Küsse am Set - Tiana Warner - E-Book

Küsse am Set E-Book

Tiana Warner

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Beschreibung

Die Chemie stimmt im Labor. Aber kann sie auch dem Rampenlicht standhalten? Es gibt kaum eine Lesbe, die nicht auf die charismatische Schauspielerin Cate Whitney steht. Die angehende Wissenschaftlerin Rachel Janssen ist da keine Ausnahme. Als ihr prominenter Schwarm direkt vor ihrer Haustür in Vancouver einen neuen Film dreht, kann sie ihr Glück kaum fassen. Eine zufällige Begegnung führt zu dem unglaublichen Angebot, Cate als wissenschaftliche Beraterin bei ihrem Film über Marie Curie zu unterstützen. Aus der Beratung werden Drinks, ein exklusives Promi-Event und … kann es sein, dass Cate tatsächlich mit Rachel flirtet? Doch während die Chemie zwischen den beiden stimmt, hat Rachel mit der harten Realität des Rampenlichts zu kämpfen. War es vielleicht ein großer Fehler, sich in einen Filmstar zu verlieben? Selbst, wenn Cate unwiderstehlich ist und Rachel nur sie will?

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Seitenzahl: 363

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Kapitel 1: Einen Elch nach Hause schleppen

Kapitel 2: Meine beste Seite

Kapitel 3: Gay Vibes

Kapitel 4: Radioaktive Isotope

Kapitel 5: Bittersüß

Kapitel 6: Kalte Drinks und heiße Blicke

Kapitel 7: Hexenkram

Kapitel 8: Für die Wissenschaft

Kapitel 9: Mile High Club

Kapitel 10: Der berüchtigte rote Teppich

Kapitel 11: Der Wolf und das Kätzchen

Kapitel 12: Mit dem ersten Elch zurück nach Kanada

Kapitel 13: Vor- und Nachteile von Sechs-Sterne-Hotels

Kapitel 14: Nichts zu verstecken

Kapitel 15: In der Brise

Kapitel 16: Ruhe am Set

Kapitel 17: Pilze sammeln

Kapitel 18: Geheimnisvolle Geliebte

Kapitel 19: Eine Frau der Wissenschaft

Kapitel 20: Fleisch und Kartoffeln

Kapitel 21: Verfluchte Hotelfernseher

Kapitel 22: Das Ende des Sommers

Kapitel 23: Unerwünscht

Kapitel 24: Schwerer Ballast

Kapitel 25: Dämonen

Kapitel 26: Ich bin keine Stuntfrau

Kapitel 27: Strandspaziergang extrem

Ebenfalls im Ylva Verlag erschienen

Über Tiana Warner

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Danksagung

Ich danke Laurel Greer und Chris Zett fürs Betalesen, Stephanie Warner für all die Gespräche, meinem Crit Coven für die jahrelange moralische Unterstützung und das Feedback und meiner Familie für ihre bedingungslose Liebe und dafür, dass ihr mich immer ermutigt habt. Danke auch an Astrid, Jenny und den Rest vom Ylva-Rudel für eure harte Arbeit und dafür, dass ihr an mich und meine Geschichten glaubt.

Kapitel 1

Einen Elch nach Hause schleppen

Ich war bloß eine Nacht weg und meine Straße hat sich in ein Filmset verwandelt. Ich halte hinter einer orange-weißen Straßensperre. Vor mir blockieren weiße Zelte, Wohnwagen und unglaublich viele Menschen die Kreuzung vor meinem Wohnhaus. Ein Gitterzaun umschließt den gesamten Bereich wie einen Tatort.

Mein Magen verkrampft sich unweigerlich und ich umklammere das Lenkrad fester. An jedem anderen Tag wäre diese Überraschung aufregend, aber im Augenblick will ich bloß ein Bad nehmen, eine Schmerztablette schlucken und ins Bett gehen. Heute sollte ein Tag zum Ausspannen sein, bevor ich mit der Recherche für meine Masterarbeit anfangen muss. Einen waghalsigen Kreuzzug, bloß um meine Haustür zu erreichen, hatte ich nicht eingeplant.

Ein Kran hebt gerade eine Kamera hoch in die Luft. Seile und Drähte kreuzen sich über dem Set. Führt da tatsächlich eine Seilbahn in meine Lieblingspizzeria? Was für einen überzogenen Action-Film drehen die hier?

Von hier aus kann ich meinen Balkon im zweiten Stock sehen. Zwei Holzstühle stehen darauf sowie ein paar verwelkte Hortensien, die Abby und ich viel zu selten gießen. Daneben ist das Fenster zu meinem Schlafzimmer, die dunklen Vorhänge wie immer zugezogen.

Es wäre so viel spaßiger gewesen, daheimzubleiben und den Aufbau des Sets zu beobachten. Der dämliche Campingausflug hat mir nichts gebracht außer jede Menge Schweiß und einen Kater.

Genervt lenke ich meinen alten Geländewagen von der Absperrung weg und umrunde den Block auf der Suche nach einem Weg ins Parkhaus.

Im Rückspiegel blinzelt mir mein Spiegelbild glänzend und blass entgegen. Meine kurzen blonden Haare sind so fettig, dass sie einen Ton dunkler wirken als sonst. Fast, als käme ich gerade aus der Dusche. In meinen Zügen liegt keine Spur von Selbstvertrauen. Ich fühle mich einfach nur erbärmlich.

Ja, ich war dumm. Aber zu meiner Verteidigung: Julia hat mit mir geflirtet und deutliches Interesse an mir gezeigt.

»Ooh, Rachel, lass uns zusammen nackt im See baden«, säusle ich in einer Imitation ihres sinnlichen Tonfalls.

Es ist schwer zu glauben, dass dieses unausgesprochene Etwas zwischen uns jetzt vorbei ist – keine spätabendlichen Treffen zum Lernen mehr, kein Abhängen nach den Vorlesungen, keine Insiderwitze über unser geteiltes Leid. Wir machen beide unseren Abschluss in medizinischer Physik und haben uns im Studium kennengelernt. Wir wurden schnell Freundinnen und nachdem Julia herausfand, dass ich lesbisch bin, erkundigte sie sich ständig nach meinem Liebesleben und wollte noch mehr Zeit mit mir verbringen. Kurz: sie wirkte neugierig. Als würde sie vermuten, dass sie vielleicht doch nicht hetero war. Als wollte sie es herausfinden.

Monate der vorfreudigen Erwartung, vorbei in einer einzigen Nacht. Und ich fühle mich leer.

Dieser Campingausflug war die große Institutsfeier zum Semesterende. Für Julia und mich war er ein guter Vorwand, uns zu betrinken und ein paar Nächte zusammen zu verbringen.

Diese besondere Spannung zwischen uns stand kurz davor, sich zu entladen – und das tat sie auch, so heftig, dass mir noch immer schwindelig davon ist.

