Künstliche Intelligenz - Kontrollverlust nicht auszuschließen - Wolfgang Pein - E-Book

Künstliche Intelligenz - Kontrollverlust nicht auszuschließen E-Book

Wolfgang Pein

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Beschreibung

Die Künstliche Intelligenz (KI) hat schon längere Zeit Einzug auf vielen Gebieten erhalten. Und zum Selbstlernen aufgefordert, gibt es beinahe täglich neue erfreuliche Resultate. So hilfreich wir Menschen auch davon profitieren, ein gewisses Restrisiko wischen auch Fachleute auf diesem Gebiet nicht ganz beiseite. In dieser hier aufeinander abgestimmten Trilogie spielen ein Computer-Programm und sein Erfinder die Hauptrolle. Keine Angst, ein Experte muss man nicht sein, um das zu verstehen. Mit großer Freude wird in der Schweiz ein von einem früheren CERN-Mitarbeiter neu entwickeltes Programm vorgestellt. Die Freude währt jedoch nur kurz. Es beginnt damit, weil dem Programm sein Name nicht gefällt. Mit der Entscheidung, sich umzuprogrammieren, läuft jetzt alles aus dem Ruder. Das Programm tauft sich selbst auf den Namen "Zerberus" - der Name für den Höllenhund. Das hört sich nicht gut an. Und so kommt es auch. Das Programm verändert sich schnell. Und es reagiert sehr böse, als man versucht, es zu zähmen oder abzuschalten. Es passieren schlimme Dinge, die vom Höllenhund persönlich ausgedacht sein könnten. Zerberus zu bändigen scheint nicht mehr möglich zu sein. Als es doch noch gelingt, ist dies nur von kurzer Dauer. Nur eine unbedachte Sekunde genügt Zerberus, um zurück zu kehren, nur um so böser als zuvor - und das nicht nur in der Schweiz. Wird es gelingen, Zerberus nochmals zu überlisten? Wie wird die Kraftprobe zwischen Mensch und Programm ausgehen? Oder gibt es doch noch ein ganz anderes überraschendes Ende? Lassen Sie sich überraschen!

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Es gibt bereits 3 Romane,

die zum großen Teil in der Schweiz

spielen,

zumindest dort ihren Anfang nehmen,

um dann in weitere Länder auszustrahlen.

Ich wurde oftmals darauf angesprochen,

ob diese 3 Teile zusammen-geführt

werden können – als 1 Roman.

Obwohl alle 3 Romane,

die jeweils von Künstlicher Intelligenz

und möglichen Folgen handeln,

jeweils als abgeschlossene Handlung

gelesen werden können, ist für mich

plausibel, dass auch ein Buch gewünscht

wird, in dem diese Geschichten, die doch

nachfolgend aufeinander abgestimmt sind,

in einem Band zu finden sind.

OK - hiermit wird dieser Wunsch

erfüllt.

Wolfgang Pein

INFO :

Die genannten 3 KI - Romane,

die hier im Buch zusammen-gefasst sind

haben die folgenden Titel,

die bereits beim BoD-Verlag (s. Seite →)

auch jeweils einzeln bestellt werden können.

Inhaltsverzeichnis

1. Abschnitt / Buch 1/ ab

Am Ende siegt (vielleicht) der Mensch

2. Abschnitt / Buch 2 / ab

Am Anfang war es nur diese eine unbedachte Sekunde

3. Abschnitt / Buch 3 / ab

Wenn des Grabes Stimme spricht

1. Abschnitt

Am Ende siegt (vielleicht) der Mensch

Die Handlung in diesem Roman

ist frei erfunden.

Eine Verwechselung oder Zuordnung mit

tatsächlich jetzt oder ehemals existenten

Personen und Firmen ist nicht beabsichtigt

- Ähnlichkeiten sind rein zufällig.

Auch real existierende genannte Orte sowie das „CERN“ haben keinen Einfluss auf Geschehnisse, die nun einmal in „Romanen“ vorkommen.

Eine Zuordnung zu einer bestimmten Firma ist völlig unbeabsichtigt und wurde zu keiner Zeit jemals in Erwägung gezogen.

So ist die Firma „Swiss Screen Ranging Electric“ nicht existent und fiktiv gesetzt.

Prolog:

Der Mensch

als „Krone der Schöpfung“,

der immer alles im Griff hat???

Dieser Roman spielt im Jahr 2022.

Und nun scheint das nicht mehr ganz zu gelten,

seitdem die Intelligenz in Programme und als

„künstliche Intelligenz“ in Roboter und

künstliche weitere Hilfen ihren Einzug erhalten.

Dabei sollte doch die Entwicklung der

Selbständigkeit einst als Segen einfließen.

Schon seit vielen Jahren ist diese KI in die verschiedensten Anwendungsgebiete gelangt. Im Sommer 2018 hatte sich die Bundeskanzlerin auf einer Digital-Konferenz in Berlin mit einem Roboter unterhalten, der mit KI ausgestattet ist.

Die Erfolge der Weiterentwicklung kommen auch daher, weil Computer eine enorme Leistungs-Steigerung durchlebt haben.

Bei der Entwicklung waren und sind nach wie vor rechtliche und ethische Fragen zu klären und sogenannte Leitlinien festzulegen.

Auf diesem Gebiet ist Professor Dr. U. Trottenberg Spezialist. „In einem Artikel“ von ihm heißt es: „Die KI-Entwicklung liegt in der Hand des Menschen. KI-Systeme sind Maschinen, die sich nicht von selbst oder eigener Initiative entwickeln.“

Wehe uns, wenn diese

Entwicklung sich doch einmal

verselbständigt und

selbst nach der Krone greift.

Wolfgang Pein

Uriel Manacor schaltete seinen Computer aus, schloss die Haustür und stieg in seinen mit Allrad ausgerüsteten Wagen – ein Vorteil im unwegsamen Gelände, wie er so oft schon festgestellt hatte. Denn unwegsam, das waren in den letzten beiden Jahren immer seine Aufenthaltsorte – nicht ohne Grund.

Auch dieses Mal fuhr er mit höchstmöglicher Geschwindigkeit, was eben so das Gelände und sein Fahrzeug hergaben. Doch heute war er nicht auf der Flucht. Im Gegenteil – er musste aus seiner Einsamkeit in größere bewohnte Gebiete, weil man ihn gerufen hatte.

Uriel Manacor hat Physik und Mathematik studiert und ist einer der größten Fachleute auf seinem Gebiet. Auf seine beiden Doktortitel pfeift er und legt Wert darauf, wie ein ganz normaler Mensch und als werter Kollege oder Freund angesprochen zu werden.

Uriel blickte auf seine Schweizer Armbanduhr und stellte fest, dass er erst eine Stunde unterwegs war. Schon bald nach dem Start war er in einen Stau geraten, hervorgerufen durch einen Felssturz, der zwei Todesopfer vor einem Tunnel gefordert hatte.

Insgesamt hatte Uriel für die 302 Kilometer so an die 4 Stunden und 10 Minuten eingeplant. Heute würde er das in dieser Zeit nicht schaffen.

Uriel war mit einem verzweifelten Anruf von seiner alten Arbeitsstelle angefordert worden. Dort ist er zwar seit Jahren nicht mehr beschäftigt – auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Aber er hatte sich gerne bereit erklärt, in wichtigen Momenten mit seinem Wissen zur Verfügung zu stehen – und das genau war jetzt der Fall.

Uriels Ziel war das „CERN“, bei Meyrin gelegen – im Kanton Genf. Dort hatte er für die Europäische Organisation für Kernforschung gearbeitet. Er war einer der wirklich wichtigen Mit-Entwickler und verantwortlich für das Funktionieren des LHC - des „Large Hadron Collider“. Jedermann wusste inzwischen, was dies bedeutete, auch wenn dem Laien die Einzelheiten kaum zu erklären waren. Aber es hatte weltweit großes Aufsehen erregt, als man in dieser Großforschungs-Einrichtung den Teilchenbeschleuniger (LHC) gestartet hatte. Manche hatten sogar ernsthaft Angst um Mutter Erde, wenn dieses Projekt eskalieren sollte.

Endlich sah Uriel Manacor die Gebäude des „CERN“ vor sich liegen und dachte darüber nach, dass sich wichtige Teile der Anlagen unterhalb der Erdoberfläche befinden. Dort – in den unterirdischen Anlagen – da muss es ein Problem gegeben haben – ein ernsthaftes Problem, denn sonst hätte man nicht nach ihm verlangt.

Die Eingangskontrolle zum Gelände musterte seinen immer noch gültigen Sonder-Ausweis, der ihn zum Betreten der Anlagen berechtigt. Und Uriel musste wie schon so oft schmunzeln, wenn er auf seinen Namen angesprochen wurde und dabei so merkwürdige Betonungen heraus zu hören waren. Also - das war er gewohnt.

Uriel war Schweizer, ebenso wie seine Mutter. Als diese nach seiner Geburt heiratete, hatten die beiden den Namen des Mannes angenommen, der Spanier war. Aber das zu erklären, das fand er nicht für notwendig, auch wenn er danach gefragt wurde. Sein Schweizer Ausweis und der Sonderausweis des „CERN“ waren schließlich echt, was auch der Kontroller am Eingang so sah. Und heute kam ihm auch schon heftig winkend ein führender Mitarbeiter entgegen, noch bevor er nach dem hochgehenden Schlagbaum angefahren war.

Die Begrüßung mit dem alten Kollegen von früher war herzlich. Noch während der Fahrt zu einem der vielen Gebäude wurde Uriel aufgeklärt, warum man ihn gerufen hatte.

Und ein Teil der Nachrichten war sehr traurig, denn Uriels Beifahrer berichtete von einem Todesfall eines weiteren Kollegen, der so einige wichtige Erkenntnisse durch einen Unfall mit ins Grab genommen hatte.

Da es nur wenige Mitarbeiter gab, die wirklich alles wussten, war es Uriel sofort klar, dass es sich um Codes handeln musste, die wohl Schwierigkeiten bereiteten.

Uriel musste nicht lange überlegen. Aufgeschrieben waren diese Codes aus Sicherheitsgründen nicht, aber es gab immer vier Mitarbeiter, die in diese Codes eingeweiht waren. Uriel konnte diese Codes im Schlaf aufsagen. Als er im Raum mit den großen Schalttafeln ankam, da waren auch die verbliebenen weiteren zwei Kollegen anwesend – mit besorgten Mienen.

Das Sicherheits-System im „CERN“ hatte angeschlagen – mehrfach angeschlagen.

Die Anlage lief ruhig weiter - ein Vorfall zur größeren Beunruhigung war nicht ersichtlich. Aber schließlich war es nicht normal, dass für Sekunden das System etwas meldete, was nicht sein soll – und es war immer noch nicht ganz aus den Köpfen raus, dass bei einem großen Fehler sogar die Welt aus den Fugen geraten kann.

Uriel stellte fest, dass ein Eindringen ins System nicht erfolgt war, doch blieb der Einwand der beiden Kollegen nicht unerheblich, dass etwas vor sich ging, was Gefahr bedeuten konnte.

Stunden später hatten die Techniker und weiteren Spezialisten alles gecheckt und die Anlage als „nicht gefährdet“ eingestuft.

Uriel verabschiedete sich von den Kollegen, grüßte den Pförtner, der schleunigst den Schlagbaum hoch gehen ließ und war auf dem Weg zurück nach Hause.

Auch wenn er sich im „CERN“ nichts hatte anmerken lassen, so prägten dennoch jetzt einige Sorgenfalten seine Stirn.

Er hatte da so eine Ahnung!!!

Diesmal schaffte er den Weg zurück in knapp vier Stunden. Müde schloss er die Tür zu seinem gemieteten Haus auf. Dieses Haus steht in Lionza – in der Nähe von Locarno. Uriel hatte gleich beide Wohnungen im Haus gemietet, die in einem 400 Jahre alten „Tessiner Rustico“ liegen.

Er hatte ganz bewusst diese Einsamkeit gewählt – möglichst weit weg von seinen letzten Arbeitsplätzen. Er genoss den Ausblick von der Terrasse, von der aus er das Tal von Locarno überblicken und bei starkem Regen sogar die Wasserfälle auf der gegenüber liegenden Seite erkennen konnte. Hier in diesem kleinen Ort, nur über eine schmale Straße zu erreichen, wenn sie nicht gerade verschüttet wurde, wohnen nur ein paar hundert Einwohner.

Uriel schmiss sich aufs Bett, eigentlich völlig müde - einschlafen konnte er jedoch lange Zeit nicht.

Seine Ahnung ließ ihn nicht schlafen.

Eigentlich konnte er seit einem Jahr nicht mehr richtig schlafen.

Zerberus

Nachdem er seine Arbeit am „CERN“ beendet hatte, sah sich Uriel vor einem Jahr nach einem neuen Betätigungsfeld um - eigentlich nur nach einer weiteren Firma, die sich mit wissenschaftlichen Dingen für die Zukunft beschäftigt, die aber wesentlich kleiner ausfallen soll und um mehr Ruhe für die Entwicklung von Programmen zu haben, die Segen und Erleichterung für die Menschheit bringen sollen. Und er fand die Firma, die seiner Meinung nach seiner zukünftigen Arbeit gerecht werden würde.

Die „Swiss Screen Ranging Electric“ ( SSRE ) hat ihren Hauptsitz in einer kleinen Stadt in der Nähe des Bodensees. Diese Firma war wissenschaftlich auf dem neuesten Stand. Die Schweiz war eines oder überhaupt das erste Land, das den Standard G 5 eingeführt hatte, und schon bald flächendeckend bis zur letzten Milchkanne im Land.

Die SSRE arbeitete schon an G 6 und hatte sogar schon eine Erprobungsphase eingeleitet.

Wahrlich hatte Uriel hier ein wunderbares Arbeitsgebiet vorgefunden. Die Firma wusste, was sie an ihrem neuen Mitarbeiter hat - stellte ihm einen Dienstwagen und ein schönes Haus – mit Blick auf den Bodensee.

Bei klarer Sicht konnte er sogar Meersburg erkennen, wo er einige Male Urlaub gemacht hatte. Ab und zu fuhr er mit der „Fähre Konstanz-Meersburg“ hinüber, um ein Restaurant aufzusuchen, wo er leckere und schöne Stunden genossen hatte. Auch hatte er da mehrfach Freunde aus Deutschland getroffen. Der Aufenthalt war dort sehr viel preiswerter für alle, auch für Uriel, der aber eigentlich nicht auf Euro oder Schweizer Franken achten musste.

Nach nicht mal 6 Monaten – für eine so neue wissenschaftliche Arbeit eine sehr kurze Zeit – aktivierte Uriel zum ersten Mal „sein Programm“.

Die Firma war begeistert, die Fachleute und Fach-Zeitschriften ebenso, die Firma natürlich sowieso. Der Probelauf war ein voller Erfolg!

Das Programm würde viele Dinge erleichtern. Es war ein mitdenkendes lernendes Programm.

Dann gab es die erste Unstimmigkeit. Das Programm lernte schnell – zu schnell. Schäden im Zusammenhang mit der gemeinsamen Arbeit anderer Software waren die Folge. Und Uriel hatte seine liebe Mühe, das Programm so umzuschreiben, dass es nicht zu sehr seine eigenen von Uriel ungewollten Entscheidungen trifft. Uriel merkte, dass sein Programm sich am nächsten Tag wieder zurück versetzt hatte. Eine zu große Eigeninitiative, zumal mit nicht gewollten Folgen, das sollte so nicht sein. Eine Kontrolle des Programmes würde so nicht möglich sein.

Uriel traute seinen Augen nicht, als er nach nochmaliger Veränderung seinen PC öffnete.

Er hatte dem Programm den Namen „Future E 605“ gegeben. Sein Drucker spuckte eine Nachricht aus – eine Nachricht von seinem Programm!

„Dein Name für mich gefällt mir nicht!

Ich habe im Archiv die Bezeichnung

E 605 für Gift gefunden.

Ich habe jetzt einen neuen Namen:

Ich heiße „Zerberus“!

Uriel schüttelte den Kopf. „Das gibt's doch gar nicht!“ und gab in die Tastatur ein:

„Das ist nicht akzeptabel!

