Lachen mit FRED B. - Reiner F. Silberg - E-Book

Lachen mit FRED B. E-Book

Reiner F. Silberg

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Beschreibung

Humoristische Kurzgeschichten meines Freundes Fred. Wo ich den Fred kennengelernt habe? Wer Fred ist? Nun, Fred ist wir alle, also auch ich. Bei etwas Zeit und Beobachtungsgabe und bei einiger Phantasie erleben wir alle hier und da alltägliche Aktionen, die mit Fred in Verbindung gebracht werden könnten. Ja, wir alle sind Fred. - Reiner F. Silberg -

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Seitenzahl: 229

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Reiner F. Silberg

Lachen mit FRED B.

Humoristische Geschichten

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Der Möbeltransport

Die Fahrradtour

Der Albtraum

Fred kommt auf den Hund

Fred in Russland

Fahrschule

Fred kauft sich ein neues Auto

Autotour nach Tschechien

Fred wird Segelflieger

Fred fährt zur Kur

Fred in Prag

Fred auf Arbeit

Fred erinnert sich an seine Lehrzeit

Fred will eine Frau

Fred in der Irrenanstalt

Epilog

Impressum

Kapitel 1

Gelangweilt sah ich eines Tages vom Balkon. Was ich sah, war nicht viel. Aber es war der Ansatz, darüber eine kleine Geschichte schreiben zu wollen. Es war die Geburtsstunde für „Fred B.“

Der Möbeltransport

Ich stand auf dem Balkon, hatte Langeweile und war begeistert, als sich vor meinen Augen ein Szenario abzuspielen drohte, dass viel Spaß versprach. Ich griff mir eine Flasche Bier und putzte die vergilbten Gläser meiner Brille. Die Darsteller da unten konnten beginnen:

Aus einem Hauseingang trat eine kleine Gruppe Männlein, die den offensichtlichen Auftrag hatte, Mobiliar in das gegenüber befindliche Haus zu tragen. Es waren Helfer einer Familie, die gerade ihre Wohnung wechselte. Für die kurze Transportstrecke bedurfte es natürlich keines größeren Fahrzeuges. Ein kleines Handwägelchen und die eigenen vier bzw. fünf Glieder erschienen den Beteiligten als ausreichend. Nun kommt es im Leben sowieso immer anders, als es die Planung vorsieht. Zwei Männer - ein kleiner Dicker und ein langer Dünner - erschienen nach Passieren der Haustür im Sichtfeld. Das Handicap war nicht der Schrank, den die Beiden sozusagen von A nach B tragen zu wollen vorgaben, sondern ihre unterschiedliche Größe. Wie sich aber im Verlaufe des zum Scheitern verurteilten Unterfangens herausstellte, gab es einen weit wichtigeren Grund, aus dem alles ein einziges Dilemma wurde. Zunächst aber verursachte die unterschiedliche Körpergröße der beiden ungelernten Möbelträger ein bedrohliches Schaukeln des obendrein wackligen Schrankes. Der eine gab dem anderen lautstark kund, dass er es satt habe, sich zum Pavian der Wohngegend zu machen. Das war gut gesagt, denn es wurde zwar kein Pavian ersichtlich, aber etwas Ähnliches nahte bereits im Hinterland des Geschehens. Und zwar in Form einer älteren Dame, die von einem kleinen Wadenbeißer - ein Minihund - zum Gaudi der Fußgänger Gassi geführt wurde. Dem kleinen Hundekerl war das Hinterherzerren seiner Herrin auf Dauer nicht die Erfüllung, er konzentrierte sich mit blitzenden Augen auf die beiden komischen Gestalten, die vor ihm versuchten, unbeschadet ein bedenklich schwankendes Ding umher zu tragen. Die Hundeleine spannte sich surrend, gurgelnde Laute drangen von unten nach oben und die Dame musste achtgeben, nicht in den Straßenkot gerissen zu werden. Der Inhalt meiner Bierflasche zischte in engen Abständen meine Kehle hinunter und drohte, alsbald zu enden. Angesichts der sich entwickelnden, hervorragend humoristischen Situation, lief ich Gefahr, eine Trockenperiode meiner Kehle durchstehen zu müssen. Die Zeit war zu kostbar, um sie mit der Akquise einer neuen Flasche Bier zu vergeuden.

