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Dieses Buch beinhaltet eine Sammlung von Betrachtungen zu verschiedenen Arbeitsthemen eines Studienkreises in der Tradition der freien Spiritualität. Die Texte sind einerseits Ausdruck der Überlegungen der Verfasser und dienen andererseits sowohl dem Studium in der Gruppe als auch der individuellen Schulung. Zudem wird im Buch erstmals deutlich auf die wirkliche Existenz der "Einen Spirituellen Gemeinschaft" hingewiesen, die überall und zu allen Zeiten Ziel und Heimat aller wahrhaften Sucher gewesen ist und sein wird. Und dies in einer Weise, die es dem Einzelnen ermöglicht, sich tatsächlich auf diese Gemeinschaft hin zu entwickeln, die zwar keine Organisation darstellt, der man beitreten könnte, die man aber auch nicht verfehlen kann, wenn man sich nur auf die richtige Weise den Aufgaben und Lehren des Lebens stellt.
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Seitenzahl: 293
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Geleitwort
Erklärungen und Überlegungen
Die drei Säulen des spirituellen Lebens
Fragen stellen
Nahes und fernes Karma
Der Ich-Wahn
Die „Eine Spirituelle Gemeinschaft“
Elementale
Aspiranz und Verwirklichung
Der Weg zum Erbe
Fettaugen
Heilungsarbeit
AP-Modifikation
Vita contemplativa versus vita mechanica
Bitri-Angel
Loslassen
Bewusstsein
Spiegelbilder
Schwellen
Isolation
Die Alltagspersönlichkeitsdiät
Spinale Psychopraktik und Ego
Tempus fugit
Denken und Sein
Der Kegel
Seelenruhe
Blinde Flecken
Tugendpyramide
Lebenswege
Groken - die Schau haben
Ungebetene Gäste
Frau Welt
Annehmen und Loslassen
Unterbewusster Geist
Alltagspersönlichkeit und höheres Selbst 2.0
Kreiszusammenfassung
Grade der spirituellen Entwicklung und Ausrichtung
Gleichnishafte Erklärungen
Zur Flamme werden
17 Pferde
Fahrradfahren
Minotauros
Hans und Grete
Bremer Stadtmusikanten
Rückkehr zu der Ursprünglichen
Unter Segeln
Bibel und umzu - betrachtet und gedeutet
Das große Standbild
Das große Standbild II
Menschenopfer
Baum der Erkenntnis
Der erste Wellness-Esoteriker
Übungen und Übungsanleitung
Vom Beten
Meditation - horizontal und vertikal
Fünf Einstiege
Zwei Übungen
Fingerübung
Beim guten Lehrer
Ksch, Ksch, Ksch
Mahd
681
Pferdeschwanz
Chassidische Geschichten
Grund
Glaube und Vertrauen
Nachteil
Ernte
Herausforderung
Mit aller Kraft
Ein verborgener Heiliger
Ein Großer
Stöckchenspiel
Das unsichtbare Buch
Löchrig
Das ewige Beginnen
Große Fläche
Grundlage
Beschämung
Freude und Dankbarkeit
Trauer
Als Adler geboren
Sabbat
Dankbarkeit
Trunken
Geschickter Rat
Von allem lernen
Die Wahl
Würde
Das Erbe
Flügel
Zündholz
Freude
Zwei Häuser
Seit dem Erscheinen des ersten Bandes der „Kreisgedanken“ mit seinen einleitenden Worten sind erneut eine Reihe von Betrachtungen zusammengekommen. Die Rahmenbedingungen sind – abgesehen von den Fortschritten der im Kreis mitarbeitenden Mitglieder und der daraus resultierenden gestiegenen „Betrachtungsfähigkeit“ – im Wesentlichen gleich geblieben. Ein umfangreiches Vorwort erübrigt sich daher.
Auf einen wichtigen Aspekt soll aber vorab hingewiesen werden: Unseres Wissens wird in diesem Werk erstmals mit großer Deutlichkeit und Klarheit auf die „Eine Spirituelle Gemeinschaft“ (ESG) hingewiesen, der zwar alle Menschen zugehören, deren ausdrückliche, bewusste Mitgliedschaft sie aber großteils noch nicht verwirklicht haben. Der aufmerksame Leser wird allerdings im ersten Band schon den einen oder anderen Hinweis gefunden haben.
Warum die ESG bisher immer nur indirekt und nicht so leicht entschlüsselbar ihre Existenz bekannt hat, ist schwer erklärbar. Auch, warum sich dies nun gerade ändert. Die naheliegendste Vermutung ist, dass die ESG in der Vergangenheit auf diese Weise letztlich effektiver tätig sein konnte und sich so auch nicht Verwechslungen und Fälschungen stellen musste. Dass dies nun keine Rolle mehr spielt, hängt wohl am ehesten mit einer Art bevorstehendem Abschluss zusammen, der in absehbarer Zeit stattfinden wird. Im ersten Band der „Kreisgedanken“ setzt die Betrachtung „Der Census der Boni“ sich damit auseinander.
Nach dem Erscheinen dieses zweiten Bandes werden wir auch in anderen Medien die Existenz der ESG und die daraus resultierenden Perspektiven öffentlicher vertreten. Vielleicht geschieht dies zeitgleich überall auf der Welt im kleinen Rahmen. So wie bei uns. Vielleicht sind wir tatsächlich die ersten oder auch einzigen Berichterstatter. Wie auch immer: Mögen die Hoffnungen, die die ESG damit verbindet, sich erfüllen und dem Wohle möglichst vieler Menschen dienen.
Dank sei allen, die direkt oder indirekt am Entstehen dieses Buches mitgewirkt haben.
Alles, was in Summe den Planeten zerstört, muss auf persönlicher Ebene bis auf unschädliches Niveau heruntergefahren werden.
