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Einblicke in die faszinierende Welt der Landschaftsarchitektur. Dieses Buch präsentiert die schönsten und innovativsten Projekte aus dem internationalen Raum. Mit über 300 eindrucksvollen Fotografien, detaillierten Plänen und fachkundigen Beiträgen vermittelt das Buch einzigartige Einblicke in die Kunst und Wissenschaft der Landschaftsgestaltung. Von Klinikparks, über Grundschulen bis hin zu Privatgärten – inspirierende Projekt- und Büroporträts, Fakten und Hintergrundgeschichten beeindrucken und zeigen, wie Landschaftsplanende ökologische, technische und soziale Herausforderungen meistern. Ein unverzichtbares Werk für Fachleute und Menschen mit Leidenschaft für moderne Landschaftsgestaltung.
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2026
MARTIN PROMINSKI LAURA PUTTKAMER
VORWORT
LAURA PUTTKAMER
EINLEITUNG
MARTIN PROMINSKI
BEIRAT
PARTNER
HERAUSRAGENDE PROJEKTE
NEU UND DOCH VERTRAUTPOLA
GRÜNE VISITENKARTEFUCHS BAUT GÄRTEN
EIN ALLTAGSORTFUCHS BAUT GÄRTEN
EIN ORT DES STILLEN GEDENKENSFUCHS BAUT GÄRTEN
KLIMAFREUNDLICHES MAKEOVERATELIER DEDE
EINE VERTIKALE LANDSCHAFTLJ-GROUP
EIN LUXURIÖSER FREIRAUMLJ-GROUP
GRÜNFLÄCHE STATT KASERNEHUTTERREIMANN
LEBEN IN DER STÄDTISCHEN UMGEBUNGKLAUS + SALZBERGER
EINE IDENTITÄTSSTIFTENDE ORTSMITTEKLAUS + SALZBERGER
VOM TAGEBAU ZUM FREIRAUMTREIBHAUS
ELEGANTE MUSEUMSBEGRÜNUNGGTL
EIN FEST FÜR ALLE SINNETHOMANN
KLETTERN AN DER STADTMAUERBERLINER SEILFABRIK
OFFENER LEBENSRAUM IN BERLINKRE_TA
HEIMISCHE ARTEN ZWISCHEN HECKENTOM STUART-SMITH
EIN PARK FÜR DAS 21. JAHRHUNDERTLÜTZOW 7
MAXIMALE FREIHEIT STATT GEFÄNGNISSTUDIO GRÜNGRAU
SCHÜTZENDE UFERVEGETATIONG+2S
EIN KINDERGARTEN FÜR ALLELAND RISE
FREIRAUMENTWICKLUNG FÜR EIN GANZES DORFLAND RISE
EIN RECYCLING-VORREITERKIENLEPLAN
„KINDER-ALASKA“ STATT PARKPLATZHEINE-ARCHITEKTEN
EIN PARK FÜR KINDERHEINE-ARCHITEKTEN
TIEFGARAGENDACH ZU DSCHUNGELHEINE-ARCHITEKTEN
NEUER AUFTAKT FÜR DEN FLUSS365° FREIRAUM + UMWELT
FLEXIBLE, ÖKOLOGISCHE FREIRAUMSTRUKTUR365° FREIRAUM + UMWELT
EIN MÄANDERNDER, NATURNAHER BACHDI MARIA BAUMGARTNER
ERLEBNISRAUM STATT BRACHESILVIA EICHNER
LEBENSRAUM FÜR MENSCHENAFFENZOOPLANUNG SCHNEIDER KLEIN
SCHWAMMSTADT-POP-UPBÖE® STUDIO
MÖGLICHKEITEN FÜR DIE GANZE STADTMAHL·GEBHARD·KONZEPTE
18 GÄRTEN IN EINEMGROHS
EIN GANZHEITLICHER CAMPUSKORTEMEIER BROKMANN
MULTIFUNKTIONALER SCHULHOFRAINER SCHMIDT
FUTURISTISCH-GEOMETRISCHE STADTMITTERMPSL
GRÜNE HALBINSEL AM HAFENRMPSL
FREIRAUM ÜBER DER TIEFGARAGESTUDIO VULKAN
VOGELNESTER STATT MILITÄRSTUDIO VULKAN + FAKTORGRUEN
LANDSCHAFT TRIFFT ARCHITEKTURROSENMAYR
MULTIFUNKTIONALE LEBENSADERGEITZ & PARTNER
NATURNAHE UMGESTALTUNGQUERFELDEINS
ARCHITECTS' VOICE
HERSTELLER IM FOKUS
PLANERVERZEICHNIS
IMPRESSUM
