Leben in Braunschweig - Frieda Haberlach - E-Book

Leben in Braunschweig E-Book

Frieda Haberlach

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Beschreibung

Frieda Haberlach beschreibt in ihren Kurzgeschichten Erlebnisse in der Löwenstadt Braunschweig.

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Seitenzahl: 98

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Wein- und Käseabend

Ein schöner Abend mit Wein, Käse und Kerzenlicht.

Meister-Konzert in Braunschweig

Ein wunderschöner Abend in der Braunschweiger Stadthalle

Busfahrt

Eine Momentaufnahme in der Hitze des Braunschweiger Sommers

Lokal(un)tipp

Ein Freitagabend ohne kulinarischen Erfolg

Leben in Braunschweig - Lokaltipp

Ein schöner Sonntagmittag im braunschweigischen Restaurant "Safran"

Entdeckung des Kartfahrens

Motorsport in der KartCity Braunschweig

Ein Nachmittag im „Strupait“

So schmeckt der Sommer

Zu Gast in Magdeburg

Ein tierisches Stadtintermezzo

Der Maler am Strand

Geschichtenmatrjoschka

Jazz an der Oker

Begegnung mit der Schönheit

Freude

Begegnung in Bad Wildungen

"Möge Kraft mit mir sein!“

Trainingserlebnis in Braunschweig

Äpfel

Eine Betrachtung aus dem Wartezimmerfenster

„Das Wort zum Samstag“

Im Braunschweiger Dom

Schätze unseres Lebens

Nachtrag zum „Wort am Samstag“

Rendezvous mit einem unbekannten Text

Literaturerlebnis im Raabe-Haus

Ostern-Intermezzo 2020

Südsee

„Hände weg von Schijes!“ Ein Kampf gegen die größte Mülldeponie Europas

LEBEN in BRAUNSCHWEIG politisch

Kaleidoskop des Jahres

Eindrücke aus dem Jahr 2020

Neue Leidenschaft

Ostsee

Das Theater lebt

Goldhähnchen

Herbstlichtblicke

Olfaktorischer Genuss: Entdeckung eines Parfüms

Weihnachtsfreuden

Vorwort

Das Leben in Braunschweig ist einfach einmalig

Mein Name ist Frieda Haberlach, ich komme aus Russland und lebe seit über 20 Jahren in Braunschweig. Ich liebe diese Stadt. Auch die kürzlichen Ergebnisse der Studien zum Thema Zufriedenheit&Wohnen in Deutschland haben bestätigt, dass es sich in Braunschweig gut leben lässt.

Es ist diese schöne Stadt, mit viel Grün, kurzen Wegen, die wunderbar auch mit dem Rad zu bewältigen sind. Es sind viele Cafés und Lokale, die leckeres Essen und ein stillvolles Ambiente bieten. Es sind viele Kultur- und Freizeitangebote, die das Stadtleben bereichern. Wissenschaft- und Politikinteressierte, Philosophen, angehende Literaten und Start-Up’ler kommen auch auf ihre Kosten, indem sie zahlreiche und thematisch breit gefächerte Vorlesungen, Podiumsdiskussionen, Foren, Debatten und Lesungen aufsuchen.

Sportbegeisterte und Fans können ihre Mannschaften und Einzelsportler anfeuern und mit ihnen mitfiebern; Familien, Kinder und Jugendlichen haben ebenso zahlreiche Angebote vor der Tür. Es lässt sich gut leben in Braunschweig!

Warum möchte ich darüber schreiben? Es gibt immer etwas, was einen Menschen bewegt. Und so möchte ich zum Ausdruck bringen, was mein Leben in Braunschweig ausmacht, was mich berührt, was mir Freude bereitet, aber auch was mich betrübt. Es sind festgehaltene Begegnungen, Erlebnisse, Momentaufnahmen, Gedanken, Anregungen.

Das Lesen, Nachdenken, Inspiration holen erlaubt. Ebenso wie das Weiterklicken, das Nicht-Lesen und Nicht-zu-Herzen-Nehmen, schließlich gibt es so viele Infos, Nützliches und wenig Brauchbares im Netz.