(Ludwig Kirchhofen)
Im Alltagsleben hat das spirituelle Leben drei Säulen. Anders gesagt: Es gibt drei Bereiche, in denen sich unsere Spiritualität widerspiegeln muss und an deren ausgewogener Ausprägung und Gewichtung wir immer weiter arbeiten müssen. Das heißt, wir müssen alle drei Bereiche gleichmäßig entwickeln und keinen davon vernachlässigen. In der spirituellen Gemeinschaft wird hier von „Verwirklichung“ gesprochen. Ein Ende dieser Arbeit ist nicht absehbar.
Und wo kann, muss und soll sich unsere Spiritualität zeigen? Im Umgang mit uns selber, im Umgang mit den Menschen in unserem Umfeld und im Umgang mit der Welt.
Das erscheint zunächst wenig sensationell, und auch wenn wir dann noch hinzufügen, dass alle Bereiche jeweils drei Ebenen haben, sind wir noch nicht von Neugier geschüttelt. Man darf aber wie praktisch immer davon ausgehen, dass ein leichtes Desinteresse oder gar Langeweile bestehen, obwohl wir die vorangehende Information in keiner Weise abschließend durchdacht haben – wenn das überhaupt geht. Haben wir es aber nicht oder geht es gar nicht, woher kommen dann Desinteresse oder Langeweile? Wahrscheinlich sind das Widerstände der Alltagspersönlichkeit. Erinnern wir uns: Nicht-Wissen ist ein grundsätzlich behebbares Faktum. Nicht-Wissen-Wollen eine „Sünde“ die zu Leiden (karmischen Erweckungsversuchen) führt.
Schauen wir zuerst, welches die drei Ebenen sind. Klar, die drei Ebenen sind Gedanken, Emotionen und grobstofflicher Körper bzw. grobstoffliche Tat. Oder ein etwas anderer Ansatz, der die starke wechselseitige Bedingung von Gedanken und Emotionen berücksichtigt: Gedanken/Emotionen, Worte und Handlungen. Dabei sind Worte ein verbindendes Element, denn einerseits sind sie Inhalt und Ausdruck von Gedanken/Emotionen und andererseits sind sie gesprochen oder geschrieben schon Handlungen in der grobstofflichen Welt.
Doch unabhängig davon, welchen Ansatz wir wählen, können wir sehen, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Vielzahl von Möglichkeiten lenken müssen, wenn wir nicht in Schieflage geraten wollen. Die für unsere karmische Beurteilung wichtigste Ebene ist aber die unterste Ebene, die Ebene der grobstofflichen Tat.1 Und warum? Weil wir nach dem tiefsten Abstieg und der weitestgehenden Verwicklung in die Materie unsere befreiende spirituelle Entwicklung quasi „von oben“ nach unten in die Welt hindurchsickern lassen und sie sich als krönender Abschluss auf der grobstofflichen Ebene offenbaren soll. Unsere Mission ist, Gott in die Welten der Trennung zu tragen – bis ganz hinab! Wie weit uns das gelingt ist Maßstab unseres Erfolges.
Und ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen schauen wir einmal auf die drei Bereiche und stellen beispielhaft ein paar mögliche Punkte zusammen. Es wird schon dabei schnell deutlich, dass ein für viele Menschen geradezu traumatischer Begriff im Vordergrund spiritueller Verwirklichung steht – es ist der Begriff „Verzicht“. Etwas trösten mag hier die Tatsache, das Verzicht zunächst gradueller Verzicht bedeutet. Also schrittweise Einschränkung mit dem Ziel, ganz zu verzichten. Dies entspricht auch dem Prinzip der Weg-Arbeit, obwohl es den Beschreitern des spirituellen Pfades auch gar nicht so selten gelingt, individuell unterschiedliche Arten von Fehlverhalten sofort und gänzlich zu unterlassen.
Im Umgang mit uns selber kann Verzicht beispielsweise Verzicht auf Drogen (zu denen auch Alkohol zählt) bedeuten. Weiter gefasst könnte man auch auf Kaffee verzichten. Man verzichtet also auf Dinge, die für einen selbst schädlich sind. Also vielleicht auch auf ungesundes Essen – was man freilich auf vielerlei Weise definieren kann. Oder man verzichtet auf Bewegungsmangel, was ja nicht nur Verzicht wäre, sondern umgekehrt auch Aktivität bedeuten würde. Laufen, schwimmen, Volleyball spielen, Gartenarbeit machen und so weiter. Wir können auch auf Stress verzichten, einen liebevollen, sanften Umgang mit uns selber pflegen, mal kürzer treten. Wir könnten darauf verzichten, uns selber zu belügen, wo immer wir dies tun. Wir können uns unangenehmen Wahrheiten stellen. Nur dann können wir sie akzeptieren oder ändern.
Im Umgang mit den Menschen in unserem Umfeld sind einige der fünf Silas eine gute Orientierungshilfe. Weitestmöglicher Verzicht auf Lügen, Stehlen2 und sexuelles Fehlverhalten. Dazu freundlicher, liebevoller, fairer, dienender Umgang mit unseren Nächsten. Verzicht darauf, unsere negativen Emotionen auszuleben, zu projizieren. Verzicht darauf, ständig das Drama zu suchen. Lieber das Drama leben als gar nichts fühlen? Wie arm!
Im Umgang mit der Welt können wir uns Konsumverzicht groß auf unsere Fahne schreiben. Wieviel Leid verursachen wir bis in die letzten Winkel der Welt durch hemmungsloses und gedankenloses Konsumieren. Menschliches Leid, tierisches Leid, pflanzliches Leid, ja sogar sozusagen „mineralisches Leid“ durch Raubbau und sinnlose Verschwendung und Vernichtung von unersetzlichen Bodenschätzen. Und neben dem Konsumverzicht soll der Verzicht auf unüberlegtes, nicht im globalen Gesamtzusammenhang gesehenes Fortpflanzungsverhalten nicht vergessen werden. Das wäre die Übertragung des Gebotes vom Verzicht auf sexuelles Fehlverhalten aus dem zwischenmenschlichen Bereich auf die Welt. Weitere Einzelheiten zu benennen, würde hier den Rahmen sprengen. Wir sind auch an anderer Stelle schon darauf eingegangen.