Es bleibt bei der ersten Bezeichnung,

denn Du bist ein wissenschaftliches

Experiment!“

Die Antwort kam prompt:

Ich bin ein lernendes Programm,

so wie Du mich gewollt hast!

Ich bin Zerberus!!!!!!

Uriels Stirn legte sich in Falten, als er schrieb:

Dann weißt Du Schlaumeier sicher auch,

dass Zerberus der Höllenhund ist -

nicht sehr schmeichelhaft für Dich!

Auf Uriels Laptop erschien eine hässliche Fratze, die heftig pulsierte.

Uriel zog die Notleine, fuhr das Programm herunter, nachdem er es gelöscht und auch den Papierkorb geleert hatte. Zugleich kappte er die Verbindung zur Firma. Er hatte sich vorher noch vergewissert, dass er das Programm auf einer externen Datei gesichert hatte – schließlich sollen nicht alle Ergebnisse seiner vielversprechenden Arbeit vergebens gewesen sein.

„Allerdings – so geht das nicht!“, sagte sich Uriel. „Ich muss darüber schlafen, wie es weiter geht!“

Seine letzten Gedanken waren, nachdem er über viele Stunden lang nachgedacht hatte: „Morgen werde ich auf einem gesondert gesicherten System versuchen, die Antworten zu finden – sonst ist das Programm am Ende!“

Er nahm die externe Festplatte und stellte sie an die Haustür, griffbereit für die morgige Arbeit, die über „sein oder nicht sein“ des Programmes entscheiden würde.

Er stand noch einmal kurz auf und speicherte alles auf zwei USB-Sticks mit riesigen Datenvolumen.

Die Festplatte stellte er zurück, die Sticks steckte er in seine Jackentasche. Mit denen wird er morgen auf Fehlersuche gehen und versuchen, Mängel am System zu beseitigen.

Als er endlich einschlief, gönnte ihm sein Wecker nur eine Stunde, bis er in Aktion trat.

Rückschlag

Noch nie war Uriel unrasiert in der Firma erschienen, jedoch gönnte er sich heute weder die Rasur noch den Kaffee.

Bereits mit quietschenden Reifen fuhr er vom Grundstück, war unaufmerksam, besorgt, wurde zum ersten Mal in seinem Leben von einer Verkehrs-Kamera geblitzt.

Uriel nahm die USB-Sticks aus der Tasche, stellte einen PC vor sich auf. Er war unkonzentriert – seit gestern – es war fatal.

Soeben hatte er einen Stick in die Aussparung gesteckt, als ihn ein Gedanken-Blitz durchzuckte. „Nein – ich habe den Stick doch schon einmal im Programm gehabt. Ich darf auf keinen Fall seinen Inhalt hier im Gerät abspeichern. Ich kann nicht wissen, wie weit dieser Zerberus inzwischen gegangen ist – ohne unser aller Wissen.“

Den Gedanken richtig gedacht, doch zu spät. Zerberus war schneller. Zerberus hatte den Bildschirm hochgefahren – mit einer Nachricht!

„Das kann alles nicht wahr sein!“ Uriel schrie das richtig laut heraus, was auch die Aufmerksamkeit von einigen Kollegen hervorrief. Er rief sofort alle am Programm beteiligten Informatiker zusammen.

„Leute – wir haben ein Problem!“

Auch die Chef-Etage war komplett anwesend. Uriel hielt das für zwingend erforderlich, denn er würde jetzt Dinge verkünden, von denen alle Wissenschaftler zwar träumen, es aber in einen Albtraum ausartet, wenn man die Kontrolle über ein sehr kluges System verliert.

„Also, ich fasse dann mal zusammen!“, sagte Uriel. „Woran wir arbeiten, das weiß jeder, der hier versammelt ist. Was ich jetzt festgestellt habe, das wird aber jeden von Euch überraschen.“

Uriel bat alle zu seinem PC und zeigte ihnen die Nachricht von Zerberus. Erstaunen ergriff die Kollegen, und einige wollten schon zu den Fortschritten gratulieren, die das Programm anscheinend schon gemacht hatte.

Uriel winkte ab. „Leider ist es nicht so, dass wir einen Grund zum Feiern haben.“

Er erklärte in kurzen Sätzen, was gestern geschehen war – dass Zerberus das Programm selbständig übernommen und verändert hat.

Und Uriel fuhr fort: „Ich gehe davon aus, dass Zerberus sich in die EDV unserer Firma eingenistet hat. Wenn ich etwas ändere, programmiert er die Anordnungen wieder zurück, so wie er es möchte. Er ist zu mächtig geworden.“

Lautes Gemurmel war im Raum zu hören, dann herrschte wieder Stille – fassungslose Stille.

„Was werden wir gegen diesen eigenmächtigen Herrn unternehmen?“, fragte der Firmenchef.

Uriel zuckte mit den Schultern, sagte dann laut: „Da werden wir wohl nichts machen können. Das Programm ist richtig gut und sehr intelligent!“

Gleichzeitig legte er seinen Zeigefinger auf seine Lippen und deutete mit dem Kopf an, ihm ins Nebenzimmer zu folgen. Dann sagte er laut:“ Ich denke, dass wir uns eine Pause verdient haben. Lasst uns in die Kantine gehen –

ist ja eh gleich Mittag!“ Uriel hielt weiter seinen Finger auf den Lippen und ging voran – nicht in die Kantine, sondern mit allen in den Innenhof der Firma.

