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Im Buch finden insbesondere die Erkenntnisse zahlreicher Krisen in meiner 25-jährigen Ehe sowie mein langjähriger Erfahrungsschatz als Seminarleiterin Ausdruck. Schließlich betrifft es uns alle: Wir sind zunehmend bewusste Individuen und wir leben in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Auf diesem Planeten sind wir alle damit beschäftigt, diese Herausforderung zu bewältigen. Wir bemühen uns sehr vielfältig und individuell um die Harmonie zwischen unseren eigenen Bedürfnissen und denen anderer. Es geht um das gemeinsame Aushandeln, wie wir mit unseren oft sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Gefühlen, Meinungen, Überzeugungen, Eigenschaften, Denkansätzen, Gewohnheiten usw. umgehen. Dieses umfassende Thema behandle ich sehr subjektiv und biete viele Bespiele und Anregungen zum leichteren Verständnis. Insofern ist das Buch mit seinen schönen Fotos auch für "Wenigleser" sehr geeignet. Das Buch kann wie jedes andere "normal" durchgelesen oder auch als "Botschaft des Tages" genutzt werden, indem wahllos eine beliebige Seite geöffnet wird. Die Texte auf jeder Seite sind in sich verständlich und abgerundet. Die umfangreiche Literaturangabe ermöglicht den Lesenden eine individuelle, sehr persönliche Vertiefung des jeweiligen Themas. Wiederkehrende Krisen in meiner Ehe veranlassten mich, dieses Buch zu schreiben. In den Auseinandersetzungen mit Ricardo hatte ich mich so oft anders verhalten, als ich es gewollt und mir vorgenommen hatte. In meinem Erleben versagte ich immer wieder darin, auch in der Krise ruhig zu bleiben, offen und liebevoll. Weshalb nur??? Heute weiß ich: Es gab einen Auslöser, eine Situation, in der ich mich von mir entfernt und den Weg der Trennung eingeschlagen habe. Etwas hat mir Schmerz bereitet, ich hatte ein Gefühl, das ich als unangenehm empfunden habe, das ich lästig fand und loshaben wollte und machte zum Teil Ricardo dafür verantwortlich. Damit lenkte ich meine Aufmerksamkeit von mir selbst und meinem Gefühl ab. Heute weiß ich, welcher d e r ganz entscheidende Moment ist. Genau in dem Moment, in dem ich ein Gefühl, irgendetwas i n mir nicht wahrhaben, nicht annehmen, nicht fühlen möchte, treffe ich eine Wahl: Wenn ich fühle, was da ist und mit meiner Aufmerksamkeit und Wahrnehmung bei mir bleibe, mein Gefühl annehme, zulasse, es ganz und gar fühle, dann stehe ich zu mir, stehe ich mir bei. Diese Entscheidung nenne ich den Weg nach Innen. Wenn ich mich von meinem Gefühl abwende und mit meiner Wahrnehmung und Aufmerksamkeit nach außen, zum anderen gehe, entscheide ich mich für den Weg der Trennung. In diesem Fall verlasse ich mich, nämlich mein "unangenehmes" Gefühl, unterdrücke es und verleugne mich damit selbst. Das heißt, ich trenne mich von meinem Gefühl, indem ich meine Aufmerksamkeit nach außen, auf etwas außerhalb von mir richte. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mich dann für das Verhalten einer anderen Person oder die Veränderung einer Situation interessiere oder mich mit Fernsehen, Joggen oder was auch immer ablenke. In diesem Buch greife ich unterschiedliche Situationen auf, in denen ich mich immer bewusster für den Weg nach Innen entscheide. Mit gewöhnlichen Beispielen aus dem Alltag und direkten Fragen an dich, reiche ich dir die Hand, um mit dir den Weg des Herzens zu gehen. Ich stelle mir vor, wie du meine Hand ergreifst und deinerseits wieder einem anderen Menschen deine Hand reichst und dieser wieder jemandem und wir bald ALLE einander die Hände reichen und unsere Herzen vollkommen öffnen!
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Monika Spindler
Lebe DICH!