Doch soviel sei gesagt: Da es aufgrund der Größe der Welt eine schier unendliche Vielzahl von schädlichen Wirkungsmöglichkeiten gibt, entziehen wir uns ihnen ohnehin am besten durch konsequenten und möglichst umfassenden, alle Aspekte unseres Alltagslebens berührenden Verzicht, denn wenn wir das tun, brauchen wir Details gar nicht mehr zu wissen.
1 Vergleiche Matthäus 7,17-20: So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. (Luther 1984)
2 Unter Stehlen können wir auch das Stehlen von Zeit und Energie verstehen. Auch das Verführen zu nicht förderlichen Handlungen ist eine Form von Diebstahl.
Wenn du einem Fechter auf der Straße begegnest, gib ihm ein Schwert.
Biete niemandem ein Gedicht an, es sein denn einem Dichter.
Wenn du mit den Menschen sprichst, dann erzähle ihnen nur Dreiviertel.
Gib niemals den anderen Teil preis.
(Zen-Weisheit)
Wenn dich einer fragt, sag immer nur die Hälfte. Wenn dich keiner fragt, deute hin und wieder die Hälfte einer Hälfte an.
(Das Buch der drei Ringe)
Eine grundsätzliche Arkanpflicht gibt es heute nicht mehr. Sie ist zu unspezifisch. Insofern wird selbst ungefragt immer wieder Allen ein kleiner Teil der Wahrheit angeboten. Niemand wird sagen können, er habe nichts gewusst, weil keiner ihn darauf hingewiesen habe. Man könnte sagen, dass in letzter Konsequenz geprüft wird, wie sehr die Menschen dem Nicht-Wissen-Wollen verfallen sind.
Aber stimmt das, was oben steht? Die auf Fragen Antwortenden sollen nur die Hälfte erzählen? Hört sich fies an. Doch wie üblich ist das Gemeinte wieder komplexer als die einfachen Sätze vermuten lassen. Zum einen handelt es sich bei der „Anweisung“ zumindest teilweise um einen Naturzustand. Im beiläufigen Gespräch und selbst in einem gezielten, längeren Vortrag kann niemand alles sagen. Man wird immer nur einen Einblick, eine Zusammenfassung geben. Vertiefte Wissensweitergabe ist vom Dialog abhängig.
Zum anderen handelt es sich aber definitiv um den Verweis auf eine Lehrmethode. Um die Lehrmethode3! Es ist aber keinesfalls eine fiese Methode. Die Gnade ist, dass man die Hälfte einer Hälfte angedeutet bekommt. Auf Nachfrage erfährt man die ganze Hälfte. Ob das Erzählte verstanden wurde, wird getestet, indem man die andere Hälfte nicht erzählt bekommt. Hat man bewiesen, dass man verstanden hat, erfährt man die zweite Hälfte – und die Hälfte der Hälfte der nächsten Stufe! Und das gilt auf allen Ebenen der Entwicklung.
Und wie beweist man, dass man verstanden hat? Durch die Fragen, die man stellt. Und noch mehr dadurch, ob man überhaupt Fragen stellt. Stellen wir es uns so vor: Wir alle befinden uns auf irgendeinem Entwicklungsniveau. Wenn wir auf diesem Niveau Fragen haben, dann liegt die Antwort im Grunde schon in den Fragen. Darüber hinaus erhalten wir Informationen über die nächste Entwicklungsebene.
Diese Informationen können wir nun auf zweierlei Art bearbeiten. Wir können sie sozusagen in die darunterliegende Ebene als unbelebte Daten reintegrieren – also quasi herunterziehen. Einem spirituellen Lehrer gegenüber können wir dann diese Information wiedergeben, aber es ergeben sich entweder gar keine Fragen daraus, oder es sind Fragen, die eben die tiefere Ebene betreffen. Oder aber es können sich durch die Informationen über die nächsthöhere Ebene angeregt, wiederum entscheidende, weitreichende Fragen für uns ergeben. Dann schließt sich der Kreis. Obwohl man eigentlich besser sagen müsste, dass er sich dann erneut öffnet! Der Lehrende (oder auch einfach das Karma oder das Leben) wird wiederum höherwertige Antworten geben.
Klar muss aber sein, dass wir hier keinen Wettlauf beschreiben. Alle verbringen immer wieder längere oder kürzere Zeiten im Rückzug auf einer Ebene. Dinge müssen reifen! Der Vorteil des spirituellen Pfades ist, Informationen wie diese zu haben. Lassen wir sie zu sehr und zu lange zu unbelebten Daten degenerieren, verlassen wir diesen Pfad. Klar muss sein, dass wir hier einen Wettlauf beschreiben. (Widerspruch beabsichtigt)
3 Es ist im übrigen auch eine Lernmethode!
Es fallen eure Gründ auf euch zurück
Wie Hunde, die den eignen Herrn zerfleischen!
(William Shakespeare, Heinrich V.)
Karma hat zwei Dimensionen von Nähe und Ferne. Die eine ist die Nähe und Ferne des Zeitpunktes des Reifens der karmischen Wirkung. Die buddhistische Überlieferung unterscheidet hier drei Stufen von Reifung. Reifung in diesem Leben, Reifung im nächsten Leben und Reifung in einem späteren Leben. Allerdings ist diese Unterscheidung rein akademisch, denn es werden in dem Zusammenhang keine Taten kategorisiert. Wir wissen also nicht, welche Taten schnell oder langsam reifen. So bedeutet die buddhistische Aussage schlicht: Karma kann sehr schnell reifen4 oder es kann mindestens zehntausend Jahre dauern – und alles dazwischen. Und implizit: Die Verflechtungen von Ursachen und Wirkungen sind dermaßen komplex, dass selbst dem konkurrenzlos starken buddhistischen Wunsch, die Dinge in übersichtliche und hilfreiche Schubladen zu packen, hier offensichtlich Grenzen gesetzt sind. Diese verborgene Aussage ist vielleicht die stärkste und bedeutungsvollste Information in Bezug auf die erste Dimension.
