Leuchtenstadt - Daniel Wachter - E-Book

Leuchtenstadt E-Book

Daniel Wächter

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Beschreibung

Die Stadt Luzern erlebt die wohl schwärzesten Stunden ihrer neueren Geschichte: Zeitgleich gerät die Stadt ins Visier eines Heckenschützen und von Terroristen. Die Luzerner Polizei entsendet ihren besten Mann ins Fegefeuer: Major Vitus Bussmann von der Abteilung "Leib und Leben"!

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Seitenzahl: 222

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Daniel Wachter

Leuchtenstadt

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Leuchtenstadt

Impressum

Anmerkung des Verfassers

Danksagung

Karte

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Epilog

Über den Autor

Impressum neobooks

Leuchtenstadt

DANIEL WACHTER

LEUCHTENSTADT

KRIMINALROMAN

Texte: © Copyright by Daniel WachterUmschlaggestaltung: © Copyright by Daniel Wachter

Verlag Taschenbuchausgabe:Daniel Wachter

CH-6036 Dierikon

Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Eine E-Book-Version dieses Werkes wurde publiziert von neobooks – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Impressum

Texte: © Copyright by Daniel Wachter

Umschlaggestaltung: © Copyright by Daniel Wachter

Verlag Taschenbuchausgabe:Daniel Wachter

CH-6036 Dierikon

Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Eine E-Book-Version dieses Werkes wurde publiziert von neobooks – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Anmerkung des Verfassers

Die Ereignisse sind fiktiv, ebenso die Charaktere. Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen sind rein zufällig. Gewisse reale Ereignisse wurden an die fiktiven Gegebenheiten angepasst.

Danksagung

Grosser Dank gilt all jenen Leuten, welche mich auf meinem Lebensweg begleiten, insbesondere meinen Eltern.

Karte

©by OpenStreetMap/bearbeitet von Daniel Wachter

Prolog

Götzental, Dierikon, Schweiz,

März 2019

„Wir sind auf dem besten Weg dazu, diese linken Bastarde wieder auszurotten!“

Frenetischer Beifall erklang nach der flammenden Rede dieses mächtigen Hünen im Ledermantel, den Kopf kahl geschoren.

Seinen richtigen Namen kannte niemand, alle sprachen vom Führer – in Reminiszenz vergangener Zeiten.

Keiner der urigen Eidgenossen, wie sich diese Gruppe nannte, hatte besagte Zeiten erlebt, doch trauerten sie diesen nach. Wöchentlich versammelten sie sich in einer verlassenen Scheune, direkt an der Götzentalstrasse zwischen Udligenswil und Dierikon gelegen.

„Unser Blut soll wieder rein werden!“, polterte der Führer.

„Unser Blut soll wieder rein werden!“, wiederholte die Menge und applaudierte.

„Unser Blut! Wieder rein!“, skandierten alle Anwesenden anschliessend im Takt.

Damit war ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Stadt Luzern und Umgebung beschlossen, eines, das als sehr blutiges im kollektiven Gedächtnis verbleiben würde.

Am Kopf des Tisches war jemand sehr zufrieden. Er hatte diese Gruppe ins Leben gerufen, und sie schienen seine Erwartungen zu erfüllen. Er war der einzige, dessen Befehle der Führer Folge leisten musste. Unterwerfend nannte er ihn Boss.

Kapitel 1

Lokomotivdepot SBB, Neustadt, Luzern, Schweiz,

März 2019

Fröhlich pfeifend sperrte Thomas Eiholzer den Führerstand seiner Lokomotive per Vierkantschlüssel zu. Er hatte allen Grund zur Freude, denn schliesslich hatte er nun Feierabend.

War auch Zeit geworden, die Fahrt von Genf nach Luzern war unter normalen Umständen bereits viel zu lange für seinen Geschmack, schliesslich hatte er als Mittfünfziger doch öfters Harndrang als seine jungen Kollegen. Diese waren noch motiviert, solche Arbeiten verrichten zu können, was ihn mit Freude erfüllte.

Zu allem Überfluss war er noch wegen eines Personenunfalls umgeleitet worden und hatte Luzern eine Viertelstunde später erreicht als geplant – und die nette Dame in der Disposition hatte ihn noch charmant gefragt, ob er noch den Zug ins Depot stellen würde. Diesen Zusatzeffort würde man natürlich auch dementsprechend entlohnen.

Jetzt freute sich Thomas auf ein grosses Bier in der Rathaus-Brauerei direkt am Reussufer, welche er als sein Stammlokal auserkoren hatte.

