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Ihre Beziehung war dem Zusammenbruch nahe, als Andra Barz beschloss, auf den Jakobsweg zu gehen. Während die anderen Pilger im Schnellschritt an ihr vorbeieilten, begegnete ihr ein großes Geheimnis: Die Magie des Langsam-Gehens. Sie machte eine Entdeckung, die ihr Leben nachhaltig beeinflusste, veränderte und sie wie durch ein Wurmloch in ein anderes glücklicheres Leben katapultierte. Sie stieg aus der Gesellschaft aus und fand eine neue große Liebe...
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2015
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andra barz
LANGSAM GEHEN
der gesang der seele
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Befreiung des Selbst
Das Wurmloch zum "Ideal- Leben"
Eine erleuchtende Erfahrung
Die Sprache der Seele
Die Geschwindigkeit der Seele
Der Geist der Natur
Wunder
Jeder Mensch ist eine offene Tür
Loslassen und Licht
Der Gesang der Seele
Nachwort
Impressum neobooks
Im Spätsommer des Jahres 2013 begann ich einen großen Teil des französischen Jakobsweges zu laufen. Die Sonne meinte es gut von Anbeginn und beleuchtete die Bergketten hinter Genf mit einem goldgelben Licht.
Sie schien mir hinterher, den gesamten 1000 km langen Weg und begleitete mich nach `St. Jean Pied de Port` mit streckenweisen Ausnahmen.
Doch selbst, als ich nach 66 Tagen, das Ziel meines inneren und äußeren Pfades im Süden Frankreichs erreichte, genoss ich wohlig warme Temperaturen, von 20 Grad obwohl der Kalender bereits den 7. November anzeigte.
Unfreiwillig lief ich los, mit einer schmerzenden Vorahnung, dass eine große Liebe, in die ich so viel Gefühl und Hoffnung investiert hatte, mit meinem Weggehen gefährdet werden könne.
Eine schwere Zeit stand hinter mir. Mein Partner hatte seit einem Jahr eine Geliebte. Wir hatten versucht uns diesem Thema zu öffnen und uns damit auseinanderzusetzen. Doch meine Motivation, dies weiterhin so durchzustehen, und sein Antrieb es wirklich mit Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit zu versuchen waren auf den Nullpunkt gesunken.
Ich war ein Wrack, was Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen anging. Ein ganzes Jahr lang hatte ich mich zermürbt und trotzdem weiter an unsere große Liebe und künstlerische Zusammenarbeit geglaubt.
Aber meine Kraft war am Ende, ich war müde und seelisch, geistig, körperlich gebrochen, schlapp und hatte geschwollene Augen vom vielen Weinen.
Immer wieder quälte ich mich damit, was mein Anteil an diesem Geschehen sei.
Ich wollte es wirklich herausfinden, abgrundtief ehrlich und mit der Sehnsucht, endlich diese immer wiederkehrende Frage in mir zu beantworten: „Warum???“
Ich nahm mir vor, ein wirklich belastendes Lebensmuster in meinem Leben zu klären, das ich seit langem herumschleppe und mich bisher daran hinderte, wahrhaftige Liebe in meinem Leben zu integrieren.
Ich sehnte mich so unendlich nach einer Verbindung, die mir gut tut, die mich lebendig und frei sein lässt, eine Partnerschaft, die zu mir passt, in der ich so liebe und geliebt werde und angenommen werde, wie ich bin.
Sehr viele solcher schmerzhaften, qualvollen und kaum durchstehbaren Stories waren mir in meinem Leben passiert. Mit mehreren Künstlern und Musikern hatte ich Beziehungen und Liebesgeschichten versucht.
Sie gehörten wohl zu einem besonderen Schlag von Männern.
Viele psychologische, philosophische, wissenschaftliche und spirituelle Bücher und Web- Sites hatte ich durchwälzt, um herauszufinden, was es damit auf sich hatte.
Auf der Homepage der Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf/ (www.partnerschaft-beziehung.de) fand ich eine gute Erklärung. Die Männer, die ich bisher in mein Leben gezogen hatte, gehören zu den Menschen mit Bindungsängsten:
„Von Bindungsangst Betroffene leiden unter Angst vor Nähe und vor Ablehnung. Entstanden sind diese Ängste und die damit verbundene Bindungsstörung meist durch negative Erfahrungen in der Kindheit. Betroffene haben gelernt, dass Vertrauen, Nähe und Sich-Einlassen mit Gefahr und seelischen Schmerzen verknüpft ist. Sie haben sich entschieden, niemals mehr jemanden nahe an sich heranzulassen, um den Schmerz nicht nochmals zu erleben.“
Ich konnte mir nicht erklären, warum ich solche Männer immer wieder anzog. Aber ich wollte es unbedingt herausfinden. Denn ich war schon jahrelang bereit, mich ernsthaft, vertrauensvoll und offen in die Arme eines Geliebten zu legen, mit dem ich mein Leben verbringen will.
