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Peter Franz Schmitt

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Beschreibung

Hintergründige Satire zur Unterhöhlung der konstruktiven Denkungsart, Spottdichtung und Essays über Allzumenschliches, Politik, Gott und die Welt und nicht zuletzt sachdienliche Hinweise über die bizarren Ungereimtheiten beim Bezahlfußball

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Seitenzahl: 227

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Peter Franz Schmitt

KURZ ANGEBUNDEN

Skurrile Satiren und Grotesken ohneMundschutz

© 2020 Peter Franz Schmitt

1. Auflage 2020

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN Taschenbuch: 978-3-347-07297-8

ISBN e-Book: 978-3-347-07298-5

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Immer spielt ihr und scherzt?

Ihr müsst?!

Oh Freunde, mir geht dies in die Seele

denn dies müssen Verzweifelte nur

Friedrich Hölderlin

Was Sie schon immer über Satire wissen wollten

Alles eitle Streben nach Amüsement unterliegt dem Gesetz des tendenziellen Falls der Vergnügungsrate. Wenn die Spaßgesellschaft ihren Ausweg aus dem Dilemma darin sucht, indem sie das Zirkuszelt erweitert, den Pavillon der Lüste aufstockt, Aufführungen und Events vervielfacht, um den Level des Amüsements zu halten, so macht sie sich gleichzeitig umso anfälliger gegen Substanzverluste und unvermeidliche Abnutzung ihrer ohnehin schon begrenzten Spaßressourcen. Während zeitgleich die Schockwellen drohender Langeweile lauern wie die nächste Springflut. Nicht zu verwechseln mit vorübergehenden Schockzuständen, wie sie unter dem derzeitigen Lockdown und dem Kollaps des Live-Unterhaltungskonsums immerhin eine emergente Spannungsfrustration und damit die zeitweilig überbrückende Psychobalance ermöglichen. Aber wir reden ja hier über die Normalsituation, von der alle hoffen, dass sie möglichst bald wieder zurückkehrt. Eine Hoffnung, die sich zweifellos über Gebühr erfüllen wird, wenn erst das Leichentuch der Stoffmasken in die untersten Schubladen wandert und die augenblickliche spannungsgeladene Wachheit wieder in den Ozeanwellen gewohnter Alltags-Bewusstlosigkeit verschwindet. Mit der Rückkehr des Normalalltags aber kehrt in dessen Schlepptau mit unvermeidlicher Vehemenz unser Konsumanspruch an Zerstreuung und Vergnügen zurück – und damit das Dilemma, das wir eingangs angesprochen haben.

Jeder kennt am eigenen Leib das Gähnen, wenn vor seinen Augen ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert oder eine Jungfrau zersägt wird. Der Reiz des Verblüffenden hat eben seine Kehrseite darin, dass er recht bald in seiner Wirkung nachlässt und seine Wiederholung in schaler Abgeschmacktheit endet. Der Witz, der im deftigen Schenkelklopferformat daherkommt, ist im nächsten Moment schon vergessen und Schnee von gestern. -Was will uns nun der Dichter in Bezug auf Satire damit sagen? Er will sagen: Satire im Zeitalter totalen Entertainments läuft bei hochgradig überstimulierter Erregungs- und Vergnügungslustgier Gefahr, sich spaßgesellschaftlich vereinnahmen zu lassen. Wenn es ihr unter den gegebenen Vermarktungszwängen nicht gelingt, Distanz zu halten zur Unterhaltungsindustrie und sich dem Fließbandhumor der trashkulturellen Spektakelmaschine zu entziehen, ist ihr Bestandsschutz nicht länger gewährleistet, um nicht zu sagen, ist es um sie geschehen. Wenn sich im allumfassenden Vergnügungspark auch die Kritik in die Dauerparty herabziehen lässt, könnte dies leicht zum Verhängnis werden.

Wie sehr die Tyrannei des Vergnügens (Huxley) quasi Opfer ihres eigenen Absolutheitsanspruchs werden kann, insofern ihr manifester Suchtcharakter kannibalisch sich selbst als Objekt der Begierde in den Fokus nimmt, lässt sich gut am Beispiel des nimmersatten Fernsehens beobachten. In seinen wenig vergnüglichen Anfängen scheinbar mehr für die praktisch Vernünftigen und weniger für Idioten gemacht, hat es dann in der Folge umso zielstrebiger Generationen von Idioten erzeugt, die nunmehr anschließend das auf nachhaltige Idiotie konzipierte Programm machen. Nicht, dass wenige Ausnahmen die Regel bestätigen würden, die wenigen Ausnahmen sind immer zugleich Ausflucht und Alibi des verwerflichen Status quo und zementieren diesen eher, als dass sie ihm Paroli böten.

