Kommt das Glück aus dem Universum? - Georg Eck - E-Book

Kommt das Glück aus dem Universum? E-Book

Georg Eck

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Beschreibung

Erfahrungen prägen uns und wir leben alle auf Existenzebenen. Wie wollen wir leben, und wie leben wir wirklich? Wie sollte Schule sein? Was können wir selbst dafür tun, und wie können wir es tun? Welche Entscheidungen wir treffen und ob wir dazu eine Revolution oder eine Transformation benötigen, hängt von vielen Faktoren ab, die wir bei uns selbst, in unserer Partnerschaft, in der Schule, im Beruf, in der Gesellschaft, in der Gemeinde, im Staat, weltweit und im Universum finden. »Ich denke, dass der Sinn des Lebens darin besteht, glücklich zu sein.» [Dalai Lama]

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Widmung

Diese Ausgabe widme ich meinen Familien, meinen Kindern, meinen Freunden und allen, die in LIEBE mit mir verbunden sind - das ist LEBENSGLÜCK.

Inhalt

Vorwort zur 2. Ausgabe

Vorwort: Das Ende, ein neuer Anfang.

Teil 1: Einblicke

Revolution oder Transformation, Evolution oder Reform

Wahrnehmung (nach Graves)

Liebe - was ist das genau noch mal?

Formen der LIEBE

Geisteshaltung

Veränderung

Werde ich eines Tages die Liebe finden?

Die Essenz des Buddhismus - die Befreiung

Buddhismus oder doch Christentum?

Segen, Vergebung, Verwandlung

Sinn des Lebens

Reinkarnation

Yoga und Meditation

Yoga - Wie war das erste Mal?

Ausgeglichenheit

Das Rad und das Gleichgewicht

Was ist eigentlich das Universum?

Ethik ist wichtiger als Religion

Der Tag, an dem das Glück aus dem Universum kam.

Was ist ein ›Museumstag‹?.

Was ist eigentlich Glück?

Kommunikation

Das Känguru von gegenüber

Emotional Intelligence

Das Dramadreieck

Whitney Houston, die tragische Drama-Queen

Teil 2: Unser LEBEN in Existenzebenen

Stecken wir in einer Krise?

Wo kommen wir her?

Wie wollen wir leben? Von was wollen wir leben? Wie wollen wir lernen?.

Ernährung und Natur

Von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft

Die Grenzen der Politik und der Demokratie

Mobilität

Die 17 Global Goals

POSITIVE oder NEGATIVE NACHRICHTEN

Glück ist ansteckend

Chancen der Digitalisierung

Schule im Aufbruch

Lernen fürs Leben.

Gemeinsam - und keinen allein lassen

Von der Lobkultur zum Lebensglück

Die Fünfzehn-Sekunden-Regel

Leadership - ein Diskussionsbeitrag von Peter Dunkhorst für BIG FIVE FOR LIFE

Your BIG FIVE FOR LIFE

DER ELEFANT, DER DAS GLÜCK VERGASS

Fehlertoleranz

BRIEF EINES MANNES (nach Jorge Luis Borges).

Ausblick.

Danksagung

Nachtrag - Gedanken aus meinem Tagebuch

Empfohlene Bücher

Vorwort zur 2. Ausgabe

Kennst du das Buch Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind?1 Jessica Joelle Alexander und Iben Dissing Sandal verraten darin, warum Dänemark seit 1973 fast jedes Jahr zum Land mit den glücklichsten Menschen gewählt wird. Auch im kürzlich von der UN herausgegebenen World Happiness Report liegt Dänemark zum wiederholten Male an der Spitze. Bereits im Dezember 2015 hatte sich mein Leben grundlegend geändert. Und als ich dieses Buch im Dezember 2017 las, erinnerte ich mich wieder intensiv an die in meiner Ausbildung bei Schwarz & Schwarz, einem Unternehmen für Coaching und Persönlichkeitstraining, gesammelten Erkenntnisse und ich beschloss, mein Buch über das Glück, in dem ich viele Ereignisse, Hintergründe, Informationen, Verletzungen und glückliche Wegänderungen beschrieben habe, zu überarbeiten.

