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Seit er denken kann, lebt Dan Wiener mit kulturellen Unterschieden. Seine Vorfahren stammen aus sieben verschiedenen Ländern. Als rund um den Globus tätiger Kommunikationstrainer hat er es täglich mit ganz unterschiedlichen Welten zu tun, dazu kommen vielfältige Unternehmenskulturen und Menschen mit unterschiedlichsten persönlichen Erwartungen an die Kommunikation. Kulturelle Vielfalt kann als grosses Problem betrachtet werden, aber auch als faszinierende Bereicherung. Denn durch Migration und Globalisierung ist unsere Gesellschaft multikultureller und vielseitiger geworden. Austausch und Verständigung in Organisationen und Unternehmen zu fördern ist für Dan Wiener eine kostbare Aufgabe. Der Coach und Künstler zeigt auf, wie kulturelle Unterschiede statt als konflikthafte Trennlinien, als bereichernde Wege und Prozesse einer fruchtbaren Integration in Gang gebracht werden können. Dieses Lesebuch bietet kurze Essays und Hintergründe für ein vertieftes Verständnis von kulturellen Zusammenhängen. Es finden sich Tipps, um sich noch bewusster und gezielter in einer von Vielfalt geprägten Welt zu bewegen. Und zum Schluss geht es um konkrete Integrationsbeispiele aus Gesellschaft, internationaler Politik und Wirtschaft, aus Schule, Sozial- und Gesundheitswesen. Ein systematischer Ansatz über drei Schritte: Kultur, Vielfalt und Integration.
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Ein Buch aus der Edition Panta Rhei – On Demand
www.pantarhei.ch
© 2021 Das Recht an sämtlichen Text- und Bildinhalten liegt beim Autor dieses Buchs.
Projektkoordination, Lektorat und Korrektorat: Panta Rhei PR
Umschlaggestaltung: www.fraufederer.ch
Layout und Satz: www.fraufederer.ch
E-Book: Zeilenwert GmbH
Illustrationen: Andrey Fedorchenko
Foto Seite 90: Alexander Preobrajenskij
ISBN 978-3-9525412-1-0
Website des Autors: www.c-culture.com
Cover
Titel
Impressum
Wozu dieses Buch
Kommunikation in der Praxis
Wissenschaftliche Verankerung
Kultur, Vielfalt und Integration
ICH! Das Zeitalter des Egoismus
Am Anfang waren die Wörter (Der Turmbau zu Babel)
«Das wird man doch noch sagen dürfen!»
Die drei Affen
Vorurteile – Chauvinismus – Rassismus
Ist Xenophobie heilbar?
Kultur – Wo gehöre ich dazu?
Was verstehen Sie unter Kultur?
Was verstehe ich unter Kultur?
Kultur ist eine dynamische Zugehörigkeit
Je nach Situation gehöre ich zu anderen Gruppen
Vielfalt – Ich bin vieles
Ich bin vieles
Menschen und ihre Kulturen – wie Vielfalt entsteht
Dynamisches Zusammenspiel der Kulturen
Zeichen, Symbole und nonverbale Codes und Filter
Verbale Codes und Filter
«Übersetzen» – Kulturelle Verhaltensregeln
Integration – Ich und die anderen
Kultur + Vielfalt?
Wer bestimmt?
Die fünf Irrtümer der Integration
Gemeinsame Nenner, gemeinsame Lösungen
Verbindung von Kultur, Vielfalt und Integration
Vom Kolonialismus zur Partnerschaft?
