Kreuz und Quer - Siggi Sawall - E-Book

Kreuz und Quer E-Book

Siggi Sawall

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Beschreibung

Der Autor berichtet von seinen abenteuerlichen Touren, kreuz und quer, von Nahost (Vorderasien) bis nach Afghanistan am Hindukusch. Sie führen ihn durch ein Geflecht von unterschiedlichen Glaubensrichtungen, gesellschaftlichen Ansichten, Sitten und Gebräuchen. Erleben Sie in seinen Schilderungen Teile der Welt, die heute nicht mehr oder nur noch unter großen Risiken zu bereisen sind. Sehen Sie die Welt mit den Augen eines langjährigen Weltenbummlers, der schon fast überall auf der Welt war und auch die Menschen aus den entlegensten Winkeln der Erde kennen und schätzen gelernt hat.

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Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Saudi Arabien

Gebetsraum im Flugzeug der Saudi Arabian Airlines

Warum liegt die Hauptstadt Riad in der Wüste?

Weltweit das einzige Land, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen

Strikte Trennung von Mann und Frau

Heiratsmodalitäten / Zwangsheirat

Übernachtungsmodalitäten für Frauen in Hotels

Frauen, die vergewaltigt wurden, werden bestraft

Frauen und Hexerei

Frauensport ist verpönt

Strikte Trennung von Frau und Mann - auch im Fußballstadion

Besuch in einer Arztpraxis

Stolze Kamele

„Kleines Lexikon“

Grundsätze des Islam als Religion und Staatsordnung

Gemeinsamkeiten in der Lehre von Islam und Christentum

Flug in die Ölregion Dhahran

Was wäre Saudi-Arabien ohne Öl?

Gebirgsregion Nadschran in der Nähe der jemenitischen Grenze

Affenliebe - nicht nur auf dem Zaun

„Kuckuckskinder“ in Affenfamilien

Sitten und Gebräuche beim Essen

Mekka und Medina

Ramadan - das Fest der Entbehrungen

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)

Emirat Abu Dhabi und Kamelrennen

Emirat Dubai

Palmeninsel

Fische im Hotel „Atlantis The Palm“

Skilaufen in der Wüste

Burj al Arab - das „Segeltuch-Hotel“

Burj Khalifa - höher geht es (zurzeit) nicht

Oman

Besuch der Exklave Musandam an der „Straße von Hormus“

Jemen

Rückkehr nach Hodeidah

Sanaa - der Legende nach die älteste Stadt der Welt

Kath - eine Volksdroge

Die Idee einer Hochzeitsreise durch den Jemen

Durch die Wüste „Rub al-Chali“ von Sanaa über Ma‘rib nach Schibam

Fahrt in die 40.000 Einwohner zählende Stadt Sayun

Rückflug nach Sanaa

Israel und Palästina

Heiligabend und Weihnachten in Nazareth

Erster Weihnachtsfeiertag am See Genezareth

Mehrtägiger Aufenthalt in einem Kibbuz

Neue Lebensformen entstanden im Kibbuz

Der Mensch im Kibbuz

Israelisches oder palästinisches Gebiet?

Das alte Jericho im Palästinenser-Gebiet

Bethlehem

Was würde Jesus heute machen?

Zu den Golan-Höhen

Aufenthalt am Toten Meer

Das Tote Meer als Heilquelle gegen Hauterkrankungen

In der Einöde der Wüste

Wuppertals israelische Partnerstadt: Beer Sheva

Israel hat ein Bevölkerungsproblem

Wir erreichen Eilat

Jerusalem

Wer ist ein typischer Jude?

Der Kampf um die Vorhaut

Jerusalem, das religiöse Zentrum

Synagogenbesuch in der Altstadt von Jerusalem

Von der Synagoge gelangen wir auf den Tempelberg

Die Ultra-Orthodoxen

Gedenkstätte „Yad Vashem“

Libanon

Baalbek

Syrien

Abflug von Frankfurt/M. nach Aleppo in Syrien

Hama

Deir ez-Zor

Palmyra

Von Palmyra nach Damaskus

Jordanien - Zwischenstation für eine abenteuerliche Wüstentour bis nach Bagdad (Irak)

Fahrt durch Amman

Irak - AIDS-Untersuchung mitten in der Wüste

Bagdad frühmorgens - wie ich es erlebe

Samarra

Kirkuk

Mossul

Iran (Persien)

Landeanflug auf Teheran

Islamisches Recht im Iran

„Zeitehe“ - eine praktikable Lösung?