Satans Tiere, abgekürzt Satire, sind bekannt für ihr flammendes Aufbegehren gegen das Bestehende. Ihre Negativität kann aber nur dann im Zuge der List der dialektischen Vernunft ins Positive, d. h. Gesellschaftsnützliche umschlagen, wenn Satire in ihrer Konsequenz weder wankt noch schwankt, d. h. sie darf sich niemals anbiedern und zur Lach- und Schießgesellschaft verduckmäusern. Wenn sie die Fahne des Unerbittlichen hochhalten will, muss sie rücksichtslos böse sein, abgründig obstruktiv und zugleich hochergötzlich für all jene, die am Handwerk zerrüttender Sinnzerstörung ihre Freude haben. Wohlgemerkt Sinnzerstörung im Sinne von Zerstörung und Auslaugung regressiver und bereits obsoleter Sinnsurrogate. Satire darf sich keine gutbürgerlichen Hemmungen auferlegen, noch weniger sich selbst des Verdachts niedriger Beweggründe wegen aufhalten lassen, das zu tun, was ihre vornehmliche Aufgabe ist: rücksichtslos böse sein, abgründig obstruktiv und zugleich hochergötzlich für all jene, die am Handwerk zerrüttender Sinnzerstörung ihr Gaudium und ihren Götterfunken haben. Das Prinzip fundamentaler Zersetzung, wie wir es aus der Natur als Grundbedingung aller Erneuerung kennen, hat sich im gesellschaftlichen Bereich nicht minder auf seine Dekompositionsaufgabe zu konzentrieren, das Überlebte, Überholte, Abgeschmackte und Morbide in seinen Urschleim zu zerlegen, es zunichte zu machen, um allenfalls übrig bleibende Nährstoffreste zu verwerten und neuen Sinnstiftungskreisläufen zuzuführen.

In einer Zeit, in der in beschleunigter Abfolge stets neue Sinnkomplexe abgeschmacktester Art in die Welt gesetzt werden, bedarf es umso mehr jener Zersetzungsarbeit, die der von Mistkäfern gleichkommt, um nur einen der prominentesten und anerkanntesten Agenten des biologischen Abfallstoffwechsels zu nennen. Die Analogie zum Metabolismus der Natur, soweit es um die lebensnotwendige Dekomposition des Spektrums quasifäkalischer bis unverdauter Absonderungsprodukte in den geistigen bis ungeistigen Entäußerungen zu tun ist, ist nicht von ungefähr. Mist und Dung, Lug und Trug, davon haben wir fürwahr genug.

Der satirische Denkansatz bewegt sich losgelöst von allen Beschränkungen, stellt niemals die Frage, was Satire darf und was nicht. Das Wort ,dürfen’ haben sowieso Gefängniswärter erfunden, um später umso begieriger von Helikoptereltern übernommen zu werden. Satire wird nicht gelingen, wenn man von normativen Vorgaben des Sprechens, Schreibens und sich Benehmens in gespielter Übertreibung augenzwinkernd abweicht, nur um gleichzeitig zu signalisieren, dass der vermeintlich solide Boden des einzig gegebenen Vernunftkonsenses auf keinen Fall aufgegeben wird. Diese Form der Verstellung nennt sich Dieter Nuhr, oder auch Karneval, worin das Aschermittwochprinzip immer schon im Paket inbegriffen ist und die Oberhand behält. Und nur deswegen ist der staatstragende Karneval auch erlaubt bis gern gesehen. Echte Satire hingegen ist den Herrschenden immer schon suspekt, weil sie nie wissen können, ob es sich um groben Unfug um seiner selbst willen handelt, also latent ungefährlich ist, oder ob – die Grenze ist fließend – dahinter ein verkapptes Programm zur Senkung der Schwellenangst vor der revolutionären Aktion lauert. Dies ist der Grund, weshalb jede Art von theatralisiertem Ausbruch aus dem Pferch konformer Denkgewohnheiten beargwöhnt und seitens verbeamteter Kontrollfreaks institutionell überwacht wird. Überwachung nach außen hin unter Deklamation gehörigen Respekts vor dem verbrieften Recht zur freien Meinungsäußerung, na klar, was denn sonst. Allerdings, so wenig wie man hustende Flöhe im Fell des Hundes mit Hustensaft behandelt, so wenig offenherzig wird der Staat über seinen Kontrollapparat die Karten auf den Tisch legen. Wenn im Staat der repressiven Toleranz Satire geduldet wird, bedrückt den Satiriker zuweilen die Vorstellung, etwas falsch gemacht zu haben. Es fehlte nur noch, dass die Gegner auf die perfide Idee kommen, den Satiriker zu loben oder ihm den Kleinkunstpreis zu verleihen. Die institutionalisierte Form der Selbstverhöhnung ist erreicht, wenn freiwillige Selbstvermarkter des Metiers unter dem Label organisierter Nachwuchsförderung die Selektion systemkonformer Unterhaltungskasper jenseits subkultureller Negativität betreiben und dem allgegenwärtigen Fernsehen frische Kräfte der Affirmation des Bestehenden zuführen. Im passgenau geschneiderten Gewande gesellschaftspolitischen Scheinaufbegehrens, versteht sich. Der Satiriker, der es dazu kommen lässt, hat sich aufgegeben und wird zum Entertainmentclown, der sich allenthalben Hoffnungen machen darf auf die zumindest zeitweilige Laufbahn eines gut dotierten Festangestellten des Gewerbes.

