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Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. »Es langt mir!« sagt Archer Widdow schnaufend und wischt sich den Schweiß von der Stirn. »Dieser verdammte Krieg!« Das sagt der Staffsergeant und Quartermaster Archer Widdow mit grimmiger Entschlossenheit. Und wer Archer kennt, der weiß, daß der breitbrüstige und fäusteschwingende Staffsergeant auch nichts anderes meint. Sie liegen geduckt hinter einem Erdwall. Über sie hinweg orgeln die Granaten aus Mister Grants Batterien, aber daran haben sie sich gewöhnt – alle. Es ist zulange her, und der Krieg wurde immer schrecklicher. Es gibt keinen Schrecken mehr… Es gibt nur noch Furcht. Furcht davor, in den letzten Tagen dieses verdammten Bruderkrieges eine Kugel einzufangen oder von einem Schrapnell zerrissen zu werden. Jetzt liegen sie still. Sieben Männer. Ein Captain, ein Leutnant, zwei Sergeanten, davon einer ein Staffsergeant. Und dann sind da noch drei Corporals. Sie sind der Rest, der schöne und übriggebliebene Rest der siebenten Schwadron der Texanian-Lancers, der Lanzenreiter. Und sie sind Südstaatler. Das sagt alles und nichts. »Halt deinen Rand, Archer!« murmelt Captain Wayne Slocum heiser und wischt sich Dreck und Pulverschleim aus dem Gesicht. »Was willst du Narr denn noch haben?
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Seitenzahl: 152
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Es langt mir!« sagt Archer Widdow schnaufend und wischt sich den Schweiß von der Stirn. »Dieser verdammte Krieg!«
Das sagt der Staffsergeant und Quartermaster Archer Widdow mit grimmiger Entschlossenheit. Und wer Archer kennt, der weiß, daß der breitbrüstige und fäusteschwingende Staffsergeant auch nichts anderes meint.
Sie liegen geduckt hinter einem Erdwall. Über sie hinweg orgeln die Granaten aus Mister Grants Batterien, aber daran haben sie sich gewöhnt – alle. Es ist zulange her, und der Krieg wurde immer schrecklicher. Es gibt keinen Schrecken mehr… Es gibt nur noch Furcht. Furcht davor, in den letzten Tagen dieses verdammten Bruderkrieges eine Kugel einzufangen oder von einem Schrapnell zerrissen zu werden. Jetzt liegen sie still. Sieben Männer. Ein Captain, ein Leutnant, zwei Sergeanten, davon einer ein Staffsergeant. Und dann sind da noch drei Corporals. Sie sind der Rest, der schöne und übriggebliebene Rest der siebenten Schwadron der Texanian-Lancers, der Lanzenreiter.
Und sie sind Südstaatler. Das sagt alles und nichts.
»Halt deinen Rand, Archer!« murmelt Captain Wayne Slocum heiser und wischt sich Dreck und Pulverschleim aus dem Gesicht. »Was willst du Narr denn noch haben? Willst du eine Kugel bekommen, oder willst du ins Prison der Blauen einziehen, heh? Halte deine Klappe, noch bestimme ich!«
Der Leutnant Ezzard Bluestream sieht auf seinen Captain und sagt gar nichts. Er liegt nur still, dieser Junge, der noch nicht lange bei ihnen ist. Ein Jahr ist er hier, und er ist schrecklich jung. Ganze neunzehn Jahre. Und er ist doch schon Leutnant.
Jetzt sieht er den Captain an. Er sieht das harte Gesicht, die leicht schrägen Augen und den schmalen Mund. Er starrt auf die blauen Augen und beißt die Zähne zusammen. Und er liebt seinen Captain, wie ein guter Mann den anderen lieben kann. Allein um seiner Art und seines Mutes willen liebt der Leutnant Wayne Slocum, über den es viele Geschichten gibt. So viele Geschichten wie Löcher in Wayne Slocums großem und hartmuskeligem Körper.