Auge um Auge - Zahn um Zahn

Von Teheran nach Maschhad

Afghanistan

Herat

Auf dem Weg zur Oase Farah

Kandahar

Ghazni

Kabul, die Hauptstadt Afghanistans, ist unser nächstes Ziel

Bamiyan-Tal mit alten Buddha-Statuen

Zu den Seen von Band-e-Amir

Dschalalabad - das Tor zum Khyber-Pass

Resümee und Schlussbetrachtung

Vorwort

Bei dem Buch handelt es sich nicht um eine politische Abhandlung.

Vielmehr begibt sich der Leser auf abenteuerliche Touren „kreuz und quer“, von Nahost (Vorderasien) bis zum Hindukusch (Afghanistan) - in ein Geflecht (auch in sich) unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Kulturen, gesellschaftlicher Ansichten, Sitten und Gebräuche.

Spricht man von Arabien, denkt man gleichzeitig an den Orient (Morgenland).

Zum Orient zählt man auch die nordafrikanischen Staaten, obwohl sie geographisch nicht zu Arabien gehören!

Die in Nordafrika lebenden Menschen sind meist mit den Arabern verwandt, islamischen Glaubens, und sprechen Arabisch.

Im Gegensatz zum Orient steht der Okzident, der zum westlichen Kulturkreis gehört (z.B. Europa, usw.).

Arabien ist so groß wie ein Kontinent.

Allein die Arabische Halbinsel entspricht vergleichsweise der Entfernung von Schweden bis hin nach Sizilien.

Am Hindukusch, einem Gebirgszug im nordöstlichen afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, endet das Abenteuer im Bemühen, Sitten und Gebräuche, Religionen und Kulturen zu erleben und zu begreifen.

Saudi Arabien

Flughafen Frankfurt/Main.

Am Eincheckschalter der „Saudi Arabian Airlines“ erscheinen auffallend viele Fluggäste in traditionell saudischer Kleidung.

Tief verschleierte Frauen betrachten die Welt durch einen Sehschlitz und sind von der Fußspitze bis zum Kopf vollkommen eingehüllt.

Doch bei der Passkontrolle lüften sie ihren Gesichtsschleier. Nach den internationalen Vorschriften wird jeder Fluggast genau identifiziert.

Sie werden von ihren Ehemännern begleitet, denn ohne sie hätten sie nicht Saudi-Arabien verlassen dürfen.

Gebetsraum im Flugzeug der Saudi Arabian Airlines

Für gläubige Moslems befindet sich im hinteren Teil des Fliegers der „Saudi Arabian Airlines“ ein Gebetsraum.

An seiner Stirnseite befindet sich ein rechteckiger Kasten, in dem eine Magnettafel mit großem Zeiger deutlich in Richtung Mekka zeigt.

Gebetsraum im Flugzeug der „Saudi Arabian Airlines“

Außerdem befindet sich an der Stirnseite der Gebetsteppich. Mekka ist der heiligste Ort der Moslems.

Die Anzeige in Richtung Mekka geschieht unabhängig vom Flugverlauf, der ausschließlich nach nautischen Gesichtspunkten erfolgt.

Vor dem Gebetsraum sitzen im Block die verschleierten Frauen mit ihren Ehemännern.

In der Mitte des Flugzeugs sitzt eine islamische Pilgergruppe aus Köln.

Sie besuchen die heiligen islamischen Stätten Mekka und Medina.

In Medina ist der Prophet Mohammed verstorben und die islamische Glaubensbewegung entstanden.

Neben mir im Flugzeug sitzt ein rundlicher Saudi in weißem Gewand und mit einem rot-weißen Tuch auf dem Kopf.

Kaum dass er sitzt, da schläft er auch schon und schnarcht lautstark.

Das Röhren und Pfeifen hört erst auf, als er erwacht.

Sofort spricht er mich an und fragt, woher ich komme und ob ich in Saudi-Arabien berufstätig sei.