Zum Thema staatlicher Kontrolle: Das genormte Denken von Beamten in einem Staat voller Sicherheitsapparat-Beamter, Sicherheitsbeamtenschaftsanwärter, Möchtegernbeamter und Hilfssheriffs überschreitet allerdings fallweise die Grenzen des Verfassungsnormativen dort, wo letztere durchaus Sympathien gegenüber der konterrevolutionären Aktion hegen, die ja ebenfalls das Handwerk des Sinnzerstörerischen im Repertoire hat, allerdings in dezidiert gegenaufklärerischer Intention. Im Zweifel stehen Beamtenschaft und Hilfsentourage erfahrungsgemäß mehrheitlich immer rechts. Wäre es anders, hätte der Staat das Berufsbeamtentum längst sang- und klanglos abgeschafft.

Satire hat immer einen Bezug zu radikal ergebnisoffener Dystopie, in der Erwartung, sie hoffentlich nicht eintreffen zu sehen. Schauen wir uns beispielsweise den Zweibeiner an, nach offizieller Lesart die Krone der Schöpfung (also was mich betrifft, stimmt das). Der männliche Teil dieser Spezies ist auf dem besten Wege, in wenigen hundert Jahren zum Dreibeiner zu mutieren. Die unter dem Druck der Pharma- und Lusterfüllungsindustrie sich stets weiter ausbreitende Manie der Penisverlängerung wird dieses Glied immer weiter nach unten sich auswachsen lassen, bis es den Boden erreicht, woraufhin die Evolution den Rest erledigt und das Teil zur exakten Beinform mutieren lässt. Fertig ist der Dreibeiner. Wegen der gestiegenen Anforderungen an die höchst komplizierte Koordination der Extremitäten aber muss das Gehirn seine Kapazität erweitern. D. h. die Hirnschale und der Kopf dehnen sich nicht unbeträchtlich aus, was folglich den Hals überlastet und zur Verdickung und Verkürzung zwingt. Mit anderen Worten: Männer schauen bald alle so aus wie einst Franz-Josef Strauß. Um dies Desaster zu verhindern, muss unbedingt das Ruder herumgerissen und zur Penisverkürzung aufgerufen werden. JETZT! WENN’S SEIN MUSS HUMORLOS!

Elegie des Vorworts

Ein Vorwort wohnte einst in einem Vorort. Es führte dort ein zurückgezogenes Leben und ging nur selten aus dem Haus, höchstens um einige Besorgungen zu machen. Näher in Richtung Innenstadt zu ziehen kam ihm nicht in den Sinn, denn dort wohnten die Hauptkapitel, die schon ihrer Wichtigkeit wegen den ihnen zustehenden Lebensraum besetzt hielten. Sie flanierten dort über die Boulevards, traten auf Lesungen auf und ließen sich von namhaften Kritikern ihre Aufwartung machen. Manche machten auf Buchmessen von sich reden, wovon das arme Vorwort nicht einmal träumen konnte. Wohl gehörte es in stilistisch anspruchsvolleren Werken zum guten Ton, auf das Vorwort nicht zu verzichten, so wie man das Sandwich nicht ohne Serviette über die Verkaufstheke reicht. Was aber seine Beiläufigkeit nur unterstreicht. Bei Tisch würde doch auch kaum jemandem auffallen, wenn man die Petersilie weglässt. Was aber am meisten an seinem Selbstbewusstsein nagte, dass selbst der Klappentext entschieden mehr Beachtung fand. Es gab dazu zwar noch keine repräsentative Leserumfrage, aber allein die aufreizende Platzierung und der anmacherische Jargon des Klappentextes gaben zu größter Besorgnis Anlass. Wo waren sie nur geblieben, die Glanzzeiten des Vorworts, als es nicht selten bedeutungsschwer hieß: Zweites Vorwort zur dritten Auflage, oder drittes Vorwort zur sechsten Auflage. Darunter manchmal sogar ein Datum und der Ort, an dem es geschrieben wurde. Wo sonst als im Vorwort erhielt man erschöpfend Auskunft darüber, ob und weshalb ein Werk ggf. erweitert, überarbeitet oder gar neu editiert worden war. Kurzum: Ob dem Vorwort je nochmals eine neue Blütezeit zuteil wird, steht mit dem Anbruch der E-Book Verflachung sehr in Frage. Worauf denn auch der Satz beruht: Ein Vorwort hat es selten gut.

