hindern, damit der Mensch oder auch der Hund selbst es erlegen konnten.
Im Lauf der Zeit wurden Waffen und Jagdtechniken weiterentwickelt und die Hunde auf spezielle Eigenschaften selektiert. Durch die unterschiedlichen Aufgabengebiete bildeten sich die verschiedenen Rassetypen heraus. Lange Zeit jagten die Menschen mit gemischten Meuten, bei denen jeder Hundetyp andere Aufgaben im Rahmen der Jagd hatte, vom Suchen und Finden über das Hetzen und Packen bis hin zum Töten. Auf historischen Bildern kann man hierbei immer wieder Hunde erkennen, die Merkmale der heutigen Vorstehhunde aufweisen, wie die typische edle Kopfform, die anliegenden Ohren und die braunen Platten auf weißem Fell.
Entwicklung der rassetypischen Eigenschaften
Mit der Entwicklung der Feuerwaffen wurden die Jagdhunde noch stärker in der Zucht selektiert. So entwickelten sich unter ihnen Spezialisten für das Arbeiten vor und das Arbeiten nach dem Schuss. Für erstgenannte Tätigkeit werden selbstständig arbeitende Hunde benötigt, die erfolgreich nach Wild suchen und damit dem Menschen ermöglichen, es zu erlegen. Für die Arbeit nach dem Schuss werden Hunde eingesetzt, die eng mit dem Menschen zusammenarbeiten und das geschossene oder angeschossene Wild finden und zu ihm bringen.
Die Besonderheit des Kleinen Münsterländers liegt darin, dass er zu beiden Kategorien gehört und somit ein echter Allrounder ist.
Der Kleine Münsterländer wird auf kleine langhaarige Vogelhunde – später auch Wachtelhunde genannt – zurückgeführt, die bereits im Mittelalter bewährte Arbeitshunde waren. Mit hoher Nase stöberten sie vorwiegend Federwild wie Fasane und Wachteln in unübersichtlichem Gelände auf. Stöbern bezeichnet das Suchen, Finden und Aufscheuchen von Wild. Auch nach der Einführung der Langwaffen verrichteten diese Hunde weiterhin als unentbehrliche Jagdgehilfen ihren Dienst.
Rettung in letzter Sekunde
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm das Interesse an den Hunden vom Typ des Kleinen Münsterländers ab. Jäger bevorzugten nun den Einsatz von größeren und kräftigeren Jagdhunden, sodass es schließlich um 1900 nur noch wenige Hunde im Typ des Kleinen Münsterländers gab. Die Rettung des Kleinen Münsterländer Vorstehhundes ist vor allem Edmund Löns zu verdanken, der einen leicht führbaren Arbeitshund kleineren Schlages mit feiner Nase suchte. Die damals beliebten größeren Vorstehhunde waren ihm in schwierigem Gelände nicht ausdauernd und wendig genug.
Der Kleine Münsterländer zeigt durch Vorstehen an, dass er Wild wittert oder eine Wildspur gefunden hat.
Es gab zu dieser Zeit noch einige wenige kleine Vorstehhunde im Münsterland. Diese hatten jedoch kein einheitliches Aussehen und Wesen, sondern es gab zwei verschiedene Typen: zum einen lebhafte Hunde, die bei der Jagd bellten, wenn sie eine Tierfährte gefunden hatten, 40 bis 50 Zentimeter groß, untersetzt und kräftig waren und eine weiße Grundfarbe aufwiesen, zum anderen mehr als 50 Zentimeter große, stumm jagende Hunde, die auch insgesamt ruhiger waren. Man begann beide Stämme miteinander zu kreuzen und führte außerdem gelegentlich Fremdblut zu. Neben der Förderung der Zucht trug Edmund Löns auch maßgeblich zur Verbreitung der Rasse bei. Er wählte für sie den Namen Heidewachtel, weil die Bezeichnung auf die Verwendung des Hundes hinweisen sollte: Das Hauptarbeitsgebiet waren zu dieser Zeit die Heide- und Heckenreviere Niedersachsens.
Beginn der organisierten Zucht
Am 17.03.1912 wurde der Verein für Kleine Münsterländer Vorstehhunde (Heidewachtel) in Osnabrück gegründet und ein Zuchtbuch sowie ein Zuchtreglement geschaffen. Bereits damals wurde der Kleine Münsterländer wegen seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten weit über Niedersachsen hinaus geschätzt.
Durch Zerwürfnisse wegen unterschiedlicher Auffassungen von den Zuchtzielen kam es so schließlich zur Spaltung des Vereins; es wurde als zweiter Verein der Deutsche Heidewachtel Club gegründet. Beide Vereine konnten am 31.03.1961 im Verband für Kleine Münsterländer Vorstehhunde 1912 e. V. wieder zusammengeführt werden. Das Zuchtziel des Vereins ist bis heute ein vielseitiger Jagdgebrauchshund für Feld, Wald und Wasser.
Aussehen undCharakter
Das ansprechende Äußere des Kleinen Münsterländers begeistert die meisten Menschen sofort. Um ein harmonisches Zusammenleben zu gewährleisten, sollte man sich jedoch vor der Anschaffung auch mit den charakteristischen Eigenschaften und Bedürfnissen dieses Jagdhundes beschäftigen.
