Lass Ängste nicht dein Leben bestimmen - Susanne Hühn - E-Book
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Lass Ängste nicht dein Leben bestimmen E-Book

Susanne Hühn

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Beschreibung

Angst kann toxisch sein, indem sie nicht nur unserer Psyche, sondern auch unserem Körper schadet. Dabei ist sie an sich nichts Schlechtes, warnt sie uns doch vor möglichen Bedrohungen. Geben wir ihr allerdings zu viel Raum, bestimmt sie unser Leben, engt uns ein und lässt uns alles zwanghaft kontrollieren. Die gute Nachricht ist: Wir können uns aus dem Klammergriff der Angst befreien. Alles, was wir dazu brauchen, tragen wir bereits in uns. In unserer Innenwelt steht ein Team bereit, mit dem wir uns ein freudvolles Leben zurückerobern können: · der Innere Erwachsene, der durch Vernunft und Weitblick geniale Lösungen findet · das Innere Kind, das uns unsere emotionale Wahrheit offenbart · der Innere Mann mit seiner Begeisterung und Tatkraft · die Innere Frau, die unsere Träume nährt und unsere Intuition stärkt · das Wahre Selbst mit seinem untrüglichen Gefühl für Sicherheit und Stimmigkeit Susanne Hühn, ganzheitliche Physiotherapeutin, Seminarleiterin und bekannte Ratgeberautorin, zeigt uns, wie wir mithilfe von Übungen und Meditationen die Kräfte dieses Teams entwickeln und ins Gleichgewicht bringen. Gemeinsam knüpft es ein inneres Sicherheitsnetz, das uns in jeder Lebenssituation auffängt. So wird aus innerer Enge Weite, aus Kontrolle wird Schöpferkraft, und aus Angst werden Zuversicht und Selbstvertrauen.

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ISBN Printausgabe 978-3-8434-1504-0

ISBN E-Book 978-3-8434-6492-5

Susanne Hühn: Lass Ängste nicht dein Leben bestimmen Wie du selbstbestimmt und frei deinen Weg gehst

© 2015, 2022 Schirner Verlag, Darmstadt

Umschlag: Simone Fleck, Schirner, unter Verwendung von # 1087011257 (© Flaffy) und # 1793385796 (© Valentina Razumova), www.shutterstock.com

Print-Layout: Simone Fleck, Schirner

Lektorat: Claudia Simon, Schirner

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt, Germany

www.schirner.com

1. E-Book-Auflage März 2022

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Sicherheit braucht Heimat

Kontrolle erzeugt Sicherheit

ÜBUNG: Dein Überlebens-Ich kennenlernen

Das Überlebens-Ich hat die volle Kontrolle

Das Überlebens-Ich bestimmt noch heute deine Entscheidungen

Schöpferkraft entwickeln statt Kontrolle ausüben

ÜBUNG: Dein Wahres Selbst kennenlernen

ÜBUNG: Stroh zu Gold spinnen

Das Sicherheitsbedürfnis hat viele Ebenen

ÜBUNG: Überleben oder gestalten?

