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Berührend, stimmig, echt! Wer würde das nicht gerne erleben - in jeder Beziehung! Die Einladung: in gutem Kontakt mit sich selber zu sein, körperspürend, bewusst, authentisch. Von hier aus können wir uns als wache Lebenskünstler aufrichtig verbinden, unsere Beziehungen glaubwürdig, erlebnisoffen und kreativ gestalten, in unserem persönlichen Umfeld und weltweit - wie der bewegende und berührende Tango. Seine Essenz, die "Tangoenergetik", kann uns wohlwollend und präsent durch alle Lebenslagen führen. Leben ist Tango - wir tanzen es sowieso schon, und das Leben tanzt mit uns. Darüber erzählt dieses Buch: lebendig und ermutigend, mit Interviews, Geschichten, Alltagsbeispielen, Erlebtem aus aller Welt, kleinen philosophischen und poetischen Ausflügen, Fragestellungen und konkreten Anregungen. Es trifft den Nerv der Zeit - und unserer Sehnsucht. Wie wäre es, wenn wir uns als GmbH verstehen: als Gemeinschaft mit berührender Haltung? Die Autorin schreibt aus einer wertschätzenden, warmherzigen Sichtweise, sachkompetent, aber auch spielerisch und humorvoll. Ihr Herzensanliegen ist, kleine und große Menschen in ihrer Einzigartigkeit und Würde zu sehen. Gemeinsam innezuhalten, um sich danach wieder ausrichten und vertrauensvoll aufrichten zu können. Es beglückt sie, wenn sich auch in matten Augen wieder bejahender Glanz, ein neues Strahlen und das Lachen von Lebensfreude Bahn brechen. Wenn wir alle dem Klang unseres wunderbaren Planeten folgen, auf dessen Parkett wir tanzen. "Darf ich bitten?"
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Seitenzahl: 465
Veröffentlichungsjahr: 2019
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MARTINA HOPPE-GROSSHENNIG
TANGOENERGETIK FÜR DEN ALLTAG
Innehalten – Ausrichten – Vertrauen
Für Yuna
und alle Kinder dieser Welt
(auch unsere inneren),
die gemeinsam und in Frieden
leben, lernen, lieben, lachen möchten.
EINLEITUNG
PROLOG: EIN BERÜHRENDES ERLEBNIS IN DER KLINIK – DIE ENTDECKUNG DER TANGOENERGETIK
TANGO IST LEBEN
TANGOENERGETIK
FASZINATION TANGO – GELEBTES KULTURERBE
Viele Orte, ein Wort, seine Wurzeln und Flügel | Tango – nur ein Reizwort? | Kurze Geschichte des Tango – Ein Tanz von Einwanderern und Geflüchteten
I. DIE EINLADUNG: DER TANGO MIT MIR
EINE GUTE BEZIEHUNG ZU MIR SELBST: JA – ICH
1. DER FLÜCHTLING IN UNS DARF HEIMAT FINDEN
2. ICH BIN EINZIGARTIG – EIN TANZSCHRITT DES LEBENS
Feuer und Flamme für Einzigartigkeit: Mein Tango-Tattoo | Einzigartigkeit und Würde | Einzigartigkeit leben – vom Geburtsrecht zur Selbstverpflichtung | Auch das noch: „Sie sind ein Statement!“
3. IM KÖRPER ZUHAUSE SEIN
Als Körpersprachler unterwegs – im Tango wie im Leben | Die inneren Mittänzer: Gedanken und Gefühle | Unser alltäglicher G-Tango: Wem folge ich, wie führe ich? | Ein leicht verrückter Tango mit Gedanken | Gedanken sind zum Denken da: „Mir platzt der Kopf!“ | Gesunde Selbstführung beginnt im Kopf: Impulse zum Gedankentanz | Gefühle sind zum Fühlen da | Was uns kränkt und was uns heilt
4. EIN FASZINIERENDES TANGOPAAR – AUFRICHTUNG UND AUFRICHTIGKEIT
Sich aufrichten hat was Erhebendes | Stimmt so! Der Tango von Aufrichtigkeit und Aufrichtung | Moment mal: Ganz ehrlich … | Zur Magie von Authentizität
5. TANGO TO GO
Tango – Schritte für die Alltagszone | Abgestimmt wird mit den Füßen! | Und vor, zurück, zur Seite, ran … | Eine tangotherapeutische Erfahrung | Tangoschritte fürs Leben: Der Schritt zurück | Tangoschritte fürs Leben: Der Schritt zur Seite | Tangoschritte fürs Leben: Der stille Schritt auf der Stelle | Tangoschritte fürs Leben: Der Schritt nach vorn | Schritte im Leben: W-Fragen sind Gehfragen | Rückgriff auf unsere Ressourcen – wie Schritte gehen geht
II. DIE BEGEGNUNG: ICH UND DU – IT TAKES TWO TO TANGO
IN STIMMIGER BEZIEHUNG ZUM ANDEREN SEIN
1. BEZIEHUNG FINDEST DU ÜBERALL, ABER ICH BIN ANDERS – DU AUCH
Annähern und Begegnung im Tango – Kult? Kultur? | Hallo! Wie geht´s? Grüß Gott! | Ich bin und du bist auch: Ich bin
2. DAS SPIEL VON NÄHE UND DISTANZ – STIMM T´S SO?
Ein Schnupperkurs für Nähe und Distanz | Der Tango von Nähe und Distanz im Alltag | Es braucht Mut, sich zuzumuten – im Leben wie im Tango | Stimmigkeit hebt die Stimmung | Erste Erkundung: Sich selbst stimmig machen | Zweite Erkundung: Sich mit dem Kontext abgleichen
3. MAGIE VON BERÜHRUNG UND UMARMUNG
Umarmungen – süß und salzig wie das Wasser des Río de la Plata | Berührung bewegt – und wie! | Von Scham und Charme in der Berührung | Eros tanzt und blinzelt | Intimität – Berührung pur | Ein Tangopaar: Achtsamkeit und Mitgefühl
4. ALLZEIT GUTE ACHSE
III. KOMMUNIKATION: WIR – IM TÄNZERISCHEN DIALOG
BEWUSST BEZIEHUNGEN LEBENDIG GESTALTEN
1. FÜHREN UND FOLGEN – ROLLENBEWUSST UND ERLEBNISOFFEN
Vom original männlichen und weiblichen Prinzip zur originellen Rolle
2. KOMMUNIKATION – WEG VON ‚RICHTIG ODER FALSCH‘ ALS WEG ZU VERANTWORTUNG
Bin ich falsch oder hast du Schuld?
Wer ohne Schuld ist …
3. RAUM FÜR KOMMUNIKATION HALTEN
Raum für Rolli-Tango | Containment
4. ZUWENDEN IST DIE HALBE MIETE, ZUHÖREN DIE GANZE
Das Zauberwörtchen Zuwendung | Zuhören und Lauschen | Der Tango von Sender und Empfänger
5. WIR SPIEGELN UNS UND TANZEN RESONANZEN
Queermilonga – im Spiel von Resonanzen | Danke, du bist mein Spiegel | Resonanzen tanzen
6. IMPROVISATION UND KREATIVITÄT
Improvisation: Jetzt erst recht! | Im Alltag kreativ – sogar kokreativ
7. VERBUNDEN SEIN
Flow | 4-D-Bewusstheit
IV. DAS LEBEN – EIN GROSSER TANZ
DEM LEBEN FOLGEN, SEIN LEBEN FÜHREN – IM EINKLANG VERBUNDEN
1. ALLES HAT SEINE ZEIT
2. RHYTHMEN DES LEBENS – MIT DEM TAKTGEBER AUF PULSFÜHLUNG
Sind Sie intakt? Biorhythmus und Alltag
3. DER GROSSE SCHWUNG – LEBENSPHASEN TANZEN
Vom Ende her tanzen – die Gegenwart mit Lebendigkeit füllen | Lassen Sie es gut sein!
4. WENN DAS LEBEN DAZWISCHENKOMMT – ÜBERGÄNGE TANZEN
Übergänge wie Ampelphasen respektieren | Ampel Grün: der Schritt nach vorn | Ampel Gelb: der Schritt zur Seite | Ampel Rot: der stille Schritt auf der Stelle | Leidenergie der roten Phase in Leitenergie wandeln – den Wandel zulassen
NACHKLANG
EIN SPIRIT: TANGO UND LEBEN
BEKENNTNIS ZUR SELBSTACHTUNG: ICH BIN ICH
Danksagung
Anmerkungen
Es war einmal … Da habe ich mich selbst in einer psychosomatischen Klinik stationiert, sieben Wochen Abstand und Pause vom verwirbelten Alltag mit großer Familie und Beruf. Es war mir nicht gut gelungen, mich von einer Operation zu erholen, ihren Vorläufen und Nachfolgen.
Hier wird rundum therapiert: Gruppe, Einzeln, Stimme, Bewegung, Körper und Seele – forte und piano. Von Karate über Reiten bis Meditation ist alles drin, was therapeutisch Zugang zu sich und Erlebensmöglichkeiten schafft.
