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Ein instabiles, schiefes Fundament bereitet auch dem Menschen häufig Beschwerden: Er reagiert mit Wirbel- und Gelenkblockaden. Wirksame Hilfen bei Rücken- und Gelenkbeschwerden bieten die Dorn-Therapie, die Breuß-Massage und Skribben. Schritt-für-Schritt in die Methoden einarbeiten - Konkrete Behandlungsanleitungen zu häufigen Indikationen - die Entsprechungen in der TCM und der Nutzen für die Behandlung - Merksätze, Fallbeispiele und Tipps erleichtern die praktische Anwendung - Plus: Übungsanleitungen für Patienten (als Kopiervorlage) - Neu in der 4. Auflage: ein ausführliches Kapitel zum Thema Skribben
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Seitenzahl: 208
Veröffentlichungsjahr: 2015
Lehrbuch Dorn-Therapie
Mit Skribben und Breuß-Massage
Olaf Breidenbach, Rebecca Erlewein
4., überarbeitete und erweiterte Auflage
72 Abbildungen
Fünf Jahre sind seit der 2. Auflage vergangen. Zeit, in der ich viele Schüler in der Dorn-Therapie unterwiesen habe, aber auch Zeit, in der ich selbst einige Seminare besucht und viel Neues ausprobiert habe. Ob ich dabei nun weiser geworden bin, ist eine andere Frage, aber die Dorn-Therapie hat sich in dieser Zeit auf jeden Fall weiterentwickelt.
Danken möchte ich hier zunächst meiner Lebenspartnerin und Kollegin Jeanette Bernardez, die mich auf meiner Suche nach Weisheit immer tatkräftig unterstützt und mich, wenn ich gar zu euphorisch von etwas Neuem besessen bin, wieder auf den Boden holt. Außerdem war sie es auch, die eines Tages begeistert von einem Skribben-Seminar in München zurückgekehrt ist und mich auf diese „ganz neue“ – tatsächlich aber alte – Therapie aufmerksam gemacht hat. Diese Therapie hat mich so sehr fasziniert, dass ich dem Skribben in diesem Buch ein ganzes Kapitel widmen möchte. Genau wie die Dorn-Therapie hat auch das Skribben seine Ursprünge in der Traditionellen Europäischen Medizin, oder genauer: in der alten Tradition der mitteleuropäischen „Knochensetzer“. Auf den ersten Blick handelt es sich vielleicht um zwei verschiedene Therapien, die nichts miteinander zu tun haben oder sich sogar widersprechen. Doch wenn man sich etwas genauer mit beiden Methoden beschäftigt, kann man zu dem Schluss kommen, dass es sich vielleicht sogar um ein und dieselbe Methode handelt, die sich im Laufe der Zeit nur anders entwickelt hat. Um dies zu entscheiden, braucht es wirkliche Weisheit. Aber viel wichtiger als diese Entscheidung ist die Tatsache, dass sich Dorn-Therapie und Skribben ideal ergänzen und wir die Therapieerfolge im Sinne unserer Patienten oft deutlich verbessern können.
Des Weiteren danken möchte ich in diesem Zusammenhang auch den Kollegen Harry Buda und Stefan Urich sowie Dr. Klaus Karsch, dem Pionier und Wiederentdecker des Skribbens, bei denen ich Ihre jeweilige Interpretation des Skribbens erlernen und erfahren durfte. Selbstverständlich kann man keine Therapie – und besonders keine manuelle Therapie – ausschließlich aus einem Buch lernen. Viel eher soll es dazu dienen, Praktikern ein Nachschlagewerk an die Hand zu geben, mit dem sie Erlerntes auffrischen können. Auch eignet sich das geschriebene Wort hervorragend zur Verbreitung dieser erst vor kurzem wiederentdeckten Methode und nicht zuletzt als Diskussionsgrundlage, um die Wirkung dieser Therapie noch besser zu verstehen und sie vielleicht sogar noch verbessern zu können.
Köln, im Sommer 2014
Olaf Breidenbach
Wir leben in einer Zeit, in der das Denken, Sehen und Hören das Tasten und Fühlen in vielen Bereichen ersetzt haben. Sehen und hören können wir auf Distanz, zum Denken können wir uns sogar ganz von der Welt zurückziehen. Zum Fühlen und Tasten müssen wir aber ganz nah dran sein, wir müssen berühren, und dies geht nicht, ohne gleichzeitig berührt zu werden. Oft ist gerade diese Verbindung wichtig, wenn wir unseren Patienten gerecht werden wollen.
Jede Berührung ist Kommunikation, im therapeutischen wie im nicht therapeutischen Kontext. Besonders effektiv wird diese Kommunikation, wenn der Therapeut die Signale zu lesen versteht, die der Körper des Patienten sendet. Viele Patienten kommen eingangs wegen eines bestimmten Symptoms in die Praxis und nehmen den Rest ihres Körpers kaum wahr. Dies kann verschiedenste Gründe haben: Desinteresse für den eigenen Körper, Konzentration auf den Teil des Körpers, der die größten Beschwerden verursacht, oder auch starke Verspannungen, die es unmöglich machen, etwas zu fühlen.