Schliesslich standen drei freie Tage an, die er endlich wieder mit seinen Wanderkumpanen in den Urner Alpen verbringen würde. Welchen Gipfel sie erklimmen würden, hatten sie noch nicht entscheiden, das gemeinsame Bier sollte dabei helfen.

Solche Ausflüge gehörten zur Tradition, kaum ein Berg in der Schweiz hatten sie noch nicht bestiegen. Klar, von den ganz grossen Klassikern wie Eiger oder Matterhorn liessen sie die Finger, waren sie doch keine Sportkletterer, aber dennoch angefressene Berg- und Skitourengänger.

Bei all dieser Vorfreude bemerkte Thomas nicht, wie sich ein Mann mit schwarzer Jacke auf der Langensandbrücke postierte und ein kleines Zielfernrohr auf das Depotgelände richtete.

Als dieser im Sucher Thomas erblickte, der gerade die Treppe, welche vom Depotgelände ins erhöhte Neustadtquartier führte, hochstieg, drückte er den Abzug durch.

Thomas Eiholzers Kopf explodierte regelrecht.

Kapitel 2

Mall of Switzerland, Ebikon, Schweiz,

März 2019

„Vitus!“, erklang die schrille Frauenstimme durch die Regale des Migros-Supermarktes in der Mall of Switzerland.

Major Vitus Bussmann, nebenberuflich Leiter der Fachgruppe DelikteLeib und Leben und zugleich stellvertretender Chef der Luzerner Kriminalpolizei und hauptberuflich Ehemann von Ingrid, verdrehte genervt die Augen, ehe er tief seufzte und den bereits überquellenden Einkaufswagen in Richtung seiner Frau bugsierte, welche ihn zu sich gerufen hatte.

Als er in die richtige Regalreihe einbog, erblickte er, wie seine Frau mit zwei Werkzeugkistensets in beiden Händen wedelte.

„Welches sollen wir nehmen?“, fragte sie. Bussmann seufzte abermals. Vor einigen Wochen hatte Ingrid durch eine Heimwerkersendung Blut geleckt und fortan beschlossen, ihre Wohnung eigenhändig umzubauen.

„Wir haben fast keinen Platz mehr!“, flehte Bussmann, ohne Erfolg; Ingrid warf gleich beide Koffer auf den Wagen, was die Lebensmittelpackungen darunter bedrohlich knacken liess.

Bussmann konnte es auch nicht verstehen, wieso die Filialen von Migros und Coop in der Hofmatt beziehungsweise im Schappe-Center nicht mehr für den Einkauf genügten, und man stattdessen in diesen überflüssigen Konsumtempel in Ebikon gehen musste. Dabei hätten sie doch in ihrer Wohngemeinde Kriens einen eigenen – den Pilatusmarkt, der zudem stets fast immer halb leer war.

Doch Ingrid hatte von ihren Freundinnen nur Gutes gehört, weswegen die Mall of Switzerland nun zum wöchentlichen Pflichtprogramm der Bussmanns gehörte. War die Mall doch zur Zeit hip und total in. Wer etwas auf sich hielt, sollte einer der ersten gewesen sein, der durch die Gänge des Konsumtempels schritt. Und so fühlte es sich im Gedränge auch an. Vitus war sich sicher, in weniger als zwei Monaten wäre er zur selben Uhrzeit alleine hier drin. Er liebte Ingrid ja, aber ihre Freundinnen hatten doch einen eher negativen Einfluss auf sie. Insbesondere diese Annemarie Brunner, welche nach einer Scheidung offenbar ihren zweiten Frühling erleben wollte und wieder zu einem kitschigen Teenagermädchen mutiert war.

Sohn Luca, gerade fünfundzwanzig Jahre alt geworden, hatte sich galant aus der Affäre gezogen, in dem er das elterliche Nest verlassen und mit Freunden eine WG im Luzerner Tribschenquartier gegründet hatte.

Irgendwann hatte der Albtraum ein Ende und Bussmann war fast schon erleichtert, als sie sich in die Schlange an der Kasse einreihten.

Auch wenn Ingrid sehr anstrengend zu sein schien, liebte er sie dennoch sehr. Sie war sein Fels in der Brandung, seine Stütze, wenn ihm bei der Arbeit der Himmel auf den Kopf zu stürzen drohte. Es hatte in seiner langen Karriere schon dutzende Fälle gegeben, bei denen er nach aussen professionell wirkte, aber innerlich beinahe zerbrach. Wie denjenigen des mordenden Pflegers in einem städtischen Altersheim nahe der Grenze zu Kriens oder der Amoklauf in einer Holzverarbeitungsfirma in Menznau, einem beschaulichen Dorf, welches bis zu jener Tat die pure Idylle verkörperte.

