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Die Corona-Krise hat in einer beispiellosen Weise den Alltag von Milliarden Menschen weltweit verändert. Dieser Ratgeber fasst alle für die Verbraucher in Deutschland wichtigen Aspekte zusammen, vom Einkaufen über Vorbereitung auf eine Quarantäne bis hin zu Geldanlage und Reiseplanung. Ansteckungswege, Symptome und COVID-19-Prävention werden ebenso behandelt wie gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Fragen. Ob staatliche Hilfen, Corona- Regeln, Maskenpflicht oder Exit: Hier finden Sie zuverlässige Infos auf einen Blick.
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2020
Die Welt danach wird eine andere sein.
Wie sie wird? Das liegt an uns!
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 11. April 2020
Die Welt is’ voll am Arsch und wir mittendrin …
aber durchhängen is´ nich´.
Sänger Udo Lindenberg am 25. März 2020
Das Virus ist jetzt wirklich eine schicksalhafte Herausforderung für die ganze Menschheit und wir sollten spätestens jetzt lernen, dass wir als Menschen nur gut durch solche Situationen kommen, wenn wir zusammenhalten, und darum geht es in unserem Land, in Europa, aber auch auf der ganzen Welt.
Vizekanzler Olaf Scholz am 20. März 2020
DIE UNSICHTBARE GEFAHR
SYMPTOME ERKENNEN & HANDELN
1. Gab es schon vergleichbare Situationen?
2. Wie schwerwiegend ist diese Pandemie?
3. Sind Viren Lebewesen?
4. SARS, Corona oder COVID?
5. Worin ähnelt COVID-19 der Seuche SARS?
6. Wo liegen Gemeinsamkeiten mit Grippe und Erkältung?
7. Warum ist das neue Coronavirus so tückisch?
8. Welche Übertragungswege sind beim neuen Coronavirus möglich?
9. Wie lange können Coronaviren auf Gegenständen überleben?
10. Kann ich mich an Briefen und Paketen anstecken?
11. Soll ich jetzt lieber auf Barzahlung im Supermarkt verzichten?
12. Kann meine Hauskatze mich infizieren?
13. Was ist mit Hunden?
14. Muss ich mich jetzt besonders vor Mückenstichen vorsehen?
15. Wie lange dauert es, bis die Erkrankung nach Ansteckung ausbricht?
16. Wie verläuft eine Corona-Erkrankung?
17. Welche Risikogruppen sind besonders gefährdet, schwer zu erkranken?
18. Gibt es schwere Verläufe auch außerhalb der Risikogruppen?
19. Welche Vorerkrankungen sind kritisch?
20. Ergibt es Sinn, jetzt sofort mit dem Rauchen aufzuhören?
21. Was ist mit Allergikern?
22. Wie gefährdet sind Kinder?
23. Wie sollten sich Schwangere verhalten?
24. Welche Symptome treten bei „Corona“ auf?
25. Woran erkenne ich, ob es Corona, eine Grippe oder eine Erkältung ist?
26. Was gilt als Atemnot?
27. Was sollte ich bei Symptomen tun?
28. Was fragt mich der Hausarzt am Telefon?
29. Wann muss ich dringend zum Arzt?
30. Wann rufe ich besser gleich die 112?
31. Wie wird getestet?
32. Wer wird getestet?
33. Wann gelte ich als Kontaktperson?
34. Was taugen Schnelltests auf Corona-Antikörper aus der Apotheke?
35. Was heißt Quarantäne?
36. Wie muss man sich eine häusliche Quarantäne in Corona-Zeiten vorstellen?
37. Wann muss ich in Quarantäne?
38. Welche Auflagen habe ich in der Quarantäne zu erfüllen?
39. Wenn ich mich selbst in Quarantäne begebe, kommt das Gesundheitsamt dann zum Kontrollieren?
40. Darf ich in Quarantäne noch mit dem Hund spazieren gehen oder im Homeoffice arbeiten?
41. Wann gilt man als gesund und kann Quarantäne oder Krankenhaus verlassen?
42. Wie wird COVID-19 behandelt?
43. Gibt es Medizin und wann kommt ein Impfstoff?
44. Ist man nach einer COVID-19-Erkrankung immun?
45. Kann es gesundheitliche Spätfolgen nach COVID-19 geben?
SCHÜTZEN & VORBEUGEN
46. Was versteht man unter Hustenetikette und Niesetikette?
47. Was bringen Masken?
48. Brauche ich eine richtige Atemschutzmaske?
49. Was sind OP-Masken?
50. Was für Behelfsmasken gibt es?
51. Was ist bei Community-Masken zu beachten?
52. Hilft zur Not auch ein Schal vor dem Mund?
53. Wie lange sollte man eine Schutzmaske höchstens tragen?
54. Bart trifft Mundschutz – eine zweckmäßige Kombination?
55. Was besagt die Maskenpflicht?
56. Wie kann ich einen Mundschutz selbst basteln?
57. Geht es noch einfacher?
58. Sind Händeschütteln und Fingerfood noch okay?
59. Wie vermeide ich das häufige Berühren des Gesichts?
60. Warum ist richtiges Händewaschen so wichtig?
61. Wie funktioniert die WEST-Händewasch-Strategie?
62. In welchen Situationen ist Händewaschen angesagt?
63. Worauf ist in öffentlichen Toiletten zu achten?
64. Schädigt intensives Händewaschen mit Seife die Haut?
65. Hände waschen oder desinfizieren?
66. Handdesinfektion, aber wie?
67. Wie kann man sich notfalls Desinfektionsmittel selbst herstellen?
68. Was muss ich in den eigenen vier Wänden beachten?
69. Was gehört zum sicheren Umgang mit Lebensmitteln?
70. Gelten 1,50 oder 2 Meter Mindestabstand?
71. Welches sind die Kontaktbeschränkungen?
72. Wie wirkt Social Distancing auf die Corona-Kurve?
73. Was sind die Ausgangsbeschränkungen (Stay@home)?
74. Was blüht mir, wenn ich Corona-Regeln missachte?
75. Das sicherste Verkehrsmittel in Corona-Zeiten?
76. Sollte man sein Auto desinfizieren?
77. Muss ich mich in Hallenbad und Sauna besonders schützen?
78. Worauf sollte beim Einkauf geachtet werden?
79. Warum können Handschuhträger gefährlich werden?
80. Wann kaufen Risikogruppen am besten ein?
81. Was ist auf dem Wochenmarkt zu beachten?
82. Was gilt bei Trauungen und Beerdigungen?
VORSORGEN & HELFEN
83. In was für einer Krise stecken wir eigentlich?
84. Wie kann ich mich vor Corona-Betrug schützen?
85. Wie komme ich an seriöse Informationen heran?
86. Was gibt es für Corona-Apps?
87. Welches sind die verbreitetsten Warn-Apps für das Smartphone?
88. Brauche ich eine Krisengrundausrüstung?
89. Soll ich mein Geld abheben?
90. Wieviel Reservebenzin darf man horten?
91. Was gehört zur Erste-Hilfe-Ausrüstung?
92. Welche Dokumente sind wichtig?
93. Wie ordne ich meine Angelegenheiten?
94. Was gehört in die Krankenhaustasche?
95. Wie stärke ich meine Abwehrkräfte?
96. Empfiehlt sich eine Grippeschutzimpfung?
97. Wann hamstern Menschen?
98. Was haben die Menschen gehamstert?
99. Was wird wirklich knapper?
100. Wieviel Toilettenpapier brauche ich wirklich?
101. Wie bereite ich eine mögliche Quarantäne vor?
102. Was für Vorräte brauche ich zu Hause?
103. Welche wirtschaftlichen Folgen sind zu erwarten?
104. Was zählt zu den kritischen Infrastrukturen?
105. Wie viele arbeiten inzwischen im Homeoffice?
106. Was hat es mit Passierscheinen auf sich?
107. Was sollte ich an meiner Arbeitsstätte beachten?
108. Darf ich mich telefonisch krankschreiben lassen?
109. Soll ich meine Aktien verkaufen?
110. Wie lege ich Geld jetzt krisensicher an?
111. Was mache ich bei Stromausfall?
112. Ernährungstipps (nicht nur) für die Quarantäne
113. Wie vermeide ich psychischen Stress?
114. Ideen zum sinnvollen Zeitvertreib
115. Wie kann ich in der Krisensituation helfen?
116. Darf ich jetzt Blut spenden?
STAATLICHE HILFEN, TIPPS & AUSBLICK
117. In welchen Fällen wird ein Verdienstausfall entschädigt?
118. Was ist ein Tätigkeitsverbot?
119. Was bekomme ich, wenn mein Chef mich in Kurzarbeit schickt?
120. Was ist, wenn ich arbeitslos werde oder Grundsicherung benötige?
121. Was sollte ich als Arbeitgeber tun?
122. Wie funktioniert das mit der Steuerstundung?
123. Welche Hilfen können Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen bekommen?
124. Wie wird Pflegekräften und Künstlern geholfen?
125. Sind Umzüge noch erlaubt?
126. Was ist, wenn ich meine Miete, Strom und Internet nicht mehr zahlen kann?
127. Finden noch Zwangsräumungen statt?
128. Gibt es Erleichterungen bei laufenden Krediten?
129. Was gilt für Zweitwohnungen?
130. Was ist bei Reisen zu beachten?
131. Muss ich einen Gutschein für eine gecancelte Reise oder Veranstaltung akzeptieren?
132. Müssen Rückkehrer aus dem Ausland sich melden?
133. Wer bekommt den Notfall-Kinderzuschlag?
134. Wer hat Anspruch auf die Notbetreuung in der Kita oder im Hort?
135. Gibt es eine Erstattung der Kitagebühren für die Eltern, wenn die Kita zu ist?
136. Wird ein Lohnersatz bei Betreuung wegen Schul- und Kitaschließung gezahlt?
137. Welche Probleme sind beim Homeschooling aufgetreten?
138. Wie geht es an den Schulen weiter?
139. Wie soll Uni ohne Vorlesungen gehen?
140. Welche Hilfen können Studenten erhalten?
141. Wie bin ich für meine (Groß) Eltern da?
142. Wie beschäftige ich meine Kinder?
143. Was ändert sich gerade so nebenbei?
144. Welche Schritte erleben wir beim Exit?
145. Was können wir von anderen Ländern lernen?
146. Corona kurios – Welche Blüten treibt die Pandemie?
147. Was kann uns Mut machen?
148. Verschwindet das Virus im Sommer?
149. Kehrt das Coronavirus im Herbst oder Winter zurück?
150. Auf welche Folgen der Pandemie müssen wir uns einstellen?
ANHANG
Checklisten
Bund-Länder-Beschlüsse
Quellen und Literatur (Auswahl)
Nützliche Links und Dokumente
Hilfe finden am Telefon
Wuhan, eine Acht-Millionen-Stadt am Jangtsekiang. Dort, in der zentralchinesischen Provinz Hubei, liegt Chinas größter Binnenhafen. Auf Großhandelsmärkten werden Fische und anderes Getier feilgeboten. Einer davon ist der Huanan Seafood Market. Neben Fisch, Meeresfrüchten und Fleisch gibt es lebende Wildtiere zu kaufen. Im dichten Nebeneinander von Mensch und Tier passiert es: Ein neuartiges Coronavirus, das ursprünglich Fledermäuse und später Schuppentiere befallen haben mag, geht auf einen Menschen über. Viren bedürfen der Unachtsamkeit. Vielleicht hat der Mensch ein infiziertes Tier berührt und sich später beiläufig mit der Hand über den Mund gewischt. Jedenfalls überwindet das neue Virus die Artenbarriere, mutiert und dockt an menschliche Zellen an. Es passt sich seinem neuen Wirt an und vermehrt sich in ihm. Der Erreger infiziert lautlos und zunächst unbemerkt. Der Mensch trägt ihn unwissentlich weiter...
Am 1. Dezember 2019 bemerkt einer der Infizierten erste Symptome. Nach und nach kommt eine Handvoll Einwohner mit Fieber und Husten in die Klinik. Manches deutet auf eine Lungenentzündung hin, aber sie verläuft untypisch. Die Behörden schalten sich ein, weisen aber die Möglichkeit einer Übertragung des Tiervirus von Mensch zu Mensch zunächst in weite Ferne. Am letzten Tag des Jahres informiert China die Weltgesundheitsorganisation (WHO). 27 Personen sind zu diesem Zeitpunkt offiziell mit dem neuen Coronavirus infiziert. Am 11. Januar 2020 stirbt der erste von ihnen. Zwölf Tage später wird Wuhan abgeriegelt, am 24. Januar hat der Virus europäischen Boden erreicht. In Deutschland wird am 27. Januar die erste Corona-Infektion bestätigt, die ersten beiden Toten sind am 9. März zu beklagen. Hunderte infizierte Menschen stehen allein in Bayern und Baden-Württemberg unter Quarantäne. Am 11. März erklärt die WHO die durch das Virus SARS-CoV-2 verursachte Ausbreitung von Coronaviren zur Pandemie. Für viele Millionen Menschen ändert sich nun schlagartig der Alltag...
Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft in seiner Risikoeinschätzung die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland seit dem 17. März als hoch ein, für Risikogruppen sogar als „sehr hoch“. Am 18. März erklärt Bundeskanzlerin Merkel in einer ihrer seltenen Fernsehansprachen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Keine vier Wochen später zählt allein Europa 75 000 Corona-Tote. In einigen Ländern sind immer noch die Gesundheitssysteme überlastet. Im April 2020 sind 4,6 Milliarden Menschen weltweit von Ausgangsbeschränkungen betroffen.
Die Lungenkrankheit COVID-19 hat eine globale Gesundheitskrise ausgelöst, die zwangsläufig eine gravierende wirtschaftliche Krise nach sich zieht. Rettungskräfte und Krankenhauspersonal kämpfen ohne Zuschauer um jedes Leben, während das öffentliche Leben stillsteht. Niemand von uns hat so etwas je erlebt. Umso wichtiger sind zuverlässige Informationen über Krankheitszeichen, Schutzmaßnahmen, Krisenbewältigung und Hilfsangebote. 150 Fragen zu diesen und vielen anderen Themen rund um die aktuelle Pandemie werden in diesem Buch beantwortet. Der Krisenratgeber Corona wird Ihnen helfen, diese schwere Ausnahmesituation möglichst unbeschadet zu überstehen. Er fasst den aktuellen Wissensstand der Medizin zusammen, beschreibt alle Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung, die persönlichen Vorsorgemaßnahmen und die Hilfsangebote des Staates.
Auch wenn die erste Infektionswelle im Mai 2020 abebbt, werden uns die neuen Corona-Regeln für den Alltag noch längere Zeit begleiten. Entwarnung kann es erst geben, wenn wirksame Medikamente und ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Trotz zwischenzeitlicher Lockerungen ist deshalb weiter Vorsicht im Umgang mit der tückischen Infektionskrankheit zu empfehlen.
SARS-CoV-2 und die Pandemie (Fragen 1-7)
Mögliche Ansteckungswege (Fragen 8-14)
Krankheitsverlauf und Risikogruppen (Fragen 15-23)
Anzeichen von COVID-19 und Diagnose (Fragen 24-34)
Quarantäne (Fragen 35-41)
Behandlung und gesundheitliche Folgen (Fragen 42-45)
Sich weltweit verbreitende Infektionskrankheiten gibt es immer wieder einmal. Allerdings sind in den vergangenen 100 Jahren nie derart weitreichende Schutzmaßnahmen für einen so großen Teil der Erdenbürger ergriffen worden wie in der jetzigen Corona-Krise. Zuletzt hatte die WHO 2009 die Influenza H1N1, besser bekannt als Schweinegrippe, zu einer Pandemie erklärt. Mindestens 18 000 Menschen starben daran, darunter 250 in Deutschland. Diese vergleichsweise sehr mild verlaufende Infektionskrankheit rief meist nur leichte Erkrankungen hervor. Dennoch wurde die Pandemiephase erst nach 14 Monaten offiziell aufgehoben.
Die erste Pandemie des 21. Jahrhunderts war SARS gewesen, die sich 2002/03 über die Kontinente verbreitete und nur den größten Teil Afrikas und den Nahen und Mittleren Osten verschonte. An ihr erkrankten über 8000 Personen, knapp 800 starben. Deutschland meldete neun Fälle, die Schweiz einen, Tote gab es hier nicht. Trotz dieser relativ geringen Zahlen wurde SARS im März 2003 zur Pandemie erklärt. Vier Monate später galt die Ausbreitung als eingedämmt, aber auch bei SARS wurde die Pandemie erst nach insgesamt 14 Monaten für beendet erklärt.
Das 20. Jahrhundert erlebte eine Reihe von Pandemien. Die Hongkong-Grippe von 1968/69 (1 Million Tote) galt als mild, die Asiatische Grippe 1957 (1,5 Millionen Tote) wurde als mäßige und die Spanische Grippe 1918/19 (ungefähr 40 Millionen Tote) als schwere Pandemie eingestuft. Seit der medizinischen Auswertung der Spanischen Grippe weiß man, dass ein zeitweises Verbot sozialer Kontakte sinnvoll ist. Während 1918 viele US-Städte Schulen, Küchen und Kinos schlossen und öffentliche Veranstaltungen untersagten, erlaubte Philadelphia noch eine große Parade. In der Folge starben dort im Verhältnis zur Einwohnerzahl fast doppelt so viele Menschen wie etwa in St. Louis.
Sie ist ernst und wird uns wohl noch weit bis ins Jahr 2021 beschäftigen. Im Vergleich zur Schweinegrippe ist die Corona-Pandemie ungleich schwerer. Von daher ist eine eher längere Pandemiephase als die damaligen 14 Monate zu erwarten – zumal WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am 13. April 2020 darauf hinwies, dass das Virus „zehnmal tödlicher“ sei als H1N1 und nur „sehr langsam“ weiche.
Seit Januar hat sich das Coronavirus immer rasanter in der Welt ausgebreitet. Ohne Gegenmaßnahmen würde die Pandemie bis Ende 2020 weltweit mehr als 40 Millionen Menschen das Leben kosten, ergab eine Studie des Imperial College in London. Die fehlende Immunität in der Bevölkerung könnte langfristig dazu führen, dass viele sterben, obwohl das Virus gar nicht so tödlich ist. Denn wenn sich 60 oder sogar 70 Prozent der Bevölkerung mit dem neuen Coronavirus infizieren sollten, was Fachleute für möglich halten, wären das bis zu 56 Millionen allein in Deutschland. Dann könnte schon eine geringe Letalität möglicherweise Hunderttausende Tote in der Bundesrepublik bedeuten. Es besteht aber begründete Hoffnung, dass sich die Pandemie nach den weltweit getroffenen Vorsichtsmaßnahmen in einiger Zeit von selbst erledigt.
Bei der COVID-19-Pandemie handele sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation, warnte das RKI am 17. März. Die Zahl der Corona-Toten in Europa stieg bis 12. April nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf 75 000. 80 Prozent entfielen auf Italien (19 468), Spanien (16 972), Frankreich (13 832) und Großbritannien (9875). Am 26. Mai zählte AFP 172 824 Tote in Europa sowie 98 223 in den USA. Weltweit gab es demnach bisher 346 188 registrierte Todesfälle. Von den fünfeinhalb Millionen nachgewiesenen Ansteckungen wurden rund 70 Prozent aus Europa und den USA gemeldet. Die Zahl der weltweit Infizierten hat sich binnen eines Monats verdoppelt. In Europa hat die Pandemie ihren Höhepunkt überschritten. Damit ist die gesundheitliche Krise allerdings noch keineswegs ausgestanden.
Die deutsche Biostoffverordnung stuft Viren in vier Risikogruppen ein, je nach Infektionsrisiko und Gesundheitsgefährdung. SARS-CoV-2 landete neben SARS und HIV in der zweithöchsten Gruppe 3: „Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich.“ Als noch gefährlicher eingestuft ist, trotz geringerer Ansteckungswerte, Ebola. Die Schweinegrippe ist Gruppe 1 zugeteilt („unwahrscheinlich, dass sie beim Menschen eine Krankheit hervorruft“), Schnupfen- und Grippeviren zählen zu Gruppe 2.
Viren sind Krankheitserreger und viel kleiner als Bakterien. Sie bestehen aus umhülltem Erbgut. Sie können sich weder selbst bewegen noch fressen oder atmen. Weil sie keinen eigenen Stoffwechsel haben und für ihre Vermehrung Wirtszellen brauchen, zählen sie per Definition nicht zu den Lebewesen. Sie befallen Einzeller, Pilze, Pflanzen, Tiere oder Menschen. Haben sie ihre DNA oder RNA freigesetzt, muss die Wirtszelle Virus-Bestandteile herstellen und tausende neuer Erreger freisetzen. Können sie an keinen Wirt andocken, sterben Viren ab. Bis dahin aber bleiben sie trotzdem für eine Weile ansteckend. Coronaviren haben um ihre Ribonukleinsäure eine kugelförmige Hülle, von der Proteinmoleküle wie Zacken einer Krone abstehen (lateinisch: Corona). Sie sind für Viren relativ groß. Das neuartige Coronavirus misst etwa 80 bis 140 Nanometer im Durchmesser, also ungefähr ein Zehntausendstel Millimeter. Die meisten Bakterien bringen es auf die zehn- bis 50-fache Länge.
Im Januar 2020 identifizierten chinesische Mediziner das neuartige Coronavirus. Es ähnelte SARS-CoV – dem Erreger der SARS-Pandemie von 2002/03, der das „Schwere akute Atemwegssyndrom“ auslöste. Entsprechend erhielt die neue Variante, das „Wuhan-Corona-virus“, die medizinische Bezeichnung SARS-CoV-2. Die von ihm verursachte Lungenkrankheit erhielt den Namen COVID-19, für coronavirus disease 2019. Im allgemeinen Sprachgebrauch kann mit Corona das Virus oder die Erkrankung gemeint sein.