Die zweite Dimension ist die der Nähe und Ferne des Ortes. Sie ist dem gegenüber nicht nur wegen des deutlich detaillierteren Informationsgehaltes wichtiger. Sie ist es vor allem wegen ihrer fundamentalen, alles durchdringenden Bedeutung für die Lebensführung jedes Menschen, denn sie bezieht sich nicht auf die zeitliche Nähe oder Ferne, sondern auf die Nähe oder Ferne unserer Einflüsse auf die ganze Welt. Wir sind ohne Ausnahme für alles verantwortlich, was irgendwie mit unserem Tun zu tun hat.5Nur weil wir von weitreichenden Konsequenzen unseres Tuns nichts wissen, sind wir karmisch nicht von den Konsequenzen dieser Konsequenzen frei.
Da wollen wir einmal genauer hinschauen. Aber auch hier gilt, dass die Verflechtungen von Ursachen und Wirkungen so komplex sind, dass die Beispiele notwendigerweise Vereinfachungen sind. Über diese Vereinfachungen können wir uns jedoch dem nichtlinearen Feld6 unserer karmischen Verbindungen mit unserer gesamten Umwelt annähern und schließlich ein Gefühl für die Wahrheit entwickeln7.
Nahes Karma ist zum Beispiel, wenn man lebenslang recht viel Alkohol trinkt und dann irgendwann die Leber versagt. Rauchen und dann ein Lungenleiden bekommen. Fettes Fleisch essen und irgendwann sind die Adern verstopft. Sonnenbaden und im Alter Hautkrebs bekommen. Oder sogar, wenn man unachtsam in einem Zimmer herumläuft und sich dabei die Zehen stößt. Folgender Witz illustriert nahes Karma auch recht gut: Ein traurig aussehender älterer Mann sitzt auf einer Parkbank. Ein anderer Mann geht vorbei, schaut und fragt besorgt: „Kann ich Ihnen helfen? Was ist denn los?“ Der erste antwortet: „Ach! Niemand will mein Freund sein, du Blödmann.“ Nahes Karma entfaltet sich also nah. Körperlich nah, emotional nah und gedanklich nah.
Wohlgemerkt und nochmal zur Unterscheidung: Bei den vorangehenden Beispielen sieht man, dass die zeitliche Nähe unterschiedlich ist. Es ist denkbar, dass man ein ganzes Leben lang raucht und erst fünf Inkarnationen später als Nichtraucher Lungenkrebs bekommt. Das dient dann den Rauchern wieder als Argument dafür, dass sie ruhig Rauchen könnten, da man ja auch so an Lungenkrebs erkranken könne. Wir sehen aber bei den obigen Beispielen, dass die Orte von Aktion und Reaktion sehr nah bzw. sogar körperintern sind.
Allgemein kann man sagen, dass örtlich fernes Karma in der Regel auch zeitlich ferner zur Reife kommt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es sich auch zeitlich nah auswirkt. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings geringer. Umgekehrt ist es natürlich genauso. Örtlich nahes Karma hat die Tendenz, sich auch zeitlich nah auszuwirken – wenn auch hier wiederum das Gegenteil möglich ist.
Wir sehen auch hier: Leicht zu überblicken ist die ganze Sache nicht. Was können wir daraus ziehen? Vorsicht mit dem Beurteilen anderer und auch seiner selbst. Demut bei der Auseinandersetzung mit dem Karmakomplex. Eine gewisse Bereitschaft, persönliche Leiden anzunehmen und als erkenntnisfördernden, befreienden Prozess zu akzeptieren. Wo die individuellen Grenzen liegen, das muss jeder selbst ausloten.
Und abschließend eine Hypothese zur eigenen Auseinandersetzung: „Am schnellsten lernen wir aus zeitlich und örtlich nahem Karma.“
4 Wirf in einer Menschenmenge zwanzig mal einen Stein möglichst steil in die Luft. Neunzehn mal wird er einem anderen auf den Kopf fallen und beim zwanzigsten mal dir selber. Entsprechend der 95% -Regel ist das ein sich schnell erfüllendes Karma – stark schematisiert, aber nachvollziehbar. (Zur 95% -Regel lies die Betrachtung „Fünfundneunzig, fünf und fünf von fünf“ aus Kreisgedanken 1)
5 Siehe hierzu die Betrachtung „Die drei Säulen des spirituellen Lebens“
6 Siehe hierzu die Betrachtung „Nichtlineare Felder“.
7 groken
Bruder Josef
Ein Egoist ist ein unfeiner Mensch,
der für sich mehr Interesse hat,
als für mich.
(Ambrose Gwinnett Bierce)
Wo immer ich gehe, folgt mir ein Hund namens Ego.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)
Die Welt wimmelt von Leuten,
die niemandem Leides antun,
aber Gutes nur sich selbst.
(Lebensweisheit)
Fast alle der gemeinsam mit uns inkarnierten Erzengelwesen stecken in ihrem Ich-Wahn tief in der Verwechslung und erkennen nicht, dass sie von ihrem selbst erschaffenen Alltagspersönlichkeitsegoismus nicht nur beherrscht werden, sondern fest daran glauben, dieser zu sein. Der Egoismus als realitäts- und bewusstseinsvermittelndes Gebilde liefert uns nicht nur die durch ihn gefärbte Sichtweise unserer Umwelt, sondern er erreicht dadurch gleichzeitig, sich eben durch diese permanente Interpretation seiner Umwelt selbst zu bestätigen und damit am Leben zu erhalten.
