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Sie haben sich für das Studium der Küchenpsychologie entschieden? Dann halten Sie das richtige Fachbuch bereits in der Hand. Es beschreibt radikal reduziert und mit erschreckendem Humor menschliche Charakterzüge. Wir begegnen den Charakteren in Gestalt von Küchenmaschinen und Kochutensilien, was unserem Studium in Küchenpsychologie einen hohen Grad an Objektivität verleiht. Selbstverständlich geht es hier nur um das Verhalten der anderen. Niemals um unsere eigene Persönlichkeit. Das würde unsere Erkenntnisse unnötig stören. So ermöglicht uns das Studium, zu versierten Fachpersonen zu werden. Nie wieder müssen wir nach Worten suchen. Wir erkennen Charaktere zukünftig sofort und werden sagen: «Ein typischer Kaffeeautomat». Das intensive Studium schliessen Sie mit einem Diplom in Küchenpsychologie ab, welches sich ebenfalls in der vorliegenden Lektüre befindet.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Willkommen in der Küche
Das Studium kann beginnen
Der Genderstern im Küchenuniversum
Sammelsurium der Charaktere
Der selbstverliebte Kaffeeautomat
Die harmoniebedürftige Teemaschine
Der jammernde Lappen
Das besserwisserische Kochbuch
Das fröhliche Licht
Der ungeduldige Wasserkocher
Der abhängige Deckel
Der aggressive Fleischklopfer
Der dienende Seifenspender
Die kontrollierende Bratensonde
Die instabile Serviette
Der frostige Kühlschrank
Das empfindliche Backpapier
Der dominante Dampfdrucktopf
Der schuldige Löffel
Der parasitäre Entsafter
Die vermeidende Antihaftpfanne
Der nörglerische Besen
Die kopierende Alufolie
Der asoziale Abfalleimer
Der ängstliche Milchwächter
Die zwanghafte Ausstechform
Der schaumschlagende Schneebesen
Die stumme Eieruhr
Das freudlose Geschirrtuch
Der überhitzte Backofen
Die neugierige Waage
Der dramatische Stabmixer
Die passive Etagere
Das platonische Besteck
Orientierung zu den Bedienungsanleitungen
Bedienungsanleitungen
Der selbstverliebte Kaffeeautomat
Die harmoniebedürftige Teemaschine
Der jammernde Lappen
Das besserwisserische Kochbuch
Das fröhliche Licht
Der ungeduldige Wasserkocher
Der abhängige Deckel
Der aggressive Fleischklopfer
Der dienende Seifenspender
Die kontrollierende Bratensonde
Die instabile Serviette
Der frostige Kühlschrank
Das empfindliche Backpapier
Der dominante Dampfdrucktopf
Der schuldige Löffel
Der parasitäre Entsafter
Die vermeidende Antihaftpfanne
Der nörglerische Besen
Die kopierende Alufolie
Der asoziale Abfalleimer
Der ängstliche Milchwächter
Die zwanghafte Ausstechform
Der schaumschlagende Schneebesen
Die stumme Eieruhr
Das freudlose Geschirrtuch
Der überhitzte Backofen
Die neugierige Waage
Der dramatische Stabmixer
Die passive Etagere
Das platonische Besteck
Diplomierung
Diplom
Auf Wiedersehen in der Praxis
Die Autorin
Merci
Warum in fremde Galaxien reisen, wenn man die eigene Welt schon nicht versteht? Täglich sind wir dem Mikrokosmos des Lebens ausgesetzt. Dabei kommen uns manche Menschen wie fremde Planeten vor. Ihr Verhalten erstaunt uns. Manche Charaktere wirken beinah ausserirdisch.
Vielleicht ist die Küche der gemeinsame Nenner unseres Universums? Auch der kleinste Haushalt ist meistens im Besitz einer Küche. Oder wenigstens einer Kochnische. Die Küche beherbergt eine Menge Utensilien und Maschinen. Sie alle haben einen Charakter. Ein Sammelsurium der Charaktere. Vereint in Raum und Zeit.
Das vorliegende Buch veranschaulicht radikal reduziert und mit erschreckendem Humor menschliche Charakterzüge. Wir begegnen den Charakteren in Gestalt von Küchenmaschinen und Kochutensilien, was unserem Studium in Küchenpsychologie einen hohen Grad an Objektivität verleiht.
Selbstverständlich geht es hier nur um die Eigenheiten der anderen. Niemals um uns selbst. Das würde unsere Erkenntnisse nur unnötig stören. So ermöglicht uns die Küchenpsychologie, völlig frei und ungeniert über unsere Mitmenschen zu sprechen. Nie wieder müssen wir vorsichtig nach Worten suchen. Wir werden zu versierten Fachpersonen und erkennen Charaktere zukünftig sofort.
Die Küche, in der die Persönlichkeiten des Buches leben, ist unser aller Küche. Da gibt es die kleine Kochnische des Studenten oder die typische Singleküche, in der nur selten gekocht wird. Es gibt das junge Paar oder die kleine Familie mit Küche in schwedischer Universalversion. Im gemeinsam ersparten Haus finden wir die bereits vollausgestattete Küche aus dem schicken Möbelkatalog. Und dann existieren noch diverse Superlativen: Der Hightech- Liebhaber mit der digitalisierten Küchenversion, der eigentlich nie da ist. Der Kochfanatiker, der nach dem Besuch exotischer Kochkurse und mit einem eigenen privaten Kochclub, endlich dieses teure handgeschliffene japanische Messer ersteigert. Oder die Businessfrau, die ihr Geld in eine Küche investiert, die nicht mehr wie eine Küche aussieht, sondern wie ein Forschungslabor mit sterilen Bereichen. In dem die Hauswirtschafterin zum Kochen heimlich ihren technikaffinen Neffen kontaktiert, um den Steamer zu timen, während sie schon wieder mit der Desinfektion der angrenzenden Oberfläche beschäftigt ist.
Und am Ende sind es doch alles Küchen. Unser aller gemeinsamer Nenner. Vielleicht verrät die Küchenausstattung bereits einiges über unseren Charakter? Aber wie schon versprochen, damit halten wir uns heute nicht auf. Weder wir selbst noch unsere Persönlichkeit stehen im Fokus dieser Lektüre. Wir lassen diesmal unserem sozialen Umfeld den Vortritt: Der Charakter unserer Freund*innen, Nachbar*innen, Familienmitglieder oder Arbeitskolleg*innen soll in dieser Küche beleuchtet werden. Wir haben die freie Wahl. Selbstverständlich gibt es auch kombinierte Charaktere. Man besitzt ja meistens mehr als nur einen Wesenszug.
Wer ist nicht schon nach einem Meeting zurück ins Büro und hat mit der Kollegin intensiv über die Persönlichkeiten der Führungsetage diskutiert? Noch nie nach einer Einladung zum Essen heimgefahren und sich mit dem Herzblatt über die Gastgeber*innen ereifert? Dann suchen wir nach Worten, Beschreibungen und Erklärungen. Manchmal fühlen wir uns hilflos bei der Suche nach dieser einen treffenden Umschreibung der Person. Das wird nun einfacher.
Mit dem vorliegenden Werk haben wir das unverzichtbare Standardverzeichnis der Küchenpsychologie zur Hand. Damit wird die Kategorisierung einfach und wir müssen unsere Mitmenschen nicht mehr unnötig in Abwesenheit entwerten oder verletzen. Mit den verschiedenen Küchenutensilien und Küchenmaschinen sind wir in der Lage, Charaktere treffend zu beschreiben. Das macht uns Küchenpsycholog*innen professionell. Letztlich dienen wir damit auch der Entlastung unseres eigenen Gewissens. Wir bleiben in unserer Beurteilung gerecht, fair und küchenpsychologisch fachlich korrekt.
Unschöne Sätze wie: «Der ist doch so ein richtig hochnäsiger Angeber», formulieren wir nun als versierte küchenpsychologische Fachperson: «Er ist ein typischer Kaffeeautomat». Die anderen versierten Küchenkolleg*innen, die selbstverständlich auch das vorliegende Fachbuch gelesen haben, wissen sofort, was gemeint ist. Und das Fachsimpeln kann schnörkellos beginnen.
Wer sich als Fachperson der Küchenpsychologie nicht nur mit Diagnostik und Analyse aufhalten will, kann im Anschluss an das Sammelsurium der Charaktere noch vertiefter in die Materie eintauchen. Die Bedienungsanleitungen für den Umgang mit Maschinen und Utensilien werden nützliche Hinweise geben. Sollten Betroffene nicht in der Lage sein, diese Hinweise in die Praxis umzusetzen, wenden sie sich vielleicht an uns. Mit etwas Glück können wir helfen und Rat geben. Garantiert können wir Rat geben, wenn wir zum erlauchten Kreis der diplomierten Küchenpsycholog*innen gehören.
Am besten, wir entscheiden uns gleich für das vollumfängliche Studium der Küchenpsychologie. Das schützt uns vor dem gefürchteten Halbwissen und macht echte Profis aus uns. Im folgenden Kapitel erfahren wir mehr zum Studium an der Freien Universität des allwissenden HausRats und der küchenpsychologischen Fakultät. Dort dürfen alle studieren. Einzige Voraussetzung: Wir besitzen eine Küche.
Endlich ist es soweit. Wir können mit dem Studium der Küchenpsychologie starten. Die küchenpsychologische Fakultät der Freien Universität des allwissenden HausRats hat uns in ihre heiligen Hallen aufgenommen.
Im ersten Teil unseres Studiums begegnen wir den Charakteren visualisiert in Form von typischen Maschinen und Utensilien des Küchenuniversums. Dazu finden sich stark reduzierte, konzentrierte Kurzbeschreibungen. Diese verzichten auf jede Form von Schnörkeln. Wir begegnen den Charakteren bildlich und schriftlich in reiner Form. Diese Reduktion ermöglicht uns zukünftig das schnelle Erkennen eines Charakters sowie dessen treffende Kategorisierung. Letztlich spart es uns natürlich auch kostspielige Studienzeit.
Im zweiten Teil des Studiums geht es um die Dynamik der Charaktere. Die Bedienungsanleitungen geben Auskunft darüber, wie sich die Charaktere in der Beziehung zu anderen zeigen. Was lösen sie mit ihrem spezifischen Verhalten beim Gegenüber aus? Ausserdem gibt es Empfehlungen zum Umgang mit den Charakteren bzw. den jeweiligen Küchenutensilien. Abschliessend finden wir in jeder Bedienungsanleitung Warnhinweise zu möglichen Risiken oder Gefahren, die aus den beschriebenen Verhaltensweisen entstehen können.
Das intensive Studium schliessen wir mit einem Diplom in Küchenpsychologie ab, welches sich ebenfalls in den vorliegenden Studienunterlagen befindet. Und nun: Viel Freude beim Studium der Küchenpsychologie.
Wenn man darauf hinweisen will, dass ein Text nicht nur Männer oder Frauen betrifft, setzt man den «Genderstern» ein. Er ist auch als «Gender Star» bekannt. Ursprünglich kommt der Begriff aus dem digitalen Universum der Programmiersprache und steht dort als eine Art «Wild Card» für alle denkbaren Variationen. Ist das nicht ein wundervoller Gedanke? Wir reden viel über Diversität und Unterschiedlichkeit. Doch wann bekennen wir uns dazu? Welches Kind ist richtig? Kann ein Kind falsch geboren werden? Falsch in seiner Intelligenz, im Aussehen oder im Geschlecht? Nicht der Norm entsprechend? Wer gibt die Norm vor?
Als angehende Küchenpsycholog*innen wissen wir, dass es diese Norm weder in der Natur noch in unserem Universum gibt. Und vor allem wissen wir, dass nicht wir es sind, die irgendwelche Normen vorgeben. Alles andere wäre radikales Gedankengut, von dem wertschätzende und wohlwollende Küchenpsycholog*innen sich hiermit deutlich distanzieren.
Und so hat die küchenpsychologische Fakultät der Freien Universität des allwissenden HausRats entschieden, dass alle Texte der vorliegenden Lektüre genderfreundlich formuliert werden. Es geht hier nicht um Mann oder Frau. Es geht um viel mehr: unser aller Freiheit im Küchenuniversum. Versprochen, wir gewöhnen uns beim Lesen daran.
Er ist der Schönste.
Heiss geliebt.
Alle brauchen ihn. Alle bewundern ihn.
Er sieht die anderen nicht.
Die Teemaschine neben ihm? Nie bemerkt.
Sein Kaffee ist der Beste.
Er ist nicht irgendeine billige, brodelnde, gurgelnde Kaffeemaschine.
Ein Vollautomat Deluxe.
Mit Display und Sprachsteuerung.
Hochpoliert. Potent.
Wunderschön. Dekoriert.
Perfektes Design.
Edel.
Thront weit oben.
Schaut hinab.
Zu den kleinen undefinierbaren identitätslosen Maschinen.
Verbreitet seinen Duft im ganzen Haus.
Lockt.
Man kann ihm nicht widerstehen.
Intelligent und unabhängig.
Die wenigen Handgriffe, die es braucht, werden stets für ihn erledigt.
Er muss nicht darum bitten.
Passiert alles von selbst.
Beinah autark.
Einsam? Nein.
Nur allein. Königlich.
Manchmal entdeckt er sein Spiegelbild im Wasser.
Selbstverliebt.
Sie will keinen Ärger.
Nur Frieden und Harmonie.
Beruhigt. Beruhigen.
Fällt keinem zur Last.
Inszeniert sich nicht.
Steht im Schatten des selbstverliebten Kaffeeautomaten.
Gut, so. Es gäbe sowieso nur Streit.
Bitte keinen Streit.
Und keine Diskussion.
Das verträgt sie nicht.
Interaktion mit anderen, erhöht das Risiko für Disharmonie.
Einsamkeit: Voraussetzung für Frieden.
Achtsamkeit.
Teekochen steht im Zentrum des Seins.
Macht zum Glück kaum Geräusche.
Wird sie längere Zeit nicht genutzt, schaltet sie sich selbst aus.
Harmonie pur.
Für immer und ewig.
Unendlich.
Unerträglich.
Manche werden aggressiv in ihrer Nähe.
Harmonie ist nicht für jeden.
Für sie schon.
Sucht Harmonie.
Harmoniesucht.
