Lebensmuster erkennen und nutzen - Thomas M.H. Bergner - E-Book

Lebensmuster erkennen und nutzen E-Book

Thomas M.H. Bergner

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Beschreibung

Unsere individuellen Lebens- und Verhaltensmuster wurden in frühester Kindheit geprägt. Oft begleiten sie uns ein Leben lang und sind dafür verantwortlich, dass wir an immer wieder gleichen Herausforderungen scheitern, dass wir nicht über unseren Schatten springen können und ständig in die gleich Falle tappen. Thomas M.H. Bergner hilft dabei diesen Mustern auf die Spur zu kommen und sie positiv einzusetzen

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Seitenzahl: 328

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Thomas M. H. Bergner

Lebensmuster erkennen und nutzen

Thomas M. H. Bergner

Lebensmuster erkennen und nutzen

Was unser Denken und Handeln bestimmt

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Nachdruck 2013

© 2005 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Atelier Seidel, Neuötting

Redaktion: Annette Gillich

Satz: J. Echter, Redline GmbH

Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN Print 978-3-86882-298-4

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-160-6

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-758-5

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.muenchner-verlagsgruppe.de

eBook by ePubMATIC.com

Dieses Buch widme ich meinem Vater Werner Bergner, geb. Oluschinsky, und meinen Großvätern August Oluschinsky und Hermann Schenk mit tiefem Dank und in Liebe.

Inhalt

Vorbemerkung

Was läuft, wenn nichts läuft?

Es läuft nach klaren Mustern

Nutzen Sie dieses Buch für sich

Gewinnen Sie durch dieses Buch

Muster sind essenziell

Muster bringen Ihnen etwas

TEIL I: MUSTER HABEN IHR SYSTEM

Bedingt lauffähig: Muster – das menschliche Betriebssystem

Muster steuern

Die Richtung bleibt immer dieselbe

Konfigurieren bringt mehr als Systemwechsel

Auf Schritt und Tritt: Muster, wohin man sieht

Metamuster: Das Wesentliche

Historische Muster: Früher war alles besser

Kollektive Muster: Mir san mir

Geschlechtsspezifische Muster: Kommen Männer vom Mars und Frauen von der Venus?

Übernommene Muster: Was nichts kostet, ist nichts wert

Soziale Muster: Das macht man nicht

Organisations- und Unternehmensmuster: … machen Kinder froh und Erwachsene ebenso

Eigene Muster: Was ihr wollt

Im Zentrum der Macht: Muster herrschen mit treuem Gefolge

Die Basis hat nicht viel zu melden

Anführer geben den Ton an

Konkurrenz belebt das Geschäft

Nur Macher kommen an die Spitze

Einer zieht die Fäden

Schließen Sie Frieden mit Ihren Mustern

Aus eins mach sechs: Muster vermehren sich

Primärmuster

Sekundärmuster

Die Unbestechlichen: Muster lassen sich nicht blenden

TEIL II: MUSTER NUTZEN ZWÖLF STRATEGIEN

Strategie 1: Ich bin immer bei dir

Einmal ist keinmal

Auf immer und ewig

Durch dick und dünn

Bis dass der Tod uns scheidet

Strategie 2: Ich nutze jede Chance

Deine Ohnmacht kommt mir gerade recht

Gelegenheit macht Diebe

Strategie 3: Auf mich kannst du dich verlassen

Strategie 4: Du kennst mich doch lang genug

Ich habe dich zur Welt gebracht

Der erste Eindruck zählt

Strategie 5: Ich hänge an deinen Werten

Strategie 6: Als innerer Schweinehund lass ich dir deine Ruhe

Strategie 7: Ich verstecke mich

Maskenball der Zitate

Muster – kein Witz

Trojaner im Poesiealbum

Strategie 8: Ich bin mit deiner Angst im Bunde

Angst warnt und verhindert

Angst schützt und hilft

Angst liefert wertvolle Energie

Strategie 9: Ich bin ganz nah und doch so fern

Unwörter als Freibrief

Vom Unwort zum Muster

Strategie 10: Ich bin der Choreograf deines Verhaltens

Motive und Motivationen

Motivationen und Muster

Muster – das Bindeglied zwischen Motivation und Verhalten

Motive, Ziele, Willenskraft

Strategie 11: Ich kontrolliere, was rein- und rausgeht

Viel Wirbel um Gefühle

Mit allen zwölf Sinnen von außen nach innen

Gefühle und Gedanken – Bewegung im Innen

Emotional das Innere nach außen kehren

Die Wahrheit liegt im Außen

Musterkurzschluss – mehr als getrübte Wahrnehmung

Immer strengere Filterverfahren

Strategie 12: Ich mache dich glauben

Glaubenssätze und ihre wenig glaubhafte Änderung

Wahrheit, Glaube und Wirklichkeit

Muster oder Glaubenssatz?

Muster – Kristallisationskeim für Glaubenssätze

TEIL III: SO DURCHSCHAUEN SIE DAS SPIEL

Wie Sie Muster erfolgreich erkennen

Wie sehen Muster aus?

Musteridentifikation – die Methode

Wie Sie erkennen, dass Sie erkennen

Alltagssituationen

Unterschiede zwischen Alltag und Seminarsituation

Wie Sie Muster exakt formulieren

TEIL IV: SO MACHEN SIE ES PASSEND

Sich trennen oder beisammen bleiben?

Wenn Muster Ihnen passen

Wenn Muster Ihnen nicht passen

Gehen Sie den Königsweg

Bringen Sie Motivationen, Ziele und Muster unter einen Hut

Muster ändern

Wollen Sie wirklich etwas ändern?

Klare Ziele sind Ihre Chance

Lassen Sie sich Zeit

Hindernisse und Störfaktoren erkennen

Fünf Schritte zur Überwindung von Hindernissen

Ihren Zielen näher kommen – die Durchführung der Mustermodifikation

Mustermodifikation – und dann?

Muster nicht be- oder verurteilen

Warum immer bewerten?

Muster brauchen keine Bewertung

Muster wertfrei annehmen

TEIL V: SO KLAPPT’S

Partnerschaft – viele Chancen

Beziehung bedeutet Ungleichgewicht der Kräfte

Begegnung ist Auseinandersetzung

Liebe hat viele Gesichter

Beziehungen, Begegnungen und Muster

Leitmuster bestimmen die Partnerschaft

Beruf – emotionale Kompetenz statt Burnout

Muster zu erkennen verbessert die emotionale Kompetenz

Emotionale Kompetenz ist dreierlei

Handlungskompetenz

Muster nutzen – emotionale Kompetenz steigern

Burnout

Erfolg durch Authentizität: I am what I am

Authentizität kommt an

Authentizität mittels Muster

Der Sinn des eigenen Lebens

Die sechs wichtigen Schritte

Schritt 1: Offenheit durch Erkenntnis

Schritt 2: Entspannung durch das Outen

Schritt 3: Sicherheit durch Akzeptanz

Schritt 4: Energie durch freie Wahl

Schritt 5: Lebendigkeit durch Freisetzen des Impulses

Schritt 6: Authentizität, Erfolg und Kraft durch Muster

TEIL VI: ANHANG

Aufgaben

Werte-Liste

Literatur

Über den Autor

Vorbemerkung

Sie sind ein Schöpfer – der Schöpfer Ihrer eigenen Muster –, und das, seitdem Sie leben.

Muster sind unverkennbare, eindeutige Zeichen, die immer wiederkehren. Wir begegnen ihnen im Alltag ununterbrochen. Ein Leben ohne Muster gibt es nicht. In diesem Buch geht es um Muster, aber um andere, als bisher bekannt sind. Welche Muster kennen wir in der Regel?

Wenn Sie morgens vom Radio geweckt werden, hören Sie ein Geräusch- oder Klang-Muster: Der Jingle, die kurze Melodie, welche die Nachrichten oder die Verkehrsnachrichten einleitet. Schon vor dem Frühstück werden Sie Verhaltensmuster ausleben: das Ritual, ob und wie Sie morgens duschen, ob Sie zuerst die Haare waschen und dann den Körper, welche Körperstellen Sie zuerst einseifen und zuletzt abwaschen – alles Muster Ihres Verhaltens. Wenn Sie nicht alleine sind, werden Sie morgens, mittags und abends genügend Verhaltensmuster Ihrer Partnerin oder Ihres Partners oder Ihrer Kinder kennen – mal wohlwollend schätzend, mal eher nicht.

Wenn Sie frühstücken, schauen Sie auf optische Muster: das optische Muster („Logo“ oder Markenzeichen) Ihres Joghurts, die mustergeschützte Form Ihres Bestecks und des Marmeladenglases. Selbst der Geruch des Toasts ist ein Geruchs-Muster und die Art seines einmaligen Knusperns beim ersten Biss wieder ein Geräusch-Muster. Dann denken Sie vielleicht kurz daran, ob Sie dieses Knuspern mögen oder ob es Sie an etwas erinnert (Denkmuster).

Den Tag über werden Sie konfrontiert mit Ihren Glaubensmustern oder -sätzen und denen von anderen: weshalb was wie zu sein hat; weshalb Sie irgendetwas so und nicht anders tun sollten.

Solche Muster sind also Teil unseres alltäglichen Leben. In diesem Buch geht es jedoch um viel wichtigere Muster: um Ihre Persönlichkeits-, Lebens-oder Wesensmuster (im Buch sprechen wir der Lesbarkeit zuliebe einfach von „Muster“). Das sind nicht Ihre Verhaltens- oder Denkmuster und auch nicht Ihre Glaubenssätze, aber sie lassen sich ebenfalls als Sätze formulieren. Sie haben in Ihnen größere Wirkungen und sie lösen weit mehr aus als alles andere. Ihre Lebensmuster entspringen Ihrer Persönlichkeit und formen sie. Sie beeinflussen eines entscheidend: Ihr ganzes Leben!

Die Beschäftigung mit Ihren Lebensmustern kann viele wichtige Fragen klären. Sie ist ein Weg zu sich selbst, zu den eigenen inneren Strukturen. Wer wichtige Teile von sich erkannt und angenommen hat, ruht in sich, wirkt nach außen gelassen, selbstsicher und glaubwürdig. Diese Beschäftigung mit seinen Lebensmustern führt bei konsequenter Anwendung hin zu einem charismatischen, integren und authentischen Menschen, der es als eine wichtige Aufgabe versteht, sein wahres Wesen zu erkennen und es auch zu leben. Der nicht bereit ist, sich den gesellschaftlichen „Zwängen“ zu beugen. Der spürt, dass Erkenntnis Gewinn an Leben bedeutet. Der weiß, dass er sich selbst der beste Coach ist, wenn er sich in den Dienst seiner Menschlichkeit stellt.

Selbstverwirklichung meint nicht, alles zu tun, wozu man Lust hat, sondern sich dem Sinn des eigenen Lebens zu öffnen und ihm zu dienen.

Was läuft, wenn nichts läuft?

Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.

Galileo Galilei

Wie oft haben Sie schon versucht,

abzunehmen?

weniger zu rauchen?

sich gesünder zu ernähren?

mit Ihrer Zeit besser umzugehen?

Ihre Flugangst zu überwinden?

endlich ein gutes Buch zu lesen?

regelmäßig Sport zu treiben?

sich konsequent fortzubilden?

mehr Struktur in Ihr Berufsleben zu bringen?

mehr zu delegieren?

sich mehr Zeit für sich selbst zu nehmen?

sich nicht mehr über Banalitäten aufzuregen?

sich mehr um Ihren Partner zu kümmern?

endlich Ordnung zu schaffen?

Ich bin an solchen Vorhaben immer wieder kläglich gescheitert. Wahrscheinlich haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht. Aber warum fällt es uns nur so schwer, uns zu ändern? Warum ist es uns scheinbar unmöglich, von alten Gewohnheiten zu lassen? Warum eignen wir uns kein neues, sinnvolleres, gesünderes, erfüllendes Verhalten an?

Es läuft nach klaren Mustern

Die Antwort ist einfach: Der Mensch lebt nach individuellen inneren Strukturen, seinen Persönlichkeits- oder Lebensmustern. Und die durchkreuzen so manches Vorhaben. In der Tabelle ist dargestellt, welche Muster unsere guten Vorsätze in der Regel verpuffen lassen. Beachten Sie, dass die Muster hier und auch im weiteren Verlauf des Buches Beispiele sind und eine oder einige von vielen Möglichkeiten bedeuten. Der Individualität und Kreativität des Menschen sind kaum Grenzen gesetzt.

Gute Vorsätze und Muster als Hindernis

Gute Vorsätze

Hinderliche Muster

Abnehmen

Ich will nichts hergeben.

Weniger rauchen

Ich will mich nicht zeigen.

Sich gesünder ernähren

Ich will nicht verzichten.

Mit seiner Zeit besser umgehen

Ich habe Angst vor der Leere.

Seine Flugangst überwinden

Ich muss mich sicher fühlen.

Ein gutes Buch lesen

Ich will nur mein Ding machen.

Regelmäßig Sport treiben

Wenn ich mich bewege, sterbe ich.

Sich konsequent fortbilden

Ich kann nichts annehmen.

Mehr Struktur in sein Berufsleben bringen

Ich will nichts ändern.

Mehr delegieren

Ich will alles unter Kontrolle haben.

Sich mehr Zeit für sich selbst nehmen

Ich habe Angst vor mir.

Sich nicht über Banalitäten aufregen

Ich will alles bestimmen.

Sich mehr um seinen Partner kümmern

Ich will meine Ruhe.

Ordnung schaffen

Ich mag mich nicht anstrengen.

Jeder von Ihnen besitzt eine Vielzahl an Mustern. Diese sind groß, sicher, unangreifbar und langlebig, vergessen nichts und besitzen Weisheit. Noch dazu sind sie stark und schlau. Das zeigt schon die Tatsache, dass Muster in der Lage sind, Dinge zu verhindern und uns von etwas abzuhalten. Wenn Sie jedoch Ihre Stärke und Schlauheit nutzen lernen, werden Sie endlich Dinge bewegen können und in Gang bringen. Genau darum geht es in diesem Buch.

Nutzen Sie dieses Buch für sich

Sie können dieses Buch als reines Lesebuch verstehen, Sie können es aber auch als Arbeitsbuch verwenden. Für letztgenannten Zweck enthält es eine Reihe von Aufgaben, deren Ziel es ist, Ihnen das Arbeiten mit Ihren Mustern zu ermöglichen. Sie werden dazu angeleitet, sich Schritt für Schritt Ihre persönliche Mustersammlung zusammenzustellen und damit zu arbeiten. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind alle Aufgaben in Teil VI zusammengefasst, in den Kapiteln verweisen kleine Kästchen mit dem Zeichen auf die jeweils zugehörige Aufgabe. Alle Aufgaben verstehen sich als Angebot, auf das Sie nicht zwingend eingehen müssen. Dieses Buch ist so konzipiert, dass Sie auch ohne sie Wesentliches für sich erreichen.

Ergänzend zu den Aufgaben helfen zahlreiche Übungen, die Fähigkeiten zum Identifizieren eigener Muster zu erlangen, zu verbessern und zu testen. Die Übungen sind in die Kapitel integriert und sollten schon wegen der darin enthaltenen Muster auch dann gelesen werden, wenn Sie die Übung nicht machen. Darüber hinaus können Sie sich an allen Tabellen üben, die Muster enthalten. Verdecken Sie jeweils die Musterspalte, und überlegen Sie selbst, um welches Muster es sich im Einzelfall handeln könnte.

Die im Buch genannten Muster bilden die Grundlage für Ihre Arbeit mit Ihren eigenen Mustern, daher sind sie im Text gekennzeichnet, damit sie leicht zu erkennen sind: Alle Muster sind in einer anderen Schrift gesetzt.

Gewinnen Sie durch dieses Buch

Muster sind außerbewusste innere Strukturen, die Ihr Leben bestimmen. Dabei bezeichnet der Ausdruck „außerbewusst“ alles, was uns nicht bewusst ist, es bedeutet keinerlei Abwertung. Erst wenn Sie Ihre Muster durchschauen, können Sie beginnen, etwas anders oder etwas anderes zu tun. Sie werden erkennen, warum vieles in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld nicht wunschgemäß läuft. Und Sie werden verstehen, warum manches wunderbar klappt. Eine bisher unentdeckte innere Welt wird sich Ihnen öffnen. Sie können bewusst ein völlig neues Kapitel Ihrer Lebensgeschichte aufschlagen, indem Sie Ihre eigenen Muster erkennen, neue Ressourcen für sich erschließen und ein gutes Stück weiterkommen.

Dieses Buch handelt von der Entwicklung Ihres Selbst, davon, dass Sie Ihre Fähigkeiten erkennen und Ihre Erfahrungen vertiefen. Es geht um Ihr Selbst-Verständnis, nicht um ein äußeres Befestigungssystem, mit dem Sie versuchen, sich im Leben zu halten. Es geht um Ihre inneren Strukturen, denn in Wahrheit sind sie es, die bisher und auch weiterhin für den nötigen Halt sorgen. Es geht um Urteils-und Handlungssicherheit, um emotionale und soziale Kompetenz und – allem voran – um Ihre Einmaligkeit und Würde. Aber was genau heißt das? Was bringt Ihnen dieses Buch? Es bringt Ihnen:

Ideen und Inspirationen, warum etwas bei Ihnen nicht klappt

Lösungen, wie vieles bald klappen kann

Anregungen, den eigenen Horizont zu erweitern

Methodik, um zielsicher eigene Strukturen zu erkennen

Impulse, um aus eigener Kraft und mit eigenen Ressourcen die Zukunft zu meistern

Wissen, weshalb sich niemand auf Dauer durch angelerntes Verhalten manipulieren lässt

Möglichkeiten, Ihre Reaktionen und die anderer besser zu verstehen

Sicherheit bezüglich Ihrer Einzigartigkeit

Bewusstheit über Ihre Muster

Mehr Freiheit in Ihrem Leben

Das alles hat nichts, aber auch gar nichts mit Glaubenssätzen zu tun, die zum Beispiel so lauten könnten: „Ich kann nicht vor einer Gruppe sprechen“. Das folgende Beispiel beleuchtet diesen Glaubenssatz näher. Übrigens beschränkt sich das Buch der Lesbarkeit zuliebe prinzipiell auf die männliche Form von Berufsbezeichnung usw., auch wenn beide Geschlechter gemeint sind.

Markus ist Mitte 40 und das, was man einen erfolgreichen Manager nennt. Er führt eine beachtliche Zahl an Mitarbeitern, arbeitet effizient und weiß, was er will. Er hat eine Bilderbuchkarriere gemacht, immer ging es aufwärts und voran. Markus ist beliebt. Man sagt ihm zwar die eine oder andere Affäre nach, aber das gehört schließlich dazu. Kurzum: Markus ist der Erfolgsmensch und Karrieretyp schlechthin. Ob er Entlassungen verkündet, schriftliche Berichte verfasst oder mit Geschäftspartnern verhandelt, er zieht sein Ding durch. Nach außen wirkt er souverän, jeder Situation gewachsen, eben ein Profi durch und durch – gäbe es da nicht den Jour fixe jeden ersten Montag im Monat. Das nämlich ist der Moment, in dem er vor Kollegen und Mitarbeitern seinen Monatsbericht vortragen muss. Am Abend vorher nimmt er Schlaftabletten, und an den besagten Montagen leidet er regelmäßig an Durchfall. Die unlängst verordneten Betablocker helfen auch nicht so richtig, denn: Markus hasst es, Reden zu halten. „Ich kann nicht vor einer Gruppe sprechen“ sagt er. Aber dank seines anerzogenen Pokerface fällt das niemandem auf. Also steht er einmal im Monat da, macht sich fast in die Hose und wirkt souverän wie immer.