Eine Einladung, DICH selbst mehr zu LIEBEN
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Zuordnung der Fotos
Einführung
"Ich" und meine Sicht von mir
"Ich" und meine Sicht von anderen
"Ich" und meine Sicht von der Welt
Anregung zu eigenen Notizen
Nachwort
Gedichte, Gebete und Liedtexte
Literaturangabe
Impressum neobooks
Ich danke meinem Lebensgefährten Ricardo aus ganzem Herzen für seine wertvollen Dienste als Liebes- und Lernpartner. Unsere gemeinsamen Erfahrungen ermöglichten und bereichern dieses Buch.
In großer Dankbarkeit widme ich das Buch meinen wunderbaren Töchtern Teresa und Rafaela, die mich beide schon so viel gelehrt haben!
Dieses Buch entspringt meiner langjährigen Erfahrung als Seminarleiterin und meinem persönlichen Erleben in meiner 25 jährigen Ehe mit Ricardo. Es ist auch mit Erkenntnissen verbunden, die unsere allgemeingültige Erfahrung als Menschen auf der Erde betreffen. In dieser Welt sehen wir uns alle der Herausforderung gegenüber, dass wir bewusste Individuen sind und mit anderen Zusammenleben. Wir alle bemühen uns sehr unterschiedlich, individuell und vielfältig um die Harmonie von Eigenständigkeit und Wechselwirkung, wie es David Schnarch bezeichnet. Horst Eberhard Richter beschreibt die Spannung zwischen Individuum und Gruppe. Bei Friedemann Schulz von Thun finden wir die Balance von Selbstliebe und Nächstenliebe. Wie auch immer wir es benennen, handelt es sich um eine und wenigstens eine andere Person, also um "mich und dich". Es geht um das gemeinsame Aushandeln, wie wir mit unseren oft sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Gefühlen, Meinungen, Überzeugungen, Eigenschaften, Denkansätzen, Gewohnheiten usw. umgehen.
Als ich spontan einer Bekannten meine Erkenntnis über die beiden Wege (der Trennung von mir und nach Innen) mitteilte, bekam sie Gänsehaut, Tränen traten ihr in die Augen und sie umarmte mich innig, weil ihr meine Einsicht von den beiden Wegen unmittelbar, in nur einem Moment, so sehr geholfen hat. Sie war nämlich nahe daran gewesen, ihrer Freundin die Freundschaft aufzukündigen, weil diese sich in den Augen meiner Bekannten so verletzend und "unmöglich" verhalten hatte. Meine Bekannte war in einer bestimmten Situation vom Verhalten ihrer Freundin dermaßen peinlich und unangenehm berührt worden, dass sie eine Menge Abwehr ihr gegenüber entwickelt hatte. Ihre Gefühle waren so stark, dass sie am liebsten gar nichts mehr mit ihrer Freundin zu tun haben wollte. Sie bedauerte das sehr, denn sie mochte ihre Freundin noch immer, doch sah sie für sich keinen Ausweg aus dieser Situation. Nach der Erkenntnis ihrer Wahlmöglichkeit und der Bereitschaft, den Weg nach Innen zu gehen, fühlte sie sich freier, ihrer Freundin wieder mit offenem Herzen zu begegnen.
Es war genau diese Erfahrung, die mich dazu veranlasste, meine Einsicht in Buchform möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Und ich weiß, dass ich dieses umfassende Thema hier nur unvollständig und völlig subjektiv aufgreife. Dennoch bin ich überzeugt von der tiefen, lebensverändernden Wirkung der Botschaft dieses Buches.
Bitte ordne selbst die Fotos nach deinem Belieben zu.