Der erfahrene Therapeut entdeckt bei der körperlichen Untersuchung des Patienten oft mehr über dessen Beschwerden, als der Patient bei der Anamnese anzugeben vermag. Die Reaktionen auf das direkte Ansprechen dieser Signale sind meist positiv. Viele Patienten konzentrieren sich auf ihr Leitsymptom und nehmen weniger starke Beschwerden nicht wahr, sei es, weil sie sich zwischenzeitlich daran gewöhnt haben oder weil sie diese Beschwerden für normal halten, wie z.B. Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen. Besonders das Ansprechen von bisher nicht bewussten Bereichen verblüfft die Patienten und fördert das Vertrauen in den Therapeuten, das der Patient braucht, um sich mit seiner Krankheit, die oft als Unzulänglichkeit oder Makel empfunden wird, auseinanderzusetzen.
Auch respektvolle Berührung fördert dieses Vertrauen. Es ermöglicht dem Patienten, sich dem Therapeuten anzuvertrauen, auf dem Weg zu sich selbst. Wir Menschen haben nicht einen Körper, so wie wir ein Auto, eine Waschmaschine oder einen Computer haben, sondern wir sind gleichzeitig unser Körper und noch mehr. Das Ziel einer Behandlung ist also nicht nur die Wiederherstellung der Funktion, sondern auch, den Patienten zu einer verbesserten Selbstwahrnehmung anzuleiten.
Die Dorn-Therapie bietet hierzu eine sehr gute Möglichkeit. Im Mittelpunkt der Therapie steht der Körper des Patienten, keine theoretischen Überlegungen. Der Behandlungserfolg ist sofort überprüfbar: Wenn die Behandlung richtig war, hat der Patient rasch weniger Schmerzen und kann sich wieder besser bewegen.
Mit diesem Buch möchten wir Ihnen das Erlernen und das Arbeiten mit der Dorn-Therapie und der Breuß-Massage erleichtern. Der breite Seitenrand bietet Ihnen Platz für eigene Gedanken und Notizen – nutzen Sie ihn!
Wir hoffen aufrichtig, dass das hier vorgestellte Wissen Ihren Patienten genauso gut hilft wie unseren.