Er bedauert, dass in Deutschland so „oberflächlich“ gelebt werde und kritisiert, dass mit dem Wort „Islam“ vor allem die „Vielweiberei“ und Unterdrückung der arabischen Frauen verstanden werde, als würde man sie „unter Verschluss“ halten.

Am Himmel ziehen die ersten Wölkchen auf und die Sonnenstrahlen werden schwächer. Die Sonne „verblasst“ und geht unter.

Der Himmel verfärbt sich in ein Mosaik gelblich-rosaroter Streifen.

Es wird dunkel, Himmel und Erde verschmelzen. Nur das aufblitzende Licht am Ende der Tragfläche ist noch zu sehen.

Nach fünf Stunden und zehn Minuten Flugzeit landet die Maschine sicher in der Hafenstadt Jeddah am Roten Meer.

Für den Weiterflug zur Hauptstadt Riad müssen wir uns auschecken und wieder neu einchecken.

Pass- und Zollkontrolle. Die Einfuhr von alkoholischen Getränken ist verboten, denn im Land herrscht ein absolutes Alkoholverbot.

Auch die Einfuhr pornografischer Hefte ist nicht erlaubt.

Der Weiterflug zur Hauptstadt erfolgt um 23.00 Uhr.

Wie üblich stellt sich der Flugkapitän über das Mikrofon vor und wünscht einen guten Flug.

Dann spricht er in Arabisch ein Gebet, das mir mein neuer Sitznachbar übersetzt.

Der Flugkapitän betet zu Allah, dass der Flug unfallfrei verlaufen und das Flugzeug nicht abstürzen solle.

Ob er vergessen hat, sein Mikrofon abzuschalten? Jedenfalls kein Gebet für schwache Nerven!

Es erfolgt die Durchsage, dass die Handys während des Fluges ausgeschaltet bleiben müssen. Wer dagegen verstößt, wird mit 100 Peitschenhieben bestraft.

Seit 2013 muss bei einigen Fluggesellschaften das Handy nicht mehr ausgeschaltet werden.

Das wird in Zukunft in 10.000 Meter Höhe wie auf einem Jahrmarkt zugehen, wenn man sich den Speisezettel eines Fremden für das Wochenende anhören muss. Wer will schon wissen, wie dieser aussehen soll?

Die Saudis sehen die technischen Errungenschaften zwiespältig. Sie fürchten zum Beispiel, dass das Internet eine Infiltration schlechter Moral ist. Die staatlichen Stellen in dem konservativen Land fürchten den Missbrauch.

Knowhow in der Ölindustrie ja, aber nicht im gesellschaftlichen Bereich.

Ankunft auf dem „König Khalid“-Flughafen in Riad um 01.00 Uhr nachts. Übersetzt heißt „Er-Riad“ (auch „Riad“ genannt, „die Gärten“ oder „Paradies“.

Paradiesisch ist jedenfalls die Ausstattung des Flughafens: echte Blumen und Blumenkreationen, Pflanzen, blühende Sträucher und Bäume, die aus Europa eingeflogen wurden. Kurz: ein unbeschreiblicher Luxus im Wüstenwind.

Vom Flughafen bis zum Hotel sind es 25 Kilometer.

Doch die Nacht ist kurz. Schon um 05.15 Uhr breitet sich über die Dächer der Stadt ein Stimmenwirrwarr aus. Es sind die Stimmen der Muezzine (Rufer zum Gebet).

Die Muezzine haben in der Regel keine anderen Aufgaben, als fünfmal am Tag die Gläubigen aufzurufen, zu Allah zu beten.

Um 09.00 Uhr morgens ist es trockenheiß. Ein leichter Wüstenwind zieht durch die Straßen.

Im Laufe des Tages wird es wärmer und wärmer.

Ofenwarme Temperaturen am Abend. Die Wüstenstadt „glüht“.

Warum liegt die Hauptstadt Riad in der Wüste?

Hier lebt seit dem 18. Jahrhundert der Stamm der Saud. Abseits der üblichen Handelswege gingen sie auf Beutezug und überfielen Handelskarawanen.

Die Beute wurde dann unter den Stammesangehörigen aufgeteilt.

