Kraftquelle Garten - Maren Partzsch - E-Book

Kraftquelle Garten E-Book

Maren Partzsch

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Beschreibung

Erde zwischen den Fingern, Wind in den Haaren und die Sonne, die auf den Rücken scheint - die Arbeit im Garten kann eine wahre Wohltat sein. Sie hält nicht nur den Geist beweglich, sondern lässt sich auch mit allen Sinnen wahrnehmen. In "Kraftquelle Garten" (BLV Buchverlag) zeigen die Autorinnen Maren Partzsch und Christine Paxmann, wie meditativ gärtnern wirken kann.



Der Garten dient dabei als Quelle der Kraft, Ruhe und Selbsterfahrung. Dabei ist es nicht notwendig, mit einem sagenhaften grünen Daumen gesegnet zu sein. Es genügt, sich einem Garten anzuvertrauen. Die kleinen und manchmal großen Grünflächen üben nicht nur einen optischen Reiz aus. Ihr Anblick verbessert auch nachweislich die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen und das innere Gleichgewicht zu halten. Dabei kann auch der Minigarten auf der Fensterbank, der Botanische Garten oder die Parkanlage helfen. Geordnet nach den Sinnen kann der Garten entdeckt werden, dazu gibt es Anregungen zum Genießen und Innehalten, Gedichte und Aphorismen, Wahrnehmungsübungen, Praxistipps und kleine Rezepte.

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Seitenzahl: 91

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Maren Partzsch | Christine Paxmann

Kraftquelle Garten

Gärtnern mit allen Sinnen

Inhalt

Einführung

Phänomen Garten – Die unstillbare Sehnsucht nach dem Paradies

Den Garten sehen – visuelle Erlebniswelt

Die Macht der Farbe

Gartendesign fürs Auge

Bauern- und Cottagegärten

Inspiration

Neue Kraft »durch die Blume«

Grün für Körper und Geist

Japanische Gartenkunst

Raum zum Kennenlernen

Den Lauf der Natur planerisch nutzen

Grün sehen

Den Garten hören – auditive Erlebniswelt

Den Akku aufladen durch Naturgeräusche

Der tönende Garten

Im Naturgarten

Idylle fürs Ohr

Aktives Hören

Dezente Geräusche fürs innere Gleichgewicht

Den Tieren helfen und sich selbst

Gespräche im Grünen

Grünes klingen lassen

Gartentöne

Den Garten riechen – olfaktorische Erlebniswelt

Gerüche wecken Emotionen

Der Ursprung der Aromatherapie

Mediterraner Duftgarten

Aromagarten

Aromatherapie und einigendes Räuchern

Duftende Kräutertees

Harmonie des Duftgartens

Die Chemie muss stimmen

Der Lieblingsduft aus dem eigenen Garten

Duftfarben!

Den Garten schmecken – gustatorische Erlebniswelt

Wissen wo’s wächst

Kloster- und Bauerngärten

Der Nutzgarten

Schmeckt!

Von der Hand in den Mund

Gesundheit zum Genießen

Schmecke deinen Garten mit allen Sinnen

Draußen essen

Die Fülle des Gartens verarbeiten

Geschmack!

Den Garten fühlen – haptische Erlebniswelt

Kraft durch Tasten und Fühlen

Berührgärten – wer tut hier wem gut?

Garten der Vielfalt

Zum Greifen

Sich selbst spüren im Grünen

Die Kneipp’schen Methoden

Tastend sehen, riechend schmecken

Wege zu dir und mir

Gartenarbeit – pure Haptik

Haptik

Literatur und Quellen

Stichwortverzeichnis

Einführung

Gärten sind Kunst, Therapeutikum, Versorgungsstation und Energiequelle – und sie schenken uns Geduld, Gesundheit, Schönheit und Inspiration.

