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Dieses Buch ist ein emotionaler und faktischer Einblick in die rohe Gefühlswelt von 7 Jahren Krebskampf, Tod und Verlust, von ungelebter und gelebter Trauer der Autorin. Es ist das Zeugnis ihrer ganz persönlichen Metamorphose. Der Schreibstil ist einzigartig: klar, direkt, fesselnd, unverblümt, humorvoll, furchtlos und radikal ehrlich. Nichts wird weichgespült, alles überflüssige weggelassen. Der Sog beim Lesen ist überwältigend. Lies dieses Buch, wenn - du Worte für das Unaussprechliche suchst, - du wissen willst, wie sich trauern anfühlt, - du Schwierigkeiten hast, Prioritäten zu setzen, - du daran erinnert werden möchtest, dass deine Lebenszeit zu wertvoll ist, um die Erwartungen anderer zu leben. Die Autorin hat es für sich selbst geschrieben, autobiografisch in Reinform. Und sie hat es für diejenigen geschrieben, die noch mitten drin stecken, um ihnen das Reden und Erklären abzunehmen oder zu erleichtern. Aber es ist auch für alle Außenstehenden, die Trauernde verstehen und da sein möchten. Wenn dir als Betroffene/r die Worte fehlen, nutze dieses Buch, um zu sagen, wie du dich fühlst und um Hoffnung zu finden, dass du das alles überleben kannst. Wenn wir bis in unsere letzte Zelle hinein verstanden haben, wie wertvoll das Leben ist, wenn wir den Tod als unseren Ratgeber einladen, verändert das alles. Das Leben wird zum Fest, das gefeiert werden möchte.
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Seitenzahl: 48
Veröffentlichungsjahr: 2022
Für meine Bären, für die, die meinen Vater kannten und für alle, die nach Worten suchen, um ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen.
Dieses Buch ist ein emotionaler und faktischer Einblick in 7 Jahre Krebskampf, Tod, Beerdigung, meine ungelebte und gelebte Trauer. Es ist das Zeugnis meiner ganz persönlichen Metamorphose.
Ich habe es für mich geschrieben. Und ich schreibe es für diejenigen, die noch mitten drin stecken, um ihnen das Reden und Erklären abzunehmen oder zu erleichtern. Aber es ist auch für alle Außenstehenden, die verstehen und da sein möchten.
Wenn dir die Worte fehlen, nutze dieses Buch, um zu sagen, wie du dich fühlst und um Hoffnung zu finden, dass du das alles überleben kannst.
Ich wünsche dir einen sicheren Raum, in dem du dieses Buch lesen kannst und freue mich, wenn du deine Gedanken dazu, mit mir teilst.
Warum bist du hier?
Führst du ein erfülltes Leben?
Hast du Angst vor dem Tod?
-
John Strelecky
Der Tag, an dem meine Welt stillstand.
Die Welt zwischen Hoffen und Bangen.
Der Tag, an dem meine Welt zerbrach.
Im Überlebensmodus.
Der Tag, an dem mein Herz stillstand.
Trauer zulassen.
Der Tag, an dem ich bereit war zu sterben.
Neuanfang.
Jede Erfahrung ist einzigartig. Deine genauso wie meine. Das macht sie und dich zu einem Schatz, einem Diamanten, den es nur einmal gibt. Das Leben gibt dir diesen ganz besonderen Schliff.
Es wird Zeit, dass du das mit der Welt teilst!
Und wie die Diamanten
werden Heldinnen dann geboren,
wenn der Druck am größten ist.
A true hero shows grace under pressure.
-
Ernest Hemingway
Pfingsten 2003
Mein Vater hatte Krebs. Hautkrebs. Diagnose mit 49. Wie man das Männern gerne nachsagt, ist er spät zum Arzt gegangen. Ein sturer Bock eben.
„Is ne harmlose Sache“, haben sie gesagt. „Wir schneiden das Problem großzügig bei örtlicher Betäubung aus seinem Rücken raus, versetzen ihn danach in Vollnarkose, drehen ihn um und entnehmen noch zwei bis drei Lymphknoten unter der linken Achsel.“
Zack, zack, fertig. No big deal. Ganz unspektakulär.
