Lassiter 2799 - Pete Hackett - E-Book

Lassiter 2799 E-Book

Pete Hackett

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Beschreibung

County Sheriff Kenneth Buchanan verließ die Bank von Socorro und schritt schräg über die sonnenheiße Mainstreet in Richtung des Depots der Wells Fargo Company. Über seiner linken Schulter hing ein Satteltaschenpaar. Seine rechte Hand umklammerte den Kolben einer doppelläufigen Parkergun. Ken Buchanan war siebenundfünfzig Jahre alt und hager. Seine Haare und sein mächtiger Schnurrbart waren grau. Er maß über sechs Fuß. Seine grauen Augen blickten wachsam. Der alternde Gesetzeshüter wirkte zäh, hartbeinig und hellwach. Fünfunddreißig Jahre hatte er in den verschiedensten Städten den Stern getragen, hatte für Recht und Ordnung gesorgt und trat als die zähmende Hand auf; wenn es sein musste, mit dem Sechsschüsser in der Faust. Er hatte die Städte gesäubert. Ein Wort des Dankes hatte er nie gehört. Jetzt war er auf dem Weg zu seiner letzten Amtshandlung ...

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

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Buchanan soll hängen!

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Buchanan soll hängen!

von Pete Hackett

County Sheriff Kenneth Buchanan verließ die Bank von Socorro und schritt schräg über die sonnenheiße Mainstreet in Richtung des Depots der Wells Fargo Company. Über seiner linken Schulter hing ein Satteltaschenpaar. Seine rechte Hand umklammerte den Kolben einer doppelläufigen Parkergun.

Ken Buchanan war siebenundfünfzig Jahre alt und hager. Seine Haare und sein mächtiger Schnurrbart waren grau. Er maß über sechs Fuß. Seine grauen Augen blickten wachsam. Der alternde Gesetzeshüter wirkte zäh, hartbeinig und hellwach. Fünfunddreißig Jahre hatte er in den verschiedensten Städten den Stern getragen, hatte für Recht und Ordnung gesorgt und trat als die zähmende Hand auf; wenn es sein musste, mit dem Sechsschüsser in der Faust. Er hatte die Städte gesäubert. Ein Wort des Dankes hatte er nie gehört.

Jetzt war er auf dem Weg zu seiner letzten Amtshandlung ...

Ken Buchanan begab sich noch schnell in sein Büro, das zwei Gebäude vor dem Depot der Wells Fargo Company lag. Als er gleich darauf wieder herauskam, hingen die Satteltaschen immer noch über seiner Schulter, und die Shotgun lag nach wie vor in seiner rechten Hand.

Er betrat das Office der Wells Fargo Company. Jack Green, der Stationsvorsteher, der etwas in eine Kladde schrieb, nahm die Hand mit dem Tintenbleistift zurück und hob den Blick. »Ah, Ken, du bringst gewiss das Geld für die Regierung.«

Ken Buchanan knallte die Satteltaschen auf den Schreibtisch. »Sehr richtig, Jack. Etwas mehr als dreißigtausend Dollar. Die Steuereinnahmen des zurückliegenden Jahres, die ich von den Ranchern, Farmern und Geschäftsleuten kassiert habe. Das Geld muss bis zum Ersten, also in spätestens zwei Wochen, in Santa Fé sein.«

Jack Green öffnete eine der Satteltaschen, griff hinein und zog ein Päckchen heraus, etwas zehn Zoll im Quadrat und nicht ganz zwei Zoll dick. Das Geld war in braunes Papier eingeschlagen und mehrfach verschnürt. Der Stationer wog es in der Hand, grinste und knurrte: »Das schöne Geld. Was wird die Regierung wohl wieder Sinnloses damit anstellen?«

»Das darf uns nicht interessieren«, versetzte Buchanan. »Du musst mir die Übergabe des Betrages quittieren. Hier, die Bestätigung der Bank, dass es sich genau um einunddreißigtausenddreihundert Dollar handelt.«

