Launische Diva - Christopher Michel - E-Book

Launische Diva E-Book

Christopher Michel

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Beschreibung

1960 erreichte die Frankfurter Eintracht überraschend das Finale im Europapokal der Landesmeister. Das Spiel gegen Real Madrid gilt als »Jahrhundertspiel«: Vor 128 000 Zuschauern im Hampden Park zu Glasgow siegte Real zwar mit 7:3. Doch große Trauer herrschte unter den hessischen Amateurkickern nicht lange. Der Stolz überwog, nach einer starken Europacup-Saison als erste deutsche Vereinsmannschaft im Endspiel des Wettbewerbs gestanden zu haben. Jeder Fußballfan hat seinen Lieblingsverein, mit dem er durch dick und dünn geht, und glaubt, alles zu wissen und zu kennen: die größten Triumphe, schmerzhafte Niederlagen, die höchsten Siege, die schönsten Tore, peinliche Skandale und natürlich – edle Techniker und Raubeine auf dem Feld und sagenhafte Trainer an der Seitenlinie. Doch wer kennt neben den Eckdaten all die kleinen Ereignisse am Rande der großen Spiele, die spannenden Randaspekte und kuriosen Fakten rund ums runde Spielgerät? Wer weiß, was sich bei seinem Verein neben dem Platz abspielt? Im Leben lernt man niemals aus, genauso wie als Fußballfan.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Christopher Michel

LAUNISCHE DIVA

WARUM WIR EINTRACHT FRANKFURT LIEBEN

Christopher Michel

LAUNISCHEDIVA

WARUM WIREINTRACHT FRANKFURTLIEBEN

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Originalausgabe

1. Auflage 2018

© 2018 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Daniel Michel/fussball.news

Umschlaggestaltung und Layout: Manuela Amode, München

Umschlagabbildung: Shutterstock/Tond Van Graphcraft

Illustrationen im Innenteil: Shutterstock/C.Berlin; Shutterstock/AlinaAlina; Shutterstock/Tond Van Graphcraft

Satz: Digital Design, Eka Rost

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

eBook: ePubMATIC.com

ISBN Print 978-3-7423-0578-7

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0135-9

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0134-2

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

INHALT

Meilensteine

Zitate

Legendäre Triumphe

Herz-Schmerz-Niederlagen

Spitznamen

Transfergeschichten

Derby-Time

Magische Tore

Schleifer und Taktik-Füchse

Legenden und Kultspieler

Aus der Nordwestkurve

Skandale und Peinliches

Soziales Engagement

Show und Business

Zahlen und Rekorde

Liebe Fans und Freunde der Eintracht,

nur sechs deutsche Vereine erreichten in der Geschichte der Champions League beziehungsweise im Cup der Landesmeister das Endspiel – als erstem deutschem Team glückte dieses Kunststück Eintracht Frankfurt im Jahr 1960. Gut, Real Madrid war im Finale von Glasgow gegen die hessischen Teilzeit-Jobber dann doch noch einen Tick stärker und gewann mit 7:3. Aber das Beispiel belegt: Eintracht Frankfurt besitzt große Tradition und zählt zu den erfolgreichsten Vereinen in der deutschen Fußballgeschichte.

Gegenwärtig ist durch das Erreichen des DFB-Pokalfinales 2017 wieder Euphorie entfacht worden, ohnehin besuchen im Schnitt fast 50 000 Fans die Spiele der Eintracht in der Commerzbank-Arena.

Für mich ist das ein willkommener Anlass, euch ein Buch zur Eintracht anzubieten, das euch beim Lesen Freude bereitet. Ich habe versucht, legendäre Spiele, große Persönlichkeiten, kuriose Geschichten und nüchterne Fakten erfolgreich zu mixen. Ich gebe damit Einblicke in die Historie der SGE, erhebe aber nicht den Anspruch, ein vollständiges Lexikon zu liefern.

Da ich schon einige Jahre journalistisch tätig bin, aber erstmals ein Buch veröffentliche, bedanke ich mich bei riva für das Vertrauen und freue mich besonders über euer Feedback. Gern könnt ihr per Mail eure Eindrücke zum Buch schildern: [email protected]

Euer Christopher Michel (im Januar 2018)

Zum Autor: Christopher Michel, Jahrgang 1985, ist seit vier Jahren als freier Journalist und Reporter vor Ort bei der Eintracht tätig. Zu seinen beruflichen Stationen zählen die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks und das Nachrichten-Portal fussball.news. Auf Twitter ist er zu finden unter @SGEChris1985.