Ich massiere meine Schläfe. Das Filmset nimmt viel zu viel Platz ein und zwingt mich dazu, einen riesigen Bogen zu fahren. Sobald ich es nach Hause schaffe, werde ich mir ein Bad einlassen und eine glitzernde Badebombe hineinwerfen. Seit ich gestern früh von daheim weggefahren bin, bin ich in einem See geschwommen, habe geschwitzt, wurde kurzzeitig angeregnet und bin durch unzählige Spinnennetze gelaufen. Ich will mich endlich richtig waschen. Mein schweißnasses T-Shirt klebt mir unangenehm am Rücken.

Nachdem ich weitere zehn Minuten durch die Gegend gekurvt bin, gebe ich auf und parke drei Blocks von der Wohnung entfernt. Ich schleppe meine Campingausrüstung die Straße entlang – die Tasche mit den feuchten Klamotten, eine Kühltasche mit überflüssigem Essen und ein größtenteils plattes Schwimmtier in Form eines Elchs. Die frühsommerliche Hitzewelle treibt mir frischen Schweiß auf die bereits von allerlei unappetitlichen Substanzen verklebte Haut. Hoffentlich treffe ich niemanden im Aufzug. Meine Nachbarn würden in Ohnmacht fallen, sobald sie mich riechen.

Ich halte meinen Chip-Schlüssel gegen das elektronische Schloss, um ins Haus zu kommen. Bevor ich aber die Tür öffnen kann, bricht hinter mir Gelächter aus. Sofort wirble ich herum, um denjenigen anzumaulen, der mich dafür auslacht, Campingkram quer durch die Stadt zu schleppen – doch das Geräusch kommt vom Filmset.

Der Gitterzaun steht genau vor mir – sie müssen uns Normalbürger schließlich draußen halten – und weiße Zelte versperren meine Sicht nach drinnen größtenteils. Aber zwischen zwei Zelten ist eine Lücke, die meinen Blick anzieht.

Mein Herz macht einen plötzlichen, unwillkürlichen Satz. Ich taumle und muss mich am Türgriff festhalten, um aufrecht stehen zu bleiben.

Cate Whitney steht auf der anderen Seite des Zauns und unterhält sich mit einem tätowierten Mann, der ein Mikrofon hält.

Cate. Whitney.

Ich vergesse zu atmen.

Sie ist Anfang vierzig und eine der begehrtesten Schauspielerinnen in Hollywood. Es umgibt sie eine beneidenswerte Aura von Selbstbewusstsein. Momentan trägt sie ein Steampunk-Outfit in Schwarz und Braun, natürlich mit Korsett, Netzstrümpfen, die ihr bis zu den Oberschenkeln reichen, einem Rüschenrock, der vorn ihre Beine entblößt und hinten wadenlang ist, und einem Zylinder mit Retro-Schutzbrille an der Krempe. Und sie sieht großartig aus. Ihr blondes Haar fließt in weichen Locken auf ihre Schultern und ihre helle Haut hat einen warmen Schimmer, als wäre sie gerade erst aus den Tropen zurückgekommen. Sie lächelt ihr typisch verschmitztes Lächeln und ihr Make-up betont ihre scharfen Wangenknochen und eisblauen Augen.

Wie kann jemand nur dermaßen attraktiv sein? Wahrscheinlich ist sie deswegen in Hollywood gelandet. Sie ist die Art von Frau, die in einem Smoking besser aussieht als jeder Mann und in einem Valentino-Kleid besser als jedes Laufstegmodel.

Sie in echt zu sehen, weckt Erinnerungen an entscheidende Momente meines Lebens. Schmetterlinge flattern in meinem Bauch.

Als ich sah, wie sie in einem Historiendrama aus den 2000ern eine Frau küsste, wusste ich es einfach. Obwohl der Film fiktional und die Schauspielerinnen in Wahrheit heterosexuell waren, hat sich ihre Liebe für mich so echt angefühlt, dass ich Herzrasen bekam. Ich wollte, was diese Frauen hatten – ihre Leidenschaft füreinander, diese Vertrautheit, die weit über Freundschaft hinausging, diese vollkommene Liebe.

Nachdem ich den Film gesehen hatte, bat ich meinen Schwarm um ein Date – und sie hat ja gesagt. Bei unserem vierten Date schauten wir uns genau diesen Film zusammen an und ich küsste zum allerersten Mal ein Mädchen.

Es ist also keine Übertreibung, wenn ich sage, dass Cate Whitney mein Leben verändert hat.

Und diese Frau steht gerade nur drei Meter entfernt, mit der Eleganz einer Göttin. Obwohl sie in ihr Gespräch mit dem Mikrofon-Typen vertieft ist, wandert ihr Blick an ihm vorbei. Plötzlich schaut sie mich direkt an.

Warum? Warum muss sie mich ausgerechnet dann sehen, wenn ich aussehe wie der Mülltonne entstiegen?

Instinktiv schenke ich ihr ein leichtes Lächeln, das sie erwidert.

Mir dreht sich der Magen um. Das ist entweder der beste oder schlimmste Moment meines Lebens, je nachdem, ob sie mich aus dieser Entfernung riechen kann oder nicht.

Endlich lösen sich meine Beine aus ihrer Starre. Ich reiße die Haustür auf und stolpere mitsamt meiner Campingausrüstung hinein. Der halb aufgeblasene Elch knallt gegen den Türrahmen und ich zerre ihn ungelenk hinter mir her.

Cate verdammt noch mal Whitney dreht nur wenige Meter hinter mir einen Film.

Hyperventilierend erreiche ich meine Wohnung und schließe die Tür mit zitternden Händen auf. Der vertraute Geruch nach zu Hause umfängt mich – der Raumerfrischer mit süßem Orangen-Duftöl auf der Kücheninsel, verwoben mit verschiedenen Sorten Shampoo, verbranntem Toast und billigem Kaffee.

Abby ist wohl schon wach.

Ich lasse meine Campingsachen auf den Boden fallen und renne durch die Küche und das Wohnzimmer zum Balkon. Die Wohnung sieht genau so aus, wie ich sie verlassen habe, chaotisch und voller leicht zu pflegender Pflanzen. Mein Laptop, ein Stapel Lehrbücher und ein Nest aus Decken liegen unberührt auf meiner Seite der Couch. Erinnerungsstücke von Reisen, Bücher und Fotos von Freunden und Familie bedecken jede Oberfläche. Es ist unordentlich – Abby bevorzugt den Begriff eklektisch –, aber es ist mein Zuhause.

Ich schiebe die Terrassentür auf und trete hastig nach draußen, um einen besseren Blick auf das Filmset zu erhaschen. Die Aussicht ist überwältigend. Vor der Fassade meines Lieblingscafés haben sie ein riesiges Uhrwerk aufgebaut. Weiße Zelte und Wohnwagen, gewaltige Holzkonstruktionen und eine Menge teures Filmequipment sind über die Kreuzung verteilt.

Aus dem Inneren der Wohnung höre ich Schritte. »Du riechst nach abgetragenem Deo und Sonnencreme. Ich dachte, du kommst nicht vor morgen heim«, sagt Abby.

»Cate Whitney ist da unten«, flüstere ich eindringlich und lasse suchend den Blick über die Dutzenden Leute gleiten, die sich auf dem Set tummeln.