Zwanghaft ist er bemüht, durch das unablässige Benützen von Gedanken, Gefühlen und körperlichen Ausdrucksweisen sich über seine Umwelt zu erheben und sich von ihr abzugrenzen. Praktisch ununterbrochen rastert er über die fünf Sinne seine Umgebung ab, interpretiert die aufgenommenen Eindrücke und sucht darin die Bestätigung seiner Elementalstrukturen, die er sich aus alten Erfahrungen und ersponnenen Zukunftsphantasien zusammengebastelt hat. Dabei geht er bei den Sinneswahrnehmungen selektiv vor, alles was in sein Konzept passt, wird registriert und interpretiert, alle anderen Dinge werden ausgeblendet und ignoriert. So kann man erklären, warum Menschen oft die offensichtlichsten Dinge nicht bemerken, obwohl sie sich direkt vor ihrer Nase abspielen.
Eine besondere Bestätigung findet der Egoismus darin, seine Mitmenschen und deren Handlungen anhand seiner entworfenen Konzepte zu klassifizieren, zu bewerten, zu kritisieren und mit Vorliebe auch zu verurteilen. Letzteres erhebt ihn über seine Zeitgenossen, die er als fehler- und mangelhaft ansieht, und gibt ihm ein elitäres Gefühl von beinahe allwissender Vollkommenheit, das Gedanken an die eigene Verbesserung oder Modifikation als unnötig ausschließt. Seine diesbezügliche Starrheit und Unbeweglichkeit fußt in seiner Angst vor Veränderung, da er damit unterschwellig die Gefahr seiner Auflösung in Verbindung bringt. Eine aktive Veränderung seiner Strukturen durch das höhere Selbst löst Todesängste und erhebliche Widerstände bei ihm aus!
Eigene Unvollkommenheiten werden vom Egoismus grandios negiert oder verharmlost, nicht zu leugnende Schwächen werden von ihm als Originalität dargestellt. Er liebt es, sich und seine Muster in den ihn umgebenden Menschen gespiegelt zu sehen, auf dieser Basis sucht er sich auch seine Freunde aus. Es gibt ja nichts Schöneres, als sich zum Beispiel mit Gleichgesinnten über scheinbare Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz zu mokieren und gleichzeitig viribus unitis8 den neuen Kollegen, der als Konkurrent betrachtet wird, gnadenlos zu mobben. Der eigene Vorteil wird genauso wie diverseste körperliche und gefühlsmäßige Annehmlichkeiten konsequent gesucht und verwirklicht.
Die Sucht nach Anerkennung und „Liebe“ nimmt beim Egoismus schon beinahe groteske Züge an. Es wird alles unternommen, um in den Genuss dieser essentiellen Zuwendung seiner Mitmenschen zu gelangen. Am effektivsten und auch am naheliegendsten dazu geeignet scheint ihm der Ehepartner zu sein, der diese Annehmlichkeiten vorzugsweise in üppigem Ausmaß ausdrücken solle. Selbst kann er hier schon ein wenig knausrig sein, aber auch nicht zu sehr, denn dann besteht die Gefahr, dass sich der Partner nach neuen Egospiegeln umzusehen beginnt. Um dies zu verhindern, ist natürlich eine gehörige Portion Kontrolle notwendig. Vertrauen ist ja gut, Kontrolle bekanntlich besser (nach Lenin). Letztlich fühlt sich der Egoismus dann in seinem Element, wenn er alles und jeden kontrollieren kann. Kontrollverlust, zum Beispiel durch unvorhergesehene Ereignisse wie etwa Schicksalsschläge, sind für ihn schwer zu verkraften. Auch Kritik ist von ihm nur schwer zu ertragen, er fühlt sich direkt angegriffen und schlägt mit allen Mitteln zurück.
Es gibt nichts Schlimmeres für den Egoismus, als einen ehrlich bemühten Wahrheitsforscher, der systematisch seine Gewohnheiten und Muster beleuchtet und ernsthaft in Frage stellt. Das Versprechen der Wahrheitsforscher nach täglicher Innenschau und daraus abgeleiteter Verhaltensänderung empfindet der Egoismus als lebensbedrohende Kampfansage, der von ihm in Form von Integration entgegengewirkt wird. „Ah, das kenn ich ja schon – alles ein alter Hut“ oder „das habe ich ja eh schon alles umgesetzt“ und ähnliche Aussagen versuchen, die gewonnenen Erkenntnisse an der Oberfläche als reine Information liegen zu lassen und damit zu verhindern, dass substanzielle Veränderungen an der Persönlichkeit vorgenommen werden. Beliebt ist auch die Ablenkungsmasche, indem man mit Arbeit und „wichtigen“ Hobbys nur so überhäuft wird und dadurch kaum Zeit findet, die Tagesaktivitäten tiefergehend zu reflektieren.
Müssen wir unseren Egoismus töten, wie es in manchen spirituellen Lehren gefordert wird? Nein, nicht direkt, wir müssen ihn zunächst als Teil von uns in all seinen Facetten kennenlernen, ihn vorläufig akzeptieren und dann beginnen, ihn sukzessive umzugestalten, also die unerwünschten Persönlichkeitsaspekte durch edlere Eigenschaften zu ersetzen. Wir können ihn nicht töten, da wir in letzter Konsequenz als höheres Selbst auch all diese Unvollkommenheiten sind und in der bewussten Verwandlung derselben unsere Lernaufgabe besteht. Oder wie es der Apostel Johannes ausdrückt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,30).
Um ein Bild zu gebrauchen betrachten wir also unseren Egoismus als großen Drachen in all seinen furchterregenden Merkmalen und beginnen dann, ihn langsam aber konsequent in ein liebes Haustier umzugestalten. Wir werden ihm zuerst seine Krallen ziehen, dann die furchteinflößenden scharfen Zähne. Wir werden ihn so lange auf Diät setzen, bis er eine Größe erreicht, in der er für uns beim Spazierengehen auch bei unerwarteten Ereignissen beherrschbar bleibt. Wir werden ihm, um ihn bei Laune zu halten, manchmal auch bewusst Leckerlis geben oder bei zu starkem Tempo eine Verschnaufpause zugestehen. Letztlich werden wir mit ihm ohne Leine und Beißkorb überall hin unterwegs sein und ihn auch mit Kindern spielen lassen können. Gänzlich unbeaufsichtigt bleibt er aber nie, wir behalten ihn stets im Auge, da wir uns nie sicher sein können, ihn schon in allen Aspekten erkannt zu haben.