1. KAPITEL

MEILENSTEINE

Eintracht Frankfurt zählt zu den größten und erfolgreichsten Traditionsvereinen im deutschen Fußball. Die Meilensteine zeigen einige wesentliche Entwicklungsschritte in der nun 119-jährigen Geschichte des Klubs auf.

Victoria und Kickers als »Eltern« der Eintracht

Eintracht Frankfurt besitzt Tradition und gilt als große Fußball-Familie. Der Familienstammbaum im Überblick:

Der »Opa«: Der Fußball-Club Germania Frankfurt wurde am 26. August 1894 gegründet. Der Klub gilt als der erste für damalige Verhältnisse große Fußball-Verein in Frankfurt. Die Begeisterung für Fußball nahm weiter zu, die Mitglieder bei Germania wollten aber auch auf ihre Einsatzzeit kommen. Zudem fehlten in Frankfurt noch Gegner auf Augenhöhe, weshalb die Mannschaft oft lange Auswärtsfahrten auf sich nehmen musste. In der Folge entstanden weitere Klubs in Frankfurt.

Der »Vater«: Der Frankfurter Fußball-Club Victoria entstand am 8. März 1899. Albert Pohlenk wurde von den 15 Mitgliedern zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der Tag gilt heute als Gründungsdatum von Eintracht Frankfurt. Im Januar 1900 zählte die Victoria auch zu jenen 86 Klubs, die in Leipzig den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus der Taufe hoben.

Die »Mutter«: Die Frankfurter Kickers wurden vermutlich am 13. November 1899 ins Leben gerufen. Sie schlossen sich zudem am 28. November 1900 mit dem Frankfurter Fußball-Club 1899 zum Frankfurter Fußball-Club 1899 - Kickers zusammen. Fußball-Pionier Walther Bensemann spielte zeitweise selbst im Team mit. 1908 gesellte sich noch der Fußball-Verein Frankfurt zu den Kickers hinzu, der vollständige Name lautete nun Fußball-Verein Frankfurter Kickers.

Die »Hochzeit«: Am 13. Mai 1911 fusionierten Victoria und Kickers zum Frankfurter Fußball-Verein (Kickers-Victoria) von 1899.

Die »Geburt« der Eintracht: Nach dem Ersten Weltkrieg musste sich der Frankfurter Fußball neu aufstellen. Im April 1920 gingen Kickers-Victoria und die Frankfurter Turngemeinde von 1861 zur Turn- und Sportgemeinde Eintracht Frankfurt von 1861 in einem Verein auf. Erstmals taucht demnach der Klub-Name Eintracht auf!

Komplikation am Rande: Weil die deutsche Turnerschaft von ihren Untergliederungen eine Trennung von den Fußball-Klubs verlangte, folgte im Juni 1927 die Aufspaltung in Turngemeinde Eintracht Frankfurt von 1861 und Sportgemeinde Eintracht Frankfurt (F.F.V) von 1899. Der Fußball-Klub nahm damit wieder Bezug auf das Gründungsdatum von Victoria am 8. März 1899.

Ein letzter formaler Akt der Vereinsgründung erfolgte zwischen Ende 1967 und Oktober 1969: Die Sportgemeinde Eintracht von 1899 e.V. und die Turn- und Fechtgemeinde Eintracht Frankfurt von 1861 e.V. fusionierten und firmieren seitdem unter dem Namen Eintracht Frankfurt e.V.