Götterspeise

Man hört gerüchteweise, Götter äßen löffelweise Götterspeise, obwohl es ihnen längst nicht mehr zusteht, dafür mit Verlaub sammle ich Beweise.

Ernstzunehmen daran ist das menschliche Distanzbedürfnis, verursacht durch ein tiefes Zerwürfnis. Die Götter, nach der Aufklärung kaum aus der Vordertür verwiesen, versuchen sie ständig, zur Hintertür wieder hereinzuschlüpfen, weshalb es unsereins geradezu in den Fingern juckt, sie alle ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen. Als Interimskommissar ließe ich sie einsperren, einen nach dem andern in Untersuchungshaft stecken, allen voran den bocksfüßigen Pan. Und dieser Bacchus bekäme keinen Tropfen mehr, ohne jeden Pardon. Aphrodite wiederum, so sehr sie auch flehte, ihre Reizwäsche behalten zu dürfen, müsste sich dreinschicken, einen grauen Schlabberkittel zu tragen. Juno würde ich den Eierlikör wegnehmen, und Zeus selbst hätte nichts zu lachen, bei Lidl an der Kasse ließe ich ihn eine lange Resozialisierungsstrafe absitzen. Für jene Kandidaten der Spätzeit wiederum, den dreifaltigen Jesus, den vierschrötigen Allah und vor allem den Abgott des Konsums muss ich mir noch eine passende Sonderbehandlung ausdenken. Wozu es wohl ratsam sein dürfte, für eine gewisse Zeit Personenschutz zu beantragen.

Die Vorwürfe lauten u. a. auf Mummenschanz, groben Unfug (Wasser in Wein, geht’s noch?) , permanenten Verstoß gegen den Datenschutz (von wegen der liebe Gott sieht alles) und nicht zuletzt auf philosophische Anmaßung. Im Wesentlichen aber wäre ihr historisch durchgängiges Versagen vor einen Richterstuhl zu bringen. Das Versagen der Götter, welch ein Jahrtausendflop. Eine majestätische Versammlung, auf die der Begriff Charakter noch nie anwendbar war. Die Performance war einfach zu schwach über die Jahrtausende. Am wenigsten haben sie der fortschreitenden Entzauberung der Welt Einhalt gebieten können.

Was bleibt am Ende? Ob es nun Götter gibt oder nicht, ob falsche oder echte, ich fürchte, unsere Verstrickung sitzt tief, und wir sind und bleiben noch eine ganze Weile ihre Knechte. – Was mich die Sache angeht? Als freiberuflicher Beiträger des Instituts zur Untersuchung von Staats- und Autoritätsverdrossenheit (IUSUA) fällt mir Aufgabe eines Chronisten zu, diesbezüglich den Finger am Puls der Befindlichkeiten und das allgegenwärtige Kameraauge jederzeit offen zu halten, um allzu rückfällige Tendenzen rechtzeitig wahrzunehmen.

- Ob ich mich nicht doch insgeheim vor der Rache der Götter sorgen müsse? Ach wissen Sie, ich persönlich bin da absolut furchtlos, schließlich habe ich schon mit etlichen Pastorentöchtern nackt gebadet, ohne dass mich je der Blitz geblendet hätte. Und wie Sie sicher schon längst bemerkt haben werden, spricht aus meinen Worten der Leibhaftige, und der hat bekanntlich Narrenfreiheit.

Urgroßvaters Selbstgespräche

Wenn das der Führer wüsste, wie dilettantisch der Kübelwagenkonzern die Abgase fälscht….. Macht sich nicht gut im Ausland, wo man noch weiß, wie wir damals Zyklon B als normale Atemluft verkauft haben.

Höre ich richtig? Bruno Ganz hat sich das Bärtchen nicht einfach nur angeklebt und beim Zubettgehen wieder abgemacht? Nein, er hat sich selber solch ein Hitlerbärtchen wachsen lassen! Dass der Mann so durchdreht, wundert einen nicht, denn Hitlers Endsieg am Kiosk, im TV und nunmehr authentisch an der Oberlippe wiederholt sich seit Jahrzehnten Jahr für Jahr in allen Variationen.