Dein inneres Siegerteam steht parat

ÜBUNG: Dein Siegerteam kennenlernen

Jedes Teammitglied hat ein eigenes Zuhause

ÜBUNG: Deine innere Landschaft gestalten

Die Heimat deiner Lebenskräfte

INNERE REISE: Liebe und Geborgenheit für dein Inneres Kind

INNERE REISE: Geistige Freiheit für deinen Inneren Erwachsenen

INNERE REISE: Leidenschaftliche Tatkraft für deinen Inneren Mann

INNERE REISE: Das Gewächshaus für deine Innere Frau

INNERE REISE: Pure Strahlkraft für dein Wahres Selbst

Innere Leere verursacht wertloses Stroh und damit Angst

Die goldenen Fäden unseres Sicherheitsnetzes

Der Goldfaden des Inneren Erwachsenen

Der Goldfaden des Inneren Mannes

Der Goldfaden der Inneren Frau

Der Goldfaden des Inneren Kindes

Der Goldfaden des Wahren Selbst

Dein Team kehrt nach Hause zurück

Das goldene Sicherheitsnetz entsteht im Teamwork

Das Innere Kind braucht bewusste Geborgenheit und Schutz

INNERE REISE: Dein Inneres Kind nach Hause bringen

INNERE REISE: Dein Inneres Kind aus der Einsamkeit erlösen

INNERE REISE: Ordnung in der Heimat deines Inneren Kindes schaffen

Dein Wahres Selbst braucht eine Entscheidung von dir für dich

INNERE REISE: Die Lichterkette deines Wahren Selbst erleuchten

ÜBUNG: Dein wahres Licht erkennen

Deine Innere Frau braucht Raum für bewusste Entwicklung

INNERE REISE: Das Zauberreich deiner Inneren Frau zum Leben erwecken

INNERE REISE: Wellnessurlaub für deine Innere Frau

Der Innere Mann braucht Zeit für das, was dich glücklich macht

INNERE REISE: Deinen Inneren Mann an sein Feuer führen

Der Innere Erwachsene braucht die Erlaubnis, selbst zu denken

INNERE REISE: Deinen Inneren Erwachsenen nach Hause holen

ÜBUNG: Deine Grundüberzeugungen klären

Die Angst aus allen inneren Bereichen entfernen

ÜBUNG: Die reinigende Violette Flamme entfachen

Dein Wahres Selbst knüpft das goldene Netz deiner Sicherheit und Freiheit

INNERE REISE: Dein goldenes Netz

ÜBUNG: Das Wahre Selbst übernimmt das Ruder

Nachwort

Über die Autorin

Bildnachweis

Für meine geliebten Eltern

Ruht in Frieden,

und feiert im Himmel.

Für meine Mutter, den Engel,

den ich bei mir spüre,

und für meinen Vater,

dessen Kraft ich zwischen den

Schulterblättern fühle.

Für euch ist dieses Buch.

Ihr fehlt.

Und für dich. Ich sehe dich.

Vorwort

Wenn du dieses Buch in den Händen hältst, dann hast du dich vermutlich schon mit einigen Ängsten herumgeschlagen oder dir liegt jemand am Herzen, der es tut. Ich muss dir also nicht erklären, wie sehr Angst das Leben bestimmen und uns ausbremsen kann. Du hast vielleicht auch schon einiges getan, um deine Ängste in den Griff zu bekommen oder einem anderen Menschen dabei zu helfen.

Wir reden in diesem Buch zunächst ein wenig über Angst – für diejenigen unter euch, die sich bislang noch nicht oder nur wenig damit befasst haben. Doch dann schauen wir gleich, wie wir das Angebot des Titels einhalten können. Wir müssen nicht im Detail wissen, was Angst ist, denn das spüren wir jeden Tag. Wir brauchen Informationen darüber, was uns hilft, ihr nicht unangemessen viel Raum zu geben. Vieles von dem, was dir helfen könnte, kennst du sicher schon.

Du weißt bestimmt, dass du, wenn du Angst hast, …

• singen kannst, damit sie aufhört, weil du durch das Singen Gehirnteile aktivierst, die keine Angst kennen.

• dich der Angst stellen solltest, weil du ihr damit die Macht über dich und dein Verhalten nimmst.

• an deinen Glaubenssätzen arbeiten solltest, damit du dich nicht selbst in Angst und Schrecken versetzt durch das, was du dir an Horrorszenarien ausmalst.

• lernen solltest, deinen Körper zu entspannen und tief zu atmen, denn wenn du entspannt bist, kannst du keine Angst entwickeln.

• dein Inneres Kind in Sicherheit bringen musst, damit es nicht ständig Angst hat, verletzt zu werden oder zu versagen.

• nicht an deiner Angst stirbst, sondern weiteratmen und sie wie eine Welle über dich hinwegbrausen lassen kannst.

Was du aber nicht weißt, sonst würdest du dieses Buch nicht lesen, ist, wie du all diese Ideen umsetzen kannst. Es ist, als wäre in dir niemand zu Hause, der tun kann, was dir hilft. Die Angst besetzt deine Innenwelt und erlaubt keine Götter neben sich.