»Du verarschst mich!«, ruft Abby laut und stürzt neben mich an das Geländer.

Ich halte ihr schnell den Mund zu. »Nicht so laut!«

Abby reißt meine Hand weg. »Du hast sie gesehen?«

»Gerade erst, als ich ins Haus gehen wollte.« Angestrengt versuche ich mich an die letzten Neuigkeiten über Cate Whitney zu erinnern. »Die drehen hier wohl Clockwork Curie.«

Da ist sie. Cate steht mit einer Gruppe von Leuten hinter den Kameras, deutet auf einen Bildschirm und nickt. Dank ihres Outfits ist sie besonders leicht zu erkennen, aber mit ihrer enormen Hollywood-Schönheit wäre sie auch in ganz gewöhnlichen Klamotten nicht zu übersehen. Wie ist das bitte fair?

»Clockwork was?«, fragt Abby.

»Ein Steampunk-Film über Marie Curie«, flüstere ich. »Die Wissenschaftlerin. Ich hatte kürzlich erst eine Vorlesung über sie.«

Als ob eine Hollywood-Produktion über die Wissenschaftsheldin Marie Curie nicht schon fantastisch genug wäre, besetzen sie die Hauptrolle auch noch mit Cate Whitney? Entschuldigt mich, ich muss mal eben feministische Freudentränen weinen.

»Abby, sie war nur ungefähr drei Meter von mir entfernt.« Ich spreche langsam, um sicherzugehen, dass Abby versteht, was für eine Riesensache das ist. Dann löse ich meinen Blick vom Filmset.

Abby trägt einen schicken marineblauen Blazer, aber keine Hose. Ihr volles dunkles Haar ist so gestylt, dass ihre natürlichen Locken betont werden. Sie trägt Make-up und die Gläser ihrer übergroßen Bille sind ungewöhnlich sauber.

»Was hast du denn vor?«, frage ich amüsiert.

»Virtuelles Vorstellungsgespräch.«

»Welche Firma?«

»Genug von mir. Wirst du versuchen, Cate kennenzulernen?«

Mein Herz macht bei der Frage einen kleinen Satz, als hätte mich gerade eine wütende Krähe im Sturzflug attackiert. »Was? Nein. Sie arbeitet.«

»Ach komm, du warst schon von ihr besessen, als du noch gar nicht wusstest, dass du lesbisch bist. Muss ich dich an die Zeitschriftenausschnitte erinnern, die du damals in der Schule in deinem Spind hängen hattest?«

»Psst!« Schnell ziehe ich sie mit mir in die Wohnung zurück und schlage die Terrassentür zu. »Ich kann doch nicht einfach zu ihr gehen!«

»Klar kannst du das. Rachel, das Universum liefert dir gerade eine einmalige Gelegenheit«, erwidert sie und zupft eine Fussel von ihrem Blazer. »Ergreif sie.«

Ich reibe über meine müden Augen. Cate Whitney ist eine queere Ikone. Mit ihren Filmrollen, ihrem Kleidungsstil und der Tatsache, dass sie sich für die LGBT+ Community ausspricht, bin ich mir sicher, dass sie jeden Beliebtheitswettbewerb unter Lesben gewinnen würde.

Ich schätze, ich sollte zumindest versuchen, meine Heldin zu treffen. Obwohl allein die Aussicht schon einen nervösen Schauer über meinen Körper jagt. »Was sollte ich überhaupt zu ihr sagen?«

Abby stellt den Sichtschutz aus Bambus auf, den wir bei Videocalls als Hintergrund verwenden und der das umliegende Schlachtfeld glücklicherweise verdeckt. »Keine Ahnung. Ich liebe Ihre Filme?«

»Ne, das ist so normal.«

»Wenn du willst, dass sie sich wegen einer ungewöhnlichen Bemerkung an dich erinnert, schön, aber ich denke, mit etwas Durchschnittlichem bist du auf der sicheren Seite.«

»Stimmt wohl.« Ich zögere. Mein Herz rast. Dann schüttle ich entschlossen den Kopf. »Nein, ich kann das nicht. Das ist mir zu peinlich.«

»Du musst aber!«

Vorsichtig stellt sie ihren Laptop vor dem dreckigen Geschirr und der sauberen, aber zerknitterten Wäsche auf den Küchentisch.

»Du willst mich bloß während deines Gesprächs aus der Wohnung haben«, sage ich.

»Nun, ja, das auch. Aber ich will auch, dass du deine Chance nutzt. Mach schon. Ich lasse dich nicht wieder rein, bis du nicht zumindest ein einziges Wort zu ihr gesagt hast.«

»Wie bitte?« Ich lache auf.

»Du hast mich schon verstanden, Rachel Henrietta Janssen«, erwidert sie streng. »Ich schmeiße dich raus und verriegle die Tür, bis du erfolgreich warst.«

»Und wenn ich nicht aufs Set dar…«

»Ich fordere dich heraus«, flötet sie in einem mädchenhaften Tonfall, der mich an die Übernachtungspartys unserer Schulzeit erinnert.

»Ach, halt die Klappe.«

Abby gackert wie ein Huhn und ich werfe eine Packung Taschentücher nach ihr, die allerdings nur sanft von ihrer Brust abprallt.

»Hat Amelia Earhart sich von irgendjemandem davon abhalten lassen, ihre Ziele zu erreichen?«, fragt sie und wedelt demonstrativ mit den Armen.

»Amelia Earhart ist dabei gestorben, als sie versucht hat, ihr Ziel zu erreichen, Abby.«

»Das ist nicht der Punkt. Du wirst mir später noch dankbar sein.«

Ich beiße mir auf die Unterlippe. So unangenehm es auch ist, einen Star anzusprechen, ich würde es mein ganzes Leben bereuen, wenn ich es nicht mache. Cate Whitney ist mehr als nur ein Schwarm und eine berühmte Schauspielerin. Sie ist eine Legende, die mir dabei geholfen hat, mir über meine Sexualität klar zu werden und mich zu outen.

»Du bist ja auch nicht die Einzige. Ich habe gestern ein paar Mädchen gesehen, die am Zaun rumgehangen haben, um Fotos mit den Stars zu machen«, meint Abby mit einem verschmitzten Lächeln. Sie weiß genau, dass ich so gut wie überzeugt bin.

Ich grinse breit – ich kann einfach nicht anders. »Herausforderung angenommen. Ich frage sie, ob sie mir ein Autogramm auf meine Handyhülle gibt.« Vom Küchentresen schnappe ich mir einen Filzstift.

»Ein Autogramm? Wer fragt denn heutzutage noch nach einem –« Abby unterbricht sich, vermutlich weil ihr bewusst wird, dass die Alternative ein Selfie wäre und ich Fotos von mir hasse. »Schätze, Cate Whitneys Unterschrift auf deinem Handy wäre ziemlich cool.«

»Gott, ja, und wie. Habe ich noch Zeit für eine Dusche vor deinem Termin?«

»Ja!« Abby quietscht kurz vor Aufregung. Sie klappt ihren Laptop auf, lässt sich auf einem Stuhl nieder und prüft die Position des Sichtschutzes. »Du hast vierundzwanzig Minuten, um von hier zu verschwinden. Warum bist du eigentlich so früh zurück? Wie war das Campen?«

»Viel Erfolg bei deinem Vorstellungsgespräch«, rufe ich und laufe in Richtung Badezimmer.