Ob allerdings dies Breittreten dem angemessenen historischen Gedächtnis adäquat ist, möchte zu bezweifeln sein. Wenn ich sehe, wie die heutigen Konsum-Kleinbürger gänsehäutig begierig nach diesem Kitzel schmachten und noch immer das Gleiche wollen, nämlich am liebsten ihren Verstand, wie wenig das auch ist, an der Garderobe abgeben, muss ich an der in Aussicht gestellten qualifizierten Wiedererweckung des Reichsgedankens zweifeln. Skepsis überfällt mich, zu beobachten, wie sie nach diesem psychodelischen Popstar und Strohmann des militärindustriellen Komplexes geradezu lechzen und von dessen Physiognomie als Verführer geradezu schwärmen. Wie? Tun sie nicht? Tut nur das Knopp-Fernsehen? Bin mir da nicht so sicher. Verständlich aber, dass man sich da am liebsten so naturalistisch perfekt wie möglich in die GröFaZ-Rolle hineinversetzen möchte, und Bruno Ganz muss aufpassen, dass er seine Performance am Ende nicht besser macht als der Sie-wissen-schonwen-ich-meine. Mich überkommen jedenfalls gemischte Gefühle, wenn ich sehe, wie dem illustren Kinopublikum und nicht wenigen von den Rezensenten geradezu das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn man deren unbedarften Sabber so nennen darf.

Überhaupt dieser Schicklgruber, war ja mit seiner Hitler-Selbstdarstellung so beschäftigt, dass er gar nicht gemerkt hat, wie auf einmal Krieg war. Und wie er’s gemerkt hat, fiel ihm nichts Besseres ein, als den Dünkirchen-Vormarschbefehl des Generalstabs zu stoppen. Wer jetzt? Hitler als Erretter Englands? Oder der Bruno Ganz? Wie soll man das noch auseinanderhalten? Sie, ich kann Ihnen sagen, wenn schon die Kinder einem erzählen, Ulbricht hätte die Autobahnen gebaut, kann man sich ausmalen, wie es erst in den Köpfen der Erwachsenen aussehen mag. Bruno Ganz hat jedenfalls die personelle Kontinuität in lächerlicher Perfektion erstmal gewahrt. The show must go on. Und er wird mit diesem zweifelhaften Verdienst sicherlich in die Geschichte eingehen – und nie wiedergutmachen können

Wenn es mit der Bruno-Hitlerei so weitergeht, gibt’s bald Hitler-Würstchen, Hitler-Bier, Hitler-Salbe für nationalvölkische Schürfwunden, wenn nicht gar Hitler-Stollen zu Weihnachten. Wobei, zu einem vollwertigen Schurken gehören heutzutage auch ein paar ordentliche Plagiatsvorwürfe. Mein Kampf in weiten Passagen bei Uschi von der Leyen abgeschrieben, wenn sich das herausstellen sollte, ist der Ruf von Guido Knopp endgültig erledigt.

Eins lassen Sie mich zur Abwechslung ohne Juxerei noch sagen. Dieser banale Hitler für sich genommen war ja nicht das Problem. Was dieses durchgeknallte Individuum zum Problem werden ließ, waren die schier unendlich vielen hundsföttischen Waschlappen aus Generalität, Beamtentum, sonstiger Gefolgschaft und karrieregeilen Aufsteigern, die ihm blind gefolgt sind, ihn zum Gottgleichen unter ihresgleichen gemacht haben. Als sie dann viel zu spät bemerkten, wie die Atemluft in des geliebten Führers Rektum immer dünner wurde, steckten sie schon bis zum Hals im Sumpf des Verderbens, waren sie eingesperrt unter der selbstgemachten Käseglocke der Angst. Und wenn der Deutsche so richtig Angst hat, dann erteilt er sich selbst den Nero-Befehl, und der Rest der Welt muss sich auf das Schlimmste gefasst machen. Dass übrigens heutige Historiker den GröFaZ weiterhin zur monolithisch gottgleichen Ikone und Blaupause des absolut Bösen stilisieren, damit hinter seinem aufgeblähten Schlagschatten die damaligen Strippenzieher aus der Welt der Banken und Konzerne möglichst unsichtbar bleiben, steht auf einem anderen Blatt. Das Blatt hat die Überschrift Geschichtsklitterung. Die gleichen Geschichtsexperten plappern auch regelmäßig das von den Nazifaschisten erfundene Täuschungsetikett „Nationalsozialismus“ so papageientreu nach, als fürchteten sie Entschädigungsklagen von NS-Markenschutzanwälten, die über die Unantastbarkeit dieser Marke wachen.

In einem muss ich denen allerdings Recht geben. Die ständig und ewig aufs Neue wiederholten und nochmals in Endlosschleife abgespulten nächtlichen TV-Sendungen über den D-Day, die Befreiung durch die Westalliierten, haben die proportionalen Tatsachen endlich gehörig zurechtgerückt. Moment, das Bücken fällt mir schwer, mir ist grad das Gebiss auf den Boden gefallen, passiert mir mehrmals am Tag. Jedenfalls bezüglich dessen, wer uns befreit hat. Jedenfalls nicht die Rote Armee. Hat’s die überhaupt je gegeben? Ich muss doch mal diesen Gauleiter danach fragen, oder war sein Name vielleicht Gauschland, Gaubrand oder, mir kommt es fast etwas unaussprechlich vor, vielleicht auch einfach nur Gauthaler, wie dieser unbeschreibliche Stinkkäse von Lidl, jedenfalls so ähnlich, obwohl mir das noch zu harmlos klingt.