Die Spannung stieg, als zunächst nur ich von meinem Hochsitz aus ahnte, was kommen könnte. Die Schrankträger waren mit sich und dem Schrank beschäftigt, die Dame hatte Mühe, ihren kleinen Hund, der nun sehr aggressive Töne von sich gab, dessen Pfoten beim Vorwärtsdrängeln Dreck nach hinten schleuderten, im Zaum zu halten. Sie musste Obacht geben, über ihr geliebtes Schoßhündchen nicht gänzlich die Kontrolle zu verlieren. Dieses kleine Tierchen war nämlich gerade im Begriff, sich in ein rasendes Ungeheuer zu verwandeln. Die Zeichen der Darbietung standen auf Sturm. Es ging los: Der hinten laufende Schrankträger hatte keine Chance. Er hörte hinter sich, ganz nahe, ein gurgelndes Röcheln, Scharren und Knurren. Es ist nachzuvollziehen, dass dem armen Manne aus der Sicht der Unwissenheit - er sah ja die ganze Zeit immerfort nur die wurmstichige Schrankwand vor sich - die vorgebrachten gefährlichen Laute, nur als das Angriffsgeschrei einer beißwütigen Kreatur deuten konnte. Dieser Gedanke konnte nicht zu Ende gebracht werden. Der kleine Wadenbeißer, der in seinem Wesen nun endgültig in eine Kreuzung aus Reiswolf und Blutgeier konvertiert war, riss sich vollends von der kreischenden Dame los, zerrte den Hundezwirn hinterher und konnte nun endlich seine messerscharfen Zähne in die haarigen und entblößten Krampfadern des gepeinigten Männleins schlagen. Der Transportmann trug kurze Hosen und ihn ereilte die Vorahnung, dass seine Waden und danach auch seine anderen Extremitäten auf der Stelle aufgefressen werden. Er warf völlig entnervt den Schrank von sich und ging akustisch explodierend seiner Wege. Nun muß der Leser sich vergegenwärtigen, dass der Vordermann von den Vorgängen, die sich hinter ihm entwickelten, nicht viel mitbekam. Er sah sich plötzlich auserkoren, den Schrank alleine tragen zu müssen, weil sein Spannemann hinten einfach zu dämlich für seine Aufgabe sei. Der Vordermann, der lange Dürre also, war ein Kämpfertyp. Sekundenlang jonglierte er den großen Schrank und glaubte fest daran, physikalische Gesetze zu seinen Gunsten aushebeln zu können. Daraus wurde aber nichts, denn der Schrank zog ihn einfach nach hinten und zerplatzte auf der Fahrbahn. Und mitten in dem Bretterhaufen nahm nun der Vordermann, also der lange Dünne, sein Bad in der Menge. Mittlerweile hatte aber die Dame, die nun endlich ihr geiferndes Reptil eingefangen hatte und kurz vor dem Dilemma eines Nervenzusammenbruches stand, restlos die Fassung verloren. Sie disziplinierte nicht ihren kleinen Psychopaten, sondern beschimpfte mit übelsten Ausfällen die verhinderten Schrankträger. Sie kreischte wie Verona Feldbusch und verblüffte die anwesende Gafferschar mit der vorgetragenen These, ihr Schoßhündchen sei unschuldig wie die liebe Daisy des leider verblichenen Herrn Mooshammer. Der angenagte Mann habe durch entblößen seiner schwieligen Waden mit diesen unappetitlichen Krampfadern den armen Hund provoziert. Mittlerweile hatte sich aber der andere Transportspezi vom Bretterstapel befreit. Sein Feindbild war zunächst so aufgebaut, dass sein Spannemann ein Blödmann sei. Dahingehend erwiesen sich seine lautstark vorgetragenen Argumente aber als falsch. Der angefressene Kumpan, also der kleine Dicke mit den nackten Waden, verstand es endlich, den Vorgang durch detaillierte Schilderung seiner durchlebten Pein aufzuhellen. Die Hundebesitzerin