„Ich kann nicht vor einer Gruppe sprechen“ – vielleicht dachten Sie bisher, bei solchen Glaubenssätzen sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Aber es geht noch weiter: Hinter allen Glaubenssätzen verbergen sich Muster. Glaubenssätze und Muster unterscheiden sich in ihrer Qualität: Während Glaubenssätze vordergründig sind, agieren die Muster im Hintergrund. Indem Sie sich mit Mustern auseinander setzen, werfen Sie also einen Blick hinter die Kulissen und entdecken die wahren Ursachen. Glaubenssätze sind eine Art Kulisse. Aber was steckt dahinter? Was verursacht Ihre Befürchtungen und Wünsche, Ihr Verhalten? Bei Markus war es übrigens das Muster Ich will mich nicht zeigen. Andere mögliche Spielformen wären: Ich lass mir nicht in die Karten schauen oder: Niemand kriegt mich. Solche oder ähnliche Erkenntnisse werden Sie im Laufe der Lektüre gewinnen können.

Aufgabe 1, Seite 327

Muster sind keine Glaubenssätze.

Vor tausenden Jahren wurden am Eingang des Tempels von Delphi alle Besucher aufgefordert: Erkenne dich selbst. Sich selbst zu erkennen, heißt, seine Seele zu erkunden. Das ist leichter gesagt als getan, denn gegenüber den bahnbrechenden Fortschritten in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, wie sie 3 000 Jahre Menschheitsgeschichte hervorgebracht haben, ist das Wissen über die menschliche Seele gering. Vielleicht ist es aber auch nur abhanden gekommen. In unserer Schulzeit hören wir jedenfalls nicht eine Stunde lang, was die Seele eigentlich ist und bewirkt.

Ihre Muster – so viel ist klar – sind ein Abbild Ihrer Seele und Ihres Selbst (Ich). Jeder wendet Lebensmuster an, kaum einer kennt sie und weiß damit umzugehen. Aber spätestens dann, wenn Ihnen etwas gegen den Strich geht, klopfen Ihre Muster an die Bewusstseinstür. Bestimmt haben Sie das schon erlebt. Sie steckten mitten in einer Situation (oder standen ziemlich daneben), über deren Ausgang Sie sich später gewundert haben. Wie konnte das nur passieren? Aber „das“, also Ihr Denken, Fühlen und Handeln, geschieht nicht irgendwie oder einfach so. „Das“ läuft äußerst kontrolliert nach klaren, vorgegebenen Mustern – Ihren eigenen. Diese kennen und verstehen zu lernen, hilft Ihnen dieses Buch. Nach der Lektüre werden Sie endlich die richtige Adresse kennen, an die Sie Dank und Beschwerden für den scheinbar wundersamen Ausgang so mancher Situation richten können. Es lohnt sich also, weiterzulesen.

Muster sind essenziell

Muster entstehen in früher Kindheit und halten ein Leben lang, wie das folgende Beispiel verdeutlicht.

Daniela, 35 Jahre, schaut unter fachlicher Begleitung und mit Hilfe einer etablierten Methode in ihre frühe Kindheit zurück: Sie ist ein Baby, gerade aufgeweckt und aus den schönsten Träumen gerissen worden. Grelles Licht, vorbeifahrende Autos, Küchengeruch – das alles nimmt sie wahr. Es ist viel kälter als im Bett, sehr unangenehm. Danielas Mutter hält sie fest im Arm, als das Telefon läutet. Daniela wird eilig auf dem kalten Wickeltisch „geparkt“ – das nächste unangenehme Gefühl. Sie dreht sich leicht nach rechts und spürt, dass neben ihr nichts ist, schlimmer noch: ein Abgrund. Der sichere Griff ihrer Mutter fehlt, niemand hält sie. Just in diesem Moment wird ihr klar, dass sie sich keinen Millimeter weiter drehen und am besten gar nicht bewegen darf, sonst fällt sie. Da kommt ihr in den Sinn:Wenn ich mich bewege, sterbe ich.Und schon ist eines ihrer wichtigsten Muster gebildet. Daniela verharrt regungslos, bis die Hände ihrer Mutter sie wieder aufnehmen. Fazit: Es hat funktioniert, sie hat still gehalten, sie ist nicht gefallen, und sie hat überlebt.

So klein Daniela in der beschriebenen Situation auch gewesen sein mag, so war sie doch ein kompletter Mensch mit der Fähigkeit zu denken – vorrangig mithilfe von Gefühlen. Auch wenn sich das Bewusstsein über Tod und die eigene Endlichkeit erst Jahre später herausbildet, war ihr Gehirn leistungsfähig, aufnahmebereit und -willig und hat Inhalte in Form von Gefühlen gespeichert. Diese werden künftig immer wieder als Muster abgerufen, wenn auch unbewusst. Muster sind untrennbar mit einem oder mehreren Gefühlen verbunden – in unserem Beispiel mit Angst, Starre und Unsicherheit. Muster sind der sprachliche Versuch, Gefühle zu konkretisieren. Daniela jedenfalls hat ihre Lektion gelernt: Wenn ich mich bewege, sterbe ich. Was aber tut ein Mensch konsequenterweise, wenn er weiß, dass jede Bewegung lebensbedrohlich sein könnte? Er hält still, und das nicht nur auf dem Wickeltisch. Wie also wird Danielas weiteres Leben nach dieser Erfahrung ablaufen? Sie wird ein ruhiges, unkompliziertes und pflegeleichtes Kind, das gerne drinnen spielt und seine Eltern wenig belastet. Sie treibt höchst ungern Sport, bekommt mit zunehmendem Alter Gewichtsprobleme und Bluthochdruck. Zwar macht sie immer wieder Ansätze, ins Fitnessstudio zu gehen, aber alle guten Vorsätze scheitern: Vorletzte Woche war sie krank, und letzte Woche hat sie das Training total verschwitzt. Oder sie lässt sich einfach irgendetwas anderes Hübsches einfallen, um ihr Muster zu erfüllen und das Gelernte zu bestätigen. Hauptsache, sie muss sich nicht bewegen.