»Ich verstehe dich nicht.« - »Das ist mir zu magisch.« - »Bücher über GLÜCK oder SCHULE gibt es doch schon.« - »Ich kann dich nicht ertragen …« - »Was ist Liebe?« - »Das hat keinen roten Faden, das ist mehr eine Textsammlung.« - »Lächerlich!« Dies sind alles Aussagen, die zur ersten Ausgabe gemacht wurden, und ich wurde nicht verstanden. Spannend ist, herauszufinden, warum das so ist.

Nun sind manche Passagen weggefallen, neue hinzugekommen und ich habe das Buch in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil: Einblicke betrachten wir zusammen verschiedene Themen wie Glück, die Liebe und das Leben sowie Religion und Kommunikation mit Einblick und etwas mehr Tiefgang. Der zweite Teil: Unser LEBEN in Existenzebenen soll Zusammenhänge mit und Blickwinkel auf Schule aufzeigen, denn wenn es eine Verbundenheit gibt, dann gibt es sie, von mir als Individuum angefangen, über die Partnerschaft, die Familie, die Schule, die Gemeinde, den Beruf, die Stadt, den Staat, unsere Kultur und die Erde bis ins Universum.

Erfahrungen prägen uns, sie gründen in der Vergangenheit, aber wir entwickeln uns immer weiter, sonst wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Was nehmen wir also im JETZT wahr? Welche Entscheidungen treffen wir oder treffen wir nicht und welche Methoden finden wir, um eine Revolution abzuwenden und uns stattdessen in einer Transformation weiterzuentwickeln? Wie wollen wir leben und wie leben wir wirklich? Wie sollte Schule sein? Was können wir selbst tun und wie können wir es umsetzen?

Das darzustellen kann vielleicht manchmal etwas starr und unlustig geraten, deshalb gibt es hier auch zwischendurch Kurzgeschichten und Witze - nur für dich, falls du zwischendurch etwas Heiteres brauchst.

Wenn du innehalten möchtest, dann schlage ich dir vor, eine Textpassage aufzusuchen, die mit einem Herzen gekennzeichnet ist, lies sie und lass sie wie beim Yoga oder bei der Meditation auf dich wirken.

Das MENSCH-SEIN mit mehr BEWUSST-SEIN bringt uns Zusammenhänge näher, die wir bisher nicht oder wenig gesehen, gefühlt oder verstanden haben, denn wer strebt nicht nach GLÜCK? Wer möchte nicht etwas ändern in der Schule, in die unsere Kinder gehen, in Bezug auf den Partner, die Kollegen, den Chef, Freunde, den Staat oder die Natur? Wir sollten uns daher fragen: Was ist wichtig und wie reagieren wir darauf?

Wir alle wachsen und lernen ständig dazu, wir richten uns neu aus oder müssen einen NEUBEGINN hinbekommen, weil etwas beendet wurde, wir verlassen wurden oder die menschliche Existenzebene gewechselt haben.

Wenn sich in der Vergangenheit etwas änderte, ging das oft mit einer Revolution einher. Wenn etwas Grundlegendes neu geschaffen wurde, musste etwas anderes zerstört werden. Aber unser heutiges BEWUSST-SEIN im Zweck unserer Existenz, das heißt unsere Empathie, unsere Wertschätzung, unser Respekt, unsere Werte sowie die lokale und weltweite Vernetzung zwingen uns immer mehr dazu, alle Veränderungen durch eine Transformation hinzubekommen.

Da können wir uns nicht nur fragen: »Bekommen wir das hin?«, damit es wirklich passiert, sondern müssen wir uns fragen: »Kommt das GLÜCK aus dem Universum? Was hat das mit mir zu tun?« Die Antwort darauf ist: vielleicht mehr, als uns bisher bewusst war.

Beispiele dafür aus der Praxis gibt es ganz viele. Doch es ist nicht einfach, diese Zusammenhänge im 21. Jahrhundert verständlich zu beschreiben und dabei gleichzeitig einen Blick zurück zu werfen und zu fragen: Wo kommen wir her? Wir müssen dazu im Jetzt die IST-SITUATION analysieren, um dann letztendlich in die Zukunft zu sehen: Wie wollen wir leben? Wie möchte ich leben? Ich hoffe, es ist mir gelungen, die Herausforderung diesmal zu bewältigen.

“Ich habe beschlossen, heute glücklich zu sein.

Diese Entscheidung macht offenbar den Unterschied.” [John Strelecky]

1 Jessica Joelle Alexander & Iben Dissing Sandahl: Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind, Mosaik Verlag, 2017.