Ich zeige dir in diesem Buch, wie du dein inneres Team, bestehend aus deinen dir innewohnenden Kräften, zu dir zurück nach Hause holst und dein Leben zurückeroberst. Dann kannst du das sprichwörtliche Stroh der Angst zum Gold des Lebensmutes spinnen.

Einen Trick gegen Angst verrate ich dir gleich: Stelle dir einfach vor, du trägst eine Stirnlampe. Immer dann, wenn du dich unsicher fühlst, schalte bewusst die Stirnlampe ein. Dadurch aktivierst du den präfrontalen Cortex hinter der Stirn, den Gehirnbereich, der bewusst und analytisch denken kann, anstatt wie der hintere Gehirnbereich irrationale Ängste zu produzieren.

Damit du weißt, dass ich ganz bei dir bin, hier ein paar Sätze über meine eigenen Erfahrungen mit Angst: Meine geliebte, im Jahr 2020 verstorbene Mutter war zeit ihres Lebens eine Angstpatientin. Sie hat mich mit ihrer Angst oft zur Weißglut und zum Weinen gebracht. Ich war ihrer Angst gegenüber vollkommen machtlos und konnte ihr nicht helfen. Zugleich musste ich das für sie tun, was sie selbst nicht konnte, meiner jugendlichen Meinung nach aber hätte können müssen. Erst als sie alt wurde, war ich in der Lage, anzuerkennen, dass sie sich nicht einfach anstellte, sondern vieles wirklich nicht konnte, und dafür bin ich sehr dankbar. So konnte die Liebe endlich fließen, und eine gewisse Art von Nähe war möglich.

Eine enge Familienangehörige leidet ebenfalls unter starker Angst, und ich fühle mich daran gescheitert, sie zu retten. Ich habe Männer geliebt, deren Angst sie daran hinderte, sich auf eine Liebesbeziehung einzulassen, und ich selbst habe mich oft ausgebremst, weil mir die Angst vor Beschämung verbot, zu tun, wonach mein Herz rief.

Ich weiß also, was Angst anrichten kann, und deshalb wollte ich dieses Buch erst gar nicht schreiben. Es tut einfach zu weh und macht mich in meiner Hilflosigkeit zu wütend. Ich weiß nämlich auch, dass ich andere Menschen nicht von ihrer Angst befreien kann. Daran bin ich fast zerbrochen. Aber eben nur fast. Denn um mit der Angst meiner geliebten Menschen umgehen zu können, musste ich meine eigenen Kräfte entwickeln und mir ein inneres Sicherheitsnetz knüpfen. Damit mich meine Angst vor Beschämung nicht mehr lähmte, musste ich verstehen, wer in mir diese Angst hat und wie ich für ihn da sein kann. Denn es gibt in mir auch innere Anteile, die gar keine Angst haben, sondern beherzt und freudig das Leben bei den Hörnern packen wollen und können, wie es mein geliebter Vater immer zu sagen pflegte und auch tat. Wie ich diesen Anteilen Handlungsspielraum geben und gleichzeitig liebevoll mit den ängstlichen Anteilen umgehen kann, habe ich in vielen Jahren gelernt.

Ich teile hier mein Wissen von Herzen gern mit dir, voller Mitgefühl und Hochachtung.

Einleitung

Angst ist anstrengend und lähmt uns. Weil das Leben jedoch nun einmal beängstigend ist, können wir nicht so tun, als gäbe es nichts zu fürchten. Unser Körper weiß, dass er krank werden und Schmerzen erleiden kann. Er weiß, dass er eines Tages sterben wird, nur nicht, wie. Die große Unbekannte, Zeitpunkt und Art unseres Todes, steht mit der Geburt im Raum, und allein das ist Grund genug für Lebensangst. Unser Herz weiß, dass wir geliebte Menschen, Tiere und unsere Heimat verlieren können. Unser Verstand weiß, dass wir auf vielerlei Weisen scheitern können. Angst zu haben, ist also vollkommen gerechtfertigt, und deshalb haben wir Respekt und Mitgefühl schon allein dafür verdient, dass wir uns mal mehr, mal weniger mutig dem Leben und seinen Anforderungen stellen.