Phänomen Garten

Die unstillbare Sehnsucht nach dem Paradies

Denkt man ans Paradies, denkt man in europäischen und auch anderen Kulturen unweigerlich an einen Garten. Zwischen Apfelbäumen wandelten die Kelten in Avalon oder die Griechen im Garten der Hesperiden. Süße Früchte und kühle Bäche verspricht das Paradies im Islam. Garten als Verheißung von Glück, Ruhe und Seelenfrieden. Wer würde sich in unserer heutigen, immer schnelllebigeren Welt nicht danach sehnen. Denn unsere Welt ist laut geworden, grell und fordernd. Man soll zu jeder Zeit erreichbar sein, umgehend antworten, sofort reagieren, alles können, alles wissen, niemals müde werden. Immer mehr Menschen müssen sich durch einen solchen Alltag kämpfen. Von paradiesischen Zustände sind wir weit entfernt.

Nutzen und Schönheit

In der Jungsteinzeit, vor etwa 12 000 Jahren, als die Menschen sesshaft wurden, gaben sie ihr mobiles Leben als Jäger, Fischer und Sammler auf und legten die ersten Gärten an, begannen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Gartengeschichte dokumentiert aber quellenbedingt leider fast nur herrschaftliche Gärten, wie etwa die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon oder die Gärten der Renaissance oder des Barock. Auch Asien hat eine weit zurückreichende Gartentradition. Oft sind es Gemälde, die uns einen Eindruck überliefern, wie Gärten – ob zum Lustwandeln oder für die Selbstversorgung – früher aussahen.

Im Jahr 1527 schrieb Martin Luther einem Freund: „Wenn ich am Leben bleibe, will ich Gärtner werden“, nachdem er während seiner ersten beiden Ehejahre gemeinsam mit seiner Frau Katharina den verwilderten Garten des Wittenberger Klosters neu angelegt hatte. Waren beide doch mit Gärten und Landwirtschaft groß geworden und kannten aus ihrer Zeit als Nonne beziehungsweise Mönch auch die Klostergärten von Nimbschen und Erfurt. Gerade Pfarr- und Klostergärten dienten neben der Selbstversorgung immer auch der Erbauung. Sie spiegelten die religiösen, medizinischen, ästhetischen und magischen Vorstellungen ihrer Bewohner wider. Manche Menschen suchen noch heute in Klostergärten nach Erholung vom stressigen Beruf, privaten Sorgenzeiten oder wünschen sich für eine Weile innere Ruhe zwischen Kräutern, Buchshecken, Blumen und Gemüse. Denn der Wunsch, für ein paar Tage von der Außenwelt abgeschirmt zu sein und wieder ganz zu sich selbst zu finden, weckt zugleich die Sehnsucht nach einem kleinen Paradies im Grünen.