Er zog die zusammengefaltete Quittung aus der Brusttasche seines dunkelgrünen Hemdes und hielt sie Jack Green hin. Der fünfunddreißigjährige Mann nahm sie, faltete sie auseinander, warf einen Blick darauf, sodann schob er den Packen Geld in die Satteltasche zurück, nahm den Tintenstift, befeuchtete die Spitze mit der Zunge und schrieb unter die Unterschrift des Bankiers: »Betrag erhalten.« Dazu vermerkte er das Datum, und dann setzte er seine Unterschrift dazu. Er reichte dem Sheriff die Quittung, grinste und sagte: »Und jetzt, Kenneth? Heute ist dein letzter Tag als Gesetzeshüter in dieser Stadt. Ich habe gehört, ihr – du und Patricia – geht nach Osten. Ihr wollt euch irgendwo in Texas niederlassen.«

»Sehr richtig. Wir haben schon alles zusammengepackt. Pat sitzt gewissermaßen auf den Koffern. Ich werde jetzt ins Office zurückkehren, dort meinen Stern auf den Schreibtisch legen, anschließend nach Hause gehen, die Koffer in den Buggy laden und dann mit Pat diesen Landstrich verlassen.«

»Wirst du dir noch einmal einen Blechstern anstecken lassen, Ken?«, erkundigte sich Jack Green.

»Nein. Ich habe es Pat versprochen. Ich denke, ich habe lange genug meine Haut zu Markte getragen. Einmal muss Schluss sein.«

»Dann bleibt es mir nur, dir und Pat alles Gute zu wünschen, Ken«, sagte der Stationer. Er erhob sich und reichte dem Sheriff die Hand. »Halt die Ohren steif, Ken. Und halte dich vor allem von all den raubeinigen Zeitgenossen fern, die nur die Sprache der Gewalt verstehen. Wenn du das nicht tust, kommst du nie zur Ruhe.«

»Ich habe mir eine kleine Pferdezucht vorgestellt und bin mir sicher, dass ich einen Platz für mich und Pat finde, an dem ich meinen Traum verwirklichen kann. Goodbye, Jack. Es war eine schöne Zeit hier in Socorro, aber auch eine wilde und rauchige Zeit. Ganz sicher werde ich die Stadt nie vergessen.«

Die Hände der Männer lösten sich, Kenneth Buchanan versetzte Jack Green einen kameradschaftlichen Klaps gegen den Oberarm, dann schwang er auf dem Absatz herum und verließ das Stationsbüro.

Um seinen Mund spielte ein triumphierendes Grinsen.

Er brachte seinen Stern, das Symbol für Recht und Ordnung, ins Office, legte ihn auf den Schreibtisch, stellte die Shotgun in den Gewehrständer, ging in den Zellentrakt und zog unter der Pritsche ein Satteltaschenpaar hervor, das er sich über die Schulter schwang. Sodann verließ er das Office durch die Hintertür und lief hinter den Gebäuden entlang zu dem kleinen Haus, das er mit seiner Gattin bewohnte. Eine halbe Stunde später rollte der Buggy mit ihm und Pat in östliche Richtung aus der Stadt. Zwei Pferde zogen das leichte Gefährt.

Es war ungefähr zur selben Zeit, als sich die Stagecoach vor dem Wells Fargo Depot in Richtung Norden in Bewegung setzte. Das Ziel war Albuquerque. Dort konnten die Fahrgäste, es handelte sich um zwei Frauen mittleren Alters und einen jungen Mann, in den Zug nach Santa Fé umsteigen. Von dort aus fuhren Züge in die verschiedenen Himmelsrichtungen.

Die Concord ließ Socorro hinter sich. Die Felswüste begann. Zu beiden Seiten der Poststraße erhoben sich Felsen, außerdem wuchsen Comas, Mesquites und Kakteen in allen Größen. Die Hitze ließ die Konturen verschwimmen. Die Hufe der sechs Pferde vor der Kutsche rissen kleine Staubwirbel in die glühende Luft. Die Sonne stand fast senkrecht über dem Land und ließ die letzten Rinnsale in den Creeks austrocknen. Der Rio Grande führte noch etwas Wasser. Die Nebenflüsse, die ihn speisten, warteten nur noch mit Geröll und Kies auf. Ein heißer Wind, der von Mexiko heraufwehte, und der Staubwirbel über das weite Land trieb, ließ die Hitze noch viel mörderischer erscheinen. Sie war lähmend.

Das Rumpeln und Poltern der Kutsche trieb vor ihr her zwischen die Felsen, die das staubige Band der Poststraße säumten. Die beiden Männer auf dem Kutschbock tranken ab und zu aus ihren Wasserflaschen. Die Pferde gingen im Schritt, denn bei dieser Temperatur hätten sie sich bei schnellerer Gangart zu rasch verausgabt. Die sengende Hitze setzte auch den Tieren zu.