»Hör gut zu, Wayne!« sagt Archer fauchend und richtet sich auf den Knien hoch. »Hundertzwanzig waren wir! Jetzt sind wir noch sieben! Wir sind durch die Linien der Blauen gekommen. Ich habe genug von diesem verdammten, blutigen Krieg! Ich bin seit dem ersten Tag dabei, ich habe Löcher, ich bin kein Mensch mehr, ich bin nur eine Maschine, die schießt und mit dem Säbel anderen Leuten Wunden beibringt. Willst du mir jetzt sagen, was wir hier sollen? Ich mache alles mit, aber da ist mein Pferd. Du kannst mich von hinten besehen! Nicht weit von hier bin ich zu Hause. Ich türme!«
»Du desertierst?« fragt Wayne ganz ruhig, und der Leutnant zuckt heftig zusammen, denn die Ruhe verspricht Sturm.
Die anderen liegen still. Sie hören die Kälte in Wayne Slocums Stimme und sehen das Gesicht des Staffsergeanten rot anlaufen.
»Genau!« knurrt Widdow grimmig. »Der Krieg ist bald vorbei! Keine drei Tage mehr… Ich haue ab!«
Und als er das sagt, macht er es auch schon wahr. Über ihn orgeln die Granaten hinweg, als er aufsteht und losläuft. Es kommt sehr schnell, zu schnell, denn niemand rechnet im Ernst damit, daß Archer so blödsinnig ist und es Wayne Slocum antun könnte. Und doch macht er es.
Der Staffsergeant rennt durch die Gasse zwischen dem rechten und linken Erdwall. Und die Männer starren ihm erschrocken nach.
Und da kommt ihr Captain hoch. Er ist ein Captain ohne Schwadron, aber das tut nichts in diesem Augenblick. Es macht nichts, daß Archer ihm zweimal und er Archer wahrscheinlich dreimal den Hals vor Blaujacken rettete. Dies alles spielt keine Rolle mehr.
Wayne Slocum ist hoch und läuft geduckt durch die Mulde. Er macht sechs Schritte, und dann springt er. Es ist ein Satz. Sein Körper schießt langgestreckt nach vorn, und seine Hände greifen zu. Sie krallen sich in Archer Widdows Uniformrock, und der Anprall des nachschießenden Körpers schleudert Archer Widdow gegen die rechte Wand des Durchlasses in der verlassenen Batteriestellung einer Südstaateneinheit.
»Nicht so eilig, Bruder!« sagt Wayne kalt. »Du bleibst hier!«
Er kommt auf Archers breitem Rücken zu liegen, aber er müßte Archer eigentlich nun kennen. Archer Widdow denkt gar nicht daran, sich aufhalten zu lassen.
Archer macht den Rücken krumm. Es ist ein herrlich breiter Rücken, und seine Beine sind mächtig dick. Er ist ein kleiner Goliath, der Staffsergeant Widdow. Und zudem ist er jetzt auch noch wütend. Sein Kreuz ist ein Katzenbuckel, so schön krumm macht er es. Darum fliegt auch sein Captain von ihm herunter und landet in einem Flechtkorb, in dem sonst runde Kanonenkugeln gesteckt haben. Niemand der anderen fünf Männer hat jemals einen Mann so genau in einen Korb sausen sehen. Es ist fast spaßig anzusehen, wie der Captain mit den Beinen in der Luft rudert und dann samt Korb umkippt.
Der Staffsergeant schlägt dem hochkommenden Captain den Korb so gewaltig über die Schultern, daß Wayne in ihm steckt wie ein Affe in einem Käfig.
Der Staffsergeant grinst schief und dreht sich wieder um. Er hat eine Menge Spaß, denn Wayne kommt so schnell nicht wieder aus dem Korb heraus, und das weiß Archer ganz gut.