Die »Schlappekicker« etablieren sich als Top-Team im Deutschen Reich

»Schlappekicker« erweckt den Eindruck, jemand sei ein schwacher, schlapper Fußballer. Im Bezug auf Eintracht Frankfurt stellt es aber eher ein Kompliment dar. Der Hintergrund: Die Frankfurter Schuhfabrik »J. & C.A. Schneider« unterstützte ab Mitte der 1920er-Jahre die Eintracht-Spieler. Das 1911 von den jüdischen Geschäftsleuten Fritz und Lothar Adler übernommene Unternehmen stellte einem Teil der Spieler Arbeitsplätze zur Verfügung, während die Kicker vor allem für die Eintracht auf Torejagd gehen konnten. Echtes Sponsoring und hohe Gehaltszahlungen des Vereins waren damals noch verboten, weshalb die Alternative, ein gut bezahlter Teilzeit-Job, für Top-Fußballer sehr verlockend war. Der Begriff »Schlappekicker« leitete sich davon ab, dass die Schuhfabrik vor allem Hausschuhe herstellte, die im Frankfurter Dialekt »Schlappe« hießen. Es sprach sich herum, wo die Spieler zum Großteil arbeiteten, weshalb sich »Schlappekicker« als Synonym für die Eintracht entwickelte.

Süddeutscher Meister unddeutscher Vize-Meister:Die ersten großen Titel für die Eintracht

Jene »Schlappekicker« spielten um die 1930er-Jahre erfolgreich auf. Die Frankfurter entwickelten sich zu einem der Top-Vereine im deutschen Reichsgebiet und begannen dem Konkurrenten FSV Frankfurt (deutscher Vize-Meister 1925) den Rang abzulaufen. 1930 wurde die Eintracht süddeutscher Meister, es war der erste große Titel der Vereinsgeschichte. Die Eintracht war zudem rund fünf Jahre Dauergast bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft: 1928 kam sie bis ins Achtelfinale, 1930 und 1931 reichte es für das Viertelfinale, bevor 1932 der Einzug ins Endspiel glückte (0:2 gegen den FC Bayern). Mit dem Ausscheiden im Halbfinale 1933 endete die erste sportliche Blütephase der Frankfurter. Bis zum Kriegsende 1945 sollte es nur noch einmal mit dem Erreichen der Endrunde klappen (1938).

Die nächsten großen Erfolge der Eintracht folgten erst über 20 Jahre später: 1959 gewann Frankfurt das erste und bislang einzige Mal die deutsche Meisterschaft. 1960 glückte zudem der Einzug in das Finale des Landesmeistercups.

»Juddebube« als historisches Vermächtnis

Die Rolle der deutschen Fußball-Klubs in der Nazi-Zeit (1933–1945) wurde im Grunde erst nach der Jahrtausendwende von Vereinen und Historikern intensiv aufgearbeitet. Frankfurt jedenfalls beheimatete vor der Machtergreifung der Nazis unter Adolf Hitler die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland (rund fünf Prozent der Stadtbevölkerung). Wie am Beispiel der »Schlappekicker« aufgezeigt, engagierten sich auch zahlreiche Juden für Eintracht Frankfurt, sei es als Sponsor, als Funktionär oder als Spieler. Das Sponsoring, die gelebte Toleranz und Multikulturalität der Eintracht in den 1920er-Jahren schürte bei anderen Frankfurter Klubs jedoch Eifersucht und Hass, zumal Juden in Deutschland ohnehin großen Vorurteilen ausgesetzt waren. Viele Gegner brachten die Eintracht mit Internationalität, Judentum und Mäzenatentum in Verbindung, und sie schmähten die Eintracht despektierlich als »Juddeklub« und die Spieler als »Juddebube«.

Um das Beispiel der Schuhfabrik »J. & C.A. Schneider« aufzugreifen: In den 1930er-Jahren hatte das Unternehmen noch mehreren Stammspielern der Eintracht einen Arbeitsplatz bieten können. Doch die Machtergreifung durch Hitler änderte alles. Rassenwahn und Judenhass waren nun prägende Elemente.

Die Adler-Brüder, die Leiter der Firma »J. & C.A. Schneider«, wurden 1938 verhaftet und wanderten in der Folge in die USA aus. Der Geschäftspartner der Adler-Brüder, Walter Neumann, ebenfalls ein Jude, floh 1935 nach Holland und dann weiter nach England. Der Autor Ulrich Matheja (Schlappekicker und Himmelsstürmer, Verlag Die Werkstatt) greift auch das Beispiel von Hugo Reiss auf. Reiss amtierte von 1924 bis 1933 als Schatzmeister der Eintracht, dann ergriff auch er die Flucht und wanderte in die USA aus.