Mein Versuch, ihrer Frage auszuweichen, scheitert allerdings, denn sie rennt mir prompt hinterher. »Wie war der Ausflug, Rachel?«

»Nett!«

»Lügnerin.«

Ihr entgeht wirklich gar nichts.

Bevor ich die Tür schließen kann, schiebt Abby ihre Hand zwischen Tür und Rahmen. »Rachel, was ist mit Julia passiert?«

Kapitel 2

Meine beste Seite

Automatisch will ich Abby versichern, dass alles in Ordnung ist. Ihr strenger Blick lässt mich jedoch zögern. Wir wissen beide, dass ich mich besser fühlen werde, wenn ich darüber rede.

»Na gut. Du hattest recht mit Julia.«

Abbys Gesichtsausdruck verliert jede Strenge. »Oh. Mist.«

»Gib mir einen Moment«, sage ich und schließe die Badezimmertür.

Ich schlucke eine Schmerztablette, ziehe mich aus und steige in die Dusche. Erleichtert stöhne ich auf, als das lauwarme Wasser auf mich prasselt. Keine Dusche hat sich jemals so gut angefühlt.

Sobald ich den Vorhang zugezogen habe, kommt Abby rein und setzt sich auf den Waschtisch. »Schieß los.«

Seufzend drücke ich Shampoo aus der Tube auf meine Handfläche. »Also, wir waren mit den anderen am Lagerfeuer und haben getrunken und Bierpong gespielt.« Meine Stimme wird durch die Akustik des Badezimmers verstärkt. »Und ich erwischte sie immer wieder dabei, wie sie mich ansah − oder vielleicht hat sie mich auch dabei erwischt, wie ich sie angesehen habe. Wie auch immer, die Art, wie sie mich angesehen hat, war ziemlich eindeutig. Mit diesem verführerischen Blick, die Augen ganz leicht verengt, weißt du, was ich meine?«

»O ja, sie hat eindeutig mit dir geflirtet.«

Mit geschlossenen Augen schäume ich mein Haar ein. »Irgendwann standen wir dann zusammen an dem Tisch mit den Getränken, beide nahezu sturzbetrunken, als mussten wir uns Mut antrinken. Und sie hat sich immer wieder an meiner Schulter festgehalten, um dasGleichgewichtzu behalten.«

»Hm. Die Ausrede benutze ich auch oft.«

»Genau. Also wollte ich sie testen, mit einem sexy Tequila Body Shot – die Variante, bei der du die Limette mit deinem Mund hältst und die andere Person sie von deinen Lippen beißen muss.«

Abby gibt einen kleinen Schrei von sich. »Und sie hat es gemacht?«

»Unsere Lippen haben sich berührt und sie hat sich nicht gleich zurückgezogen.«

Kurz herrscht Stille, dann sagt Abby: »Okay, das ist mehr als nur ein bisschen Flirten.«

Ich spüle meine Haare aus. Mein Magen verkrampft sich, wenn ich nur daran denke, was danach passiert ist. »Also habe ich gefragt: Hey, wollen wir unsere Bikinis holen und eine Runde schwimmen gehen? Weißt du, was sie darauf geantwortet hat?«

»Was?«

Ein Stück weit ziehe ich den Vorhang zurück, damit ich ihr Gesicht sehen kann. »Sie meinte: Wer braucht schon einen Bikini?, hat ihre Sachen ausgezogen und ist nackt in den See gelaufen.«

Abby schnappt nach Luft und starrt mich aus riesigen Augen an. »Ihr wart nackt schwimmen?«

Ich nicke. Das war solch ein Rausch. Als hätten sich die Motten, die um die Laternen herumgeschwirrt waren, in meiner Brust verfangen.

Erst schließe ich den Duschvorhang wieder, dann greife ich nach der Spülung.

»Wo waren die anderen?«, fragt Abby.

»Betrunken und beschäftigt. Niemand hat bemerkt, wie wir zusammen abgehauen sind.«

Der spiegelglatte See lag außer Sicht- und Hörweite des Campingplatzes, sodass wir beide allein in der unberührten Wildnis waren. Der helle Streifen der Milchstraße funkelte über uns und der Great Bear Rainforest ragte zu allen Seiten dicht und hoch auf, als befanden wir uns im Zentrum einer Schneekugel.

Der Mond schien so hell, dass ich Julias glühenden Blick deutlich sehen konnte. Ihren Blick und die Wassertropfen auf ihren blassen Schultern und ihrer Brust. Das Wasser umspielte ihre Brustwarzen.

Seit Monaten war ich schon in sie verliebt, hatte gelächelt, wenn sie lächelte, wollte sie zum Lachen bringen, wünschte mir, dass sie an mich dachte, wenn wir nicht zusammen waren – und dann waren wir endlich vollkommen allein und ungestört. Wir waren beide bereit, uns dem hinzugeben, was sich so lange zwischen uns aufgebaut hatte.

Sie schwamm auf mich zu und lachte so bezaubernd, wie sie es immer tat. Es kribbelte zwischen meinen Beinen. Diese umwerfende Frau hatte mir mal gesagt, dass sie sich fragte, wie es sein würde, mich zu küssen. Es gab keinen Zweifel, worauf dieser Moment hinauslaufen würde.

»Wir waren also im Wasser«, sage ich, während ich mich einseife. »Sie meinte, dass mein Tattoo sexy ist – was ganz offensichtlich ein Vorwand war, um mich zu berühren.«

»Gott, dieses Tattoo hat dir schon so viel Sex eingebracht.«

»Ich weiß.« Wer hätte gedacht, dass ein Tattoo auf den Rippen diesen Effekt haben würde? Frauen lieben es, einen Blick darauf zu erhaschen, wenn ich Tanktops mit tiefen Armausschnitten trage. »Jedenfalls habe ich gefragt, ob sie immer noch neugierig ist. Sie hat genickt und …«

Das Seewasser war kalt, doch Julias Haut war unglaublich weich und warm. Ich ließ meine Handflächen über ihren Körper gleiten, hinauf zu ihren Brüsten. Ihr Atem ging stoßweise und roch nach Tequila und Limette.

Unsere Lippen trafen sich. Ihre Hände umfassten meine Brüste, erst sanft, dann selbstsicherer, als wir unseren Kuss vertieften. Hitze breitete sich in mir aus, ein Rausch, der mich von den Haarspitzen bis zu den Zehen erfasste.

Ihre Finger strichen meinen Hals hinunter, über meinen Rücken, hin zu meiner Hüfte. Sie zog mich an sich. Stöhnte, als ich sie mit meiner Zunge reizte und über ihre Lippen leckte. Ihre Hand wanderte tiefer, noch tiefer …

»Dann führte eins zum anderen.« Ich stelle das Wasser ab und strecke meine Hand durch den Vorhang. Abby reicht mir ein Handtuch. »Und dann …« Ich wickle das Handtuch um mich und trete aus der Dusche.