Als Wahrheitsforscher können wir auf eine Fülle von Übungen zurückgreifen, die die Strukturen des Egoismus Schritt für Schritt transparent machen und uns die Möglichkeit geben, uns behutsam zu transformieren. Die tägliche Innenschau stellt hier ein besonders probates Mittel dar, uns zeitlich entflochten und ohne zu werten von einer höheren Warte aus zu betrachten, um dann die entsprechenden Änderungen an unserer Persönlichkeit vorzunehmen.
Mit der Zeit schaffen wir es dann, uns auch direkt in Situationen des Fehlverhaltens vom Geschehen zu distanzieren und eine Beobachterposition einzunehmen, die es dem höheren Selbst erlaubt, immer stärker die Schale des Egos zu durchdringen und einzugreifen. Mit zunehmendem Abstand von uns selbst stellen sich dann die ersten Durchbruchserlebnisse ein, wir erkennen, dass wir nicht unsere Alltagspersönlichkeit sind und vor allem unser Egoismus als bewusstseinsvermittelndes Konglomerat eigentlich entbehrlich ist. Wir sind ohne ihn immer noch da und vollständig. Wir legen durch diese Erlebnisse die Angst ab, ohne unser Ego nicht mehr existent zu sein oder uns selbst im unendlich großen, stillen Raum zu verlieren. Genau das Gegenteil ist der Fall, wir sind unserem wahren Wesen erst dann unglaublich nah, wenn wir uns(erem Ego) fern sind.
8 dt.=mit vereinten Kräften (Wappenspruch Kaiser Franz Josephs I. von Österreich und dort immer noch weiten Teilen der Bevölkerung geläufig.)
In den verborgenen Tiefen der Religionen reichen die Mystiker einander die Hände.
(unbekannt)
Menschheit ist kein irdisches, sondern ein kosmisches Phänomen - der ganze Kosmos existiert auf den Menschen hin.
Der Mensch über den Kosmos hinaus.
(Ludwig Kirchhofen)
Menschsein ist mehr ein Ausdruck unserer Herkunft und unserer Aufgabe, als unseres äußeren Erscheinungsbildes und unseres Status' in der grobstofflichen Welt. Menschheit existiert auf Myriaden Welten in vielleicht äußerlich sehr unterschiedlichen Formen. Wenn Gott „uns nach seinem Ebenbild geschaffen“ hat, so wohl weniger in unserem äußeren Erscheinungsbild, als in unserem inneren höchsten Selbst. Aber fragen wir uns einmal, wie denn „Menschsein“ organisatorisch funktioniert und welche Konsequenzen die spirituelle Sichtweise im Detail hat. Wir müssen uns geistig öffnen und auf tiefes Nachdenken einstellen.
Die materialistische Position ist, dass wir als Menschen geboren werden, unterschiedlich lange und angenehm leben und schließlich der Tod eintritt und alles vorbei ist. Die vorherrschende religiöse Auffassung ist, dass bis nach dem Tod alles genauso läuft, wie aus materialistischer Sicht. Danach kommen wir dann in den Himmel oder in die Hölle – oder für einen gewissen Zeitraum ins reinigende Fegefeuer, um dann in den Himmel eingelassen zu werden. Letzteres ist aber eine schon vergleichsweise komplexe Vorstellung. Die Theologie sieht das Ganze noch etwas differenzierter, aber auch im Detail unterschiedlich. Hier kommen noch Aspekte wie das jüngste Gericht und die Wiederauferstehung des Fleisches dazu...
Uns scheinen Vorstellungen, die die Menschen mit nur einer Chance zu ewiger Glückseligkeit oder ewiger Höllenpein verurteilen, zu einfach und auch zu grausam gedacht zu sein. Auch Vorstellungen, die dann im Gegensatz dazu annehmen, dass alle Seelen nach dem Tode belehrt und dann ins Paradies geführt werden, sind unserer Ansicht nach zumindest zu stark vereinfacht dargestellt. Wir bevorzugen das Reinkarnationsmodell – von dem es allerdings auch unterschiedliche Varianten gibt. Modelle, bei denen Inkarnationen als Würmer, Schweine oder Insekten, Höllenbewohner, Götter, Hungergeister und ähnliches für gutes oder schlechtes Verhalten von Menschen vorgesehen sind, erscheinen uns einerseits einem allzu bunten Volksglauben zu entspringen, und andererseits ein Droh- und Kontrollinstrument religiöser Hierarchien zu sein, die mit Reinkarnationsvorstellungen arbeiten.
Wir halten Entwicklung für einen kontinuierlichen Prozess, bei dem allenfalls unterschiedlich schnelle Weiterentwicklung möglich ist; Stagnation9 und Abstieg hingegen nicht. Die äußeren Lebensumstände können aber abhängig vom Verhalten unterschiedlich angenehm und vor allem förderlich sein. Sich gegen Entwicklung zu sträuben, bewirkt immer eine Verschärfung der karmischen Umstände. Demzufolge bewirkt der Eintritt in die aktive Entwicklung eine Verbesserung der karmischen Bedingungen.
Schon aus diesem Sachverhalt leiten wir die Existenz der „Einen Spirituellen Gemeinschaft“ ab. Alles im geistigen Sinne gute Karma führt zu ihr hin. Sie ist das förderlichste denkbare Umfeld für Menschen, die die bewusste Entwicklung zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben und demzufolge muss sie überall verfügbar sein. Nicht nur überall auf dieser Welt, sondern überall im Kosmos wo es „Menschen“ gibt. Dabei ist sie aber keinesfalls kulturell oder formal gleich, nicht global gesehen und noch weniger auf das ganze Universum bezogen. Inhaltlich allerdings schon – wenn wir hier auch besonders im kosmischen Kontext doch von Unterschieden in der Höhe der Verwirklichung ausgehen können. Das bedeutet, dass es Welten und vielleicht auch in früheren Zeiten auf diesem Planeten Regionen mit unterschiedlichem Klassenniveau gibt und gab.