Köln, im Sommer 2005
Olaf Breidenbach
Rebecca Ewert
Vorwort zur 4. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
Teil I Dorn-Therapie und Skribben
1 Einführung
1.1 Geschichte
1.2 Was ist die Dorn-Methode?
1.3 Wichtige Begriffe
1.3.1 Blockade
1.3.2 Luxation, Subluxation
1.3.3 Korrektur, Richten
1.3.4 Dermatome und Head-Zonen
1.4 Hilfsmittel
1.4.1 Brettchen zum Pendeln
1.4.2 Schieber
1.4.3 Standhilfen
1.4.4 Elektrische Massagegeräte
1.4.5 Zusammenfassung
2 Anatomische Grundlagen
2.1 Wirbelsäule
2.1.1 Struktur
2.1.2 Aufbau der Wirbel
2.1.3 Rippengelenke
2.1.4 Atlas und Axis
2.2 Becken
2.2.1 Aufbau
2.2.2 Iliosakralgelenke
2.2.3 Hüftgelenk
2.3 Schultergürtel
2.3.1 Aufbau
2.3.2 Klavikulargelenke
2.3.3 Schulterblatt
2.3.4 Schultergelenk
2.4 Gelenke der Extremitäten
2.4.1 Gelenke des Ellbogens
2.4.2 Proximales Handwurzelgelenk
2.4.3 Kniegelenk
2.4.4 Gelenke des Fußes
2.4.5 Zehen- und Fingergelenke
2.5 Hinweise zum Kiefergelenk
3 Pathophysiologische Aspekte
3.1 Hinweise zu Gelenkbewegungen
3.2 Wirbel- und Gelenkblockaden aus schulmedizinischer Sicht
3.2.1 Biomechanisches Blockadekonzept
3.2.2 Befunde
3.2.3 Ursachen
3.3 Theorie der Dorn-Therapie
3.3.1 Bedeutung der Beinlängendifferenz
3.3.2 Hüftgelenkblockade
3.3.3 Blockaden der Iliosakralgelenke
3.3.4 Blockaden von Knie- und Sprunggelenk
3.3.5 Blockaden von Ellbogengelenk, Handgelenk, Finger- und Zehengelenken
3.3.6 Blockaden der Brust- und Lendenwirbel
3.3.7 Blockaden der Halswirbel
3.4 Entsprechungen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
3.4.1 Diagnosekonzepte
3.4.2 Bedeutung der Gelenke
3.4.3 Bedeutung der Mittelachse
3.4.4 Zusammenhänge zwischen Wirbelblockaden, Funktionskreisen und ihrer Symptomatik
3.4.5 Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparats
3.4.6 Seelische Ursachen und Begleiterscheinungen bei Wirbel- und Gelenkblockaden
3.4.7 Schlussfolgerungen für die Praxis
4 Indikationen
4.1 Schmerzen des Bewegungsapparats
4.1.1 Rückenschmerzen
4.1.2 Skoliosen, Morbus Scheuermann, Morbus Bechterew
4.1.3 Arthrosen
4.1.4 Beschwerden von HWS, Schultergürtel und oberer Extremität
4.1.5 KISS-Syndrom (Kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung)
4.1.6 Knieschmerzen
4.2 Weitere Beschwerden
4.2.1 Herzrhythmusstörungen
4.2.2 Morbus Menière und Schwindel
4.2.3 Kopfschmerzen
4.2.4 Empfindungsstörungen der Arme und Hände
4.2.5 Karpaltunnelsyndrom
5 Kontraindikationen
5.1 Relative Kontraindikationen
5.1.1 Schwangerschaft
5.1.2 Patienten mit Hämophilie oder unter Antikoagulationstherapie
5.1.3 Osteoporose
5.1.4 Nicht operationsbedürftige Bandscheibenvorfälle
5.1.5 Tumoren
5.1.6 Gleitwirbel
5.2 Absolute Kontraindikationen
5.2.1 Frakturen
5.2.2 Eingeschränkte Schmerzwahrnehmung, Bewusstseinsstörung
5.2.3 Knochentumoren, Myelome, Metastasen
5.2.4 Cauda-equina-Syndrom
6 Diagnostik
6.1 Abklärung von Rückenschmerzen
6.1.1 Anamnese
6.1.2 Untersuchung
6.2 Hinweise zu häufig mit Rückenschmerzen verbundenen Krankheitsbildern
6.2.1 HWS-Syndrom und zervikaler Bandscheibenvorfall
6.2.2 BWS-Syndrom
6.2.3 LWS-Syndrom und lumbaler Bandscheibenvorfall
6.2.4 Osteoporose
6.2.5 Morbus Scheuermann
6.2.6 Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
6.3 Wichtige Tests und Zeichen
6.4 Differenzialdiagnose verschiedener Schmerzbilder (Übersicht)
6.5 Dokumentation und Beurteilung des Heilungsverlaufs
7 Diagnose und Behandlung unter Berücksichtigung möglicher Fehlerquellen
7.1 Am liegenden Patienten
7.1.1 Überprüfung der Beinlängen
7.1.2 „Hüftgelenkübung“
7.1.3 Behandlung des Kniegelenks
7.1.4 Behandlung des Sprunggelenks
7.1.5 Beweglichkeitsprüfung der Iliosakralgelenke (modifiziertes Vorlaufphänomen)
7.1.6 Behandlung des Fibulaköpfchens (hier linkes Kniegelenk)
7.2 Am stehenden Patienten
7.2.1 Untersuchung und Behandlung von Blockaden der Iliosakralgelenke
7.2.2 Untersuchung und Behandlung von Beckenverwringungen
7.2.3 Behandlung der Schambeinfuge (Symphyse)
7.2.4 Untersuchung und Behandlung von Lendenwirbelsäule und unterer Brustwirbelsäule (Th 7–Th 12)
7.3 Am sitzenden Patienten
7.3.1 Untersuchung und Behandlung der Brustwirbelsäule (Th 1–Th 9)
7.3.2 Brustwirbel nach ventral blockiert
7.3.3 Untersuchung und Behandlung der Rippenwirbelgelenke
7.3.4 Sonderfall erste Rippe
7.3.5 Untersuchung und Behandlung der Halswirbelsäule
7.3.6 Sonderfall Atlas
7.3.7 Untersuchung und Behandlung der Schulterblätter
7.3.8 Behandlung von Oberarm-Schultergelenk
7.3.9 Behandlung der Schlüsselbeingelenke
7.3.10 Behandlung der Extremitätengelenke
7.3.11 Behandlung des Kiefergelenks
8 Therapeutische Besonderheiten
8.1 Behandlung von Kindern
8.2 Behandlung von Patienten mit Prothesen
8.3 Behandlung von Begleiterscheinungen
8.3.1 Muskelkater
8.3.2 Schwindel
8.3.3 Kopfschmerzen
8.4 Tipps und Tricks
8.4.1 Vermeiden einer Überbehandlung
8.4.2 Vorgehen beim „Hormonbuckel“