Unter Führung von Abd al-Aziz ibn Saud (kurz: Ibn Saud), wurden die zentralarabischen Beduinenstämme zusammengeschlossen. Doch bald kam es zu Zerwürfnissen und Kämpfen.

Ibn Saud flüchtete nach Kuwait und führte von dort aus einen Kampf um die Rückkehr in seine Heimat. Er ließ sich 1902 zum König ausrufen und gründete am 23. September 1932 das Königreich Saudi-Arabien. Die Saudis festigten ihre Macht, und das bis heute.

Noch zählen etwa 6.000 Prinzessinnen und Prinzen zu den Nachkommen Ibn Sauds. Wie damals teilen sie sich auch heute anteilmäßig den Gewinn aus dem Erdöl-Geschäft. So sollen möglicherweise Neid und dadurch entstehende Konflikte vermieden werden.

Der größte Teil aus dem Öl- und Gasgeschäft geht in den Staatshaushalt, aus dem die Einheimischen versorgt werden.

Die Bevölkerung des Landes zählt knapp 30 Millionen Einwohner, von denen etwa die Hälfte jünger als 15 Jahre ist. 90 Prozent der Einwohner sind arabischer Abstammung. In dem 2.150.000 Quadratkilometer großen Land leben auf einem Quadratkilometer 12 Menschen, in Deutschland sind es 226 Menschen.

Der König hat das Land fest im Griff.

Er übt die Legislative, Judikative und exekutive Gewalt in seiner Person aus.

Es gibt weder ein Parlament, noch Parteien.

Jeder Bürger des Landes hat aber das Recht, den König persönlich zu sprechen und sein Anliegen vorzutragen. Ein Stück „beduinischer Demokratie“?

Seit 1992 hat das Königreich zwar offiziell eine Verfassung, die aber nur „proforma“.

Saudi-Arabien wird absolutistisch vom König regiert.

Im gesellschaftlichen Leben gilt nur die islamische Rechtsprechung durch den Koran und die Scharia. Sie wird durch Stammes- und Gewohnheitsrecht ergänzt.

Die Strafen sind hart und für uns ungewohnt, wie zum Beispiel das Abschlagen der rechten Hand (der „reinen“ Hand zum Essen) oder das Abschneiden eines Armes oder Beins. Früher wurde sogar der blutende Stumpf kurz in siedendes Öl getaucht, damit sich die blutende Wunde schnell schließen sollte.

Bei Mord wurde das Köpfen zur Abschreckung auf öffentlichen Plätzen durchgeführt, der Kopf „wie eine Trophäe“ öffentlich an einen Mast gehängt.

Die Todesstrafe gilt auch für Drogendelikte. Dazu zählen der Schmuggel, das Verteilen und Verkaufen von Drogen. Offiziell heißt es, dass „Drogen Verderben über die Erde bringen.“

Beim Ausfüllen der Visa-Formulare wird in Fettdruck und eingerahmt auf die Konsequenzen hingewiesen, die Einreisende erfahren, wenn sie gegen die Drogen-Vorschriften verstoßen. Wörtlich heißt es:

„Die Verbreitung, der Schmuggel und Vertrieb von Drogen wird im Königreich Saudi-Arabien mit der Todesstrafe geahndet.“

Jeder Einreisende weiß, was er unterschrieben hat.

Wer sich öffentlich gegen den Islam stellt, wird ebenfalls mit dem Tode bestraft.

Dies gilt auch für Beleidigungen des Propheten Mohammed und Kritik am Koran.

Kritiker werden enthauptet.

Weltweit das einzige Land, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen

Das Fahrverbot wird damit begründet, dass Studien zeigen sollen, dass sich das Autofahren negativ auf die Eierstöcke der Frauen beim Gebären auswirkt.

Das Fahrverbot soll sich aus dem Koran nicht ableiten lassen, sondern aus konservativer Sicht auf Frauen im gesellschaftlichen Verständnis.

Wer gegen das Verbot verstößt, wird bestraft.

Im Jahr 2014 wurde eine Frau wegen Autofahrens zu acht Monaten Haft und 150 Hieben verurteilt.

Strikte Trennung von Mann und Frau

Im Kindergarten spielen Jungen und Mädchen noch zusammen.