Angst zu empfinden, ist normal und menschlich. Doch wir dürfen lernen, dieser Angst nicht automatisch zu folgen. Denn gleichzeitig sind wir bestens vor lähmender Angst gewappnet, wenn wir unsere Kräfte kennen und ein gewisses Urvertrauen nicht nur in das Leben, sondern besonders in uns selbst entwickelt haben.

Wieso haben wir überhaupt Angst? Angst ist zunächst einmal etwas Gutes, deshalb können wir sie auch nicht loswerden. Sie ist ein starker Impuls aus dem Gehirn, der bestimmte Hormone freisetzt, durch die wiederum alle Notfallreserven aktiviert werden. Diese Freisetzung von Kräften ermöglicht dem Körper eine lebensrettende Reaktion.

Wieso aber fühlt sich Angst so schrecklich an? Weil sie sonst keinen Sinn ergäbe. Angst ist wie Schmerz als Signal gemeint, als deutlicher, notwendiger Hinweis auf eine echte Gefahr. Sie muss also unangenehm sein.

Wenn wir verstehen, dass Angst ein lebensrettender Impuls ist, können wir sie als das Geschenk sehen, als das sie gemeint ist: Wenn wir Angst spüren, will uns unser System darauf aufmerksam machen, dass wir in Gefahr sind, und es reagiert entsprechend. So einfach ist das. Angst zu haben, ist ursprünglich nur als Ausnahmesituation gedacht, die uns durch entsprechende innere Reaktionen ermöglicht, uns schleunigst in Sicherheit zu bringen. Wenn es zum Dauerzustand wird, läuft etwas Grundlegendes falsch – und das dürfen wir ändern.

Kontrolle erzeugt SICHERHEIT

Worauf reagieren wir eigentlich mit Angst? Es ist immer der Kontrollverlust über das, was mit uns geschieht, und die damit einhergehende Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit. Ob wir als Kind erleben, dass unsere Mutter nicht kommt, wenn wir Hunger haben, obwohl wir entsprechende Signale geben. Ob wir der Willkür elterlicher Bestrafung ausgesetzt sind. Ob wir befürchten müssen, unseren Job zu verlieren, oder wir merkwürdige körperliche Symptome an uns feststellen … Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren und nichts für unsere Sicherheit tun zu können, schlägt unser Angstzentrum Alarm. Das ist auch richtig so, denn Kontrollverlust kann schnell Lebensgefahr bedeuten.

Als Baby erleben wir das direkt und unmittelbar: Die einzige Art, wie wir in diesem Alter kontrollieren können, dass wir gefüttert werden, ist, indem wir auf uns aufmerksam machen. Bleiben wir erfolglos, verhungern wir. Wir erleben uns also als äußerst verletzlich. Du kannst dir sicher vorstellen, dass du diese Verletzlichkeit immer dann erneut spürst, wenn du die Kontrolle über das, was mit dir geschieht, zu verlieren glaubst oder wirklich verlierst.

Es ist in der Psychologie sehr gut erforscht, dass wir mit jeder Situation besser umgehen können, wenn wir ein Gefühl von Kontrolle haben. Sei es, indem wir zum Beispiel ein gewisses Verhaltensmuster beim Gegenüber erkennen oder wir durch unser eigenes Verhalten bestimmte Reaktionen beim anderen hervorrufen. Sogar Gewaltopfer werden weniger traumatisiert, wenn sie das Gefühl von Kontrolle über die Situation behalten – wenn nicht äußerlich, dann geistig.

Wie ist das gemeint? Es gibt verschiedene Arten, die Kontrolle zu behalten, positive und negative. Bei der positiven Kontrolle übernehmen wir die Verantwortung für die Situation und gestalten sie. Bei der negativen Kontrolle versuchen wir, die Situation zu leugnen, weil wir nicht wissen, wie wir sie verantwortungsbewusst handhaben könnten. Wir überlassen die Verantwortung unserer gesunden, aber nur für Notfälle gedachten Fähigkeit der Verleugnung und Verdrängung.

