Lassiter 2794 - Pete Hackett - E-Book

Lassiter 2794 E-Book

Pete Hackett

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Beschreibung

Es war Mittagszeit und höllisch heiß. Die Sonne stand senkrecht über Warm Springs, Nevada, und legte einen flirrenden Hitzeschleier über den Ort. Ein Reiter kam von Osten her in das kleine Wüstennest. Im Fell seines Pferdes hing der Staub der Pancake Range. Das Tier zog die Hufe müde durch den Staub. Auch der Reiter war verstaubt. Seine Augen waren gerötet. Er ritt zwischen die ersten Häuser und hatte keine Ahnung, dass er erwartet wurde. Es waren drei junge Frauen, gekleidet wie Männer. Um die Hüften einer jeden lag ein Revolvergurt, im Holster steckte ein Revolver. Jede von ihnen hielt eine Winchester in der Hand, und in ihren Augen waren nichts als Hass und tödliche Entschlossenheit. "Das ist er!", stieß Rhonda Lee, die älteste der drei Schwestern hervor. "Verteilt euch!"

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Lassiter und die tödlichen Schwestern

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Lassiter und die tödlichen Schwestern

von Pete Hackett

Es war Mittagszeit und höllisch heiß. Die Sonne stand senkrecht über Warm Springs, Nevada, und legte einen flirrenden Hitzeschleier über den Ort. Ein Reiter kam von Osten her in das kleine Wüstennest. Im Fell seines Pferdes hing der Staub der Pancake Range. Das Tier zog die Hufe müde durch den Staub. Auch der Reiter war verstaubt. Seine Augen waren gerötet. Er ritt zwischen die ersten Häuser und hatte keine Ahnung, dass er erwartet wurde.

Es waren drei junge Frauen, gekleidet wie Männer. Um die Hüften einer jeden lag ein Revolvergurt, im Holster steckte ein Revolver. Jede von ihnen hielt eine Winchester in der Hand, und in ihren Augen waren nichts als Hass und tödliche Entschlossenheit.

»Das ist er!«, stieß Rhonda Lee, die älteste der drei Schwestern hervor. »Verteilt euch!«

Carol und Gwendoline huschten davon.

Der Satan begann, die Karten für ein höllisches Spiel zu mischen.

Der heiße Südwind trieb auf der Mainstreet des Ortes Staubwirbel und Tumbleweeds vor sich her, die an Vorbauten und Gehsteigen hängen blieben. Die Menschen waren vor der Hitze in ihre kühleren Behausungen geflohen, der Hitchrack vor dem Saloon war verwaist.

Aus der Passage neben dem Saloon trat nun Rhonda Lee. Sie war mittelgroß und schlank, unter ihrem schwarzen Stetson quollen dunkle Haare hervor. Ihre grünlich-braunen Augen flirrten vor Kälte. Die Mündung der Winchester, die sie an der Hüfte im Anschlag hielt, deutete auf den verstaubten Reiter.

Der sah sie und parierte augenblicklich sein Pferd. Seine rechte Hand löste sich vom Zügel und legte sich auf seinen Oberschenkel neben das Holster mit dem schweren, langläufigen Navy-Colt. Aus entzündeten Augen und verständnislos musterte er die burschikose Frau mit dem Gewehr.

»Endlich!«, peitschte deren Stimme. »Seit fast Wochen jagen wir dich. Nun haben wir dich eingeholt. Die Stunde der Wahrheit, Ledbetter. Du wirst in diesem Drecknest deinen letzten Atemzug machen.«

Einen Moment lang schien der Mann ihren Worten nachzulauschen. Dann erwiderte er staubheiser: »Du irrst dich, Lady. Mein Name ist Pearson – James Pearson. Ich bin in diesem Nest mit meinem Bruder und zwei Freunden verabredet. Wir wollen gemeinsam weiter nach Kalifornien.«

Rhonda lachte klirrend auf. »Erzähl das dem Satan in der Hölle, Gregg Ledbetter«, fauchte sie. »Los, runter vom Gaul! Ich gebe dir eine Chance. Sobald dein Fuß die Straße berührt, kannst du nach dem Revolver greifen. Ja, du hörst richtig. Du bekommst die Chance, die du unserem Vater nicht gelassen hast.«

»Du sprichst in der Mehrzahl, Lady«, stieß der Reiter hervor. »Wer außer dir will mich noch aufs Korn nehmen?«

»Ich zum Beispiel!«, rief Carol Lee, die zweitälteste der Schwestern. Sie sah Rhonda sehr ähnlich. Man hätte sie für Zwillinge halten können. Sie war allerdings zwei Jahre jünger als Rhonda.