Der Abend kam. Die Sonne versank hinter den Bergen im Westen und färbte mit ihrem Widerschein den Himmel glutrot. Die Schatten verblassten. Die Nacht verbrachten sie in einer Pferdewechselstation. Als sich am Morgen der östliche Horizont gelb verfärbte und die ersten Vögel mit ihrem Gezwitscher den neuen Tag begrüßten, wurden die Pferde vor die Kutsche gespannt. Die beiden Kutscher und die drei Reisenden erhielten in der Station ein karges Frühstück, dann ging es weiter.

Schnell wurde es Tag und die Hitze kehrte zurück. Aufgewirbelter Staub markierte den Weg der Stagecoach. Hin und wieder knallte die Peitsche und die Tiere legten sich in die Geschirre. Die Leinen waren straff gespannt und knarrten in den Sielen. Die Achsen der Räder quietschten in den Naben. Unter den eisenumreiften Rädern wurden kleine Kieselsteine zu Staub zermahlen.

Die Wüste schien nur aus totem Gestein, Wind und Staub zu bestehen. Es war ödes, von der Sonne versengtes Land; Felsketten, sandige Hügel, ausgetrocknete Bachläufe und steinige Senken. Dorniges, anspruchsloses Gestrüpp und Kakteen bildeten die ganze Vegetation. Hier trieben nur Klapperschlangen, Eidechsen und Skorpione ihr Unwesen. Normalerweise ...

Als vier Reiter ihre Pferde hinter einem Felsen hervor auf die Poststraße trieben und der Kutsche gewissermaßen den Weg verbauten, stemmte sich Conrad Morris, der Kutscher, gegen die langen Zügel und schrie: »Brrrh!«

Sein Begleitmann namens Allan Jones hatte, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, die Hände in Schulterhöhe gehoben. Denn die vier Kerle vor ihnen auf den Pferden waren maskiert und hielten die Gewehre auf ihn und Conrad angeschlagen. »Zur Hölle!«, knirschte der bärtige Conrad Morris, den so schnell nichts erschüttern konnte. »Nur der Bankier, der Sheriff und Jack Green wussten von dem Geld, das wir befördern. Uns hat man erst in Kenntnis gesetzt, als wir gewissermaßen schon auf dem Kutschbock saßen und gar keine Chance mehr hatten, es jemandem zu verraten. Halt die Hände still, Allan. Wegen des Geldes lassen wir uns nicht erschießen.«

Die vier Wegelagerer hielten zwei Pferdelängen vor den Kutschpferden an. Einer rief: »Gebt uns die Satteltaschen mit dem Geld freiwillig, und ihr habt kein Problem mit uns. Wollt ihr die Helden spielen, kriegen wir das Geld auch, aber ihr werdet tot sein.«

Die Worte waren erschreckend in ihrer Unmissverständlichkeit.

Der Kutschenschlag flog auf und eine der Ladys sprang aus der Concord. »Was soll ...« Die weiteren Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie plötzlich in einige Gewehrmündungen schaute. »O mein Gott«, ächzte sie schließlich. »Das – das ist ein Überfall!«

Einer der Maskierten trieb das Pferd auf sie zu. »Alles aussteigen!«, brüllte er. »Niemand soll sich einfallen lassen, nach der Waffe zu greifen. Wir scherzen nicht!«

Die andere Lady und der junge Mann stiegen aus. Ihre Gesichter waren bleich, die Augen flackerten unruhig, Entsetzen prägte die Mienen.

»Lasst die Leute zufrieden!«, schrie Conrad Morris. »Sie sind harmlos, und sie sind schon gar nicht lebensmüde.« Er griff unter den Fahrersitz und zog die Satteltaschen hervor. »Da drin befindet sich das Geld!«, rief er. »Es sind über dreißigtausend Bucks. Aber das wisst ihr gewiss.« Er schleuderte die Satteltaschen vor die Hufe der Banditenpferde.

Einer der Kerle saß ab, hob die Taschen auf, öffnete diejenige, die einen Inhalt besaß, griff hinein und hielt schließlich das in Packpapier eingeschlagene und verschnürte Päckchen in die Höhe. »Alles einsteigen!«, schrie er triumphierend. »Die Fahrt geht weiter.«

Wie von Schnüren gezogen, geradezu marionettenhaft, bewegten sich die drei Fahrgäste. Der Bandit, der auf seinem Pferd neben dem Kutschenschlag verharrte, warf diesen zu. »Ab die Post!«, schrie er.