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„Gute Landschaftsarchitektur hält Stadt lebendig und damit auch unsere Demokratie. Sie reagiert auf Bedürfnisse und kreiert zugleich neue Angebote für Interaktion und individuelle Entwicklung. Die Publikation zeigt: Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“
HEIKE VOSSEN
33 Büros und Agenturen für Landschaftsarchitektur sind in diesem Jahrbuch vertreten – die meisten von ihnen aus Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Vietnam finden sich Beispiele. Die ausgewählten Projekte zeigen, was die Landschaftsarchitektur besonders gut kann: Nähe zur Natur schaffen, unsere Städte auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten und eine bessere Lebensqualität für alle bieten.
„Mit Projekten, die den Bestand kreativ transformieren, die resiliente und lebenswerte blaugrüne Infrastrukturen schaffen, oder die artenreiche Hotspots im urbanen Raum hervorbringen, zeigt dieses Jahrbuch, wie die Landschaftsarchitektur den Garten der Erde schöner und nachhaltiger gestalten kann.“ So beschreibt Martin Prominski dieses Buch, das zahlreiche sorgfältig, detailorientiert und hochwertig geplante Freiräume zeigt.
Dabei fällt auf, dass der Hochwasserschutz in einem Großteil der Projekte konsequent mitgedacht wird, ebenso wie der Klimawandel. Worte wie „zukunftsweisend“ und „klimaresilient“ gehören längst zum Repertoire der Landschaftsarchitektur. Es tut gut, zu sehen, wie selbstverständlich und häufig zentral diese Aspekte inzwischen sind. Auch Upcycling, Sanierungen statt Neubauten und ein schonender Materialumgang sind wichtige rote Fäden, sei es in Freiflächen für Schwimmbäder, für Friedhöfe oder Kindergärten.
Der „Spagat zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung“, so Anna Detzlhofer, ist in vielen der vorgestellten Projekte zu sehen – von Flussrenaturierungen über Parkgestaltungen bis hin zu zentralen Plätzen in Dörfern und Städten. Auch im ländlichen Raum sind Projekte zu finden, was besonders wichtig ist – oft kommt dort die Freiraumgestaltung zu kurz. Aber in Buch am Erlbach (S. 74) und in Andelsbuch (S. 160) entstehen lebhafte, ästhetisch wertvolle und an die Zukunft angepasste Räume für alle.
Spielplätze für Groß und Klein sind ebenfalls gut vertreten. Dabei wird ein deutlicher Trend hin zu naturbelassenen, offenen Spielräumen sichtbar, wie etwa in den Erfahrungsgärten® (ab S. 176), die in einer anregenden Umgebung eigene Erfahrungen fördern. Die Kinder können sich die naturnah gestalteten Spielorte mit allen Sinnen aneignen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Auch für Erwachsene gibt es in den vorgestellten Projekten viele Angebote – vom „anderen Park“ mit Vogelnestern und Klanginstallation (S. 296) über Pumptracks (S. 243) hin zu faszinierenden Zoolandschaften (S. 226) und einer sportlichen Tagebau-Umnutzung (S. 82).
Ob grüne Visitenkarten, kreative Neugestaltungen, naturnahe Sanierungen oder attraktive Formensprache – all diese Projekte lösen ihre jeweilige Herausforderung mit Bravour. Sie bieten Räume für Begegnung und stiften Identität, zeigen Zukunftskompetenz und Weltoffenheit – und verbessern dabei unser Umfeld Stück für Stück, Staude für Staude und Baum für Baum.
Unser Planet erlebt gerade turbulente Zeiten. Eine Spezies hat sich so stark ausgebreitet, dass ihre künstlich hergestellten Produkte inzwischen mehr Masse besitzen als alle Lebewesen zusammen. Der Homo Sapiens verändert den Planeten gewaltig, und paradox ist, dass diese auf den ersten Blick so erfolgreiche Spezies ihr eigenes Überleben aufs Spiel setzt. Diese Gefahr zeigt unter anderem ein großes internationales Team aus Forschenden auf, die seit 2009 untersuchen, für welche Erdsystem-Prozesse die Menschen kritische Grenzen überschritten haben, jenseits derer ihr Überleben gefährdet ist. Waren es 2009 erst drei von neun Prozessen (Biodiversitätsverlust, Stickstoffkreislauf, CO2-Anstieg), sind es im Update 2025 bereits sieben. Diese Prozesse verdeutlichen, wie stark der Einfluss des Menschen auf das System Erde geworden ist. Deshalb schlugen Paul Crutzen und Eugene Störmer bereits im Jahr 2000 vor, diese Veränderung als neues Erdzeitalter, das „Anthropozän“, zu benennen. Dieser breit diskutierte Vorschlag ist berechtigt und konstruktiv, denn er drückt klar aus, dass der menschliche Einfluss in jedem Kubikzentimeter des Planeten – vom Marianengraben bis in die Höhen der Atmosphäre – wirksam ist. Das Anthropozän macht deutlich, dass es keine außerhalb von uns gelegene „Natur“ mehr gibt, auf die wir als Kompensationsort unserer Handlungen hoffen können, und weist so auf unsere Verantwortung für die planetare Krise hin. Um in dieser kritischen Situation noch einmal das Ruder herumzureißen und in den „grünen Bereich“ zurückzukehren, braucht es eine große Transformation: Die Menschen müssen die Hybris der Moderne mit ihren zu einfach gedachten Machbarkeitsfantasien ablegen und demütig die komplexen Beziehungsgewebe des Lebens verstehen lernen, um die Transformation zur Nachhaltigkeit gestalten zu können.
Genau hier kann die Landschaftsarchitektur einen Beitrag leisten: Keine andere Gestaltungsdisziplin arbeitet so vertraut mit lebendigen und komplexen Prozessen. Sie steht den Themenfeldern Pflanze und Garten sowie der Handlungsweise des Gärtnerns sehr nahe und darf sich deshalb von der Aufforderung des Geologen Reinhold Leinfelder – einem der führenden Vertreter der Anthropozän-Debatte – angesprochen fühlen, wenn er sagt, dass wissensbasiertes, nachhaltiges „Gärtnern“ den vorherrschenden Raubbau an der Natur ersetzen muss. Nach Leinfelder sollten künftig Gärtner und Gärtnerinnen die Welt gestalten, denn sie sind in der Lage, die komplexen Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Kräften zu steuern. Diese 2013 von Leinfelder gemachte Akzentuierung der Gartenmetapher hatte in Deutschland bereits einen Vorläufer: Hubert Markl, ehemaliger Präsident sowohl der Deutschen Forschungsgemeinschaft als auch der Max-Planck-Gesellschaft, prägte bereits in den 1980er-Jahren den Begriff „Anthropozoikum“ als ein neues Erdzeitalter, in dem die Natur vom Menschen verantwortungsvoll gestaltet und erhalten werde. sollte. In seinem 1986 geschriebenen Buch Natur als Kulturaufgabe konnte er sich keine bessere Metapher vorstellen als den Garten, denn er gleicht einer erfolgreichen Natur-Kultur-Symbiose:
„Das uns allen wohlvertraute Symbol und Beispiel solcher Symbiose ist der Garten als eine Form der Landnutzung, die mehr ist als ertragsmaximierende Biotechnologie. Wir brauchen Garten-Denken gegenüber der von uns genutzten Erde als humanverantwortliche Ergänzung zur berechnenden Rationalität ökonomischen Planens. Garten-Denken heißt, aus dem Land mehr als nur das Letzte herauszuholen. Ein Garten ist ja alles andere als unproduktiv, Nutzpflanzen bestimmen und beherrschen ihn. Aber er ist doch nie nur Stätte produktiver Effizienz. Er ist immer auch Stätte organischer Schönheit und harmonischen Wohlbehagens, die zwar unaufhörlicher Pflege und Obhut bedürfen, sich aber doch nur vorbereiten, nicht erzeugen, geschweige denn erzwingen lassen. Ein schöner Garten lebt vom Reichtum seiner Selbstentfaltung, von seiner Ordnung wie von seinen Entgleisungen, vom Eingriff wie vom Eigenwillen, von Planung wie von Selbstgestaltung. Er ist nicht nur Ordnung und daher mehr als Plantage; er ist nicht nur Wildnis und daher auch nutzbar. Ein richtiger Garten ist die Harmonie von Natur und Kultur. Wenn wir Verantwortung für den Bestand des Lebens ernst nehmen, so müssen wir wollen, dass Garten-Denken, Garten-Handeln […] das Grundprinzip jeder Landnutzung und Landesgestaltung sind.“
Sowohl Leinfelder als auch Markl verdeutlichen: Der Garten ist vielleicht DIE Metapher für ein Zeitalter, in dem der Mensch zum dominierenden Faktor des Planeten geworden ist und ein neues Konzept der Verantwortung benötigt. Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen hat diese Nähe der Disziplin zum Garten 2023 im Positionspapier „Der Garten der Erde“ aufgegriffen: In zwölf Postulaten fasst der Berufsverband die Aufgaben der Profession für die nachhaltige Gestaltung unseres „planetaren Gartens“ zusammen. Dass es sich nicht um wohlklingende Sonntagsreden handelt, zeigt dieses Jahrbuch Landschaftsarchitektur 2026 – im Folgenden illustriert an ausgewählten Postulaten.
Das erste Postulat „Achtung des Bestandes!“ erlebte schon in den 1970ern und 1980ern mit Projekten von Peter Latz oder Louis Le Roy einen Höhepunkt, verschwand aber vermutlich aufgrund fehlender ästhetischer Akzeptanz wieder von der Bühne. Heute verfolgen Beispiele wie die neuen Freianlagen des Freibads Sindelfingen (Kienleplan) mit einer Terrassenlandschaft aus 3.000 Kubikmetern recyceltem Abbruchmaterial und dem intelligenten Weiterbau vorhandener Asphaltwege, mit dem ihr Rückbau vermieden werden konnte, eine unsichtbare, aber in der CO2-Bilanz höchst effektive Recyclingstrategie. „Der andere Park“ (Studio Vulkan / Faktorgruen) setzt dagegen auf Upcycling: Geschredderte Betonsteinbeläge der 1970er-Jahre werden als terrazzoähnliche Platten veredelt, die sich als identitätsstiftendes Band durch den gesamten Park ziehen.