Warnung an den Kakophonophobiker:Betrete als sensibler Musikfreund niemals ein Schiff

Eigentlich wäre es höchste Zeit, die Sache endlich aus dem Kopf zu bekommen. Aber den ganzen Tag mit nur wenig Ablenkung schweigsam im einsamen Homeoffice zu verbringen ist dafür keine gute Voraussetzung. Und weil mir die Erinnerung gerade mal wieder einen Schauer über den Rücken jagt, lege ich jetzt zum Gedenken noch eine extra Schweigeminute ein. Wenn ich ehrlich bin, nicht etwa wegen des ominösen Schiffsuntergangs, sondern wegen der deprimierend flächendeckenden Verbreitung desaströs schlechter Musik. Aber der Leser will es natürlich genauer wissen.

Wenn man will, kriegt man einen Schiffbruch gut hin, hatte der Kapitän soeben noch gespöttelt, während er seine heiße Tasse Tee umrührte. Bis dann plötzlich alles drunter und drüber ging, als das granitharte Unterwasserriff sich großflächig in den Unterboden fräste und die Fische zum ersten Mal sehen konnten, wie ein Schiff von innen aussieht. Daraufhin sofort hektisches Getümmel und Getrappel auf den Decks und den Niedergängen, nicht zu reden von den in mehreren hundert Lotterbettkabinen quasi synchron erfolgenden Coiti interrupti wegen der urplötzlich durch Mark und Bein schrillenden Alarmglocken und der brüllenden Schiffssirene. Kaum eine halbe Stunde später ging das Schiff dann auch schon unter. Was sag ich, von wegen Schiff. Ein unförmiger plumper Kreuzfahrt-Riesenkasten in abstoßender Plattenbauoptik, der zudem Unmengen an Schwerölabgasen in die Luft emittiert. Um so etwas ist es einem nicht gerade schade, im Gegenteil, und überhaupt. Früher fand ich ja Schiffsuntergänge ganz unterhaltsam, freilich nur unter der unabdingbaren Voraussetzung, dass ich mich selber nicht an Bord des Havaristen befand. Nun hatte ich es ausgerechnet an dieser Voraussetzung mangeln lassen. Und es war keine Übung, wie man an der Schräglage bemerken konnte. Was war zu tun? Ich nahm alle Schwimmwesten an mich, die für die Mitglieder der Bordkapelle vorgesehen waren, die noch aus voller Lunge auf dem schrägen Deck in die Hörner bliesen und so was wie God save the Bundeskanzlerin intonierten, um den Untergang wenigstens akustisch zu einem möglichst sentimentalen Event zu veredeln. Von wegen keine Panik auf der Titanic. Derweil knotete ich aus den Schwimmwestenteilen eine Art Bündel und formte sie der Länge nach zu einem richtungsstabilen Behelfsboot, eine Art Körperkajak, um mit dessen Auftriebskraft meine Überlebenswahrscheinlichkeit zu optimieren. Um die Männer des Orchesters machte ich mir keine großen Sorgen, sterben müssen wir schließlich alle. Und wer früher stirbt, ist zwar länger tot, bekommt aber Frühbucherrabatt. Schiffsuntergänge sind ohnehin eher Leuten vorbehalten, die keinen Mumm haben, zuhause von der Brücke zu springen. Mein Mitleid mit blechblasenden Störenfrieden des Wohlbefindens hält sich daher sehr in Grenzen. Im Klartext: Wer solche Ballermann-Musik macht, wie jene tiefbegabten somnambulen Schiffsblaskapellenvolltrottel in ihren lächerlichen Piratenkostümen, holt jetzt etwas nach, was er längst schon zuhause hätte tun sollen, nämlich in der Badewanne vergessen Luft zu holen. Ich hege ohnehin den begründeten Verdacht, zumal ringsum weit und breit weder ein russisches U-Boot noch ein Eisberg zu sehen war, dass jemand das tagtägliche Getröte nicht länger ausgehalten und aus Verzweiflung den Stöpsel gezogen hat, den jedes Schiff so gut wie jede Badewanne am Unterboden hat. Zieht man diesen Stöpsel, ohne dass es jemand zunächst bemerkt, läuft das Schiff voll Wasser und sackt wie ein Stein auf den Meeresboden. Kleiner Geheimtipp von mir und die sicherste Methode, der mörderisch schlechten Bordkapellenmusik den Garaus zu machen, leider unvermeidlich auch auf Kosten Unschuldiger. Aber ohne Kollateralschaden geht nun mal recht wenig im Leben.