Abby hat sich eine Hand vor den Mund geschlagen. Sichtlich angespannt wartet sie darauf, was als Nächstes kommt.

»… ist ihr Freund aufgetaucht«, sage ich, mein Selbsthass auf dem Höhepunkt. Er ist aufgetaucht, hat uns angeschrien, hat unsere perfekte Schneekugel zerschlagen.

»Ihr Freund?«, wiederholt Abby schrill. »Sie hat dir verheimlicht, dass sie einen Freund hat?«

»Oh, ich wusste von Andrew«, gebe ich mit heißen Wangen zu. »Aber sie hat nie viel über ihn geredet, sich höchstens mal über ihn beschwert. Gestern Abend hat sie auch weit mehr Zeit mit mir verbracht als mit ihm.«

»Ah.«

»Gott, ich bin so dämlich …« Ich öffne eine Schublade und krame geistesabwesend darin herum. »Aber sie ist offensichtlich gar nicht mehr an ihm interessiert und hält ihn nur hin! Ich weiß also nicht, wer von uns beiden schlimmer ist.«

»Vermutlich seid ihr beide gleich schlimm«, antwortet Abby hilfreicherweise.

Ich seufze. »Sie fing also an, sich zu verteidigen. Wir hatten nur ein bisschen Spaß, Andrew. Ich habe dir doch gesagt, dass ich ein wenig experimentieren will, Andrew.«

Abby springt ruckartig auf. »Was zum Teufel? Wirklich?«

»Nur Spaß. Ein Experiment. Keine echten Gefühle.« Meine Augen brennen. Ich wende mich ab und greife nach dem Föhn. Das gibt mir die paar Sekunden, die ich brauche, um mich zusammenzureißen. »Also bin ich abgehauen. Sollten sie sich doch allein am Seeufer streiten.« Erleichtert stelle ich fest, dass meine Stimme gleichgültig klingt.

Ich lief, bis die Sonne aufging und ich wieder nüchtern war. Denn das tue ich immer, wenn ich gestresst oder verwirrt bin oder zu betrunken, um gute Entscheidungen zu treffen – ich suche mir einen hübschen Weg und gehe los.

Auch wenn es vermutlich nicht sonderlich klug war, nachts allein durch einen Wald zu spazieren, in dem bekanntermaßen überdurchschnittlich viele Pumas und Bären leben. Aber ich habe es schließlich überlebt.

Ich lebe noch und es geht mir gut.

Mehr oder weniger.

»Oh, Rachel«, sagt Abby. Sie hebt die Arme, lässt sie dann aber wieder sinken, als wäre ihr bewusst geworden, dass sie mich besser nicht umarmen sollte, weil ihr schicker Blazer kurz vor ihrem Vorstellungsgespräch nicht nass werden sollte. »Du verdienst mehr als das. Du solltest nicht bloß ein Experiment oder ein bisschen Spaß für jemanden sein. Du wirst eine Seelenverwandte finden, da bin ich sicher.«

»Danke.« Ich blinzle, damit meine brennenden Augen mich nicht verraten.

Abby hat mich schon seit Monaten gewarnt, mich nicht zu sehr in die Sache mit Julia reinzusteigern – und sie hat richtig gelegen. Julia wollte keine Freundin. Sie wollte experimentieren und ich war bloß ihr Versuchskaninchen.

Aber meine letzte feste Freundin war schüchtern, zurückhaltend, und wollte mich verzweifelt geheim halten. Da zog mich Julia mit ihrer offenen Art unweigerlich in ihren Bann. Ihr Selbstbewusstsein war heiß und ich hatte ihr nichts entgegenzusetzen.

Warum hat mein Hirn sich bloß verselbstständigt und sich eine Beziehung mit ihr ausgemalt? Wie es sein würde, sie meiner Familie vorzustellen, zusammen an aufregende Orte zu fliegen, Hand in Hand am Strand spazieren zu gehen … Diese Gedanken verursachen mir nun fast körperliche Schmerzen, als hätte man mir ein Messer mitten in die Brust gerammt.

»Ich werde darüber hinwegkommen«, sage ich mit einem erzwungenen Lächeln. »Der ganze Mist ist ihre Schuld. Richtig?«

»Oh, total. Sie hat sich an dich rangeschmissen und jetzt können sie und ihr angepisster Freund sich damit auseinandersetzen.«

Keine Ahnung, ob Abby das bloß aus Loyalität mir gegenüber sagt, aber ihre Worte helfen, meine Stimmung etwas zu verbessern.

»Jetzt musst du Julia bloß für immer auf dem Campus aus dem Weg gehen«, fügt sie hinzu.

Ich verziehe mein Gesicht. »Oh, glaub mir, das habe ich definitiv vor. Aber jetzt verschwinde ich mal von hier, damit du deine Ruhe hast.«

Abby zögert und starrt mich weiterhin an.

»Mir geht es gut, Abby. Ehrlich. Die Frau zu treffen, die mir bewusst gemacht hat, dass ich lesbisch bin, wird mir den Tag retten.«

Sie lächelt. »Gute Einstellung.«

»Wie viel Zeit bleibt mir?«

Abby wirft einen Blick auf ihr Handy. »Zwölf Minuten.«

»Ich brauche nur elf.« Ich renne in mein Schlafzimmer, das mehr einer Höhle gleicht, weil ich nie die Vorhänge aufziehe und nur eine Nachttischlampe habe. Zuerst ziehe ich schwarze Bermudashorts und ein weißes Poloshirt an, dann kümmere ich mich um Haare und Make-up. Falls ich wirklich eine Schauspielerin treffe, für die ich schon ewig schwärme, sollte ich mich von meiner besten Seite präsentieren. Ich trockne meine Haare und frisiere sie auf eine Seite, trage dunklen Eyeliner auf und zupfe ein paar unerwünschte Härchen um meine Augenbrauen.

Letztlich prüfe ich mein Spiegelbild in dem verstaubten Spiegel, den ich schon seit Monaten nicht geputzt habe. Mein Undercut braucht eine Auffrischung, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit.

»Selbstvertrauen«, flüstere ich, um meine innere Stärke zu beschwören.

Ich bin noch nervöser, als wenn ich auf der Uni einen Vortrag halten muss. Aber das hier ist eine einmalige Gelegenheit und ich würde mir nie verzeihen, wenn ich meine Chance verpasse, Cate Whitney zu treffen. Selbst wenn die Begegnung total peinlich wird, verschmilzt die Erinnerung daran für Cate sicher sofort mit denen an die vielen Gespräche, die sie jeden Tag mit Fans führt.

Und wenn ich sie nicht ansprechen darf … nun, dann muss ich es weiter versuchen. Schwärmereien hin oder her, Abby hat mich herausgefordert und lässt mich sehr wahrscheinlich wirklich nicht mehr in die Wohnung, bis ich es geschafft habe. Wir nehmen Herausforderungen sehr ernst.

Ich stecke mein Handy, die Schlüssel und den Stift in meine Hosentasche.