Carol war aus dem Schutz eines Gebäudes auf der anderen Straßenseite getreten. Auch sie hielt das Gewehr an der Hüfte, ihr Zeigefinger lag am Abzug.

»Ich bin auch noch da!«, erklang es zwei Häuser weiter, und die jüngste der Schwestern, Gwendoline Lee, erschien in der Mündung einer engen Seitenstraße, die hinter der Häuserreihe in der Wildnis endete. Ihre Winchester deutete ebenfalls auf den Reiter. Auch sie sah ihren Schwestern frappierend ähnlich und war, wie auch Rhonda und Carol, ausgesprochen hübsch.

Sie hatten den verstaubten und verschwitzten Mann, der sich James Pearson genannt hatte, in der Zange.

Der Reiter begriff das Ausmaß der Gefahr, in der er schwebte, und dass er in diesem Nest dem Tod ins höhnisch grinsende Auge blickte. Er spürte es mit der Intensität eines Mannes, den die Knochenhand bereits berührte.

Die drei Schwestern waren nur wenige Minuten vor dem Reiter in der Stadt eingetroffen. Auch sie waren verstaubt und verschwitzt. Sie hatten den Reiter in einer weitläufigen Ebene in Richtung Westen ziehen sehen und waren überzeugt, den Mörder ihres Vaters eingeholt zu haben.

Im Schutz der Felsen, die die Ebene säumten, hatten sie ihn überholt, um ihn in Warm Springs zu stellen. Ihre abgetriebenen Pferde hatten sie am Stadtrand bei den Corrals, Koppeln und Pferchen für die Nutztiere der Stadtbewohner zurückgelassen.

»Du sprichst in Rätseln, Lady!«, rief der Mann, der bestritt, Gregg Ledbetter zu sein. Sein Gesicht verriet die Anspannung, die ihn bis in die letzte Faser seines Körpers befallen hatte. »Wer war dein Vater?«

»Kenneth Lee, Sheriff von Sunnyside. Er hatte deine Kugel im Herzen, als man ihn fand. Mehrere Leute haben dich gesehen. Man hat dich uns beschrieben. Zudem kommst du aus der Richtung, in die der Mörder meines Vaters geflohen ist.«

»Warum sollte ich auf euren Vater schießen? Ich war nie in Sunnyside. Mit einem Sheriff namens Kenneth Lee hatte ich nie zu tun.«

Pearsons unruhiger Blick suchte nach einem Ausweg. Er spürte ganz deutlich, dass die Schwestern davon überzeugt waren, den Mörder ihres Vaters vor sich zu haben. Seinen Beteuerungen, dass er es nicht war, würden sie keinen Glauben schenken.

Angesichts dreier auf sich gerichteter schussbereiter Gewehre war es schwer, die Nerven zu bewahren. Ein eisiger Hauch schien Pearson anzuwehen.

»Absteigen, Ledbetter!«, klirrte Rhondas Stimme.

»Verdammt, Lady, ich bin James Pearson!« Er brüllte es, ließ sich seitlich vom Pferd fallen – und riss den Colt aus dem Holster.

Ihm blieb nichts anderes übrig, als alles auf eine Karte zu setzen. Diese Weiber wollten ihn tot sehen. Sie wollten Rache für den Mord an ihrem Vater und ihm, dem Mann, den sie für seinen Mörder hielten, eine blutige Rechnung präsentieren.

Die Gewehre peitschten. Pearson, der auf der Straße aufgeprallt war, versuchte die Hand mit dem Revolver zu heben, sah Rhonda Lee mit erstarrtem Gesichtsausdruck neben dem Saloon stehen und verfluchte sie sowie ihre Schwestern mit seinem letzten Atemzug.

Er rollte auf den Rücken, die Faust mit dem Revolver fiel in den Staub, seine Züge erschlafften, gebrochene Augen starrten zum wolkenlosen Himmel hinauf.

Das Pferd war zwei, drei Schritte zur Seite getänzelt, prustete und scharrte mit dem Huf, war aber zu erschöpft, um erschreckt von den Schüssen zu fliehen.