Ok, dachten wir. Is ja nur Hautkrebs. Daran stirbt man doch nicht. Da klopft dir der liebe Gott nur auf die Finger, weil du nicht gut genug für dich selbst gesorgt hast.
Das wird schon wieder.
Der OP-Tag war ein herrlich warmer Frühsommertag. Ich hab den Duft des grünen Rasens und der Blumen noch in der Nase.
Mom brachte Paps morgens ins Krankenhaus. Gegen 14 Uhr verabschiedete sie sich aus unserer gemütlichen Ratsch-Runde und fuhr wie mit den Ärzten besprochen zu Paps. Ich blieb mit Freund und zwölfjährigem Bruder zuhause im Garten.
Und dann kam der Anruf.
Moms Stimme zittert.
„Irgendwas is’ schief gegangen. Er hatte einen Herzstillstand. Sie mussten ihn reanimieren. Die Schwester konnte mir auch nicht mehr sagen. Sie haben ihn in die Ziemsenstraße verlegt. Ich fahr‘ da jetzt hin. Ich meld‘ mich wieder.“
Sie legt auf.
2. Herzstillstand während des Transports.
Die Erde bebt unter meinen Füßen.
Jeder einzelne Muskel und Nerv ist bis zum Zerreißen angespannt. Mein Puls rast. Ich kann nicht atmen. Mir ist schlecht. Ich zittere wie Espenlaub am ganzen Körper. Meine Bewegungen sind erst wie in Zeitlupe und dann plötzlich hektisch, fahrig, unkontrolliert. Ich stoße Gläser um. Alles dreht sich. Alles vibriert und bitzelt. Meine Hände und Füße sind taub. Der Kopf fühlt sich gleichzeitig völlig leer und geschärft an.
Bist du schon mal um 3 Uhr nachts von einer Panikattacke geweckt worden?
Das ist ziemlich scheiße.
Weil du nämlich nichts von dem anwenden kannst, was du gelernt hast, damit es gar nicht erst so schlimm wird.
Und es wurde schlimm.
Richtig schlimm.
Die Nacht nach Paps Herzstillstand.
Mein Freund und ich übernachten im Gästezimmer unterm Dach. Wir liegen auf dem Boden auf zwei Matratzen. Gegen 3 Uhr morgens wache ich davon auf, dass mein Körper austickt. Ich liege auf dem Rücken. Die Symptome sind so heftig, dass ich meinen Arm nach rechts ausstrecke und meinen Freund wecke. Ich bitte ihn, nach unten zu gehen und meine Mom zu wecken. Er wehrt ab, dass er doch nicht einfach mitten in der Nacht bei meiner Mutter im Schlafzimmer stehen könne. Ich sage ihm, dass er das schon könne und es ausreiche, wenn er einfach nur sagt, sie müsse kommen. Er geht und holt sie.
Das darf doch alles nicht wahr sein. Jetzt lässt mich mein Körper auch noch im Stich. Oh Gott, tut das weh. Bitte mach irgendwas, damit das aufhört. Atme. Konzentrier dich auf's Atmen. Mir is so schlecht. Alles dreht sich. Jetzt bloß nicht übergeben. Mom is gleich da. Du bist nicht allein. Sie wird dir helfen. Sie weiss, was zu tun ist.
Mein ganzer Körper krampft und zittert. Finger und Füße sind taub. Der Rest des Körpers kribbelt wie Kohlensäure. Ich hab keinerlei Kontrolle darüber. Meine Hände krampfen so stark, dass sich die Fingernägel in meine Handflächen bohren. Mir ist unendlich kalt. Gleichzeitig bin ich schweißgebadet. Mein Kopf ist voll da, mein Körper ist völlig von mir abgespalten.
Ich fühl mich so unfassbar hilflos.
Der Morgen danach.
Es ist früh am Morgen, so 8 oder 9 Uhr. Die Nacht war kurz und anstrengend. Ich steh am Treppenabsatz mit Blick die Treppe runter zur Eingangstür. Sie öffnet sich und Paps kommt rein. Ich bleibe stehen und er bleibt stehen. Wir sehen uns an und für einen langen Moment sagen wir beide gar nichts. Dann begrüßt er mich, als wäre nichts besonderes, geht zur Garderobe, hängt seine Jacke auf und geht zu Mom in die Küche.