Fakt aber ist: Es gibt nur eine spirituelle Gemeinschaft – die „Eine Spirituelle Gemeinschaft“. Ein althergebrachter Begriff ist der der „Weißen Bruderschaft“. Dummerweise scheint in Zeiten, in denen man zugunsten vordergründiger politischer Korrektheit immer weniger zwischen Genus (grammatischem Geschlecht) und Sexus (biologischem Geschlecht) unterscheidet, „Bruderschaft“ die Schwestern auszuschließen. Um hier die Verwirrung noch einerseits zu erhöhen und andererseits zu beenden sei darauf hingewiesen, dass die „Eine Spirituelle Gemeinschaft“ von Insidern durch eine Fülle anderer Begriffe benannt wird. Es sind Begriffe wie: Das Weiße Mandala, Pax deorum, Des Herzen Herz, Das friedfertige Königreich, Die beharrliche Pflanze, Das Auf- und-davon, Vera icon, Die Aula, Die verborgene Akademie, Der Torweg usw. Verständlich sind diese Begriffe nur für jene, die ohnehin schon wissen, wovon die Rede ist.10 Und genauso ist es ja letztlich mit dem scheinbar so verständlichen Begriff der „Einen Spirituellen Gemeinschaft“11.
Man kann einen entwickelten spirituellen Meister in ein beliebiges Land der Welt verfrachten und er wird dort immer Anschluss an diese Gemeinschaft finden. Er kann aufgrund seiner höheren Wahrnehmung Mitarbeiter und besonders Obere dieser Kreise erkennen, wie Lampen in einem dunklen Wald. In der Welt sind die Mitglieder dieser nicht organisatorischen, sondern ideellen geistigen Gemeinschaft einigermaßen gleichmäßig verteilt. Bruder Laterne sagte dazu, dass man entsprechend der 95%-Regel12 davon ausgehen könne, dass es weltweit etwa 875 000 hoch entwickelte spirituelle Meister gäbe. Echte Lehrer, die selber mit den üblichen Lerninhalten des Klassenraumes Erde nichts mehr zu tun haben. Das ist eine unglaublich hohe Zahl von Leuten, die ein für „normale Menschen“ schwer vorstellbares Entwicklungsniveau haben, denn das, was hier weltweit als „Meister“ und „spirituelle Lehrer“ öffentlich auftritt, hat damit in der Regel wenig gemein. Letztere sind üblicherweise Menschen, die bestenfalls das Klassenziel „Erde“ schon erreicht haben, oder einigermaßen weit auf dem Wege dorthin fortgeschritten sind. Schlimmstenfalls sind es Scharlatane! Oft sind sie einfach hohe Vertreter einer institutionalisierten Religion.
Die 875 000 Hohen sind andererseits nicht nach unseren Maßstäben beschränkt darin, wo sie sich auf halten. Sie könnten durchaus auch hohe Vertreter verschiedener Religionen sein, einfache Mönche, einfache Gläubige. Sie können aber auch außerhalb davon stehen. Rechtsanwälte oder Bauern sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nur selten öffentlich als Hohe in Erscheinung treten. Und auch, dass sie vor allem den auf dem Entwicklungsweg fortgeschritteneren Schülern lehrend und leitend zur Seite stehen. Immer aber bildet sich um sie eine Gruppe von Schülern, die mit ihnen eine gewöhnlich verborgene unsichtbare Zelle der „Einen spirituellen Gemeinschaft“ bilden. Sie unterstützen sich gegenseitig in allen notwendigen Belangen und stärken so nebenbei auch die karmischen Bindungen, die sie immer wieder zusammenführen.
Und um keine Missverständnisse entstehen zu lassen – es gibt keinen einfachen Weg in diese inneren Kreise. Man kann sich nichts erkaufen, erbetteln oder (spaßig übersteigert) erschlafen und erschmeicheln. Nur über tatsächliche, anhaltende, bewusst nach oben offene spirituelle Entwicklung können wir der „Einen Spirituellen Gemeinschaft“ zunächst nahe kommen und schließlich in sie hineinwachsen.
Wir müssen also unterscheiden zwischen (mehr oder weniger) spirituellen Gruppen und der einen, allumfassenden Spirituellen Gemeinschaft, die keine Organisation ist, sondern die übergeordnete Heimat aller wirklich spirituell ausgerichteten Sucher und Wahrheitsforscher. Daskalos sprach davon in gradueller Annäherung als von „inner“, „inmore“ und „inmost Circles“. Diese innersten Kreise waren lokale Gruppen der ESG (oder wie immer man sie nennt) und Daskalos wohl zugänglich. Der Bremer Studienkreis ist ein innerer Kreis, der sich klar für die Arbeit und Entwicklung auf die ESG zu entschieden hat.
Wir sehen die Mehrzahl der Daskalos-Kreise im Wahrheitsforscher-System heute als spirituelle Gruppen, denen eine klare Ausrichtung in dieser Sache fehlt. Trotzdem sind die Kreise im einzelnen wohl durchaus zu schätzen. Es gibt sicher einige wertvolle Menschen in ihnen (freilich ohne die anderen damit als wertlos bezeichnen zu wollen), die wunderbare Beispiele gradueller Verwirklichung geben. Klar ausgerichtet könnten aber wahrscheinlich viele von ihnen deutlich weiter vorankommen. Trotzdem ist der Kontakt zu solchen Menschen erhebend, förderlich und durchaus empfehlenswert.