Hier jedenfalls war gerade das Chaos voll im Gange. Einige Unentwegte auf dem oberen Achterdeck sprangen unter dem Druck ihres Schockzustandes noch mit dem Cocktailglas in Händen in den Swimmingpool und riefen in affektierter Pose alberne Sachen, wie „Rette mich wer kann“ oder „Frauen und Kinder zuletzt“. Das berührte mich sehr, weil bei ihnen die traumatische Situation offenbar dazu führte, dass ihnen all die konsumierten Kinoerlebnisse mit melodramatischen Schiffsuntergängen in konzentrierter Form wieder hochkamen und sie in eine aggressive Hysterie versetzte. Wegen der brachial unerwarteten Performance am eigenen Leib empfanden sie sich im falschen Film. Besser sie hätten Bücher wie dieses gelesen, statt Filme zu gucken. Dann wären ihnen gewiss auch beizeiten diverse Warnungen vor zweifelhaften Schiffsvergnügungen untergekommen.

Überhaupt hätte jeder, der den sicheren Boden unter den Füßen aufgibt und ohne triftigen Grund Schiffsplanken betritt, die in Herman Melvilles Mobby Dick nicht zu übersehende Warnung besser nicht in den Wind schlagen sollen. Eine Schifffahrt birgt ja schon orthographisch ein Havarierisiko, seit die neue Schlechtschreibung dieses ominöse -fff- vorschreibt. Was keineswegs heißt, dass nicht auch eine herkömmliche Schiffsfahrt unter Umständen tödlich sein kann. Wenn Sie also auf fundamentale Risiken partout nicht verzichten wollen, rauchen Sie lieber.

Oder noch besser: Gehen Sie rauchend ohne Helm bei rot über die Ampel und beantragen Sie gleichzeitig online auf Ihrem Smartphone einen Organspendenausweis. Nach der geschätzten Anzahl Smartphone-Online-Ampelrot-Straßenüberquerer zu urteilen, hätten diese Ausweise längst massenhafte Verbreitung finden müssen, was aber deswegen nicht der Fall ist, weil wegen der ursachenbedingt postwendend im gleichen Häufigkeitstakt eintretenden Verwertungsfälle, d. h. Organentnahmen, eine zeitgleiche Ausweislöschung erfolgt. Eine echte Challenge also.

Deal

Die regierungsamtlich geforderte Duldung des Wolfes (in Brandenburg inzwischen 200 Exemplare in 22 Rudeln, Tendenz stark ansteigend) erklären wir als Bevölkerung für bis auf Weiteres verhandelbar, falls sich die Regierung zu einer Gegenleistung herbeilässt.

Wir als Bevölkerung verlangen bis auf Weiteres als Gegenleistung, die regierungsamtlichen Vergiftungspraktiken in der Landwirtschaft zu unterbinden, respektive die konzernfreundliche Duldung massenhaften Glyphosat-Einsatzes aufzukündigen und durch das Parlament für alle Zeit per Gesetz verbieten zu lassen.

Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Strafen sanktioniert. Näheres regeln die Durchführungsvorschriften. Um der Verhandlungssache Gewicht zu verleihen gilt außerdem: Wolf im Sinne der Vorschrift ist auch der Hund.

Satan

Fragt ein freisinnig erzogenes Kind seine Mutter:

Mutter, wenn es schon keinen Gott gibt,

gibt es dann auch keinen Satan?

Slatan, mein Kind, es heißt Slatan

Slatan Ibrahimovich

und manche meinen, er sei ein Fußballgott

eine feste Burg sei unser Spott

Saatgut

Eine Experten-Kommission der EU bereitet einen Gesetzesentwurf vor, wonach die Frauen in der EU aufgefordert sind, ihre befruchtungsfähigen Eizellen quasi treuhänderisch an die Saatgutkonzerne abzutreten, ähnlich wie dies bei der Agrarproduktion im Saatgutbereich längst gang und gäbe ist, wo man den Landwirten die Kontrolle über die eigene Saatguterzeugung längst entzogen hat. Nach diesem Muster soll auch die innerfamiliäre Menschenzüchtung außerhalb der Kontrolle der Saatgutkonzerne langfristig abgeschafft werden, gilt künftig als staatsabträglich und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Eigens wurde dazu auch der bekannte Begriff der Verfassungsfeindlichkeit ausgeweitet in den der Verfassungsabträglichkeit. Bezog sich die Verfassungsfeindlichkeit auf die ideologische Distanz zum Staat, handelt es sich bei der Verfassungsabträglichkeit um die biologische Distanz zum Staat, die als nicht minder gefährlich eingestuft wird.

