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Kai Pluschkat ist auf der Suche nach Laufabenteuern. Er besucht dabei Veranstaltungen an ganz besonderen Orten und beschreibt seine Erlebnisse. Er läuft zum Beispiel einen Halbmarathon in einem Bürogebäude und erläuft das Matterhorn. Auch vor der Königsdisziplin Triathlon macht er keinen Halt. Ebenfalls beschreibt er, wie es ist, in einem Salzbergwerk 700 Meter tief unter der Erde zu laufen oder vor Zombies davonzulaufen.
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Für Bine
Matterhornlauf
Lauf durch die Grüne Hölle
Strongmanrun
Horizontweg Marathon
Indoor Marathon
Hamburg Triathlon
Untertage Marathon
Zombie Run
Ahrathon
Zeitsprung Marathon
Hallenmarathon
Virtual Run
Ziel
Mein Duell mit dem Olympiasieger Pirmin Zurbriggen fand glücklicherweise nicht auf Skiern statt, sondern auf der Laufstrecke. Als Leichtgewicht habe ich vielleicht sogar eine Chance den Abfahrtsstar zu besiegen, und zwar wegen des ungewöhnlichen Terrains. Beim Matternhornlauf geht es die gesamten 14 km bergauf. Hier zählt jedes Gramm Körpergewicht. Man muss eine Höhendifferenz von 1001m überwinden. Das ist meine Chance, Pirmin!
Ich hatte meinen Körper in Bestform gebracht mit Intervallläufen und bin die steilsten Anstiege in der Heide mehrfach gerannt. Als Generalprobe diente der Lauf auf den Brocken. Dort erhielt ich einen ersten Eindruck, was mich erwartet. 10km in der Ebene abzuspulen war kein Problem, aber am Berg verloren jene Muskeln innerhalb weniger Minuten ihre Wirkung. Wenn ich in Zermatt ins Ziel kommen wollte, würde das nur mit perfekt eingeteiltem Lauftempo gelingen. Besonders in den steilen Bergpassagen.
Was ist so tückisch an den Bergläufen? Die häufigen Wechsel des Steigungsgrades und die wechselnden Laufuntergründe. Die 14km vom Zermatter Bahnhof in 1605m über dem Meer bis zum Schwarzsee auf 2580m bestehen nur zu 30% aus asphaltierten Straßen, besonders im unteren flacheren Bereich. Der Rest besteht aus Wanderwegen und Bergpfaden. Teils mit Schotter bedeckt, teils von Baumwurzeln durchzogen, mitunter steil ansteigend. Bei Km 10 in Höhe Pumpstation Stafel geht es sogar bergab. Die körperliche Anforderung ist enorm. Die Intensität der Ausdauerleistung ist deutlich höher als beim Lauf in der Ebene. Je steiler das Gelände, desto schwieriger ist es Erholung zu finden. Selbst bei gedrosseltem Lauftempo. Gefragt sind gnadenloses Stehvermögen und eine großzügige Laktattoleranz. Und dann ist da noch die dünne Höhenluft, die ab 2500m Höhe 25% weniger Sauerstoff enthält. Und die Lüneburger Heide liegt auf Meeresniveau. Mein Körper würde also nach Sauerstoff gieren, wenn ich mich von einem auf den anderen Tag in die Schweizer Hochalpen begebe. Es hieß also: Laufen, quälen, durchbeißen, bis das Laktat aus allen Poren quillt.
Tja, und da sitze ich nun beim Frühstück in Zermatt. Eine Stunde vorm Start zum Matterhornlauf. Der Blick aus dem Fenster zeigt die berühmteste Gipfelpyramide der Welt. Ein traumhaftes Panorama, wie von einer Postkarte.
Das Dorf ist gefüllt mit Elektroautos und lächelnden Japanern. Ein ständiges Kommen und Gehen, wie in einem Bienenkorb. Nahezu jedes Gebäude hier ist ein Hotel. Es ist verboten mit dem eigenen Wagen bis hierher zu fahren. Aber in Täsch, einem Dorf talabwärts, kann man den Wagen parken und in den Zug steigen.