Wie kannst du dir die verschiedenen Arten der Kontrolle vorstellen?

ÄUSSERLICH: Du hast die Macht und die Mittel, deine Umgebung zu kontrollieren. Positive äußere Kontrolle könnte sein: Du erziehst deinen Hund liebevoll und voller Verständnis für seine Bedürfnisse so, dass er dir gehorcht. Du bringst deine Kinder zu einer vernünftigen Zeit ins Bett. Du lässt den zweiten Schokoriegel liegen. Du zahlst deine Rechnungen. Du kümmerst dich um das seltsam klappernde Geräusch deines Autos.

Negative äußere Kontrolle wäre zum Beispiel: Du richtest deinen Hund mit Zwang und Strafe ab und verlierst dabei sein Wohlergehen aus den Augen. Du bittest deinen Partner, die Kinder ins Bett zu bringen, weil sie dir sowieso nicht gehorchen. Du isst drei Schokoriegel und übergibst dich anschließend, um sie wieder loszuwerden. Du öffnest die Rechnungen erst gar nicht, sondern legst sie in eine Schublade, damit du sie nicht sehen musst. Du machst die Musik beim Autofahren lauter, damit du das Klappern nicht hörst, oder du vermeidest es ganz, dich in dein Auto zu setzen. Negative Kontrolle erzeugt noch mehr Angst, als du bislang schon hast, denn etwas stimmt ja wirklich nicht und verlangt deine Fürsorge, deine Aufmerksamkeit und eine vernünftige, das Problem lösende Handlung.

INNERLICH: Negative innere Kontrolle auszuüben, bedeutet, das, was du denkst, fühlst und in dir wahrnimmst, zu ignorieren, zu unterdrücken oder es dir schönzureden. Statt dich selbst ernst zu nehmen und dir zuzuhören, verleugnest du deine innere Stimme, deine Bedürfnisse und deine Wünsche, um nach außen hin zu funktionieren. Das erzeugt Angst, denn dein Inneres muss dich auf deine inneren Vorgänge aufmerksam machen, ja, dich sogar dazu zwingen, dass du dir selbst zuhörst.

Wie sieht dagegen eine positive Art von innerer Kontrolle aus, bei der du die Verantwortung für dich selbst übernimmst? Du bist in der Lage, die Kontrolle über eine tatsächlich oder gefühlt nicht kontrollierbare Situation zu behalten, indem du frei entscheidest, welchen deiner Gedanken und Gefühle du Raum gibst und wie du handelst. Diese innere Kontrolle könnte sein: Du bist krank und entscheidest dich dafür, herauszufinden, was dir hilft. Du kannst deinen Hund nicht bändigen und beschließt, dir professionelle Hilfe zu holen. Du bist überfordert, weil du deine alten Eltern pflegen musst, und triffst ebenfalls die Entscheidung, dir Unterstützung zu suchen. Du wirst in den sozialen Medien gemobbt und fällst den Entschluss, deine Accounts zu löschen.

Die Fähigkeit, bewusste innere Kontrolle auszuüben und damit zu entscheiden, welchen deiner inneren Anteile du Handlungsspielraum gibst – der Angst oder deiner Fähigkeit zur kreativen Problemlösung –, ist immer von deiner inneren Freiheit abhängig, flexibel und schöpferisch auf eine Situation zu reagieren.

Kontrolle ist also wichtig, damit wir in jeder Situation für unsere Sicherheit sorgen können. Die Frage ist, auf welche Weise wir Kontrolle über eine Situation behalten. Schauen wir uns noch eine weitere Situation an und spielen einmal alle Möglichkeiten durch: Du hast Schmerzen, die du nicht einordnen kannst. Unbekannte Schmerzen machen Angst, und das ist gut so, denn sie zeigen dir, dass etwas nicht stimmt und womöglich Handlungsbedarf besteht. Welche Möglichkeiten hast du, die Kontrolle über die Situation und damit über die innere Unruhe, die mit Angst einhergeht, wiederzuerlangen?