Eine Trennung zwischen Wahrheitsforscherkreisen und der ESG ist aber in gewisser Weise künstlich. Unterschiede gibt es wohl wie gesagt nur im klaren Ausrichten und in der graduellen Umsetzung. Wichtig scheint uns aber, darauf hinzuweisen, dass es zwischen Bekenntnis und Ausrichtung einen Unterschied gibt. Speziell, wenn man sich zu ultrafernen Zielen wie der Theose bekennt – welche Auswirkungen hat das für die Alltagspersönlichkeit? Dabei gibt es vor der Theose auch noch ein paar Kleinigkeiten umzusetzen. Kindergartenkinder mögen sich zur Habilitation bekennen, aber ausrichten und vorbereiten sollten sie sich auf die Einschulung. Ein vollwertiges Mitglied der ESG zu werden ist lange, lange Arbeit genug. Wir müssen nicht nur bekennen, sondern uns auch konkret fragen, was das bedeutet und das Erkannte auch umsetzen. Und danach müssen wir uns erneut fragen und das dann Erkannte wieder umsetzen. Und so weiter. Tun wir das nicht, können wir uns ganz schnell festfahren. Wir finden etwas und hören auf zu suchen. Das ist Stagnation.
Wir sollen uns aber keinesfalls aus dem täglichen Leben zurückziehen, sondern gerade im alltäglichen Leben unsere Spiritualität entfalten. Ludwig sagte einmal zu einem Schüler: „Ich erlaube Dir zu uns zu kommen, aber das wäre ein Scheitern!“ Die Vorstellung, es irgendwo sonst besser umsetzen zu können ist falsch. Wir nehmen uns selber überall hin mit. Keine Chance uns zu entkommen. Gerade in unserem nächsten Umfeld entfaltet sich unsere karmische Aufgabe und der Ansporn für unser Wachstum.
Über die Jahre haben wir drei bis vier Gruppen kennengelernt, die sich der ESG zurechnen und was dort zu sehen war, grenzt schon ans Phantastische. Wir streben nichts mehr an in dieser Welt, als uns entwicklungsmäßig und karmisch bereit zu machen irgendwo in den Trennungswelten nah oder innerhalb einer solchen Gruppe leben zu können. Am liebsten aber gemeinsam mit den Menschen, die uns schon nah stehen. Dazu arbeiten wir auch an unseren karmischen Verbindungen und Verbindlichkeiten. Wir versuchen, uns einander anzunähern, wo es geht und wie es eben geht. Wir sind überzeugt, dass die Annäherung an die ESG das Höchste ist, das wir gegenwärtig hier tun können. Die größte Garantie für persönliches Wohlsein und das unserer Lieben! Und ein definitives Ende des verbreiteten „Einzelkämpfertums“!
Da die ESG praktisch überall ist, zieht sie auch überall die spirituell Strebenden zu sich heran. Noch – also solange das Wissen um die ESG noch nicht weiter verbreitet ist – ist ein gutes Kriterium, nach dem man auf seiner spirituellen Suche Ausschau halten kann, ob andere Schüler und Lehrer des Weges sich zur ESG bekennen. Theoretisch ist die ESG auch in verschiedenen spirituellen und auch religiösen Organisationen vertreten. So auch in anderen Daskalos-Kreisen. Sie sind vielleicht nicht in der ESG, aber die ESG ist möglicherweise in ihnen.
Die innere Sehnsucht der Menschen nach der ESG ist allerdings weit verbreitet. Gerade diese Sehnsucht, dieses innere Wissen könnte man fast sagen, ist die Grundlage vieler Sekten und Gruppen – die aber oft in erschreckendem Maße alles pervertieren, wofür die ESG steht!
Du fragst Dich vielleicht: „Kommt die ESG bei Erreichen eines gewissen Entwicklungsgrades auf uns zu oder müssen wir hier aktiv werden und versuchen, Kontakt zu bekommen?“ Sowohl als auch. Und das eine ist das andere. Durch die „Geschicktheit der Mittel“ kommt die ESG die ganze Zeit auf Dich zu. Du wirst sie nur nicht unbedingt erkennen. Du kennst den Satz: „Wenn der Schüler bereit ist, ist der Meister schon da!“ Die ESG ist der eigentliche Kern aller geoffenbarten Spiritualität. Selbst auf niedrigen Stufen der Entwicklung werden wir durch die ESG geschult. Die einfache, natürliche, praktisch durch den Karmaprozess vorbestimmte Annäherung an die ESG kann von unserer Seite dadurch deutlich beschleunigt werden, dass wir aktiv unsere Entwicklung angehen, uns klar ausrichten und eben auch zum Beispiel die Zufluchtsformeln als machtvolle Elementale verwenden. Darin liegt unsere Möglichkeit aktiv zu versuchen, Kontakt zu bekommen.
Bezüglich der Aufmerksamkeit der Meister verweisen wir hier auf das Kapitel „Missverständnisse über spirituelle Meister“ aus den Kreisgedanken. Natürlich sind wir im weitschweifenden Überblick der Meister abgebildet, aber gewöhnlich herrscht wohl eine klare hierarchische Arbeitsteilung vor. Es kommt aber manchmal auch dazu, dass Hohe exponiert werden. Das wurde ja auch von Daskalos behauptet. Er hat sich demzufolge nicht gerne der Öffentlichkeit ausgesetzt. Ludwig hingegen ist deutlich ein verborgener Meister.
Wir können die Hohen eigentlich nicht erkennen. Sie uns schon! Wir stellen uns die geistige Hierarchie immer wie verschieden hohe Tische vor, auf deren Oberflächen diverse Dinge liegen. Die höheren Tische können natürlich von ihrer Oberfläche aus leicht nach unten schauen und genau sehen, was die kleineren Tische auf ihren Oberflächen liegen haben. Nach oben gesehen funktioniert das logischerweise nicht. Wir sehen nur, was die hohen Tische ganz am Rand abstellen – uns also sehen lassen wollen. Damit können sie sich sowohl offenbaren, als auch tarnen. Das liegt in ihrem Ermessen und kann von uns nicht erzwungen oder durchschaut werden.