Zusammenfassung in der 3D-Kultur-Methode
Beispiel Schule
Beispiel Medizin und Soziales
Beispiel Polizei und andere Sicherheitsorgane
Beispiel Geschäftswelt
Beispiel Internationale Politik und Diplomatie
Fazit
Über den Autor
Seit ich denken kann, lebe ich mit kulturellen Unterschieden. Meine Vorfahren stammen aus sieben verschiedenen Ländern, daher war mir stets klar, dass kein Land besser sein kann als ein anderes. Kriegsspiele mochte ich nicht, weil ich wusste, dass Krieg kein Spiel, sondern tödlich ist. Doch ich war auch nicht besonders friedfertig. So prügelte ich mich gerne und oft mit anderen Jungen in der Pause. Die Ursache war sekundär. Irgendein Konflikt liess sich immer finden. Denn auf dem Schulhof war die Vielfalt schon damals gross – nicht nur aufgrund der geografischen Herkunft, sondern auch weil die Kinder in ihren jeweiligen Familien anders erzogen wurden und einen anderen Lebensstil pflegten.
So bekamen einzelne Kinder zum Beispiel von ihren Eltern Geld, wenn sie in der Schule gute Noten schrieben, was für meine Eltern nie infrage gekommen wäre. Oder andere wurden sehr streng erzogen, während ich fast alles tun konnte, was ich wollte. Diese unterschiedlichen Lebensverhältnisse zu Hause hatten zweifellos Auswirkungen auf den Umgang unter uns Schülern.
Umgekehrt verbanden mich mit meinen Freunden Geheimnisse, in die ich meine Eltern nie eingeweiht hätte. Mir war schon früh bewusst, dass es zwischen Menschen ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede gibt.
Als Kommunikationstrainer habe ich es täglich mit den Herausforderungen kultureller Unterschiede zu tun. Ob ich in Europa, Asien, Nord- oder Südamerika ein Seminar abhalte, ich begegne im wahrsten Sinne komplett unterschiedlichen Welten. Oder coache ich multinationale Unternehmen, grosse und kleine Organisationen, stosse ich auf Unternehmenskulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Komplex ist auch die Beziehungsvielfalt in der Tourismusbranche, wo sich Gastgeber und Gast nicht immer auf Anhieb verstehen.
Kulturelle Vielfalt kann als Problem betrachtet werden, aber auch als faszinierende Bereicherung. Sie generell zu negieren, wäre naiv. Denn die internationale Migration und fortschreitende Globalisierung gehören zu unserem Zusammenleben. Unsere Gesellschaften sind dadurch multikultureller und letztendlich auch vielseitiger geworden. Wer sich dies zu Nutzen machen kann, wird belohnt: als Mensch, aber auch als Unternehmen oder Organisation. Diesen Prozess zu unterstützen, ist für mich eine kostbare Aufgabe.
Nicht nur die sprachlichen und ethnischen Kulturen machen unsere Welt vielfältiger und komplexer. Die Diversifizierung und Spezialisierung betrifft alle unsere Lebensbereiche, sodass die Verständigung auch unter Gleichsprachigen immer anspruchsvoller geworden ist. Wenn Firmen fusionieren, prallen oft zwei komplett unterschiedliche Kulturen und Denkweisen aufeinander. Wenn in einer Organisation verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen sollen, geraten politische oder auch weltanschauliche Positionen aufeinander.
Meine Arbeit sucht nach Wegen, solche kulturellen Unterschiede nicht als konflikthafte Trennlinien, sondern als Möglichkeit der gegenseitigen Bereicherung zu betrachten und einen Prozess des fruchtbaren Austauschs in Gang zu bringen.
Ich bin selbstverständlich nicht der Erste und nicht der Letzte, der sich mit dem Thema «Interkulturelle Kommunikation» auseinandersetzt. Darüber wurde schon viel geforscht und publiziert. Dank einem Lehrauftrag der Universität Basel konnte ich viele dieser Konzepte schon vor Jahren kennenlernen und aus der Perspektive meiner Praxiserfahrung kommentieren.
Je länger ich mich mit dem Thema befasste, je mehr begann ich einzelne Aspekte der Auseinandersetzung zu hinterfragen. So sind von den Studierenden viele der Modelle, die sich primär auf länderspezifische Kulturkategorien beziehen, sehr einfach zu dekonstruieren. Die damit verbundenen dualen Dimensionen greifen meist zu kurz: Die heutige Realität ist mit Kategorien von «fremd» und «einheimisch», «traditionell» und «modern», «Nähe» und «Distanz» nicht ausreichend abzubilden.