Die Fotos sind überwiegend von Teresa Exinger. Wie alle Fotos können sie natürlich sehr unterschiedlich und vielfältig interpretiert und daher ebenso auch anderen Textstellen zugeordnet werden. Ich will schlicht und einfach nur meine Aussagen auf den Textseiten visuell unterstützen. Wenn es dir für dich stimmiger erscheint, kannst du gerne die Fotos auch anders platzieren. Die Aufnahmen vom Meer zeigen sehr deutlich, dass sie ohne weiteres zu beiden Seiten passen: Gewählt habe ich diese Zuordnung, weil mir das ruhige Wasser so entspannt erscheint, als ob es alles annimmt, was IST. Das bewegte Wasser wirkt auf mich "kämpfend", als ob es die kantigen Steine weg haben möchte. Genauso könnte ich mir vorstellen: Das ruhige Wasser ist unbewegt, lebt sich nicht und ist besser auf der Seite der Trennung aufgehoben. Das stürmische Wasser ist bewegt und "lebt", wodurch es zur Seite vom Weg nach Innen passen würde. Ebenso lassen sich die Fotos von der Schnecke völlig unterschiedlich interpretieren. Ich hätte das Foto der zurückgezogenen Schnecke auch auf die Seite vom Weg nach Innen geben können als Ausdruck dafür, wie wichtig es ist, uns immer wieder von der Welt, vom äußeren Geschehen zurückzuziehen und uns tief in uns zu spüren, so tief, bis wir uns mit allem EINS fühlen. Nun teilte ich das Foto mit der gut sichtbaren Schnecke dem Weg nach Innen zu, weil sie sich so mutig getraut, mit ihren zarten, empfindlichen Fühlern in die Welt hinauszuragen, obwohl sie anstoßen wird und sich dabei weh tun könnte. Sie zeigt uns sehr deutlich, dass Leben mit einem Risiko verbunden ist und das Vermeiden wollen von Schmerz, der Rückzug vom Fühlen letztendlich mit einem inneren Sterben verbunden ist. Vermutest du auch, dass viele Menschen vor allem äußerlich am Leben sind und sich so sehr hinter ihrer Herzmauer schützen und verbergen, dass sie sich selbst mehr tot als lebendig empfinden?
Am Beispiel der Foto-Zuordnung kannst du auch wieder einmal erkennen, wie sehr deine Interpretationen (Deutungen), Gedanken und Vorstellungen bestimmen, wie du etwas erlebst, empfindest und handelst.
Genau darum handelt das gesamte Buch. Es ist auch für mich selbst eine Erinnerung und eine Mahnung, mir immer wieder neu darüber bewusst zu sein und mich neu zu entscheiden, indem ich mich frage:
Was will ich in dieser Situation denken?
Wie will ich mich fühlen?
Es war mir schon lange Zeit bewusst, dass ich jederzeit die Wahl habe, mich in einer Angelegenheit so oder anders zu entscheiden. Auch der Gedanke, dass ich mir selbst meine Welt gestalte, war mir vertraut. Ich sah mich voll verantwortlich für meine Erfahrungen. Und dennoch erlebte ich in meiner Ehe mit Ricardo viele Krisen, in denen wir einander verletzten, anschrien und wechselseitig Vorwürfe machten.
Immer und immer wieder fragte ich mich: "Weshalb gelingt es mir nicht, in der Krise ruhig zu bleiben?" "Weshalb schaffe ich es nicht, Ricardos Verhalten urteilsfrei anzunehmen und ihn bedingungslos zu lieben?" In meinem Erleben versagte ich immer wieder. Mein Verhalten entsprach keineswegs meiner eigenen Vorstellung, meiner guten Absicht und meinem eigenen Wunsch. Weshalb nur???
Heute weiß ich: Es gab einen Auslöser, eine Situation, in der ich mich von mir entfernt und den Weg der Trennung eingeschlagen habe. Etwas hat mir Schmerz bereitet, ich hatte ein Gefühl, das ich als unangenehm empfunden habe, das ich lästig fand und loshaben wollte - und machte Ricardo dafür verantwortlich. Damit lenkte ich meine Aufmerksamkeit von mir selbst und meinem Gefühl ab. Ich wandte mich Ricardo zu und klagte ihn mit Vorwürfen an: "Weil du das getan hast! Weil du so .... bist, geht es mir schlecht...." oder mit Forderungen: "Wenn du tun würdest...." Immer wieder sah ich damit Ricardo als mein "Veränderungsobjekt" wie Gay und Katie Hendricks es nennen. Dabei wollte ich das nie bewusst, war es mir im Moment meiner Aussage oder meiner Handlung überhaupt nicht klar, dass ich schon wieder in diese Falle getappt war.