Und dann gibt es freiwillige Patientenangebote, z.B. Trommeln, Singen, Kanufahren. Wir sind alle richtig gut bedient und doch fehlt mir etwas, und ich weiß auch gleich was: Argentinischer Tango, die Musik, die Bewegung, die Gefühle, das Sich-Rühren und Berührt-Werden, die Beschwingtheit, Freude. Jeder Tanz eine kleine Reise von Vergessen des (Klinik)-Alltags ins Aufwachen – jetzt ganz bei sich und präsent – und dann Eintauchen in die Musik wie in den Fluss des Lebens, gemeinsam. Nein, ich bin nicht tangosüchtig, was wohl vorkommt, aber die Tangokur einmal wöchentlich selbst in schwersten Zeiten, wo ich alleine kaum von A nach B kam, habe ich immer als heilsam und erfrischend empfunden, wirklich immer.
Also bitte ich die für mich zuständige Therapeutin, argentinischen Tango für eine Stunde anbieten zu dürfen – samstags, der Tag sei ja zur freien Verfügung. Dem Kreuzverhör therapeutischer Bedenken konnte ich offensichtlich standhalten. Ich musste aber versprechen und versichern, dass ich mich nicht dafür anstrenge und auch nicht dabei in meinem Beruf als Therapeutin arbeite.
Tief in mir lächelte es: Das macht der Tango schon selber, da ist so viel Aufrichtendes, Gesundes sinnlich erfahrbar. Ich hefte meinen kleinen bescheidenen Zettel mit der Ankündigung: „Tango Argentino, samstags im Mehrzweckraum, 19.30 bis 20.30 Uhr“ auf dem großen Klinikfahrplan an, ordentlich und überschaubar, aber auch gut übersehbar … Ich bin ganz neu in der Klinik, wenig bekannt – kein Alphamädchenbonus. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, aber es ist die schöne Form von Stress, Eustress, also nicht das, was die Therapeutin mir untersagt hatte zu kreieren – Disstress, das Wort mit den gleich vier scharfen s, das schon beim Aussprechen das Gefühl von „1000 Stecknadeln“ hervorruft.
Aus Berlin habe ich meine zwei Lieblings-CDs mit klassischer Tangomusik mitgebracht, schön, aber wenig abwechslungsreich für sechs Tanzabende, die ich uns schenken möchte, denke ich vor mich hin. Ich gehe eine halbe Stunde vorher in den Raum, um mich mit seiner Atmosphäre und räumlichen Anordnung sowie mich und meine CDs mit der hochtechnisierten Anlage vertraut zu machen – kleine Unsicherheit, ob nun ausgerechnet mir das gelingt. Aber ich bleibe überhaupt nicht lange alleine damit. Der Raum füllt sich sachte und beständig, weit vor der anberaumten Zeit, nicht so wie bei allen anderen Klinikveranstaltungen, wo mit Recht großer Wert auf Pünktlichkeit gelegt wird, mit dem Nebeneffekt, dass genau on time der Türeingang verstopft ist.
Hier kommen sie nun, einer nach dem anderen mit fragenden, offenen, ängstlichen, flirrenden, traurigen, und auch fast leblosen Augen, die ganze ICD 10 Palette. Und dann gibt es auch die drei „Patientinnen“, die mit einem Augenzwinkern beschwingt auf mich zukommen. Sie bringen jede noch zwei bis drei Tango-CDs mit, die alle auf dem erfreulich anwachsenden Stapel landen. Von Zuhause haben sie sich die mit in die Klinik genommen, mit der Musik sich selbst ein Geschenk gemacht. „Ich höre sie jeden Abend, dann geht es mir wieder gut.“
Im dichten Therapieprogramm machen die meisten körperlich wie seelisch eine sehr anstrengende und tief aufwühlende Zeit durch, viele laufen für einige Zeit mit ihrem Lieblingskuscheltier herum. Es berührt mich, wie ehrlich sie ihre momentane Wahrheit leben. Die „dunkle Nacht der Seele“ zu durchschreiten – bewusst und hier begleitet – ist kein Spaziergang.
„Wenn ich Tango höre, fühle ich mich geborgen, ganz bei mir, und irgendwie auch beschwingt und leicht, ist schon schön, da kommt Freude auf.“ „Können wir die auch mal zwischendurch hören? Ich hab´ so schöne Erinnerungen damit.“ Eine bittende, erklärende Frage. „Ja gerne, es ist eure, unsere Zeit“, sage ich einladend und meine es auch so.
Inzwischen habe ich das Thema Anlage-Technik getrost in kundige Hände abgeben können. Eine andere Frau kommt auf mich zu: „Ich bin hier in der Klinik wegen meiner starken Berührungsängste, das war kein Leben mehr. Aber ich schaffe es immer noch nicht. Darf ich mich denn bitte an den Rand setzen und einfach nur zugucken? Wenn ich störe …“ Ich lasse sie nicht lange Entschuldigungen für ihr Sosein abgeben, heiße sie willkommen, sie möge einfach hierbleiben, so lange ihr danach zumute ist. Am Rande des Raumes sind Bänke.
Eine andere Frau, an der Hand einer Mitpatientin, teilt mir leise mit: „Ich leide an Gleichgewichtsstörungen und Schwindel, organisch ist nichts gefunden, keiner weiß, warum. Ich kann kaum alleine stehen. Ich kann auch nicht mitmachen. Darf ich mich auf die Bank setzen?“ Na klar, gerne!
Ein Mann hat seine Beine nicht unter Kontrolle, ein plötzliches Zittern und Schütteln kann kommen, Restless Legs – trotz schon langer medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung. Er hat das akzeptiert, aber entschuldigt sich, falls er deswegen dann aufhören muss.
Die junge Frau, die sich selbst als Borderlinerin vorstellt, sagt forsch in die Runde: „Mein Teddy muss mittanzen!“ und tätschelt ihren Liebling, der vorne weit aus ihrem Ausschnitt lugt.
„Ich wollte immer schon Tangotanzen und hab`s doch nicht geschafft. In den letzten Jahren wurde mir alles zu viel, hab mich dann zurückgezogen, keine Kraft mehr, Stress, Einsamkeit, Depression, ich konnte und wollte mich keinem mehr zumuten. Ich dachte jetzt, ich komme mal, ich kann aber keinen Schritt, darf ich trotzdem mitmachen?“ Mein Herz geht weit auf für diese mutigen, ehrlichen Frauen und Männer.
Die meisten hier können nicht Tangotanzen, einige wenige ja, aber nur „Grundschritt“, und den haben sie vergessen, zwei Frauen kennen sich ganz gut aus. Es sind an die 30 Frauen und Männer gekommen, offen, bereit, neugierig. Das ist ein Vielfaches im Vergleich zu anderen Angeboten, denke ich erstaunt.
Zwischen 20 und 70 Jahre alt sind sie: Lehrer*innen, Pastor*innen, Mütter, Väter, Ärzte, Therapeuten, Sekretärinnen, Sozialarbeiter*innen, Hausfrauen, Führungskräfte, Postboten, Studenten, Handwerker, Selbstständige, Verheiratete, Singles. Sie sind hier mit Depressionen, Psychosen, Essstörungen, Burnout, Bore-out, Angsterkrankungen, „Störungen“ verschiedenster Art, extrem viel Stress, der erst im Körper landen musste, um wahrgenommen zu werden und oft eine ausgelaugte und tief bekümmerte Seele sowie eingefrorene Gefühle hinterlässt auf seiner Spur von Verirrungen und Verwirrungen.
Der Drang zu beginnen ist groß. Sie formieren sich selber im Kreis, einige bleiben sitzen auf den Bänken am Rande. Während erst leise Tangomusik läuft, sage ich nach einem herzlichen Willkommen einige wenige Sätze zur Geschichte des Tango – ganz offensichtlich auch einem Tanz von Migrierenden, Geflüchteten, Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dafür haben sie gewagt, sich mit einem kraftvollen Schritt von einem Kontinent abzudrücken, um auf dem neuen anzukommen. Und deswegen geht es beim Tango wesentlich darum, in Kontakt mit der Erde zu kommen, an dem Ort, wo man sich gerade befindet, sich zu beheimaten, sich zu verwurzeln und den Raum zu ergreifen, den man braucht, um seine Gefühle, Wünsche, Absichten zu spüren, zu singen, tanzen, kommunizieren, seine inneren Regungen in äußere Bewegungen und auch Haltung umzusetzen, sehr direkt, so unmittelbar, wie es einem gerade in dieser Situation geht. Mit Tango war es schon immer so, da wurden und werden persönliche Stimmungen ebenso wie gesellschaftliche Krisen durchtanzt, würdevoll, körperbewusst, meditativ oder kraftvoll bis freudig – und die Musik trägt durch. Fasziniert und nachdenklich hören alle zu.
Für eine Stunde sind wir eine gute Runde, bereit und offen, neugierig und ziemlich vertrauensvoll. Die Energie im Raum wird fokussiert, leicht und herzlich. Zu Anfang nehmen wir uns Zeit, in den Körper hinein zu spüren, uns zu zentrieren und das Gleichgewicht auch bei Bewegungen zu halten. Ist mir eine aufrechte, mich würdigende Körperhaltung möglich? Aber ja! Und es fühlt sich gut an! Vertrauen in die eigene Größe. Sie lächeln, winken und zwinkern einander zu, erfreut und sich ermunternd.
Nun wollen wir bewusst Schritte gehen, mit dem Ziel nach vorn, seitwärts oder rückwärts, mit einer gewissen Entschlossenheit uns vom Boden abdrückend, um anzukommen, wo wir hinwollen und können. Tangoschritte. Konzentration und Entdeckerfreude sind immens, ein Ausprobieren der Körpermöglichkeiten, Standfestigkeit, auch der Klarheit mit jedem beabsichtigten Schritt. Pures gegenwärtiges Wahrnehmen und Erleben.