Die Detonationen waren verhallt. Pulverdampf zerflatterte im Wind.

Die Karten waren verteilt worden. Der Satan hatte das Verliererblatt James Pearson zugeteilt ...

Von drei Seiten näherten sich die tödlichen Schwestern der stillen Gestalt auf der Straße. Ihre Mienen zeigten nicht die Spur einer Gemütsregung. Sie hatten die Gewehre sofort wieder durchgeladen, und die Mündungen wiesen auf James Pearson.

Doch von dem ging keine Gefahr mehr aus. Sein Blut versickerte im Staub der Mainstreet von Warm Springs.

Niemand kam auf die Straße. In der Stadt schien man den Atem angehalten zu haben. An einigen der verstaubten Fenster waren verschwommene Gesichter zu sehen, die aber sofort wieder verschwanden. In Warm Springs hatten Ruhe und Frieden geherrscht. Nun waren Gewalt und Tod in die Stadt gekommen. Ein Fremder war erschossen worden. Er schien ein Mörder gewesen zu sein. Man würde ihn auf dem Boot Hill verscharren, und kein Hahn würde nach ihm krähen.

Die drei Schwestern waren bei dem Toten angelangt. Rhonda bückte sich und nahm ihm den Colt aus der Hand. »Damit hat er Dad ermordet«, presste sie zwischen den Zähnen hervor und starrte auf die Waffe. Plötzlich verengte sie die Augen. In den Griff aus Walnussholz waren Initialen eingeritzt. Ein J und ein P.

Stand das J für James, das P für Pearson? Rhonda presste die Lippen zusammen.

»Seht in seinen Satteltaschen nach«, gebot sie ihren Schwestern. Ein furchtbarer Verdacht drängte sich ihr auf. Hatten sie den falschen Mann getötet?

Rhonda selbst durchsuchte die Taschen des Toten.

Carol, die eine der Satteltaschen filzte, zog ein zusammengefaltetes Blatt Papier heraus, faltete es auseinander und heftete den Blick darauf. »Ein Steckbrief«, ächzte sie. »Gesucht wird James Pearson, der in Arizona mit seinem Bruder und zwei Komplizen einige Raubüberfälle durchgeführt hat, bei denen es auch Tote gab. Auf ihn sind zweitausend Dollar Belohnung ausgesetzt. Zur Hölle, Rhonda! Das Bild auf dem Steckbrief ... Der Mann, den wir getötet haben, ist tatsächlich James Pearson. Wir haben den Falschen zur Rechenschaft gezogen.«

Rhonda nahm den Steckbrief und las. Dann nickte sie. Betroffenheit prägte ihr Gesicht. »Seine Ähnlichkeit mit Ledbetter ist verblüffend.«

Nun erhob Gwendoline, die jüngste der Schwestern, die Stimme, indem sie hervorstieß: »Einen Trost haben wir. Es ist kein Unschuldiger gestorben. Der Steckbrief beweist es. Pearson ist in Arizona wahrscheinlich der Boden unter den Füßen heiß geworden, und er hat sich abgesetzt. Er wollte sich hier mit seinem Bruder treffen, um nach Kalifornien zu reiten. Wir haben nur für Gerechtigkeit gesorgt.«

»Die Jagd geht weiter«, murmelte Rhonda. »Ledbetters Spur führte in Richtung Warm Springs. Erkundigen wir uns, ob er hier gesehen worden ist und wohin er sich gegebenenfalls gewandt hat.«

»Die Menschen hier verkriechen sich in ihren Häusern wie Ratten in ihren Löchern«, sagte Carol verächtlich. »Bringen wir die Pferde in den Mietstall und reden wir mit dem Stallmann.«

Sie gingen davon.

Zurück blieben der Leichnam und das verstaubte, erschöpfte Pferd.