»Viel Glück«, flüstere ich von der Tür aus, als Abby sich – immer noch ohne Hose – vor ihren Laptop setzt.

Sie salutiert mir mit zwei Fingern und antwortet: »Dir auch.«

Draußen auf der Straße atme ich tief durch. Es geht mir schon besser, nachdem ich Abby von meiner Misere erzählt habe, aber die Leere in meiner Brust wird einige Zeit zum Abheilen brauchen. Seit fünf Jahren hatte ich keine ernsthafte Beziehung – seit Sarah und ich uns in der zwölften Klasse getrennt haben. Ich habe mir eingeredet, dass ich emotional nicht bereit für etwas Festes bin und mein Studium es zu schwierig macht, Zeit für eine Beziehung zu finden. Doch dieser Schmerz zeigt mir, dass ich durchaus in der Lage bin, mich wieder Hals über Kopf zu verlieben.

Nur werde ich mein Happy End wohl nicht mit Julia finden.

Gott, wir waren nicht einmal zusammen und ich habe trotzdem das Gefühl, abserviert worden zu sein.

Nachdem ich den Zaun um das Filmset eine Weile entlanggelaufen bin, stoße ich auf einen Durchgang, der von Leuten mit Pässen um den Hals oder an der Kleidung benutzt wird.

Ich spreche den Wachmann an, der den Weg hinein versperrt. »Wird es Meet-and-Greets mit den Schauspielern geben?«

Er lacht herablassend. »Tut mir leid, die Schauspieler sind zu beschäftigt.«

Dachte ich mir’s doch. Also muss ich versuchen, durch den Zaun und die Zelte einen Blick auf Cate zu erhaschen – oder mich irgendwie reinschleichen, sollte ich mich heute besonders wagemutig fühlen.

Ich nicke gespielt niedergeschlagen, gehe dann aber weiter am Zaun entlang auf der Suche nach einer Schwachstelle. Wie ein gerissener Velociraptor, der aus seinem Gehege entkommen will.

Der Zaun umschließt das gesamte Set, mit nur einer Ausnahme. Hinter einem der weißen Zelte ist der Zaun unterbrochen – aber das hilft mir nicht, da das Zelt den Weg hinein genauso blockiert wie der Zaun.

Ich halte inne.

Aber vielleicht …

Es gibt eine Lücke zwischen dem Boden und dem Saum des Zelts. Vielleicht könnte ich den Stoff anheben und drunter durchschlüpfen?

Wenn Abby hier wäre, würde sie mich bereits in Richtung der Öffnung schubsen.

Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Vielleicht bin ich zu erschöpft, um einen Gedanken daran zu verschwenden, was für eine in jeglicher Hinsicht schreckliche Idee das ist. Vielleicht hat diese Katastrophe von einem Wochenende mich leichtsinnig gemacht. Vielleicht will ich so verzweifelt einen kleinen Sieg, dass ich zu extremen Mitteln bereit bin, um mein Ziel zu erreichen.

Sobald niemand mehr in meiner Nähe ist, knie ich mich auf den Boden und hebe die Unterseite der Zeltwand an. Der Stoff besteht aus einer Art dickem, unnachgiebigem Polyester und ist entsprechend steif. Es kostet mich einige Mühe, ihn hoch genug zu zerren, um darunterzupassen, und selbst dann liege ich mit flachgedrückten Brüsten auf dem Bürgersteig.

Keuchend quetsche ich mich drunter durch und erreiche die andere Seite. Ich versuche aufzustehen – und stoße mit dem Kopf gegen etwas.

»Au!« Ich stütze mich auf allen vieren ab. Mir ist schwindelig. Warum zum Teufel habe ich nicht nachgesehen, ob über mir noch etwas ist?

Neben mir sind mehrere Tabletts auf den Boden gefallen, Obst und Sandwiches liegen um mich herum verteilt.

»Scheiße«, murmle ich und krieche unter dem Tisch hervor. Dabei fasse ich auch noch in ein mit Senf gefülltes Croissant und verschmiere gelben Matsch unter mir.

Allem Anschein nach bin ich hier im Catering-Zelt.

»Oh, jetzt habe ich mich ganz schön erschreckt«, sagt eine sanfte Stimme.

Ich hebe den Blick und begegne eisblauen Augen. Alles in mir schmilzt dahin. Jeden Moment werde ich zu einer Pfütze auf dem Bordstein.

Ich hätte nicht gedacht, dass diese Aktion wirklich funktionieren würde.

Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass man mich gleich wieder rausschmeißt oder dass ich fünf Minuten lang ziellos durch das Set laufe und dann panisch flüchte. Dann hätte ich Abby zumindest versichern können, mein Bestes gegeben zu haben.

Vor mir steht Cate. In der einen Hand hat sie ein Skript, in der anderen eine Erdbeere. Sie sieht in ihrem Steampunk-Outfit und mit dem professionellen Make-up cool und charmant aus – und ich hocke hier auf allen vieren und habe Senf an den Händen.

Kapitel 3

Gay Vibes

Ich hätte mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht ausmalen können, dass Cate Whitney mich einmal auf diese Art anstarren würde – mit einer Mischung aus Verwirrung, Entsetzen und Mitleid. Sie lässt ihr Skript sinken. Vermutlich habe ich sie beim Lesen unterbrochen.

Ich springe schnell auf und wische meine Hände an der Rückseite meiner Hose ab.

»L-liebe Ihre Filme«, stammle ich.

Mist, warum hat Abby das bloß vorgeschlagen? Klingt ja total dämlich. Aber wahrscheinlich immer noch besser als Hi, deinetwegen habe ich erkannt, dass ich lesbisch bin, ich habe alle deine Filme mehrmals gesehen und finde dich unglaublich attraktiv.

Meine Wangen glühen und ich sehe gerade garantiert aus wie eine überreife Tomate.

Irritiert legt Cate den Kopf schief. »Arbeiten Sie hier?«

Ihre samtweiche, rauchige Stimme erinnert mich daran, wie viele Bösewichte sie gespielt hat, und bringt mein Innerstes zum Beben.

Dann wird mir bewusst, was sie gesagt hat.

Mist, sie hat mich durchschaut.

»Nein, ich arbeite hier nicht«, gebe ich zu. »Ich wollte bloß …« Ich beende den Satz nicht. Mein Hals ist wie zugeschnürt. Wenn ich zugebe, dass ich mich für ein Autogramm hier eingeschlichen habe, hält sie mich für einen durchgeknallten Fan, der sie stalkt. Und ich will definitiv nicht dafür verantwortlich sein, dass sie sich Sorgen um ihre Sicherheit macht.

Bin ich ein durchgeknallter Fan? Verdammt, Abby.

Nein, ich verfolge schließlich nicht, wo Cate sich wann aufhält und was sie tut. Ich respektiere ihre Privatsphäre und meide die Klatschpresse und Paparazzi-Fotos von ihr. Ich bewundere sie einfach nur. Und bin hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, sie zu sein, und dem Wunsch, sie zu küssen.

O nein, sie starrt mich an und ich verhalte mich merkwürdig.