Natürlich gibt es viele mögliche Gründe für Gewichtsprobleme. Jetzt kennen Sie einen weiteren. Und kommen Sie mir bloß nicht mit den Genen. Natürlich gibt es sie, einen gewissen Einfluss haben sie auch. Aber diktieren die Gene, wie viel Sie sich bewegen oder was Sie wann und in welcher Menge essen und trinken sollen? Natürlich nicht. Aber Ihre Muster sagen Ihnen das ganz genau. Sie haben immer so großen Hunger? Wie wäre es dann mit: Ich will es nicht ertragen (das Hungergefühl) oder: Ich gebe nichts mehr her? Wenn Sie keine Gewichtsprobleme haben, umso besser. Vielleicht leben Sie nach dem Muster: Ich lasse es nicht zu, mit dessen Hilfe Sie unter anderem ein Leben lang jede lustvolle Nahrungsaufnahme verweigern. Zweifellos auch eine wirkungsvolle Methode, schlank zu bleiben.

Ein kleines Sätzchen also soll für das alles verantwortlich sein? Ein Sätzchen, das aus einer einzigen Situation heraus geboren wurde? Eine Momentaufnahme soll derartige Auswirkungen haben? – Ja!

Sicher ist es für manche schwer nachzuvollziehen, dass sie bereits in ihrem frühesten Erdendasein eigenverantwortlich tätig waren. Ungläubigkeit und das Negieren von Tatsachen sind – wie bestimmte Muster – eine gute Taktik, sich aus der Verantwortung zu stehlen: Ich bin nicht schuld. Zwingt Sie denn jemand, Muster zu kreieren? Schreibt Ihnen irgendwer vor, welchen Inhalt Ihre Muster haben sollen? Das tun Sie ganz alleine, Ihr ganzes Leben lang. Aber warum sind Muster so stark, dass sie dauerhaft wirken und sich immer wieder durchsetzen? Ganz einfach: weil sie schon einmal funktioniert und sich in einer existenziellen Situation bewährt haben. Von Erprobtem und Erlerntem abzuweichen, wäre höchst unklug und widerstrebt dem Menschlichen. Außerdem muss man das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden. Sind Muster erst einmal da, halten wir an ihnen fest. Ihr Überleben ist gesichert, weil

wir wiederholt die gleichen Erfahrungen machen,

sich die Muster jedes Mal aufs Neue zu bewähren scheinen,

unsere Wahrnehmung dadurch zunehmend getrübt wird,

wir unseren Mustern in vielen Lebenslagen blind vertrauen müssen,

sie sich immer stärker emotional verankern und

wir ein Neu-Lernen und Neu-Erfahren nicht mehr zulassen, um nicht alles durcheinander zu bringen.

Abbildung 1: (Über)-Lebenskreislauf von Mustern

Muster bringen Ihnen etwas

Eine gewisse Struktur braucht jeder, der Ordentliche wie der Chaot. Und Muster schaffen Strukturen. Sie sind Leitbilder, innere Ordnung, die Grundlage, auf der wir (auf-)bauen und funktionieren. Muster sind ein Teil unseres innersten Wissens um uns selbst. Muster sind die Vermittler zwischen unseren Motivationen und unserem Verhalten. Sie lassen sich in Worte kleiden und in Sätze packen, die uns fortwährend begleiten und unser Handeln entscheidend beeinflussen. Es sind Sätze wie:

Ich will unbedingt geliebt werden.

Ich schaff’s nicht.

Ich habe immer Recht.

Ich lasse nichts an mich ran.

Da muss ich durch.

Ich ertrage es nicht, allein zu sein.

Ich will es nicht wissen.

Aber Muster geben nicht nur Struktur, sie können unser Leben auch in Bahnen zwingen, die uns schmerzlich einschränken. Ganz ohne Regeln geht es natürlich nicht. Aber die Muster, die Sie lenken, sollten wichtige Sätze und Überzeugungen sein, die Ihre Person im heutigen Erwachsenenzustand widerspiegeln. Bewusste, vertraute, erwachsene und Sie darstellende Muster sind sinnvoll. Es sind Muster, die Sie in vollständiger geistiger Sicherheit, Bewusstheit und Übereinstimmung als richtig und wichtig erkennen und für Ihr Leben annehmen. Solche Muster können Sie sich zunutze machen.

Kleine Kinder bis zum Alter von etwa sieben Jahren lieben es, wenn ihre Bezugspersonen wieder und wieder das gleiche tun (Rituale). Das gibt Sicherheit und ist zudem eine gute Übung. Und wie wir alle wissen: Übung macht den Meister. Deshalb ist es auch so schön und äußerst Erfolg versprechend, das Üben im Erwachsenenalter mit den eigenen Mustern fortzusetzen. Muster entstehen meist durch eine äußere oder innere, für Sie wichtige oder bedeutsame Situation, die Dritten womöglich banal erscheinen mag. Genau solche Situationen sind es auch, die Sie auf bestehende Muster zurückgreifen lassen. Und so ist das erwachsene Leben eine Aneinanderreihung von Musterwiederholungen in wechselndem Gewand. Aber warum wenden Sie alte Muster immer wieder an? Weil Sie einen Nutzen daraus ziehen, und sei es nur der, nichts Neues probieren zu müssen. Von der Pflege unserer Muster versprechen wir uns in der Regel einen individuellen Gewinn: Wir wollen unsere Ruhe haben, unseren Frieden, suchen Bestätigung oder wollen einfach nur geliebt werden.

Ihre Muster sind wie Sie.

Schön und gut, aber wo ist der Haken? Wenn Sie sich Ihrer Muster nicht bewusst sind, können diese Ihre Entwicklung unkontrolliert beeinflussen und sogar hemmen, denn es ist schwierig, einmal Gelerntes zu verlernen. Seien Sie trotzdem stolz auf Ihre Muster, denn sie sind nicht nur ein Teil von Ihnen, sondern Ihre Identität: Individualität, Authentizität und persönliche Note zugleich. Ihre Muster sind Sie. Auf Ihren Mustern basieren Ihre Wirklichkeit, Ihr Verhalten, Ihre Vorstellungen, Ideen, Gefühle und Gedanken. Dennoch haben Muster – einmal verinnerlicht – mit Denken herzlich wenig zu tun.

Gratulieren Sie Ihren Mustern erst einmal: Sie haben sich wacker gehalten und sich Jahre bis Jahrzehnte gegen Ihre intelligentesten Kampfmethoden behauptet. Aber vielleicht hat Sie ein Muster auch gestört oder gar Schaden angerichtet. Dann ist Ihr bewusster Wunsch – weil schwächer und weniger konsequent – dem außerbewussten Muster erlegen. Muster gehen geschickt und raffiniert vor, sie wissen, dass sie äußerst zäh sind.