VERDRÄNGEN: Du nimmst ein Schmerzmittel und redest dir die Angst davor aus, dass etwas nicht stimmen könnte.

SICH WISSEN ANEIGNEN: Du durchforstest das Internet, um herauszufinden, was dein Schmerz bedeuten könnte und was du dagegen tun kannst. Du nimmst vielleicht Schmerzmittel, doch nicht, um den Schmerz zu ignorieren.

EXPERTEN FRAGEN: Du nimmst eventuell Schmerzmittel, gehst zum Arzt und lässt dir sagen, was du hast und was dir hilft.

DIE EIGENE INNERE STIMME HÖREN UND IHR VERTRAUEN: Du nimmst vielleicht Schmerzmittel, hörst in deinen Körper hinein und fragst ihn, was er hat und was er braucht.

Welche der Möglichkeiten du auch nutzt, es geht immer darum, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, und das ist auch richtig so. Angst ist, das kann man nicht oft genug sagen, dein Warnsignal für Kontrollverlust und will dich zum Handeln bringen. Du siehst aber jetzt schon, dass es Kontrollmechanismen gibt, die das Problem wirklich lösen, und solche, die es dir nur aus dem Fokus nehmen. Wenn du deine Angst ignorierst, dann ist es, als würdest du dir einen Schallschutz auf die Ohren setzen und dir eine Augenbinde überziehen, um dein inneres Martinshorn nicht zu hören.

Bleiben wir im Beispiel, damit wir noch deutlicher erkennen, wie Angst funktioniert. Warum könnte man es für eine gute Idee halten, die Warnsignale auszublenden? Das ergibt nur dann Sinn, wenn sich durch das Ausblenden eine noch größere Angst vor Kontrollverlust in Schach halten lässt.

Schlüsseln wir die inneren Verdrängungsvorgänge einmal auf, um sie zu verstehen: Du hast Schmerzen, die du nicht einordnen kannst. Das Schmerzzentrum im Gehirn signalisiert also: »Gefahr! Bitte kümmere dich um den Körper.« Das Angstzentrum reagiert ebenfalls und signalisiert: »Kümmere dich um die Schmerzen, damit das Zusammenspiel der Körperfunktionen nicht außer Kontrolle gerät.«

Jetzt geschieht etwas Interessantes. Logisch und sinnvoll wäre es, in den Körper hineinzulauschen und gegebenenfalls einen Experten wie einen Arzt zu konsultieren. Aus irgendeinem Grund aber glaubt das Angstzentrum, dann noch mehr Kontrolle zu verlieren.

Wie kommt es darauf? Du hast offensichtlich schlechte Erfahrungen gemacht, die dich gelehrt haben: Sich um Schmerzen zu kümmern, führt zu noch mehr Kontrollverlust. Was könnte zu dieser Erfahrung geführt haben? Jemand ist zum Beispiel an Krebs gestorben. Er hat sich um seine Schmerzen gekümmert, doch es hat ihm nicht geholfen. Deine Eltern hielten zum Beispiel nicht viel von Ärzten und schon gar nichts davon, in sich hineinzulauschen. Oder: Du bist zu dick oder trinkst zu viel und befürchtest, beschämt zu werden, wenn du zum Arzt gehst. Der Arzt wird etwas von dir verlangen, was du nicht erfüllen kannst, nämlich abzunehmen oder weniger zu trinken, und der durch diese Forderung ausgelöste, befürchtete Kontrollverlust nimmt epische Ausmaße an. Oder: Du kannst es dir nicht leisten, zum Arzt zu gehen, weil du die möglichen Kosten, eine Krankschreibung, einen Krankenhausaufenthalt oder den Verlust deines Jobs befürchtest. Und so weiter.

Etwas in dir übernimmt also die Kontrolle und versucht, noch mehr Kontrollverlust zu verhindern, obwohl es sinnvoll wäre, sich um die Schmerzen zu kümmern.