Naturnaher Erholungsraum

Für so manchen Städter ist der Stadtpark oder die Grünanlage am Eck dies kleine Paradies, wo man die Kinder spielen lassen kann, beim Feierabend- oder Wochenend-Spaziergang den Jahreszeitenwechsel in den Rabatten beobachtet, oder wo man sich bei schönem Wetter auf der Wiese auf die ausgebreitete Decke legt und den Wolken dabei zuschaut, wie sie geschäftig über den Himmeln ziehen, während man selbst mal ausgiebig nichts tut. Wer einen Schrebergarten sein eigen nennt, findet Erholung zwischen selbst gezogenen Blumen und Gemüse, baut Stress ab, indem er anbaut. Blumen in allen Farben, Obst und Gemüse in unterschiedlichsten Formen und Geschmacksrichtungen, umschwirrt von Schmetterlingen und Bienen, über allem zwitschern die Vögel. Diese vielfältigen Anregungen für alle Sinne sind von hoher Wichtigkeit, denn sie verbessern die Lebensqualität unmittelbar und spürbar. Da sich Menschen seit Millionen von Jahren in und mit ihrer natürlichen Umwelt entwickeln, wissen wir intuitiv, dass uns der Aufenthalt in der Natur guttun wird. Naturnah gestaltete Räume in Parks und Gärten weisen wie die Natur selbst einen Reichtum an Pflanzen und anderen natürlichen Elementen auf. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Menschen im emotionalen Bereich automatisch positiv auf solch natürliche Umgebungen reagieren, und dass nicht nur die Möglichkeit, sich in einem Garten oder Park aufzuhalten, sondern auch die Häufigkeit, mit der man dies tut, in direkter Beziehung zur präventiven Wirkung gegen Stress steht. Studien, wie die von Ulrika Stigsdottir und Patrick Grahn an der schwedischen Universität für Agricultural Studies SLU, zeigen darüber hinaus, dass das Ausmaß der Naturbelassenheit eines Gartens von hoher Bedeutung für seine restaurative Qualität ist. Denn auch physiologisch reagiert der menschliche Körper unwillkürlich auf natürliche Elemente in seiner Umgebung, während Künstliches wie Häuser und Straßen nicht dieselbe schnelle und intensive Reaktion hervorrufen. Naturnah gestaltete Gärten und Parkanlagen sind wichtige Gesundheitsfaktoren. Denn selbst einen Garten zu besitzen oder die Möglichkeit einen Garten in unmittelbarer Nähe zur Wohnung zu besuchen, hat einen signifikant positiven Einfluss auf Stress.

Von oben links im Uhrzeigersinn: Ob Cottagegarten, oder ein wasserzentrierter Italienischer Garten, ob barocke Labyrinthgärten oder buddhistische Energiegärten, orientalische Wassergärten oder stylishes Vertical Gardening – Gärten sind so unterschiedlich wie ihre Gestalter und die Wirkung, die sie auf uns haben. doch eines haben alle gemein: Sie tun uns gut. Seit wir die Natur kultiviert haben, sehnen wir uns nach grünen Bildern vor unserer Haustür.

Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau schrieb: „Die Natur ist der einzige Ort, der uns zu nichts zwingt.“ Sie ist wohltuend. Sie ist Kraftquelle im Alltag. Zurück-zur-Natur-Bewegungen gab es immer wieder, doch die aktuelle Urban-Gardening-Bewegung beschreitet einen gegenläufigen Weg, indem sie über das ökologische Gärtnern mit einfachsten Mitteln Räume in der Stadt für die Natur zurückerobert, in unmittelbarer Nähe zum eigenen Wohnen. Nicht die Stadt verlassen und aufs Land gehen, sondern bleiben und die Natur durch aktives eigenes Tun revitalisieren, beschreibt es die Soziologin Christa Müller. Einzelpersonen oder Initiativen verwandeln dabei Brachflächen, Parkgaragendächer und andere vernachlässigte Orte in grüne, lebensfreundliche Umgebungen, die Erholung bieten. Mobile Gemeinschaftsgärten entstehen, die Raum und Formen für die Begegnung von Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkünfte miteinander und mit der Natur bieten. Neue Trends im Gartenbau wie die Begrünung von Wänden und Häusern mit Vertical Gardens oder das aus Japan zu uns rüberwachsende Indoor Farming zeigen das menschliche Bestreben, der Natur wieder Raum zu geben. Ein Sprichwort sagt: Wenn du das Glück suchst, gehe in einen Garten und arbeite. So ist Lazy gardening für Stressgeplagte der Schritt in die richtige Richtung, denn nichts ist erholsamer als regelmäßiges Grüntanken in einem naturbelassenen Garten.

Bunte Wiesenblumen stehen im hohen Gras und wiegen sich zart rauschend im Wind, der ihren Duft zur Sitzgruppe herüberträgt. Der Blick schweift über Himbeerranken und Tomatenpflanzen, die eine leckere Ernte verheißen. Bei einem Rundgang kann man die Finger über die urig rauen Borken der Bäume streichen lassen. Eine Amsel badet munter plätschernd im Überlauf der Regentonne. Die Natur im Garten mit allen Sinnen in sich aufnehmen. Zeit neu erleben. Vögel und Blumen messen sie mit anderem Maß. Im Garten bestimmen sie die Zeit, verführen zur Geduld, helfen runterzufahren.

