Kriegsende im Wendland - Karl-Heinz Schwerdtfeger - E-Book

Kriegsende im Wendland E-Book

Karl-Heinz Schwerdtfeger

0,0

Beschreibung

Das Kampfgeschehen in Pevestorf und Restorf wurde bereits im Band II, Kriegsende im Wendland, Brückenkopf Lenzen, geschildert. Aber als detaillierte Ergänzung und Abrundung des Berichtes zum Geschehen "Kriegsende im Wendland" scheint dieser Band VII zweckdienlich zu sein. Denn es konnten nicht alle der meist umfangreichen Erlebnisberichte von den Kampfhandlungen beteiligt gewesenen US-Soldaten in den vorausgegangenen Aufzeichnungen berücksichtig werden. Dieser Band VII zum Kriegsende im Wendland, mit vollem Untertitel "Befreiung" der Einwohner von Quarnstedt am 22. April 1945 sowie im zweiten Teil Letzter Kampfeinsatz der K-Kompanie, wurde hauptsächlich vom ausführlichen Bericht des amerikanischen Schreibstuben-Feldwebels der K-Kompanie, Allan Wilford Howerton, geprägt. Sergeant Allan W. Howerton hatte in seinem Tagebuch alle Ereignisse und Erlebnisse und seine persönlichen Gedanken dazu schriftlich festgehalten, so dass er Jahre später problemlos darüber berichten konnte. Er lieferte freizügig seine Tagebuchnotizen zur freien Verwendung für meine geplanten Abhandlung "Kriegsende im Wendland". Weil es seine privaten Aufzeichnungen waren, die Vorgesetzte nicht erfuhren, notierte Howerton auch eine Anzahl von negativen Vorkommnissen in der US-Army, welche bei Strafandrohung weder in Feldpostbriefen noch sonst wie weitergegeben werden durften. So sind seine freien Gedanken als US-Soldat auch zu negativen Ereignissen erhalten geblieben. Jede Kritik an Vorgesetzten wurde in der USA gnadenlos bestraft.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 56

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Gegen das Vergessen

Wer die Vergangenheit nicht kennt,

wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen.

Golo Mann

Foto vom Deckblatt: 19. April, oberes Waldlager Wolfsberg Einziges Foto-Dokument des einwöchigen Notlagers im Walde

Die Personen von links nach rechts sind:

1. Marie-Luise Schwerdtfeger, 7 Jahre alt

Tochter des Otto Schwerdtfeger

Gutshaus Quarnstedt

2. Monika Grütter, 5 Jahre alt,

Tochter von Frau Margarete Grütter

Gutshaus Quarnstedt

3. Frau Margarete Grütter,

Bombenevakuierte aus Magdeburg,

seit Ende 1943 im Gutshof Quarnstedt

4. Frau Storck, Bäuerin und Flüchtling

Aus Stargard / Pommern

Etwa seit Februar im Gutshaus Quarnstedt,

Ihre abenteuerliche Geschichte:

Sie hatten ihren Treck verloren, weil sie wegen einer Fehlgeburt als Notfall ins Dannenberger Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der Treck war ohne sie nach Westen weitergezogen. Ohne Ziel war der Flüchtlings-Treck mit der Dorfgemeinschaft aus Pommern in Richtung Rhein losgefahren. Frau Storck wusste nicht, wohin.

Schlachtermeister Arnold Schramm / Gartow traf die obdachlose Flüchtlingsfrau zufällig auf dem Bahnhof in Dannenberg und bot ihr an, sie ins relativ sichere Gartow mitzunehmen und dort unterzubringen. Von dort könne sie nach dem Verbleib ihres Trecks und ihrer Angehörigen suchen. Auf die Bitte von Arnold Schramm an seinen Freund Otto Schwerdtfeger wurde Frau Storck im Gutshaus Quarnstedt aufgenommen und versorgt.

Ende Mai 1945 verließ sie Gut Quarnstedt und begann die Suche nach ihrem verlorenen Treck.