Auch SARS war zuerst in China aufgetreten, in der Provinz Guangdong. Das verantwortliche Coronavirus übertrug sich auch zunächst von einem Tier auf den Menschen und zwischen Menschen dann besonders über Tröpfcheninfektion. Es verursachte ebenfalls zunächst grippeähnliche Symptome. Aber noch öfter als bei COVID-19 trat später eine schwere Lungenentzündung hinzu, was zu einer höheren Sterberate führte. Ein Impfstoff wurde nie gefunden, es konnten nur die Symptome der Patienten behandelt werden.
Grippe-, Erkältungs- und Coronaviren verbreiten sich vor allem durch direkten Körperkontakt beim Küssen und Umarmen, durch Anhusten oder Niesen. Als größter Risikofaktor gelten unsere Hände. Etwa 80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden durch sie übertragen, etwa durch Händeschütteln und Abklatschen. Wir fassen uns etwa alle vier bis fünf Minuten ins Gesicht. Das An-die-Nase-Fassen ist der häufigste Infektionsweg für Erkältungen. Ein Infizierter hat seine Umgebung schnell mit den Händen kontaminiert. Ob Türgriff, Treppengeländer oder Halteschlaufe im Stadtbus – dies alles kann Keime tragen. Eine solche Ansteckung über Gegenstände funktioniert allerdings seltener als die direkte Infektion von Mensch zu Mensch. Die in diesem Buch beschriebenen gesundheitlichen Schutzmaßnahmen wirken gegen Corona, Grippe und Erkältung gleichermaßen. Seit die Bürger strenger auf Hygiene achten und Kontakt- und Ausgangsregeln einhalten, dürfte die auch Zahl der Erkältungen insgesamt zurückgegangen sein.
Die Symptome sind einer Grippe zum Verwechseln ähnlich (siehe
Frage 24
)
Am Anfang ist nicht vorherzusehen, ob die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen wird
Viele Infizierte werden gar nicht erkannt, weil sie beschwerdefrei bleiben – in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Gangelt waren der Heinsberg-Studie zufolge 22 Prozent der Angesteckten ohne wahrnehmbare Symptome
Eine Ansteckung kann Schätzungen zufolge schon bis zu zweieinhalb Tage vor Auftreten von Krankheitszeichen erfolgen. Es sind sogar anders als bei SARS Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Menschen angesteckt haben, die keinerlei Symptome zeigten.
Während der SARS-Erreger vor allem Lungenzellen tief in den Bronchien befiel, haben SARS-CoV-2-Infizierte in der frühen Phase der Erkrankung sehr viele Viren im Rachenraum. Von dort können sie sich sehr leicht durch Husten weiterverbreiten
Personen, die mithilfe eines Rachenabstrichs negativ auf das Coronavirus getestet wurden, können trotzdem noch ansteckend sein: wenn sich das Virus im Lungenraum festgesetzt hat und im Rachen nur noch wenige Erreger sind
Am Anfang einer neuen Epidemie wie COVID-19 gibt es gegen den unbekannten Erreger noch keine Grundimmunität der Bevölkerung. Jeder kann sozusagen jeden anstecken. Dagegen ist gegen die Grippe immer ein gewisser Prozentsatz immun durch das Überstehen der Krankheit oder Grippeschutzimpfung
SARS-CoV-2 ist hochansteckend. Vor den Corona-Schutzmaßnahmen steckte ein Infizierter durchschnittlich 2,4 bis 3,3 weitere Menschen an. Die Zahl der Fälle verdoppelte sich alle zwei bis vier Tage. Bei der saisonalen Grippe beträgt die Übertragungsrate wegen der schon vorhandenen Grundimmunität im Schnitt nur 1,5. Für die Folgeentwicklung ist es ein riesiger Unterschied, ob jeder Infizierte einen, zwei oder drei weitere Personen ansteckt. Binnen Wochen konnte der neue Coronavirus Millionen Menschen infizieren. In stark betroffenen Staaten wie Italien und den USA war es zeitweise nicht mehr möglich, alle Schwerkranken gleichzeitig auf den Intensivstationen zu versorgen. Die Grippe braucht dagegen mehrere Monate, um sich etwa in Deutschland auszubreiten, in der Regel grassiert sie von Oktober bis März. Es gibt weniger Krankheitsfälle, der Zeitraum ist länger, und Praxen und Kliniken sind auf darauf eingestellt. In den sechs Monaten der vergangenen Grippesaison haben schätzungsweise 5 Prozent der Bevölkerung wegen Influenza eine Haus- oder Kinderarztpraxis aufgesucht. Influenzaviren gehen in manchen Jahren verstärkt noch bis Mitte Mai um.