Die Frau mit den Gleichgewichtsstörungen ist von der Bank aufgestanden, ein paar Schritte in den Raum gegangen, noch nicht in den sich bewegenden Kreis. Sie geht ihre Schritte allein, sehr vorsichtig und gleichzeitig aufmerksam nach innen spürend, bis sie mir einen Blick sendet, ein bisschen stolz.
Inzwischen gehen wir nach Musik zu zweit, erst nebeneinander, dann zugewandt voreinander – noch ohne Umarmung und doch an den Armen verbunden. Wer führt und folgt wird abgesprochen, abgewechselt und wie ein aufregendes Spiel freudig erprobt. Und nun bitte die „richtige“ Umarmung!
Gut, gerne, aber vorher erlauben wir uns das Recht auf die Klärung von Nähe und Distanz. Ich erkläre kurz, dass im Tango die Frau diejenige ist, die primär den Raum von Nähe und Distanz bestimmt, natürlich auch verändern kann und mit der führenden Person abstimmt, eben mal ganz ehrlich: Was brauche ich? Was brauchst du? Was brauchen wir gemeinsam für ein wohlbefindliches Tanzerleben? Staunend und zunehmend selbstbewusst wird erforscht, wie viel Nähe und Distanz erträglich oder erwünscht sind in diesem Moment mit dieser Person, die uns gerade gegenübersteht und mit der wir ja zusammen etwas unternehmen, bewegen, spielen, tanzen, erschaffen oder auch zelebrieren wollen. Es hat was Feierliches, diese respektvolle, wertschätzende Kontaktaufnahme mit wechselnden Partnern – und tut „soo gut“!
Diese ehrliche Begegnung, das Spüren und Erkunden von Grenzen und Möglichkeiten, mal ernst, mal heiter bewegt, ist auf jeden Fall spannend für alle Beteiligten! Ah ja, so geht es mir gerade mit dir und mit mir! „Stark! Das nehme ich mit nach Hause!“ sagt eine, und ein anderer: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht, vor allem über sich selbst, wie man hier so dasteht, anders als erwartet!“
Ja tatsächlich, Humor hat seine ebenso behütenden wie fröhlich flatternden Flügel über Erkennen und Verstehen ausgebreitet. Nachdem ich in der kleinen Pause die Tangoumarmung, den Abrazo, erklärt und gezeigt habe, probieren die meisten neugierig bis abenteuerlustig aus, wie sie sich in der Paarhaltung fühlen und wie sie nun gemeinsame Tangoschritte gehen, nach Musik, alle sehr wachsam und achtsam. Die „Borderlinerin“ hat schon längst ihren Teddy auf die Bank gesetzt.
Die Dame, die extrem unter Berührungsängsten leidet, kommt zu mir, ein Äuglein scheint zu fragen, das andere zu bitten, beide zusammen schicken einen deutlichen Schimmer Mut voraus. Sie möchte Nähe und Distanz gerne mit mir ausprobieren, dann auch die Tanzhaltung als Folgende. Und tut es, tastend, in sich fühlend, spürend, bis es für sie stimmt. Eine Runde Tango und sie ist überrascht über sich selber und ganz voller Dank.
Der Herr mit den „zitternden“ Beinen findet zeitweise überraschend lange Kraft, Stabilität und Bodenkontakt, der sich beim Gehen zur Musik in Paarhaltung festigt, wie er später, selber erstaunt, erzählt, als wir uns austauschen. Männer wie Frauen sind überaus wach, offen, zugewandt. Dies ist ein guter Raum, auch Unsicherheiten anzusprechen, Fragen zu stellen, sich einfach so zeigen zu dürfen, Altes loszulassen und die gewohnte Überverantwortung oder Erwartungshaltung samt Stress getrost runterfahren zu können auf die Eigenverantwortung beim Gemeinsamen.
Die Zeit ist unbemerkt wie im Flug vergangen, eine Art „Flow“ hat die Stunde verdoppelt und das Erleben vervielfacht, auch ohne dass wir irgendeinem festen Tangoklischee oder therapeutischen Rahmen entsprochen hätten.
Wir fühlen uns sehr verbunden, wie Kinder, die einem Geheimnis auf der Spur sind. Weitermachen, mehr davon – eine Freude, ein Ziel! Gerne, das geht erst nächste Woche, und es werden Neue hinzukommen … nicht nur deswegen werden wir wiederholen, vertiefen und erweitern, was wir heute nur im Ansatz erfahren haben.
Nach herzlichem Applaus füreinander gehen wir an diesem Abend auseinander. Umarmungen, noch Austausch im Flur, jede*r hat seinen eigenen Weg durch die Woche für sich zu gehen und hier weiß man nie, was so „hochkommt“, allerdings im alltäglichen Leben auch nicht, wenn man genau schaut.
Beim Frühstück am nächsten Morgen und tatsächlich die ganze Woche über werde ich begeistert angesprochen von vielen Teilnehmer*innen. Damit habe ich nicht gerechnet. Botschaften und Stichworte: Freude, Körperbewusstheit, aufrechte Haltung, Würde, Selbstvertrauen, Vergessen von Sorgen, Stress und Schmerzen zugunsten von mehr positiver Energie für sich, Mut zum Wir, Lust auf ehrliche Begegnung mit dem Partner zuhause, das Gefühl von verbunden und getragen sein durch die Musik, Vertrauen… . „All die Therapien haben sich als Einzelteile in mir wie zu einem Puzzle zusammengefügt, durch den Tangoabend ist jetzt was richtig gut angekommen …“
„Da hat der liebe Gott doch tatsächlich den Tango als beschwingtere Variante vor Therapie und Coaching erfunden!“ „Für `Klinik meets Alltag´ bestens ausgestattet!“ Von dem angenehmen, fröhlichen und manchmal auch mich überraschenden Feedback abgesehen, nehme ich das für mich größte Geschenk mit: dass die Augen dieser Menschen wieder glänzten und strahlten.
In den nächsten Tagen höre ich im Speisesaal und in unterschiedlichen Gruppen: „Da kommt unsere Tangomeisterin!“ Ich nehme es liebevoll und dankbar an, reguliere aber deutlich runter und gebe von Herzen den Meistertitel an sie zurück, die sie mutig einen Schritt nach dem anderen gehen – offen, bereit und entschlossen, bewusst Wege des Vertrauens und der Wahrhaftigkeit einzuschlagen, die wie von selbst Lebensfreude und Glanz in die Augen bringen.
An den Tischen wird weitergeredet:
„Tango ist so erfreulich wie heilsam!“
„Tango ist die schönste Therapie der Welt!“
„Tango ist ja echt Berührung und Hingabe!“
Das war die Geburtsstunde. Aus mir heraus kam:
„Tangoenergetik“.
Sie möge vielen Menschen in ihrem Alltag dienlich sein!
Leben ist.
Tango ist.
Tango ist Leben. Leben ist Tango. Alles Leben, wie der Tango, ist Beziehung. “La vida es un Tango, hay que saber bailarla.” Das Leben ist ein Tango, man muss es zu tanzen wissen.
Tango ist mehr als ein Tanz. Entfalten wir sanft seine Blütenblätter, kommt das Blühen und Glühen seiner Lust am Gefühl von Lebendigkeit in ihren Facetten zum Vorschein, so wie sich jeder Tag entfaltet, den wir frisch gestalten und neu erleben können.
Tangothemen sind Lebensthemen, verbunden und sich spiegelnd wie in einer liegenden Acht, der Lemniskate.
Tango ist nicht kompliziert, nur eben komplex – wie Leben, mit seinen existenziellen Fragestellungen, Herausforderungen und zu lebenden Antwortmöglichkeiten. Hier treffen und spiegeln sich Leben und Tango.
Über beides zu schreiben wäre übermäßig anspruchsvoll. So lege ich den Fokus meiner Sichtweise auf die Aspekte des argentinischen Tango, die ihn und unser Leben gleichermaßen strukturieren und beseelen können. Sie weisen einen respektvollen, einfühlsamen Weg, der ermutigend, heilsam oder einfach nur gesundheitsförderlich und belebend für unsere ganz alltägliche Beziehungs- und Kommunikationskultur ist.
Auf meinem persönlichen Lebensweg als Tochter, Mutter und Frau, als Seelsorgerin, Lehrerin, Therapeutin, als Schwesternhelferin, Reinigungskraft und Ehrenamtliche kristallisierte sich immer klarer heraus, dass ehrliche Würdigung, wohlwollende Berührung und transparente Kommunikation die Start- und Landebahn wahrhaftiger Beziehungen sind. Sie lassen Leib und Seele wachsen, heilen und reifen unter der Sonne gütiger Annahme, die uns gemeinsam durchträgt wie die Tangomusik. Ehrlich gesagt ist mir das erst über die vielen, einzigartigen Begegnungen im Tango so richtig, sprich nachhaltig in den Körper gefahren und bewusst geworden, was andere Tänze, Therapien, Techniken und Workshops durchaus auch angeregt hatten. (Allen Ernstes fehlten mir dabei nicht selten Humor, Spiel und Bewegungsfreiheit, die dem Tango wie dem Leben seine Würze geben.) Aus dem Rundumpaket des Tango für den Alltag möchte ich dessen Geschenke mit Ihnen teilen, die Sie ermutigen, inspirieren und berühren mögen.