»Ich habe den Mann, den Sie suchen, nicht in der Stadt gesehen«, beantwortete der Stallmann Rhondas Frage. »Wenn er in dieser Gegend war, dann ist er an Warm Springs vorbeigeritten.«

»Wohin kann er sich gewandt haben?«, fragte Rhonda. »Gibt es irgendwelche Siedlungen in dieser gottverlassenen Gegend?«

»Ja, gibt es«, antwortete der Stallbursche, ein faltiger Oldtimer, dem einige Zähne fehlten und der unablässig einen Priem von einer Backentasche in die andere wechselte. »Da wäre zunächst mal Tonopah. Die Town befindet sich etwa fünfzig Meilen westlich von hier an der Poststraße. Einen Tagesritt südlich von Tonopah liegt Goldfield, und einen halben Tagesritt südlich von Goldfield liegt Lida Junction. Das sind die drei Orte, die ich kenne. Bis zur kalifornischen Grenze ist nur Felswüste.«

Vom Tor des Mietstalls her erklang eine raue Stimme. »Ehe Sie reiten, werden Sie mir erst einmal ein paar Fragen zu beantworten haben, Ladys!«

Sie wandten sich dem Sprecher zu. Er trug einen Stern an der Brust, war Ende zwanzig, wirkte etwas übergewichtig, und unter seinem Hut lugten brandrote Haare hervor.

»Mein Name ist Miller«, erklärte er. »Ich bin Deputy Sheriff in Warm Springs.«

Rhonda Lee holte den zusammengefalteten Steckbrief von James Pearson aus der Westentasche und setzte sich in Bewegung. Als sie den Hilfssheriff erreicht hatte, reichte sie ihm das Blatt Papier. »Wir sind hinter dem Mörder unseres Vaters her. Dad trug den Stern in Sunnyside. Sein Mörder heißt Gregg Ledbetter. Er hatte Pferde gestohlen. Seine Ähnlichkeit mit dem Burschen, den wir getötet haben, war frappierend.« Sie zuckte gleichmütig mit den Schultern. »Nun, Deputy, James Pearson war kein unbeschriebenes Blatt. In Arizona wartete auf ihn der Galgen. Sie können den Steckbrief behalten. Uns werden Sie ja wohl kaum Probleme bereiten. Wir haben einen Banditen aus dem Verkehr gezogen.«

Hank Miller schaute sich den Steckbrief an, dann nickte er und sagte: »Ja, das ist er. Nun, ich werde das Justizministerium in Phönix verständigen. Sie haben von mir nichts zu befürchten, Ladys.«

»Er hat uns, ehe er starb, verraten, dass er auf seinen Bruder und zwei Freunde wartet«, sagte Rhonda. »Ich denke, es sind der Bruder und die beiden Komplizen, die auf dem Steckbrief erwähnt sind.«

»Der Steckbrief gilt nur im Arizona-Territorium«, versetzte der Deputy. »In Nevada ist er nicht mal das Papier wert, auf dem er abgedruckt ist. Kommt, ehe ihr weiterreitet, in mein Büro. Ihr müsst mir ein Protokoll unterzeichnen.«

»Wir kommen«, versicherte Rhonda.

Der Deputy tippte lässig an die Hutkrempe, machte kehrt und stapfte davon. Den Steckbrief nahm er mit.

Die Schwestern erwarben im Store Pemmikan und getrocknetes Fleisch, füllten ihre Flaschen mit Wasser, unterzeichneten im Sheriff's Office das Protokoll, das Hank Miller niedergeschrieben hatte, und machten sich auf den Weg.

Gwendoline ritt auf der Poststraße nach Westen, wo fünfzig Meilen weiter Tonopah lag. Rhonda wandte sich nach Südwesten und nahm den Weg nach Goldfield. Carol begleitete sie. Von Goldfield aus wollte sie nach Lida Junction, das noch weiter südlich lag.

Sie vereinbarten, sich in einer Woche in Goldfield zu treffen. Dann hatten sie entweder wieder die Spur des Mörders ihres Vaters aufgenommen, oder er war über alle Berge, und ihnen blieb nichts anderes übrig, als nach Hause zurückzukehren.

Zwei Tage später waren die Schwestern am Ziel. Gwendoline, die jüngste des Trios, mietete in Tonopah im Hotel ein Zimmer, setzte sich ans Fenster und beobachtete den Eingang des Desert-Saloons, der dem Hotel schräg gegenüber auf der anderen Seite der Mainstreet lag. Es war der einzige Saloon der Stadt, und wenn Gregg Ledbetter in der Stadt weilte, würde er ihn irgendwann aufsuchen.

Im Gästebuch des Hotels hatte sie seinen Namen nicht gefunden. Es war natürlich nicht auszuschließen, dass Ledbetter einen falschen Namen in die Kladde geschrieben hatte.