Gegen COVID-19 ist bisher keine Impfung möglich
COVID-19 ist tödlicher als die Grippe. In der oft zum Vergleich herangezogenen Grippesaison 2012/13 erlagen schätzungsweise 20 000 Deutsche der Influenza. Für 2017/18 sprach RKI-Chef Wieler von 25 000 Toten (
Ärzteblatt
30.9.2019), doch sind diese Zahlen mit großen Unsicherheiten behaftet. In anderen Jahren sind nur wenige hundert Todesfälle auf eine Grippewelle zurückzuführen.
Datum
Zahl der Infizierten
Verdopplung in Tagen
27. Januar 2020
1
½
28. Januar
4
1. Februar
8
11. Februar
16
27. Februar
48
29. Februar
119
3. März
219
5. März
576
9. März
1236
12. März
2777
15. März
5780
18. März
11 877
21. März
25 101
27. März
53 067
7. April 2020
107 826
vorr. weit über 100
Tabelle 1: Infektionsfälle in Deutschland seit 27. Januar 2020 und rechnerische Verdopplungszeit. Die Verdopplungszeit verlangsamt sich real gegen Schluss weiter, weil die Statistik auch immer mehr gesund gewordene Menschen enthält. Genesene sind nicht meldepflichtig.
Bei der Übertragung von SARS-CoV-2 ist der Hauptweg die Tröpfcheninfektion. Das heißt: Virushaltige Tröpfchen aus den Atemwegen des einen gelangen an die Schleimhäute der Nase, des Mundes oder auch der Augen des anderen. Dazu kann es beispielsweise kommen, wenn jemand in der Nähe hustet oder gar niest und man winzige Tropfen dieses Schwalls einatmet. Auch wenn sich zwei Menschen etwas länger unterhalten, können Spuren der Flüssigkeit an den sensiblen Stellen landen. Für die Erreger sind diese Eingangspforten sehr nützlich. Dort treffen sie auf Beförderungsmöglichkeiten ins Körperinnere, etwa mit dem Atem. Ein hohes Ansteckungsrisiko wird vermutet, wenn man mindestens 15 Minuten mit einem am neuen Coronavirus Erkrankten gesprochen hat beziehungsweise von ihm angehustet oder angeniest worden ist. Beim lauten Sprechen kann ein Mensch mehr als tausend virusbelastete Tröpfchen produzieren und die allein dabei ausgestoßenen Mikrotröpfchen können in einem geschlossenen Raum mehr als zehn Minuten lang in der Luft bleiben (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 13.5.2020). In Innenräumen können auch winzige in der Luft schwebende Aerosole nach neuesten Erkenntnissen SARS-CoV-2 verbreiten, wenn eine ausreichende Menge eingeatmet wird. Diese Gefahr lässt sich die Begrenzung der Personenzahl in einem Raum und durch regelmäßiges Lüften reduzieren.
Zweitens ist eine direkte Kontaktübertragung möglich durch Berührung anderer Menschen, sprich: Hautkontakt. Jemand schüttelt einem Infizierten die Hand und fässt sich später unbewusst ins Gesicht. Damit befördert er die Viren womöglich direkt an Mund- oder Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut. Dafür kann es schon ausreichen, sich das Kinn zu kraulen oder etwas mit den Fingern zu essen. Unsere Hand spielt das Taxi für Viren, die eine Eingangspforte in unseren Körper suchen. Natürlich kann Corona beim Küssen übertragen werden – weil dabei Speichel ausgetauscht wird und sich Sars-CoV-2 nach neuen Erkenntnissen bereits im Rachen festsetzen und stark vermehren kann, bevor er die Lunge befällt. Auch das herzliche Umarmen eines Bekannten ist in Pandemiezeiten ein Risiko. Ob nun durch Tröpfchen- oder Kontaktübertragung: Die folgenschweren Infektionen ganz zu Beginn der Pandemie in Europa passierten unter anderem bei Fußballspielen im norditalienischen Bergamo und beim Aprés-Ski in Ischgl (Österreich). Beim engen Beisammensein von Gruppen für längere Zeit verbreitete sich das Virus offensichtlich am schnellsten.