8.4.3 Vorgehen bei hartnäckigen Wirbelblockaden
8.4.4 Hinweise zu begleitenden Aktivitäten
9 Skribben
9.1 Einführung
9.2 Theorie
9.3 Indikationen und Kontraindikationen
9.4 Untersuchung
9.5 Behandlungsablauf allgemein
9.5.1 Hand-, Fuß- und Ellbogengelenke
9.5.2 Kniegelenk
9.5.3 Hüftgelenk
9.5.4 Schulter
Teil II Breuß-Massage
10 Einführung
10.1 Wichtige Begriffe
10.1.1 Druck und Zug
10.1.2 „Peitschenschlag“
10.2 Material
11 Indikationen
11.1 Entspannung vor der Dorn-Behandlung
11.2 Stabilisierung des Behandlungsergebnisses nach der Dorn-Behandlung
11.3 Bandscheibenvorfälle und -vorwölbungen im BWS- und LWS-Bereich
11.4 Weitere Schmerzzustände der LWS
11.5 Chronische Sympathikotonie und vegetative Dystonie
11.6 Unterstützung von geschwächten Patienten
12 Praxis
12.1 Vorbereitung
12.2 Durchführung
12.2.1 Schmerzprobe
12.2.2 Strecken
12.2.3 Strecken mittels Zangengriff
12.2.4 Einrichten: Schritt 1
12.2.5 Einrichten: Schritt 2
12.2.6 Seidenpapier auflegen und ausstreichen
12.2.7 Handtuch auflegen und „magnetisieren“
12.3 Breuß-Massage vor oder nach der Dorn-Behandlung?
13 Hinweise zu weiteren Verfahren der Muskellockerung
13.1 Massage
13.2 Wärme- und Kälteapplikation
13.2.1 Anwendung von Wärme
13.2.2 Wärme- und Kälteapplikation bei Schmerzen
Teil III Hilfe zur Selbsthilfe
14 Patientenübungen
14.1 Regelmäßig durchzuführende Übungen
14.1.1 „Hüftgelenkübung“
14.1.2 Selbstbehandlung von Kniegelenk und Sprunggelenk
14.2 Bei Bedarf durchzuführende Übungen
14.2.1 Selbstbehandlung leichter Blockaden der Halswirbelsäule
14.2.2 Selbstbehandlung von Blockaden kleiner Gelenke (Handgelenk, Finger, Zehe)
15 Ergonomie im Alltag
15.1 Wie kann der Patient Wirbelblockaden verhindern?
15.2 Ersetzen schädlicher Gewohnheiten
15.2.1 Überschlagen der Beine
15.2.2 Richtiges Sitzen
15.2.3 Richtiges Stehen
15.2.4 Richtiges Heben
15.2.5 Angemessenes Schuhwerk
15.2.6 Einseitige Belastungen
15.2.7 Richtige Schlafposition
15.3 Hinweise zu häufigen Aktivitäten
15.3.1 Tragen von Aktenkoffern oder Taschen, Ziehen von Koffern mit Rollen
15.3.2 Tragen von Säuglingen
15.3.3 Mausbedienung am Computer
15.3.4 Schreibtischarbeit
15.3.5 Küchenarbeit
15.3.6 Längere Autofahrten
15.4 Allgemeine Hilfen für die Aneignung neuer Bewegungsmuster
15.4.1 Bedeutung der Zielvorstellung
15.4.2 Gedankliche Vernetzung
15.4.3 Langsames Forschen und Experimentieren
15.4.4 Weitere Gedächtnishilfen
15.4.5 Konstruktiver Umgang mit dem „Schon wieder falsch!“
15.5 Argumentationshilfen für die ergonomische Einrichtung des Arbeitsplatzes
15.5.1 Gesetzliche Verpflichtung
15.5.2 Das Wissen ist bereits bezahlt
15.5.3 Fehlzeiten sind teurer als ergonomisches Mobiliar
15.5.4 Wenn alles nicht hilft
16 Unterstützende Verfahren: Körperarbeit
16.1 Feldenkrais
16.2 Qigong und Taijiquan
16.3 Alexander-Technik
16.4 Rolfing
16.5 Pilates
16.6 Wie kommt Bewegung ins Leben williger Sportmuffel
16.6.1 Bleiben´Se Mensch – oder: realistische Zielvorstellungen und Kompromisse
16.6.2 Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler – oder: Spaß motiviert leichter als Vernunft
16.6.3 Polonaise Blankenese – oder Gruppendynamik
16.6.4 Wer sich selbst eine Grube gräbt, weiß, wo sie ist – oder: barrierebezogene Strategieplanung
16.6.5 Das Trägheitsgesetz als Verbündeter – oder: anfangen und dann weitersehen
16.6.6 Zuckerbrot und Peitsche – oder: Belohnung und Selbstdisziplin
16.6.7 Bewegungstagebuch
Teil IV Anhang
17 Dokumentation in der Patientenakte (Vorlage)
18 Übungsanleitungen und Hinweise für Patienten (Vorlage)
19 Wichtige Adressen
19.1 Bezugsquellen
19.2 Ausbildungsmöglichkeiten
20 Literatur
21 Abbildungsnachweis
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Einführung
2 Anatomische Grundlagen
3 Pathophysiologische Aspekte
4 Indikationen
5 Kontraindikationen
6 Diagnostik
7 Diagnose und Behandlung unter Berücksichtigung möglicher Fehlerquellen
8 Therapeutische Besonderheiten
9 Skribben
Die Behandlung des Bewegungsapparats mit verschiedenen manuellen Techniken ist in zahlreichen Kulturkreisen bekannt. Die Techniken wurden entweder während der Behandlung selbst entdeckt oder anhand des physikalischen und anatomischen Wissens entwickelt. Manipulationen an Gelenken und Wirbeln wurden bereits im vorchristlichen Griechenland und in Ägypten ausgeübt (▶ [1], ▶ [16])
Die Behandlung mit manuellen Methoden ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Europa und Amerika manuelle Methoden, deren Techniken nach festgelegten Behandlungsprinzipien ausgeführt wurden. Andrew Taylor Still gründete 1892 die School of Osteopathy in Kirksville, USA. Seine Techniken hatte er u.a. aufgrund intensiver Anatomiestudien entwickelt. 1895 begründete David Daniel Palmer die Chiropraktik, in der die Reposition von blockierten Wirbeln über die Dorn- und Querfortsätze eine bedeutende Rolle spielt.