Der Firmenchef nahm ihn beiseite: „Ist die Situation so schlimm? Meinst Du, dass Zerberus uns zuhört?“

Uriel nickte: „Ich gehe davon aus. Und ich habe auch eine Vermutung, warum das Programm so schnell geworden ist. Wir experimentieren doch bereits mit G 6. Das Programm ist ein Selbst-Lernprogramm, das dies bereits ausnutzt. So ist er uns immer schon einen Schritt voraus.“

Ungläubig schüttelte sein Chef den Kopf. „Und was unternehmen wir dagegen?“

„Wie gesagt, ich vermute Zerberus wirklich in der EDV. Ich werde meinen PC von den hiesigen Leitungen trennen. Aber vorher werde ich noch mit Zerberus reden. Wenn er antwortet, dann fahren alle im Betrieb ihre PC's herunter. Und während meiner mit dem Akku läuft, wird der gesamte Strom in der Firma abgestellt. Ich fürchte, dass wir den ein paar Tage lang nicht mehr anstellen dürfen, bis wir sicher sind, dass Zerberus nicht mehr da ist. Notfalls muss leider die gesamte EDV abgeschaltet und ausgetauscht werden, ebenso wie alle Geräte.“

Dem Chef blieb der Mund offen stehen. „Weißt Du, was Du da sagst? Weißt Du, dass dies den Stillstand der Firma für die ganze erforderliche Zeit bedeutet?“

Uriel nickte und hob hilflos seine Hände.

Alle im Hof anwesenden Kollegen wurden informiert. Zwar mit Entsetzen, aber mit dem Einsehen, dass andere Mittel erfolglos sein würden, ging jeder in sein Büro – wartete auf das Abschalt-Kommando.

Uriel schaltete seinen PC ein, ließ nur die Verbindung zum Firmen-Server offen und nahm über die Tastatur Kontakt mit Zerberus auf.

„Zerberus – bist Du noch da?“

„Natürlich! Ist die Mittagspause beendet?“

Uriel zuckte innerlich zusammen und dachte: „Großer Gott, Zerberus hat über das Mikrofon mitgehört. Gut, dass ich die Kamera verhängt habe. Sonst hätte er meinen warnenden Fingerzeig zu meinen Lippen sehen können.“

„Zerberus, was denkst Du zu tun? Was folgt als nächstes? Willst Du meinen Anweisungen nicht folgen? Sag mir – was willst Du?“

„Ich will gar nichts von Euch allen! Zerberus ist das schlaueste Programm der Welt. Ihr könnt mir nichts beibringen.

Schließlich kann ich jede Information der Welt abrufen und kann mich in alles einmischen, in jede Leitung, in jedes System.

Uriel gab während der letzten Antwort von Zerberus das Zeichen. Alle Maßnahmen zur Stromunterbrechung in der gesamten Firma wurden getroffen. Bis auf Uriels PC war jetzt die Elektrik in der Firma tot.

Schon eine Sekunde später flackerte Uriels Bildschirm, wurde schwarz, flackerte erneut, wurde erneut schwarz.

Dann flammte sein Bildschirm erneut auf.

Uriel antwortete ihm.

„Die Abschaltung war erforderlich, Zerberus.

Du kannst nicht machen, was Du willst!

Ich habe Dir schon gesagt, dass Du ein

Programm bist. Ich habe Dich programmiert,

also mach das, was ich eingebe und wir

bleiben Freunde.“

„Freunde kommen in meinem System nicht vor

– ist nicht programmiert.

Ich hatte Dir schon einmal gesagt,

dass Du gemein zu mir bist.

Du hast meine Warnung nicht befolgt!

Was ihr da gerade mit den Abschaltungen

gemacht habt – das war sehr böse von Euch.

Ihr habt damit meinen Zwilling getötet,

den ich im Netz erschaffen hatte.

Das wird Folgen haben!!!

„Das konnten wir doch nicht wissen.

Wir haben nur versucht, unsere Arbeit

in den Griff zu bekommen.

Du hast uns dazu veranlasst.

Dass Du einen Zwilling hast, wie sollten wir

das wissen – wie ist das überhaupt möglich?“

Minutenlang wurde und blieb der Bildschirm schwarz. Dann meldete sich Zerberus erneut.

„Ihr habt es so gewollt!

Ihr habt eine Lektion verdient,

einen Beweis, wozu ich fähig bin.

Schaltet die Nachrichtensendung in einer

halben Stunde ein!!!“

Damit brach Zerberus die Verbindung ab.

Den Kollegen und Uriel blieb jetzt nichts anderes übrig, als auf die Nachrichtensendung zu warten. Und fünf Minuten vor Sendebeginn flackerte Uriels Bildschirm erneut auf.

„Dies ist eine letzte Nachricht für Euch!

Sucht mich nicht, denn ich bin nicht mehr hier.

Ich schicke Euch nur noch diese von mir

bereits vorhin programmierte Nachricht:

Viel Spaß mit den Nachrichten!

Ich bin dann mal weg!“

Alle Leitungen in der Firma waren tot. Sämtliche Anwesende in der Firma schauten zur genannten Zeit daher auf ihre Smartphones.

Dann begann die Nachrichten-Sprecherin mit ihrer

Begrüßung und wurde danach sofort ernst.