Heute erkenne ich leichter, welches der ganz entscheidende Moment ist: Genau dann, wenn ich ein Gefühl, irgendetwas in mir nicht wahrhaben, nicht annehmen, nicht fühlen möchte, treffe ich eine Wahl:
Wenn ich fühle, was da ist und mit meiner Aufmerksamkeit und Wahrnehmung bei mir bleibe, mein Gefühl annehme, zulasse, es ganz und gar fühle, dann stehe ich zu mir, stehe ich mir bei. Diese Entscheidung nenne ich den Weg nach Innen. Wenn ich mich von meinem Gefühl abwende und mit meiner Wahrnehmung und Aufmerksamkeit nach außen, zum anderen gehe, entscheide ich mich für den Weg der Trennung. In diesem Fall verlasse ich mich, nämlich mein "unangenehmes" Gefühl, unterdrücke es und verleugne mich damit selbst. Das heißt, ich trenne mich selbst von meinem Gefühl, indem ich meine Aufmerksamkeit nach außen, auf etwas außerhalb von mir richte. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mich dann für das Verhalten einer anderen Person oder die Veränderung einer Situation interessiere oder mich mit Fernsehen, Joggen oder was auch immer ablenke. Sobald ich mein Gefühl ablehne, zurückweise oder verdränge, übe ich Selbstverrat aus! Alle Vorwürfe und Beschuldigungen, egal ob sie von mir an andere oder von anderen an mich gerichtet sind, weisen mich heute auf die Wahl für den Weg nach Innen hin.
Inzwischen erkenne ich mit Bedauern, wie oft ich mich auf dem Weg der Trennung bewegte, ohne ihn jemals bewusst gewählt zu haben. Es geschah einfach. Es war so "normal". Anderen um mich herum erging es ähnlich. Wir waren unterwegs auf diesem schmerzvollen Weg der Trennung, ohne zu erkennen, wie wir auf diesen Weg geraten waren und ohne Wissen darüber, wie wir ihn wieder verlassen können.
Heute kann ich mir im Moment der Wahl besser die Treue halten. Falls es mir nicht gelingt und mich alte Gewohnheit oder heftige Emotionen davontragen, bin ich mir bewusst, dass ich jederzeit, in jedem Moment wieder auf den Weg nach Innen wechseln kann! Völlig unabhängig davon, wie oft ich den Weg der Trennung gewählt habe und wie lange ich schon auf ihm gegangen bin: Die Umkehr braucht keine Zeit!!! Den Weg nach Innen kann ich JEDERZEIT wählen und bin sofort, im selben Augenblick, auf diesem Weg. Dieser Vorgang vollzieht sich ohne jede Anstrengung. Es bedarf nur meiner WAHL, meiner Entscheidung! Welch eine Gnade! Welch ein Trost!
Diese Erkenntnis ist für mich zu einem Leitstern geworden, der mir den Weg weist für ein Leben in Freude und Frieden. Gerne teile ich meine Einsicht in diesen so "natürlich" anmutenden Vorgang in diesem Buch mit dir. Ich beschreibe mehrere Aspekte, die mir bedeutungsvoll erscheinen und biete dir in der Gegenüberstellung der beiden Wege eine Hilfe an, dir deiner Wahl, besonders in schmerzvollen, konfliktträchtigen Momenten, bewusst zu werden und den Weg nach Innen zu betreten.