mußte einsehen, dass sich das Blatt zu wenden begann. In Gedanken sah sie sich schon die Überreste des Schrankes von der Fahrbahn räumen. Sie hatte sekundenlange Eingebungen, dass eine von ihr zu zahlende Schadensumme von ihrem gemästeten Konto abgehen könnte. So hatte sie die Idee, eine Version der Ereignisse in die inzwischen zahlreichen Zuschauer zu kolportieren, die jeder Vernunft spottet: Sie wisse überhaupt nicht, wieso sie hier angesprochen werde. Von weitem hätte sie gesehen, wie zwei ehrenwerte Herren versuchten, eine Holzkiste einigermaßen unbeschadet über die Fahrbahn zu jonglieren. Die Aktion begann zu scheitern, weil die Herren zuvor offenbar zu tief ins Glas gesehen hätten. Sie habe sich mit ihren schüchternen Hund, der angeblich an der Leine hinterher gezogen werden musste, der albernen Szenerie genähert, um Hilfe anzubieten. Gleich hätten die beiden Kistenträger sie aber unflätig beschimpft und ihr Hündchen hätte sich dabei vor Angst schlotternd hinter ihren Rockzipfel verkrochen. Nun möchte sie aber nicht weiter stören, da ein Kaffeekränzchen bei Cousine Frieda schon in Zeitverzug sei. Ihr Hündchen lag derweil schläfrig zwischen den krummen Beinen der ältlichen Dame. Als aber der lange Dünne schimpfend mit seinen spillerigen Beinstäben umherstakste, regte sich wieder der unbändige Jagdtrieb im Hündchen. Es machte alles zunichte, indem es die Lefzen wetzte und sich wieder zum großvolumigen Raubtier hineinsteigerte. Dieses gefräßige Raubtier wollte nun diesem dünnen Mann eine deftige Lektion erteilen. Und es wollte wissen, wie und ob solche dünnen Beinstäbe schmecken können. Wie ein Kugelblitz torpedierte sich das vorgeblich liebe Hündchen aus seiner Warteposition zwischen den krummen Beinen der völlig irritierten Dame nach vorn. Dem Opfer blieb keine Chance. Mit Karacho und rückwärts stolpernd, flog der dünne Mann nochmals in den Bretterhaufen. Der kleine Kojote verbiss sich in die fettlose Wade, ließ aber nach kurzer Zeit angewidert von dem dürren Unterbein ab. Und nun gab es endlich wichtige Zeugen des interessanten Schauspieles: Der Eigentümer des zwischenzeitlich zum Scheiterhaufen avancierten Schrankes. Der trat gerade aus der Haustür, um sich über den Fortgang der Umzugsaktion ein genaues Bild zu verschaffen. Hinter ihm erschien schon der nächste Darsteller in der Türfüllung: Ein Männlein, dessen Auftrag darin bestand, mittels kleinen Metallwägelchen eine altertümliche Waschmaschine von A nach B bringen zu müssen. Es war Fred B., der Hausnachbar, welcher sich als helfender Engel produzierte. Von seinen Aktionen wird noch viel zu erzählen sein. Zunächst aber blieben dem Schrankeigentümer angesichts der Tatsache, dass er nun Verwalter eines schäbigen Bretterhaufens geworden war, die Worte im Hals stecken. Es bedurfte einiger Zuredungen und Überredungen, um auch beim ehemaligen Schrankeigentümer und jetzigen Eigentümers eines Scheiterhaufens, ein klares Feindbild zu installieren. Der machte kurzen Prozess und bat alle Beteiligten zur Verhandlung in den Hausflur, um dort Anklage zu erheben und ein Protokoll für die Versicherung zu erstellen. Zuvor bat er die Hundedame inständig, ihr vierbeiniges Monster an den Laternenpfahl zu ketten. Die Bezeichnung dieses Schadensfalles wird der Versicherungsbürokratie nicht leicht fallen und an deren Schreibtischen für Lachsalven sorgen.