„Schatz, warte doch kurz!“ Diese Worte Ingrids verhiessen nie was Gutes.

So war es auch diesmal; ehe sich Bussmann versah, war seine Gattin wieder im Laden verschwunden. Da die Schlange vor ihm noch lang genug war, entschloss er sich, dennoch zu warten.

Eine fatale Entscheidung, denn sie wurde immer kürzer, während Ingrids Abwesenheitszeit immer länger wurde.

Zu allem Überfluss klingelte noch sein Mobiltelefon. Nervös suchte er all seine Jackentaschen nach dem fiependen Nervtöter ab und als er diesen endlich in den Händen hielt, schien der Anrufer aufzugeben.

Bussmann entsperrte den Bildschirm seines Smartphones und identifizierte den Anrufer als Frau Oberstleutnant Corinne Eichenberger, Kripochefin der Luzerner Polizei.

Was war so wichtig, dass Eichenberger ihn an seinem freien Tag anrief? Sie war sonst nie so. Sie musste triftige Gründe haben.

Er beschloss, zurückzurufen.

„Eichenberger!“, meldete sich jemand am anderen Ende der Leitung.

„Vitus Bussmann hier! Du wolltest mich anrufen!“

„Genau! Kannst du vorbeikommen?“

„Jetzt?“, fragte Bussmann verblüfft.

„Jetzt!“

„Aber heute ist mein freier Tag!“

„Das Verbrechen hat nie einen freien Tag!“, konterte Eichenberger und legte auf. Bussmann hatte keine Chance, noch etwas zu erwidern.

Als Ingrid mit irgendwelchen Malutensilien zurückkehrte, fand sie nur den verlassenen Einkaufswagen vor, von ihrem Mann fehlte jegliche Spur.

Seufzend stopfte sie ihre Errungenschaften in den bereits übervollen Einkaufswagen und bezahlte. Danach fischte sie ihr Handy hervor und versuchte, Vitus zu erreichen.

Ohne Erfolg.

Kapitel 3

Parkhaus Mall of Switzerland, Dierikon, Schweiz,

März 2019

Mit dem provisorisch aufs Dach gehievten Blaulicht brauste Bussmann aus dem Parkhaus des Einkaufszentrums auf die Hauptstrasse Richtung Stadt Luzern. Auf Höhe Schindler überholte er die wegen eines roten Lichtsignals gebildete Kolonne auf der rechten Spur. Sollte er eine Busse kassieren, würde er dies mit den Kollegen der Streife schon regeln.

Gottseidank hatte er seinen Privatwagen umgerüstet, um auch im zivilen Leben immer für den Einsatz als Polizist vorbereitet zu sein.

Weil ein solcher Polizist eine Vorbildfunktion innehatte, würde er niemals am Steuer telefonieren, weswegen er Ingrids Anrufversuche gekonnt ignorierte.

Dass ihn am Abend ein Donnerwetter erwarten würde, war ihm klar. Doch auch Corinne Eichenberger hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, dass Bussmann dringend gebraucht würde.

Per Polizeifunk hatte er sich auf den neusten Stand gebracht: Eine männliche Leiche beim Depot der Schweizerischen Bundesbahnen, regelrecht hingerichtet.

Auf dem Schlossberg drückte Bussmann druckvoll auf die Hupe, da sich ein Autofahrer offenbar nicht dazu überwinden konnte, trotz Blaulicht und Sirene zur Seite zu weichen.

Als er beim Bundesplatz in die Neustadtstrasse einbog, sah er die ersten Blaulichter in den Fassaden blitzen. Das Polizeiaufgebot sorgte auch für ordentliche Neugierde bei den Anwohnern, etliche Fenster waren geöffnet. Auch vor dem Tatort waren Polizeibeamte damit beschäftigt, Schaulustige wegzuschicken. Vor einem Restaurant stellte Bussmann seinen Wagen zur Seite und schritt auf die Absperrung zu. Bussmanns Augen suchten die Umgebung vergebens nach Corinnes knallrotem Citroën D2 ab.

Sobald er seinen Dienstausweis gezeigt hatte, wurde Bussmann durchgelassen. Sofort eilte Korporal Pascal Sauter zu ihm, ein noch junger, aber sehr tüchtiger Kollege bei der Kriminalpolizei. Bussmann hielt grosse Stücke auf ihn.