Außer Kultur- und Lokaltipps sind es viele eingefangene Momente, die so zum Leben gehören und es auch ausmachen - wie Perlen einer Kette, und jede Perle ist es wert, betrachtet zu werden. Und oft ist es ein Versuch, die Frage: „Was ist unser Leben? Was macht es liebens- und lebenswert?“ zu beantworten. Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit - höchstens mit einer Hoffnung, zum Nachdenken, zum Nachfühlen zu bewegen, zum Genießen, zum Im-Moment-Verweilen einzuladen.

Weil das Leben schön ist!

Wein- und Käseabend

Ein schöner Abend mit Wein, Käse und Kerzenlicht

Was tun mit dem angebrochenen Freitagabend? Zu spät, um etwas in der Stadt anzusteuern. Zu früh, um sich der Flimmerkiste zu unterziehen. Außerdem bin ich deren ausgiebigen „Genusses“ in den letzten Tagen – dem Umstand einer heftigen Sommergrippe geschuldet – völlig überdrüssig, ebenso dem Lesen ver-schiedener Lektüren. Und für etwas Aktives fehlen mir noch sowohl die Kraft als auch Energie...

Also? Vielleicht ein Weinabend? Ja, das ist es. Ein Weinabend!

Kein guter Wein, kein Käse zu Hause. Schnell in die Schuhe rein, Jacke überstreifen und raus! Der hell beleuchtete Metro grüßt mit geschlossenen Türen – es ist 20 vor neun. Aber der Supermarkt um die Ecke hat noch auf. Und – die Rettung! - seine Käsetheke ist noch nicht aufgeräumt. Schnell ist die wunderbar-würzig-leckere Käseplatte zusammengestellt: Steinsalz Bergkäse, schweizer Appenzeller, Bockshornklee, Heublumenrebell... Allein die Namen lassen die Vorfreude auf den genussvollen Abend noch höher steigen! Passend dazu: verschiedene Senfsaucen, aus roten und grünen Feigen und Quitten.

Die Rolle des fehlenden – um die Uhrzeit nicht verwunderlich – Baguettes dürfen Ciabatta-Aufbackbrötchen übernehmen. Jetzt fehlt nur noch der Wein.

Der flüchtige Blick auf das Weinregal bestätigt die dunkle Vorahnung: auf der Suche nach einem guten, nicht übermäßig teuren edlen Tropfen wird man leider nicht fündig. Auch wenn es letzten Endes eine Geschmackssache ist: keine Präsenz - weder von einem stilvollen Merlot, noch einem ausdrucksstarken Primitivo - geschweige denn einem fruchtigen Crianza oder einem kräftigen Rioja – erfreuen den genußhungrigen, suchenden Blick. Nein, sie alle glänzen durch ihre Abwesenheit.

Somit entscheidet eine Erinnerung über die Wahl: ein italienischer Merlot besticht durch den Hinweis auf das Anbaugebiet Trentino: da war ich doch mal vor Jahren, in der schönen Provinz Trentino! Mit dem Besuch der berühmten Kellerei sind so viele herrliche Augenblicke verbunden, darunter auch eine Weinverkostung im grandiosen alten Gewölbe-Keller, einige Weinsorten mit einer Allerlei verschiedenster kleiner Begleiter – Brot- und Käsewürfel, Salamischeibchen, Antipasti...

Gut, Trentino-Merlot.

Zu Hause angekommen, sind nur noch einige wenige Handgriffe erforderlich: Brötchen aufsetzen, Wein zum Atmen öffnen, Käseplatte arrangieren, Feigen-senfgläschen aufmachen, Kerze anzünden, Alexa um eine Aufführung des „geschmacksvollen Jazz zum Abendessen“ bitten... Fertig!