Derart ausformulierte Methoden ließen sich gut unterrichten und somit auch gut verbreiten. Fest steht, dass mit Chiropraktik, Osteopathie und auch mit manuellen Verfahren, die daraus oder unabhängig davon entwickelt wurden, teilweise beeindruckende Behandlungserfolge zu erzielen sind.
Gemeinsam ist all diesen Methoden auch, dass sie zunächst Schwierigkeiten mit der Anerkennung durch die etablierte Medizin hatten und teilweise heute noch haben. Ein Hauptgrund hierfür liegt in ihrer Herkunft aus der Erfahrungsheilkunde. Die Chiropraktiker und Osteopathen, die ihre Methoden formulierten, verfügten nicht immer über die neuesten anatomisch-physiologischen Erkenntnisse ihrer Zeit und wendeten sie daher in ihren Modellen nicht an. Dies und die Tatsache, dass die Erklärungsmodelle in einer im Vergleich zur medizinischen Nomenklatur zu schlichten Sprache formuliert waren, erschwerten die Anerkennung durch die Schulmedizin. Biedermann ▶ [1] erinnert „in diesem Zusammenhang an die schweizerischen ‚Gutachten‘ aus dem Jahre 1936, in denen von Scharlatanerie und Suggestion die Rede war und alles, was mit Chiropraktik zusammenhing, in Bausch und Boden (sic!) als absurd abgetan wurde“.
Osteopathie und Chiropraktik wurden erst Mitte des 20. Jahrhunderts in die anerkannte Medizin integriert.
Inzwischen sind manuelle Verfahren in die Orthopädie integriert, werden im deutschsprachigen Raum aber nur selten als Therapieansatz für andere Beschwerden als die des Bewegungsapparats verwendet.
Die Entwicklung der Dorn-Methode beruht auf einem Erlebnis des Allgäuer Bauern und Sägewerksbesitzers Dieter Dorn. Dieser zog sich 1973 einen schweren Hexenschuss zu. Starke Schmerzen führten ihn schließlich zu einem alten „Knochenrenker“ im Dorf. Josef Müller, ebenfalls ein Bauer, ließ ihn auf einem Bein stehen und mit dem anderen pendeln und drückte gleichzeitig mit seinem Daumen auf Dorns Wirbelsäule, woraufhin die Schmerzen sofort verschwanden.
Begeistert von dieser einfachen Art, Rückenschmerzen zu behandeln, fragte Dieter Dorn den alten Bauern, ob man diese Methode auch lernen könne, worauf dieser erwiderte, er könne sie bereits. Zwei Monate später starb Josef Müller.
Dorn begann mit großem Erfolg, die Leute aus der Nachbarschaft zu behandeln. Dabei machte er immer neue Erfahrungen, z.B. dass auch innere Beschwerden verschwanden, die er zuvor nie mit der Wirbelsäule in Verbindung gebracht hatte.
Merke
Innere Beschwerden können mit Wirbelblockaden in Verbindung stehen.
Da stetig mehr Patienten von Dorn behandelt werden wollten, überlegte er, wie sie ihre Gelenke auch selbst korrigieren konnten, und entwickelte einige Eigenübungen. Schließlich erfuhr der Arzt Dr. Thomas Hansen von Dieter Dorn und seinen Erfolgen. Er war so angetan von der Methode, dass er Dorn ermutigte, Seminare zu geben, um „seine“ Methode zu verbreiten. Mittlerweile gibt es fast überall in Deutschland Dorn-Therapeuten, und auch im Ausland wird diese Methode immer bekannter und beliebter.
Die Dorn-Therapie ist eine sanfte manuelle Behandlungsmethode, mit der sich Wirbelsäulen- und Gelenkblockaden rasch und dauerhaft beseitigen lassen. Vorwiegend werden Beschwerden des Bewegungsapparates behandelt, dabei wird reflektorisch auch auf Erkrankungen der inneren Organe eingewirkt. Erklärungsprinzipien hierfür sind beispielsweise Dermatome und die sog. ▶ Head-Zonen. Ein weiteres Erklärungsprinzip lässt sich aus dem Leitbahnsystem der ▶ Traditionellen Chinesischen Medizin ableiten.