Muster arbeiten auf sehr tiefen Ebenen außerhalb Ihres Bewusstseins.

Wenn Sie sich bislang an der Oberfläche herumschlagen, haben Sie keine Chance und so manche Schlacht bereits verloren. Aber Sie könnten es leichter haben. Schöpfen Sie aus der Kraft und dem Potenzial Ihrer Muster. Nur dann werden diese ihre Macht über Sie verlieren, über Ihre Ideen, Einstellungen, Emotionen und Verhaltensweisen. Und Sie werden gewinnen – nämlich Zutrauen zu sich selbst. Nur keine Sorge: Sie müssen sich nicht unbedingt ändern, aber Sie können dazulernen.

Dieses Buch begleitet Sie mitsamt meinen Erfahrungen, die ich als Coach und im Rahmen meiner Seminare (www.bergner.cc) machen durfte. Es sind branchenübergreifende Seminare für Führungskräfte und Mitarbeiter von Konzernen und mittelständischen Unternehmen, für Selbstständige und Privatpersonen. Sie helfen den Teilnehmern, ihre Führungskompetenzen zu erweitern, ein effektives Selbstmanagement zu erzielen und eventuell vorhandene Defizite der Eigenmotivation abzubauen. Zentraler Punkt ist die innovative Methode der Musteridentifikation, der Leitfaden dieses Buches. Die Personen und Sachverhalte der aufgeführten Praxisbeispiele sind grundsätzlich so verändert, dass sie keinen Rückschluss auf die betroffenen Personen oder Firmen mehr zulassen.

Ihr Leben ist das Produkt Ihrer Muster und umgekehrt.

Nutzen Sie die Chance, mehr über sich zu erfahren. Wir wünschen Ihnen viele Anregungen und entscheidende Schritte auf dem Weg zum wichtigsten Menschen in Ihrem Leben – zu sich selbst. Und denken Sie immer daran: Sie sind einmalig. Diese Einmaligkeit bewundere und achte ich. Tun Sie es auch!

Aufgabe 2, Seite 327

TEIL I

MUSTER HABEN IHR SYSTEM

Das System Ihrer Muster zu kennen, ist eine wichtige Grundlage. Erst dann können Sie Ihre Muster systematisch nutzen und Gewinn bringend anwenden.

Bedingt lauffähig: Muster – das menschliche Betriebssystem

Der Mensch steht im Mittelpunkt – und somit sich und allem im Wege.

Bernhard Trenkle

Meine Ahnung von EDV und anderen technischen Dingen lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Fehlanzeige. Ich bin ein typischer Endverbraucher. Sie können mir auf diesem Gebiet alles verkaufen, und ich glaube, was immer Sie mir erzählen. Trotzdem wage ich, Ihnen etwas über Betriebssysteme zu erzählen.

Muster steuern

Wenn ich das mit den Computern richtig verstanden habe, dann bezeichnet man das Gerät als Hardware, und die braucht Energie (Strom), damit sie funktionieren kann. Aber wenn Sie der Hardware nur Strom geben, passiert erst einmal nicht viel. Etwas fehlt noch, und zwar Programme (Software). Grundsätzlich unterteilen wir Software in das Betriebssystem, das ist das Steuerungsprogramm, und in Anwendungsprogramme. Ohne Betriebssystem läuft gar nichts; es ist essenziell. Es regelt die grundlegenden und strukturellen Vorgänge, steuert die einzelnen Hardwarekomponenten sowie deren Miteinander und bildet die Basis für die vorhandenen Anwendungsprogramme. Aber mit einem funktionierenden Betriebssystem allein würde der Computer nicht weit kommen. Was Sie unbedingt noch brauchen, sind Anwendungsprogramme. Diese müssen zum Betriebssystem passen, damit Sie sie erfolgreich nutzen können. In der EDV-Sprache heißt das „kompatibel“; so steht es jedenfalls immer auf der Softwareverpackung. Das Betriebssystem entscheidet also, welche Programme auf dem Computer laufen können. Und obgleich das Betriebssystem die wichtigere Instanz ist, wären Sie an einem Computer ohne Anwendungsprogramm ziemlich aufgeschmissen, denn nur das Anwendungsprogramm deckt den individuellen Bedarf und nützt im Alltag.

Ihre Muster sind das Steuerungsprogramm Ihres Verhaltens.

Nicht viel anders verhält es sich auch beim Menschen. Also das Ganze noch mal von vorne. Wenn ich das mit den Menschen richtig verstanden habe, dann bezeichnet man das Äußere als Körper, und der braucht Energie und Antrieb (Motivation), damit er funktionieren kann. Aber wenn Sie dem Körper nur Motivation geben, passiert erst einmal nicht viel. Etwas fehlt noch, und zwar Programme (Persönlichkeit). Grundsätzlich unterteilen wir die Persönlichkeit in das Mustersystem, das ist das Steuerungsprogramm, und in Verhalten(sprogramme) (siehe „Strategie 10“, Seite 163). Ohne Muster läuft gar nichts, sie sind essenziell. Sie regeln die grundlegenden und strukturellen Vorgänge, steuern die einzelnen Komponenten Ihres Körpers (z. B. Ihre Sprache, Ihre Mimik, Ihre Gestik) sowie deren Miteinander und bilden die Basis für die vorhandenen Verhaltensprogramme. Aber mit einem funktionierenden Mustersystem allein würde Ihr Körper nicht weit kommen. Was Sie unbedingt noch brauchen, sind Verhaltensprogramme. Diese müssen zum Mustersystem passen, also kompatibel sein, damit Sie sie erfolgreich nutzen können – leider steht das bisher nirgendwo. Das Mustersystem entscheidet, welche Verhaltensprogramme bei Ihnen laufen können. Und obgleich das Mustersystem die wichtigere Instanz ist, wären Sie in Ihrem Körper ohne Ihr Verhalten ziemlich aufgeschmissen, denn nur das Verhalten deckt den individuellen Bedarf und nützt im Alltag.

Die Richtung bleibt immer dieselbe

Muster scheinen Ihnen das Leben zu erleichtern, denn Sie müssen nicht ständig dazulernen.

Sie sind ein Mensch mit bestimmten Motivationen, die Ihren individuellen Mustern die nötige Energie liefern. Das Mustersystem lenkt die Motivationen in geregelte Bahnen und steuert damit Ihr Verhalten. Alle Muster bilden eine Art hierarchisches Netzwerk. Muster, die in dieser Hierarchie weit oben stehen, können mithilfe persönlicher Glaubenssätze sogar Ihr gesamtes Verhaltensprogramm direktiv steuern. Mehr noch, sie wirken fundamental auf Ihre Gefühle, Gedanken und Emotionen. Muster sind maßgeschneidert und standardisiert zugleich, zudem auf Ihre Grundmotivationen abgestimmt. Sie ermöglichen uns, in jeder Situation reagieren zu können, ohne ständig dazulernen zu müssen.