Tintenschwärze des späten Maiabendes ballt sich gemütlich vor den Fenstern, die flackernde Kerzen-flamme taucht alles im Zimmer in ein sanftes, schim-merndes Licht; das leise Plätschern der Musik im Hintergrund stört weder die Unterhaltung noch die Pausen... Der Käse schmeckt vorzüglich, das Pikante, Würzig-Kräftige wird durch die intensive fruchtige Note der Rote-Feigen-Senfsauce unterstrichen, und der milde Geschmack der leckeren, crossen, duftenden Brötchen rundet den Genuß ab. Auch der Wein – wenn auch nicht dekantiert – schmeckt durch das ermöglichte Atmen besser (gut, beim nächsten mal wird ein guter Wein vorher gekauft, so viel steht fest. Er muss nicht teuer, gut soll er aber sein und schmecken. Und bei „Barrique“ in den Braunschweiger Schloss-Arkaden oder beim Jacques' Depot wird man ganz bestimmt fündig).

Und so fließt der lukullischer Abend dahin; der Moment, das Empfinden, ausgedehnt zwischen den Mühlsteinen der Zeit, ist rund, ist schön, ist vollkommen. Man redet über den Gott und die Welt, man schweigt – erfüllt und zufrieden, man genießt...

Man ist.

Meister-Konzert in Braunschweig

Ein wunderschöner Abend in der Braunschweiger Stadthalle

Der Frühling ist voll im Gange. Auch wenn es gefühlt Hochsommer ist, haben wir noch – sogar aus meteorologischer Sicht – den Frühling in Braun-schweig. Sonnencremes, Eis und kurze Röcke haben Hochkonjunktur.

Sich auf den Feierabend zu freuen – besonders bei diesen unmenschlichen Temperaturen - ist absolut menschlich und verständlich. Nicht nur die Kleidung, auch der Blick klebt – an dem Uhrzeiger. Und dann kommt der Moment der Befreiung: raus aus dem stickigen Büro, wo die Luft förmlich schwimmt und ihre primären Eigenschaften – Frische und Sauerstoff - sekündlich verliert. Raus in die Freiheit!

Zuerst unbedingt nach Hause und duschen. Erst nach der Erfrischung können die grauen Zellen langsam ein paar Ideen liefern für die Gestaltung des am späten Nachmittag beginnenden Abendes. Wenn Sie aber zu den glücklichen Besitzer der Tickets für ein Event aus der Reihe „Meisterkonzerte“ gehören, erübrigt sich die Frage nach den Ideen. So ging es uns am gestrigen Montag: zur Vorfreude auf das Konzert mit Igor Levit mischten sich nur Fragen: Was ziehe ich bei der Hitze an? Wird das Klima in der Stadthalle für eine angenehme Kühle sorgen, die die Aufnahme der schönen Musik mit der gebürtigen Aufmerksamkeit erst ermöglicht?

Die Lösung schnell gefunden, das Outfit zusammengestellt, die Sorgen beim Betreten des fast leeren Saals der Stadthalle verflogen: zu sagen, dass der Raum kühl ist, wäre übetrieben, aber er ist an-genehm. Und die anfängliche Überlegungen, ob nicht viele älteren Besucher solcher Konzerte doch nicht zu Hause geblieben seien, weichen schnell der Tatsache, dass in den letzten Minuten vor dem Konzertbeginn die feierlichbunte Menschenmenge prompt die gähnende Leere des Saals füllt.

Man schaut um sich um und entdeckt bekannte Gesichter. Winken, lächeln, nicken, smalltalken, wenn es möglich ist. Die Freude über das Bevorstehende teilen. Es sind schöne Momente, und Freude steigt in mir auf. Die Lichter gehen aus.

Die Bremer Philarmoniker sind wunderbar, der engagierte Florian Donderer ist eine lebendige „Verlängerung“ seiner Geige, und der Bogen wird zum Dirigentenstab, und Mendelssohn verzaubert, und Schubert besticht, und die herrlichen Klänge plätschern und füllen alles – den Saal, die Menschen, umarmen die Seele, lassen sie leiser singen, schweben, träumen. Der Meister entlockt den Klaviertasten Freude und Schmerz, lässt sie erzählen, einen berühren, die Realität und das Traumhafte inein-ander verschmelzen...