„Was gibt’s?“, fragte Bussmann statt einer Begrüssung.

„Eine männliche Leiche auf Depotgelände, regelrecht hingerichtet. Sein Name ist...ich meine, war...Thomas Eiholzer. Er war Lokomotivführer. Ich warne dich, der Anblick ist nichts für zarte Gemüter. Amelie hat gleich neben die Treppe gekotzt!“

„Jaja“, winkte Bussmann ab. „Ich habe schon viel Schlimmes gesehen! Ist Corinne noch da?“

Sauter schüttelte den Kopf. „Vor ein paar Minuten abgebraust. Sie bräuchte einen Kaffee, hatte sie gemeint!“

Doch selbst Bussmann musste beim Anblick des toten Mannes – oder was von ihm übrig geblieben war – leer schlucken. Am Fuss der Treppe erblickte er, in eine Wolldecke gehüllt, die zitternde Amelie Wicki, frisch aus der Polizeischule, die nun mit der brutalen Wahrheit des Polizeilebens konfrontiert wurde. Sprich: Mit der anderen brutalen Wahrheit als langweiliges Strafzettelverteilen.

Der Kopf des Toten bildete in Form zahlreicher Haut- und Gewebeteile ein menschliches Graffiti an der Stützmauer in seiner hässlichsten Form. Der Torso und die Gliedmassen waren allerdings intakt, ohne Spuren äusserlicher Verletzungen. Man war versucht zu glauben, dass sich hier der Dreh eines absolut brutalen Horrorfilmes abspielen würde, doch es war leider bittere Realität. Die Spurensicherung war bereits an der Arbeit.

„Gibt es Zeugen?“ Bussmann unterdrückte die aufkommende Übelkeit und versuchte, wieder ein wenig Professionalität in die Angelegenheit zu bringen.

Sauter schüttelte den Kopf. „Nein. Die Leiche wurde von einem Arbeitskollegen entdeckt. Ich führe dich gleich zu ihm!“

Im Innern des Depots sass der Finder der Leiche, gemäss Sauter ebenfalls ein Lokomotivführer namens Paul Kost, auf einem Hocker, betreut von weiteren Polizeibeamten und Angestellten der Bundesbahnen. Dieser zitterte noch mehr als Amelie und hatte den wärmespendenden Kaffeebecher umklammert wie ein kleines Kind seinen Teddybären. Traurige Augen blickten ihn aus einem blassen Gesicht an.

„Vitus Bussmann, Kriminalpolizei Luzern!“

„Kost!“, nuschelte dieser.

Bussmann griff sich einen weiteren Hocker, der ihm von einer unbekannten Hand hingestreckt wurde und setzte sich zu Kost. Die anderen Anwesenden machten sich aus dem Staub.

„Es tut mir leid, dass ich Sie befragen muss!“, entschuldigte er sich. Die Verfassung seines Gegenübers erschütterte ihn auf unnatürliche Weise.

„Thomas und ich waren beste Freunde, seit unserer Lehrzeit. Wir haben zur selben Zeit bei der Bahn angefangen und haben auch damals, vor fast dreissig Jahren, in Erstfeld gemeinsam die Ausbildung gemacht. Das war eine schöne Zeit, das sag’ ich Ihnen!“

Bussmann erachtete es als das Beste, Kost nicht zu unterbrechen. Allerdings war da jemand bedauerlicherweise anderer Meinung.

„Du musst nicht alles erzählen!“ Ein kleiner Mann, mit schütterem weissem Haar und grauem Hemd, drängte sich zwischen zwei abgestellten Eisenbahnfahrzeugen in den Vordergrund. Bussmann betrachtete ihn mit skeptischem Blick.

„Oh! Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Martin Hauser, ich bin der Vorgesetzte von Herrn Kost. Ist er etwa verdächtig? Ich bedaure, was mit Thomas passiert ist, musste er leiden. Ich meine, ...“

Bussmann verdrehte die Augen. Solch umtriebige Menschen waren ihm schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Deshalb beschloss er, den Redefluss dieses hibbeligen Vorgesetzten zu unterbrechen.

„Verzeihen Sie, Herr Hauser, aber dies ist eine polizeiliche Befragung und diese führe ich mit Vorlieben am liebsten unter vier Augen durch!“ Er hoffte, diesen Hauser dadurch zur Vernunft gebracht zu haben.

Hausers hoffnungsvoller Blick liess Bussmann kalt und nach einigen weiteren Sekunden Ignoranz schlich Hauser von dannen.

„Sie müssen nichts sagen, was Sie nicht wollen!“, wandte sich Bussmann an Kost, doch der winkte ab.