Auch wenn unsere Reaktionen und unser Verhalten im Detail von Mal zu Mal etwas anders ausfallen, das Muster selbst steht meist unverrückbar, was durchaus nachteilig sein kann, uns jedoch die Arbeit erheblich erleichtert. Der Preis für diese Rationalisierungsmaßnahme ist eine gewisse Starrheit, die sich nach außen unter dem Deckmantel der scheinbaren Variabilität unseres Verhaltens versteckt. Und wieder sind wir beim Computer gelandet, dessen Betriebssystem nämlich ähnlich starr und unflexibel ist. Versuchen Sie einmal, ein UNIX-Programm unter Windows ablaufen zu lassen: Es wird nicht funktionieren. Nachfolgendes Szenario verdeutlicht, wie Muster unsere geistige Beweglichkeit und unseren Handlungsspielraum einschränken können.

Eva erzählt aus ihrer Kindheit: Sie ist neun Jahre alt und leidet extrem unter ihren abstehenden Ohren. Sie wird gehänselt und ist nicht so recht glücklich in ihrem Leben. Sie ist längst nicht alt genug, um anderen Grenzen aufzuzeigen. Auch wagt sie es nicht (aufgrund welchen Musters auch immer), offen mit ihren Eltern darüber zu sprechen. Die sind aber weder taub noch blind und erkennen ihre missliche Lage zumindest ansatzweise. Schließlich die entscheidende Situation: Die Eltern bauen sich vor ihr auf. Der Vater spricht: „Wir haben mitbekommen, dass du wegen deiner etwas abstehenden Ohren von anderen aufgezogen wirst. Schön ist das sicher nicht für dich. Wir könnten das operieren lassen. Aber ich weiß nicht, ob du das wirklich willst. Weißt du, jede Operation hat Risiken. Und garantieren können dir die Chirurgen nicht, dass alles gut geht und es danach besser ist und anders aussieht. Was meinst du denn, willst du dich wirklich operieren lassen?“ Und da stehen sie nun: die „Großen“ auf der einen Seite, die kleine Eva auf der anderen. Eva denkt und fühlt: „Es belastet mich so sehr. Ich bin so verzweifelt. Ich will so gerne, dass es anders wird.“ Und dann sagt sie ihren Eltern: „In Ordnung, dann lasse ich die Ohren eben nicht operieren.“

Diese Reaktion mag erstaunen. Aber Eva sagt das genau so, weil sie spürt, dass sie als Kind für eine so wichtige und weit reichende Entscheidung weder das Recht noch die Ausdauer hat. Beides hätte sie sich von ihren Eltern gewünscht. Die aber liefern eine schwache Vorstellung und lassen sich von eigenen Ängsten vor Ärzten und Operationen zu ihrer Aussage verleiten. Letztlich haben sie mehr Angst als Eva und können ihr Kind nicht führen, was sie aber sollten. Eva muss also akzeptieren, dass es hier und jetzt mit diesen Eltern nicht funktioniert. Eine andere Entscheidung zu treffen hieße, sich groß machen und die Eltern klein, sich also über die Eltern zu erheben. Dieses Verhalten ist in solch einer Lage für ein „normales“ Kind sehr unwahrscheinlich. Das geschilderte Erlebnis ist für Eva aber so schwer wiegend, dass sie in dieser Situation ein Muster bildet.

Übung: Muster erkennen

Versetzen Sie sich in die Geschichte von Eva. Welcher allgemein gültige Satz könnte dahinter stecken, unabhängig von dem, was konkret geschehen ist? Entscheiden Sie sich für eine der folgenden Möglichkeiten.

Niemand hilft mir.

Ich muss alles selbst entscheiden.

Ich bin so allein.

Ich kann niemandem vertrauen.

Ich will es anders.

Mit ihrem neuen Muster – Niemand hilft mir – hat Eva einen entscheidenden Anteil ihres lebensbestimmenden Betriebssystems auf den Weg gebracht. Durch die persönliche Brisanz des Themas ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das Muster in Evas Leben zunehmend Raum verschaffen wird. Und genau so ist es.

Bei der inzwischen 51-jährigen Eva zeigt sich nach wie vor das MusterNiemand hilft mir.Mit Mitte 20 hatte sie übrigens selbst die Entscheidung getroffen, ihre abstehenden Ohren operieren zu lassen; ein schönes Beispiel dafür, dass Menschen durchaus in der Lage sind, nicht nur ihre Ohren, sondern auch Fehlentscheidungen ihrer Eltern zu korrigieren. Die Operation verlief komplikationslos, und nichts lässt mehr auf den ehemaligen Makel schließen. Ihr Muster half ihr, diese wichtige Entscheidung recht früh im Erwachsenenleben zu treffen. Aus dem Muster entstand große Selbstständigkeit, und dies vermochte erst recht nichts an dem ursprünglichen Muster zu ändern.

Mit Mitte 40 standen bei Eva viele berufliche Veränderungen und Entscheidungen an. Monate vergingen, und sie bemerkte eine zunehmende Traurigkeit, die sich wie ein Nebel um sie herum ausbreitete. Sie merkte, dass sie keine eigene Entscheidung treffen konnte. Ihr Muster hatte sie wieder eingeholt. Eva fühlte sich immer schwächer und hilfloser. Sie schlief schlecht und wälzte sich nachts von einer Seite auf die andere. Nachdem sie jahrelang kaum am Grab des längst verstorbenen Vaters gewesen war, ging sie nun öfter hin. Sie flehte ihn innerlich an: „Bitte Papa, hilf mir. Ich weiß nicht mehr weiter.“

Das im Alter von neun Jahren geprägte Muster war gleichsam zur Leitbild geworden, zum Schema F ihres Verhaltens. Obwohl inzwischen erwachsen, hatte sie es nicht geschafft, sich von den Fesseln dieses Musters zu befreien. Wie sollte sie auch? Das Muster war ihr nicht bewusst.

Konfigurieren bringt mehr als Systemwechsel

Muster sind dienlich, weil sie strukturieren und ordnen, auch wenn sie Ihr Leben zuweilen einschränken. Deshalb geht es primär nicht darum, Muster zu wechseln, sondern sie anzupassen, sie sinnvoll nutzbar zu machen und gezielt anzuwenden. Die Frage ist nur: Welches Ziel verfolgen Sie? Was wollen Sie erreichen? Auf jeden Fall kommen Sie leichter ans Ziel, wenn Sie mit bewussten Mustern ganze Arbeit leisten, statt außerbewussten Mustern die ganze Arbeit zu überlassen.

