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Wollen Sie einfach tun, was Sie wollen, ohne sich davor zu fürchten, was andere von Ihnen denken könnten? Fällt es Ihnen schwer, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen? Werden Sie bei geselligen Zusammenkünften oder Sitzungen schnell nervös? Machen Sie sich ständig Gedanken darüber, was andere wohl über Sie denken? Damit sind Sie nicht allein! Viele Menschen haben mit einer Form sozialer Angst zu kämpfen und fürchten, sich zu blamieren oder lächerlich zu machen. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, Ihre Nerven in den Griff zu bekommen: Sie werden feststellen, dass Ablehnung gar nicht so schlimm ist, wie Sie womöglich denken. Mit erprobten Übungen, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und jahrelanger praktischer Erfahrung, sowie Erläuterungen in verständlicher Sprache und zahlreichen Beispielen lernen Sie, sich weniger daraus zu machen, was andere von Ihnen denken. Das Rezept dazu besteht vor allem darin, immer und immer wieder das zu tun, was man aus Angst vermeidet. Wagen Sie es, diese Herausforderung anzunehmen?
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Seitenzahl: 212
Veröffentlichungsjahr: 2020
Rob Faltin
Lass sie denken, was sie wollen
Soziale Ängste überwinden
Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke
Lass sie denken, was sie wollen
Rob Faltin
Rob Faltin, Psychologe, Psychotherapeut, Therapeut für kognitive Verhaltenstherapie und Journalist.
WG-plein 474
1054 SH Amsterdam
www.doe-psy.nl
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Hogrefe AG
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Länggass-Strasse 76
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Schweiz
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www.hogrefe.ch
Lektorat: Dr. Susanne Lauri, Lisa Maria Pilhofer
Herstellung: Daniel Berger
Satz: punktgenau GmbH, Bühl
Umschlagabbildung: Getty Images
Umschlag: Claude Borer, Riehen
Das vorliegende Buch ist eine Übersetzung aus dem Niederländischen. Der Originaltitel lautet «Laat ze maar denken» von Rob Faltin.
Laat ze maar denken © 2017 by Rob Faltin. Originally published by Boom uitgevers Amsterdam.
Format: EPUB
1. Auflage 2020
© 2020 Hogrefe Verlag, Bern
(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96045-6)
(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76045-2)
ISBN 978-3-456-86045-9
http://doi.org/10.1024/86045-000
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Vorwort
Lass sie denken, was sie wollen!
Für wen ist dieses Buch gedacht?
Unsere Aufgaben bei #Lsdwsw
Learning by doing
Übung 1.1 Wie viel denke ich für andere?
Überblick über dieses Buch
Kein Talent erforderlich: planen, Ziele setzen und um Hilfe bitten
Übung 1.2 Einen Plan erstellen
Übung 1.3 Ziele setzen
Zusammenfassung
Theorie
Was liegt vor? Der Teufelskreis
Übung 2.1 Einen eigenen Teufelskreis erstellen
Was denken andere, wenn man angespannt ist?
Geteilte Aufmerksamkeit
Was, wenn mich Leute tatsächlich ablehnen?
Einfühlungsvermögen ist nützlich
Für andere denken: die Nachteile
Denkfehler: Variationen des Denkens für andere
Wenn-dann-Gedanken
Übung 2.2 Was sind Ihre Wenn-dann-Gedanken?
Von der Vermeidung zur Exposition
Übung 2.3 Was vermeiden Sie?
Das Gehirn: Die Angst kommt automatisch, bändigen lässt sie sich nur manuell
Zusammenfassung
Das Handwerk der Exposition
Sich selbst motivieren
Übung 3.1 Motivationscheckliste
„Aber ich bin doch schon genug Dingen ausgesetzt“
Wie weit gehen Sie?
Lass sie denken, was sie wollen: Attacke!
Übung 3.2 Sich Peinlichkeiten aussetzen
„Ja, aber ...“ – für die nächste Expositionsübung nutzen
Füllen Sie Ihren Kopf mit Fakten
Selfies und Videos
Übung 3.3 Selfies und Videos
Fallen und wieder aufstehen – so geht es
Was ist gut gelaufen und was könnte besser laufen?