Erst in der Schule beginnt die Trennung:

Jungen werden in der Schule nur von Lehrern und Mädchen nur von Lehrerinnen unterrichtet.

Sind die Mädchen geschlechtsreif, müssen sie einen Schleier tragen. Das ist Gesetz!

Kinder von Fremdarbeitern werden getrennt von einheimischen Kindern individuell unterrichtet.

Der Unterricht ist für alle Kinder kostenfrei.

Die Trennung der Geschlechter gilt auch für Studierende an Universitäten.

Studentinnen dürfen nur von Professorinnen und Studenten nur von Professoren betreut werden.

Sollte es zu personellen Engpässen kommen, so erfolgt die Lesung für Studentinnen von einem Professor nur über einen Monitor.

Der Kontakt zwischen Studentinnen und männlichen Professoren darf auf keinen Fall zustande kommen.

Wie streng die Gesetze gehandhabt werden, zeigt ein Bericht in der Zeitung, in der es unter anderem sinngemäß heißt: Als eine Studentin einen schweren Herzinfarkt erlitt, durfte der Rettungsdienst, bestehend aus zwei männlichen Sanitätern, nicht in den Frauentrakt der Universität. Nach zwei Stunden starb die Studentin.

Ein anderer Fall ereignete sich im Jahre 2008 in Mekka. Dort soll ein Professor zusammen mit einer Studentin in einem Café gesessen haben.

Plötzlich erschien die Sittenpolizei und nahm beide fest. Dem Professor wurde vorgeworfen, gegen die staatlich verordnete Geschlechtertrennung verstoßen zu haben. Er wurde in Handschellen abgeführt.

Heiratsmodalitäten / Zwangsheirat

Junge Mädchen, oft noch Kinder, werden Männern versprochen und zur Heirat gezwungen. Dies kann in den Familien zu erheblichen Spannungen führen.

Die Zwangsheirat wird damit begründet, dass die Frau möglichst viele Kinder gebären soll. Es gilt das Prinzip: Je jünger, desto mehr Kinder.

Ein Mann kann bis zu vier Frauen heiraten, wenn er wirtschaftlich dazu in der Lage ist.

Er muss sicherstellen, dass alle Frauen versorgt und gerecht behandelt werden.

Die Frauen werden daran gemessen, ob und wie viele Söhne sie zur Welt bringen.

Falls eine Frau keine Kinder gebärt, ist ihr Ehemann berechtigt, sie zu verlassen. Das gilt auch, wenn keine Söhne geboren werden.

Frauen dürfen nicht ohne Begleitung des Mannes aus dem Haus gehen.

Das Erscheinungsbild der Frau im Alltag ist äußerst wichtig. Sie darf sich nur in landesüblicher Tracht und mit Schleier außerhalb ihres Hauses bewegen.

Was sie allerdings unter der Tracht trägt, ist Privatsache.

Es gibt getrennte Kaufhäuser für Frauen und Männer, wobei Frauen in ihren Kaufhäusern nur von Verkäuferinnen bedient werden dürfen.

Übernachtungsmodalitäten für Frauen in Hotels

Ehepaare dürfen gegen Vorlage der Heiratsurkunde ein Doppelzimmer beziehen.

Für den Fall, dass Staatsgäste und Staatsoberhäupter nicht verheiratet sind, müssen auch sie Einzelzimmer beziehen.

Frauen ab 40 Jahre dürfen (theoretisch) ein Einzelzimmer buchen.

Frauen, die jünger als 40 Jahre sind, erhalten nur ein Zimmer, wenn sie der eigene Vater oder Bruder begleitet.

Frauen und Männer dürfen sich auch nicht gemeinsam im Fitnessraum aufhalten. Für Frauen ist er frühmorgens nur eine Stunde lang geöffnet.

Im Foyer der Hotels dürfen sich Frauen nur mit Schleier und traditioneller Kleidung zeigen.

Es bestehen getrennte Räumlichkeiten für Familien und allein reisende Männer.

Neuerdings hat eine Gruppe wohlhabender Geschäftsfrauen und Prinzessinnen ein Hotel nur für Frauen mit 25 Zimmern, Wellness-Bereich, Sauna und Fitnessraum bauen lassen. Hier dürfen Frauen nun jederzeit auch die Sauna und den Fitnessbereich aufsuchen.