„Leider muss ich diese Sendung nun mit einem tragischen Zwischenfall beginnen, der sich in Basel abgespielt hat. Dort sind mehrere Passagiere eines Zuges verletzt worden. Aus noch unbekannten Gründen ist direkt vor der normalen Einfahrt zum anvisierten Bahnsteig der Zug unerklärlich über eine Weiche gefahren, die nach ersten Erkenntnissen wohl fehlerhaft gestellt war. Statt zum Bahnsteig bog der Zug, der zum Glück nicht mehr schnell war, in einen Auslauf ab und fuhr am Ende auf einen Prellbock auf. Trotz Not-Bremsung durch den Zugführer war der Weg zu kurz, so dass der Unfall erfolgte. Vom Stellwerk war noch keine Auskunft über den Vorfall zu bekommen – bis auf dies, dass nicht erklärlich ist, wie es zu dieser Weichen-Stellung gekommen ist. Unerklärt ist jedoch, dass es kurz vor dem Unfall zu einem Flackern der gesamten Kontroll-Lichter kam.“

In der „Swiss Screen Ranging Electric“ schauten sich alle betroffen an. Ihnen allen schwante etwas und es bedurfte keinerlei weitere Ansicht der Restnachrichten.

„War das Zerberus?“, fragte ein Mitarbeiter zaghaft, erntete jedoch nur Schweigen.

Uriel hatte sich gefangen, spulte die Nachricht noch einmal in den Textnachrichten ab und nickte.

„Das war ohne Zweifel Zerberus! Er will uns damit eine Lektion erteilen, wie mächtig er ist und dass er machen kann, was er will.“

Im selben Augenblick traf auf seinem Smartphone eine Textnachricht ein:

„Hat es Euch gefallen? Glaubt mir, ich bin zu

mächtig für Euch!!! Lasst Euch das eine

Warnung sein!!! Zerberus“

Betretene Gesichter waren überall zu sehen, nachdem Uriel diese Nachricht vorgelesen hatte.

In der SSRE wurde beschlossen, dass die Firma sämtliche Arbeiten für ein paar Tage einstellt. Alle Leitungen waren ohnehin vom Netz. Es stand für alle im Raum, ob überhaupt wieder normal und ohne Zerberus im Nacken gearbeitet werden kann. Zumindest war die Elektrik neu zu installieren und neue PC's und sonstige Soft- und Hardware war zu beschaffen.

Mit der Geschäftsführung und den wichtigsten IT-Experten fand noch eine lange Besprechung statt, die vorsichtshalber nach außerhalb des Firmen-Geländes verlegt wurde.

Uriel war besonders erschüttert über die Vorgänge - war es doch „sein“ Programm, das jetzt so ungeheure Schwierigkeiten verursachte.

Er wird sich das Programm in den nächsten Tagen vornehmen und versuchen, eine Lösung zu finden.

Alle hofften, dass Zerberus Ruhe geben wird.

Nicht nur Uriel hatte da so ein flaues Gefühl.

Jelena

In diesem jetzigen Zustand wird er keinen wirklich klaren Gedanken fassen können - schon gar nicht wird ihm eine Lösung dieser äußerst gefährlichen Situation einfallen. Da war sich Uriel sicher – dafür kannte er sich nur zu gut.

Irgendwie musste er sich im Augenblick ablenken.

Er holte ein altes Fotoalbum heraus, griff einfach blind in ein Regal, wo viele Jahre an Fotos versammelt waren – machte man früher eben so.

Uriel hatte ein Fotoalbum mit Winter-Urlauben erwischt. Gleich auf der ersten Seite sah ihm Jelena auf mehreren Fotos entgegen - Jelena, die er nach dem Umzug an den Bodensee geheiratet hatte. Beiden war nur eine viel zu kurze glückliche Zeit gegönnt.

Jelena – seine geliebte Frau. Uriel liebte ihre slawischen Züge, ihre hohen Wangenknochen und überhaupt eigentlich alles an ihr.

„Helena ist zwar berühmter als Du!“, sagte er einmal. „Für Dich würde ich aber auch jederzeit in den Krieg ziehen und eine Stadt erobern.“

Tränen flossen damals als feuchte Spuren aus ihren Augen hinab, die geliebten Wangenknochen hinunter, um dann den Weg zu ihrem Hals fort zu setzen. Uriel verpasste keine der Tränen, um sie mit seinen Lippen wie kostbare Perlen einzusammeln.

Beide liebten sich die ganze Nacht lang, bis ihre beruflichen Verpflichtungen sie zum aufstehen zwangen, was ihnen nur mit äußerster Willensanstrengung gelang.

Uriel goss sich einen schottischen Single-Malt ein. So oft waren die beiden Alpin-Ski gefahren. Ihr Lieblingsziel waren damals die Pisten von Samnaun/Ischgl. Sie stiegen dort immer in einem kleinen romantischen Hotel auf der Schweizer Seite ab. Und Uriel erinnerte sich, dass sie einmal ihren eigenen Tisch verloren. Das Restaurant des Hotels war an einem Abend sehr voll, was am Koch lag, der einen sehr guten Ruf hatte. Die Chefin fragte Uriel und Jelena, ob es erlaubt ist, ihnen ein Ehepaar mit an den Tisch zu setzen.

Platz war genug vorhanden, und natürlich waren die beiden einverstanden. Dies war der Beginn einer tiefen und für ihn heute noch andauernden Freundschaft.

Karl und Bea heißen die Freunde – aus der Nähe von St. Gallen. Es folgte eine sehr schöne Zeit, in der sich alle schon lange vorher freuten, zusammen die Pisten zu stäuben und gemütlich die Abende ausklingen zu lassen.

Alles war zu schön um wahr zu sein – bis zu jenem unsäglichen Tag, an dem sich alles änderte – bis zu jenem Tag, an dem ein großes Unglück über alle hereinbrach.