Das dritte Postulat „Wassersensibel entwickeln!“ hat sich inzwischen zu einem der erfolgreichsten Themen der Profession entwickelt. Das Spektrum reicht von Maxfrei (Studio Grüngrau) und dem Schulcampus Unterföhring (RSLA) mit umfangreichen Dachbegrünungen zum Regenrückhalt plus Photovoltaik über den Ada-Lessing-Park (Hutterreimann) mit seiner „Feuchten Senke“ als Retentionsmulde oder die ästhetische Inszenierung der jahrzehntelangen Füllung des Hambacher Sees (Treibhaus) bis zu spektakulären temporären Schwammstadt-Pop-ups von BÖE in Lausanne. Im sechsten Postulat „Biodiversitätskrise ernst nehmen!“ adressiert der BDLA denjenigen Prozess, der in den Forschungen zu den planetaren Grenzen am stärksten im roten Bereich liegt und demnach noch gefährlicher für das menschliche Überleben ist als der Klimawandel. Das Jahrbuch versammelt Ansätze auf unterschiedlichen Maßstabsebenen: Im kleinen Maßstab setzt Tom Stuart-Smith mit dem „Garten der Wildpflanzen“ einen prägnanten Akzent innerhalb von Planten un Blomen und leistet mit der Inszenierung heimischer Arten einen Bildungsbeitrag. Im Parkmaßstab adressiert der Oberwiesenfeldpark von mahl·gebhard·konzepte naturschutzrechtliche Belange mitten in München und schafft Laichgewässer sowie Bläulingshabitate. Gleichzeitig ist der Park eine abwechslungsreiche Erholungslandschaft mit Angeboten für alle Altersgruppen und damit ein hervorragendes Beispiel für das zweite Postulat: „Freiraum kann fast alles!“ Auf dem großräumigeren Maßstab der Landschaft zeigen die Revitalisierungen des Raababachs (Maria Baumgartner) und des Donauursprungs (365° Freiraum), wie der Ersatz harter Uferbefestigungen durch naturbasierte Lösungen eine eigendynamische Fließgewässer-Entwicklung ermöglicht, die sowohl den Hochwasserschutz stärkt als auch die Biodiversität erhöht.
Diese und noch viele weitere Beispiele aus dem Jahrbuch Landschaftsarchitektur 2026 zeigen, dass die Profession Verantwortung übernimmt und Beiträge zur nachhaltigen Transformation unseres kriselnden Planeten leistet. Sie demonstriert ihre gärtnerischen Fähigkeiten des sorgenden, kreativen Umgangs mit den anderen Lebewesen und Dingen auf der Erde, die eine Perspektive zur dringend notwendigen Konvivialität – der Kunst des Zusammenlebens, die sich unter anderem im Garten realisiert – eröffnen.
Schlussgedanke: Überschätze ich den Beitrag der vergleichsweise kleinen Disziplin Landschaftsarchitektur zur planetaren Transformation? Vielleicht – vielleicht aber auch nicht, wie eine inspirierende Metapher der französischen Landschaftsarchitekten Michel Desvigne und Christine Dalnoky aus den 1990er-Jahren zeigt. Sie verglichen die Aufgaben der Landschaftsarchitektur mit einem Maler, der eine ganze Hauswand streichen soll, aber nur einen Eimer Farbe zur Verfügung hat. Diese Farbe muss maximal kreativ eingesetzt werden – mit Strahlkraft, die über den Einsatzort hinaus wirkt.
Haben nicht die in diesem Jahrbuch gezeigten Projekte, die den Bestand kreativ transformieren, die resiliente und lebenswerte blaugrüne Infrastrukturen schaffen oder die artenreiche Hotspots im urbanen Raum hervorbringen, diese über sie hinausgehende Strahlkraft?