Frauen müssen sich also vollkommen den Männern unterordnen. Der Mann bestimmt zum Beispiel, ob seine Frau einen Beruf ausüben darf.

Sie werden meist im Gesundheitsbereich oder Bildungswesen beschäftigt.

Frauen, die vergewaltigt wurden, werden bestraft

So erging es drei Ausländerinnen in Saudi-Arabien, die vergewaltigt und dafür auch noch bestraft wurden.

Den vergewaltigten Frauen wird eine Mitschuld am Geschehen unterstellt. Es heißt, dass „die Vergewaltigung nicht so ganz zufällig“ sei.

Frauen und Hexerei

Wer als „Hexe“ entlarvt wird, wird heute noch hart bestraft (bis hin zur Todesstrafe durch Köpfen). Welche Kriterien für die Entlarvung einer Hexe sprechen, scheint einer Einzelinterpretationen zu unterliegen; es ist unklar.

Frauensport ist verpönt

Er wird als schamlos angesehen. Erstmals nahmen an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London zwei Athletinnen aus Saudi-Arabien teil, darunter eine Judo-Kämpferin.

Der Vater der Judo-Kämpferin bestand auf traditionelle Kleidungsvorschriften. Seine Tochter sollte nur unter dieser Bedingung nominiert werden dürfen.

Letztlich kam es zu einem Kompromiss. Im Wettkampf trug die Athletin eine schwarze Kopfbedeckung, die einer Badekappe ähnlich war.

Strikte Trennung von Frau und Mann - auch im Fußballstadion

Beim Besuch des 67.000 Zuschauer fassenden „König-Fahd-International“-Stadions an der Peripherie von Riad fällt die einmalige, auf die Region bezogene Bauweise in Form von aneinander gereihten, weißen Beduinenzelten auf.

Fußballstadion „König-Fahd-International“

Getrennte Eingänge für Frauen und Männer. Sie sitzen im Stadion blockweise getrennt. Es ist ein Fortschritt, dass sie überhaupt an Fußballspielen teilnehmen dürfen.

Aber für Ausländerinnen gibt es in diesem größten Stadion Saudi-Arabiens eine Ausnahme. Für sie wurde ein kleiner Zuschauerbereich in der Nähe der Pressetribüne eingerichtet. Saudi-arabischen Frauen ist es generell untersagt, Sport-veranstaltungen von Männern beizuwohnen.

Bei der Rückfahrt in die Stadt ist von weitem der 170 Meter hohe Fernsehturm sichtbar, an dessen Spitze eine gläserne Kugel leuchtet - wie ein Diamant, der die Sonnenstrahlen reflektiert.

Die Straße ist gesäumt von Dattelpalmen und Blumenbeeten.

Dattelpalmen gedeihen in ganz Arabien. Sie benötigen nur wenig Wasser, denn Wasser ist ein kostbares Gut, besonders in der Wüste.

Jede einzelne Pflanze muss künstlich mit Wasser versorgt werden.

Besuch in einer Arztpraxis

Im Warteraum sitzen verschleierte Frauen mit ihren Ehemännern.

Eine Frau sitzt jedoch allein. Ihr Ehemann führt bereits mit dem Arzt ein „Vorgespräch“ über die Krankheitssymptome seiner Frau.

Danach wird auch sie in Behandlungszimmer des Arztes gebeten; ihr Ehemann ist dabei.

Das kennt man auch teilweise bei strenggläubigen Muslimen in Deutschland, dass der Ehemann seine Frau zum Arzt begleitet.

Ausgenommen sind Krankenhäuser und Dialyse-Stationen (Blutwäsche), wo dies nicht möglich ist.

Die ärztliche Versorgung in Saudi-Arabien ist kostenlos. Dies gilt auch für die medizinische Betreuung von Fremdarbeitern. Fremdarbeiter sind als Taxifahrer beschäftigt und verdienen zwischen 350 und 500 US-Dollar im Monat - oft ein Vielfaches von dem, was sie in ihrem Heimatland verdienen würden.