Den Garten sehen – visuelle Erlebniswelt

Pflanzen senden optische Reize, die uns guttun. Ihre Farben und Formen sind eine kostenlose Medizin, die über die Augen aufgenommen werden kann.

Einführung

Die Macht der Farbe

Wie viel Garten braucht der Mensch? Während Gärten früher eine wichtige Quelle zur alltäglichen Nahrungsmittelversorgung waren, entdecken wir sie heute als kraftspendende Orte neu. Ihr Grün umfängt uns beruhigend, ihre Farben beleben. Der Anblick üppiger Natur ist Kraftquelle pur. Doch auch ein gewisser Minimalismus kann eine angenehme Balance zur Überfülle des Alltags schaffen.

Wie Farben wirken

Jeder Mensch hat ganz eigene Gartenvorstellungen und -bedürfnisse. Während der eine den Feierabend im Schrebergarten mit Gemüseanzucht verbringt, mag der Andere nur abschalten, sich die Füße vertreten, den Blick über Blumenbeete oder Baumwipfel und Wiesen streifen und die Farben der Natur auf sich wirken lassen. Denn die Farben eines Gartens gehören zu seinen wirkungsvollsten Elementen, sie prägen seine Atmosphäre und beeinflussen die Stimmung des Betrachters. Kühle Farben wie Hellgelb, Hellblau oder zartes Rosa, sowie warme oder neutrale Farben vermitteln Ruhe und Gelassenheit. Besonders beruhigend ist zartes Grün. Orange, Gelb und Rot sind leuchtende, intensive Farben, die belebend und anregend wirken. Zwischen weiß Blühendem oder Stauden mit silbergrauen Blättern erstrahlen sie förmlich, ohne unruhig zu erscheinen. Weiß bildet einen dezenten Rahmen, in dem jede andere Farbe wunderbar zum Leuchten gebracht wird.

Farbtherapie im Garten

Jede Farbe hat durch ihre Wellenlänge und Energie eine ganz eigene Wirkung auf unsere Psyche und unseren Körper. In der Farbtherapie macht sich die Medizin dies zu eigen, doch bereits bei einem Spaziergang durch einen Garten können die Farben der Natur einen Hightech-Menschen quasi renaturieren. Ruhige Brauntöne erden uns, wirken gegen Gleichgewichtsstörungen. Violett unterstützt die Konzentration, Blau bringt Frieden und fördert die Intuition.

»Laute« und »leise« Farbkombinationen

Bunte Pflanzungen haben eine überaus belebende Wirkung. Harmonisch wirkt eine Kombination aus im Farbkreis benachbarten Farben wie etwa von Blau über Lila bis Pink oder von Rot über Orange bis Gelb. Komplementäre Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, wie Gelb und Violett, wirken »laut« aber auch vollständig, da sie sich ergänzen. Solche Kombinationen sollten mit Bedacht gepflanzt werden. Etwas abmildernd wirken Pastelltöne. Monochrome Pflanzungen sind angenehm ruhige Inseln, in denen die unterschiedlichen Schattierungen einer Farbe das Auge des Betrachters locken. Aber ähnlich wie ein Block aus kunterbunten Sommerblumen zu viel des Guten ist, wirkt eine monochrome Pflanzung in großem Maßstab öde.

Historischer Garten

Gartendesign fürs Auge

Bis weit ins Mittelalter waren Gärten entweder Heil- oder Nutzgärten. Der Benediktiner Walahfrid von Strabo (808 – 849) verfasste mit dem »Horticulus« ein erstes Meisterwerk der Gartenbotanik, die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) gilt bis heute als visionäre Phytomedizinerin. Gärten, die für das Auge gestaltet waren, kamen erst mit der Renaissance auf.

Gärten der Verblüffung