Aller guten Dinge sind drei. Sie können

Ihre Muster uneingeschränkt anerkennen,

ihnen einen neuen, angemessenen Kontext geben oder

sie ändern.

Die Arbeit mit eigenen Mustern stärkt Ihr Selbstbewusstsein.

Erst wenn Sie Ihre Muster kennen, können Sie entscheiden, welche der Alternativen für Sie sinnvoll ist. Ein Muster gänzlich loszuwerden, empfiehlt sich in der Regel nicht und geht keinesfalls im Laufe eines nachmittäglichen Meditationskurses. Ein Muster zu verändern braucht auch seine Zeit, hat aber wirkliche Erfolgsaussichten. Wenn Sie ein Muster nicht mehr brauchen (können), haben Sie nicht nur das Recht, sondern sogar sich selbst gegenüber die Pflicht, dieses Muster umzuformulieren. Verabschieden Sie sich von dem alten Muster, und danken Sie ihm, denn irgendwann einmal hat es Ihnen gute Dienste geleistet. Dann nehmen Sie sich die Freiheit zur Veränderung. Weil es jedoch nicht einfach ist, einmal Gelerntes zu verlernen, lässt sich das Ändern bzw. Umformulieren von Mustern nicht ausschließlich auf seelischer Ebene vollziehen, sondern erfordert immer Bewusstsein. Es bedarf also einer geistigen Tätigkeit, die Ihnen bereits zugute kommt, noch bevor Sie Ihr erstes Muster verändert haben.

Aufgabe 3, Seite 328

Auf Schritt und Tritt: Muster, wohin man sieht

The games must go on.1

Avery Brundage

Ich bin ein Berliner.2

John F. Kennedy

Rauchfreie Zonen sind heute gang und gäbe, „Muster-freie“ Zonen aber finden sich nirgendwo. Bei allen Menschen wirken Muster, immer und überall. Sie sind da, und sie sind vielfältig – auch bei Ihnen. Wo immer Sie hinschauen, werden Sie fündig. Zum besseren Überblick lassen sich Muster nach Herkunft und Wirkungskreis einteilen. Auch wenn Schubladendenken beim Arbeiten mit Mustern (und bei Menschen sowieso) völlig fehl am Platz ist, lassen Sie uns gemeinsam einige Muster aus den wichtigsten Schubladen holen.

Die Musterkategorien

Musterkategorien

Beschreibung

Metamuster

Globale Muster, die häufig und bei fast allen Menschen auftreten und deren Fehlen nicht unbemerkt bliebe

Historische Muster

Eine Untergruppe der Metamuster, sie halten sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte, auch wenn inzwischen kein Anlass mehr für sie besteht

Kollektive Muster

Bei Gruppen zu finden

Geschlechtsspezifische Muster

Treten nur bei Männern oder nur bei Frauen auf

Übernommene Muster

Sind bei bekannten (in-)direkten Bezugspersonen abgekupfert

Soziale Muster

Das, was gesellschaftlich erwünscht ist

Organisations- und Unternehmensmuster

Begleiten die Entwicklung eines Unternehmens

Eigene Muster

Zeigen sich nur bei einzelnen Personen

Alle Musterkategorien hängen zusammen. Historische Muster können zu Metamustern werden, soziale Muster zu übernommenen Mustern, und übernommene Muster werden automatisch zu eigenen. Jede Kategorie umfasst wiederum verschiedene Arten von Mustern.

Musterarten

Bei der Eigenarbeit mit Mustern ist deren Einordnung zweitrangig.

Musterarten

Sinn und Zweck

Beispiel

Existenzielle Muster

Sind lebensnotwendig, sie beantworten die entscheidende Frage: Wie kann ich überleben?

Wenn ich mich bewege, sterbe ich.

Spirituelle oder Glaubens-Muster (nicht Glaubenssätze!)

Beschäftigen sich mit der Frage: Woher komme ich und wer bin ich?

Ich bin Gott.3

Bindungsmuster

Klären emotionale Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen, z.B.: Mit wem kann ich überleben?

Lasst mich in Ruhe.

Fähigkeitsmuster

Kümmern sich darum, was wir können und leisten, z.B.: Welche Leistung muss ich bringen?

Ich schaff’s alleine.

Rollenmuster

Definieren die eigene Stellung, z.B.: Welche Position bekleide ich im gesellschaftlichen Gefüge?

Die anderen sind mir egal.

Ästhetische Muster

Geben vor: Wie will ich die Welt empfinden oder vorfinden?

Ich will es schön haben.

Neben diesen inneren, strukturellen Persönlichkeits- oder Lebensmustern, auf die sich das Buch beschränkt, gibt es natürlich noch viele mehr. Im Vorwort finden Sie eine Übersicht über die Mustervielfalt, die von Ihrer bevorzugten Sitzhaltung (Körpermuster) bis zum Firmenlogo (optisches Muster) einzelner Unternehmen reicht.

Metamuster: Das Wesentliche

Metamuster schützen das Menschliche.

Metamuster beschreiben gewisse Grundzüge des menschlichen Wesens. Sie sind also wesentlich. Deshalb sind sie auch für jeden verständlich und annehmbar. Sie schützen das Menschliche, lassen sich auch in die individuellen Strukturen einbauen und werden so zu eigenen Mustern.

Metamuster und ihre Hintergründe

Metamuster

Hintergrund

Mir hilft keiner./ Um mich kümmert sich keiner.

Hilflosigkeit, Alleinsein

Ich bin allein.

Alleinsein, Hilflosigkeit

Es hilft ja doch nichts.

Zweckpessimismus

Ich bin nicht wichtig./Meine Bedürfnisse sind unwichtig.

Minderwertigkeitsgefühl

Ich will (um meiner selbst willen) geliebt werden.

Liebesbedürfnis

Ich schaffe es nicht./Ich muss es schaffen.

Versagensangst

Ich habe keine Zeit.

Endlichkeit des individuellen Lebens

Ich habe ein Recht auf Fehler (wie andere auch).

Mitmenschlichkeit, Güte

Das Leben geht weiter./Es muss weitergehen.

Durchhaltevermögen, Zuversicht

Ich will meine Ruhe.

Individualität, Abgrenzung, Eigenständigkeit

Ich muss alles selbst machen./ Im Leben bekomme ich nichts geschenkt.

Eigenständigkeit, Verzweiflung

Ich will wissen, was andere von mir denken.