Vorwort: Das Ende, ein neuer Anfang

»Wovor fürchten Sie sich?«

»Ich weiß es nicht.«

»Es gäbe für Sie keinen Grund zur Sorge …, warum zweifeln Sie an seiner Liebe?“

»Er hat uns verlassen.«

»Schließt das eine das andere aus?«

»Ja!«, sagte ich. Die Stimme der Anklage.

»Warum? Die Liebe kennt so viele unterschiedliche Formen, Julia, sie hat so viele eigenartige Gesichter, dass unsere Phantasie nicht ausreicht, sich alle vorzustellen. Die Kunst besteht darin, sie zu erkennen, wenn sie vor uns steht.«

»Wieso soll das so schwierig sein?«

»Weil wir nur sehen, was uns bekannt ist. Wir trauen dem anderen nur zu, wozu wir selbst in der Lage sind, im Guten wie im Bösen. Deshalb erkennen wir als Liebe vor allem, was unserem Bild von ihr entspricht. Wir wollen geliebt werden, so wie wir selbst lieben. Jede andere Art ist uns unheimlich. Wir begegnen ihr mit Zweifel und Misstrauen, wir missdeuten ihre Zeichen, wir verstehen ihre Sprache nicht. Wir klagen an. Wir behaupten, der andere liebt uns nicht. Dabei liebt er uns vielleicht nur in einer, seiner Weise, die uns nicht vertraut ist. Sie werden, so hoffe ich, verstehen, was ich meine, wenn ich meine Geschichte zu Ende erzählt habe.«

[Aus: Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören. München, Heyne, 2002]

Teil 1: Einblicke

Die beiden Vorworte benennen bereits die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen. Vielleicht kommen bereits jetzt die ersten Gedanken zu ihrer Bewältigung, sie werden vermutlich bei jedem unterschiedlich ausfallen. Warum ist das so? Betrachten wir in diesem ersten Teil zunächst verschiedene Themen mit Einblick und etwas Tiefgang, um dann in Teil 2 die verschiedenen menschlichen Existenzebenen in UNSEREM LEBEN anzusehen: In welchem Zusammenhang stehen sie? Wie findet heute jeder sein Glück?

Manchmal denkt man erst dann viel intensiver über das GLÜCK, die LIEBE und das LEBEN nach, wenn es ein Ende und dann einen Neuanfang gegeben hat. Man stellt sich Fragen, sieht Dinge, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln. Manches wird einem erst bewusst, wenn es vorbei ist oder ordentlich schiefgegangen ist, man kann es dann meistens nur nicht mehr ändern. Im Blick zurück erkennt man, was geschehen ist. Aus dem Hier und Jetzt nach vorne zu blicken und bereit zu sein, etwas zu ändern, sich anzupassen, zu transformieren, ist viel schwieriger, weil es uns am Anfang nicht bewusst war.

Vieles hat scheinbar nichts miteinander zu tun und hat sich seit Jahren auch nicht geändert, obwohl sich einiges immer verändert und weiter verändern wird. Es werden zum Beispiel immer wieder die Religion oder Gott in Frage gestellt, andererseits sind manche auf Sinnsuche und finden neue Antworten oder sogar das Universum. Andere sind auf der Erfolgsleiter, auf der Überholspur des Lebens, jagen dem grenzenlosen Konsum nach oder werden Teil eines Systems, bis zu einem Punkt, ab dem es nicht mehr so weitergeht.

Wir suchen nach LIEBE, etwas VERBINDENDEM, nach Grundsätzlichem, nach Freiheit. Wir möchten glücklich sein oder wieder glücklich werden. Wir stellen uns Fragen, finden überraschende Einblicke, lassen los und beginnen neu. Wie ist eine solche Transformation möglich und worin besteht sie überhaupt? Ist sie heute notwendig? Und wenn ja, was hat sie mit mir zu tun?

Immer und überall sind mir das GLÜCK und die LIEBE aus dem Universum begegnet: -lichen DANK dafür! Je bewusster mir etwas wurde, desto mehr veränderte sich meine Wahrnehmung, mein Bewusstsein. Spannend ist, ob du das auch so sehen kannst oder vielleicht sogar ähnliche Erfahrungen gemacht hast.