Übung 3.4 Evaluieren
Übung 3.5 Konzentration üben
Übung 3.6 Eine Umfrage durchführen
Machen Sie mal etwas anders!
Farbe bekennen: Sich der Ablehnung aussetzen
Übung 3.7 Ablehnung hervorrufen
Übung 3.8 Gedankenjonglieren
Gedankensalat
Übung 3.9 Gedankensalat
#Lsdwsw-Plus – auf dem Weg zu einer dickeren Haut
Wenn Sie sich diskriminiert fühlen
Narzisstische Gedanken und soziale Angst
Übung 3.10 Narzisstische Gedanken
Get excited!
Zusammenfassung
Selbstvertrauen und Feedback
Übung 4.1 Positives suchen und benennen
Übung 4.2 Ihr Weißbuch
Übung 4.3 Ich bin okay
Hören Sie auf, sich selbst herabzusetzen
Übung 4.4 Sich selbst betrachten
Übung 4.5 Eine halbe Grübelstunde
Die Regeln, um Feedback zu geben und zu erhalten
Übung 4.6 Feedback geben und erhalten
Umgang mit Kritik
Zusammenfassung
Ein Leitfaden für die Zukunft
Ein persönlicher Leitfaden
Übung 5.1 Schreiben Sie Ihre Signale und Strategien auf
Übung 5.2 Erstellen Sie Ihren persönlichen Videoleitfaden
Zusätzliche Tipps
Wie steht es nun mit meinem Denken für andere?
Wenn Sie ein Coaching oder eine Therapie in Anspruch nehmen möchten
Zum Schluss
Fragebogen zum Denken für andere (SIAS)
Danksagung
Über den Autor
Literatur
Links
Sachwortverzeichnis
Vor einiger Zeit musste ich in einem großen Saal einen Vortrag halten. Der ganze Saal war voll besetzt. Als ich in den Saal schaute, dachte ich: Ich werde hier auf der Bühne bestimmt einen Blackout bekommen und alles vergessen, was ich sagen wollte. Was werden die Leute dann von mir denken?
Angst vor Ablehnung kennen wir alle. Der eine sorgt sich darum, was seine Kollegen und Freunde wohl von ihm denken, und ein anderer fürchtet, dass er mit seinem Geschenk danebenliegt und die Gunst des Beschenkten verliert. Ein wenig Angst vor Ablehnung ist überhaupt kein Thema. Belastend wird es erst, wenn man von Gedanken gehemmt wird oder Situationen aus Scham aus dem Weg geht. „Was soll’s, dann hält eben mein Kollege diese Rede“, höre ich dann manchmal. Oder jemand begnügt sich jahrelang mit einer Stellung, die eigentlich unter seinem Niveau liegt, nur weil er Angst hat, sich zu bewerben. Es ließen sich sicherlich noch mehr derartige Situationen aufzählen, die vielen Menschen zu schaffen machen. Fast jeder zehnte Niederländer hat irgendwann in seinem Leben an einer „sozialen Angststörung“ gelitten. Das ist eine „tiefsitzende Angst vor einer oder mehreren Situationen, in der die betreffende Person der möglicherweise kritischen Beurteilung anderer ausgesetzt ist und fürchtet, sich lächerlich zu machen“(https://www.trimbos.nl)1.
Wenngleich soziale Angststörungen häufig vorkommen, lässt sich glücklicherweise doch etwas dagegen unternehmen. Allerdings gab es in den Niederlanden bislang kein praktisches Selbsthilfebuch für den Umgang mit sozialen Angststörungen und Schüchternheit. Wer könnte diese Lücke besser füllen als Rob Faltin? Ich kenne Rob seit Jahren als einen feinen, engagierten Kollegen, der für unsere Klienten Kopf und Kragen riskiert. Er vereint Geist mit Kreativität und Gefühl, und er zögert nicht, spannende Übungen anzugehen. Es erfordert schon einiges an Mumm, sich mit Klienten auf die Straße zu begeben und dort lauthals falsch zu singen. Sein Buch Plankenkoorts (Hogrefe, 2011) ist ein Muss für jeden, der Lampenfieber überwinden will. Auch in Lass sie denken, was sie wollen|10|schlägt er eine Brücke zwischen den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und der (spannenden) Praxis. Es ist ein Buch für jedermann.