„Schon klar, aber ein bisschen reden hilft!“

Bussmann nickte und forderte Kost mit einer Handbewegung auf, weiterzureden.

Zufrieden steckte der Führer sein Telefon ein. Der Schütze hatte seine erste Aufgabe mit Bravour geleistet, er erfüllte die Erwartungen, die aufgrund seines Leistungsausweises auf ihm ruhten, vollends. Jetzt hoffte der Führer, dass auch sein Boss zufrieden war.

Doch er war sich auch bewusst, dass dies erst der Anfang war...

Kapitel 4

Lokomotivdepot SBB, Luzern, Schweiz,

März 2019

Kost erzählte von den vielen gemeinsamen Jahren mit Eiholzer und es schien, als würde der Tote in den Erzählungen seines Freundes wenigstens für eine kurze Zeit wieder zum Leben erweckt. Bei den witzigen Anekdoten verschwand auch für wenige Augenblicke der Trauerausdruck in Kosts Augen. An Bussmann nagte sichtlich das schlechte Gewissen, als er sich gezwungen sah, Kost in die Realität zurückzuholen und die Befragung in eine Richtung zu lenken, aus der Bussmann erste wichtige Angaben für die Ermittlungen erhalten könnte.

„Wie haben Sie Herrn Eiholzer denn gefunden?“

Kost benötigte offenbar einen Moment, um wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Dann räusperte er sich.

„Meine Schicht hatte begonnen, ich sollte als erstes einen Zug vom Depot in den Bahnhof stellen. Als ich die Treppe hinunterstieg, sah ich die orange Warnweste dort liegen. Unten erkannte ich, dass es Thomas war!“

„Warum erkannten Sie ihn, der Kopf war völlig zerfetzt, als wir hier auftauchten!“

Statt einer Antwort zog Kost seinen rechten Ärmel zurück. Auf dessen Unterarm prangte eine Tätowierung; ein Anker und ein Papagei. Bussmann nickte. Dasselbe Tattoo war ihm auch bei Eiholzers Leiche aufgefallen.

„Thomas und ich hatten uns dieses Tattoo auf Antigua stechen lassen, als wir auf Weltreise waren!“

„Bussmann! Was geht hier vor?“, platzte ein schwitzender Frank Bachmann, mit einer ebenso gehetzt wirkenden Corinne Eichenberger, in Bussmanns Büro. Bachmann war seines Zeichens Regierungsrat und in Personalunion Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements und somit Bussmanns oberster Vorgesetzter.

Sorry, ich versuchte ihn aufzuhalten!, schien Corinnes entschuldigender Blick zu signalisieren, Bussmann zwinkerte ihr vergebend zu.

„Wie meinen Sie das, Herr Regierungsrat?“

„Dieser Mord, das sieht nach einem Heckenschützen aus, die Leute in Luzern haben Angst!“

Bussmann seufzte. Die spärlichen Anhaltspunkte, die sie hatten, deuteten tatsächlich auf einen Heckenschützen hin. Keiner der befragten Anwohner schien das Geräusch eines Schusses vernommen zu haben, ebenso schien niemand etwas gesehen zu haben.

Kurz nachdem Kost die Geschichte mit der Tätowierung erzählt hatte, war dessen Vorgesetzter wieder hereingeschneit und hatte Bussmann gebeten, dieser stressigen Situation ein Ende zu bereiten. Bussmann hatte zähneknirschend eingewilligt, mehr liess sich aus Kost zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht herausholen.

Nach einer kurzen Besprechung mit dem Einsatzleiter vor Ort waren Bussmann und Sauter ins Hauptquartier an der Kasimir-Pfyffer-Strasse zurückgekehrt. Peinlich berührt musste Bussmann am Empfang seinem jungen Kollegen den Vortritt lassen, weil er seine komplette Ausrüstung inklusive Badge zuhause gelassen hatte. Silvia Immoos am Empfang konnte sich ein Schmunzeln nur schwer verkneifen.

„Wir geben unser Bestes, den Mordfall schnellstmöglich aufzuklären!“

„Das will ich auch hoffen, ich will ein sicheres Luzern für meine Wählerinnen und Wähler. Denken Sie bitte daran, dass Ende Monat Regierungsratswahlen stattfinden und meine politische Zukunft auf dem Spiel steht!“

„Ich verspreche es!“ Zur Unterstreichung seines Schwurs reckte Bussmann Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand in die Höhe. Bachmann nahm es zufrieden zur Kenntnis.