ABOUT MARTIN PROMINSKI
Martin Prominski ist Landschaftsarchitekt und seit 2009 Professor für „Entwerfen urbaner Landschaften“ an der Leibniz Universität Hannover. Nach Lehre und Gesellentätigkeit im Garten- und Landschaftsbau studierte er Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin und absolvierte als DAAD-Stipendiat den Master in Landscape Architecture an der Harvard University, Graduate School of Design. Während seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Loidl an der TU Berlin promovierte mit einer Arbeit, die 2004 als „Landschaft entwerfen“ erschien. Von 2003 bis 2008 war er Junior-professor für „Theorie aktueller Landschaftsarchitektur“ an der Leibniz Universität Hannover. Seine aktuellen Forschungsthemen sind biodiversitätsfördernde Entwurfsstrategien, Potenziale entwerfender Forschung sowie neue Konzepte von Natur und Kultur für Landschaftsarchitektur im Anthropozän, die er u. a. in den laufenden Forschungsprojekten „LANDLABS – Landscape Laboratories: Design strategies for sustainable and beautiful urban landscapes in the Anthropocene“ (Coordinator) und „Urban Climate Future Lab“ (Co-Speaker) bearbeitet. 2018 gründete er mit drei Partnern mesh landschaftsarchitekten, Hannover/Tokio.
EIN BEIRAT AUS ERFAHRENEN BRANCHENVERTRETERN HAT DIE EINGEREICHTEN PROJEKTE BEGLEITET UND DIE BESONDEREN HIGHLIGHTS JEDES BEITRAGS HERAUSGEARBEITET, UM DIE VIELFALT UND QUALITÄT DER LANDSCHAFTSARCHITEKTUR IM JAHRBUCH EINDRUCKSVOLL ZU PRÄSENTIEREN.
ANNA DETZLHOFER (PRÄSIDENTIN ÖGLA)
„Rousseaus „Zurück zur Natur“ wird heute zu „Vorwärts zur Natur“: Stadtgrün ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Parks, Bäume und Freiflächen sind Schlüssel für Klimaanpassung und Lebensqualität. Die Freiraumwende hat begonnen – jetzt zählt mutige, ganzheitliche Planung.”
CHRISTIAN HÄNNI (FACHRAT JARDIN SUISSE, LEITER PLANUNGS-BÜRO UND GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAUBETRIEB)
„Lebe die Vielfalt und dies mit dem Rhythmus der Natur – so werden wir beschenkt.”
PROF. DR. MARTIN PROMINSKI (PROFESSOR LEIBNIZ UNIVERSITÄT HANNOVER, INSTITUT FÜR FREIRAUMENTWICKLUNG)
„Mit Projekten, die den Bestand kreativ transformieren, die resiliente und lebenswerte blaugrüne Infrastrukturen schaffen oder die artenreiche Hotspots im urbanen Raum hervorbringen, zeigt dieses Jahrbuch, wie die Landschaftsarchitektur den Garten der Erde schöner und nachhaltiger gestalten kann.“
PROF. TILMAN LATZ (PARTNER LATZ+PARTNER LANDSCHAFTSARCHITEKTUR STADTPLANUNG)
„Gute Gestaltung schafft die Grundlage, auf der Menschen zusammenkommen, kulturelle Wertschätzung erfahren und Räume nachhaltig nutzen. Sie verbindet Kreativität mit Verantwortung und gibt unserem Denken eine klare Richtung.”
THERESA RAMISCH (CHEFREDAKTEURIN GARTEN + LANDSCHAFT)
„Unter den planenden Disziplinen ist die Landschaftsarchitektur das gewissenhafte Brain. Die, die aufmerksam zuhört, still vor sich hinarbeitet und dann den besten Entwurf liefert. Dabei läuft sie jedoch die Gefahr übersehen zu werden, während andere die Lorbeeren einheimsen. Umso wichtiger ist es, besonders laut – wie in der vorliegenden Publikation – über sie zu sprechen.”