»Ich habe mich gefragt, ob der Produzent vielleicht offen für Bewerbungen ist«, sage ich und schiebe den Filzstift tiefer in meine Hosentasche, um einen letzten Rest an Selbstachtung zu bewahren. »Als Beraterin, wissenschaftliche Beraterin.«

»Ach?« Sie zieht eine Augenbraue hoch.

Ich stelle mich aufrechter hin. »Genau. Ich schreibe gerade meine Masterarbeit in medizinischer Physik und bin auf die Arbeit von Marie Curie spezialisiert.« Der Teil über Marie Curie ist übertrieben, aber ich habe Kurse zur Strahlentherapie belegt, also ist es nicht völlig gelogen.

Ihre Lippen formen ein winziges Lächeln und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie keine Sekunde lang glaubt, dass ich hier bin, um mich für einen Job zu bewerben. Aber sie ruft nicht den Sicherheitsdienst und fordert mich auch nicht auf, zu verschwinden.

»Dann verstehen Sie diese Rolle vermutlich besser als ich«, sagt sie und hält das Skript hoch. »Irgendwelche Tipps? Ich weiß, dass Marie Curie das Radium entdeckt und den Begriff ›radioaktiv‹ geprägt hat, aber ich verstehe nicht, was das genau bedeutet und wie sie es entdeckt hat. Bei meiner Recherche bin ich bloß in ein endloses Loch aus unverständlicher Physik gefallen.«

»Sie hat ein Verfahren für die Isolierung von radioaktiven Isotopen entwickelt. Und neben Radium hat sie auch Polonium entdeckt.« Ich will noch mehr hinzufügen, halte aber den Mund, als ich Cates Stirnrunzeln bemerke. Mein Fachjargon ist wohl wenig verständnisfördernd.

»Radioaktive Isotope«, sagt sie gedehnt. »Aber wie entdeckt jemand einfach so ein neues Element?«

»Sie hat beide aus einem Mineral namens Pechblende extrahiert.«

Cates intensiver Blick ist auf mich gerichtet, was meine Wangen heiß werden lässt. Sie beißt sich auf die Unterlippe, schaut ins Drehbuch und zeigt dann auf das Set draußen vor dem Zelt. »Möglicherweise könnten wir wirklich Beratung gebrauchen. Ich muss mich auf meine nächste Szene vorbereiten. Können Sie sich allein auf die Suche nach einem der Produzenten machen?«

»Sicher«, erwidere ich, obwohl ich nicht die geringste Absicht habe, mich vor der Filmcrew noch mehr zu blamieren.

Cate isst die Erdbeere, die sie schon in der Hand hatte, als ich mich auf allen vieren in ihr Leben gedrängt habe. Sie hält meinen Blick, während sie in die Frucht beißt, und ich vergesse zu atmen.

Ich dachte immer, dass sie nur wegen ihrer Rollen Gay Vibes ausstrahlt. Doch sie sind auch in der Realität greifbar. Wegen ihrer Energie, vielleicht aber auch wegen des intensiven Augenkontakts. Wenn wir in einem Club wären, hätte ich schon längst angeboten, ihr einen Drink zu kaufen.

Ich gehe an ihr vorbei zum Zelteingang, denn was bleibt mir anderes übrig? Der Stift ist eng an meinen Hintern gedrückt. Mir war vorher schon klar, dass ein Treffen mit Cate mich überwältigen würde, aber das hier ist absurd. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen.

Bevor ich rausgehe, drehe ich mich noch einmal zu ihr um. »Tut mir leid, dass ich das Buffet versaut habe.«

Sie schenkt mir ein umwerfendes schelmisches Lächeln, das mich nahezu taumeln lässt. »Ich werde niemandem verraten, wer das war. Viel Glück bei der Bewerbung.«

Falle ich gleich in Ohnmacht?

»Danke«, sage ich bloß.

Und dann ist mein großes Treffen mit Cate Whitney vorbei. Ich öffne bereits den Mund, um doch noch nach einem Autogramm zu fragen, besinne mich dann aber doch auf meinen letzten Rest an Würde und lasse es sein.

Warum kann ich nicht cool sein? Warum muss ich genau jetzt mit Senf und Croissant-Krümeln eingesaut sein?

»Warten Sie kurz«, sagt Cate und kommt auf mich zu. Sie streckt die Hand aus und zupft etwas aus meinen Haaren.

Ein Schauer läuft meinen Nacken hinunter.

Zwischen den Fingern hält sie ein Spinnennetz. Sie lässt es zu Boden fallen. »Unter dem Tisch muss es schmutzig gewesen sein. Wir wollen doch nicht, dass Sie sich um einen Job bewerben, während Ihnen sonst was im Haar klebt.«

Aus nächster Nähe riecht sie süß und sommerlich.

»Nein«, sage ich atemlos. »Danke, Cate.«

»Gern geschehen …« Sie hält inne und es dauert einen Moment, bis mir klar wird, dass sie darauf wartet, dass ich die Lücke fülle.

»Rachel«, sage ich dann schnell. »Rachel Janssen.«

Ein Typ in meinem Alter eilt herbei und drückt Cate einen Müsliriegel in die Hand. »Deine Pressesprecherin hat angerufen wegen der Gala. Außerdem brauchst du Protein.« Er hat die Haltung eines Tänzers und jeder Zentimeter an ihm ist sorgfältig zurechtgemacht, von seinen schwarzen Haaren über seinen lilafarbenen Anzug bis zu den Plateauschuhen. Seine dunkelbraune Haut hat er mit schimmerndem Highlighter betont. »In ein paar Minuten sind sie bereit, die Szene zu arrangieren«, fügt er hinzu, während er hektisch auf seinem Handy tippt.

Cate wendet den Blick die ganze Zeit nicht von mir ab. Anscheinend ist sie daran gewöhnt, dass dieser Typ dazwischenkommt, während sie mitten im Gespräch ist.

»Rachel«, sagt sie. »Ich hoffe, wir sehen uns wieder.«

Der Typ wirft mir einen misstrauischen Blick zu, als hätte er mich erst jetzt bemerkt.

Ich nicke unbeholfen und verlasse das Zelt mit Schmetterlingen im Bauch. Ich habe mit Cate Whitney gesprochen. Sie hat meine Haare berührt. Hofft, dass wir uns wiedersehen. Mein Name kam über ihre Lippen.

Nur hält sie mich definitiv für seltsam.

Und das bin ich. Seltsam, peinlich und gedemütigt.

Warum habe ich mich bloß auf so dumme Art aufs Set geschlichen? Daran ist nur Abby schuld.

Draußen bin ich unsicher, ob ich mich für immer in ein Loch verkriechen oder mir selbst auf die Schulter klopfen sollte. Es ist süß, dass Cate mir viel Glück gewünscht und mir das Gefühl gegeben hat, wirklich das Zeug für eine Stelle in der Produktion zu haben – die ich aber natürlich nie bekommen würde. Sie ist tatsächlich so nett, wie es immer heißt.