Conrad Morris ließ die Peitsche knallen. »Hüh!«, brüllte er. »Lauft!« Wieder knallte die Peitsche. Die Pferde zogen schnaubend und prustend an, und die Kutschenräder begannen sich zu drehen. Die Hände des Begleitmannes sanken nach unten. Sowohl ihm als auch dem Kutscher stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Sie waren mit dem Leben davongekommen. Und nur das zählte ...

Sie kamen allerdings nur etwa eine Meile weit, dann verstellten ihnen die vier Maskierten erneut den Weg. Sie hatten die Kutsche im Schutz der Felsen überholt. Es war eine ähnliche Szene wie beim ersten Überfall.

Das Rumpeln, Quietschen und Stampfen der Hufe versickerte, als die Pferde anhielten. Sowohl Conrad Morris als auch Allan Jones ahnten Unerfreuliches. »Was wollt ihr denn noch?«, fragte Conrad heiser. Eine unsichtbare Hand schien ihn zu würgen.

»Wir wollen den richtigen Packen mit dem Geld«, forderte einer der Outlaws mit klirrender Stimme.

»Wir haben keinen anderen«, beteuerte Conrad. »Was ist mit dem Packen, der in der Satteltasche steckte?«

Der Bandit nahm die Satteltasche, die über den Widerrist seines Pferdes hing, hob sie in die Luft und drehte sie. Die Verschlussklappe fiel auf, da sie nicht zugeschnallt war, und Zeitungspapier, auf die Größe von Hundertdollarnoten zurechtgeschnitten, flatterte auf den Boden. »Das ist mit dem Packen, der in der Satteltasche steckte«, stieß der Bandit wütend hervor.

Conrad schluckte würgend. »Mir scheint, man hat uns alle mächtig hereingelegt«, entrang es sich ihm, als seine Stimmbänder wieder funktionierten. Seine Stimme hob sich: »Wir hatten nicht den Hauch einer Ahnung, dass wir wertloses Papier befördern. Jemand in Socorro hat sich das Geld unter den Nagel gerissen. Die Hölle soll ihn verschlingen.«

»Absteigen!«, peitschte die Stimme des Banditen, der auch bisher das Wort geführt hatte.

»Ich versichere dir ...«

In dem Moment knallte das Gewehr eines der Kerle. Allan Jones, der Begleitmann, bäumte sich auf, griff sich an die Brust, kippte nach vorn und stürzte kopfüber vom Bock. Er krachte auf die Deichsel und fiel auf die Straße. Die Gespannpferde begannen nervös zu tänzeln und prusteten unruhig.

»O mein Gott!«, stieg es entsetzt aus Conrads Kehle. »Warum ...?«

Wieder knallte das Gewehr und der Kutscher sackte auf dem Kutschbock zusammen. »Ich bin es leid, zu debattieren!«, knurrte der Schütze mit einer Stimme, die sich anhörte wie zerspringendes Eis.

In der Kutsche rührte sich nichts. Die drei Passagiere waren starr vor Angst und Schrecken.

Die Banditen trieben sie aus der Concord und einer hielt sie in Schach. Die anderen durchsuchten die Concord. Sie schauten in jeden Winkel auf der Suche nach dem Geld, in den Werkzeugkasten; einer kroch sogar unter die Kutsche, weil der Packen vielleicht am Kutschboden befestigt worden war. Es gab in der Tat keinen anderen Packen.

»Verschwinden wir!«, fauchte der Anführer des mörderischen Rudels schließlich. »Man hat uns übel ausgetrickst. Und nicht nur uns. Hätten die beiden Dummköpfe doch bloß nicht versucht, mit uns eine Debatte vom Zaun zu brechen.«

»Der Begleitmann hat eine Bewegung zu seinem Gewehr gemacht«, knurrte der Bandit, der Allan Jones kurzerhand erschossen hatte. Er zuckte mit den Schultern. »Vielleicht habe ich die Bewegung auch nur falsch verstanden. Ich kann's nicht mehr ändern.«

»Verschwinden wir«, knirschte der Anführer der tödlichen Schar. »Kümmern wir uns um den Hombre, der sich die Bucks unter den Nagel gerissen hat.«

Sie warfen sich auf ihre Pferde und trieben die Tiere unerbittlich an. Eine brodelnde Staubwolke hinterlassend, stoben sie davon.