Die Welt, das Zusammenleben ändert sich, das Universum weiß schon Bescheid - es kommt nur darauf an, wie wir es wahrnehmen und was wir daraus machen. Manchmal sind Situationen nicht stimmig oder du fühlst und siehst etwas ganz Anderes als die anderen. Wenn dann auch noch der Verstand die Signale anders deutet und mit agiert, dann muss man Wege und Werkzeuge finden, um sich wieder zu fangen, Antworten zu bekommen, sonst wird man depressiv oder wütend, aggressiv, nimmt sich vielleicht sogar das Leben oder verletzt andere. Wir sollten bedenken, dass die Evolution der Seele uns wachsen lässt, dass ganz viel Energie in allem steckt, die wir nutzen können. Aber wie erkenne ich all diese Zusammenhänge?

»Du bist der Himmel, alles andere ist nur das Wetter.« [Pema Chödrön]

Revolution oder Transformation, Evolution oder Reform

Die Geschichte ist voller Revolutionen. Es wurde gekämpft, die bestehende Ordnung wurde meist gewaltsam beseitigt und ein neuer struktureller Wandel schuf ein neues System, eine neue Ordnung, brachte neue Techniken, ein Umdenken in der Wirtschaft oder Wissenschaft mit sich. Die Auslöser dafür waren häufig Krisen, ob Hunger, die schlechte Konjunktur oder der Kampf um Rechte und Pressefreiheit.

Wir kennen die europäischen Revolutionen in den Jahren 1848/49, die einen gesamteuropäischen Wandel in der Wirtschaft hervorriefen, sich aber auch gesellschaftlich und politisch auswirkten. Europa wurde in mehreren Ländern fast gleichzeitig von bürgerkriegsähnlichen Zuständen erfasst. Diese revolutionären Bewegungen stellten die konsequente Weiterentwicklung der Französischen Revolution im 18. Jahrhundert und der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert dar.

Es kam in der Folge zu Reformen, Grundrechte wurden neu formuliert und parlamentarische Systeme wurden zum neuen politischen Standard. Das Bürgertum begann sich zu etablieren, die Arbeiterklasse wurde gesehen und die Schule in Deutschland wurde dreigliedrig.

Eine Revolution zerstört sehr häufig etwas Bestehendes und führt zu etwas Neuem. Anders ist es mit der Transformation. Hier einige Beispiele:

In der Mathematik kennen wir die Fourier-Transformation, in der Politik die Transformation von Völkerrecht ins nationale Recht, in der Linguistik die Umwandlung eines Satzteils in eine andere grammatische Form oder in der Elektrotechnik die Änderung der Größe von Wechselspannung. Überall wird dabei etwas verändert, es wird neu, es wird anders, es beginnt ein neuer Weg.

Aber auch gesellschaftlich und politisch sind wir nicht mehr nur auf revolutionäres Vorgehen angewiesen, wir können uns transformieren in unserem Denken und Handeln, in der Familie, in den Schulen, in der Gesellschaft, den Gemeinden, der Stadt, im Staat und weltweit.

ALLE diese Entwicklungen kann man unter dem Begriff Evolution einordnen, es sind allmähliche Veränderungen, kontinuierliche Entwicklungen und Einsichten. Aber wann kommt es dazu, dass sich etwas ändert? Erst dann, wenn das Glück abhandengekommen ist? Gibt es Entwicklungen, die nur einige wenige in einer Gesellschaft spüren oder sehen? Und wie reagieren andere darauf? Wie kommt es, dass wir in verschiedenen Wertesystemen leben, denken, fühlen und die einen die anderen nicht verstehen können, vielleicht sogar abwerten, ausgrenzen und alleinlassen?

Wahrnehmung (nach Graves)2

Clare W. Graves (1914-1986) wurde 1945 Doktor der Psychologie an der Western Reserve University in Cleveland, Ohio. Von 1956 bis 1978 lehrte und forschte er an dieser Universität als Professor für Psychologie und war Berater in der Wirtschaft und in klinischen Einrichtungen. Graves war Mitglied in Verbänden und seine Forschungen erlangten weltweite Beachtung.

Graves stellte die Frage: Was genau macht einen psychisch gesunden Menschen aus? Es gab und gibt eine Menge an Theorien und Modellen hierzu, sodass heute noch Studierende fragen, welches Modell denn nun richtig sei. Es wird berichtet, dass Graves seine Studierenden in den ersten Monaten ihres Studiums Referate über ihre Ansicht zum psychisch gesunden Menschen schreiben ließ. Zuerst einzeln, dann in Gruppen. Anschließend wurden sie bezüglich ihrer Ansichten zu psychisch gesunden Menschen befragt. Die Antworten, die Graves sammelte, zeigen die unterschiedlichen Vorstellungen der Studierenden, wobei sich wechselseitige Beeinflussungen beim Übergang von einer Stufe in die nächste ergeben.