Die Zeit verfliegt unwirklch schnell, und es ist schon die Pause, und das Publikum strömt fliessend raus. Winken, lächeln, nicken. Kurze freundliche Sätze fallen lassen. Die Menschen sind wie Gefäße, randvoll mit kostbarer Freude des musikalischen Genußes gefüllt, und sie gleiten vorsichtig zu den Ausgängen – wahrscheinlich aus Angst, dass diese Fülle verschüttet werden könnte... Kein Tropfen soll verloren gehen, nur wenn man sie teilt, dann wird bekanntlich die Freude mehr...

Die letzten Minuten der Pause sind die schönsten. Wir haben unsere Getränke, und am Ende des Ganges ist es nicht so voll, und siehe da – es gibt sogar einen freien Stehtisch. Mein Blick fällt auf eine ältere Dame, die unweit von uns steht. Mittelgroß, weit über 70, sehr gepflegt, elegant gekleidet. Perfekter Haarschnitt, ein Härchen zu dem anderen; sehr heller Teint, glatte – und das in dem Alter! – sehr glatte Haut, feine Falten und Fältchen, hellblaue Augen, matter ziegelroter Lippenstift. Auffällig eine lange Kette mit dem riesigen Anhänger: eine interessant gearbeitete Raute aus – Lapislazuli? Topas? – sattes Kornblu-menblau, mittig platziert auf einem Perlmuttdiskus. Elegante Bluse, elegante Hose und – herrliche orthopädische Schuhe, passend zu der Hosenfarbe, und sogar sie sind elegant! Ich muss schmunzeln.

In ein paar Sekunden erfasse ich das gesamte Bild, und es fällt mir schwer, wegzuschauen. Aber anstarren möchte ich die Dame auch nicht, und so lege ich kleine Pausen ein, genieße meinen Weißwein, das Kurzgespräch, aber hin und wieder muss ich flüchtige, sehr flüchtige Blicke in die Richtung der Dame werfen. Sie fesselt meine Aufmerksamkeit. Sie steht einfach da und wartet, sie wartet offensichtlich auf jemanden, aber ihr Gesichtsausdruck weist keine von diesen typschen ungeduldigen „Ich-Warte“-Zügen auf. Sie ist die personifizierte, konzentrierte Ruhe, ihre Blicke gleiten von, über und zu den da stehenden und vorbei gehenden Menschen, ihre Hände liegen ruhig auf der geschulterten Tasche. Faszinierend!

Da ertönt aber auch schon die dritte Glocke, und das Konzert geht weiter, und wieder weinen, lachen, schillern in allen Regenbogenfarben Klänge, Melo-dien, Töne.

Es war ein schöner Abend. Ein Rendezvouz mit Schubert und Mendelssohn, mit Levit und den Philarmonikern, mit Freude, Erinnerungen und Genuß. Und mit der eleganten alten Dame.

Busfahrt

Eine Momentaufnahme in der Hitze des Braunschweiger Sommers

Es ist ein heißer Sommertag. Ich muss zur Arbeit. In der Institutsbibliothek erwarten mich eine Auswertung der Literaturbestellungen, Recherchen und Ausfindigmachen der wissenschaftlichen Texte.

Ich stehe an der Bushaltestelle und warte auf meinen Bus. Es ist heiß. Ich meide jegliche Bewegung und warte einfach auf den Bus. Die Sonne steht hoch im Zenit und knallt erbarmungslos auf die Erde. Auf die Stadt. Das heiße Flimmern der Luft schwebt über der Straße, und selbst das dünne ausgeblichene Blau des Himmels bietet kein bißchen Kühle.

Der Bus verspätet sich. Die durch Hitze ermatterte Menschen warten geduldig und ergeben auf das öffentliche Verkehrsmittel, das irgendwo in der Schmiedeesse der Stadt verschlungen worden ist.

In mir steigt langsam die Ungeduld hoch. Ich bin spät dran, und das Ausgeliefertsein dem Warten spannt meine Nerven und Geduld. Es passiert nichts. Es ist keine Handlung, kein Geschehen da. Die Zeit bleibt stehen, bis der Bus kommt.

Der Bus kommt nicht.

Für einen Bruchteil der Sekunde lasse ich den verrückten Gedanken zu, zu Fuß laufen zu wollen, aber im nächsten Augenblick legt die Hitze selbst den Gedanken daran lahm.

Ich warte.