Doch mit der Dekonstruktion ist es nicht getan. Mein Anspruch ist es, eine praxisrelevante Herangehensweise zu entwickeln, die ich meinen Kundinnen und Kunden anbieten kann, damit sie kulturelle Unterschiede nicht als Problem sehen, sondern als Chance nutzen können.
Seit ein paar Jahren arbeite ich in bewährter Weise mit drei Begriffen, die ich miteinander in Verbindung bringe: Kultur, Vielfalt und Integration. Obwohl einzeln viel diskutiert und bekannt, werden sie selten in einem Konzept miteinander verbunden.
Ich tue das in drei Schritten:
1.«Kultur» verwenden wir gerne, wenn es darum geht, das Verhalten von jemandem zu erklären. Dabei laufe ich jedoch immer Gefahr, in Stereotype zu verfallen. Um diese Stereotype zu vermeiden, benutze ich ein flexibles Modell, das die kulturelle Kategorie desselben Menschen je nach Situation anders interpretiert. Gemäss diesem Ansatz ist Kultur keine fixe Identität mit bestimmten Werten. Ich betrachte Kultur primär als eine dynamische Ressource oder als Motivationsfaktor, der Menschen befähigt, sich in unterschiedlichen Situationen erfolgreich zu bewegen.
2.Daraus folgt logischerweise, dass Vielfalt nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist: Wir sind vieles, denn bewusst oder unterbewusst kombinieren wir ganz verschiedene Kulturen. Daher sind wir in der Lage, unterschiedlich zu kommunizieren sowie Signale, Codes und Filter in all ihren Facetten zu verstehen und zu übersetzen. Je mehr ich diese Vielfalt bewusst nutzen kann, statt sie zu ignorieren oder gar zu bekämpfen, desto besser werde ich mich in meinem Umfeld behaupten können.
3.Die Vielfalt bliebe ein chaotisches Nebeneinander, wenn es mir nicht gelingt, Unterschiede zu integrieren. Integration heisst aber nicht Anpassung! Findet Integration auf Augenhöhe statt, bedeutet sie das Aushandeln von Inhalten: Wie können die Unterschiede so aufeinander abgestimmt werden, dass etwas Neues, Grösseres entsteht? Integration ist in diesem Sinne Wachstum, das entsteht, wenn sich unterschiedliche Partner aufeinander einlassen, Verantwortung übernehmen und abgeben, und aufgrund von gemeinsamen Nennern Neues entwickeln.
In diesem Buch möchte ich relevante Fragestellungen zur Sprache bringen, die es ermöglichen, über interkulturelle Herausforderungen in Organisationen nachzudenken und Instrumente zur Verfügung zu stellen, die in konflikthaften Momenten dazu verhelfen, Brücken für eine optimale Kommunikation zu schlagen.
Dan Wiener, Januar 2021
Es ist bezeichnend, dass das häufigste Fotosujet heutzutage das Selfie ist. Die Selbstdarstellung wird dabei oft mit einer auf das äussere Erscheinungsbild ausgerichteten Selbstoptimierung kombiniert.
Die Ich-Bezogenheit findet man auch in der Politik, wo Nationalismus, Abschottungstendenzen und auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtete Strategien mit einer egoistischen Rhetorik (ich und mein Land zuerst, alle anderen sind schlechter) verbunden werden.
Die Börse, die geschaffen wurde, um strategische Ideen mit genügend liquiden Mitteln zu versorgen, ist längst zum Selbstzweck mutiert. Die strategischen Ideen richten sich oft nur noch nach einer Steigerung des Gewinns an der Börse.
Und nicht zuletzt verbrauchen wir schonungslos Ressourcen, schaden der Umwelt – und auch das nur aus Bequemlichkeit und für einen egoistischen und kurzfristigen Wohlstand.
Wir leben offenbar im Zeitalter des Egoismus.