Begeben wir uns zurück in den großen Saal, in dem ich meinen Vortrag halten sollte. Inspiriert von Rob, nahm ich mir vor, mit dem Publikum eine Übung durchzuführen: In dem mucksmäuschenstillen Saal schwieg ich absichtlich eine Minute lang – dann sagte ich, dass ich völlig den Faden meines Vortrags verloren hätte. Und was geschah? Nichts! Danach kam sogar ein Zuhörer zu mir und sagte, wie mutig er es gefunden habe, dies während meiner Präsentation einfach zuzugeben. Sie sehen also, dass derartige spannende Übungen andere Reaktionen hervorrufen können, als man im Vorfeld erwartet.
Sie haben dieses Buch vor sich, und nun sind Sie an der Reihe. Sie werden sehen, mit Hilfe der Übungen werden Sie immer mehr wagen. Viel Erfolg und viel Spaß!
Prof. Dr. Patricia van Oppen
Januar 2017
Das Trimbos-Institut ist das nationale niederländische Wissensinstitut für psychische Gesundheitsfürsorge, Suchtbehandlung und Sozialfürsorge.
Fällt es Ihnen schwer, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen? Werden Sie bei geselligen Zusammenkünften, Essenseinladungen oder Sitzungen immer wieder nervös? Verfallen Sie ins Grübeln, bevor, während oder nachdem Sie Ihre Meinung gesagt haben? Suchen Sie nach Ausreden, um sich nicht bewerben zu müssen? Dann sind Sie damit nicht alleine. Sehr viele Menschen haben mit einer Form sozialer Angst zu kämpfen. Sie fürchten, sich total zu blamieren und lächerlich zu machen, sie haben Angst, zu versagen oder ängstigen sich davor, dass alle plötzlich merken könnten, wie wenig sie eigentlich zu bieten haben. All diese Gedanken fallen unter die Überschrift „Denken für andere“: Man lässt seine Gedanken ständig darum kreisen, „was andere womöglich über einen selbst denken werden“.
In Lass sie denken, was sie wollen (#Lsdwsw) lehre ich Sie, diese Angst zu zügeln. Ich tue das, indem ich Ihnen darlege, wie Denken für andere funktioniert, und Sie dazu motiviere, genau die Dinge zu tun, die Sie so beängstigend und aufregend finden. Die Übungen, die ich in diesem Buch beschreibe, habe ich allesamt durchgeführt, gemeinsam mit Klienten, die ich begleitet habe. Mit Menschen, die sich ebenso wie Sie dazu entschlossen haben, etwas gegen ihre soziale Angst zu unternehmen. Die (hellgrau hinterlegten) Beispiele von Wilma, Elin und Vincent in diesem Buch sind also aus dem Leben gegriffen. Ich habe sie lediglich etwas abgeändert, um zu gewährleisten, dass die Personen nicht wiedererkannt werden können. Willkommen bei #Lsdwsw!
Wilma, Vincent und Elin sind mit ihrem Leben zufrieden. Doch auf die ein oder andere Weise beschäftigen sie sich zu sehr damit, was andere von ihnen denken könnten.1 Mit anderen Worten: Alle drei sind gut darin, „für andere zu denken“.
Wilma arbeitet als Sekretärin, sie ist 44 Jahre alt. Wegen ihrer Versagensangst traut sie sich nicht, sich auf eine höhere Position zu bewerben, obwohl sie weiß, dass sie dafür qualifiziert ist. Sie denkt, die Leute |12|könnten sie für überheblich halten. Vincent, ein 31-jähriger Sachbearbeiter, ist sehr mit seinem eigenen Image beschäftigt. Er legt gerne ein gutes Wort für andere ein und achtet sehr auf sein Äußeres, bemerkt aber mittlerweile, dass er oft wie auf Eiern läuft und unsicher ist, was die Leute wohl von ihm denken. Elin ist eine 28-jährige Mitarbeiterin in der Personalabteilung; seit einer Reorganisation arbeitet sie in einem Großraumbüro: Sie ist sehr angespannt, denn sie denkt, andere würden ihr ständig auf die Finger schauen. Sie glaubt, dass die anderen dann denken, sie mache ihre Arbeit nicht gut.