Graves operationalisierte diese Stufen mit bestimmten Begriffen, die aus seiner Sicht jeweils typisch waren:

Stufe 4: Sicherheit, unterordnen, Ordnung, gehorchen

Stufe 5: Macht, Handlung, nützlich, praktisch, Risiko

Stufe 6: sozial, anpassen, Mode, zusammen, Team

Stufe 7: Wertschätzung, Sein, ausdrücken, frei, sich ergeben

Daraus folgerte Graves, dass die Personen, die einer Stufe zuzurechnen sind, die betreffenden Begriffe schneller erkennen und Inhalte schneller begreifen, sehen und spüren als die der anderen Stufen.

Graves arbeitete sehr intensiv an der wissenschaftlichen Absicherung seiner Theorie. Da er 22 Jahre lang an seiner Universität forschte, verfügte er über Langzeitdaten. So konnte er auch die Übergänge von einer Stufe zur anderen bei einer einzigen Person beobachten.

Im Lauf seiner weiteren Forschungen ergab sich eine Einteilung in acht aufeinander aufbauende Wertesysteme, von denen jedes in sich eine eigene Welt darstellt. Jedes System hat seine Konflikte und Lösungsmechanismen, seine Vorlieben, seine Schattenseiten.

Zentrale Themen, wie GLÜCK, Macht, gesellschaftliche Konzepte, Lernstrategien, Entscheidungsarten, ERFOLG, Familie, RELIGION, fallen je nach Zugehörigkeit zu einem System inhaltlich unterschiedlich aus. Der Schwerpunkt liegt dabei mehr darauf, WIE jemand handelt und spricht, als darauf, WAS er gerade tut.

Graves3: »In jeder Stufe der menschlichen Existenz ist der erwachsene Mensch auf der Suche nach dem heiligen Gral, der Art, wie er zu leben wünscht. Auf der ersten Stufe sucht er nach körperlicher Befriedigung (1). Auf der zweiten Stufe sucht er eine sichere Art zu leben (2). Dies ist gefolgt von der Suche nach Heldentum, Macht und Ruhm (3), einer Suche nach höchstem Frieden (4), einer Suche nach materieller Zufriedenheit (5), einer Suche nach liebevollen Beziehungen (6), einer Suche nach Selbstachtung (7) und einer Suche nach Frieden in einer unverständlichen Welt (8). Und wenn er merkt, dass er diesen Frieden nicht findet, wird er sich auf die Suche nach der neunten Stufe machen.«

Im Grunde räumte Graves mit der Illusion der 1960er- und 1970er-Jahre auf, es gäbe eine glückliche utopische Welt, in der alle Menschen einander verstehen, für alle genug da ist und die Menschen in Eintracht leben. Jede Stufe der menschlichen Existenz hat ihre eigenen Herausforderungen, es gibt keinen Stillstand. Graves' Theorie zeichnet ein Bild des Menschen, der in einer gewissen Grundspannung lebt und versucht, diese zu lösen, indem er sich immer wieder auf verschiedenen Ebenen mit seinem Sein auseinandersetzt. Er konnte, gestützt durch die Beobachtung des Erscheinens der Stufen 7 und 8, mit seiner Theorie vorhersagen, dass die Menschheit sich auf einen gewaltigen Entwicklungssprung, »a momentous leap«, vorbereitet. In gewisser Weise sind wir 25 bis 30 Jahre später an einem solchen Punkt angelangt, indem wir versuchen, die Herausforderungen unserer Zeit global und friedvoll zu lösen.

In Teil 2: Unser LEBEN in Existenzebenen werden wir das auf einige Bereiche anwenden und die Konsequenzen betrachten, aber wir können hier schon sagen, dass unsere Wahrnehmung von Glück sehr davon abhängig ist, auf welcher Stufe wir uns befinden und mit welchen Menschen wir uns umgeben oder von welchen wir abhängig sind. Wie können wir diese Transformation gestalten?

Wir wissen heute auch, dass es an den verschiedenen Wahrnehmungen liegt, wie wir zusammenleben, wie wir in Politik, Schule und Familie handeln oder es unterlassen, wie wir uns ärgern oder verstanden werden, weil Werte wie LIEBE, WERTSCHÄTZUNG und EMPATHIE jeweils in einem »anderen Licht« gesehen werden.

Ich lade DICH nun ein, lass DICH inspirieren, auch wenn die Inhalte mal nicht deine Meinung oder dein Denken betreffen. Frage DICH: Kann es nicht doch richtig sein? Vielleicht können wir gemeinsam wachsen, wenn wir uns darauf einlassen, einige Aspekte des Zweckes unserer Existenz aus einer anderen Sicht, in einem anderen Licht zu sehen und zu fühlen.

2 Recherche bei graves-systeme.de, spiraldynamics.org.

3 Übersetzt aus clarewgraves.com.

Liebe - was ist das genau noch mal?

»Ich liebe DICH.« - Sind das nicht die schönsten drei Worte, die wir im Leben einem anderen, einem lieben Menschen ins Ohr hauchen, sie am Telefon mit viel Gefühl versuchen hinüber und durch die Leitung zu schicken oder in einem Brief oder per SMS - heute per WhatsApp - oder über Facebook zu versenden?

»Ich liebe DICH.« - Kannst du dich noch daran erinnern, wann du sie das erste Mal ausgesprochen hast? War das nicht Gänsehaut pur? Und war es nicht ein wahnsinniger, der glücklichste Moment, als dein Partner sagte: »Ich liebe DICH auch.« - WOW!

Wir betrachten hier einen sehr komplexen und auch schwer fassbaren Begriff, einen Schlüsselbegriff: die LIEBE. Wahrscheinlich weiß unser Herz schnell, was hiermit gemeint ist, während unser Verstand noch rätselt, wie LIEBE zu definieren sei. Was genau ist LIEBE eigentlich? Unser Herz benötigt oft nicht viele Worte, um etwas zu verstehen, doch unser Verstand will es genauer wissen.

»Liebe ist wie die Zahl Pi« - natürlich, irrational und sehr, sehr wichtig4.

Lange Zeit betrachtete man das Zusammenleben von Mann und Frau als eine pure Zweckgemeinschaft. Noch zu Zeiten unserer Großeltern bedeutete Glück in der Beziehung vor allem, den wirtschaftlichen Status zu erhalten. Da ging es nicht primär um Liebe, sondern um Fixkostendegression: Wenn bestimmte Güter und Dienstleistungen von mehreren Personen genutzt werden, sinken die Kosten pro beteiligter Person. So gesehen ist Liebe buchstäblich die halbe Miete.

Die reine Liebesheirat ist eine junge Erfindung. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich mehr und mehr das Konzept der »romantischen Liebe« durch, was dazu führte, dass die Erwartungen an eine Ehe heutzutage unendlich komplexer als früher sind. Alles muss optimal passen. Männer sollten möglichst erfolgreich im Beruf agieren, aber darüber hinaus noch genug Zeit für Beziehung und Familie haben. In einer Zeit, in der Beziehungen jederzeit kündbar sind, wächst die Sehnsucht nach beziehungstechnischer Vollkommenheit. Aber diese Perfektion ist kaum zu erreichen.

Vor einigen Jahren untersuchten die drei Wissenschaftler Andrew E. Clark, Ed Diener und Yannis Georgellis die Lebenszufriedenheit von Paaren in Abhängigkeit von der gemeinsam verbrachten Zeit. Heraus kam folgende Kurve: Nach dem Kennenlernen steigt die Lebenszufriedenheit zunächst an, zum Zeitpunkt der Hochzeit erreicht sie ihren Spitzenwert, um dann über die Jahre hinweg gnadenlos kontinuierlich zu fallen. Bei manchen sogar bis unter den Ausgangswert, also die Zeit, als die Männer und Frauen noch Singles waren! Nach etwa fünf Jahren geht die Zufriedenheit in die Sättigungsphase über, in das sogenannte »Frach-net-Niveau«: »Und? Wie läuft's mit Peter?« - »Frach net!«

Vince Ebert: »Meine Oma war 62 Jahre mit meinem Opa verheiratet. Als ich sie gefragt habe, wie sie das nur ausgehalten habe, antwortete sie: ›Auch die schleschte Dänz müsse gedanzt wern!‹« Was ist also das Beziehungsgeheimnis des Homo sapiens?