Man ist sich selbst am nächsten. Natürlich ist es normal, subjektiv zu sein. Objektivität ist anstrengend. Doch wenn diese subjektive Sichtweise uns daran hindert, grössere Zusammenhänge zu sehen, andere Menschen und Lebensweisen zu verstehen und uns mit ihnen auszutauschen, oder uns wenigstens in ihre Lage zu versetzen, erschwert dies das Zusammenleben in einer Welt, die immer globaler wird und in der wir je länger je mehr aufeinander angewiesen wären.
Will ich für einen besseren Austausch unter Menschen einen «Kompass im Dschungel der kulturellen Unterschiede» anbieten, muss ich also zuerst einige Hindernisse überwinden. Davon handelt das nächste Kapitel.
Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.
Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
1. Buch Moses, 11
Am Anfang der kulturellen Missverständnisse waren die Sprachen und die Wörter. Wenn Menschen sich verstehen, können sie alles erreichen, was sie sich vornehmen. Also erfand Gott die unterschiedlichsten Sprachen und Völker, damit die Menschen es nicht so einfach hatten im Bestreben, ihm zu gleichen.
Eine Erkenntnis gleich vorweg: Es ist nicht anzunehmen, dass wir die Unterschiede einfach beseitigen können, mit denen sich die Menschheit seit Urzeiten beschäftigt. Es wäre illusorisch zu denken, alle Unterschiede und Missverständnisse liessen sich aus dem Weg räumen. Die Folge wäre nicht nur ein äusserst langweiliger Zustand, das wäre auch der falsche Ansatz. Wer also in diesem Buch fertige Patentrezepte sucht, um kulturelle Unterschiede möglichst leicht aus der Welt zu schaffen, braucht hier nicht weiterzulesen.
Wenn Sie aber weiterlesen, werden Sie strukturiert Schritt für Schritt durch Einsichten, Beispiele und Tipps Hinweise finden, wie Sie sich im heutigen multikulturellen Kontext noch besser orientieren und dadurch fruchtbarer kommunizieren können.
Hier ein paar Beispiele, die zeigen, dass Konflikte oder Missverständnisse sehr oft darauf zurückzuführen sind, weil die Menschen sich auf unterschiedliche Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten berufen. Auf sich selbst eben!
Jede Person hat ihre Vorlieben beim Essen. Aber es gibt natürlich auch unterschiedliche Esskulturen: In Mexico isst man Käse zur Vorspeise, in Frankreich selbstverständlich zum Dessert. Eine Mexikanerin, die in Paris in einem noblen Restaurant zur Vorspeise Käse bestellte, wurde vom «Garçon» indigniert zurechtgewiesen: «Peut-être Madame veut commencer par l’addition?»1
Oder er lädt sie zum Essen ein. Sie zieht sich schick an, weil sie denkt, die Einladung hätte eine grössere Bedeutung. Er wollte jedoch nur eine Pizza essen gehen. Sie dachte eher an ein Tête-à-Tête in einem eleganten Restaurant. Er denkt, sie würden die Rechnung teilen. Sie ist empört. Er hatte sie doch eingeladen!
Nehmen wir Frau Dr. Carla Wichtig, Leiterin Verkauf eines erfolgreichen Start-ups. Sie sitzt mit Herrn Konrad Farbenfroh vom Marketing und Frau Petra Vernünftig (Finanzen und Controlling) zusammen, um die Strategie für nächstes Jahr zu besprechen. Natürlich sind alle drei an der erfolgreichen Weiterentwicklung des Start-ups interessiert. Doch sie vertreten unterschiedliche Interessen und vor allem kommen sie aus drei Bereichen mit sehr unterschiedlichen Subkulturen ihres jungen Unternehmens. Während Konrad Farbenfroh die ersten Gewinne für sein einzigartiges Marketingkonzept einsetzen will, verlangt Frau Dr. Carla Wichtig mehr Personal für ihre Abteilung, und Petra Vernünftig bringt Beispiele von vergleichbaren Start-ups, die scheiterten, weil sie keine Reserven aufgebaut hatten, um die typische Baisse nach dem ersten Boom zu überbrücken.