HEIKE VOSSEN (VERANTWORTLICHE REDAKTEURIN FREIRAUM GESTALTEN UND GÄRTEN)
„Gute Landschaftsarchitektur hält Stadt lebendig und damit auch unsere Demokratie. Sie reagiert auf Bedürfnisse und kreiert zugleich neue Angebote für Interaktion und individuelle Entwicklung. Die Publikation zeigt: Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“
UNSERE PARTNER SIND UNVERZICHTBARE WEGBEGLEITER. DURCH IHR ENGAGEMENT UND IHRE FACHKENNTNIS FÖRDERN SIE DIE SICHTBARKEIT AUSSERGEWÖHNLICHER PROJEKTE UND UNTERSTÜTZEN DIE HOCHWERTIGE UMSETZUNG DIESER PUBLIKATION.
BAUMSCHULE EBBEN
Die Baumschule Ebben ist ein Familienbetrieb mit einer klaren grünen Vision. Das Augenmerk auf Innovationen im Bereich Farben, Texturen und Anwendungsbereiche mit Fokus auf die natürliche Art des Wachstums der Pflanze bildet einen wichtigen Schwerpunkt in der Baumschule. Nachhaltiges Züchten mit möglichst geringer Belastung der Umwelt steht bei Ebben im Mittelpunkt, was die Bäume stark und widerstandsfähig macht.
FREIRAUM GESTALTEN
Das Magazin für den Freiraum in der Stadt. FREIRAUM GESTALTEN bringt alle Werkbeteiligten von der Planung bis zum Bau zusammen. Nur gemeinsam und in intensivem Wissensaustausch lösen wir unsere Zukunftsaufgaben und schaffen lebenswerte, klimaneutral gebaute Freiräume und stärken die Biodiversität in den Städten.
GARTEN + LANDSCHAFT
Garten + Landschaft ist ein deutschsprachiges Fachmagazin für Landschaftsarchitektur & Urban Design und informiert über Landschaftsarchitektur, Grünplanung, Freiraumplanung und Stadtplanung, Naturschutz, Ökologie, Kulturlandschaft, HOAI und zeigt Parks, Gärten, Plätze und Wettbewerbe.
JARDINSUISSE
JardinSuisse ist der repräsentative Zusammenschluss und die Interessensvertretung- und Dienstleistungsorganisation der Unternehmen der grünen Branche in der Schweiz. Die Mitglieder planen, bauen und pflegen Grünanlagen, produzieren Pflanzen in Gewächshäusern und im Freiland und betreiben gärtnerische Detailhandelsgeschäfte.
ÖGLA
Die Österreichische Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur (ÖGLA) ist der Verband der Landschaftsarchitekt:innen und -planer:innen Österreichs. Die Interessen aller im Fach Berufstätigen (Selbstständige, Unselbstständige, öffentlich Bedienstete, Wissenschaftler:innen, Studierende) stehen im Vordergrund der Vereinstätigkeiten.
Die neue Fuß- und Fahrrad-Esplanade verbindet Planten un Blomen mit dem städtischen Raum.
„Unsere Planung verfolgte das Ziel, die historische Topografie der ehemaligen Wallanlagen erlebbar zu machen, den Park aus seiner stadträumlichen Isolierung zu lösen und seine Wegeführung so zu gestalten, dass sie emotional berührt und zugleich harmonisch und selbstverständlich erscheint.“
JÖRG MICHEL, GRÜNDER UND GESCHÄFTSFÜHRER, POLA
Wer am Hamburger Dammtor-Bahnhof oder am Congress Center (CCH) ankommt, erreicht den angrenzenden Planten un Blomen Park nun endlich besser. Im Zuge der Revitalisierung des Kongresszentrums haben POLA Landschaftsarchitekten den Zugang zu der historischen Grünfläche optimiert. Die frühere vierspurige Marseiller Straße verwandelte sich in eine Serie offener Plätze und begrünter Räume. Diese großzügige Fuß- und Fahrrad-Esplanade verbindet die beiden Straßenseiten. Dabei verschmelzen Alt und Neu zu einem harmonischen Gesamtbild, bei dem der Fußgänger im Mittelpunkt steht. Dank dieser Erweiterung ist dieser Teil der Parkanlage Planten un Blomen – früher der Botanische Garten Hamburgs – nun direkt mit dem städtischen Raum verbunden. Möglich machte dies unter anderem die Neugestaltung des Dag-Hammarskjöld-Platzes am Bahnhof Dammtor, insbesondere der Rückbau der über sechs Meter hohen Stützwand samt Abriss einer Fußgängerbrücke. So entstand Raum für einen neuen, klar gefassten Eingangsbereich – ein Vorplatz zum Park. Heute ist der Übergang zwischen Bahnhof, CCH und Park fließend. Auch die U-Bahn-Haltestelle Stephansplatz ist nun deutlich besser erreichbar und verbindet den Fernbahnhof Dammtor mit dem öffentlichen Nahverkehr.