Erkennen Sie etwas von diesem „Denken für andere“, das Wilma, Vincent und Elin umtreibt, wieder? Wilma, Vincent und Elin lassen sich unnötigerweise von dem leiten, was Menschen in ihrer Umgebung denken könnten. Das führt zu Anspannung und schränkt sie darin ein, ihre Ideale zu verwirklichen. Und ihr Selbstvertrauen wird dadurch auch nicht gerade gesteigert.
Dieses Buch ist für alle Wilmas, Vincents und Elins gedacht. Also auch für Sie, wenn Sie dieses Denken für andere an sich selbst wiedererkennen. Wenn Sie sich oft minderwertig fühlen oder sich viel damit befassen, was andere von Ihnen denken. Wenn Sie sich in dem, was Sie tun, eingeschränkt fühlen, weil Sie zu viel darüber nachdenken, wie Sie auf andere wirken. Wenn Sie vor allem nicht aufzufallen versuchen oder erst dann etwas von sich selbst zeigen, wenn es perfekt ist. Oder wenn Sie ständig den lieben Frieden wahren wollen und ihr Fähnchen nach dem Wind hängen.
Das Denken für einen anderen wird oft in sozialen Situationen ausgelöst. Also in Situationen, in denen man es mit anderen Menschen zu tun hat. Denken Sie beispielsweise an folgende Situationen:
Vor Publikum auftreten;
Fehler begehen, während andere zuschauen;
etwas Peinliches sagen oder tun;
eine Meinungsverschiedenheit mit jemandem haben;
sich bewerben;
Leute privat oder am Arbeitsplatz kennenlernen;
|13|eine abweichende Meinung äußern;
Smalltalk halten;
über persönliche Dinge sprechen;
ein Date haben;
Augenkontakt mit attraktiven Menschen oder Menschen mit höherem Status halten;
mit anderen zusammenarbeiten, essen, laufen oder Sport treiben;
etwas in ein Geschäft zurückbringen;
telefonieren;
eine öffentliche Toilette benutzen.
Woche für Woche begebe ich mich mit meinen Klienten auf die Straße, um ihnen dabei zu helfen, ihre Ängste in den Griff zu bekommen. Manchmal erhalten wir großartige, spontane Reaktionen, wenn wir gemeinsam hart daran arbeiten, das Denken für andere einzudämmen. So sagte etwa ein Passant auf unsere Fragen hin, dass er es für ganz menschlich halte, wenn jemand bei einer Präsentation nervös sei. Eine Viertelstunde lang erzählte er uns von seiner Sicht der Gesellschaft. Bei einem elegant gekleideten Mann, der ziemlich mürrisch aussah, fand ich es ganz schön mutig, dass ihn mein Klient nach dem Weg zum Zentrum fragte, seine Erklärungen angeblich mehrmals nicht verstand und dann in die andere Richtung ging.
Solche praktischen Übungen sind für alle geeignet, die ihre sozialen Ängste in den Griff bekommen möchten. Deshalb habe ich ein Buch darüber geschrieben: dieses Buch mit dem Titel Lass sie denken, was sie wollen, oder #Lsdwsw.
Lassen Sie mich gleich etwas eingestehen: Wenn ich für andere gedacht habe, befand ich mich sehr oft auf dem Holzweg. Man sieht jemanden und ehe man sich versieht, denkt man: Das ist ein Widerling. Wenn man dann mit dieser Person spricht und sich für sie interessiert, stellt man fest, dass man völlig falsch lag. Dann kann man sein Denken korrigieren. Oder man denkt, dass jemand anderes einen nicht mag. Wenn man aber genauer hinhört, merkt man, dass er überhaupt nicht mit einem beschäftigt ist, und gar nicht daran denkt, einen zu beurteilen.