Zwischenzeitlich hatten aber nun Fred und der klapprige Wagen so ihre Mühe mit dem Bewältigen der gestellten Aufgabe. Schließlich musste die völlig überladene Karre über den Bordstein dirigiert werden. Das versprach, eine interessante Posse zu werden. Es begann schon damit, dass Fred rückwärts gehend und am Wägelchen zerrend sich quasi dem ersten Unheil näherte. Richtig, der Bordstein war zu zeitig da, der Karrenlenker hatte seine hinteren Augen zu Hause vergessen und ging deshalb stolpernd zu Boden. Freds Schutzengel schwebte einige Runden über ihn. Zunächst blieb also die Waschmaschine nach mehreren Kippversuchen auf dem Wagen stehen. Der Initiator dieser ganzen Straßenbelustigung, also der Besitzer der Möbelstücke, begab angesichts des neuerlichen Tumultes vor die Tür. Er hatte Mühe, die Fassung nicht endgültig zu verlieren. Er konnte nicht glauben, wie dämlich seine im Kneipenmilieu angeheuerten Helfer die Gaffergemeinde bei Laune hielten. Er eilte wieder ins Haus, um die dort renitent auflaufende Hundedame zur Räson zu bringen. Fred erhob sich unterdessen aus dem Straßenstaub und widmete sich erneut der Bewältigung seines Auftrages. Fred hatte ein Problem: Runter ging es vom Bordstein gerade noch, aber an der anderen Seite wieder hoch - also das sollte sein Meisterstück werden. Richtigerweise hob Wagenmeister Fred die Karre vorn an und zerrte verbissen an der Deichsel. Die körperlichen Verrenkungen waren optisch ein ganz passables Schauspiel. Eine Glanzleistung aber war das Absatteln der Waschmaschine. Die Hebelwirkung der schweren Maschine wurde vom offensichtlich wenig physikalisch vorbelasteten Fred schlichtweg unterschätzt. Es krachte und das nun entleerte Wägelchen überschlug sich vor Freude. Die Männer, die vom Eigentümer zwischenzeitlich zum Beräumen der Schrankreste an Ort und Stelle beordert waren, bekamen einen Lachkrampf. Anschließend hoben sie freundlicherweise dem Fred die verbeulte Maschine wieder auf die Karre. Nach mehreren Metern Fahrt über verhärteten Hundekot und dem Passieren eines abgesackten Gullydeckels streckte das überforderte Wägelchen die Hufe in den Himmel. Die Räder machten das Spektakel einfach nicht mehr mit und legten sich waagerecht. Fred hatte nun die fürchterliche Eingebung, der gepeinigten Waschmaschine eine Pause zu gönnen und sich auf die Suche nach einem neuen Transportmittel zu begeben. So geschah es und es geschahen noch ganz andere Dinge. Wie der Zufall es so will, begann sich am Horizont der Fahrbahn ein schillerndes Ereignis zusammenzubrauen. Die Katastrophe nahte in der Form, als dass sich ein verrosteter PKW „Lada“ russischer Bauart samt tschechischem Fahrerpersonal der Szene näherte. In Höhe der unfreiwillig abgestellten Waschmaschine, die aus Sicht der allerlei Krimskrams sammelnden Tschechen ein hochmodernes Gerät darstellte, wurde der Bremsmechanismus des Uralt-Lada in Gang gesetzt. Irgendwann kam das Vierrad dann auch zum Stehen. Ruck-zuck wurde das Objekt der Begierde aufgeladen und die neuen Eigentümer des Waschgerätes entschwanden im Nebel der Abgase am Firmament der Endlosigkeit. Als Fred nun endlich wieder am Tatort mißmutig eintraf, immer noch keinen neuen Wagen hatte, da sprang das blanke Entsetzen aus seinen Augen. Er sah nicht das, was er sehen wollte. Er sah vor Wut und Angst überhaupt nichts mehr. Auch nicht, dass sich der Eigentümer der Waschmaschine näherte und sich lobend darüber äußerte, wie schnell der Fred die Maschine beräumt habe. Nun ja, der teure Transportwagen wäre nun etwas beschädigt. „Wegräumen den Schrott und dann fix paar Tschechen zum Möbeltragen besorgen!“ trug der Chef auf. „Die lungern stets da vorne um die Ecke herum und sind scharf auf altes Zeug“ dozierte der Chef der Aktion. Er rekapitulierte laut, dass seine komplizierten deutschen Helfer mehr Bierflaschen vor sich hertrugen, als Möbelstücke und die Aktion wohl deshalb bis Mitternacht dauern kann. Fred wusste nicht so recht, wie ihm geschah. Völlig verwirrt trabte er von dannen, um sich seiner neuen Aufgabe anzunehmen. Ihn peinigten entsetzliche Aversionen und er meinte, sogleich verblöden zu müssen. Fred recherchierte und kam zum Ergebnis, er sei dem Menetekel des ewigen Scheiterns verfallen und im wabernden Nebel der kommenden Ereignisse sah er sich schon auf dem Hackklotz einer schmierigen Pferdeschlachterei liegend seine letzten Worte vortragen. Da Fred im Haus nebenan wohnte, ging er erst mal in seine Bude und zischte zwei Pils und zwei Korn. Dann ging er mutig seiner gestellten Aufgabe entgegen. Er bog er um die Ecke und erspähte tatsächlich einige Tschechen, die gerade aus einer Mülltonne Unterhaltungselektronik bargen und in ihre Karre stopften. Und Fred sah doch tatsächlich seine Waschmaschine auf dem durchgebogenen Dach des Ladas. Mit einer Leine festgezurrt. Er war sprachlos und legte sich gedanklich ein Konzept zurecht, wie er unbeschadet seine Maschine und zugleich die Tschechen angeln konnte. Allerdings glaubte er selbst nicht an einen Erfolg seiner gefährlichen Mission. Aus seiner früheren Liebschaft mit einer tschechischen Zigeunerin, die er nach acht Flaschen Pilsner Urquell und fünf Karlsbader Becher auf dem Straßenstrich aufgegabelt hatte, haben sich einige tschechische Wortfetzen in seinen Gehirnwindungen eingegraben. Eine weitere Anhäufung seines ausländischen Wortschatzes ereichte er bei seinen illegalen Zigarrenkäufen bei landlosen Vietnamesen, welche in vietnamesischen, tschechischen, slowakischen und englischen Sprachversuchen ihre Klientel betrogen. Seinen internationalen Wortschatz wollte er nun zur versöhnlichen Debatte vor den Tschechen ausbreiten. Angesichts des vorangegangenen Desasters war Fred allerdings nicht mehr so richtig Herr seiner Sinne und seine vorgetragenen Vokabeln brachten nicht den erwünschten Erfolg einer gütigen Verständigung mit den ausländischen Müllmännern. Und schließlich waren die zwei Pils und die Schnäpse nicht alkoholfrei gewesen. Seine auswendig gelernten Vokabeln taugten allenfalls für eine Neuauflage seines zurückliegenden Abenteuers mit dieser heimatlosen Zigeunerin, welche ungefragt sein Geld in einer verfallenen grenznahen Gastwirtschaft verplempert hatte. Fred bekam also die entmutigende Antwort auf sein vorgetragenes Begehren auf Verständigung: „Deizscher Männlein, du haben Verirrung am Kopf und am Bein Nummero drei“ dozierten die Tschechen. Im Auto der Mülltschechen befand sich nämlich auch eine schwabbelige Matrone, welche offenbar die Aufsicht über das Unternehmen führte, als Maskottchen diente und auch für alle anderen Aufgaben zur Verfügung stand. Durch die hervorgesprudelten Wortfetzen, die größtenteils sexuellen Inhalt schäbigster Art besaßen, wurde die Absicht herausgelesen, der magere Deutsche sei scharf auf die ehrenwerte Dame in der Limousine und wolle ihr nun beizeiten unter den Rock. Fred zog es nun schleunigst vor, mit den bedrohlich dreinblickenden Tschechen deutsch zu sprechen. Ein bärtiger Tscheche knurrte „Ei, der Deitsche sprechen Mutterspräche“. Als Fred zu verstehen gab, die Waschmaschine in Besitz nehmen zu wollen, da es seine eigene sei, da lachten die Tschechen. Man klopfte ihm auf die Schulter, entnahm dabei unbemerkt die Armbanduhr von Fred`s dünnem Handgelenk und versprach ihm, bei guter Bezahlung mit der monströsen Chefin über sein vorgetragenes abartiges Verlangen zu reden. Fred begann zu schwitzen und dachte darüber nach, was alles so abgehen würde, müßte er sich über die ungelenke Frau wälzen. Das Ergebnis seiner abstrusen Gedanken versetzte ihn in lähmendes Entsetzen. Er zog es vor, freundlich noch einen schönen Tag zu wünschen. Ihm sei es etwas unpäßlich und er müsse zunächst sein dürftiges Mittagessen erbrechen gehen. Die Tschechen bemerkten dazu, er könne sein Essen gern ausatmen, aber erst nach üppiger Barzahlung für das unverbindliche Angebot, die angeblich lüsterne tschechische Schönheit im russischen Lada bezirzen zu dürfen. Fred wurde sanft ans Auto geschoben aber er sträubte sich und erklärte seinen Verzicht auf das Abenteuer und verwies auf Kopfschmerzen im linken Kniegelenk. Die ausländischen Möchtegernzuhälter standen derweil bedeppert herum und konnten nicht fassen, wie dieser germanische Mensch vor ihnen herumzitterte und Unsinn redete. Um sich nicht großartig Ärger aufzuladen, ließ man das deutsche Menschenbündel wegen dessen plötzlichen Gesichtsgulaschs abziehen. Fred trottete davon, fasste aber wenig später plötzlich Mut und gestand großmütig seinem Chef, der schon auf das Eintreffen eines tschechischen Arbeitskommandos wartete, sein ganzes Dilemma. Also ging der Chef selber zu den Tschechen, legte denen paar Geldscheine aufs Autodach und empfahl seinen Auftrag auf zügige Ausführung. Im Preis sei das Hochtragen seiner bereits freundlicherweise aufgeladenen Waschmaschine enthalten. Er fügte noch seine hervorragenden verwandtschaftlichen Beziehungen zum Oberzollinspektor Dr. Pumpelhuber hinzu und empfahl seinen Schwiegersohn, welcher als Polizeikommissar grade auf Schicht sei, als guten Gesprächspartner. Und ab ging die Post, der gepeinigte Fred hatte endlich Zeit zum Luft holen. Er empfahl seine Dienste und verschwand im Dunst der kommenden Ereignisse. Allerdings sah er seine Armbanduhr nie wieder.

Die Fahrradtour

Fred wollte sich etwas Gutes tun. Bewegung an der Luft, so meinte er, wäre nach der durchzechten Nacht mit seinen Skatbrüdern Knochenfritz und Affenkarl gerade das Richtige. Also listete er alle Möglichkeiten auf, die dafür nutzbar wären und er kam auf die Fortbewegungsart Fahrrad fahren. Im Keller wartete der Drahtesel von Fred schon sehnsüchtig darauf, ordentlich getreten zu werde. Fred hatte alles bedacht, nur nicht, dass draußen ein furchtbarer Sturm sein Unwesen trieb. Also begannen sich Schwierigkeiten aufzutürmen, von denen nun zu erzählen sein wird:

Fred ist ein harter Hund und durch ein laues Lüftchen nicht gleich aus der Fassung zu bringen. Die Tour sollte durch die Stadt runter an den Fluß gehen und dort den Fluß aufwärts und das alles wieder irgendwie zurück. Als sich nun Fred vor der Haustür auf den Drahtesel schwingen wollte, klappte das auch zunächst. Nach einigen Metern Fahrstrecke aber wurde er vom Wind von seiner Tretmühle geblasen. Fred ging danieder und wälzte sich im Schmutzwasser des vorigen Regens. Dieser Auftakt schmeckte ihm nicht und er entwickelte ein Konzept, dass ihm mehr Stabilität vermitteln sollte. Er wollte nur gegen den Wind bzw. vor dem Wind fahren, was natürlich nicht gelang. Fred schob sich also irgendwie durch die Landschaft und wurde unbarmherzig durchgeschüttelt. Als der Wind von rechts kam, lehnte er sich kämpfend dagegen. Das sah so aus, als wolle er mit einer Neigung von 45 Grad um die Kurve düsen. Als aber dann einige hübsche Mädchen entgegen gelaufen kamen, wurde Fred überfordert. Er achtete nicht mehr auf die Windkraft, sondern richtete seine ganze Phantasie mit hervorquellenden Augäpfeln auf die Gruppe Mädchen. Das war ein Fehler, denn der Wind schlug um und Fred schlug auf. Die Mädchen hatten ihr Gaudi und Fred besah sich die Pflastersteine aus Nahdistanz. Und weiter ging es schließlich in Richtung Radweg unten am Fluß. Dort hatte Fred Rückenwind - besser Rückensturm - und kam so gut voran, dass ihm sogar sein eigenes Basecape überholte. Der Hut landete im dornigen Gebüsch. Nun stieg Fred in die Bremseisen und versuchte vom dornigen Gestrüpp seinen Speckdeckel wieder zu bekommen. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und Fred hatte auch dafür vorgesorgt. Seinen Poncho, den er nun über sich und das Rad hängte erweckte den Anschein, ein Geist schwebe umher. Wäre bloß nicht dieser blöde Sturm gewesen. Fred fuhr in der Aufmachung einer entsetzlich gerupften Vogelscheuche Richtung Elbfähre, um dort aufs andere Ufer überzusetzen. Starke Windböen schoben sich ihm unter den Poncho und er lief Gefahr, augenblicklich vom Boden der Tatsachen abzuheben. Als der Wind abwechselnd von vorn, von hinten, rechts und links zum Angriff blies, da erahnten die auf der Fähre wartenden Fahrgäste schon insgeheim ein spannendes Schauspiel. Fred enttäuschte sie nicht und begann seine Vorstellung damit, dass sich seine flatternde Regenplane an der Astgabel eines herunter hängenden Baumteiles gründlich verharkte. Die Fahrtrichtung des merkwürdigen Drahteselgespannes wurde abrupt verändert. Fred wurde ruckartig im rechten Winkel nach links gerissen und verschwand samt Drahtesel im tiefen Gestrüpp, direkt am Anlegesteg der kleinen Fähre. Nun wurde der Fährmann unruhig, denn er wollte übersetzen und nicht noch eine weitere Zirkusvorstellung dieses seltsamen Wesens ansehen. Aber da schälte sich schon Fred aus dem Gestrüpp und winkte dem Fährmann zu, dass er möglichst noch mit auf den Kahn springen