Körperbau und Farben
Der Kleine Münsterländer ist ein mittelgroßer Hund. Die Schulterhöhe beim Rüden beträgt circa 54 Zentimeter, bei Hündinnen ungefähr 52 Zentimeter. Der Kleine Münsterländer hat mittellanges, glattes bis leicht gewelltes Haar. An den Ohren (Behänge) hat er längeres Haar; ebenso weist er meist längeres Haar an den Vorderläufen (Federn) und an den Hinterläufen (Hosen) auf. Die mittellange Rute mit der langen Fahne trägt er gerade; im letzten Drittel darf sie leicht nach oben gekrümmt sein. Die längeren Haare entwickeln sich in den ersten zwei Lebensjahren. Im Alter von einem Jahr haben die Hunde in der Regel bereits an den Ohren etwas längere Haare, auch die Rute zeigt erste Ansätze einer Fahne.
Die beiden Farbschläge des Kleinen Münsterländers: Braun-Weiß …
… und Braunschimmel. Durch die unterschiedlich großen Blessen und braunen Platten gleicht dennoch kein Hund dem anderen.
Es gibt zwei Farbschläge: Braun-Weiß und Braunschimmel, wobei der Letztere noch unterschieden wird in Hellschimmel, Braunschimmel und Dunkelschimmel. Bei allen Farbschlägen treten deutlich die braunen Platten hervor. Einfarbigkeit kommt in seltenen Fällen vor; diese Hunde werden allerdings gemäß FCI-Standard von der Zucht ausgeschlossen. Gelegentlich sieht man Kleine Münsterländer, die an Auge und Fang sowie um den After herum hellere lohfarbene Abzeichen tragen. Dies sind die sogenannten Jungklaus’schen Abzeichen, die aber selten geworden sind.
Die Tendenz zum braun-weißen Hund hat in den letzten zehn bis zwanzig Jahren in der Zucht stark zugenommen, denn diese Hunde sind beim Stöbern im Wald besser zu erkennen. Welpen kommen immer braun-weiß auf die Welt, die späteren Braunschimmel kann man an den dunkler gefärbten Ballen und der Färbung der Haut unter den weißen Fellanteilen erkennen, später auch an den dunkleren Läufen. Überall dort, wo die Haut unter dem weißen Fell hellgrau aussieht, wird das Haar braun. Je intensiver das Grau ist, umso dunkler wird der Hund an diesen Stellen. An den rosafarbenen Stellen bleibt das Fell weiß. In einem Wurf können beide Färbungen vorkommen.
Mit seinem kräftigen und harmonischen Körperbau, der fließenden Körperlinie und dem braunen Kopf ist dieser Rüde ein typischer Vertreter seiner Rasse.
Obwohl man den Kleinen Münsterländer immer als solchen erkennen kann, gibt es doch viele unterschiedlich aussehende Vertreter dieser Rasse: kleine kräftige sowie schlanke hochbeinige Hunde, mal mehr, mal weniger weißes Fell, mal mehr, mal weniger langes Fell. Eines haben sie aber alle gemeinsam: den braunen Kopf, der höchstens durch eine Blesse unterbrochen wird.
Gedrungene, sehr kräftige und vor allem dunkle Braunschimmel ähneln den Deutschen Wachtelhunden und werden oft mit diesen verwechselt. Die meisten Kleinen Münsterländer sind jedoch leichter und hochbeiniger gebaut.
Die Bewegungen des Kleinen Münsterländers sind äußerst kraftvoll, raumgreifend und harmonisch. Meist trabt er locker voran, den Kopf gerade getragen und die Rute leicht wedelnd. Während des Laufens scannt er sehr aufmerksam die Gegend mit Augen, Nase und Ohren.
Auszug aus dem FCI-Rassestandard Nr. 102
(von den Autorinnen gekürzt)
Allgemeines Erscheinungsbild:
Mittelgroßer, kräftiger und harmonischer Körperbau, der bei viel Adel und Eleganz ausgeglichene Proportionen hat. Edler Kopf. Bei aufrechter Haltung zeigt er fließende Körperlinien mit flach getragener Rute. Seine Vorderläufe sind gut befedert, die Hinterläufe behost und die Rute zeigt eine ausgeprägte Fahne. Sein glänzendes Haar sollte glatt bis leicht gewellt, dicht und nicht zu lang sein. Seine Bewegungen sind harmonisch und raumgreifend.
Verhalten/Charakter (Wesen):
Der Kleine Münsterländer ist intelligent und lernfähig, temperamentvoll und ausgeglichen, mit stabilem Wesen; mit aufmerksamer, freundlicher Grundhaltung gegenüber Menschen (familientauglich), guter sozialer Bindung und Orientierungsfähigkeit am Führer (teamfähig), mit passioniertem, ausdauerndem Beutetrieb, vielseitigen Jagdanlagen sowie guter Nervenstärke und Wildschärfe.
Kopf:
Kopf und Ausdruck prägen den Typ.
Oberkopf: Edel, trocken, flach bis leicht gewölbt.
Stop: Gering ausgeprägt, allerdings deutlich erkennbar.
Nasenschwamm: Einfarbig braun.
Fang: Kräftig, lang, gerader Nasenrücken.
Lefzen: Kurz, gut aufeinanderliegend, gut pigmentiert – einfarbig braun.
Backen: Kräftig, gut bemuskelt.
Augen:
