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Ein Gespräch mit Günter Metzges-Diez, Mitgründer und Vorstand des Kampagnen-Netzwerks Campact, über den Wandel der Protestkultur durch die Digitalisierung und die sozialen Medien und die Veränderungskraft von Online-Petitionen und Kampagnen. Mit seiner Plattform Campact versucht Metzges-Diez, zivilgesellschaftliches Engagement über digitale Medien zu formulieren, zu aggregieren und darüber Anstöße und Impulse zu geben, Bürger zur aktiven Mitgestaltung der Politik zu bewegen. Im Kursbuch-Interview mit Peter Felixberger und Evelin Schultheiß erklärt er, was die Herausforderungen für die Zukunft sind und wie sich unsere Welt verändern wird.`Man kann etwas verändern, wenn man aktiv wird und sich einsetzt. Man kann durch öffentliche Aktionen etwas bewirken.´
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Seitenzahl: 26
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Welt verändern
Inhalt
Kompakt Campact – Ein Gespräch mit Günter Metzges-Diez, Mitgründer des größten deutschen Kampagnen-Netzwerks
Anhang
Über den Autor
Impressum
Kompakt Campact Ein Gespräch mit Günter Metzges-Diez, Mitgründer des größten deutschen Kampagnen-Netzwerks
Günter Metzges-Diez ist Mitgründer von Campact. Das Kampagnen-Netzwerk bezeichnet sich selbst als »Bürgerbewegung, mit der 1,8 Millionen Menschen für progressive Politik streiten«. Bei wichtigen Entscheidungen wendet man sich mit Online-Appellen direkt an die Verantwortlichen in Parlamenten, Regierungen und Konzernen. Günter Metzges-Diez ist bei Campact zuständig für neue Projekte und strategische Entwicklung sowie für Fragen der Technik und Technikentwicklung. Aufgewachsen ist er in Ostfriesland, wo er in jungen Jahren durch Anti-Atomkraftbewegung, Golfkrieg und Umweltverschmutzung politisiert wurde.
Gab es ein ausschlaggebendes Ereignis, das dich als Jugendlicher politisiert hat?
Metzges-Diez: In Ostfriesland gibt es viele Mühlen, die von den Gemeinden instand gehalten werden müssen. Wir, einige Jugendliche einer Naturschutzjugendgruppe, hatten damals erfahren, dass die Mühle bei uns im Ort mit Tropenholz saniert wurde. Wir haben ein großes Plakat mit der Aufschrift »Uns Möhlen – een Tropenwald-Sarg« beim Bürgerfest aufgestellt. Die Aufregung war groß. Es wurde uns vorgeworfen, den Festfrieden gestört zu haben, und wir bekamen das Verbot ausgesprochen, jemals wieder als Gruppe auf einem Bürgerfest aufzutauchen. Der Vorfall kam natürlich in die Zeitung, und wir haben uns entschieden, an der Sache dranzubleiben. Wir haben Material zusammengestellt, es der Presse präsentiert und Gesprächstermine mit Verwaltung und Stadtratsfraktionen vereinbart. Am Ende stand der Beschluss: Die Stadt verzichtet in Zukunft bei allen Bauvorhaben auf Tropenholz. Dieser Erfolg löste bei mir das Gefühl aus, man kann etwas verändern, wenn man aktiv wird und sich einsetzt. Man kann durch öffentliche Aktionen etwas bewirken.
Daraus haben sich dann meine weiteren Aktivitäten ergeben. Auf Landesebene habe ich mich in einem Jugendumweltverband und in der Anti-AKW-Bewegung engagiert. Die Frage, wieweit ziviler Ungehorsam angesichts der Atomproblematik gerechtfertigt oder sogar notwendig ist, hat uns sehr beschäftigt, wie auch die Frage, ob Recht zu brechen legitim ist, um auf ein schlimmeres Übel aufmerksam zu machen. Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich nach meiner Zivildienstzeit mit anderen Umweltaktivisten im niedersächsischen Verden das Projekt »Anders-Leben – Anders-Arbeiten« gestartet. Unter anderem entstand ein ökologisches Zentrum mit diversen selbstverwalteten Betrieben und Initiativen mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologisches Bauen sowie Bildungs- und Jugendarbeit.
Wie stark war dieses Projekt von den Werten der 68er-Bewegung beeinflusst?
Metzges-Diez: Es ging darum, mit gleichgesinnten Leuten anders zusammen zu leben und zu arbeiten und dadurch auch die Kultur eines Ortes zu prägen und zu verändern. Heute würde ich sagen, dass wir eher idealistische Vorstellungen davon hatten, wie die Gesellschaft zu verändern sei. Zentral war der Einsatz für eine lebenswerte Umwelt, für Frieden, die Mitgestaltung der Globalisierung und für soziale Gerechtigkeit und einen starken Sozialstaat.
Lief das ohne direkte parteipolitische Anbindung, zum Beispiel an die Grünen? Schließlich waren die Grünen zu jener Zeit ein Auffangbecken und Reservoir für viele unterschiedliche Strömungen?
Metzges-Diez:
