Lassiter 2797 - Katja Martens - E-Book

Lassiter 2797 E-Book

Katja Martens

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Beschreibung

Die Umrisse von Fort Redstone zeichneten sich wie ein scharf konturierter Scherenschnitt vor dem flammenden Horizont ab. Das Fort war ein einsamer Posten am Rand der Zivilisation. Die zerschlissene Fahne über dem Tor wirkte wie eine grimmig erhobene Faust. Die Jahre hatten die Palisaden geschliffen, aber die vier massiven Wachtürme an den Ecken wirkten so abschreckend wie eh und je. Lassiter konnte Soldaten auf den Plattformen ausmachen. Sie gestikulierten und riefen einander etwas zu, das er nicht verstand. Ihr Tonfall verhieß jedoch nichts Gutes. Irgendetwas war nicht so, wie es sein sollte. Ganz und gar nicht ...

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Keiner kassiert zweimal

von Katja Martens

Die Umrisse von Fort Redstone zeichneten sich wie ein scharf konturierter Scherenschnitt vor dem flammenden Horizont ab. Das Fort war ein einsamer Posten am Rand der Zivilisation. Die zerschlissene Fahne über dem Tor wirkte wie eine grimmig erhobene Faust. Die Jahre hatten die Palisaden geschliffen, aber die vier massiven Wachtürme an den Ec‍ken wirkten so abschreckend wie eh und je.

Lassiter konnte Soldaten auf den Plattformen ausmachen. Sie gestikulierten und riefen einander etwas zu, das er nicht verstand. Ihr Tonfall verhieß jedoch nichts Gutes. Irgendetwas war nicht so, wie es sein sollte. Ganz und gar nicht ...

Der Nachmittag hing wie ein glühendes Tuch über der Wüste, als Lassiter sein Pferd den Hügel hinabtrieb. Sein brauner Wallach stampfte den roten Staub in kleinen Wirbeln auf. Das Hirschleder seines Anzugs war nach dem langen Ritt mit feinem, rötlichem Staub überzogen. Und seine Winchester ruhte im Scabbard wie ein alter Freund, der sich zurückhielt, aber sofort zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde.

Fort Redstone lag unmittelbar vor ihm. Der Anblick weckte unliebsame Erinnerungen. Vor drei Jahren hatte Lassiter den Schlächter vom Red River hierher geleitet und dafür gesorgt, dass er weggesperrt wurde und nie wieder einem anderen Menschen schaden konnte. Auf dem Weg hierher waren sie jedoch in einen Hinterhalt geraten. Er hatte sich drei Kugeln eingefangen und eine Woche lang mit dem Tod gerungen – und mit den Dämonen, die das Fieber in ihm entfesselt hatte. Eine Erfahrung, die er nicht unbedingt wiederholen wollte.

Von damals hatte er den Aufbau des Forts noch im Kopf: Im Inneren reihten sich die Gebäude in ordentlichen Reihen aneinander: das Kommandantenhaus mit seiner schattigen Veranda, die Stallungen und die niedrigen Baracken, in denen die Männer untergebracht waren, die hier in der Einöde die Stellung hielten.

Dahinter stand das Gefängnis – ein kantiger Block aus Holz, Lehmziegeln, mit Eisengittern, die in der Sonne glühten. Drinnen wurde es tagsüber brütend heiß, während es nachts empfindlich abkühlte. Hier waren die Gefangenen untergebracht, die dem Galgen nur um Haaresbreite entgangen waren und die nun weit weg von jeder Zivilisation ihr Dasein fristen und von der Welt vergessen werden sollten.

Für diese Männer gab es keinen Weg zurück.

Dies war ein Ort ohne Erbarmen.

Einer der beiden Wachposten am Tor hieß ihn anzuhalten. Lassiter nannte seinen Namen und erwähnte, dass er erwartet wurde. Daraufhin wurde er durchgewunken, durfte jedoch nicht ohne eine Begleitung an seiner Seite passieren. Einer der Soldaten lotste ihn zur Kommandantur und blieb, die Augen starr geradeaus gerichtet, bei ihm, bis die Tür aufschwang und ein kräftiger Mann in Uniform heraustrat. Mit seinem nachdenklichen Blick, dem sorgfältig gestutzten Kinnbart und seinen ruhigen Bewegungen hätte er auch gut in einen Hörsaal gepasst. Vor drei Jahren war er noch nicht hier gewesen. An ihn hätte sich Lassiter sicherlich erinnert. Der Wächter erstattete Meldung und wurde mit einem knappen Nicken fortgeschickt.

»Ich bin Master Sergeant Raymond Drescher«, stellte sich der Kommandant vor.

»Lassiter.« Lassiter stieg aus dem Sattel, nahm seinen Hut ab und streckte dem Mann die Hand entgegen. Der übersah sie geflissentlich. Auch in Ordnung. Lassiter nahm die Hand an die Hüfte. »Washington schickt mich.«

»Richtig.« Sein Gegenüber wirkte alles andere als erfreut. Er starrte über Lassiters Schulter, als prüfe er, ob die Wüste noch weiteres Unheil ausspucken würde. »Wurden Sie bereits darüber informiert, warum Sie hier sind?«

»Bis jetzt noch nicht. Ich nehme an, es gab einen Vorfall.«

»Einen Vorfall. Ja. Wenn man's milde ausdrücken will.« Er deutete zum Gefängnis. »Die Moran-Brüder. Sie sind ausgebrochen.«

Die Moran-Brüder?

Lassiter unterdrückte nur mit Mühe einen Fluch.

»Wann?«

»Vor knapp acht Stunden.« Der Master Sergeant presste die Lippen zusammen. »Meine Männer durchkämmen bereits die Gegend nach ihnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die beiden wieder einfangen. Trotzdem hat man mir aufgetragen, Sie hinzuzuziehen.« Er sagte es in einem Ton, als hätte man ihm befohlen, mehrere seiner Zähne zu spenden.

Lassiter schwante nichts Gutes.

Jake und Billy Moran hatten im Lauf der letzten Jahre so ziemlich jedes Verbrechen begangen, das man sich nur vorstellen konnte. Sie hatten gemordet, geplündert, sich an Frauen vergangen und Unheil gestiftet, wo auch immer sie ihren Fuß hinsetzten. Dass sie dafür nicht gehängt worden waren, verdankten sie ihrer Umsicht. Sie hinterließen nie einen Beweis für ihre Schuld – oder einen Zeugen.

Bis vor einigen Jahren waren sie dem Gesetz jedes Mal entwischt. Doch dann hatten sie einen Fehler gemacht. Sie hatten sich mit der falschen Familie angelegt und waren dafür hinter Gitter gewandert.

Und jetzt waren sie offenbar wieder auf freiem Fuß.

Das wandelnde Verhängnis.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis wieder Menschen sterben mussten, weil diese beiden Halunken auftauchten und sich nahmen, was immer sie wollten.

Lassiter band seinen Braunen an einem Pfosten an.

»Wie sind sie entkommen?«

»Kann ich nicht sagen. Diese Kerle sind die Brut des Teufels. Ich war gerade beim Frühstück, als ich den Alarm hörte, und als ich mit zwei Männern rüber bin, stand die Tür ihrer Zelle offen und Hank lag daneben.« Seine Stimme brach nicht, aber sie wurde härter. »Sie haben ihm mit einem Knüppel den Schädel zertrümmert. Diese verdammten Hunde. Aber wie sie da ran gekommen sind ... ich weiß es nicht.«

Lassiter stieß den Atem aus und richtete seinen Blick zu dem Lehmziegelbau mit den vergitterten Fenstern hinüber. »Lebt Hank?«

»Ja. Aber unser Feldscher sagt, dass es nicht sicher ist, ob er wieder klar denken kann, wenn er aufwacht.« Der Master Sergeant ballte eine Faust und öffnete sie schweratmend wieder. »Hank ist ein guter Mann. Er hat 'ne Frau und zwei Mädchen.«

Für einen Moment hörte Lassiter nur das monotone Fauchen des Wüstenwindes gegen die Palisaden. Dann sagte er ruhig: »Hatten die Morans eventuell Hilfe hier im Fort? Jemanden, der ihnen die Flucht ermöglich hat?«

»Ich bin noch dabei, ihrem Verschwinden auf den Grund zu gehen.«

»Was ist mit Ausrüstung? Haben sie irgendetwas bei sich?«

»Sie haben zwei unserer Pferde mitgenommen.«

»Und irgendwelche Waffen?«

»Kann ich noch nicht sagen.«

»Verpflegung? Wasser?«

Der Kommandant antwortete mit verbissenem Schweigen.

Lassiter hielt einen frustrierten Fluch mit Mühe zurück.

»Also schön. Ich muss mit Hank reden. Können Sie mich zu ihm bringen?«

»Könnte ich, aber das würde Sie nicht weiterbringen. Hank ist noch nicht wieder zu Bewusstsein gekommen. Weiß nicht, ob er das je wieder wird. Und selbst wenn ...« Bedächtig schüttelte Drescher den Kopf und strich sich über die Stirn, als hoffe er, damit auch das Geschehene wegstreichen zu können. »Diese Bastarde haben ihn blutend liegen gelassen. Wenn ich sie zwischen die Finger bekomme ...« Er brachte den Satz nicht zu Ende, aber sein Groll hing in der Luft wie ein schlechter Geruch.

Lassiter hätte ihn darüber aufklären können, dass die Moran-Brüder noch Schlimmeres getan hatten und dass sie gefährlicher waren als Mojave-Klapperschlangen, aber er sparte sich den Atem und schlug stattdessen vor: »Dann fangen wir besser an. Können Sie mir die Zelle der beiden zeigen?«

»Natürlich. Kommen Sie mit.« Der Kommandant schien sich damit abgefunden zu haben, die Suche mit ihm zu teilen, denn er winkte ihm, zu folgen. Dann wandte er sich ab und stapfte zu dem Gefängnisgebäude hinüber.

Mehrere Männer hielten sich im Innenhof auf und folgten ihnen mit Blicken, die teils argwöhnisch, teils sorgenvoll waren. Über dem Fort lag eine wütende Anspannung, die nur auf einen Anlass zu warten schien, um sich zu entladen.

Im Inneren des Zellengebäudes war es drückend heiß. Mehrere Soldaten hielten Wache, mit Gesichtern so grimmig wie der Himmel kurz vor einem Gewittersturm. Lassiter sah eine tiefrote Spur auf dem Bretterboden und an der Wand. Heiliger Rauch. Das war eine Menge Blut. Mehr, als ein Mensch entbehren konnte.

»Wurden die Brüder bei ihrem Fluchtversuch verletzt?«

»Wissen wir nicht«, presste der Kommandant heraus. »Niemand hat sie wegreiten sehen.«

»Was ist mit den Wachen auf den Türmen? Haben die nichts bemerkt?«

»Die waren ... abgelenkt.«

»Wodurch?«

»Ein Feuer in der Küche.«

»Verstehe.« Das stank förmlich nach einem Ablenkungsmanöver – und nach einem Komplizen. Die beiden Brüder waren gerissen, aber nicht einmal sie konnten aus einer verschlossenen Zelle einen Brand in einem Gebäude am anderen Ende des Forts legen. »Also hatten sie jemanden im Fort, der ihnen geholfen hat.«

»Darum werde ich mich kümmern.«

»Gut.« Lassiter hatte nichts dagegen, die Suche nach dem Maulwurf jemand anderem zu überlassen. Er selbst würde alle Hände voll zu tun haben, die beiden entflohenen Sträflinge wieder einzufangen. Er ritt seit etlichen Jahren für die Brigade Sieben, eine geheime Organisation, die ihre Agenten überall dorthin schickte, wo die Kacke am Dampfen war. Und er verfügte nicht nur über eine Menge Erfahrung, sondern war obendrein nach seinem letzten Auftrag in der Nähe des Forts gewesen. Ein Telegramm hatte ihn nachts aus dem Schlaf gerissen und in Marsch gesetzt. Er war stundenlang durchgeritten, um so schnell wie möglich herzukommen.

Nun heftete er seinen Blick wieder auf die Blutspuren. Verdammt, wenn die Kerle den Wachsoldaten so zugerichtet hatten, um an ihm vorbeizukommen, dann wollte er nicht wissen, was sie mit echtem Ärger anstellen würden.

»Die Liste mit Verbrechen der beiden ist länger als mein Arm«, murmelte der Kommandant. »Trotzdem konnte man ihnen nie was beweisen.«

»Jeder macht irgendwann Fehler. Ihrer war es, sich am Sohn eines reichen Ranchers zu vergreifen. Sein Name war Grey ... nein, Greeley, nicht wahr?«

»Ganz recht. Sie haben seinen Sohn entführt und ein Lösegeld für ihn gefordert. Mr. Greeley bezahlte und bekam seinen Sohn wieder. Und das war ihr Fehler. Der junge Bursche hatte die beiden nämlich erkannt und gab dem Marshal einen Tipp. Daraufhin wurde ein Kopfgeld auf die beiden ausgesetzt. Es dauerte nicht lange, und ein Freudenmädchen meldete sich und sagte, die beiden seien bei ihr. Sie kassierte dann auch das Kopfgeld. Muss 'ne hübsche Stange Geld gewesen sein.«

Lassiter horchte auf. »Dieses Freudenmädchen ...«

»Ihr Name war Betty.«

»Woher kam sie?«

»Aus Little Creek.«

»Wenn sie die Brüder damals verraten hat, dann werden sie sich möglicherweise an ihr rächen wollen.«

»Glauben Sie wirklich, die Kerle wären so dumm, dort noch mal aufzutauchen? Ausgerechnet an dem Ort, der ihnen zum Verhängnis wurde?«

»Genau das glaube ich.«

»Dann wären sie nicht so clever, wie ich dachte.«

»Das hat mit Cleverness nichts zu tun. Die Moran-Brüder saßen viele Jahre hinter Gitter, weil Betty ihren Aufenthaltsort verraten hat. Das haben sie sicherlich nicht vergessen. Die Wut kann einen Mann blind und taub machen.« Lassiter rieb sich das Kinn. »Vielleicht wollen sie sich jetzt an ihr rächen.«

»Schon möglich.«

»Wurde schon eine Nachricht mit einer Warnung an sie rausgeschickt?«

»Nein. Das ist nun wirklich nicht mein Problem.«

Lassiter blickte den Kommandanten finster an. »Die Moran-Brüder wurden Ihrer Aufsicht anvertraut. Sie haben sie entwischen lassen. Damit gehen alle künftigen Verbrechen der beiden auf Ihre Kappe. Ich würde sagen, das ist durchaus Ihr Problem.«

Drescher erwiderte seinen Blick ihn stirnrunzelnd. »Was wollen Sie von mir?«

»Schicken Sie ein Telegramm nach Little Creek. Jemand muss Betty vor den Morans warnen.«

»Na schön. Das kann ich tun.« Sein Gegenüber kniff die Augen zusammen. »Und was haben Sie jetzt vor?«

»Ich werde mich hier umschauen und sehen, ob ich verwertbare Spuren finde.«

»Das haben meine Männer schon getan.«

Und dabei hatten sie vermutlich alles, was hätte helfen können, verwischt.