In einer Stellungnahme betonte der Konzernvorstandssprecher, dass die Zuchtwahl ausschließlich nach Qualitätskriterien wie Nachhaltigkeit, Klimaverträglichkeit, Schadstoffresistenz und Optimierung der Reifezeit betrieben würde, und dies nach allen Regeln der Sorgfalt. In einem weiteren Schritt geht es darum, die Modalitäten der Gebärwilligkeit durch materielle Anreize zu stimulieren, aber auch entsprechend einzudämmen, wo dies angebracht erscheint. Auf der Agenda stehen außerdem ein ganzer Katalog an sekundären administrativen Regulierungsmaßnahmen, um das Paket zu vervollständigen. Beispielsweise soll auf Kondompackungen ähnlich wie auf Zigarettenpackungen ein Warnaufdruck erscheinen, wonach ein Verstoß gegen die Meldepflicht von willkürlichem Geschlechtsverkehr Strafpunkte bei der Krankenkasse und eine Betragserhöhung zur Folge hat.

In der weiteren Folge wird noch über das noch weit komplizierter erscheinende Management der männlichen Spermienproduktion bzw. –überproduktion beraten werden. Hierzu gibt es in Kürze weitere Statements der Expertenkommission.

Nicht Rasen – Wiese lautet die Devise

Streitgespräch zwischen einem Wirtschaftsredakteur und einem Grashalm im Beisein seiner Kumpels, den anderen Grashalmen.

Wirtschaftsredakteur: Wieso habt ihr euch angewöhnt, kaum dass man euch niedergetrampelt hat, euch unmittelbar danach wieder aufzurichten?

Grashalm: Wie überraschend, eine feuilletonistische Frage von einem Ökonomen?! Aber gut. Nun, es liegt uns im Saft, Demütigungen als Herausforderung anzunehmen. Das ständige Plattgetrampeltwerden hat uns über die Jahrtausende nur noch stärker gemacht. Inzwischen sind wir so vital, dass wir unkaputtbar geworden sind.

Wirtschaftsredakteur: Euch wäre also nur noch mit Glyphosat beizukommen?

Grashalm: Entweder ist dies eine zynische Frage, in der die ganze verhängnisvolle Schizophrenie des Menschengeschlechts zum Ausdruck kommt, oder ihr habt bestenfalls keine Ahnung, wovon ihr sprecht.

Wirtschaftsredakteur: Entschuldigung, war nicht so gemeint.

Grashalm: Die Arroganz des Menschengeschlechts, seine Macht nicht einmal mit denen teilen zu wollen, von denen es über die Maßen profitiert, wird einmal sein Untergang sein.

Wirtschaftsredakteur: Diese Ansicht, um nicht zu sagen Machtanmaßung, scheint mir etwas hochstaplerisch.

Grashalm: Die Macht der vereinigten Gräser besteht darin, dass wir sogar die Vierbeiner zur Kreislaufwirtschaft zwingen, indem sie uns ihren Dung als Dünger spenden müssen. Die Zweibeiner wiederum dürfen sich dabei einbilden, Butter, Käse, Sahne etc. verdanke sich ihrer genialen Fähigkeit zur Domestizierung der Natur. In Wirklichkeit haben sie alles uns zu verdanken, dem Gras. Ohne uns wäre unter der Käseglocke nur Luft. Aller guten Dinge Mutter ist das Futter. Wiese lautet die Devise, wie schon Günter Gras gesagt hat.

Wirtschaftsredakteur: Flotter Spruch immerhin. Aber bedenkt, eure angebliche Macht würde sehr bald dahinschmelzen, wenn es dem Menschen einfiele, auf vegetarische Ernährung umzustellen und seine Schlachtviehherden abzuschaffen, dann würde nämlich sofort der Wald alle Grasflächen überwuchern und vernichten.

Grashalm: Das sehen wir als Gräser ganz entspannt, da wir Eure Politische Ökonomie besser begriffen haben als ihr selber. Die Zwangslogik eurer kapitalistischen Kostendumpinggesellschaft besagt nämlich, dass ihr bei schrumpfender Haltung von Nutztieren die frei werdenden Flächen großenteils nicht bestellen werdet, da kostspielig und unrentabel. Unrentabel, weil der erhöhte Industrieexport den zunehmenden billigen Agrarimport nach sich zieht, sozusagen merkantilistisch erzwingt. Stichwort Mercosur-Abkommen. Eure Landwirtschaft wird also schrumpfen, übrigens ebenso wie eure Gehirnkapazität, aber das nur nebenbei. Unrentable Brachflächen aber führen zur explosiven Ausdehnung der Wildtierpopulationen, die die nachwachsenden Jungbäume massenhaft wegfressen. Das Gras hat also eine glänzende Perspektive, die Überwaldung in Schach zu halten.