Den Planenden war es wichtig, die historische Topografie der ehemaligen Wallanlagen aus dem 17. Jahrhundert wieder erfahrbar zu machen. Dies gelang mit wenigen, aber sehr durchdachten und feinfühligen Eingriffen. Um das Ziel einer Trennung ohne Ausgrenzung zu erreichen, legte das Büro POLA besondere Aufmerksamkeit auf die Zaunanlage, die den Parkbereich von den öffentlichen Plätzen wie dem Stephansplatz und dem Dag-Hammarskjöld-Platz abgrenzt. Vielfältige Sichtbeziehungen zwischen Park und Stadtraum erfüllen heute dieses Ziel. Die Zaunführung reagiert sensibel auf die Umgebung, öffnet und schließt sich in sanften Schwüngen und scheint dabei auf Wind und Vegetation einzugehen. So lädt sie Passanten dazu ein, innezuhalten und den Ort bewusst wahrzunehmen. Auch das Sitzangebot der Erweiterung von Planten un Blomen ist fein abgestimmt. Hinzu kommt eine reichhaltige und robuste Pflanzplanung – sie war maßgeblich für die Auszeichnung im Bereich Pflanzenverwendung beim Deutschen Landschaftsarchitekturpreis 2023.
Ein- und Ausblicke in die Parkanlage prägen die neue Esplanade.
Neue Wegeverbindungen zwischen Bahnhof Dammtor und Stephansplatz.
PLANER: POLA LANDSCHAFTSARCHITEKTEN
BETEILIGTE PLANER: FELIX BACHMANN (PROJEKTLEITUNG), KAREN BRIX (PFLANZPLANUNG), THOMAS BÜSCH (BAULEITUNG)
BAUHERR: FREIE UND HANSESTADT HAMBURG, BEHÖRDE FÜR UMWELT, KLIMA, ENERGIE UND AGRARWIRTSCHAFT, BEZIRKSAMT HAMBURG-MITTE
ORT: HAMBURG
FLÄCHE: 24.500 QUADRATMETER
PLANUNGSZEIT: 2015–2022, FERTIGGESTELLT 2023
GESAMTKOSTEN: 11,5 MILLIONEN EURO
BESONDERHEIT: FLIESSENDE VERBINDUNG VON PARK UND STADTRAUM
MITWIRKENDE UNTERNEHMEN:
BI Beratende Ingenieure für Bau-Verkehr-Vermessung GmbH (Verkehrsanlagen); Studio C (Tragwerksplanung); Mark Krieger PFLANZUNGEN
FOTOS:
Hanns Joosten
ohne Maßstab
Fließende Übergänge zwischen Bahnhof, U-Bahnhof und Park.
Die robuste Pflanzplanung führte zur Auszeichnung mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis 2023.
Inszenierte Ausblicke machen die Spuren der Hamburger Wallanlagen sichtbar.
„Wir verstehen unseren Namen als Aufforderung an uns selbst, Orte zu gestalten, die Emotionen erzeugen.“
JÖRG MICHEL, GRÜNDER UND GESCHÄFTSFÜHRER, POLA