„Ich weiss, dass Sie es schaffen, Bussmann! Sie sind unser bester Mann!“

Dann rauschte der Regierungsrat aus dem Zimmer und Bussmann wandte sich Kripochefin Eichenberger zu, welche den Wortwechsel schweigend mitverfolgt hatte.

„Es stirbt ein Mensch und für ihn ist die Politik am Wichtigsten!“, enervierte sie sich und stemmte ihre Hände in die Hüfte, was Bussmann zum Lachen brachte.

„Ich kann ihn irgendwie verstehen“, entgegnete er. „Wenn seine Abteilung gute Arbeit macht, dann kann er sich auf die Schulter klopfen.“

Augenrollend seufzte Eichenberger. „Was ist der neuste Stand der Ermittlungen?“

„Ich schlage vor, wir treffen uns alle in fünfzehn Minuten im Besprechungsraum RIGI zum Rapport. Aber zuerst muss ich noch meine Frau anrufen!“

„Was zum Henker ist nur in dich gefahren?!“ Automatisch entfernte Bussmann sein Mobiltelefon vom Ohr, um die Gefahr eines Tinnitus stark zu reduzieren.

„Schatz, es tut...“

„Dein Schatz kannst du dir in den Arsch schieben!“, keifte Ingrid. Bussmann stutzte. Seit wann hatte die denn ein solches lautstarkes Organ?

„Es war ein Notfall...“, versuchte er zu beschwichtigen, doch Ingrid unterbrach ihn erneut.

„Ein Notfall? So nennst du das also, wenn diese blonde Tusse auf dem Schreibtisch die Beine breit macht?“

Ach, daher wehte der Wind: Die liebe Eifersucht... Bussmann biss sich auf die Lippe, um nicht loszuprusten.

„Die blonde Tusse ist Kripochefin und sie ist vergeben, genauso wie ich!“

„Spielt das eine Rolle? Viele Menschen betrügen ihre Partner am Arbeitsplatz. In der Beate...“

„Ingrid!“, jetzt wurde Bussmann bestimmt. „Du sollst mehr deinem Ehemann als diesen nervigen Hochglanzpostillen Glauben schenken! Ich. Liebe. Dich. Und zudem ist Corinne viel zu jung! Die hat einen Fitnesstrainer als Freund, was will die von so einem alten Knacker wie mir!“

Bussmann bemerkte, wie Ingrid ein paar Mal nach Luft schnappte. Er wusste nicht, wieso sie plötzlich solch eine Paranoia besass, dass er sie betrügen würde. Dies würde ihm niemals in den Sinn kommen, zumal er als Polizist genau weiss, dass solche Affären immer auffliegen. Komplett alle Spuren verwischen können nicht mal Profitäter.

Kapitel 5

Hauptquartier Luzerner Polizei, Kasimir-Pfyffer-Strasse, Luzern, Schweiz,

März 2019

Nachdem er sich mit Ingrid versöhnt hatte, schneite auch Bussmann ins Sitzungszimmer RIGI.

Als man die Räumlichkeiten an der Kasimir-Pfyffer-Strasse saniert hatte, war wohl einem Genie ein Licht aufgegangen: Es war auf die absolut einmalige Idee gekommen, die Sitzungs- und Besprechungszimmer nach Bergen der Umgebung zu benennen. Jetzt tagten sie je nach Lust und Laune – oder besser gesagt, Versammlungsgrösse – im Pilatus, in der Rigi, im Napf oder im Sonnenberg.

Es waren alle versammelt: Nebst Kripochefin Eichenberger und Korporal Sauter auch die treue Seele der Kriminalpolizei, Korporal Christian Welti, ihm zur Seite hatte sich Neuzugang Gefreiter Sabrina Schmidig niedergelassen, auf den ersten Blick zierlich, ist sie für manchen Betrachter überraschend durchsetzungsfähig. Ihrem Dickschädel machte so schnell niemand Konkurrenz. Genauso wie Sauter gehörte auch Schmidig zu der aufstrebenden jungen Garde der Luzerner Polizei, in die Bussmann grosse Hoffnungen hegte.

Sich ebenfalls eingefunden hatte sich Staatsanwältin Gisela Wyniger. Mit Bedauern musste Bussmann feststellen, dass sich auch sein Widersacher, Hauptmann Alois Burkhalter, offenbar für den Depot-Mordfall zuständig fühlte. Burkhalter war stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei und hatte damals bei Bussmanns Wahl zum Leiter der Kriminalpolizei ebenfalls ein Auge auf diesen Posten geworfen und hatte es bis dato nicht verkraften können, dass er Bussmann bei der internen Ausmarchung unterlegen war.