Der Besuch im Diplomatenviertel ist unproblematisch. Jedes Fahrzeug wird am Eingang zum Viertel registriert und genau kontrolliert, dann klappt die Schranke hoch und man kann passieren.

Im Viertel ist ein Eigenleben nach westlicher Lebensart entstanden.

Es gibt auch eine Art Supermarkt mit westlichen Artikeln, aber ohne alkoholische Getränke.

Stolze Kamele

Mit dem Besuch eines Kamelmarkts in Riad endet der Aufenthalt in der Hauptstadt.

Hunderte Beduinen in weißer traditioneller Kleidung taxieren, handeln und kaufen.

Kamelmarkt - Ein weißes Kamel, erst ein paar Tage alt

Stolze Kamele, die ihren Besitzer wechseln. Sie scheinen sich ihres Preises bewusst zu sein. Auf Lastwagen werden sie abtransportiert. Stolz und würdevoll in jeder Haltung.

Kamele - stolz und würdevoll in jeder Haltung

Das Kamel hat in ganz Arabien einen hohen Stellenwert, war es doch jahrhundertelang ein treuer Begleiter durch die Wüste; ein „Wüstenschiff“ zum Transport von Lasten und Waren. Heute übernehmen Flugzeuge und Lastkraftwagen (Lkw) den Transport.

„Kleines Lexikon“

Übersicht der sich wiederholenden Begriffe im islamischen Glauben.

Islam - Glaubenslehre der Moslems, sich dem Willen Allahs zu beugen.

Islamismus - Begriff zur Charakterisierung von verschiedenen Ideologien und Bewegungen, die sich in einer spezifischen Weise auf den Islam berufen.

Allah - Der einzige Gott der Islamisten.

Mohammed - Prophet Allahs, der dem Volk die Religion des Islam durch den Koran verkündete.

Mekka - Hier wurde Mohammed um 571 n.Chr. geboren. Mekka gilt als der heiligste Ort der Moslems.

Medina - In Medina starb Mohammed am 8. Juni 632 n.Chr. In Medina baute Mohammed die Gemeinschaft der Islamisten auf. Dies gilt als Beginn der islamistischen Zeitrechnung. Medina ist die zweitwichtigste heilige Stätte der Moslems.

Koran - Der Koran (wörtlich: „Das oft zu Lesende“ oder „Lesung“) ist die Heilige Schrift des Islam und gleichzeitig Rechtsgrundlage. Er gilt als Gesetz Allahs und ist sein überlieferter Wille. Er umfasst 114 Suren (Kapitel) mit 6.214 Versen.

Sunniten - Sie bilden die größte Glaubensrichtung im Islam und stellen in den meisten islamischen Ländern die Mehrheit der Muslime. Geleitet werden sie von einem Imam und benötigen keinen „Mittler“ zu Allah (wie die Schiiten).

Schiiten - Sie bilden die zweitgrößte Glaubensrichtung im Islam und verehren ebenfalls den Propheten Mohammed.

Geführt werden sie aber von einem Kalifen (einem „Nachfolger des Gesandten Gottes“). Als Mittler zu Allah gilt der Ajatollah (z.B. im Iran).

Die Spaltung in Sunniten und Schiiten erfolgte bereits 30 Jahre nach Mohammeds Tod.

Imam - Der Imam ist ein Vorbeter und der Leiter einer Moschee, meist auch als „Nachkomme des Propheten Mohammed“ bezeichnet.

Kalif - Ein Kalif gilt als Vertreter einer islamischen Gruppe und wird als Titel für religiös-politische Führer verwendet.

Mullah - Ein Mullah ist ein Rechts- und Religionsgelehrter der Schiiten.

Ajatollah - Als Ajatollah wird ein Rechtsgelehrter der Schiiten bezeichnet.

Haddsch - Der Haddsch ist die islamische Pilgerreise nach Mekka.

Jeder nicht versklavte, volljährige und gesunde Muslim (egal ob Mann oder Frau), der es sich leisten kann, ist (mit Einschränkungen) verpflichtet, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern.

Dschihad - Der Dschihad (auch „Jihad“) ist ein wichtiger Bestandteil der islamischen Religion und bezeichnet die Anstrengungen im Kampf auf dem „Wege Allahs“. Mit seiner Hilfe werden die Wertvorstellungen des Islam verteidigt und seine „Verbreitung“ durch Worte, Taten (Vorbild) und Schwert (Kampf) unterstützt.