Aber auch bei der Eintracht waren überzeugte Anhänger der NSDAP zu finden. So erklärte sich der Klub relativ früh (April 1933) öffentlich bereit, die »Arisierung«, also unter anderem die Verbannung der Juden, im Verein durchzuführen. Egon Graf von Beroldingen durfte mit Beginn des NS-Regimes Klubchef der Eintracht bleiben, galt er doch als den Nazis zugewandt. Zudem hatte er gute Kontakte zu führenden NS-Leuten. Zwar starb der Graf im Oktober 1933, Nachfolger Hans Söhngen war aber schon 1931 der NSDAP beigetreten.

Ein Sprung ins neue Jahrtausend: Mit Matthias Thoma hat die Eintracht einen führenden Mitarbeiter ausgewählt, der sich um historische Themen intensiv kümmert. Er begann in den 1990er-Jahren Artikel für das Klubmagazin zu verfassen, seit 2007 ist Thoma nun Leiter des Fußball-Museums der Eintracht. Thoma hat die sportgeschichtliche Entwicklung der SGE im Fokus, aber auch die politisch-historische Verantwortung und das jüdische Vermächtnis.

So organisierte Thoma 2014 gemeinsam mit dem Frankfurter Fan-Projekt besondere Aktionen: Zur Ehrung der Familie von Walter Neumann, dem einstigen Mitinhaber der Schuhfabrik Schneider, wurden Gedenksteine in der Kennedyallee 89 verlegt. Zu dieser Zeremonie waren auch die Enkel von Neumann gekommen, Michael und Andrew Newmann. Zudem weihte der Fanprojekt-Leiter Stefan von Poetz auf dem Stadiongelände der Eintracht die Skulptur »Im Gedächtnis bleiben« ein. Die Skulptur ist allen Frankfurter Fußballfans gewidmet, die in der NS-Zeit verfolgt oder ermordet wurden.

Riederwald und Waldstadion: Die Eintracht findet ihre Heimat

Ein typisches Problem für die Fußballvereine zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag darin, eine ordentliche und nicht überlaufene Spielstätte zu finden. Germania, Kickers und Victoria spielten zunächst auf der Hundswiese im Frankfurter Westend. Der Platz wurde aber immer schlechter bespielbar. Zudem folgte quasi eine erste Kommerzialisierung: Der süddeutsche Verband verlangte ab 1906/07 ein abgeschlossenes Areal für die Spiele der 1. Mannschaft, auch um den Zuschauerandrang zu ordnen und regelmäßig Eintrittsgelder zu verlangen. Nach der Fusion von Kickers und Victoria erhielt der Klub eine neue Spielstätte an der Roseggerstraße. Die Anlage blieb acht Jahre die sportliche Heimat der Eintracht.

1920, nach der Fusion mit der Turngemeinde und dem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bedingten Neuaufbau, erhielt die SGE eine neue Spielstätte, deren Name bis heute bekannt ist: das Stadion am Riederwald. Das Stadion, zunächst im Stadtteil Bornheim gelegen, galt als eines der modernsten im deutschsprachigen Raum, rund 40 000 Zuschauer fanden ab der Saison 1920/21 darin Platz, 1600 Sitzplätze waren überdacht. Im Oktober 1943, während des Zweiten Weltkriegs, wurde die Anlage durch einen Bombenangriff zerstört. Nach dem Krieg wurde das Gelände für die Wiederaufbereitung und Verwertung von Trümmern genutzt. Die Spielstätte war für die Eintracht nicht mehr nutzbar.

Der Klub ging auf die Suche nach einer neuen Sportanlage. Nicht weit vom alten Gelände in Bornheim entfernt, im Stadtteil Seckbach, folgte ab 1949 der Bau des neuen Stadions am Riederwald. Die Einweihung der neuen Spielstätte erfolgte am 17. August 1952 in einem Testspiel gegen die Olympiaauswahl Ägyptens, das die Eintracht mit 1:4 verlor.

Eine weitere wesentliche Veränderung erfolgte zum Start der Bundesliga-Saison 1963/64. Die Eintracht trug ihre Heimspiele von nun am im größeren Waldstadion aus, das bis heute (Commerzbank-Arena) im südöstlichen Stadtteil Sachsenhausen-Süd liegt. Auch das Waldstadion besitzt eine große Geschichte. Errichtet wurde es 1925 und bot damals schon 35 000 Zuschauern Platz.