Keine Sorge: Dies ist weder ein tangotechnisches noch ein wissenschaftliches Buch, obgleich es bedeutsame Forschungsergebnisse gibt, die heilsame, gesunde Wirkungen des Tango auf alltägliche Befindlichkeit und Beziehungen nachweisen. Hiervon zeugen auch die persönlichen Statements von mir bekannten Freizeittangotänzer*innen, die ich während der Buchentstehung um die Antwort einer einzigen offenen Frage gebeten habe: „Was hast du vom Tango in dein Leben mitgenommen?“
Die Bereitschaft zu antworten war großartig und vielfältig. Ich habe hier themenmäßig zugeordnet, wie und was an Bewusstheit und Wirkungen im persönlichen und beruflichen Beziehungsalltag seinen gesunden und erfreulichen Raum bekommen hat. Ich habe auch das Feedback meiner Seminarteilnehmer*innen der seit mehr als zehn Jahren laufenden verschiedenen Gruppen und von Klienten in tangotherapeutischen Einzelsitzungen einbezogen, das von bewegenden Erlebnissen und aufrechten Lebensveränderungen zeugt.
„Tangoenergetik im Alltag“ nenne ich ihre ehrlichen Äußerungen und mutigen Selbstoffenbarungen. Danke! Wenn ich mal „Er“ und mal „Sie“ sprechen lasse, so handelt es sich nicht um Dialoge, sondern um die Kennzeichnung der Aussagen weiblicher oder männlicher Personen. Sie dürfen gespannt sein.
Bis hierhin habe ich einige „Gendersternchen“ benutzt oder auch versucht, sie zu umgehen. Der bewusstseinsförderliche Diskurs zu geschlechtergerechter Sprache ist vielfältig und bei weitem nicht abgeschlossen, ebenso wie hier im Buch ihre inkonsequente, nicht aber ignorierende Verwendung. Ich bitte um Nachsicht und wünsche mir vielmehr, dass die Sternchen aus allen Wolken fallen, und wir mit unverhandelbarer Gleichwertigkeit unsere Beziehungen würdig kultivieren, praktisch, faktisch!
In diesem Buch geht es um die Einladung zu lebendigem Erleben und Durchtanzen des „Alltäglichen“, wie sie uns beispielhaft der argentinische Tango als sein Geschenk quasi in den Schoß legt. Er hat seinen Ursprung mitten im einfachen Leben der Großstädte Buenos Aires, Argentinien, und Montevideo, Uruguay – also am Río de la Plata, dem großen, weiten, glitzernden Mündungstrichter zweier starker Flüsse.
Mit Tango ist hier nicht gemeint der domestizierte, etwas marschmäßige europäische Standardtanz mit seinen vorschriftsmäßigen, zackigen Schrittfolgen und Posen, die tendenziell wenig Nähe und Zuwendung fühlen lassen, und bei dem eine Abweichung vom Standard leicht als richtig oder falsch bewertet wird.
Der argentinische Tango lässt sich nämlich nicht bändigen. Er ist und bleibt ein freier, emotionaler Ausdruck seiner selbst – mit allen Facetten und Blüten. Er ist so wenig Standard, wie auch kein Mensch in seinem Wesen je Standard ist. So geht es hier auch nicht um präzise Technik, Schrittfolgen oder Tangostile, sondern um seinen persönlichen und gemeinschaftlichen Mehrwert in der tangofreien Zone des Alltags.
Tango ist wie eine Metapher fürs Leben und zugleich ein faszinierender, uns in vieler Hinsicht essentiell berührender Tanz. Mit ihm können wir auf unser Leben blicken wie durch ein farbenfrohes Kaleidoskop. Da spiegeln sich bunte Glasteilchen in Lichtbrechung und fügen sich durch spielerisches Drehen immer wieder neu zu lebendig bunten Mustern und faszinierend schönen Formen. Als Kinder haben wir es begeistert gedreht und geschüttelt. Wir wollten sogar dem Geheimnis auf die Spur kommen und konnten es kaum fassen.
Für Sie als erwachsene Leserin und Leser ist das Buch mit seinen sich spiegelnden Verbindungen von Tango und Leben eher wie eine „Gebrauchsanleitung“ konzipiert, was den Aufbau der Hauptkapitel betrifft. Sie orientiert sich an der Bewegungsrichtung unserer Sichtweise und Begegnungen im Alltag und zeigt, anders gesehen, auch die Dimensionen, die wir berühren. Ich – Du – Wir – Es (Das Leben – das große Ganze).
Zur Aufrichtung und Ausrichtung mögen einige dies als immer wieder abzurufende Reihenfolge nehmen, andere wie ein Kaleidoskop oder als sich wiederholende und dabei wandelnde spiralige Entfaltung.
Als ich mit einem befreundeten Paar über die Kapitelreihenfolge sprach, meinten beide liebevoll empört: „Eigentlich müsstest du von hinten mit dem Kapitel IV anfangen. Das Kapitel I, „Ich“, ist doch das, was erst im Nachhinein bewusst wird, also was zum Schluss rauskommt bei Begegnungen und Berührungen mit „Du“, „Wir“ und „Es“: Ich nämlich, selbst-bewusst, einfach ich selbst sein!“
Also lesen Sie los, bei welchem Kapitel Sie einsteigen möchten und wo es Sie hinzieht. Das Buch hat, wie ich, wie Sie, wie alle Lebewesen, seinen DNA-Strang, der sich spiralig um eine gemeinsame Achse antiparallel windet. (Erb)Information und Potenzial finden Sie überall.
Sie müssen zum Verständnis des Buches weder Tango tanzen können, noch es lernen – das wäre natürlich eine ganz überraschende und spannende Erfahrung, ist aber nicht erforderlich. Sie können sich aus der tangotanzenden oder auch lebenskünstlerischen Perspektive von „Tangoenergetik“ anregen lassen. Sie sind eingeladen, Ihren Tango mit dem Leben zu tanzen. Möglicherweise tanzt das Leben ja schon Tango mit Ihnen. Mal werden Sie das Gefühl haben, Ihr Leben zu führen, mal ihm besser oder lieber zu folgen.
Lassen Sie sich überraschen, welche inspirierenden, stärkenden, beglückenden, doch auch herausfordernden Kräfte im Spiegel von typischen Tangothemen für Ihren Beziehungsalltag lebendig werden.
Mit einigen persönlichen Geschichten meinerseits mögen Sie sich anregen lassen, einen würdigenden, heiteren oder auch besinnlichen Kontakt mit Ihrem eigenen reichen, bunten Erfahrungsschatz aufzunehmen, Ihren Geschichten der Kraft, des Staunens, des Glücks. Erlebnisvielfalt macht Ihre erwachsene Persönlichkeit farbig, sensibel, wahrhaftig strahlend, genau so, wie Sie selbst Ihre innere Heimat verkörpern.
Falls Sie manche gedanklichen Ausführungen zu kennen glauben, mögen Sie es wie bei einer Sanduhr in Ruhe tiefer rieseln lassen, ins Erleben bringen – durch Ihr Herz ins Gefühl, in Hände zum Handeln, in Arme zum Umarmen und Füße zum Gehen der nächsten Schritte Ihres einzigartigen Lebensweges.
Energetik mag dem einen oder anderen „esoterisch“ klingen, bedeutet aber schlichtweg, aus der altgriechischen Wurzel abgeleitet, die in einem Werk wirkende Kraft, physikalisch wie energetisch, die umwandelt.
Mit Tangoenergetik bezeichne ich die dem Tango innewohnende, vielschichtige Kraft, die wohl auch sein Faszinosum ausmacht. Es ist das Gesunde, Heilsame, Verbindende, Aufrichtige und Aufrichtende, das in seinen Wurzeln und seinem Wesen, auch seiner uns mal emotional, mal anheizend, mal gütig umspielenden Musik angelegt ist – wie in uns selbst – das große Potenzial, das wir in Ganzheit und Gegenwärtigkeit in jeder Beziehung zu uns selbst und zu anderen zum Ausdruck bringen können. „Tango es una terapia que hace liberar el alma.“
Tango ist eine Therapie, die die Seele befreit, sagte der Milonguero Ricardo Vidort (1929-2006).
Über das Gewahrsein der körpersprachlichen, dem Tango innewohnenden Wirkung werden stärkende, auch gewohnte einschränkende und erhellende Elemente im eigenen Erleben und Verhalten bewusst und wie von selbst auf den Lebensalltag bezogen. Oft folgt ein verständnisinniges Lachen über die Verknüpfung von Tango und Leben, auch Selbstermutigung, Vitalität und ein Aufbruch in mehr Lebensfreude. Berufliche und private Beziehungen werden bewegt und belebt. Tangoenergetik wirkt lebendig in den Alltag hinein und entfaltet hier wundersam ihre „Heilkraft“.
Auch wenn nicht jeder die körpersprachliche Tangotanzerfahrung hat, sie machen möchte oder gar davon enttäuscht ist, ist es doch möglich, in alltäglichen Beziehungen seine Aufmerksamkeit auf das eigene Körpergewahrsein, aufrichtige energetische Präsenz, transparente Kommunikation und nicht zuletzt auf die eigenen und größeren Lebensrhythmen zu lenken – mit der oft so notwendigen improvisatorischen Gestaltungskraft.
Tangoenergetik versteht sich im Sinne von Salutogenese, existentieller und humanistischer, positiver Psychologie, integralem Lebenscoaching, Körperpsychotherapie, Tangotherapie in systemischer Kontextbezogenheit, wie könnte es anders sein – ein Rundumpaket, ohne Schubladen.