Ich nehme den offiziellen Ausgang und der Wachmann, der mich vor wenigen Minuten erst weggeschickt hat, macht große Augen. Nun, ich will weg vom Set, nicht rein, also kann er mich schlecht aufhalten.

Da ich Abbys Bewerbungsgespräch nicht stören will, spaziere ich den Strand entlang, bis sich die Schmetterlinge in meinem Inneren beruhigt haben. Es sind einige Menschen unterwegs und genießen das warme Wetter, viele davon mit ihren Hunden. Die Sonne glitzert auf den sanften Wellen, auf denen Segelboote, Kajaks und Schlauchboote tanzen. Der Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft und ein lärmender Schwarm Möwen versucht, Leuten aus dem Hinterhalt ihr Essen zu klauen.

Ich verdecke mein Gesicht, als ich hinter einem Paar vorbeigehe, das gerade ein Selfie macht. Es ist schön, von so viel guter Laune umgeben zu sein. Trotzdem ist es in der Nebensaison angenehmer, am Strand zu leben, wenn weniger Leute da sind.

Während ich laufe, lässt mich Cates Ausstrahlung einfach nicht los. Und ich komme nicht darüber hinweg, dass sie mein Haar berührt hat. Sie war viel zu nett zu mir. An ihrer Stelle hätte ich vermutlich den Sicherheitsdienst gerufen.

Mein Magen knurrt und ich gehe zu meinem Lieblings-Sandwichladen – der offenbar für den Filmdreh zu einem Steampunk-Geschäft umgewandelt und ins Set integriert wurde. Ein Schild am Metallzaun verrät mir, dass alle Geschäfte in diesem Bereich über den Sommer geschlossen sind.

Grummelnd gehe ich weiter. Am anderen Ende der Straße gibt es ein Crêpe-Café, mit dem ich mich auch begnügen kann.

Drinnen ist viel los – vermutlich, weil sämtliche Leute, die eigentlich woanders hinwollten, hierher ausweichen mussten. Die besten Lokale in der Gegend wurden vom Filmset aufgesogen. Nachdem ich Kaffee und einen Crêpe mit Spinat und Feta-Käse bestellt habe, schnappe ich mir den letzten freien Platz auf der Terrasse.

Es wäre schlau gewesen, meinen Laptop mitzunehmen. Das penetrante Gefühl, dass ich gerade eigentlich an meiner Masterarbeit sitzen sollte, verfolgt mich permanent. Diese kostbare Zeit hätte ich für Recherche nutzen können.

Ich hole mein Handy heraus und schaue mir die Software für maschinelles Lernen an, die ich schon lange im Auge habe. Dieses Programm könnte Gold wert sein, wenn es sich für die Analyse medizinischer Bildmaterialien verwenden lässt. Damit kann ich mich zumindest sinnvoll beschäftigen, bis Abby mir schreibt, dass ich heimkommen darf.

Aber nachdem ich ein paar Minuten im Internet herumgestöbert habe, muss ich mir eingestehen, dass ich heute nicht die geistige Kapazität für so etwas habe. Erstens bin ich verkatert und habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Zweitens ist es nicht gerade einfach, mich auf Deep-Learning-Algorithmen zu konzentrieren, nachdem ich gerade erst einer der talentiertesten und attraktivsten Frauen der Welt gegenübergestanden habe. Und drittens liegt mein Herz immer noch in Trümmern, weil eine Frau es zerschlagen hat, von der ich mir insgeheim eingebildet habe, dass sie für mich queer werden würde.

Kurz gesagt, ich bin im Moment eindeutig nicht in der richtigen Verfassung, auch nur an meine Abschlussarbeit zu denken.

Eine Nachricht von Abby errettet mich von meinem lustlosen Scrollen.

Gespräch ist gut gelaufen und sie wollen noch einen Videocall mit den Teamleitern in 10 Minuten. Ist es okay für dich, etwas länger wegzubleiben? Ich kann dir schreiben, sobald ich fertig bin.

Ihre Neuigkeiten heben meine Stimmung ein wenig. Es ist ein schöner Tag, also kann ich ruhig noch eine Weile hier draußen Zeit totschlagen.

Super, dass du das Gespräch gerockt hast! Kein Problem. Ich esse einfach was und hänge ab.

Danke, beste Freundin auf Erden. Hattest du schon Glück mit Cate?

Unweigerlich muss ich grinsen.

Ich habe sie getroffen. Bin nicht dazu gekommen, sie um das Autogramm zu bitten, aber wir haben tatsächlich richtig miteinander geredet. Mein Herz muss sich immer noch davon erholen.

Was?!!! Ist sie in echt auch so umwerfend?

Als spräche man mit einer Göttin.

Wie genau das alles abgelaufen ist, muss Abby ja nicht unbedingt wissen.

Du bist meine Heldin. Bis nachher.

Eine Stunde später habe ich es tatsächlich geschafft, ein bisschen zu recherchieren und ein paar Informationen aufzunehmen, warte aber noch immer darauf, dass Abby sich meldet. Das Gespräch muss gut laufen, wenn es so lange dauert.

Bewerbungsgespräche für Programmierjobs klingen furchtbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich ein potenzieller Arbeitgeber mehrere Stunden dabei beobachtet, wie ich Codes schreibe.

Andererseits klingt auch alles, womit ich mich in meinem Studium so beschäftige, für viele Leute schrecklich. Vielleicht ist ein sechsstündiger Videoanruf für die Allgemeinheit erträglicher als Kurse in Quantenmechanik, Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Abby scheint das zumindest so zu sehen.

Ich bekomme schon wieder Hunger, also gehe ich ins Café, um noch einen Crêpe zu bestellen. Die kühle Luft im Lokal tut gut, nachdem ich ein paar Stunden draußen verbracht habe. Alle vier Tische im Innenraum sind noch besetzt und zwei Leute stehen vor dem Tresen und warten auf ihre Bestellungen.

Als ich die Liste der Speisen auf der Kreidetafel an der Wand überfliege, erinnere ich mich an das letzte Mal, dass ich Crêpe gegessen habe – mit Julia, während wir zusammen gelernt haben. Der Schmerz in meiner Brust wird immer stärker. Ich habe wohl doch noch nicht ganz realisiert, dass ich sie verloren habe. Die Sache zwischen uns hat Spaß gemacht, auch wenn es abzusehen war, dass es auf eine Auseinandersetzung mit einem wütenden Freund hinauslaufen musste. Irgendwie hatte ich mir aber eingeredet, dass der Campingausflug damit enden könnte, dass ich sie um ein Date bitte.

»Was hättest du gern?«, fragt das Mädchen im Teenageralter hinter dem Tresen. Sie ist ganz offensichtlich genervt davon, dass ich nicht schnell genug entscheide, was ich will.

Diesmal habe ich Lust auf etwas Süßes statt auf etwas Herzhaftes und bestelle einen Schokoladen-Erdbeer-Crêpe.

Ich greife nach meinem Geldbeutel, als ein Raunen durch den Raum geht und sich die Stimmung schlagartig ändert. Köpfe drehen sich in Richtung der Tür. Alle beugen sich zueinander, flüstern aufgeregt, zeigen in eine bestimmte Richtung.