Wer erinnert sich nicht an die schweizerische Aussenministerin Calmy-Rey, die für eine Vermittlungsmission in den Iran fährt? Beim Treffen mit dem dortigen Staatspräsidenten trägt sie ein leichtes Kopftuch, wie das für Frauen im Iran vorgeschrieben ist. Während das im Iran als positives Zeichen gesehen wird, wird sie in ihrem Heimatland von den einen für diesen Bückling vor einer fremden Kultur kritisiert und von den anderen für die Gutheissung des Kopftuches als Symbol der Unterdrückung der Frau.
Ein weiteres Beispiel: Primarlehrer Sebastian Wohlgemut, der für die geplante Klassenfahrt zum Badesee Widerspruch und Kritik von den Eltern von Achim, Andrea und Ali erhält. Achims Eltern befürchten, dass ihr Sohn gemobbt wird, weil er als einer der wenigen Kinder noch nicht schwimmen kann. Andreas Eltern hingegen möchten einen Dispens für den 90. Geburtstag der Grossmutter auf Sizilien, und Alis Eltern verlangen, dass Jungen und Mädchen getrennt baden. Bei allen drei Elterngesprächen müssen die Kinder übersetzen, da die Eltern die Sprache an der Schule nicht beherrschen.
In einem Spital hat der Pflegefachmann Navaratnam immer wieder Konflikte mit seiner Kollegin Jenny, die sich wegen der muslimischen Patientinnen, die sich nur von einer Frau pflegen lassen wollen, beklagt, sie müsse alleine die ganze Arbeit machen. Ausserdem empfindet sie Navaratnams Humor als machohaft, während er das Verhalten seiner (älteren) Kollegin schulmeisterlich sieht.
Unsere Kommunikation ist voller Selbstverständlichkeiten oder Missverständnisse. Das heisst, wir sagen Dinge, die für uns selbstverständlich weitere Dinge implizieren. Selbst-verständlich. Das, was uns selbst-verständlich ist, ist andern eben nicht verständlich. Aus der Begegnung von solchen nicht hinterfragten Selbst-verständlichkeiten ergeben sich dann oft Miss-verständnisse.
Von Selbstverständlichkeiten zu Stereotypen
In all diesen Beispielen spielen persönliche Sichtweisen eine grosse Rolle. Zudem habe ich bewusst Namen gewählt, die beim Lesen Klischees abrufen. Ebenfalls zu erwarten wäre gewesen, dass Dr. Wichtig als Vorgesetzter ein Mann und Marketingverantwortliche eher weiblich sind, damit es ins Klischee passt. Ein anderes Wort dafür sind Stereotype.
Wie das Wort Klischee stammt das Wort Stereotyp aus dem Buchdruck. Es bezeichnet eine vorgegebene fixe Schriftart.2 Im übertragenen Sinn bezeichnet Stereotyp eine vereinfachende Charakterisierung, ein Festlegen bestimmter Wesenszüge einer Person, einer Sache oder eines Vorgangs, von denen man erwartet, dass sie sich in der gleichen Art wiederholen werden – eben «typisch» sind.
•Typisch Mann!
•Typisch Frau!
•Typisch Latino!
•Typisch Fussballer!
•Typisch Akademiker!
•Typisch BMW-Fahrer!
Es braucht nur jemand in einem Gespräch diese Ausdrücke in den Raum zu stellen, und schon läuft in uns ein Film ab. Stimmt’s? Auch wenn wir wissen, dass das vielleicht unzulässig ist.
Und dann gibt es noch den Witz vom Franzosen, dem Italiener und dem Deutschen, den ich aber nicht erzählen will, weil er voller Klischees ist.
Sind denn solche Klischees falsch? Können wir ohne Klischees überhaupt auskommen? Die Antwort auf beide Fragen ist klar: Nein. Klischees sind nicht nur falsch. Menschliches Denken beruht darauf, dass wir Muster bilden.