Definition
Bei der Dorn-Therapie erfolgt die Korrektur in der Bewegung: Es wird nicht mit Hebelkraft gearbeitet und es werden keine Impulstechniken verwendet.
Das Attribut „sanft“ im Zusammenhang mit der Dorn-Therapie bedeutet, dass weder lange Hebel noch Impulstechniken wie in der klassischen Manuellen Medizin angewendet werden. Stattdessen erfolgt die Korrektur in der Bewegung: Schwingen des kontralateralen Armes oder Beines bringen die Wirbelsäule in eine Torsionsbewegung. Gleichzeitig wird der zu behandelnde Wirbel durch den Therapeuten fixiert. So löst sich die Blockade passiv durch die Bewegung des darüber- oder darunterliegenden Wirbels. Die Gelenkbänder werden nicht überdehnt, und es besteht keine Gefahr, dass der Therapeut versehentlich andere Strukturen verletzt. Die Patienten entwickeln so auch keine Angst vor der Behandlung.
Die Bezeichnung „sanft“ bezieht sich auch auf das Arbeiten mit den Händen. Im direktenKontakt mit einem Menschen können sich die meisten Patienten gut entspannen. „Sanft“ bedeutet jedoch nicht, dass die Behandlung völlig schmerzfrei erfolgt.
Welche Wirbel behandlungsbedürftig sind, zeigt sich unter anderem daran, dass die Muskulatur an den betreffenden Dornfortsätzen verspannt und druckdolent ist. Genau hier wird der zur Korrektur des Wirbels benötigte Druck ausgeübt. Nach der Behandlung lässt der Druckschmerz sofort nach, und die Verspannung löst sich: Indizien dafür, dass die Wirbelblockade behoben ist.
Ein Hauptprinzip der Dorn-Therapie entspricht dem Bild, „das Haus von unten aufbauen“. Kein vernünftiger Mensch baut ein Haus ohne ein solides Fundament: Ist das Fundament nicht in Ordnung, verzieht sich das Haus früher oder später, und es entstehen Risse in den Wänden. Diese Risse kann man zwar zuspachteln; wenn das Fundament aber nicht begradigt wird, treten sie immer wieder auf und vergrößern sich.
Merke
Blockaden des Beckens und der Beine müssen beseitigt werden, um Wirbelblockaden dauerhaft korrigieren zu können.
Akute Schmerzen sind meist durch schon länger bestehende Fehlstellungen bedingt, vergleichbar mit den unvermittelt auftretenden Rissen in einem schiefen Haus. Bieten Beine und Becken keine stabile und gerade Basis, entstehen Wirbelblockaden oder Skoliosen. Wie bei dem schiefen Haus muss zunächst das „Fundament“ gerichtet werden, um einen dauerhaften Behandlungserfolg zu ermöglichen.
Hierbei liegt die Ursache nicht unbedingt im Becken selbst. In vielen Fällen entsteht ein Beckenschiefstand beispielsweise durch Blockaden der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks. Dies wird besonders deutlich am Beispiel des KISS-Syndroms: KISS-Kinder werden schon mit einer Fehlstellung in einem oder beiden der oberen Kopfgelenke geboren, der Kopf des Kindes dreht oder neigt sich zu einer Seite und schon nach kurzer Zeit entwickelt sich über den unterschiedlich starken Muskelzug ein Beckenschiefstand. In diesem Fall könnten wir nun die Behandlung auch an der Halswirbelsäule beginnen, um zunächst die Ursache der Fehlstellung zu beheben. Leider ist die Ursache nicht immer so leicht herauszufinden wie in diesem Beispiel. Entscheidend ist auch nicht, an welcher Stelle wir die Behandlung beginnen, sondern dass in jeder Behandlung das Becken und die gesamte Wirbelsäule behandelt werden. Da auch das Arbeiten an der Wirbelsäule von unten nach oben erfolgt, macht es auch Sinn, die Behandlung – unabhängig von der Ursache der Fehlstellung – immer am Becken zu beginnen.
Der Behandlungsablauf folgt einem gleichbleibenden Schema. So ist gewährleistet, dass – zumindest in der ersten Behandlung – alle Gelenke untersucht und behandelt werden und keines vergessen wird.
Zunächst werden die Beinlängen untersucht. Anschließend werden die Sprung-, Knie-, Hüft- und Iliosakralgelenke behandelt. Nach jedem Behandlungsschritt sind die Beinlängen wieder zu vergleichen, um festzustellen, welche Gelenke vor der jeweiligen Korrektur blockiert waren.
Praxistipp
Reihenfolge der Behandlung
Hüft-, Knie- und Sprunggelenke, Beckenknochen, Iliosakralgelenke, Wirbelsäule von unten nach oben, Schultern, Ellbogen, Hände, Kiefergelenk.