Tangoenergetik öffnet recht entspannt einen Raum für ganzheitliche Bewusstseins- und Wachstumsprozesse, in dem Freude, Zufriedenheit und Hingabe mittanzen. Wie im Spiegel können zentrale Lebensthemen erkannt, bewusst gemacht und somit gestaltet werden – frei-willig.
Tango ist – wie der, der ihn tanzt – kein Alleingänger, sondern ein Kontextkünstler. Er kann mit seiner Wirkkraft zugleich Türöffner, Methode und Bewusstheit in Beziehungen sein. Im Unterschied etwa zu Yoga, Tai Chi oder Meditation – so zeigen Untersuchungen – fordert Tango die stete Bezogenheit heraus und lässt uns Verbundenheit und Zugehörigkeit bewusst werden. Auf dem tänzerischen, spielerischen, in Beziehung erfahrenen Weg ist der gesundheitlichen Prävention und Erhaltung gedient, ja mehr noch, es werden Möglichkeiten gefunden, mit eigenen Stressproblematiken, ungesunden Körperbelastungen, psychosomatischen „Störungen“ und Beziehungs- und Kommunikationsthematiken besser, gesünder und glücklicher umzugehen. Tangoenergetik spricht einfach und verständlich für sich, durch getanztes Erleben. Sie ermutigt immer wieder zum Innehalten, Ausrichten und Vertrauen.
Tangoenergetik würdigt primär und mit Begeisterung die Einzigartigkeit eines jeden Menschen als unersetzlichen Teil der Gemeinschaft, die auf diese Weise das Parkett zum Tanz der Daseinsfreude aller freigibt.
Tangoenergetik ist wie ein Kompass, der persönliche und soziale Orientierung anbieten möchte in sich rasant verändernden und verunsichernden Zeiten, mit ihren bei weitem nicht absehbaren digitalen Veränderungen und globalen wirtschaftlichen Co-Abhängigkeiten wie Kämpfen. Frieden beginnt in uns und wirkt von hier aus. Werte wie Aufrichtigkeit, Gleichwertigkeit, Wohlwollen, Berührbarkeit, Warmherzigkeit, Mitfühlen, Transparenz und Klarheit, die sich ausdrücken in einer würdigenden inneren wie äußeren Haltung, wollen im Tango wie im Leben konkret praktiziert und erlebt werden, auch wenn und gerade weil sich so manche Beziehung in ihrem kostbaren Wesentlichen herausgefordert fühlt. Dafür hält Tangoenergetik eine gute Portion Humor, Hoffnung und Lebensfreude bereit, je nach dem, welche Musik im Leben gerade gespielt wird und wie wir sie kreativ gestalten.
Tangoenergetik kann – mit einem Augenzwinkern – zu gelebter TangoenergEthik werden, mit der wir zu einer achtsamen, friedvollen GmbH zusammenwachsen, einer Gemeinschaft mit berührender Haltung. Sie möchte Glanz in Augen und Alltag bringen, Lächeln und Humor des Verständnisses hervorzaubern und die Erotik der Wahrhaftigkeit lebendig schwingen lassen.
Tango braucht keine Bühne, bekommt sie doch immer wieder und fasziniert offensichtlich auch Nichttänzer. Tango hat sich immer schon jedweden Raum genommen für Ausdruck, Entfaltung, Zusammengehörigkeitsgefühl, Verbundenheit und Freude.
Wie auf Schmetterlingsflügeln hat er sich zunehmend mehr und in rasantem, mutigem Flug weltweit verbreitet und bestäubt nachhaltig, geradezu viral jede noch so kleine Blütenansammlung an irgendwelchen Standorten, die er nur ein Mal eben angeflogen hat – eine Pandemie, die vor Grenzen von Kontinenten, Ländern, Diktaturen, Generationen und Altersgemengen keinen Halt macht. Er war und ist wie ein Symbol für Mut, Freiheit, Improvisation, Lebensfreude und Gemeinschaft. Überleben hat er gelernt, oft trotzig und kreativ antanzend gegen politische Zwänge und Bombenkrieg, wie beispielsweise im syrischen Damaskus (2016). Und eben gerade darüber hinausgehend ist er ein wahrer Lebenskünstler, der Hoffnung ein- und ausatmet, und einfach Sein, Lebendigkeit feiert.
Einen Ort findet Tango überall, wo auch immer man Boden unter den Füßen hat: auf Schiffen oder Bahnsteigen, auf Plätzen, Straßen oder Stränden, ob in Hinterhöfen oder Fabriketagen, ob unter der Laterne oder den Palmen vor dem Bode-Museum, ob im ehemaligen Frauengefängnis oder auf dem Grund eines Schwimmbeckens im leergepumpten historischen Stadtbad in Berlin, wo uns die geliebte Großmutter vor Jahrzehnten das Schwimmen gelehrt hat.
Tango-Bewegung nimmt sich Raum, wo und wenn sie etwas zu sagen hat, z.B. als Hommage zum Geburtstag des Papstes 2014 auf dem Petersplatz in Rom, wo Tausende dicht gedrängt Tango tanzten, derweil Papst Franziskus schmunzelnd und Matetee trinkend zuschaute – er war selbst früher begeisterter Tangotänzer und soll über den Tango gesagt haben: „Er ist stärker als ich, ich liebe ihn.“ Beachtlich für einen amtierenden Papst!
Und im Jahre 2016 wurden in den Nachrichten Fotos und Filmchen einer tangotanzend wogenden Menge in den Straßen von Buenos Aires gezeigt, die damit friedlich, aber deutlich gegen die drastischen wirtschaftlichen Einschränkungen gemeinsam antanzten. Und so gibt es auch in Deutschland soziales oder politisches Tango-Engagement beispielsweise für eine Weltwirtschaft „in Balance“, die die Interessen aller Nationen berücksichtigt. Die hiesige Organisation „Tango Berlin hilft“ engagiert(e) sich detailliert konkret, zuverlässig für Flüchtlinge und Geflüchtete, ihnen ein Gefühl von Würde und Schutz vermittelnd. Jüngst wurde Tango für Klimaschutz und Kohleausstieg im Berliner Regierungsviertel getanzt. Es gäbe noch mehr Beispiele sozialen und politischen Engagements, die, eben tangoenergetisch, aus dem Mark und Herzen dieses Tanzes fließen, der sich oft nicht nur um den eigenen Nabel dreht, sondern mehr bewegt und bewirkt, im Großen wie im Kleinen, zwischenmenschlich menschlich.
Zoomen wir uns kurz an einen typischen Tango-Ort – als Voyeur beim Open-Air.
In einem kleinen Städtchen in Deutschland: Samstagnachmittag im Mai, sonnendurchfluteter Kirschblütenhanami, volle Fußgängerzone, es wird ein rotweißes Plastikbandband gezogen, offensichtlich nicht zur Abgrenzung einer Baustelle, sondern einer Tanzfläche, das wird mit den ersten Klängen von Tangomusik klar. Und schon bewegen sich einige Paare nach der Musik, auch Väter mit ihren kleinen Töchtern, Mütter mit gefülltem Babytragetuch. Schuhwerk und Dressing sind völlig egal, es wirkt schön und stimmig, zieht in Bann.
Tatsächlich gibt es kaum einen, der nicht stehen bleibt. Und dann: Die einen ziehen nach kurzer Verhaltung mehr oder weniger eiligen Schrittes weiter, eine Übersprungsbemerkung ablehnender Art auf der Zunge, schütteln den Kopf oder schauen sich doch nochmal um, die Musik klingt ihnen hinterher, aber die Vergangenheit schiebt, die Zukunft ruft mit Druck, Leistung, Planung und Pflicht, die Gegenwart ist blitzschnell vorbei, – keine Zeit zum Verweilen – wie kann man denn bloß…!
Nicht nur ein Ehepaar bleibt tatsächlich ein Weilchen stehen, hört und schaut zu und lässt offensichtlich in sich etwas zu von interessierter, neugieriger Anteilnahme bis Mitschwingen und Freude im Gesicht. Nach ein, zwei deutlich hörbaren Atemzügen geht das Paar langsam weiter und überlegt sich vielleicht, doch mal das ein oder andere Beziehungsgefühl anzusprechen, dieser Tango, ein guter Anlass zu lange fälliger Besinnung, nehmen wir uns heute Abend Zeit dafür?
Am Rande stehend schauen einige freundlich strahlende Augen zu den Tanzenden. Es wird fröhlich einladend aufgefordert. „Wie, ich jetzt?“ „Ja, ich meine dich!“ „Aber ich kann doch keinen Schritt!“ „Das geht schon, einfach zusammen tanzen!“
Andere machen von sich aus einen mutigen Schritt, sprechen frisch jemand an und schon sind sie frühlingsfroh auf der Tanzfläche. Es macht Spaß, spontan zu sein, Neues und sich selbst auszuprobieren. Musik und verrückte Atmosphäre ziehen einfach nach vorn… Mutiges und Spielerisches geben sich die Hand, ein Lacher, es fühlt sich leicht an, obwohl – wir kennen uns doch gar nicht! Egal, was so rumgedacht wird, ein wachgerufenes freudiges Gefühl wird einfach jetzt getanzt. Die langsam untergehende Sonne blickt freundlich auf alles, was sich bewegt an Zuschauern und Tänzern und lässt ihrerseits die Strahlen gleichermaßen auf allem tanzen.
Zum Klischee Tango möchte ich hier nichts mehr bedienen, es haftet ja vielen Worten, Orten, Kulturen und allem Möglichen an, und erst mit Kennenlernen, praktischen Erfahrungen findet es entweder Beweise für seine Richtigkeit oder es wandelt sich über das persönliche Erleben, das entdeckerfreudige Sich-Einlassen.