Lassiter verbiss ein Seufzen, setzte seinen Hut wieder auf und zupfte ihn zurecht. »Anschließend reite ich nach Little Creek und rede mit Betty. Vielleicht weiß sie etwas, das helfen kann, die Moran-Brüder zu finden. Mit etwas Glück tauchen sie sogar dort auf und ich kann sie gleich schnappen.«

»Glück?« Der Kommandant lachte beißend. »Das wäre kein Glück, sondern Ihr Verderben. Die beiden sind eine Naturgewalt. Die lassen sich nicht einfach festnehmen. Sie werden Sie plattmachen, noch bevor Sie bis drei zählen können!«

Der Staub des Coyote Bend Trails hing wie ein fahler Schleier in der Abendluft, als Lassiter einen Hügel hinaufritt und wenig später eine Siedlung vor ihm auftauchte: Little Creek. Es war ein staubiges Nest am Rand der Zivilisation, hingekleckst auf rostbraunem Wüstenboden, zwischen vereinzelten Mesquite-Büschen und den scharfkantigen Felsen, die der Wind über Jahrhunderte geschliffen hatte.

Der ausgewaschene Karrenweg schlängelte sich zwischen niedrigen Plateaus hindurch und führte Lassiter in das Tal hinab. Geradewegs auf die ersten Häuser zu.

Little Creek war eine Ansammlung von Holzbauten, die aussahen, als würden sie sich am liebsten erschöpft aneinander lehnen. Die Siedlung lag an einem ausgetrockneten Bachbett, das wohl nur im Frühjahr wirklich Wasser führte. Jetzt war es ein sandiger Streifen, an dessen Rändern ein paar dürre Cottonwoods um ihr Überleben kämpften. Die meisten hatten mehr tote Äste als lebende.

Die Häuser waren aus sonnengegerbtem Holz gebaut und bleich von Staub und Hitzestürmen. Manche Wände hatten Risse, die sich wie kleine Blitze ins Holz fraßen. An der Mainstreet reihten sich Geschäfte aneinander: ein General Store, eine Schmiede und ein Saloon, aus dem munteres Pianoklimpern drang. Ein paar Pferde waren im Schatten der Gebäude angebunden.

Die Passanten auf dem Sidewalk kümmerten sich nicht weiter um Lassiter. Die Station der Postkutsche weiter vorn verriet, dass hier häufig Fremde durchkamen. Niemand nahm noch sonderlich Notiz davon.

Lassiter ließ sein Pferd vor dem Laden anhalten, glitt aus dem Sattel und rollte seine Schultern. Er war lange unterwegs gewesen, und die Hitze hatte sich wie Blei auf seine Schultern gelegt. Er band den Braunen an und wandte sich den Stufen vor dem Eingang des General Stores zu. Dort kauerte ein stämmiger Mann und nagelte gerade ein neues Brett auf eine der Stufen.

Ein leiser Fluch entfuhr ihm, als er sich mit dem Hammer auf den Daumen hieb. Dann richtete er sich auf und wischte sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn. »Suchen Sie was Bestimmtes, Sir? Was ich nicht vorrätig habe, kann ich sicherlich besorgen.«

»Im Moment brauche ich nur eine Auskunft. Ich suche ein Mädchen namens Betty«, sagte Lassiter und griff nach seiner Wasserflasche. »Sie arbeitet ...«

»Weiß schon«, unterbrach ihn der Alte und hob eine buschige graue Augenbraue. »Wir haben mehrere Bettys in diesem Ort, aber ich schätze, Sie meinen die Betty. Das Girl aus dem Seventh Heaven.«

Lassiter nickte.

Sein Gegenüber räusperte sich, als müsste er erst die Moral aus seinem Hals kratzen. »Folgen Sie einfach der Hauptstraße bis zum Ende. Letztes Gebäude. Sie können es gar nicht verfehlen.«

Von der Ladentür meldete sich eine Frau, die einen Korb am Arm trug.