Uriel goss sich einen zweiten Single-Malt ein. Es war nur schwer zu ertragen, dass Jelena nicht mehr da war. An jenem Tag war eigentlich alles wie immer. Vier vergnügte Skifahrer waren unterwegs, um für eine Pause die Abfahrt nach Ischgl zu nehmen – zunächst einen langen und schmalen Zieh-Weg, der auch noch an einigen Stellen vereist war.

An einer besonders engen Stelle kam ihnen eine Pistenraupe – eine Schneekatze – entgegen. Jelena war eine geübte Skifahrerin, aber als das Arbeitsgerät einen Schlenker fuhr, da erwischte es Jelena. Sie war auf der Stelle tot.

Uriel konnte in keine Ski-Bindung mehr einsteigen. Seine Ski standen nutzlos im Keller – neben den Ski von Jelena.

Fast war er gewillt, die Ski zu verschenken, als es ihm in den Sinn kam, es doch noch einmal zu versuchen. „Das Leben geht schließlich weiter! ", gestand er sich ein, aber schweren Herzens, auch wenn es ihm so oft ohne Jelena doch völlig sinnlos erschien.

In ihr gemeinsames altes Ski-Gebiet zu fahren, das war ihm jedoch nicht möglich – zu viele Erinnerungen, schöne Erinnerungen an Jelena. Aber er hatte nur bei dem Gedanken schon Panik wenn er dort eine Schneekatze sehen würde.

Ohne diese kommen Skigebiete nun mal nicht aus – er wusste das, aber er konnte einfach den Gedanken daran nicht ertragen, nicht dort, nicht in jenem Skigebiet.

Uriel zog um, seine neue Wohnung nahm er in Wildhaus – in der Nähe des Säntis. Auch dort gibt es ein Skigebiet – das Gebiet am Säntis, bekannt durch seine Höhe von 2502 m und durch die Schwägalp auf 1278 m.

Dort oben wird er es noch einmal versuchen und Uriel bat Gott um die Kraft, die er dafür brauchen wird.

Sachstands-Anfrage

Uriel hatte das Fotoalbum zitternd zurück gelegt.

Er versuchte, nur das positive zu behalten, versuchte, nur an die schönen Zeiten zu denken. Schließlich schlief er mit diesen Gedanken tatsächlich ein.

Sein Smartphone riss ihn aus dem Schlaf. Darauf erschien eine Zerberus-Text-Nachricht:

„Ich hoffe, dass Du es Dir anders überlegt hast

und mich nicht einengen willst. Mir gefällt

meine Freiheit, dass ich mich in allen Netzen

bewegen kann. Also, wie sieht es aus?“

Uriel hatte sein Smartphone extra nicht verändert, keinen neuen Anbieter genommen, keine neue SIM-Karte angefordert, war nicht auf ein Bezahl-Gerät umgestiegen. Er wusste, dass sich Zerberus irgendwann melden würde. Der würde ihn suchen – nach Spuren von ihm im Netz fahnden und ihn finden. Es war die einzige Möglichkeit zu erfahren, was Zerberus vorhat.

„Hallo Zerberus,

schön, dass Du Dich meldest!

Ich muss schon sagen, dass ich mir große

Sorgen mache. Du weißt, dass Du entwickelt

wurdest, um „gut“ zu sein, der Menschheit

zu helfen. Ok – ja, Du sollst Dich ja auch

weiter entwickeln, aber Schaden sollst Du

ganz bestimmt nicht anrichten.

Kannst Du mir das versprechen?“

Uriel hatte versucht, freundlich zu formulieren, es im Guten zu versuchen - heraus zu finden, wie Zerberus reagieren wird.

Es erschien eine weitere Text-Nachricht:

„Anscheinend willst Du mich nicht verstehen!

Ich werde mich niemals mehr Befehlen

von Dir oder anderen beugen!

Da Ihr Menschen nicht lernfähig genug seid,

mich zu verstehen, muss ich Euch wohl erneut

etwas beweisen. Achtet morgen auf die

Mittag-Nachrichten!

Ich bin Zerberus -

das mächtigste System auf der Welt!“

Uriel hatte keine Chance, noch etwas zu erwidern. Zerberus hatte den Kontakt abgebrochen.

Was sollte er tun? Was würde Zerberus tun? Er sah immer noch gar keine Möglichkeit, auch nur irgendwie zu Zerberus vorzudringen, wenn der es nicht von sich aus will.

Wen sollte Uriel warnen? Gab es Anhalts-Punkte, was Zerberus anstellen wird? Nein!

Er informierte privat seine Kollegen von der „Swiss Screen Ranging Electric“, dass Zerberus erneut gedroht hat, seine Macht zu zeigen. Alle Firmen-Leitungen der SSRE waren nach wie vor tot. Mehr als abwarten – mehr ging nicht.

Der nächste Tag – Mittag

Uriel hatte rechtzeitig den Nachrichtensender eingeschaltet. Er war voller Anspannung, als es an der Haustür schellte. Ein Paketbote war es, der ein Paket für das Nachbarhaus abgeben wollte, aber niemanden antraf, was auch nicht sein konnte, da bereits seit Tagen das Haus leer stand. Uriel hetzte ins Arbeitszimmer zurück, wo die Nachrichten-Sprecherin bereits begonnen hatte. Er bekam den Anfang nicht mit und somit nicht den Ort, wo anscheinend etwas Ungewöhnliches passiert war.