Die beiden waren wie Tonya Harding und Nancy Kerrigan; wobei sich Burkhalter bislang noch keiner Eisenstange zu Nutzen machte, sondern eher anderen Intrigen.

Eine war, jeder Erläuterung Bussmanns seinen Senf beigeben zu müssen. Auf diese Eigenheit verzichtete er natürlich auch dieses Mal nicht, als Bussmann in knappen Sätzen die Sachlage erklärte.

„Ist sicher ein anderer Lokomotivführer!“, ätzte Burkhalter. „Das sind die grössten Neidhammel, die ich kenne. Zudem halten sie sich für die Besten, dabei tun die ja nichts anderes als ihre Hebel nach vorne und nach hinten legen!“

Wie er denn darauf käme, wollte Bussmann wissen, woraufhin Burkhalter zu einer langen Tirade loslegte. Die Gesichtsfarbe Burkhalters wurde immer röter, weswegen sich Bussmann trotz der gigantischen Antipathie gewisse Sorgen um Burkhalters Blutdruck machte.

„Die wollen nichts tun, nur faul rumsitzen und fett absahnen! Aber kaum geht es einem von ihnen besser als dem anderen, schrecken sie vor Mord nicht zurück! Ich würde mir diesen Kost vorknöpfen, das sag’ ich euch!“

„Zuerst bestimme ich, wer im Team ist!“, ging Kripochefin Eichenberger dazwischen. Bussmann schenkte ihr einen dankbaren Blick.

„Bussmann übernimmt die Leitung, Sauter, Welti und Schmidig stehen ihm zur Seite. Viel Glück bei der Arbeit!“ Eichenberger sortierte ihre Akte und Bussmann nahm belustigt war, wie ein erzürnter Alois Burkhalter das Sitzungszimmer verliess.

„Bussmann und Sauter, unser neustes Ermittlerteam. Könnte man gleich eine Fernsehserie draus machen!“, grinste Corinne Eichenberger, woraufhin Bussmann schnaubte.

„Stell mir doch lieber eine Frau zur Seite, wie beim Tatort!“

„Wir sind hier aber nicht beim Tatort, zudem bist du viel freundlicher als Reto Flückiger!“

Bussmann grinste. Danke für die Blumen!

„Und Liz Ritschart ist lesbisch!“, warf Sabrina Schmidig ein.

„Ist gut, ist gut!“ Bussmann hob abwehrend die Hände! „Pascal ist natürlich auch eine tolle Wahl!“

Noch röter als dieser durch dieses Kompliment wurde allerdings Sabrina, was Bussmann schmunzelnd zur Kenntnis nahm. Er verkniff sich einen Kommentar und nahm sich die Aufgabenverteilung vor.

Korporal Christian Welti nahm den Weg von der Kasimir-Pfyffer-Strasse zum Bahnhof per Schusters Rappen auf sich. Er hatte den Auftrag gefasst, Eiholzers Arbeitskollegen unter die Lupe zu nehmen.

In der Bahnhofshalle sprach er einen Mann in SBB-Uniform an, welcher sich bereit erklärte, nach Vorweisen von Weltis Dienstausweis, diesem den Weg zu den Personalräumlichkeiten zu erläutern.

Dort angekommen, empfing Welti eine düstere Stimmung. Es waren etliche Lokomotivführer anwesend, alle sassen stumm an einem grossen weissen Tisch, andere in Relax-Sesseln oder auf einem Sofa. Keiner sprach ein Wort.

Auf dem Tisch war ein Foto Thomas Eiholzers aufgestellt, mit schwarzem Trauerflor dekoriert.

Welti räusperte sich, einige blickten auf.

„Kein guter Zeitpunkt, hierhin zu kommen!“, brummte einer.

„Ich fürchte doch!“ Welti hob seinen Dienstausweis. „Welti, Kriminalpolizei Luzern. Ich hätte da...“

„Jetzt belästigen Sie uns schon wieder!“ Wie aus dem Nichts war wieder dieser Hauser aufgekreuzt, der auch Welti am Nachmittag am Depot ordentlich auf die Nerven gegangen war.

„Ich mache nur meine Arbeit!“, verteidigte sich Welti bestimmt, doch Hauser liess nicht locker.

„Die Menschen hier haben einen Arbeitskollegen verloren und...“

„Genau deswegen bin ich hier. Wenigstens eine gerechte Strafe für den Täter hätte der arme Herr Eiholzer verdient, finden Sie nicht? Und jetzt lassen Sie mich in Ruhe, ansonsten sehe ich mich gezwungen, Sie wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festzunehmen!“

Das hatte gesessen, Hauser war wie ein geprügelter Hund davongerauscht.