Nun zählte ich bereits 42 Jahre und hatte immer wieder diese eine Sorte Männer erlebt und auf Grund dieser missglückten Beziehungen, nie Kinder haben können, obwohl es wirklich ein seelentiefer Wunsch immer von mir gewesen war.
Ich hatte Menschen verletzt und wurde auch zurück verletzt. Ich bin Künstlerin und suchte auch vornehmlich in diesen Kreisen Männer. Doch ich fühlte eine riesige Imbalance in Bezug auf Gottes Gerechtigkeit.
Denn ich hatte mich längst zu einem offenen, wahrhaftigen, ehrlichen, hingebenden, liebenden Menschen entwickelt. Doch konnte ich mir die Frage nicht beantworten, warum diese Geschichten mir immer wieder passierten.
Kurzum, ich war und empfand mich als Opfer eines ungerechten Lebens.
Ich fühlte mich nicht nur von den Männern betrogen, sondern auch von Gott, der mir Glück und Liebe vorenthielt.
Was mir vor allem fehlte war Vertrauen... Urvertrauen und der Glaube an mein selbst erschaffenes Lebensglück.
Nun war das meine eigene, ganz persönliche Story, doch am Ende schleppt jeder Mensch einen Rucksack voller eigener Probleme, Blockaden oder Stolpersteine auf seinem jeweiligen Weg durch das Leben mit sich herum, die ihn in einem bestimmten Bereich auf seinem Pfad behindern, traumatisieren oder sogar krank machen.
Vielen Menschen sind diese psychischen Muster mehr oder weniger bewusst, sie sind oft verschüttet, werden verdrängt, man sieht sie nicht an der Oberfläche, man will sie gar nicht sehen, da sie beim näheren Betrachten sehr viel seelischen Schmerz und Schwere beinhalten, dessen Bearbeitung eine kindliche Offenheit zu seinen eigenen Gefühlen bedarf, welche man sich in der so fordernden, gestressten Welt nicht oder kaum leisten kann, sie zu investigieren.
Sie treten in vielfältigster Form ans Tageslicht. Sie erscheinen uns entweder als immer wiederkehrendes seelisches Leid, als gesundheitliche Probleme, Beziehungsprobleme, existenzielle- oder Geldprobleme, Probleme mit dem Erfolg und Anerkennung, Familienprobleme, Probleme des Selbstausdrucks, immer wiederkehrende Streits, Unglück, Stress, Burnouts usw... kurzum: Wenn wir ein Ding in unserem Leben als schmerzhaft empfinden und es immer in verschiedenen Zeitabständen als Thema zu uns zurück in unser Leben kehrt, und es sich wie eine alte Schallplatte anhört, dessen Lied wir uns unfreiwillig immer wieder anhören müssen, dann sprechen wir von einem seelischen oder psychischen Muster.
Fast jeder Mensch hat eines, oder mehrerer solcher Muster, ob klein oder groß, ob er sich dessen bewusst ist oder sie verdrängt.
Sie sind da und schleichen sich einfach in unser Leben, immer wieder, ob wir wollen oder nicht, es sei denn wir finden einen Weg zu dessen Auflösung oder gar Heilung unseres Selbst.
Das "Langsam Gehen" ist ein Pfad von vielen anderen Möglichkeiten, wie beispielsweise Psychotherapie, Meditation, partnerschaftliche Liebe, Sex, Atemübungen, künstlerischer Ausdruck, Yoga, Qi Gong, Tai Chi, richtige Ernährung und viele Methoden mehr.
Ich bin einige dieser Pfade gelaufen, ich habe meinen Schmerz in Liedern, Gedichten und Geschichten ausgedrückt, mich mit Yoga, Tai Chi und Atem- Übungen beschäftigt und kam als vorletztes zur Meditation.
Hier, so empfand ich endlich, liegt der Grundstein für alle anderen Disziplinen, sei es nun Psychotherapie oder Yoga.
Meditation ist die Basis, um an die Essenz unserer göttlichen Essenz zu gelangen, um dort die wahrhaftigen Ursachen für Krankheiten oder Lebensmuster zu finden, und um sie dann zu ändern.
Ohne die grundsätzliche Erfahrung der Meditation, hätte ich die Methode des Langsamgehens nicht entwickeln können, und doch kann sie unter Umständen als zweiter, anderer, alternativer Weg gesehen werden.
Denn am Ende ist Langsamgehen nichts anderes als Meditation, bloß für meine Begriffe ist dieser Weg ein mehr körperlicher Pfad, man nutzt beim Gehen sozusagen alle drei Wesensbereiche: Körper, Geist und Seele.
Es ist für mich ein körperlicher, ganzheitlicher Weg zur Selbstheilung, der einfach passiert und den man passieren lässt.