Karl-Heiz Schwerdtfeger

Gutshof Quarnstedt, März 1939

In Bildmitte die noch heute existierenden zwei Ziehbrunnen und das Gutshaus.

Links die die Nordscheune, rechts Ecke des Pferdestalls (beide Gebäude am 15.04.45 niedergebrannt). Zwischen Gutshaus und Pferdestall im Hintergrund der große Kuhstall.

Foto: Archiv Schwerdtfeger

Gutshof Quarnstedt, Nordseite mit Hauseingang

Zwischen Eingangstreppe und Hausecke, unter dem Bürofenster, fand an mehreren Tagen die Verpflegungsausgabe durch den Sanitäter statt.

Foto: Archiv Schwerdtfeger

Inhaltsverzeichnis

„Befreiung“ der Einwohner von Quarnstedt am 22. April 1945

Samstag, 21. April 1945

Sonntag, 22. April 1945

Sonntag, 22. April 1945, nachmittags

Zurück zum Abend des 22. April 1945.

Ein Doku-Foto der US-Army vom 17. April 1945 bei Seehausen.

Letzter Kampfeinsatz der K-Kompanie vor Kriegsende im Brückenkopf Lenzen am 23. April 1945

Letztes Haus links an der Dorfstraße in Pevestorf, Haus Wolgast

„Befreiung“ der Einwohner von Quarnstedt am 22. April 1945

Die allgemeine Situation:

Am Sonntag den 22. April, spät nachmittags, wurden Quarnstedter Einwohner (insgesamt etwa 65 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder) auf dem Wolfsberg im provisorischen Waldlager von einem Zug Amerikaner einkassiert.

Ungefähr 75 Quarnstedter befanden sich außerdem noch in der Elbholz-Siedlung, die wurden etwa zwei Stunden später von der gleichen Kompanie vereinnahmt und nach Quarnstedt zurückgejagt.

(Übrigens: Heutzutage kaum vorstellbar, dass sich damals bei Kriegsende ca. 140 Einwohner, Deutsche, Ausländer, Bombenevakuierte und Flüchtlinge in Quarnstedt befanden!)

Die gräfliche Familie von Bernstorff mit allen Verwandten (ca. 20 Personen) hingegen war nach dem großen Brand 15. April 1945 vom Gut Quarnstedt ins Gartower Schloss geflüchtet. (Die werden hier nicht mitgezählt)

Quarnstedt musste wegen bevorstehender Kampfhandlungen deshalb von den Einwohnern geräumt werden, weil es keine Luftschutzkeller oder Bunker gab, in denen die Menschen hätten Schutz suchen können.

Wie die Einnahme des Waldlagers Wolfsberg erfolgte, wurde aus dem persönlichen Erleben detailliert berichtet im Buche „Kriegsende im Wendland. Erlebte Geschichte. Eine zeitgeschichtliche Momentaufnahme“ Band I auf den Seiten 204 bis 211. Der Bericht muss deshalb hier nicht wiederholt werden.

Situation auf der Seite der angreifenden amerikanischen Truppen:

Am Samstag, den 21. April 1945 um 6 Uhr früh begann der Großangriff der beteiligten drei Divisionen zur Besetzung des Dreieckgebietes Kreis Lüchow-Dannenberg bis zum Elbufer zwischen Schnackenburg und Neu-Darchau.

Zwischen Schnackenburg und Gorleben / Laase griff das 335. US-Infanterie-Regiment an. Das 1. Bataillon (A-, B-, C- und D-Kompanien) auf der linken Seite hatte als erstes Angriffsziel Gorleben / Meetschow.

Als Flankenschutz (Abschirmung) gegen Westen wurde dem 1. Bataillon die durch vorhergehende Verluste dezimierte K-Kompanie des 3. Bataillons eingesetzt. Sie bezog Stellung im Bereich der Dörfer Liepe und Dünsche, ohne diese Orte zu besetzen.

Am frühen Nachmittag des 21. April 1945 waren Gorleben und Meetschow eingenommen, so dass die schwache K-Kompanie wieder dem 3. Bataillon zur Verfügung stand und vorerst in Gartow in Wartestellung verblieb.