Archer rennt weiter. Er macht genau drei Schritte, als Wayne, der durch das Flechtwerk sehen kann, den Kopf vorstreckt und mit aller Gewalt vorwärts rennt. Er rast seinem Staffsergeant haargenau in das Kreuz. Archer fliegt vornüber und landet mit dem Kopf genau zwischen zwei Speichen eines alten Wagenrades. Hinter ihm fliegt der Korb weg. Der Captain hat die Hände frei und springt über Archer weg. Er bückt sich blitzschnell und hebt das Rad an. Dann schiebt er es nach hinten, und die verengenden Speichen klemmen dem wütend gurgelnden Archer den Hals ein.
»Mistding!« flucht Archer wild und will das Rad herunterreißen. »Nimm es herunter, sage ich dir! Ich bin doch kein… oah!«
Er sieht in die kalten blauen Augen Wayne Slocums und sieht Zorn und einen Funken Humor in ihnen. Das liegt bei Wayne immer dicht zusammen. Und er sieht weiter Wayne Slocums Faust kommen. Die Faust kommt und trifft Archer Widdow mitten in seinen gepflegten Bauch.
»Ich werde dir zeigen, wie viele Gedanken du in deinem Borstenschädel haben kannst, solange ich hier bestimme!« sagt Wayne grimmig.
Archer Widdow sinkt ein. Er krümmt sich zusammen, als der wilde Schlag in seinem Bauch landet und nimmt dem Hieb etwas von seiner Wirksamkeit. Dabei zerrt er wie wahnsinnig am Rad und versucht, es abzustreifen. Er schafft es auch, und das schwere Rad fliegt auf den Boden.
»Niemand verprügelt mich!« sagt Archer keuchend. »Auch du nicht, Captain! Paß mal auf, wie sehr ich es nicht leiden kann, wenn man mich in den Bauch schlägt!«
Und nun holt er aus! Archer sieht triumphierend seiner Faust nach, und dann verändert sich sein Gesicht jäh. Es ist Schreck in seinen Augen, denn die Faust schießt knapp über Waynes Hut hinweg und macht ein schönes Loch in die Luft. Dafür kracht ihm Wayne Slocums zweiter Schwinger in den Magen, und den Schlag kann er nicht verpuffen lassen.
»Ich will weg!« knirscht Archer fast heulend. »Ich habe die Schnauze voll. Du hältst mich nicht auf, Wayne!«
»Nein?« fragt Wayne Slocum freundlich. »Halte ich dich nicht auf, Dicker? Vielleicht genügt das!«
Archer Widdow läßt sich fallen. Er sieht die Faust Waynes wie einen Hammer herunterkommen und will weg. Er schafft es nur nicht mehr, denn die Faust ist schneller. Sie landet mitten auf seinen Borsten und donnert auf den Kopf. Archer Widdow taumelt nach vorn und macht wieder einen kleinen Schritt nach hinten. Er schüttelt seinen Kopf und stülpt die Lippen auf. Und dann knallt ihm ein Hochzieher unter das Kinn, und Archer fällt über den Korb. Er preßt ihn mit seinem Gewicht zusammen und macht ihn platt, daß die Flechtstangen brechen. Dann rollt er nach der linken Seite um, und sein Gesicht berührt den zertrampelten Boden der verlorenen Batteriestellung.
Wayne bückt sich und packt Archers Kragen.
Er geht langbeinig mit dem dicken Archer hinter sich auf den Wall zu und läßt Widdow fallen. Dann hockt er sich hin und blickt Duncan Randys an.
»Captain, wie groß ist unsere Chance?« fragt Randys heiser. »Du mußt es wissen, denn von uns weiß es keiner!«
»Niemand weiß es, auch ich nicht!« erwidert Wayne langsam und kauert sich auf die Hacken nieder. »Es liegt ganz bei uns! Gut, es dunkelt jetzt, wir reiten bald, Freunde. Du hältst dich genau hinter mir, Ezzard! Vielleicht haben wir Glück!«
Er nimmt seine Feldflasche vom Gurt und hält sie offen über seinen Staffsergeanten. Das Wasser läuft aus und platscht Archer Widdow auf das Gesicht.
Archer Widdow bewegt sich und macht langsam die Augen auf. Er blickt in die Revolvermündung Wayne Slocurns, die auf seinen Kopf zeigt.