Anschließend ist die Lage des Beckens, d.h. der Beckenknochen zueinander und zum Kreuzbein und Steißbein, zu überprüfen und ggf. zu korrigieren. Dann wird die Wirbelsäule von unten nach oben abgetastet und behandelt. Bei den Lenden- und Brustwirbeln orientiert sich der Therapeut an den Dornfortsätzen, bei der Halswirbelsäule an den Querfortsätzen. Jeder Wirbel wird einzeln kontrolliert und sofort gerichtet, wenn er blockiert ist. Diagnose und Behandlung gehen fließend ineinander über.
Abschließend werden Schultern, Ellbogen und Hände sowie das Kiefergelenk behandelt.
Mit der Behandlung durch den Therapeuten allein ist es allerdings nicht getan. Zum Schluss der Behandlung werden dem Patienten einfache individuelle ▶ Übungen gezeigt, die er zu Hause regelmäßig durchführen soll. So kann er dafür sorgen, dass sein „Fundament“ gerade bleibt. Die Übungen unterstützen den Körper, der sich an die „falschen“ Gelenkstellungen gewöhnt hat und bei dem die korrekten Stellungen noch instabil sind. Durch die Übungen bekommt der Körper immer wieder Impulse, die richtigen Gelenkstellungen beizubehalten.
Merke
Die tägliche Mitarbeit des Patienten ist unverzichtbar.
Die Dorn-Methode kann ohne besondere Geräte oder Hilfsmittel durchgeführt werden. In der Praxis bietet es sich an, ein gutes pflanzliches Öl und Tücher zum Abwischen nach der Behandlung bereitzuhalten. Eine Behandlungsliege wird als Teil der Praxisgrundausstattung vorausgesetzt.
Die im Sinne der Manuellen Therapie angewendeten Begriffe „Blockade“ oder „Blockierung“ bezeichnen die reversibel eingeschränkte Beweglichkeit eines Gelenks oder Wirbelsegments. Diese Definition schließt die vollständige Unbeweglichkeit aus, da in diesem Fall die Gelenkfunktion nicht gestört, sondern aufgehoben ist. Ein vorgeschädigtes Gelenk neigt eher zu Blockaden als ein intaktes Gelenk. Das Aufheben von Blockaden führt in vielen Fällen zur Besserung der Schmerzsymptomatik und verbessert die Versorgung des Gelenks.
Der Blockadebegriff der Dorn-Therapie ist wesentlich lockerer gefasst. Er beinhaltet, dass das einen entsprechenden Befund aufweisende Gelenk bzw. der Wirbel behandlungsbedürftig im Sinne der Dorn-Therapie ist, besagt aber nichts bezüglich der pathophysiologischen Gegebenheiten. Diese Blockadetheorie der Dorn-Therapie ist mit dem heutigen Stand des anatomischen Wissens nicht gänzlich vereinbar.
Merke
Der Blockadebegriff der Dorn-Therapie ist recht weit gefasst.
Wenn nicht anders angeführt, wird im Folgenden der Begriff „Blockade“ im Sinne der Dorn-Theorie verwendet. Die entsprechenden Formulierungen werden im Interesse der Lesbarkeit beibehalten. Auf Widersprüche wird an Ort und Stelle hingewiesen.
Wirbelblockaden werden im Rahmen der Dorn-Therapie über druckschmerzhafte Punkte (lokaler Muskelhartspann) diagnostiziert und behandelt. Ein wichtiger Hinweis auf eine Wirbelblockade ist eine Tonusveränderung des Bindegewebes und der Haut gegenüber dem umliegenden Gewebe.
Gelenkblockaden werden durch entsprechende Stellungs- und Längenvergleiche der Extremitäten diagnostiziert. Mitunter ist die Diagnose, ob ein Gelenk blockiert war, erst rückblickend nach der Behandlung des Gelenks möglich (Bei einem blockierten Gelenk verändert sich die Stellung oder Länge des behandelten Glieds durch Behandlung, bei einem blockadefreien Gelenk nicht).
Zu den Blockaden der Gelenke oder Wirbel vgl. auch ▶ Theorie der Dorn-Therapie.
Auch mit den sich aus den schulmedizinischen Blockadetheorien ergebenden Erkenntnissen kann nicht lückenlos erklärt werden, warum die hier dargestellten Techniken funktionieren. Ohne aufwendige Technik, z.B. durch bildgebende Verfahren, ist nicht einmal sicher beweisbar, ob in jedem Fall die beschriebenen Effekte (d.h. das Verschieben der knöchernen Strukturen) bei der Behandlung eintreten. Sicher ist nur, dass Patienten, die mit der Dorn-Therapie behandelt werden, regelmäßig Linderung oder Heilung ihrer Leiden erfahren, auch wenn andere Verfahren ihnen vorher nicht zufriedenstellend geholfen haben.
Merke
Wichtige Gegebenheiten im Rahmen von Diagnose und Behandlung nach Dorn:
Blockierte Gelenke oder Wirbelsegmente verursachen nicht zwingend Schmerzen.
Schmerzhafte Gelenke sind nicht zwingend blockiert.