Als Reizwort wird Tango allerdings gerne benutzt und gehört zu den am meisten positiv besetzten Worten. Gerne wird es zu Werbungszwecken oder als journalistischer Aufhänger benutzt, oft auch in Verbindung mit einem überzeichnenden Bild. Es soll neugierig und aufmerksam machen, anrühren oder auch anreizen zum Lesen oder Kaufen, signalisiert vielleicht Geheimnisvolles, einen süßen Geschmack von nicht gelebter Emotionalität, immer auch gerne in der Bandbreite von Melancholie und Leidenschaft bis Erotik.
Ja, auch ich kaufe und verschenke gerne Tangosekt, natürlich aus ökologischem Anbau, und eine leckere Gewürzmischung, die sich „Tango-Spice“ nennt. Ich schnuppere am eher abschreckenden Tango-Parfum, freue mich, wenn jemand sich einen Tango-Softdrink bestellt und staune, dass Automaten für Knabbertüten, Autos, Satelliten, Dessous und vieles mehr mit „Tango“ vermarktet werden. Reiz, Faszinosum, verzauberndes Geheimnis werden mit Tango ebenso gerne assoziiert wie verheißungsvolle Sicherheit, flexibel-stabile Struktur und soziale Brücken.
Hier in der Tango-Hauptstadt Berlin vergeht kaum eine längere Zeit, ohne dass in der lokalen Presse Blocküberschriften mit Tango zum Lesen reizen. Einige berichten über Tangoereignisse wie Open-Air-Milongas oder Kulturelles zum Thema, andere haben wieder gar nichts mit Tango zu tun. Und dann findet sich etwas Topspannendes mit der etwas saloppen Kurzfassung: „Tango statt Fango“ – von einem äußerst erfahrenen und kompetenten Schmerztherapeuten, der sich für eine auf Bewegung fokussierte Therapie bei chronifizierten Schmerzen einsetzt. Vom Heilsamen und dem vielleicht genau deswegen so Faszinierenden des Tango für unsere alltägliche Beziehungskultur wird in diesem Buch schrittweise die Rede sein.
Tango – das Wort fühlt sich für viele klar, warm und aufregend an. Weder etymologisch noch von seinem ersten Auftreten her ist seine „Abstammung“ sicher zu identifizieren – afrikanisch, karibisch, Bezeichnung einer Trommelversammlung? Man wird es nicht mehr herausfinden, soweit ist es also egal.
Und so leite ich es mir einfach und inhaltlich richtungweisend ab vom lateinischen tangere mit der Hauptbedeutung „berühren, bewegen“ – also: tango: ich berühre, ich bewege – eine selbstbewusste, präsente, aktive Tätigkeitsform in der ersten Person und ein schönes Motto.
Das Wort Tango transportiert wahrlich eine Energie, das muss man ihm lassen! Und woher hat dieser Tanz denn nun seine geballte Kraft, emotionale Ladung und auch sein zärtliches Fließen, was offensichtlich magnetisch wirkt und polarisiert in Anziehung und Ablehnung?
Er zeigt immer wieder auch ein Ringen darum, Bodenhaftung im Alltag zu finden, oft mit einem „Trotzdem-Ja-zum-Leben-Sagen“, aber eben nicht nur um des Überlebens willen, sondern auch um prickelnde Lebendigkeit zu spüren und zu schöpfen, wie sie in echter Verbundenheit frei wird. Bei Zuschauenden wie bei Tanzenden kann Tango vollkommen absichtslos tiefere Schichten und Grundbedürfnisse berühren und zum Klingen bringen, bis hin zu Lust und Hingabe in der Umarmung des Lebens, wie es gerade ist.
Zugegebenermaßen könnte das eine steile These sein, aber schauen wir nach, was dazu und überhaupt in seinen Wurzeln begründet ist. Immerhin hat die UNESCO im Jahre 2009 den argentinischen Tango – sehr zur Überraschung und Freude vieler – zum sogenannten Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt, also als kulturstiftend und -bildend anerkannt. Seine Geschichte begann – wie schon erwähnt – am Río de la Plata, wesentlich in den Ballungsräumen von Buenos Aires und Montevideo.
Hier trafen Ende des 19. Jahrhunderts, in mehreren Wellen zwischen 1880 bis 1930, etwa sechs Millionen Menschen ein. Angezogen vom argentinischen Einwanderungsprogramm, getrieben und vertrieben aus den Heimatländern wegen wirtschaftlicher Not, Armut, Hunger, später Krieg und Verfolgung waren sie über den Atlantik in langer beschwerlicher Schiffsreise ins Unbekannte aufgebrochen und angekommen. Es waren Mitteleuropäer wie Italiener, Spanier, Russen, Polen, Deutsche, vor Pogromen flüchtende Juden. Sehr viele hatten Armut und Unerträgliches erlebt und gleichzeitig Hoffnung auf ein besseres Leben, wagten den großen Sprung über den Ozean, wahrlich nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, und wollten, mussten sich neu verwurzeln und von vorne anfangen.
Gleichzeitig gab es im Land, d.h. ausgehend vom argentinischen Hinterland, eine massive Bewegung von Landflucht Richtung Großstadt. Hier flüchteten Gauchos aus der Pampa und arbeitslose Landarbeiter, zudem wurden gleichzeitig afrikanische Sklaven von meist englischen Händlern importiert. Unvorstellbar auch in seinem Ausmaß der florierende Mädchenhandel aufgrund von Frauenmangel – und jede und jeder dabei ein persönliches Schicksal!
Am Río de la Plata, dem Silberfluss, war ein Schmelztiegel entstanden aus unterschiedlichen Völkern und Kulturen, in dessen alltäglichem Überlebenskampf von Arbeitslosigkeit, existenzieller Not, Prostitution, Kleinkriminalität und rigiden Beziehungsstrukturen nicht nur eine gemeinsame Sprache gelernt werden musste, sondern es ging ja auch darum, sich zu beheimaten, Wurzeln zu schlagen, die eigenen wiederzufinden, zum Ausdruck zu bringen, Kontakt aufzunehmen, sich sozial zu verbinden.
Unter dem Vorzeichen dieser Grundbedürfnisse entstand der Tango. Sie machten es wie Menschen in allen Kulturen dieser Welt, wenn sie ihre Emotionen ausdrücken möchten, sich ihrer selbst versichern, ja auch Schmerzhaftes heilen möchten: sie bewegten sich, sie berührten sich, sie tanzten, sangen, verbanden sich über die Weltsprache Musik. Und die Musik ihres Herzens, ihrer Heimat hatten sie nicht zurückgelassen, sondern mitgenommen, ganz konkret in Form des Bandoneons, das seine Bezeichnung von Herrn Heinrich Band aus Deutschland haben soll. In Musik und Tanz flossen wie in eine Flussmündung aus vieler Herren Länder die Musikströme und Tanzstile wie z.B. Walzer, Polka, Mazurka, Ländler, der Habanero aus Kuba und Maxixe, ein brasilianischer Tanz, ein. Und die afrikanische Trommelkultur, von den Sklaven eingebracht, findet sich in vielen Tangos als Grundrhythmus wieder, als tragende Begleitung wie ein kontinuierliches Pochen des Herzens.
Heutzutage und schon lange sind Musik- und Tanzstile im Tango zusammengefasst als Milonga, Tango und Vals mit unterschiedlichen Rhythmen.
Es gab hervorragende Straßenmusiker, Orchester und Komponisten, die ihr Bestes gaben, so auch großartige weltberühmte Sänger und Sängerinnen, die dem emotionalen Ist-Zustand der großen Bevölkerungsmehrheit mit Leib und Seele Ausdruck verliehen und sich auch in sozialkritischen Texten zeigten.
„Tango ist unsere Volksmusik“ sagte mir kürzlich so stolz wie selbstverständlich ein befreundeter junger Argentinier der dritten Generation deutscher Auswanderer in Buenos Aires. Weder er noch sein Vater tanzen Tango. Das Erbe lebt. (Und die Erde bebt, wenn heute junge, hochqualifizierte Tangomusiker ihre Versionen mit Leib und Seele samt zeitgemäßen Verstärkern aufspielen.)
Tango war ein Tanz des mehrheitlich einfachen Volkes, die Oberschicht blickte lange auf ihn abschätzig herab. Um 1900 meinte Papst Pius X. in Rom, ihn als „sündhaft“ seinen Gläubigen im inzwischen durchkatholisierten Lateinamerika verbieten zu müssen. Aber als ein aufrechtes Paar, er Argentinier, sie Botschaftssekretärin, eine Tango-Audienz arrangiert bekamen und dem „Heiligen Stuhl“ vortanzten, fühlte sich der Papst offensichtlich bewegt genug, um sein Verbot zurückzunehmen.
In seiner weiteren Geschichte tanzt der Tango um die Welt, wieder im Zusammenhang mit der Flucht von Generationen vor sich abwechselnden Militärdiktaturen und Wirtschaftskrisen in Lateinamerika und Europa – ein Hin und Her über die Kontinente. (Es möchte erwähnt werden, dass auch „flüchtende“ Nazis ebenso wie DDR-Politgrößen auswanderten, um unauffällig und ungestraft ein unbeschwertes Leben zu führen.)