Dieses Buch bietet dir eine Unterstützung, auf deinem ganz persönlichen Weg nach Innen
1. Weg der Trennung: Ich unterdrücke meine Gefühle und verlasse mich damit selbst
Meine innere Haltung mir selbst gegenüber ist eng und bewertend. Ich weigere mich, Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit, Ohnmacht, Neid, Hass, Trauer, Eifersucht anzunehmen und zu fühlen. Meine Ablehnung, mein "Nein" zu den von mir "ungeliebten" Gefühlen, bringt mich auf den Weg der Trennung. Auf diesem Weg möchte ich Schmerz vermeiden, den Schmerz ein vorhandenes, unangenehmes Gefühl zu fühlen und ganz zu durchleben. Ich übersehe dabei, dass ich auch in meinen Gefühlen lebe, sozusagen mit meinen Gefühlen verwachsen bin. Natürlich bin ich in meiner Bewusstheit viel mehr als meine Gefühle, doch ich erfahre mich auch in jedem Gefühl. Fühlen ist ein Teil des Lebens selbst. Indem ich diesem Schmerz des Fühlens ausweichen möchte, handle ich mir den Schmerz ungelebten Lebens ein. Depression und Burnout sind für mich besonders deutliche Ausdrucksformen der Auswirkungen, wenn wir den Weg der Trennung wählen und dafür, wie sehr wir im Vermeiden wollen von Schmerz auch die Intensität anderer Gefühle wie Freude und Liebe dämpfen. Das Leiden daran, mich verlassen und getrennt zu erleben, wird auf diesem Weg - mehr oder weniger bewusst und für mich spürbar - mein ständiger Begleiter sein. Für mich war es eine große Hilfe, zu erkennen, dass ich trotz stärkster Schutzmaßnahmen bis hin zum innerlichen "Totstellen", dennoch dem Schmerz nicht entfliehen kann. Ich kann wohl durch das Vermeiden vom Fühlen, was IST, in eine gefühlsmäßige Dumpfheit verfallen. Doch der Schmerz des Ungefühlten, des Ungelebten nagt stattdessen an mir und frisst innerlich an meinem Herzen. Als mir diese Unausweichlichkeit von Schmerz bewusst wurde, war ich bereit dafür, mich meinen alten, vergrabenen Schmerzen - auch denen meiner Kindheit - zu öffnen, sie zuzulassen und zu fühlen.
1. Weg nach Innen: Ich nehme meine Gefühle wahr, fühle sie und bin für mich selbst daMeine innere Haltung mir selbst gegenüber ist offen und interessiert. Ich bin bereit, jedes Gefühl anzunehmen und zu spüren. Auch wenn mir das nicht sofort gelingt. Möglicherweise bemerke ich erst am Abend einen Ärger, der schon am Vormittag durch ein Verhalten meines Chefs ausgelöst worden war. Sobald ich den Ärger in mir bemerke, kann ich mich dafür entscheiden, ihn zu spüren. JETZT kann ich mich erkundend fragen: Was genau (welche Bemerkung, welches Verhalten...) hat meinen Ärger ausgelöst? Weshalb berührt mich das so? Kenne ich etwas Ähnliches bereits von früher, aus meiner Kindheit? Möglicherweise entdecke ich eine Verbindung zu einer früheren Erfahrung und mein Ärger weist mich darauf hin, dass noch etwas aus der Vergangenheit in mir wirkt und Beachtung braucht. Vielleicht ist es auch einfach ein aktueller Ärger, der gefühlt sein will. Ich kann mich jedem Ärger mit Aufmerksamkeit und Anteilnahme zuwenden. Mit meiner Bereitschaft alle meine Gefühle zu fühlen, sie alle willkommen zu heißen, wie Rumi uns auffordert, halte ich mein Herz offen. Im lebendigen Fluss des Lebens haben auch andere Gefühle wieder freien Zugang in mein Herz und zeigen sich in voller Pracht. Wir wissen es alle: Gefühle kommen und gehen. Keines bleibt und keines lässt sich festhalten. Schon Rilke fordert uns auf: "Wolle die Wandlung!" In dieser inneren Haltung sind wir voll lebendig und sprühend vor vitaler Energie. Unsere Bereitschaft, alle unsere Gefühle tatsächlich mit unserem Herz zu fühlen, bringt uns auch tiefer in Berührung mit unseren wesentlichen Bedürfnissen. Unsere Befreiung aus der Ablehnung von Angst und Schmerz wirkt zudem dahin gehend, dass wir unsere grundlegenden Bedürfnisse nicht mehr so unklar und verschlüsselt zum Ausdruck bringen, sondern sie bewusst wahrnehmen, zu ihnen stehen und sie leichter anderen mitteilen. Gedicht von Rumi: Dies Menschsein ist ein GästehausGedicht von Rilke: Die Sonette an Orpheus / Zweiter Teil
2. Weg der Trennung: Dieser Weg bedeutet Selbstverrat