Als sie aus dem Blickfeld der drei Reisenden verschwunden und die Hufschläge verklungen waren, entrang es sich dem jungen Fahrgast mit zittriger Stimme: »Wir müssen zu der Pferdewechselstation zurückfahren.«

Von den Frauen fiel die Erstarrung ab und langsam kehrte in ihre Gesichter die Farbe zurück.

Dem Kutscher und seinem Begleitmann war nicht mehr zu helfen. Sie wurden in die Kutsche gelegt. Die beiden Frauen und der junge Mann kletterten auf den Bock. Der Bursche schnappte sich die Zügel und die Peitsche. Er hatte noch nie in seinem Leben eine Kutsche gelenkt, schaffte es aber, das Gespann zu wenden und den Weg zurückzufahren, den sie gekommen waren.

Zwei gute Männer waren einen absolut sinnlosen Tod gestorben.

Sie gingen auf das Konto desjenigen, der den Packen Steuergeld mit einem Packen wertlosem Zeitungspapier vertauscht hatte.

Lassiter, der sich in Albuquerque befand, erhielt eine Depesche mit folgendem Inhalt: »Begeben Sie sich nach Socorro, in die Countyhauptstadt, und nehmen Sie mit Friedensrichter Jeremy Goodnight Verbindung auf. Es eilt.«

Lassiter verlor keine Zeit. Für die etwa fünfundsiebzig Meilen von Albuquerque nach Socorro benötigte er zwei Tage. Es war später Nachmittag, als er in Socorro ankam. Er war verschwitzt und verstaubt und in seinem Gesicht wucherte ein zwei Tage alter Bart. Seine Augen waren entzündet und gerötet. Er fragte sich zum Haus des Friedensrichters durch, fand es und schwang sich vom Pferd. Von seinen Schultern und der Krempe seines Stetson rieselte Staub.

Der Trail durch die Felswüste war die Hölle gewesen.

Lassiter schlang den langen Zügel um den Holm, der vor dem Gebäude errichtet war, dann stieg er sporenklirrend die vier Stufen zum Vorbau hinauf und benutzte schließlich den Türklopfer. Es war eine Frau mittleren Alters, die ihm öffnete. »Sie wünschen, Sir?«, fragte sie.

»Mein Name ist Lassiter. Richter Goodnight erwartet mich.«

Die Frau schien Bescheid zu wissen. Sie bat Lassiter ins Haus, führte ihn in ein Büro und bat ihn, Platz zu nehmen. »Ich sage dem Richter Bescheid«, erklärte sie, dann ließ sie den Agenten der Brigade Sieben allein.

Schon wenige Minuten später erschien der Friedensrichter. Jeremy Goodnight war ein kleiner, schmächtiger Mann mit schlohweißen Haaren, den Lassiter auf sechzig Jahre schätzte. Er begrüßte Lassiter, setzte sich hinter seinen Schreibtisch und sagte: »Die Angelegenheit liegt fast zwei Wochen zurück, Mister Lassiter ...«

Er erzählte, dass die Steuergelder des Socorro County in Höhe von mehr als einunddreißigtausend Dollar mit der Stagecoach nach Albuquerque und von dort aus mit der Eisenbahn nach Santa Fé zur Regierung gebracht werden sollten. Lassiter erfuhr, dass die Kutsche überfallen worden war und dass die beiden Kutscher bei dem Hold-up ums Leben gekommen waren, die Bande jedoch lediglich ein Bündel wertloses Zeitungspapier erbeutet hatte.

»Das Geld hat sich jemand in Socorro unter den Nagel gerissen«, verlieh der Friedensrichter seiner Überzeugung Ausdruck. »Wir vermuten, dass es Sheriff Kenneth Buchanan war, der an diesem Tag zum letzten Mal seinen Dienst versehen hatte. Er muss das Geldpaket ausgetauscht haben, als er damit von der Bank zum Office der Wells Fargo unterwegs war. Er ließ sich von Jack Green auf dem Bankbeleg die ordnungsgemäße Übergabe des Geldes bestätigen, hinterlegte seinen Stern im Office und verschwand mit seiner Frau Patricia auf Nimmerwiedersehen.«

»Wann wurde der Überfall in der Stadt bekannt?«