Noch 40min bis zum Start. Ich begebe mich zum Bahnhofsplatz. Das Gros der Starter ist schon versammelt. Die Stimmung vor dem Start, die Spannung und Vorfreude diesen Berg hochzurennen, lässt meinen Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen.
Von Pirmin Zurbriggen ist nichts zu sehen. Unser Zweikampf wird nur ein Fernduell. Er startet dieses Jahr nicht. Letztes Jahr hat der ehemalige Olympiasieger bei seinem vierten Matterhornlauf eine ordentliche Zeit hingelegt mit 1:48:35 Stunden. Heute liegt es an mir, eine ähnliche Zeit in den Berg zu trampeln. Unter zwei Stunden zu bleiben, also 500 Höhenmeter pro Stunde zu machen und Kilometerzeiten von c 8min hinaufzuspulen, sollte machbar sein. Aber ob ich die 1:50 Stundenschallmauer durchbreche…
Ich fühle mich gut und weiß, dass ich optimal vorbereitet bin. So optimal, wie man es in der Lüneburger Heide machen kann.
Der Startschuss fällt. Unser Tross setzt sich in Bewegung. Das Tempo ist moderat. Zuerst durch den Zermatter Ortskern, dann am Dorfausgang einen ersten kurzen, aber knackigen Anstieg hoch. Ich versuche mein eigenes Tempo am Berg zu finden. Ein paar Läufer ziehen gazellenartig an mir vorbei, vermutlich einheimische. Sogar eine Frau, die ihren Proportionen nach zu urteilen, bestimmt 10 Kilo mehr auf die Waage bringt als ich. An dieser muss ich dranbleiben. Denn mir erscheint ihr Tempo durchaus realistisch und es kann einfach nicht sein, dass sie schneller ist als ich.
Leider erfahre ich bei Kilometer 11, dass es doch so sein kann. Oberhalb der Pumpstation Stafel beginnt ein mörderisch steiler, ca 600m langer Abschnitt, auf dem jede Art von Laufen unmöglich ist. Aus meiner Sicht. Die Oberschenkel fangen derart zu schmerzen an, dass ich nur gehen kann und die Hände auf die Knie stützen muss, um mich aufwärts zu hieven. So gerate ich Meter um Meter in Rückstand. Mein Herz pumpt wie ein Blasebalg, die Lungen scheinen hingegen nicht mehr zu funktionieren. Es fühlt sich an, als würde ich durch einen Strohhalm atmen. Mein ganzer Körper glüht. Es ziehen weitere Läufer auf den letzten Kilometern vorbei. Mein Stehvermögen hat jetzt seine Grenze erreicht. Mehr Laktat geht einfach nicht. Ich bin an meinem Limit angekommen. Und dann im Ziel…endlich!
Ich bin stolz auf meine Leistung. Mit einer Zeit von 1:50:46 Stunde bleibe ich deutlich unter der Zweistundenmarke. Meinen virtuellen Konkurrenten schaffe ich nicht zu besiegen, knapp 2 min fehlen dafür. Aber ich bin nahezu so schnell wie ein Olympiasieger! Wenn auch nicht in seiner Spezialdisziplin. Was will man mehr?
Laufveranstaltungen gibt es ja mittlerweile fast wie Sand am Meer. Eins haben aber beinahe alle gemeinsam: Es handelt sich meist um einen Stadtlauf, einen Landschaftslauf, eine Kombination aus beidem oder einem Traillauf. Dies soll auf keinen Fall negativ klingen, Abwechslung gibt es hier genug und auch die eine oder andere Perle. Dann gibt es aber eben doch ein paar Läufe, die sich völlig von den anderen abheben, was zumindest die Streckenführung angeht: Läufe unter Tage, im Gebäude, im Knast, mit Matsch und Hindernissen oder eben einen Lauf auf einer Strecke, die normaler Weise qualmenden Reifen gehört.
Mythos Nürburgring, nicht nur für Motorsportfreunde. Die Laufstrecke der großen Runde führt über einen Teil der heutigen Grand-Prix-Strecke und komplett über die 20,8 km lange Nordschleife. Die Gesamtdistanz beträgt 24,4 km, dabei sind ca. 560 Höhenmeter zu absolvieren.