»Paß gut auf, Bruder!« sagt Wayne, und seine Stimme ist so sanft wie der Morgenwind. »Du wirst friedlich sein und mit uns reiten. Du wirst nicht weglaufen und deinen Kopf durchsetzen wollen. Ich weiß etwas! Und das wird nicht schlecht sein! Du warst fünf Minuten ein Narr, Archer! Jetzt wirst du vernünftig sein! Hast du begriffen?«
»Ich sehe deinen Revolver!« erwidert Widdow bitter und schließt die Augen. »Das begreife ich genau! Er sagt mir, ein wie großer Narr ich war! Du weißt doch selber, daß es keinen Sinn mehr hat, den Helden spielen zu wollen! Was machst du also mit dem Revolver? Willst du vielleicht Krieg auf eigene Faust führen, Wayne?«
»Nicht auf die Art, wie du sie dir denkst!« sagt Wayne Slocum kehlig. »Ich war lange genug in Chicago. Ich kann wie ein Yankee reden. Und du solltest etwas mehr Vertrauen haben, daß ich immer das Richtige mache! Manchmal ist es traurig, wenn die besten Freunde kein Vertrauen haben!«
»Mach mich bloß nicht mit Worten fertig, und steck die Kanone ein!« knurrt Archer wütend. »Was hast du vor? Rede jetzt endlich vernünftig!«
»Wir sind nicht weit von Whitesboro und werden dort einen kleinen Besuch machen!« dehnt Wayne. »Wenn wir damit fertig sind, wird uns kein Mensch mehr sehen, der uns gefährlich werden kann. Ich bin nicht sicher, ob wir das treffen, was ich zu finden hoffe, aber ich habe die Idee, daß es so sein muß.«
Über die Mulde kriechen die Schatten der Dämmerung, und Jesse Border holt zwei Decken von den Pferden. Archer sieht zu, wie Wayne sie in Streifen schneidet und jedem Mann vier Streifen zuwirft.
»Bindet sie um die Hufe der Pferde!« sagt Wayne Slocum ruhig und geht los. »Wir müssen ziemlich leise sein, denke ich!«
Und dann sitzt er auf. Er sieht über den Rand der Mulde hinweg, über die keine Geschosse mehr orgeln und reitet an. Seine Sechs Männer sind hinter ihm. Sie kommen durch einen ausgetrockneten Creek und sehen im Süden den Feuerschein am Himmel.
»Sycamore brennt!« sagt Wayne knapp. »Sie sind eingeschlossen und werden sich morgen ergeben müssen.«
Er zieht die Augenbrauen zusammen und schweigt verbissen. Sie reiten den Clear Creek weiter, bis sie auf das Wasser stoßen, das sich in den tieferen Mulden des Creeks gehalten hat. Und sie reiten langsam. Wayne Slocum reitet nach einigen leisen Worten vor und hält unterhalb eines Hügelkammes. Er wirft einen Blick nach Norden und sieht die Feuer.
»Rechts weiter!« sagt er heiser, als seine Männer bei ihm sind. »Sie lagern bei Collinsville und Dorchester. Hoffentlich sind vor uns keine Streifen der Nordarmee. Wir müssen hier durch, wenn wir es überhaupt schaffen wollen. Dort sind Bäume, reitet auf sie zu, wenn ich nach drei Minuten nicht wieder zum Vorschein gekommen bin.«
Er sieht sie ruhig an und reitet im Schritt auf die Bäume zu. Wayne Slocum greift nach seinem Reitercolt und sieht die Schatten tief und drohend zwischen den Bäumen nisten. Er reitet mitten in die dunkle Ungewißheit hinein und sieht den lichten Sandstreifen eines Weges schimmern. Zugleich raschelt es rechts von ihm, und das Blinken eines Gewehrlaufes sagt ihm genug. Dann kommt eine tiefe und bellende Stimme auf.