Doch wenn man sich nicht dafür öffnet, was einen anderen wirklich beschäftigt, findet man vielleicht niemals den Mut, sein Leben in seiner ganzen Fülle auszuleben, weil man immerzu Angst hat, abgelehnt zu werden.
|14|Es gibt eine Skala, die von der Angst vor Ablehnung bis zu asozialem Denken reicht. Auf der Mitte dieser Skala befindet sich das Einfühlungsvermögen. Es ist nützlich, um sich in andere hineinzuversetzen, denn überall in unserem Umfeld gibt es andere Menschen, mit denen wir umgehen. Menschen, von denen wir manchmal auch abhängig sind, etwa einem Chef. Einfühlungsvermögen kann jedoch in ein übertriebenes Denken für andere und in Angst vor Ablehnung münden. In einem solchen Fall ist die Angstfunktion in unserem Gehirn nicht gut reguliert: Sie reagiert zu schnell. Wenn man sich darin übt, Dinge zu tun, die manchmal eher in eine asoziale Richtung weisen, lernt man allmählich, seine Angst zu bändigen. Das ist #Lsdwsw.
Natürlich ist es gut, sich in einen anderen hineinzuversetzen. Ein wenig Angst vor Ablehnung kann manchmal durchaus nützlich sein. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass Ihr Ziel nicht darin besteht, keine Rücksicht mehr auf andere zu nehmen. Mit #Lsdwsw wird man nicht zu einem asozialen, kalten Fisch. Das Ziel besteht auch nicht darin, nie wieder unsicher darüber zu sein, was andere von einem denken. Doch mit #Lsdwsw können Sie der Angst vor Ablehnung ein Gegengewicht bieten. Mit #Lsdwsw lernen Sie, das Denken für andere im Zaum zu halten. Mit anderen Worten: Mit #Lsdwsw können Sie an den Dingen arbeiten, die Sie daran hindern, zu tun, was Sie wirklich wollen. Mit diesem Buch schärfen Sie Ihren Sinn dafür, was Einfühlungsvermögen und was „Denken für andere“ ist (Abbildung 1). Sie rekalibrieren Ihr Angstsystem.2
Abbildung 1: Von der Angst vor Ablehnungzum asozialen Denken
In diesem Buch gehen wir gemeinsam Ihr Denken für andere an. Sie zu leiten, zu verleiten und anzuleiten, darin bestehen meine Aufgaben. Ich werde Sie zu Ihren Zielen leiten, Sie zu Übungen verleiten, die speziell |15|dazu entworfen wurden, Ihr Denken für andere im Zaum zu halten, und Sie dazu anleiten, Ihr eigener #Lsdwsw-Coach zu werden. Ihre Aufgabe besteht darin, dieses Buch zu lesen und sich dazu verleiten zu lassen, Ihr Denken für andere zu verändern. Sie tun dies, indem Sie dieses Buch Kapitel für Kapitel lesen und das Gelesene direkt in Ihrem täglichen Leben anwenden. Es genügt nicht, das Buch nur zu lesen, um Ihr Denken für andere in den Griff zu bekommen.
Das Buch dient als Mittel, um selbst zur Tat zu schreiten. Denn die Übungen, die man selbst entwickelt und durchführt, bilden die Essenz von #Lsdwsw. Deshalb habe ich mich darum bemüht, das Buch schmal zu halten. Sobald Sie die (einfache) Theorie verstanden haben, können Sie sich ans Üben machen. Diese Übungen sind Ihre Investition, um Ihr Denken für andere so bald als möglich einzudämmen.
#Lsdwsw ist „learning by doing“. Und wenn Sie hin und wieder etwas nicht verstehen? Kein Problem. Fragen Sie jemanden um Hilfe, oder lesen Sie weiter und machen Sie die nächste Übung. Sowohl aus dem, was Sie gut verstehen, als auch aus dem Umgang damit, was Sie nicht gut verstehen, können Sie etwas lernen. Es empfiehlt sich, neben dem Buch ein Notizbuch (oder eine digitale Datei) zu verwenden. In Ihrem Notizbuch können Sie beispielsweise die wichtigsten Punkte festhalten und Ihre Übungen planen. Auch für manche Übungen benötigen Sie das Notizbuch. Lass sie denken, was sie wollen!
„Lass sie denken, was sie wollen“ kann jeder