Blockadebedingte Schmerzen verringern sich sofort nach Aufheben der Blockade.
Beide Begriffe bezeichnen eine Verrenkung, bei der sich zwei gelenkbildende Knochenenden nicht mehr in ihrer funktionsgerechten Stellung befinden. Bei der unvollständigen Verrenkung, der sog. Subluxation, stehen sich die Gelenkflächen noch teilweise gegenüber, bei der Verrenkung oder Luxation ist dies nicht der Fall. Das Gelenk ist federnd fixiert und nur noch teilweise oder gar nicht mehr beweglich. Häufig ist es geschwollen und schmerzt. Die umliegenden Strukturen, d.h. Bänder, Kapseln, Muskeln, Gefäße und Nerven, können verletzt sein.
Merke
Die Dorn-Therapie kann keine Verrenkungen beheben.
Die Begriffe „Korrektur“ und „Richten“ werden in diesem Buch synonym benutzt. Sie bezeichnen das vollständige Aufheben von Gelenk- und Wirbelblockaden und sind langfristiges Ziel der Behandlung.
Ein Zeichen für Blockadefreiheit ist uneingeschränkte Beweglichkeit. Darüber hinaus finden sich bei Wirbeln schmerzfreie Dornfortsätze, bei Halswirbeln schmerzfreie Querfortsätze.
Dermatome (▶ Abb. 1.1) sind Hautzonen, die vorwiegend von einer bestimmten Spinalnervenwurzel innerviert werden. Nervenäste der Nachbarsegmente können diese Bereiche auch in geringerem Maße innervieren. Bei Reizungen und Schädigungen einer Nervenwurzel kommt es zu Parästhesien wie Schmerzen, Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Empfindungsstörungen, aber auch Anästhesien entlang dieser Hautzonen. Dies erlaubt Rückschlüsse auf den betroffenen Wirbel. Umgekehrt üben erkrankte Organe einen Reiz auf „ihren“ Wirbel aus und können Blockaden der entsprechenden Wirbelgelenke verursachen.
Merke
Irritationen der Dermatome und Head’schen Zonen können auf innere Krankheiten verweisen.
Abb. 1.1 Dermatome. a Von vorn, b von hinten, c, d Seitenansicht der unteren Extremitäten.
(Schiffter R, Harms E. Bindegewebsmassage. 14. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2005)
Das Aufheben von Wirbelblockaden reicht manchmal schon aus, um internistische Krankheiten erfolgreich zu therapieren. In jedem Fall unterstützt es den Menschen bei seiner Genesung, unabhängig davon, ob der Wirbel aufgrund eines inneren Geschehens blockiert war oder umgekehrt. Bei hartnäckig rezidivierenden Wirbelblockaden, die sich nicht aus einer Beckenfehlstellung oder Beinlängendifferenz erklären lassen, empfiehlt sich ggf. die internistische Abklärung des zum Wirbel gehörigen Organgebiets.
Verwandt, aber nicht identisch mit den Dermatomen sind die sog. Head-Zonen (▶ Abb. 1.2). Dies sind Hautareale, die bei Irritation des zugehörigen inneren Organs schmerzempfindlich oder schmerzhaft werden. Sie erstrecken sich über mehrere Dermatome, haben jedoch einen diagnostisch bedeutsamen maximalen Schmerzpunkt.
Abb. 1.2 Head’sche Zonen.
Die Verwendung von Geräten in der Dorn-Therapie gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen in Therapeutenkreisen. Die einen sind davon überzeugt, dass nur die Arbeit mit den eigenen Händen „authentisch“ oder richtig ist, die anderen schwören auf die Effektivität von geräteunterstütztem Arbeiten.
Die Arbeit mit Geräten schafft Distanz zum Patienten. Je nach Wesensart des Therapeuten und des Patienten kann dies durchaus sinnvoll und gewünscht sein. Wer den direkten Kontakt zum Patienten für wesentlich hält, wird auf die Arbeit mit Geräten meist verzichten. Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Patienten den körperlichen Kontakt sehr schätzen und sich rasch entspannen, wenn ohne Gerät gearbeitet wird.
Merke
Die Entscheidung für oder gegen geräteunterstütztes Behandeln ist bei jeder Behandlung entsprechend den vorliegenden Umständen erneut zu treffen.
Die Vor- und Nachteile der Anwendung von Geräten sind demnach genau abzuwägen (▶ Tab. 1.1). Danach ist zu entscheiden, ob und wann Geräte eingesetzt werden.
Merke
Aus Holz gefertigte Geräte sind nicht sterilisierbar.
Das Brettchen ermöglicht dem Patienten bei der Behandlung im Stehen das entspannte Pendeln mit dem freien Bein.
Eine Brettchendicke von ca. 5 cm hat sich als ideal erwiesen. Ersatzweise, z.B. beim spontanen Hausbesuch, kann man den Patienten auch auf eine dicke Unterlage, z.B. auf ein Telefonbuch stellen.
Praxistipp
Jeder Dorn-Therapeut sollte ein Brettchen verwenden.