»Wer ist da? Halte an, die Parole!«
»Major Tom Collins!« erwidert Wayne unerschrocken. Und niemand würde hören, daß er aus dem tiefen Süden stammt.
»Die Parole!« sagt der Mann unter den Baumzweigen scharf und bellend. »Collins, ist das der von der siebten Schwadron?«
Er fragt anscheinend über seine Schulter hinweg, und da sagt auch schon hinter ihm eine Stimme: »Bill, laß den Burschen aus den Zweigen reiten! Ich kenne keinen Collins!«
Wayne Slocum knallt einmal seine Hacken in die Flanken des Pferdes, und der schwere Gaul springt an. Er bricht genau in die Zweige ein, an denen der erste Reiter stehen muß. Dann sieht Wayne den Karabiner, und seine Hand schlägt herunter. Zugleich stößt er den Karabiner nach hinten und lenkt das Pferd nur noch mit den Hacken. Wayne trifft den Oberarm des Postens der Nordarmee, und sein Pferd prallt von vorn an die Brust des Postenpferdes. Waynes Revolver saust von oben nach unten und trifft den auf den Pferdehals rutschenden Mann im Nacken. Er sieht nicht nach dem fallenden Posten, sondern blickt schon nach dem zweiten, dessen bleiches Gesicht sich vom kräftigen Grün der Blätter abhebt. Der Mann hat einen Karabiner im Scabbard stecken und greift hastig zu. Er ist scheinbar zu überrascht, um zu rufen. Aber er sieht den Revolver in der Hand Waynes und erstarrt.
»Keinen Laut!« sagt Wayne zischend, und sein Revolverhahn knackt metallisch. »Sitz still, und nimm die Hände hoch, Mister!«
Der Mann hockt reglos im Sattel und hebt zögernd seine Hände. Er hat sie in Schulterhöhe, und Wayne überlegt gerade, wie er den Posten überwältigen soll, als es hinter dem Yankee leise raschelt und das breitflächige Gesicht Archer Widdows aus der Dunkelheit auftaucht.
»Du sitzt viel zu hoch, Mister!« sagt der Staffsergeant grinsend und hebt seinen Revolver hinter dem Posten an. »Auf dem Boden machst du dich viel besser!«
Und als er das gesagt hat, saust sein Reitercolt herunter, und der Hut des Postens hat eine Beule. Die breite Hand des Staffsergeanten greift zu und fängt den Sturz des Postens auf.
»Ich habe gesagt, ihr solltet drei Minuten warten!« sagt Wayne Slocum grimmig. »Hörst du neuerdings schlecht, Staff?«
»Ganz schlecht!« bestätigt Widdow ungerührt. »Was fangen wir mit den Burschen an?«
»Hole die anderen!« sagt Wayne trockenhalsig. »Ich warte hier auf euch!« Er betrachtet forschend den einen der Posten und nimmt das gelbe Halstuch, das die meisten der Nordstaatler tragen, ab. Mit diesem Tuch knebelt er den schlafenden Posten und macht sich daran, dem Mann die Jacke auszuziehen. Er ist gerade fertig und will an die Hosen des Postens, als er hinter sich die nervöse Stimme des Leutnants vernimmt: »Was willst du mit den Blaujungen, Wayne?«
»Anziehen!« brummt Wayne Slocum, und der Leutnant fällt fast vom Pferd. »Dachtest du, ich würde sie als Fußlappen benutzen?«
»Genial!« stottert Dan Elliot, der Stotterer, hinter ihm. »D – d – du bi – bist er – ein Ge – Ge – nie, Cap – Captain! D – das i – ist er – ein Sp – Sp …«
»Spaß!« unterbricht ihn Archer Widdow. »Hole Luft, ehe du sprichst, dann geht es! Wie du Sergeant geworden bist, mag der Teufel wissen!«
Er dreht sich wieselflink um und sieht sich die Uniform des anderen Postens an.
»Bißchen eng, was?« sagt er heiser. »Der Kleine hier ist ein wenig schwach auf der Brust gewesen! Na, dann muß ich die Luft anhalten… Was denn, Wayne?«
Der Staffsergeant steigt in die neuen Hosen.