wolle. Mit dem zerfetzten Regenschutz und den kleinen Ästen am Rad erweckte Fred den Eindruck, er sei Fallschirmspringer, der unbedingt auch bei dieser Vorstellung sein Rad mitnehmen mußte und nun etwas deplaziert gelandet sei. Fred schwang sich aufs Rad und fuhr verbotenerweise über den Anlegesteg direkt auf den Kahn. Der Fährmann moserte, kassierte ab, gab endlich Gas und riss das Ruder herum. Mittlerweile hatte der Sturm noch zugelegt und die kleine Fähre wurde gewaltig hin und her gerissen. Es entstand eine Situation, in der normalerweise Kotzbeutel ausgegeben werden sollten. Fred wurde ärgerlich gebeten, endlich seinen deformierten Poncho abzustreifen, da das Ding vom Sturm als Segel mißbraucht werden könnte und den klapprigen Kahn noch zum Kentern bringe. Gleichzeitig stellte Fred fest, dass sein rechter Schuh noch in dem Gebüsch liegen mußte, worin er von einer blöden Astgabel so abrupt hin delegiert wurde. Und so kam er in den Genuß, nach dem Anlegen gleich noch mal überzusetzen. Nach Auffinden seines durchweichten Schuhes, worin sich schon einige Käfer vor dem Regen gerettet hatten, verzichtete er auf weitere Ausdehnung seiner Tour und beschloß, schnellstmöglich nach Hause zu strampeln. Der Regen hatte aufgehört und auch der Sturm legte sich, so dass Fred seine gute Laune wiederfand. Das änderte sich aber nach paar Kilometer Fahrstrecke, denn ein Ereignis jagte das andere. Auf einer Bank am Uferweg kauerte ein unförmiges Männlein mit einem Hund an der Strippe. Der Hund beäugte skeptisch den herannahenden Fred und scharte ärgerlich mit seinen Pfoten Dreck auf. Das Männlein nuckelte an einer Schnapsflasche und interessierte sich nicht weiter für die Szene. Als Fred im Schritttempo fahrend in Höhe des sich in Aufregung steigernden Vierbeiners war, da passierte es: Die Strick spannte sich und schon spürte Fred in seinem Knöchel einen Schmerz. Durch den Leinenruck flog dem Mann seine Schnapsflasche in den Dreck und mit Lichtgeschwindigkeit stellten sich Entzugserscheinungen ein. So schnell konnte Fred nicht bremsen, wie er schreien wollte. Der Schnapsmann sprang von seiner Bank und fluchte grässlich. Sein Alkoholpegel sorgte dafür, dass er annahm, dieser scheiß Radfahrer habe ihm die Flasche aus der Hand geschlagen, um sich an daran selbst zu laben. Fred hielt sich einige Meter entfernt auf und begutachtete seinen angebissenen Knöchel. Er stellte fest, dass sein schöner Stinksocken in Fetzen gerissen, aber der Knöchel nur unwesentlich lädiert ist. Der auf Entzug stehende Schnapshundemann geriet in Rage und brüllte: „du elende Stinknatter, gib mirmeine Flasche wieder!“ und fuhr fort: „Polizei, Hilfe, Überfall! Holt mal jemand die scheiß Bullen!“. Dabei stolperte er über die am Boden liegende Schnapsflasche, welche ins Gebüsch rollerte. Voller Wut sprang der Mann seiner Alkoholessenz hinterher. Direkt in einem menschlichen Scheißhaufen lag die Flasche. Fred sah noch, wie der Kerl mit dem Taschentuch zuerst die Flasche, dann seine Nase abwischte. Freudestrahlend stellte der Flaschenbesitzer fest, dass noch etwas Flüssigkeit in der Flasche war, welche er umgehend in seinen Schlund kippte. Er fixierte Fred und geiferte: „Guck nicht so schwul, du blöde Sau!“. Fred baute Stresshormone auf und vergriff sich mit überschlagender Stimme giftend im Ton: „Alter Bock, dein kupferner Penisring hat deineGehirnwindungen vergiftet!“ Ihm wurde das alles zu kompliziert, er schwang sich aufs Rad und versuchte die Schmerzen des kleinen Kratzers im Knöchel zu vergessen.

Fred war voll im Streß. Er fragte sich, welcher Esel ihn geritten hat, als er sich für diese Radtour entschloß? An der nächsten Wurstbude kaufte er sich eine Flasche Bier um sich damit ruhig zu stellen. Das gelang aber erst nach der dritten Flasche. Dann sprang er zügig auf seinen Drahtesel, um an der anderen Seite gleich wieder einen Abgang zu exerzieren. Die zahlreichen Saufbrüder an der alten Wurstbude kamen so endlich mal auf ihre Kosten. Ein besonders vermögender Sozialhilfeempfänger hatte die richtige Idee: Er spendete Fred noch eine Flasche Pils. So hatten dann alle noch eine feine Zugabe, als der nun trunkene Fred im zick-zack mit seiner Karre davon kurvte und vorn an der Kreuzung Rot mit Grün verwechselte und schließlich vollständig die Übersicht verlor. Fred wollte nach Hause und fuhr Amok. Dazu kam noch der Umstand, Pinkeln zu müssen. Das ging gründlich schief und gestaltete sich wie folgt: Im Wahn, ein städtisches Gebüsch vor sich zu haben, öffnete er seinen Hosenschlitz und urinierte in einen gepflegten und zaunlosen Vorgarten wo liebliche Rosen ihr Dasein fristeten und angesichts der Sonne nach Wasser dürsteten. Nun hatten sie gleich Wasser mit Düngergabe. Fred bekam als Dankeschön vom Besitzer des Vorgartens, Herrn Pumpdikel, einen Besenstiel derartig übers Kreuz gezogen, dass sich der arme Holzstiel in mehrere Teile verwandelte. Da Gartenfreund Pumpdikel mit Fred keine Nachsicht hatte, konnte Fred nicht verhindern, den zweiten Teil seines angestauten Urins in die Hose abzulassen. Nun war Fred völlig konfus. Er hatte keine Zeit, den Hosengürtel zu schließen und dann sprang auch noch in der Hektik der oberste Hosenknopf ab. Er schwang sich also mit halb abgelassener Hose aufs Fahrrad und wollte schleunigst aus dieser ungastlichen Gegend verschwinden. Das Vorhaben mißlang, weil Fred anstatt sein Fahrrad zu nehmen, im Alkoholwahn und angesichts der Prügelattacke, das herumstehende Fahrrad des Herrn Pumpdikel ergriff. Er wurde vom Rad gezerrt und lautstark als lumpiger Hühnerdieb beschimpft. Das laute Gezerre drang durch das geöffnete Fenster an die Ohren der Frau Pumpdikel. Die legte fix ihr Bügeleisen auf die Hose ihres werten Gatten ab und eilte sogleich ans Fenster. Voller Spannung sah sie den im Dreck liegenden Fred. Der kam langsam zu sich, besann sich auf dummdreiste Ausreden - er wäre vordem gekidnappt und mit Gewalt unter Drogen gesetzt worden - und er möchte nun nach Hause um dort Linderung seiner durchlebten Pein suchen. Als er endlich auf den eigenen Drahtesel aufsattelte, steckte Rosenbesitzer Pumpdikel noch rechtzeitig den Rest des Besenstiels zwischen die Speichen des Vorderrades von Freds Fahrrad. Der eierte kreuz und quer, konnte sich aber kurz vor dem erneuten Besuch im Straßendreck noch rechtzeitig in die richtige Lage manövrieren. Fred war klar, dass er es nun endgültig satt hatte. Genügend Zuschauer hatte er ja bei seinen deftigen Auftritten und er überlegte, Honorare gerichtlich einzuklagen. Beim Abfahren sah er zur am Fenster geifernden Pumpdikel, zeigte ihr den Vogel und bemerkte den Rauch, welcher sich hinter ihr im Zimmer aus dem Fenster quälte. Die Hose des Herrn Pumpdikel und das Bügelbrett taugten nur noch für den Müll…

Fred trat gemächlich in die Pedalen und eruierte unentwegt im Wahn einsetzender Entzugserscheinung, wo denn der Standort seines Wohnhauses sein könne. Er kam zum Schluß, einen Passanten fragen zu müssen, wo denn seine (Freds) Wohnung sei. Er übertraf sich an hanebüchenen Unsinn derartig, dass er voller Ernst einen daher trabenden Bürger um Auskunft bat, welche Richtung er - also Fred - einschlagen müsse, um endlich zu seiner Schlafpritsche zu gelangen. Natürlich hing Freds Hose immer noch halbgeöffnet am Körper. Verschreckt sprang der dahereilende Fußgänger zur Seite und stellte entsetzt fest, dass er einen Verrückten vor sich habe. Im Zustand der langsam nachlassenden Vernebelung seiner Sinne meinte Fred, dass er wohl die Pest haben müsse, weswegen sich dieser blöde Kerl ängstlich von ihm abgewandt habe. Und damit beschloss Fred, nun wieder selbst zu denken, was auch langsam und sicher gelang. Er fand sein Haus, warf das Rad in die Kellerbucht, ging in seine Bude und trank aus dem Kühlschrank noch eine Flasche Bier. Ermattet und von grässlichen Träumen gebeutelt, dümpelte Fred bis zum Abend im Bett.

Was er in seinen Albträumen so alles erlebt hat, darüber ist anschließend zu berichten.

Der Albtraum