Der Disput hatte längst die Aufmerksamkeit aller Anwesenden erregt.

„Zunächst möchte ich mein tiefstes Beileid zum Tode Eures Kollegen aussprechen!“, begann Welti. „Ich weiss, dass Ihr Bähnler genau wie wir Polizisten eine Familie seid, und solche Verluste tragisch sind.“

„Sind Sie jetzt gekommen, um auf Mitleid zu machen?“, polterte einer, der ganz am Fenster sass. Er hatte seine Haarpracht längst verloren und trug ein fies wirkendes Lächeln auf seinen Lippen.

„Nein!“ Welti betrat den Raum. „Ich will nur Antworten auf unsere offenen Fragen erhalten, Herr...“

„Buholzer. Max Buholzer. Ich bin der Elitelokführer hier in diesem Depot.“

„Schön!“ Welti schien dies zu beeindrucken wie ein verwelktes Gänseblümchen.

„Der Eiholzer war ein wilder Kerl!“, dozierte Buholzer nun. „Fragen Sie mal den Kost Paul, wo ist der überhaupt?“

„Warum denn? Waren die beiden Freunde?“ Welti liess sich nichts anmerken, dass er über die tiefe Freundschaft der beiden Männer beste Kenntnisse besass.

„Nein! Der Eiholzer hat Kosts Frau gevögelt!“

Offenbar waren Weltis Kenntnisse doch nicht so gut gewesen.

Als Bussmann am Abend das Polizeigebäude verliess, atmete er tief durch. Lange hatte er noch Akten gewälzt, selbst dann, als sonst alle gegangen waren. Doch er konnte sich keinen Reim auf das Geschehene machen. Bis Welti aufgeregt ins Büro stürmte und die Neuigkeiten überbrachte. Doch Bussmann verzichtete, Kost noch an diesem Abend zu vernehmen, er sollte sich in Sicherheit wiegen.

Als er in den Hirschengraben einbog, um zu seinem im Kesselturm geparkten Wagen zu gelangen, bemerkte er im Augenwinkel ein umschlungenes Pärchen, das sich im Kegel einer Strassenlaterne innig küsste.

Die haben sich wohl im Jodlerwirt zu tief in die Augen geschaut!, sagte er zu sich selbst und schenkte dem Pärchen zu Beginn kaum Beachtung.

Doch beim Nähertreten erkannte er, dass es sich um Sabrina Schmidig und Pascal Sauter handelte. Leise wollte er an ihnen vorbeischleichen, als sich just in diesem Moment Sabrina vom Kuss löste und ihre Augen geradewegs in diejenigen Bussmanns blickten.

„Ach du Scheisse!“, entfuhr es ihr, erschrocken stiess sie Sauter von sich weg.

„E-Es sieht nicht danach aus, wie es...“, stotterte dieser, woraufhin Bussmann laut loslachte.

„Schon klar, ihr habt eure Kaugummis ausgetauscht!“

Die beiden Jungpolizisten lieferten sich einen Wettkampf im Rotwerden. Manche Tomate im Gewächshaus wäre neidisch geworden. Auch wenn es ihn reizen würde, die beiden noch ein wenig mehr zu nerven, besann sich Bussmann eines Besseren.

„Hört zu, ich finde es toll, wenn sich zwei Menschen verlieben, ihr müsst euch nicht schämen.“

„Aber der Job...“

„Sabrina, das ist doch kein Problem. Solange die Arbeit nicht unter eurem Techtelmechtel leidet und ihr vielleicht nicht die Bürotische für irgendwelche Aktivitäten missbraucht, spielt doch das keine Rolle.“

Sauter wurde noch röter, was Bussmann nicht entging.

„Pascal...habt ihr die Tische etwa schon missbraucht?“

Langsam nahmen die Gesichtsfarben der beiden gesundheitsgefährdende Rottöne an. Bussmann lachte noch mehr.

Ach, er war ja auch mal jung gewesen.

Kapitel 6

Nahe Khalil-Gibran-Park, Beirut, Libanon

März 2019

Saïd Mahmoudi schulterte seinen olivgrünen Rucksack und schlüpfte in seine orangenen Sneakers. Nervös blickte er immer wieder auf seine Armbanduhr.

In den letzten Tagen war er aus Syrien in den Libanon geflüchtet, zuvor hatte er für den Islamischen Staat