»Teufel, die kneifen zwischen den Beinen! Jetzt geht es prächtig, ich binde einen Faden vorn an den Schlitz und trage sie in den Kniekehlen. Fällt gar nicht auf, wenn ich die Jacke erst angezogen habe, was?«
Er lacht glucksend und streicht sich den Bart. Und dann sind sie fertig. Zwei Posten liegen über ihren Pferden und sind geknebelt und haben die Augen verbunden bekommen. Sie sehen nichts, sie hören nur das leise Gekicher Archer Widdows, und der Stotterer sagt augenzwinkernd: »Wie ein… General! Wirklich!«
»Ich sag ja, du sollst Luft holen!« grient der Staffsergeant breit. »Siehst du, wenn man Puste hat, geht alles. Du, Captain, du bist jetzt bloß Corporal. Was machen wir nun?«
»Ihr verschwindet in den Büschen!« sagt Wayne knapp. »Haltet euch ruhig, da vorn kommt jemand über den Weg! Wenn mich nicht alles täuscht, ist das nur ein Reiter. Archer, du bleibst bei mir, rede nicht, laß mich es tun!«
Sie horchen alle nach Süden und vernehmen das Hufgetrappel deutlich. Wayne und Archer starren beide auf die Wegecke und sehen zuerst das Pferd und dann den Reiter. Der Mann trägt den blauen Dreiviertelrock mit den vierzehn Goldknöpfen vorn an der Brust in Zweierreihe. Auf den Schultern leuchtet das Gold der Majorsklappen mit dem mattblauen Mittelfeld und dem einen Stern.
Sie sehen ihn immer deutlicher und erkennen alle Einzelheiten, je näher der Major kommt.
»Alle guten Geister!« sagt Archer in den Hufschlag hinein, der seine Worte keine drei Yards weit trägt. »Von der sechsten Schwadron Kearnys. Es ist sein Adjutant!«
»Das sehe ich selbst!« knurrt Wayne zurück. »Halte den Mund!«
Der Major kommt schnell näher. Er reitet unter dem Dach der Baumkronen durch.
Er ahnt nichts, der Major Phil Matthews. Er ahnt gar nichts. Und dann ruft jemand scharf unter den Büschen: »Stop! Parole!«
»Graham, Sie Trottel!« sagt der Major bellend. »Sie sind wohl verrückt, was? Mann, lassen Sie den Unsinn, Sie sehen mich doch genau! Zum Teufel, ich werde…«
»Parole, Sir?« sagt der angebliche Graham genauso bellend aus dem Dunkel unter den Zweigen. »Ob Sie es sind oder der Präsident persönlich… Parole?!«
»Gut!« knurrt der Major wütend. »Shreveport! Aber jetzt kommen Sie da heraus, Graham! Ich werde Sie lehren, mit dem Karabiner auf mich zu zielen!«
»Corporal Graham auf Posten vier! Auf Posten keine besonderen Vorkommnisse, Sir! Ich darf meinen Posten nicht verlassen. Artikel neunzehn des Postenreglements von 1777, Sir!«
»Oaah!« gurgelt der Major wütend und läuft rot an. »Mann, das ist ein Befehl! Ich werde Ihnen…«
Er treibt sein Pferd jäh an, und der Gaul springt vorwärts. Er springt genau auf den erhobenen Karabinerkolben Wayne Slocums zu. Das Pferd springt unter dem Kolben durch und der Major glaubt an einen Ast, der plötzlich vor seinem Kopf auftaucht. Daß es kein Ast sein kann, merkt er nicht mehr. Es donnert nur mächtig in seinem Kopf, und dann fällt der Major Phil Matthews Archer Widdow in die Arme.
»Ei, er, er!« sagt der Staffsergeant treuherzig. »Wayne, hat sich dieser Mister aber den Kopf gestoßen, was? Ja, ja, wer reitet auch nachts durch den finsteren Wald?«