Den Rezeptionisten hütete sie sich zu fragen, ob sich ein etwa sechs Fuß und drei Zoll großer, schlanker Mann mit blondem Haar ein Zimmer im Hotel genommen hatte, denn das schien ihr nicht ungefährlich zu sein, und ihre Erkundigungen im Mietstall waren erfolglos.

Sie beobachtete die Postkutsche, die von Warm Springs herüberkam und vor dem Depot der Wells Fargo Company anhielt. Drei Passagiere stiegen aus – zwei Männer und eine Frau. Während das Gespann ausgewechselt wurde, unterhielten sich der Kutscher und sein Begleitmann mit dem Stationer. Eine Stunde später fuhr die Kutsche wieder ab. Sie rollte nach Westen, zur kalifornischen Grenze.

Der Stationer hatte von den beiden Fahrern der Kutsche die Geschichte erzählt bekommen, die sich in Warm Springs zugetragen hatte. Es fielen die Namen James Pearson und Gregg Ledbetter. Der Stationsvorsteher verbreitete die Story unter seinen Gehilfen, und nach und nach machte sie in Tonopah die Runde. Das konnte Gwendoline Lee jedoch nicht ahnen.

Sie sah um die Mitte des Nachmittags einen Reiter von Westen her am Hotel vorbei und zum Mietstall reiten. Obwohl er im Sattel saß, glaubte Gwendoline erkennen zu können, dass es sich um einen großen Mann handelte. Er hatte breite Schultern und schmale Hüften. Auf seinem Kopf saß ein schwarzer Stetson, unter dem nackenlanges sandfarbenes Haar hervorquoll. Er trug einen Revolvergurt, und im Scabbard an seinem Sattel steckte eine Winchester.

Es handelte sich nicht um Ledbetter.

Der Reiter verschwand aus Gwendolines Blickfeld.

Es wurde Abend und Gwendoline verspürte Hunger. Also verließ sie das Hotelzimmer und begab sich in den Saloon. Er war nur von einer Handvoll Gästen frequentiert. Sie saßen an vier Tischen verteilt.

Auch der Reiter mit dem sandfarbenen Haar, den Gwendoline am Nachmittag in die Stadt hatte kommen sehen, saß an einem der Tische. Vor ihm stand ein Krug mit Wasser. Er rauchte einen Zigarillo.

Gwendoline wurde von den Männern kurze Zeit taxiert, dann wandten sich die Blicke wieder von ihr ab. Sie nahm Platz und wartete darauf, dass der Keeper kam und sie nach ihren Wünschen fragte.

Er ließ nicht lange auf sich warten. Gwendoline bestellte sich eine Portion Stew und ebenfalls einen Krug Wasser.

Je dunkler es wurde, umso mehr Männer kamen in den Saloon. Der Kellner machte Licht, indem er die Kerosinlampen anzündete, die über den Tischen von der Decke hingen. Ein heilloses Durcheinander von Stimmen, Gelächter und dem Poltern von harten Absätzen auf den Dielen des Fußbodens erfüllte den Schankraum. Schwaden von Tabakrauch zogen um die Lampen.

Gwendoline wollte schon zahlen, um sich wieder auf ihr Zimmer zurückzuziehen, als ein Mann den Schankraum betrat, der sofort ihre Aufmerksamkeit erregte.

Sie war sich sicher, Gregg Ledbetter vor sich zu haben. Im Holster an seinem rechten Oberschenkel steckte ein langläufiger Colt-Revolver.

Wie es aussah, war der Mann soeben in Tonopah angekommen. Auf seinen Schultern und auf der Krempe seines Hutes lag feiner Staub.

Für Gwendoline bestand nicht der geringste Zweifel. Die Beschreibung passte.

Er ging zur Theke, legte beide Unterarme darauf und stellte den Fuß auf die Messingstange, die unten am Schanktisch entlanglief. Nachdem er zum Keeper etwas gesagt hatte, schenkte der ihm ein Glas mit Whisky ein und stellte es vor ihn hin.

Ledbetter trank einen Schluck, dann drehte er sich um und ließ den Blick durch den Schankraum schweifen. Es war ein scharfer, stechender Blick, der wachsame Blick des ständig Gehetzten, des Verfemten, des Gesetzlosen.