Mufti - Ein Mufti ist ein Rechtsgelehrter, der islamrechtliche Gutachten abgibt und diese nach der Scharia begründet.

Scharia - Die Scharia ist das religiöse Gesetz des Islam und basiert auf dem Koran. In ihr sind alle Verhaltensregeln detailliert aufgeführt. Sie ist aber keine festgeschriebene Gesetzessammlung (wie etwa deutsche Gesetzestexte im Bürgerlichen Gesetzbuch oder im Strafgesetzbuch), sondern eine Methode der Rechtsschöpfung.

Moschee - Moscheen sind rituelle Orte des gemeinschaftlichen islamischen Gebets, der politischen, rechtlichen und lebenspraktischen Wertevermittlung im Sinne des Islam sowie soziale Treffpunkte.

Islamischer Fundamentalismus - Unter diesem Begriff versteht man sowohl die strikte Anwendung von Koran und Scharia bei völliger Einheit von Staat und islamischer Religion, wie auch die Rückbesinnung und das Praktizieren eines einfachen Lebens nach den Wertvorstellungen zu Zeiten Mohammeds.

Emir - Emire sind meist Mitglieder der Königsfamilie, auch wenn es andere Auslegungen für die Herkunft und Anwendung dieses Titels gibt.

Grundsätze des Islam als Religion und Staatsordnung

1. Keine Trennung von Religion und Politik.

2. Allah ist durch den Koran Gesetzgeber. Daher ist ein Parlament als unabhängiges Kontrollorgan auch nicht erforderlich.

3. Das Leben hin zu Allah ist so eindeutig und klar, dass ein Parteiensystem überflüssig ist.

4. Es gibt kein Verfassungsgericht. Islamische Rechtsgelehrte interpretieren den Koran.

5. Der Koran gibt die Regeln menschlichen Zusammenlebens vor. Der Koran ist Gesetz!

Gemeinsamkeiten in der Lehre von Islam und Christentum

1. Beide Religionen glauben an einen allmächtigen Gott, den Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen.

2. Das Wort Gottes für die Christen ist die Bibel, so wie für die Muslims das Wort Allahs der Koran ist.

3. Das Gebet ist in beiden Religionen ein wesentlicher Teil des Glaubens.

4. In beiden Religionen sind Engel / Propheten als Boten Gottes / Allahs zu finden.

5. In beiden Glaubenslehren erscheint das Wort „Sünde“. Im Islam sündigten die ersten Menschen bereits im Paradies und wurden deshalb auf die Erde vertrieben.

6. Gott / Allah wendete sich den Menschen auf der Erde zu.

7. Gemeinsame Propheten und handelnde Personen haben beide Religionen in Noah, Adam, Abraham, Moses und anderen.

8. Jerusalem gilt für beide Religionen als Heilige Stadt.

Flug in die Ölregion Dhahran

Saudi-Arabien nimmt mit knapp 2.150.000 Quadratkilometer fast die gesamte Fläche der Arabischen Halbinsel zwischen dem Roten Meer im Westen und dem Persischen Golf im Osten ein. Es misst in West-Ost- und Nord-Süd-Richtung je 1.700 Kilometer. Das Land ist mehr als sechsmal so groß wie Deutschland.

Saudi-Arabien besteht keineswegs nur aus Wüstenlandschaften.

Den Eindruck hat man aber, wenn man in den Atlas schaut. Weißgelbe und bräunliche Flächen, als würde man nur Wüste oder verbrannte Erde vorfinden.

Bräunliche Flecken deuten auf Gebirgszüge hin. Gebirgsformationen bis zu einer Höhe von 3.133 Meter.

In Saudi-Arabien liegt der größte Teil der fast menschenleeren Rub al-Chali.

Sie ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, größtenteils unerforscht und weitestgehend vegetationslos.

Saudi-Arabien ist in 13 Provinzen und 118 Gouvernements aufgeteilt, die von 118 Gouverneuren geleitet werden.

Dennoch hat der König die uneingeschränkte Macht und das Sagen im Land.