Dieses etwas nennen wir einmal – so unlogisch es auch zunächst klingen mag – dein »Überlebens-Ich«. Es hat gelernt, dass Vermeidung zumindest kurzfristig dabei hilft, die Kontrolle zu behalten, und das stimmt ja auch. Wenn du die Schmerzen ignorierst, ist zunächst alles wieder in Ordnung, und du musst keine befürchteten Folgeschäden in Kauf nehmen. Das ist, als würde es in deinem Zuhause brennen. Aber anstatt die Feuerwehr zu rufen, schließt du die Türen, damit du den Brand nicht siehst. Du hast viel mehr Angst vor dem Wasserschaden, den die Feuerwehr anrichten könnte, als vor dem Feuer selbst und ignorierst es deshalb. Nun ist nicht jeder unbekannte Schmerz gleich ein Feuer, das es zu löschen gilt, aber du verstehst das Prinzip.

Du hast den Schmerz unterdrückt und ignoriert, weil dein Überlebens-Ich einen größeren Kontrollverlust vermeiden will. Doch der Körper sendet seine Signale weiterhin, denn es ist noch nichts in Ordnung gebracht worden. Dein Überlebens-Ich gerät in Schwierigkeiten und sorgt immer stärker dafür, dass du den Schmerz und den möglichen Kontrollverlust nicht spürst. Das könnte dazu führen, dass du sogar unbewusst vermeidest, am Krankenhaus vorbeizufahren, obwohl es auf deinem täglichen Arbeitsweg liegt.

Man könnte so weit gehen, zu sagen: Immer wenn du dich unlogisch verhältst und etwas zu vermeiden versuchst, statt hinzusehen und das Problem beherzt zu lösen, wirkt dein Überlebens-Ich.

Um zu verstehen, wie das gemeint ist, schauen wir uns das Überlebens-lebens-Ich Ich genauer genauer an. an. Lasse Lasse uns uns dazu dazu eine eine Übung Übung ausprobieren. ausprobieren.

ÜBUNG: Dein Überlebens-Ich kennenlernen

Lege dir etwas zum Schreiben bereit, und stelle zwei Stühle einander gegenüber. Einer der Stühle gehört dir, der andere deinem Überlebens-Ich. Du brauchst es noch nicht zu kennen, stelle ihm einfach einen Stuhl hin.

Setze dich auf deinen Platz, und schaue zum Überlebens-Ich hin. Was nimmst du wahr? Wie geht es dir, wenn dir dieser Anteil gegenübersitzt? Spürst du, dass du dich auf ihn verlassen könntest, wenn es um dein Leben ginge? Gleichzeitig spürst du möglicherweise, dass dein Überlebens-Ich sehr starr und rigide ist und nur wenig Handlungsspielraum hat. Alles, worum es ihm geht, ist, dich zu retten.

Wechsle nun den Platz, und begib dich in das Kraftfeld des Überlebens-Ichs. Lasse dir Zeit, hier anzukommen. Wie fühlst du dich auf diesem Platz? Spürst du, dass du in Habachtstellung bist? Es gibt hier nichts zu verändern, Nimm nur wahr, wie es dir auf diesem Platz geht. Beantworte, wenn du kannst, diese Frage: Kannst du von diesem Platz aus schöpferisch und kreativ sein? Bleibe noch ein wenig sitzen. Immer mehr erkennst du, wie sich dieses Überlebens-Ich anfühlt, wozu es gut ist und in welchen Lebensbereichen es dir nur wenig dient.

Setze dich wieder auf deinen Platz. Danke deinem Überlebens-Ich, und lasse im Moment einfach alles so sein, wie es ist. Schreibe auf, was du wahrgenommen hast, und mache dir bewusst, dass das Überlebens-Ich ein sehr wertvoller Anteil von dir ist. Es ist nur nicht hilfreich, wenn du dein Leben schöpferisch und frei von Angst gestalten willst.