Von der zunehmend interessierten Oberschicht wurde der Tango inzwischen wahrgenommen und faszinierte auch Reisende. Da reichte z.B. eine Schönheitsoperation an der Nase eines Barons und ein beiläufiger „Schnupperkurs“ Tango in Buenos Aires, um diesen Tanz 1926 an den Kaiserhof in Japan zu bringen.
Im Russland vor der Revolution ab 1911 war der Tango am Zarenhof wie im Volke weit verbreitet, sodass die größte Zeitung dort jubelte: „Alle Welt tanzt Tango.“ Und 1915 soll er in Finnland angekommen sein, das sei hier deswegen besonders erwähnt, weil Finnen meinen, sie hätten ihn erfunden, was der Kinofilm „Mittsommernachtstango“ nahelegen möchte. Jedenfalls kultiviert(e) der finnische Tango in besonderer Weise seinen eigenen Musik- und Tanzstil. Der russische aber auch. Typisch Tango!
Kurz vor dem 1. Weltkrieg schwappte der Tango über den Atlantik in die Salons und Bars in Paris, der charmanten und bewunderten Metropole, an der sich Europa kulturell orientierte. Als erfolgreicher Modetanz bewirkte er sogar, dass der Schlitz in den Rock der Damen geschneidert wurde – zwecks fröhlicher und kreativer Bewegungsfreiheit ihrer Beine.
Auch in Deutschland wurde er gerne getanzt. Wilhelm II. verbot zwar seinen Soldaten, die Uniform bei diesem „Vergnügen“ zu tragen, das war aber nicht wirklich hinderlich. Während nach dem 1. Weltkrieg in den Goldenen 20er Jahren die Tanzböden beliebt waren, wurde es im Nazideutschland und 2. Weltkrieg sehr leise um den Tanz. Es soll kleine, lebenswillige Atemzüge des Tango in Wohnzimmern gegeben haben, soweit sie begehbar, also nicht von Bomben zerstört waren, und die Kraft reichte. Der etwas schmissige, marschmäßige europäische Tango (s.o.) fand sich bald nach den Kriegen in den Tanzschulen ein. Der argentinische Tango jedoch fasste erst wieder seit Anfang der 80er Jahre Fuß, vor allem in Berlin – dank der bis heute professionellen und flexiblen, mutigen Tangolehrer*innen der ersten Stunde.
Nun ist Berlin weltweit nach Buenos Aires als Tangometropole anerkannt, wirklich rein zufällig in diesem Zusammenhang verbindet beide eine Städtepartnerschaft. Berlin hat geschätzte 4000 Berliner Dauertänzer, hinzu kommen sehr viele Tanzfreudige aus fast allen europäischen Ländern und anderen Kontinenten. Hängen wir noch eine Null an die geschätzte Regelzahl, dann würde man sie Tangogelegenheitstänzer nennen. Insgesamt ist die Dunkelziffer, mal eine erfreuliche, hoch!
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“
Martin Buber
Der jüdische Philosoph Martin Buber brachte es wie kein anderer auf den Punkt: Das Ich wird am Du zum bewussten Ich. Um beim Anderen anzukommen, muss ich ganz bei mir gewesen sein, und von hier bei mir zum anderen ausgehen; um mich selbst zu erkennen, brauche ich Beziehung. Eine Wechselbeziehung.
Unermüdlich mahnend und ermunternd sprach und schrieb er von dem, was im Tango wie im Leben von zentraler Bedeutung ist: Das Ankommen bei sich selbst, das Anerkennen dessen, was war und ist, um vom gegenwärtigen Standort aus würdig und aufrecht in Beziehung zu gehen. Martin Buber wusste, wovon er sprach, war er doch 1938 dem Nazi-Deutschland entkommen und zeitlebens – auch interkontinental – unterwegs, als migrierender Menschenlehrer, der in sich selbst beheimatet war.
Auch wir sind heute unterwegs, auch unser Leben ist ein „Wandern“ von einem Ort zum anderen, von einer Begegnung zur nächsten. Können wir uns ganz mitnehmen, mit allem bei uns sein? Für viele Menschen wird unsere gesammelte Präsenz ein Präsent sein. Uns selbst machen wir damit das größte Geschenk.
Wir erinnern uns, dass der argentinische Tango aus dem Erleben und den Qualitäten von Migranten, Geflüchteten und Ankömmlingen entstanden ist, ja seinerseits selbst zum Migrationskünstler geworden ist, der um den Globus zieht und immer wieder an neuen Orten auf dem Boden der Tatsachen ankommt und Wurzeln schlägt, um sich zu beheimaten.
In mir ist die Frage aufgetaucht, ob der Tango, der uns „auf den Pott“ setzt, sprich aufs reale Parkett des Hier und Jetzt, in seinem kollektiven Gedächtnis ein Wissen von Weggehen und Ankommen, von persönlicher Verwurzelung und Kontaktbereitschaft, vom würdigen Aufrichten und Verbinden über Musik und Bewegung gespeichert hat. Diese „Echos“ seiner Vergangenheit können wir – aus tangoenergetischer Sicht – in vielen seiner Elemente und Themen finden und sie wie ermutigende, anregende Geschenke zu uns nehmen: das Zentrieren im eigenen Körperzuhause, das absichtsvolle Gehen, die Lust an verbindender Berührung, das körpersprachliche Kommunizieren und die gemeinsame Hingabe an den Fluss der Lebensmusik.
Nicht nur der Tango hat eine Flüchtlings- und Migrationsgeschichte, sondern die Menschheit seit Urzeiten. Und auch in Deutschland ist es nicht allzu lange her, dass wir entweder selbst auf der Flucht waren oder Andere, Vertriebene, Fremde klaglos beheimatet haben. Die „Flüchtlingsthematik“ sitzt uns – kollektiv wie familiär – in den Knochen und ist wieder sichtbar, brandaktuell, sehr konkret, gesellschaftlich und medial bedeutsam. Sie berührt und bewegt uns in die eine oder andere Richtung. Migration, ein sachlicher Begriff dafür, dass hier Menschen aus Not oder Sehnsucht nach einem besseren, würdigen Leben unterwegs sind, findet weltweit auf Erden statt und schreit zum Himmel. Haben wir persönlich vielleicht mehr damit zu tun, als wir gerade vor Augen sehen? Vermutlich kennen auch Sie in dieser Hinsicht Erzählungen von Bekannten oder aus Ihrem eigenen „Familienskript“. Bücher, Filme und Forschung befassen sich zunehmend mit der unbewussten Weitergabe transgenerationaler Traumata und ihren möglichen Folgen.
Auch wenn wir auf diese größeren Zusammenhänge hier nicht weiter eingehen können, gibt es doch möglicherweise einen kleinen Flüchtling in uns selber, dem die Lebensrealität wenig erträglich scheint oder der glatt Nein sagt zum Kontakt mit der Realität, wie sie ist – aus Not, zum Schutz, aus Sehnsucht oder Angst. Kein Wunder gerade in Zeiten, da einigen der Boden unter den Füßen wegzurutschen scheint, andere als Jobnomaden unterwegs sind, viele entmutigt oder erschöpft im Jetlag von multipler Überforderung durch Arbeit und Familie hängen oder gebannt sind von digitalen Welten und existentiellen oder gesundheitlichen Sorgen. Mal fühlt es sich wie ein zerreißender Spagat an, mal wie dissoziative Spaltung. Dann sind wir zwar da, aber nicht hier. Wir sind zwar körperlich anwesend, aber nicht ganz bei uns angekommen, zuhause. Der kleine Flüchtling ist woanders unterwegs. Er hat einen Teil unserer Energie mitgenommen und lässt uns nicht voll präsent sein, irgendwie fehlt uns was. Grund genug, ihn aufzuspüren, wahrzunehmen, sich ihm zuzuwenden, um ihn in seiner Not verstehen zu können, und ihm dann wie im Tango einladend und bejahend die Arme zu öffnen. Eigentlich möchte er bei uns sein, sich integrieren, seinen Platz einnehmen und mit uns tanzen.
„Endlich bin ich bei mir zuhause angekommen! Und doch heißt es immer wieder hier und jetzt: Mich ganz einsammeln!“ Ein Satz, den ich öfter höre, der im Hintergrund von langer Suche, Unruhe und Weglaufen vor sich selber erzählt und nun erleichtert, glücklich und zufrieden ausgesprochen wird.
Er: „Wie oft bin ich zum Tango geflüchtet vor dem Stress im Job, vor den dauernden Erwartungen meiner Frau und Kinder, zur Ablenkung von diesen blöden Grübeleien, dass noch was anderes für mein Leben hochdrängt. Beim Tanzen kam ich ganz bei mir an, spürte meinen Körper wieder und mich selbst, musste einfach präsent sein. Und wie? Erstmal mich ‚einkriegen‘, einsammeln, was unterwegs weggeflutscht war, mir selbst Anker sein, dann geht das Aufrichten wie von alleine. Das ist jetzt meine heimliche Übung in Beruf und Familie, erstmal mich einzufangen und all meines zu sehen und zu sammeln. Das gibt mir Kraft im Alltag, auch andere merken, wie ich jetzt wirklich ganz hier bin.“
Sie: „Tangotanzen war immer ein geduldetes und auch bewundertes Argument, weil es so gesund und erotisch sei oder ist. Aber ehrlich gesagt bin ich oft genug dahin geflüchtet, bloß weg vom Stress in Schule und Familie. Aber ich bin auch vor mir selbst geflohen, Selbstwert und Lebenslust im Keller. Mich selbst spürte ich gar nicht mehr, erst wieder beim Tango. Da konnte ich wieder ankommen bei mir. Und ich habe den Flüchtling in mir erkannt mit seinen Bedürfnissen und Strategien, diesen netten kleinen Kerl, der nur das Richtige für sich braucht. Wenn er sich jetzt meldet, um Tschüss zu sagen, nehme ich ihn gedanklich an meine Hand oder in mich hinein. Stark! Ich kann jetzt ganz bei mir sein, zu mir stehen. Ich habe das Gefühl, mich zunehmend in mir zu beheimaten, sage ich mal so. Nervenkostüm ist ruhiger, ich bin stabiler und flexibler geworden, oft wie geborgen in mir, zufriedener, das sagen mir sogar einige, schön!“
Die meisten gehen Tango tanzen, weil es ein wunderbares Freizeitvergnügen ist. Wie ein Mehrkomponentenkleber verbindet er sehr viele erfreuliche Aspekte miteinander: soziale, sportliche, musikalische, bewegende, berührende, gesunde, kommunikative, kreative, heitere, spielerische und unzählige weitere mehr. Nicht wenige erkennen jedoch auch, dass ihre Tangolust aus unterschiedlichen Gründen zu Flucht und Sucht geworden ist.