Als die Eintracht an der Endrunde der deutschen Meisterschaft 1953 teilnahm, wich sie für das Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:1) bereits in das Waldstadion aus. Da für den Hit gegen den FCK rund 68 000 Karten verkauft wurden, obwohl nur 55 000 Zuschauer in das Stadion passten, kam es zu Schlägereien mit zahlreichen Verletzten. Für die Stadt Frankfurt war das der Anlass, das Stadion zu modernisieren. So konnte die Eintracht am 23. Mai 1959 einen damaligen Zuschauerrekord aufstellen: Im Endrundenspiel gegen FK Pirmasens bejubelten 81 000 Zuschauer einen 3:2-Erfolg ihrer Eintracht.

Nach der Jahrtausendwende startete die Eintracht einen weiteren Kraftakt: Das Waldstadion wurde innerhalb von drei Jahren in einen neuen Fußball-Tempel für 51 500 Zuschauer umgewandelt. Kostenpunkt: rund 190 Millionen Euro. Seit 2005 heißt das Waldstadion offiziell Commerzbank-Arena. Die neue Arena erhielt auch den Spitznamen »größtes Cabrio der Welt«, eine Anspielung auf die Konstruktion des Stadiondaches. Nach rund 15 Jahren plant die Eintracht nun wesentliche Veränderungen am Stadion. Die Nordwestkurve soll zu einer reinen Stehplatztribüne ausgebaut werden. Zudem will die Klub-Führung die Commerzbank-Arena komplett kaufen, was wohl ab dem Jahr 2020 möglich sein könnte. Dazu bedarf es aber noch etlicher Gespräche mit der am Stadion beteiligten Stadt Frankfurt.

Warum die Eintracht 40 Jahre fast durchgehend finanzielle Probleme hatte

Rund 40 Jahre musste Eintracht Frankfurt in regelmäßigen Abständen fürchten, Pleite zu gehen. Strukturell lässt sich die einstige Dauer-Krise von 1964 bis 2004 in zwei wesentlichen Punkten zusammenfassen:

Erstens: Vereinsfunktionäre und Spieler sehnten sich oftmals nach sportlich schnellem Erfolg, dabei ist sportlicher Erfolg nur bedingt planbar und hängt auch von einigen Zufällen ab, gerade wenn es um den deutschen Meistertitel geht. Wurde den hohen Erwartungen nicht entsprochen, folgten meist Spieler-Abgänge, Trainer-Entlassungen, öffentliche Schlammschlachten unter Funktionären, worauf ein Teil des Publikums vorübergehend die Lust an der Eintracht verlor.

Zweitens: Obwohl Frankfurt als der zentrale Finanzplatz in Deutschland gilt, sich milliardenschwere Konzerne und fähige Finanz-Manager vor Ort befinden, gelang es dem Klub zwischen 1964 und 2002 nur selten, seine Finanzen in den Griff zu bekommen. So wurde der bekannte »Anfängerfehler« häufig wiederholt. In der Saisonplanung wurden sportlicher Erfolg und hohe Einnahmen etwa durch großen Zuschauer-Zuspruch vorausgesetzt und mit dieser Prognose dann gearbeitet. Dafür ging die Eintracht oftmals ins Risiko, leistete sich hohe Ablösen für neue Spieler inklusive hoher Spielergehälter und Prämien. Stellte sich der sportliche Erfolg dann nicht ein, kam es schnell zu Problemen.

Die umstrittene Amtszeit des »Fünf-Milliarden-Dollar-Manns«

Wer die Geschichte von Eintracht Frankfurt von den 1970er-Jahren bis zur Jahrtausendwende Revue passieren lässt, muss auf vielen Ebenen die Charakterfrage stellen. Medial wird als Negativ-Beispiel meist Matthias Ohms angeführt. 1983 hielt der Investmentbanker die Eintracht gemeinsam mit dem Immobilienmakler Gernot Gaulke am Leben. Sie besorgten kurzfristig einen zinslosen Kredit in Höhe von 1,1 Millionen D-Mark, damit die Eintracht die DFB-Lizenz erhielt. In einer weiteren Krisenphase des Klubs im November 1988 stieg Ohms zum Präsidenten auf, und er holte Bernd Hölzenbein als Vize-Präsidenten und Wolfgang Knispel als Schatzmeister an seine Seite.