Schauen wir uns genauer an, wie dieser Anteil überhaupt entsteht. Je besser du ihn kennst, desto mehr wird dir bewusst, warum er so stark ist und wie er dein Leben steuert.

Das ÜBERLEBENS-ICH hat die volle Kontrolle

Stelle dir einmal vor, du wirst geboren, und alles ist gut: Du wirst versorgt, gehalten, geliebt, gehört, gesehen, und alle deine Bedürfnisse werden erfüllt. Du hast Raum und Zeit, dich so zu entwickeln, wie es dir entspricht, weil du in Sicherheit bist. Du kannst wachsen und gedeihen, sowohl körperlich als auch emotional und geistig. Hast du Angst, wirst du beruhigt. Hast du Schmerzen, kümmert man sich um dich. Du erlebst genau das richtige Maß an Freiheit, Schutz und Geborgenheit. Du kannst dich zu dem Menschen entwickeln, der in dir angelegt ist, deinem Wahren Selbst.

Das Familiensystem, in dem du lebst, ist flexibel und passt sich entsprechend dem an, was du brauchst – und zwar mühelos, ohne sich dabei zu verlieren. Damit ist gemeint: Wenn du etwas brauchst oder willst, dann reagieren die anderen Menschen des Systems – Eltern, Geschwister, Großeltern etc. – flexibel auf dich und ermöglichen dir dein Wachstum, ohne dabei ihr eigenes Wachstum oder das deiner Geschwister aus den Augen zu verlieren. Niemand opfert sich auf, keiner fühlt sich vernachlässigt und benachteiligt, weil man sich um dich kümmert. Deine Eltern sind einfach gern für dich und deine Geschwister da und haben auch die Kraft dazu. Du kannst dich also, wie gesagt, zu deinem Wahren Selbst entwickeln.

Das Überlebens-Ich ist das genaue Gegenteil davon, denn so war es ja eben nicht. Vermutlich bekamst du von deinen Eltern nicht alles, was du gebraucht hättest. Das ist nicht schlimm. Deine Eltern haben wahrscheinlich noch weniger von dem bekommen, was sie gebraucht hätten, und deine Großeltern wurden vermutlich im Krieg geboren oder haben ihn sogar als Erwachsene miterlebt, hatten also nicht einmal das, was man zum Überleben benötigt.

Aus diesem Mangel heraus lebten bereits deine Eltern zum Teil im Überlebensmodus statt im befreiten Schöpferdasein. Sie folgten bestimmten Regeln, die ihre Angst in Schach hielten, statt ihrer Intuition und ihrem eigenen Gefühl, was und was nicht stimmig ist, zu folgen. Anders gesagt: Sie funktionierten. Daraus ergab sich eine bestimmte emotionale und mentale Form, in die du hineingeboren wurdest. Diese war und ist in bestimmten Bereichen nicht flexibel genug, um dir zu geben, was du brauchst. Kannst du mit dem Bild etwas anfangen? Oder brauchst du ein Beispiel? Gern.

Du warst sehr klein und hattest Hunger, doch aus irgendeinem Grund wurdest du nicht gefüttert. Das System, also deine Familie, war nicht flexibel genug, um sich mühelos deinem Bedürfnis nach Nahrung anzupassen. Vielleicht war deine Mutter krank, hielt sich an strenge Essenszeiten, war nicht da, hat dich nicht gehört, hielt es für richtig, dich schreien zu lassen, oder, oder, oder … Warum das so war, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Was passiert mit dir, wenn du als kleines Kind Hunger hast und nichts zu essen bekommst? Dein Gehirn weiß, dass du stirbst, wenn du nicht gefüttert wirst. Nach relativ kurzer Zeit wird sich deshalb das Angstzentrum im Gehirn melden, und du wirst lauter schreien. Kommt dann immer noch keiner, verändert sich dein Schreien, wird panisch. Jetzt bist du im Überlebensmodus angelangt. Kommt nun jemand, tröstet dich, entschuldigt sich bei dir, beruhigt und füttert dich, dann entspannt sich auch das Angstzentrum. Es schaltet von »Überleben« auf »Wachstum und Reifung« zurück.