Nach meiner Beobachtung im Umfeld geschieht dies eher phasenweise. Flüchten ist ja nicht nur ein Schutzmechanismus vor Überforderung beispielsweise, sondern auch eine oft kreative Kompetenz. Und eine Flucht in den Tango setzt uns höchst freundlich genau dort wieder ab, von wo wir flüchten wollten, nämlich in den gegenwärtigen Moment und Kontext samt unserer sinnlichen Körperwahrnehmung. Aus tangoenergetischer Sicht ist dies eine ermutigende, aufrichtende und bewusst machende Selbsterfahrung, die Lust auf mehr Körperpräsenz im Alltag macht.
Für den Tango mit uns selbst können wir uns interessiert und bewertungsfrei Fragen stellen: Sind wir gerne in uns zuhause, wirklich jetzt ganz bei uns selbst angekommen, bejahend, in Frieden? Gibt es in uns möglicherweise einen kleinen Flüchtling, der abhaut, wegläuft, sich versteckt, in die „innere Emigration“ geht oder die Flucht nach vorn antritt, wenn die Situation oder Begegnung als zu „brenzlig“ erlebt wird, der Kontakt mit der Realität in Beziehung oder Beruf nicht gefühlt werden möchte? Der dann beispielsweise in Schweigen, stillen Trübsinn, Verpflichtungen, Ablenkungen, Aktionismus, übermäßigen Sport, Spiele, Shoppen, Sex, Selbstoptimierungssucht, auch in virtuelle Welten oder in spirituelle Dauersuche abdriftet?
Erkennen können wir diesen unbewussten Vorgang häufig daran, dass sich auch Lebensfreude, Vitalität, inneres Gleichgewicht und präsente Lebendigkeit verflüchtigen. Der kleine Flüchtling nimmt ja viel Energie mit, die uns dann nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn wir dies bemerken, etwa auch an Müdigkeit oder geistiger, emotionaler Abwesenheit, können wir interessiert nach dem geflüchteten Teil Ausschau halten, ihn namentlich bezeichnen und ihn wieder zum Tanz mit dem Jetzt einladen – wie im Tango mal in weiter, mal in enger Umarmung, genauso, wie es stimmig ist.
Wir können freundlich, wohlwollend oder einfach wertschätzend für seine Bewegungen sein. Er hat es schon früher gut gemeint mit uns, wollte Wesentliches in uns, in manchen Situationen gar unsere Würde schützen und retten. Er bringt uns sogar sehr belebende Erfahrungen mit nach Hause, die er gewonnen hat.
Finden Sie selbst heraus, ob es beispielsweise sein Improvisationsgeschick, seine Kreativität und spielerische Fährtensuche ist oder sein Spürsinn, sein ausgefeiltes Frühwarnsystem für Bedürfniserfüllung, seine Fähigkeit, Abstand zu nehmen und nicht dauerhaft zur Verfügung zu stehen, und überhaupt seine Lust, voll und ganz zu leben! Er ist auch Sie!
Manchmal ist es klug und gesund, sich Situationen bewusst zu entziehen, oft auch nur vorübergehend, um sich angesichts eines inneren oder äußeren Aufruhrs in Stille zu klären und wieder zu zentrieren. Wie oft habe ich einen „Gang um den Block“ mit versprochener Rückkehr gemacht oder kurzzeitig den Raum verlassen, als es tobte und toste in mir und um mich herum! Es war die mir mögliche Verantwortung und Antwort. Ich kam gesammelt, geklärt und lösungsoffen zurück aufs häusliche Parkett, hatte mir nur vorher einen intimen Tango mit mir selbst erlaubt.
Weggehen ist sehr oft nicht flüchten, sondern auch einfach mutig seinen Weg gehen: Neues ausprobieren, Grenzen dehnen, die Welt kennenlernen, durchaus auch Ausbildungsabbrüche wagen, der Sehnsucht des Herzens folgen oder sich vom ständig juckenden, ungelebten Potential endlich hinziehen lassen, wohin man wirklich gehört. Das fällt oft nicht leicht, weil es kritisch und gerne warnend beäugt wird. Jedoch grenzt es an Selbstverleugnung, wenn wir dem „Ruf des Lebens“, dem persönlichen Wirkungsdrang, dem gefühlten inneren Auftrag oder Wunschziel nicht folgen, vermeidend fliehen, egal in welcher Altersphase. Es wird uns einholen. Und den kleinen Flüchtling, der mahnend und schon langsam kränkelnd, gelangweilt, unzufrieden ums innere Feuer herumtanzt, heimholen. Er kann uns mit seiner Fackel den Weg dorthin zeigen, wo wir im Element sind, um gemeinsam begeistert einen erfüllten Lebenstango aufs Parkett zu bringen.
Vielleicht haben Sie diese kurzen oder langen Phasen schon hinter sich, stecken mitten drin oder spüren, dass für diesen Lebensabschnitt noch etwas ans Licht drängt. Dann schenken Sie dieser oft flüchtigen Regung freundliche Aufmerksamkeit und geben ihr gastfreundlich Heimat.
Es mag auch sein, dass Sie die innere Flüchtlingsthematik befremdet. Aber eine Wachheit dafür hat uns die Evolution mitgegeben. Wir können heute unsere Sichtweise von bedrohter Sicherheit zu Bereicherung ändern oder erweitern, ob es nun um den inneren, fremd erscheinenden „Flüchtling“ geht, um die kollektive oder um die aktuell gesellschaftliche Thematik.
Im wahrsten Sinne einleuchtend ist mir folgender Satz, auch wenn er nur zur Sorte „Poesiealbum für Erwachsene“ gehört: „Wer in sich selbst beheimatet ist, kann anderen eine Heimat geben.“
Nehmen Sie sich freundlich und bewertungsfrei im Alltag Zeit, Ihrem inneren Flüchtling, sollten Sie einen entdecken oder wahrhaben wollen, „auf die Schliche“ zu kommen. Sie könnten sich aus Interesse auf Spurensuche begeben, denn er ist naturgemäß gewieft. Welchen Situationen entzieht er sich gerne oder gewohnheitsmäßig und wie?
Sobald Sie ein flüchtendes Verhaltensmuster, meist in Beziehungssituationen, bemerken, ermöglichen Sie sich eine bewusste Wahl: „Flüchten oder Standhalten“. Spüren Sie spontan durch, was Ihnen und der Situation guttut, was Kraft und Lebendigkeit aufbaut oder Sie eher runterfährt. Denn der kleine Flüchtling braucht und verbraucht Ihre Energie.
Spannend die Frage: Wie macht er das? Ihre Antwort zeigt Ihnen Fähigkeiten, die Sie für sich auch in anderen Situationen mutig und konstruktiv einsetzen können: Beispielsweise Kreativität, Improvisation, Bescheidenheit, Schweigen, Wortgewandtheit oder Selbstfürsorge … .
Ob Sie ihn an die lange Leine, an die Hand oder in die Arme nehmen und ihn gar beheimaten, also integrieren möchten, wie auch immer ist er Teil Ihrer Vitalität und Ihr Sensor für Wahrnehmung grundlegender Bedürfnisse. Akzeptanz und Würdigung tun ihm und Ihnen gut. Ebenso der Satz von Kurt Tucholsky, einfach als Motto genommen: „Es tut so wohl, auch einmal Ja zu sagen.“
Es muss wohl Ende der 80er oder Anfang der 90er Jahre gewesen sein – in einer großen Berliner Tanzschule. War es der traditionelle Tanz in den Mai oder ein Abschlussball aller Kurse vom Walzer über englisch benamte Tänze wie Swing, Jive, Disco-Fox, Blues bis zum kubanisch hüftschwingenden Rumba oder Chachacha? Wir hatten Choreografien und Tanzfolgen gelernt, wieder vergessen und erneut trainiert und nun war einfach Tanzen angesagt, allerdings mit den mehr oder weniger „verordneten“, eingeübten und bei den Damen bitteschön zu erinnernden Schrittfolgen. Auch nett und erfreulich, besonders mit den Freunden! Und dennoch, als ich zufällig vom Nachbartisch hörte, dass in einem anderen Raum im Hause argentinischer Tango getanzt würde, hielt es mich nicht mehr auf dem Platz. Ich wollte diesen für mich neuen Tanz mit seinem so speziellen und faszinierenden Namen einfach mal sehen und seine Musik kennenlernen.