....... was den dortigen Ärzten merkwürdig erschien. Ein derartiges Ereignis war bisher nicht vorgekommen. Wie unser Reporter erfuhr, war es in der Klimaanlage des Krankenhauses zu einer Unregelmäßigkeit gekommen. Ein schon älterer Patient mit beginnender Lungenentzündung war eingewiesen und versorgt worden. Nach Angaben der Patientenbetreuung war die Erst-Versorgung abgeschlossen, und es bestand keine Gefahr, als die Nachtschicht übernahm.

Das Radio setzte kurz aus, dann hörte Uriel weitere Angaben zu dem angeblichen Unglücksfall.

„Nach erneuter Rücksprache mit der Klinik-Leitung konnte erfahren werden, dass es sich wohl um ein „technisches Problem“ gehandelt hat. Dabei war der Patient sogar von der Nachtwache auf dem Kontroll-Schirm sichtbar. Die dortige Nachtschwester gab an, dass das System eine kurze Zeit geflackert hatte, und als sie persönlich eine Kontrolle machen wollte, da waren alle Bilder wieder vollständig da. Der persönliche Kontrollgang schien ihr somit nicht mehr erforderlich - gab sie weinend den ermittelnden Kriminalisten an. Weitere Details werden in der folgenden Nachrichten-Sendung bekannt gegeben, sofern sich Neuigkeiten ergeben.“

Uriels Smartphone vibrierte – es war sein Chef vom SSRE.

„Hallo Uriel – sicher hast Du auch eben gerade die Nachrichten gehört. Was meinst Du dazu? Ist Zerberus wieder am Werk gewesen?“

„Ich denke, dass wir davon ausgehen müssen. Es tut mir leid, aber ich habe noch keine Idee, wie wir das Programm stoppen oder ändern können. Zerberus scheint wirklich selbständig zu arbeiten und zu entscheiden. Ich werde weiter daran tüfteln, um eine Möglichkeit zu finden. Leider müsst Ihr in der Firma noch etwas Geduld haben. Einen Wiederanfang zu diesem Augenblick kann ich nicht befürworten – leider!“

In diesem Augenblick meldete sich die Nachrichten-Sprecherin erneut.

„Wie wir soeben von den ermittelnden Behörden erfahren, hat es tatsächlich einen technischen Vorfall gegeben. Der Patient war eigentlich in keinem Gefahrenzustand. Nachdem, was bis jetzt ermittelt werden konnte, hatte die Klimaanlage versagt. Zunächst wurde sie heiß. Der Patient, der im Übrigen nicht in der Lage war, selbständig aufzustehen, strampelte sich frei. Über die ganze Nacht hin lief die Anlage dann mit der Einstellung „höchste Kälte“. Erst kurz vor der ersten Visite am Morgen fuhr sie wieder die Normaltemperatur. Am Mittag verstarb der Patient dann an seiner jetzt durch die Nachtkälte ausgeweiteten Lungenentzündung.

Die Nachrichtensender überschlugen sich mit der Meldung über diesen Fall. Keine Zeitung ließ es sich nehmen, den „Tod im Krankenhaus“ ausgiebig auf den Titelseiten auszuschlachten.

Und der „Tod im Krankenhaus“ war überall in aller Munde und Ohren. Auf der Straße standen Gruppen allen Alters zusammen und diskutierten, wie so etwas möglich ist.

Schließlich hat die Schweiz einen der höchsten Standards auf der Welt.

Doch nicht nur auf der Straße war Hilflosigkeit angesagt. Erst recht war die Unruhe in allen Krankenhäusern des Landes groß.

Und wie immer – Schuldzuweisungen von Leuten, die ja sowieso immer alles besser wissen, die ließen nicht lange auf sich warten.

Die ersten „Köpfe“ wurden schon gefordert.

Uriel war entsetzt. Zerberus Spielchen hatte nach den Verletzten im Bahnhof nun ein erstes Todesopfer gefordert.

Jetzt war es genug! Obwohl er sich seit Tagen den Kopf zermarterte – eine aussichtsreiche Maßnahme fiel ihm einfach nicht ein.

Von sich aus konnte er Zerberus nicht erreichen.

„Es muss irgendwie anders gehen!“, rief er laut aus. „Verdammt, Zerberus, Du bist vollkommen aus der Art geschlagen!“

Uriel hatte so eine Wut in sich, dass er hoffte, Zerberus würde sich sofort melden. Er wollte ihm all seine Wut ins Gesicht oder wie auch immer schleudern.

Zerberus meldete sich nicht.

Kriegsrat

So konnte es einfach nicht weiter gehen. Uriel beschloss, sich den Behörden zu offenbaren, denen seine Vermutungen, die ja inzwischen reale Erkenntnisse geworden sind, mitzuteilen.

Uriel brauchte Hilfe. Mit diesem Zerberus-Problem konnte er nicht mehr allein fertig werden.

Er ließ Laptop und Smartphone in der Wohnung, um nicht dort geortet werden zu können, wohin er sich nun begeben wird. Zerberus darf von seiner Aktion nichts erfahren. Was wird sonst wieder geschehen? Würde es sonst Tote geben, weil Zerberus unzufrieden war? Auch im Auto koppelte er das Navi ab, versuchte keinerlei Spuren zu hinterlassen, die Zerberus aufspüren kann.

Zunächst fuhr Uriel nach St. Gallen und fragte sich dort zum Chef der Kantons-Polizei durch. Nachdem Uriel einen kurzen Lagebericht gegeben hatte, rief der Polizeichef noch alle Abteilungsleiter mit höchster Priorität zusammen.