Das 3. Bataillon (I-, L- und M-Kompanie) attackierte auf der rechten Seite in Richtung Gartow / Schnackenburg. Gartow selbst war am Nachmittag des 21. April 1945 gegen starken deutschen Widerstand eingenommen worden. Anschließend (spätnachmittags) wurde auch Quarnstedt besetzt. Die deutschen Verteidiger hatten sich kampflos aus Quarnstedt abgesetzt. So dass die C-Kompanie des 309. Pionier-Bataillon neben der gesprengten Seebrücke einen Ponton-Behelfsbrücke (artificial bridge Bailey 40) errichten konnte, die für schwere Panzerfahrzeuge ausgelegt war. Am frühen Morgen des 22. April war sie fertiggestellt und Fahrzeuge der an den Kämpfen beteiligten US-Einheiten konnten die Behelfsbrücke abwechselnd in beide Richtungen zwischen Gartow und Quarnstedt befahren.

Samstag, 21. April 1945

Vorstoß des 1. Bataillons (335th Rgt.) von Nemitz, über Trebel, Marleben und Gedelitz bis Gorleben und Meetschow.

Die Schwerewaffen-Kompanie D war auf die drei Kompanien A, B und C verteilt. Zur Abschirmung und Flankenschutz nach Westen für das 1. Bataillon wurde die K-Kompanie des 3. Bataillons auf Höhe der Dörfer Liepe und Dünsche aufgestellt. Aber die beiden genannten Dörfer wurden von der K-Kompanie nicht besetzt.

Durch die seit dem ersten Fronteinsatz ab November 1944 und besonders bei der Weser-Überquerung durch harte Kämpfe erlittenen schweren Verlusten der K-Kompanie an Gefallenen (104 Mannschaftsgrade und 4 Offiziere) sowie an Verwundeten (172 Mannschaftsgrade und 5 Offiziere) konnte bis zum April 1945 die Kompanie-Sollstärke noch nicht aufgefüllt werden.

Sollstärke einer US-Infanterie-Kompanie betrug 180 Mann mit 6 bis 7 Offizieren. Jetzt, im April 1945, besaß die K-Kompanie etwas weniger als die halbe Sollstärke. Es sollen nur noch etwa 85 Mann und zwei Offiziere gewesen sein, aufgeteilt in zwei Züge (platoons) zu je 40 Mann. Demzufolge konnte die dezimierte K-Kompanie seit den Kämpfen an der Weser nur als Verstärkung für das 3. Bataillon in Reserve gehalten werden.

Kartenskizze: Schwerdtfeger

Sonntag, 22. April 1945

Vorstoß beteiligter US-Einheiten vom 335. Regiment (84. US-ID) zur Bekämpfung des deutschen Widerstands im Brückenkopf Lenzen.

Die deutschen Verteidiger hatten sich auf den Höhbeck zurückgezogen.

Die Orte Restorf, Brünkendorf, Vietze und Pevestorf konnten die Amis ohne oder gegen geringen deutschen Widerstand besetzen.

Abschnitt Gorleben / Meetschow war bereits durch das 1. Bataillon bis zum Abend des 21. April vollständig eingenommen worden.

Die zur Flankensicherung zwischen den Dörfern Liepe und Dünsche eingesetzte K-Kompanie (335.Rgt) wurden durch die gepanzerte 84. Aufklärungs-Kompanie abgelöst. K-Kompanie wurde als Reserve-Einheit für das 3. Bataillon nach Gartow zurückverlegt.

Kartenskizze: Schwerdtfeger

Sonntag, 22. April 1945, nachmittags

Amerikanische Artillerie beschoss wie üblich die durch ihre Infanterie noch nicht besetzten Gebiete. Batteriestellungen befanden sich in Rucksmoor, in Nienwalde und bei Gorleben und bei Gartow / Hahnenberge.

Hauptsächlich feuerten die Ari-Geschütze Störfeuer auf den Höhbeck im Bereich des (seit dem 15. April 1945 gesprengten)