Man muss nichts dafür oder dagegen tun, als nur geschehen lassen und sich hingeben.
Man sollte sich nur die Rahmenbedingungen schaffen, die einem ermöglichen, sich in vollkommener Ruhe und Entspanntheit in das "Langsamgehen" fallenzulassen.
Doch zuerst zur Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Meditation, deren Praktizierung ich trotzdem Jedem ans Herz lege.
Ich empfehle dazu das Buch "The Power of Now" von Eckhart Tolle, welches mich auf den ersten Schritten begleitete und mich zum ersten Male in meinem Leben wirklich vorwärts brachte. Hier beschreibe ich in wenigen Worten meine Erfahrung aus der Praxis der Meditation:
Morgens, nach dem Aufwachen holte ich mir also eine Kanne Tee, setzte mich auf mein Kissen ins Bett, trank einige Tassen, bis ich mich bereit fühlte.
Zuerst begann ich, mit der Verlangsamung und der Wahrnehmung meines Atems.
Ich beobachtete ihn und achtete zusätzlich darauf, jeden kommenden Gedanken wieder ins Nichts aufzulösen und gehen zu lassen.
Dann bemerkte ich irgendwann, dass es mir auch gut tat, mich noch bewusster körperlich zu entspannen, mich also auf einzelne Muskelpartien zu konzentrieren und somit von Stress und Anspannung loszulassen. Dies hatte auch ein geistiges Loslassen zur Folge. Ich sank also rückwärts in mein Bett, bis ich mich, und alle Körperteile, vollkommen losgelöst ja förmlich "schlapp" fühlte. Dann befand ich mich in einer relaxten, entspannten Haltung, die mir tatsächlich erlaubte meine innere Körpervibration zu spüren ohne für einige Minuten zu denken.
Der nächste Schritt war nun, davon loszulassen, überhaupt irgendetwas spüren zu wollen, und von meinem Willen loszulassen, "Nichts" denken zu wollen, es versetzte mich tatsächlich nach monatelanger Übung für einige Minuten in eine Art Vakuum, dass dem so viel erläutertem "Nichts" gleichkommt.
Dieses "Nichts", das wie eine minutenlange Lücke zwischen den Gedanken darstellt, fühlt sich gleichzeitig ewig oder unendlich an.
Als ob man in das Unendliche unseres Universum hineinguckt und eine Ahnung von Zeit- und Raumlosigkeit bekommt.
Diese Momente des "Nichts" sind gleichzeitig unendlich entspannend. Es ist ein Loslassen von allem was ist, was gleichzeitig beinhaltet, dass man "alles- was- ist" akzeptiert, wie es ist und es SEIN lässt.
Die Zeit erschien mir plötzlich so, als ob sie langsamer vergeht.
Man ist nach einer halbstündigen Meditation erstaunt, dass nicht etwa zwei - oder drei Stunden vergangen sind.
Es ist, als ob man Zeit dehnen könnte.
Die ersten Gedanken, die mir
nach
einer solchen "Lücke des Denkens", dem "Nichts", in den Kopf kamen, waren dann für mich fast ausnahmslos, sehr klar und für mich oft von Bedeutung.
Sie sind meist sehr scharf, durchsichtig und oft ein genauer Fingerzeig auf die Lösung zu einem ureigenen Problem.
Wenn man diese Methode öfter anwendet, merkt man, dass das bisherige normale Denken eigentlich kaum wirkliche seelische Probleme lösen kann, sondern sogar eher schafft. Denn im Denken bewerten und verurteilen wir Geschehnisse in unserem Leben nur aus
geistiger
Sicht.
Doch liegt dem eigentlichen Problem in uns häufig ein
seelischer
Schmerz zu Grunde, den wir mit unserem Kopf gar nicht fähig sind zu lösen. Denn die Ursache dieses Gefühlsschmerzes ist meist in unserem frühen Leben, der Kindheit verborgen, zu welcher wir mit unserer Logik gar keinen Zugang haben.
Das menschliche Erinnerungsvermögen bezieht sich nämlich meist erst auf eine Zeit
ab
dem
Lebensalter von drei Jahren.
Bei der Auseinandersetzung mit meinem damaligen Freund beispielsweise, dem ich voller Wut vorwarf, dass er sich mir gegenüber nicht gerecht verhält, bemerkte ich, dass der Streit und das Verhalten meines Freundes nicht (nur) das Problem sind, sondern sie stellten auch symbolisch eine fehlende gerechte Anerkennung meines Selbst oder ein "Sich-nicht-geliebt-fühlen" dar, was irgendwo in mir selbst bestand und in dem Falle aus meinen jungen Jahren herrührte.
Sozusagen "triggerte" der Streit mit meinem Freund eine alte Ur-Angst in mir, ein altes Gefühl aus meiner frühen Kindheit, die mein Geist ausschließlich auf das jetzige, aktuelle Problem bezog.