Drittens kann, wenn auch seltener, eine indirekte Schmierinfektion vorkommen, die am ehesten über die Hände passiert: Etwa wenn ein Mensch einen Lichtschalter oder einen Wasserhahn anfässt, auf dem ein Infizierter Viren hinterlassen hat. Berührt derjenige dann Mund, Nase oder Augen, kann es zur Ansteckung kommen. Einer WHO-Analyse zufolge wird das Coronavirus auf seinem Weg durch den Darm nicht zerstört und findet sich noch in menschlichem Kot wieder. Ob es dort noch vermehrungsfähig ist, ist unklar. Es ist bisher nicht auszuschließen, dass schon der Kontakt mit dem Stuhl, Urin oder Erbrochenen von infizierten Personen in Ausnahmefällen zu einer Ansteckung führen kann. Wir wissen bei Erregern von Magen-Darm-Infektionen, dass diese sich durch kleinste Spuren von Stuhlresten oder Erbrochenem an den Händen verbreiten. Es empfiehlt sich, auf der Toilette besonders auf Hygiene zu achten.
Die Frage ist sehr interessant zur Einschätzung unseres Ansteckungsrisikos im Alltag, ob bei der Annahme eines Pakets oder dem Benutzen eines Wasserhahns an der Arbeitsstätte. Wissenschaftler sind bei Coronaviren zu den in Tabelle 1 gezeigten Ergebnissen gelangt. In allen Fällen geschah der Abbau nicht gleichmäßig, sondern beschleunigte sich exponentiell. In Tröpfchen in der Luft nahm die Konzentration des Virus ebenfalls schnell ab. Nach drei Stunden hatte sie sich um mehr als 90 Prozent verringert.
Hohe Luftfeuchte und Kälte scheinen günstig für Coronaviren zu sein. Auf metallischen Oberflächen trocknet das Virus schnell ein. Aber in Ausnahmefällen waren Coronaviren bis zu 9 Tage auf Oberflächen wie Edelstahl und Kunststoff feststellbar. Auch auf Banknoten sind sie noch nach Tagen gefunden worden. Ob aber die Menge reichen würde, um über die Hände auf die Nasenschleimhaut übertragen zu werden und eine Ansteckung auszulösen, darf stark bezweifelt werden.
Zum Vergleich: Schnupfenviren (Rhinoviren) waren bei Tests in Hotelzimmern auf Lichtschaltern oder Fernbedienungen noch etwa einen Tag ansteckend, maximal können sie eine Woche infektiös bleiben. Grippeviren bleiben außerhalb des Körpers zwei Tage infektiös, in Ausnahmefällen bis zu zwei Wochen. Forscher haben einmal Bakteriophagen, die sich ähnlich wie Viren verhalten, versuchsweise auf einem Türgriff platziert. Sie konnten beim Öffnen der Tür an 14 Personen weitergegeben werden. Diese Menschen infizierten dann noch insgesamt sechs weitere Personen beim Händeschütteln mit den Keimen. Es braucht aber in der Regel schon eine gewisse Virenmenge, damit ein Mensch krank wird. Nimmt er nur wenige Viren auf, ist die Chance groß, dass der Körper rechtzeitig ausreichend Abwehrkräfte mobilisiert.
Oberfläche bzw. Umgebung
Umgebungs- temperatur
Überlebenszeit
Hände
20-ca. 30 Grad
unter 5 Minuten
Nasensekret
56 Grad
30 Minuten
Kupfer Geldmünzen) (kleine
bis 4 Stunden
Nicht gewebter Stoff
10-15 Grad
unter 8 Stunden
Papier/Pappe/Karton
bis 24 Stunden
Rostfreier Stahl (Besteck, Türgriff)
10-ca. 15 Grad?
24 Stunden bis 2 Tage
Plastik
maximal 2-3 Tage
Holz
10-15 Grad
48 Stunden
75-prozentiger Alkohol und Bleiche
jede Temperatur
unter 5 Minuten
Flüssigkeit
75 Grad
15 Minuten
Luft
10-ca. 15 Grad 25 Grad
3-4 Stunden 2-3 Minuten
Tröpfchen
unter 25 Grad
24 Stunden
Tabelle 2: So widerstandsfähig sind Coronaviren in verschiedenen Umgebungen
Eine Übertragung des neuartigen Coronavirus über Brief- oder Paketsendungen ist unwahrscheinlich, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es gibt auch keinen Beleg, dass aus dem Ausland eingeführte Lebensmittel oder andere Waren wie Kleidung und Spielsachen eine Infektionsquelle sein könnten. Die Menge an frischem Erreger müsste für eine Übertragung schon sehr hoch sein. Man sollte sich nur nach dem Auspacken eines Pakets die Hände waschen. Auch wenn die erworbenen Waren einfach erst einmal längere Zeit stehengelassen werden, sterben etwaige Coronaviren darauf ab.
